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Full text of "Badische Heimat Vol 7 10yr 1920 23"

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JBabiscbe Ibetmat 


geitfcfyrift für Polfsfunfre, 
lättblid?e IPofylfafotspftege, 
unb Dcnfmalfd^u^ 


3 m Aufträge 

öes Pereins „Baöifcfye ßeimat" 
berausgegeben oon 
2Haf IPingenrotb 
^reiburg i. 3. 


7. 3 a ^rgang 



Karlsruhe t. 23. 

<5. Pvaunfdie ßofbucb&rucferei uti6 Perlaa 
( 92 o 


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3nfyaltst>er3etcfynis 


3)3> So I 

b U 

^ 1-/ö 


2 luffät»e: «eite 

Das jürftbistum Speyer unb feilte leisten Brudjfaler Vertreter, portrag pou 

(Set?. ßofrat Profeffor Dr. 3 0 ^ »He.3 —(6 

Die b)eibelberger ZTCaler 6 er Bomantif p 0 n Dr. 3 of. 3 Jug. 33 eringer, mannbeim \ ?-2 8 
I)ie ITtannljeimer DTufeen mit befonberer Betüdfidttigung 6 er l?iftorifdjen 

Sammlungen pon Prof. Dr. »friebridj IPalter.29-46 

Die oorgcfcfyidjtlidje Abteilung 6er Stäbtifcben Sammlung 51t ftcibclberg 

pon Dr. <Ertift iPable.4:—<>6 

^reiburgs ,? 5 uhtnft pon maj IPingenrotb.H—76 / 

Das alte unb bas neue ^reiburg D ou Dr. ing. Karl «ruber.77—98 

Die (Erhaltung 2 llt=^reiburgs pou maj tPingeurotb.49—i o; 

Bürgerliche Denfmalpflege. Sdjuts ber Kunft» unb Haturbcnfmale unferer 

Stabt burd? bie Cinmofynerfdjaft, Portrag pou <£. 31 . ntecfel, ^reiburg . tor»— 120 

Don ber ^reiburger ZHunbart pon Dr. phil. ©sfar tjaffner. i:i —ist 

Das < 5 rün im Stabtbilb pou Hobert Schimpf, ^reiburg. (32 — (43 


Sücfrerbefprediungen: 

2lrtf?ur Dalbenaire, ^riebrid? Steinbrenner, fein £eben unb feine Bauten 


(lltar IPingenrotty) . 67 

£jugo ( 3 ufd?neib, Kompofttioncn (Konrab «uentt^er). o* 

Dr. Peter p. 2 tlbert, Hcfytfyunbcrt 3 a fyrc ^reiburg (ITTa^ IDingertr otb) . . 
Baltfyafar tDilms, Die Kaufleute pon ^reiburg (irtaj 1Pingenrotb) . . (47 

Knton Heijbadj, ^einrid? Sauticr (mar IPingenrotb).( 47 —uh 

(Duftao ffiün$el, Die ©efdjidjte oom Scborfcbcl (illar IPingenrotb • uh 


OTitteUungen: 

2lit unfere DTUglicber.. n-, 


818 


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\. Damian ^it^o <flraf von Sd»cnborn 


©ae jfürffßtefum Speyer uttb ferne festen 
QBrudJfafer QOtxtxtüx 

Portra^, gehalten beim iJefudie bcs Urudjfaler SdjloJfcs burdf beit Karlsruher 
(Bcfdjidtts- unb JUtertumsrerein am 27. September 1919 

Ton <Betj. ßofrat profeffor Dr. 3a fob trillc 

‘nSijslf au fünft unb ^Malerei im Bunbe reben eine monumentale Sprache, bic in 
Jgyjy^ Hi^rcm ©efamtausbruef einörin^lidjer als bie umfangreichen ©efdjidjts^ 
^^l^^büdjer Öen 3ntjalt eines ganjen Zeitalters miebergibt, tueil beiöe Per* 
bünbete jimäcbft öic Sinne fcffeln. 3” öer fiinftlcrifdvn Kultur ber Kenaiffance 
unö öes Barocf erfaßt uns biefe monumentale Spradic in gewaltigen Cöncn. 
Kus öen Kuppeln unö Pecfen öer golb= unö marmorftrofcenöeu Kirdjcn tönt fte, 
nom <£bor muftjicrenöer £ngel begleitet, öie ©ebeimmffe öes ©laubons oerfün« 


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bcnb ju beit Kttbäditigcn berniebcr. <£s ift ber (Triumph ber röittifdicn Kirdv, 
6ic aus ben (dimeren (Rlaubcnsfämpfen heraus aud? äugcrlidj neu erftarft empor* 
fteigt. £in gloria in excclsis in leuditenben 5 Jr ^ en - (Blorienmalerei, Kuhm* 
nerfünbigung beberrfebt aber audi (Trcppcubäufcr unb ^Jcfifölc in ben paläftcn 
6er meltlidicn unb geift lieben lierrn in einem Zeitalter, bas, politifcb betraditet, 
3btien allen als ber Kusbrucf bcs abfolutiftifdien jfürftentums befannt ift. »£in 
jeber, audi ber fleiufte Iderr, will (einen Kubm nerfünben laffcn. IPo aber bifto- 
rifdic bjintergrünbe fehlen, ba lägt fidi ber (ßebanfe ber Staatsmadit unb Ms 
Cöcfiibl ber Bebcutung nur (vmbolifdi ober allegorifdi barftellen. bimmel unb 
€rbc an ben Pcefctt ber Crcppenliäufer unb ^oftftilc audi ber geiftlidien dürften 
(inb belebt non (Rättern unb gelben einer undiriftlicbcn IPclt, Kulim, (Rlaitj unb 
(Ehre audi ber fleinften politifdien Cebeincfcn burdi Pofaunenbläfcr nerfünbenb, 
bie geflügelt bas Bilb bes dürften unb Bauherrn umfreifen. Solch unmittelbare 
Einbrücfc haben Sic beute gewonnen, als Sic unter funbiger Rührung 1 burdi ben 
Palaft bes ^iirftbifebofs non Speyer gcmaitbclt ftnb. 2 lueb ber IHalcr Johanne; 
&xd bat uns einen gebrueften ^iilircr in bie tjaitb geben ntüffen,* um 3U fabelt, 
. was alle bie(e fvmbolifdien (Träger (taatlidicr unb politifdier (Tugeitbcn bebeuten 
(ollen. ~Sn eine m (Rebanfett -jufammengefa^t finb audi biefc nur bejr Pusbrud 1 eines 
übertriebenen BTadih unb Kulturgefiibls, nicmt fidi audi bie lofalc Färbung unb 
Stimmung ba unb bort ftarf hernorbebt. Pa (eben mir ben mcingrünen Bacbus, 
eine nom Bruraincr unb pfäljer weniger bogmatifcb als burdi praftifdie 0 Innig 
uerebrte (Rottbcit, mic er mit beit (Olympiern tafelt, bas gefüllte (Rias erbebt unb 
(einen (Erinffprudi auf bie ilnncrgänglidifcit unb ben ewigen Beftanb bes fiodi* 
(tifts Spcver ausbringt. „Spira, haec perpetuo sine fine revolvitur orbe fei ix 
Spiral" llnb bodi war für bie £ebensfraft biefer geiftlidien Tfiadit ber feiten Kreis 
lauf abgelaufen. ITeiftcr Johannes ber in einer befd’eibenen Ecfe bem 

frohen »Treiben ber rbeinifdi geftimmten (Rätter jufdiaut, bat uns burdi einen 
(Rettins audi bie fpeverifdv €anb?arte ausbreiteu laffcn, bereu (Rren^regulieruug 
(dvn bamals nidit non (einer fürftbifdiöflidien (Rnaben in Bnidifal, (oubem non 
Paris aus befolgt irarb. Piefer Staat aber, ber geiftlidi unb meltlidi juglcidn 
ben hier nodi jablreieb fiditbaren non Bifdiofsftab unb Sdnnert burdiFreujten ITappew 
(d'ilb führte, bas (piriteutum Speyer umfagte, ehe es non ber Staatenfarte bes 
heiligen rämifdien Keidies beutfd'er Kation nerfduranb, etma 28 O Pfeilen unb 
öseno Einwohner. €infs unb rcd'ts bes Kheins behüten fidi biefc €anbflüc?c 
aus. Pas grege ^forftgebiet bes Biennalbes (taub unter biefer lierrfd'aft. Bon ber 
foftbaren (peverifdvn ITeinbomäue, in bereu Piittelpunft Peibesheim lag, mufften bie 
fürfilidvn Sdlogfcller 511 erzählen. Pie Sdvnfuua bes ivfes Bnidifal burdi 
beinrivdi III. an bas Ivd'üift im Jahre 1 n.V> fduf redits bes Kheins einen 
gufnnftsreid'-en Piittclpuuft kultureller Prheit unb his 311m Knssang bes Keidies 

1 Purd' profeffor In. ii.ins ixott. 


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eine neue Kefibettj \ So traren fdion frühe dudi liier tvie in Kurpfalj Kcdits- 
unb CinFsrhcin her gleichen Bcrrfchaft unterworfen. 

Zugleich war her Spcyrcr ^iirft propft 6er uralten, mit bem frühen Kultur* 
leben 6er Kbeinlattbc eng verbundenen Benebiftincrabtei ITcifcnburg i. £., 6ie 
1524 in eine ircltlicbe propftei vcrivanbclt, 1546 durch Kauf an bas £}odiftift 
Speyer geformnen mar. Kbcr biefc (Gebiete nördlich 6er Selj, fotvic bie ober* 
queicbifdicit Krnter 2 Ttabcnburg unb Dahn traren nur ein nomineller Beftl?. Sie 
bilbett die (Etappe, auf 6er fidi fdion feit 1646 6ic frattjöftfchc fjcrrfdiaft in altes 
beutfdies Heidislanb eittjubrängen fuditc. Schon bie Kcunions*Kammcm haben 
bas gan’jc 0ebiet jtvifchen Cautcr unb Queich bem fremben Staate jugefprochen. 
Durch priratrerträge, bie befaunten Lettres patentes von 1756 , muftc ftdi ;Jürft* 
bifchof ^ranj Clpdftoph von i)utten unter KncrFennung ber franjöfifdjen Souveränität 
feine Bejahungen jum Kcidje unb feine landesherrlichen Keditc verbtriefen laffen in 
einer UnFIarheit, bie alle Deutungen julief, unb aller (Betvalt bie Core öffnete. 

Eine „souveraincte" platonique hat man biefe neue Staatsform genannt, ein 
Verhältnis, in bem ft dt 6er fpeycrifdic Staat bttrdi eine 1760 in Cautcrburg für bie 
Canbc fiiblich ber Qiteidi eingefefcte Behörde vertreten lief?. 1786 hat man bicfelbe mit 
ber Brttdifalcr Regierung vereinigt, bie dttrdi einen Sefretär biefe Verbindung im 
Sinne einer fortfehreitenben KunerioitspolitiF aufredit hielt. Ifiit treffenber Klarheit 
hat ber franjöftfdie ZTtiniftcr ITCoitmartin foldie platonifdien Bejiehungen als bas 
Verhältnis eines Souveräns jum Vafallen gefeuttjeidntet. Kls bann bie Kuguft* 
bcFrete von 1789 fotvohl bie alten feubalen Staatsgrunblagen, tvic attdi bie Diö- 
jefanverfaffttngen jerftört hatten, ba Fonntc man beit Speycrer ^ürftbifdiof „tvic 
einen privilegierten (Butsbeftljer" jur fraitjöftfdxu Nationalversammlung einlabeu. 
~Sm Cattdc füblich ber Queidi trat er längft Fein Canbcsbcrr mehr. 

IDic an bett (Brettjen, fo volljog ftdi Jahrhunderte hinburd? bie Berr* 
fdiaft ber Bifdiöfc in ftänbigen inttern Kämpfen. Kus bem alten Presbyterium, 
bas einft gemeinfamen Cif di mit bem Bifdiof geteilt, traren nad? Verdrängung 
bes Caienelementcs, eine auf feubal fojialer (Brundlage organifierte (BciftlidiFcit, bie 
DomFapitel hervorgegangen. Sie haben bie lUahl bes Bifdiofs unb damit attdi 
bes Fünftigen Cattbcsherrn in bie Bände beFonmten. Durch Ertverb von (Brunb 
unb Beben uttb (Beriditsbarfeit ftnb fte in treltlidie politifdie ~Sntereffett hinein* 
getvadifett; fie nannten ftd> Erb* unb (Brtinbbcrrn bes Stifts. Sie liefen ftdi bei 
jeber Neuwahl burdi fogenannte Kapitulationen mit bem Erivählten immer neue, 
fdion träbrenb ber Interregnums augemafte Ncditc verbriefen, ftrebten felbft der 
KcidisunmittelbarFeit ju als eine Korporation, bie ftdi nad? Kttsfprudi eines pttbli 
jiften bes 18 . Jahrhunderts attdi „bes eminenten Kusdruds von (Bottes CBnaben" 
in ihren Kttsfdueibeit bebieute. Kein envählter Bifdiof unb ^ürft trollte unb Fonnte 

2 ;s. lOille, ^nicbfal, Silber ans einem geiftlicbeii Staat im ^ty'bimbert. Streite ^luf* 
laac. I?eibelbera (<)<>(>. 


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( 


halten, mas er befdhoffen halte, tbcnit er nidh fctbft beit Beben feiner Htadü 
untergrab. <£s mar feine Ausnahme iin Staatsrecht ber osciftlichen IDablrtaaten, 
meint man ftdj biefes Cibes enlbinben lief. Durdt fortbauernbe DerfaffuitysFätnpfc 
mit beit auf (ßrunb einer ftren$er Ubitcnprobe in bie reidben Stiftspfrünbe ydanateu 
abcligcit Domherrn Fant bauernbe Unruhe in biefes boppelföpfiijc Staats^cbübe. 
Hur eine frcifti$e fxtnb, mie fte bie leben Spcvrcr dürften führten, Fonnte biefe 
IDibcrftänbc geejen ihre abfolutiftifdx Hcyieruitij überminbeit. 

Den geiftlicben Iferrtt mar aber febon frühe im Bürgertum ber Kcidisftäbtc, 
juinal meim bicfelben proteftantifd'e Heidisftänbc yemorbeit marett unb ben Bifdx>fcn 
nur ein befebrättftes Kefibcitjrcdtt ».»ernährten ober biefe bauernb vertrieben, ein üea* 
reicher (ßegner entftanben. Daher haben bie aeiftlidxm dürften fern vom (Drte, mo 
bie uralte Domfircbe laa, ihren IDohnfib auffchlaaeu müffen. So ift, bem IDiber- 
ftanbe ber von manchmal lädxrlidxr Unart befallenen, politifdi unb roirtfdxiftlid? 
herunteryefomrnencn freien Keidisftabt Speyer tneichenb, ber tfürftbifdvf Damian 
IftiyO Cßraf von Schönborn mit feinem aefamten iveltlicbcn Keaicrunasaprarate uadi 
Brucbfal iibergejCKten. Dort mar bie mittelalterliche Bure» ebeitfo uiujeeiyiiet für 
einen neuzeitlichen Xfofbalt, als bie von Uteifter Scbodt, bem «Erbauer bes fjeibelberyer 
^fribrichsbaues erbaute Bifd'ofspfalj $u Speyer nach ber Serftörune» \>unh bie 
raujofen Icingfi fein (Dbbach mehr bieten Fonnte. 

Uus bem „Bauernloch", mie Karbinal Schönbom bas fleine Brudifal nannte, 
burdj beffcit unfaubere, länbHcb buftenbe (Baffen ftd? mehr meefernbes unb brüllenbes 
Dieb als lebhaftes buntes Utenfdvnyc triebe audi einer Fleitten Hcfibeitjj bemcatc, 
fticy halb ein cdäitjcnbcr Palart empor, bem cs, erft fpäterliin ycmiirbiyt, befd>iebcn 
mar, einen Ebrcnplafi in ber bcwtfdien Kunhycfdhdite einjunehmen. Daf bie 
Bifdiöfe von Speyer, bereit Herbe fich im fyilbbuitfel chriftlicher Kultur in ben 
Hbeittlanbcn verliert, in ber Jkibrhunbcrte laitycit «Teilnahme an ben SchicFfalen 
bes Keichcs, als bie Sproffen ber Vornehmheit (ß(efd>lcchtcr ftch ftolj, felbftbcmuft 
unb unumfdträttft über bie politifch unfreie Blaffe ber Bürger unb Bauern erhoben, 
ihre Hefibeiijcn mit einem ylättjcitbcit Ifofrtaatc bevölFcrten unb fonjfam unb ftrctvsc 
über bie Fleinften < 5 ü<ye ihrer Souveränität maditcn, laa itt ber Hatur mcltlüher 
Entmicflunct. Hur mar bei vielen bics Derhältnis burdi bie Dcrbinbuna bes 
nvltlkben Sanbesherrn mit bem Pricftcrtum yemilbert, es trua bei aller Strenae 
vielfach eilten pratriardxtlrfchcn, lanbesväterlidieit «TbaraFtcr. «Eine minifterielle Der* 
antmortuity gab es in Speyer cbenfomcitia, als ein felbftänbiaes Beamtentum 
unmöglich mar. Blieb Bürger unb Bauer brav unb geberfatn unb ber faitbesherr 
ein nxthrer fanbesvatcr, bann mar es fein leeres IDort, meint man fagte, bau 
unter bem Krummftab aut leben fei. 

~\n ber Cat ttarett im 18 . Jahrbunbert bie aeirtüdx'ii ^ürrtentümer von 
IDürjbury unb Bamberg, von Blaittj unb «Trier, von H umher unb ^'ulba bie 
Hunter einer aeorbiteten, allen Kultnraufaaben actradhenen Dermaltuna, bie uns bie 


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alt« pbrafe, als ob bic gciftlichen Kegicruttgcn nur IHiümirtfcbaftcn gcmcfen unb 
nid)ts auberes fein formten, glänsettb miberlegen. Por allem bie Sproffen bes graf* 
liehen Kaufes Scbönbom, als bic 3nbaber ber ^ürftcnfiiüile non XDiirsburg unb 
Bamberg, Crier unb Speyer fteben otjrennoll ba in ber (Befchichte ber territorialen 
Staatsnermaltung unbStaatsmirtfdjaft bes J8.3 at ?rfjunberts, mie im DTittelpunft aud? 
bes fünftlerifcfyen £ebens tn rljeinifd^en unb fränfifdjen Canben. Sie alle tnaren leiben» 
fd^aftlidpe Bauherrn. (Einen „Baumurm" bat fid? ber SpeyrerScfyönbotn felbft geuannt. 

2lls Damian l?ugo, ber als Kitter unb Komtur bes beutfehen ©rbens fdjon 
1700 bie Permaltung ber Ballei Reffen, \709 jene non 2llten*Bicfen bei IHaftricbt 
übernommen, 1713 beit Karbinalsbut ermorben batte, 1720 beit Bifdtofsftubl non 
Speyer beftieg, fam er als ein in ber Staatsmirtfchaft erfahrener BTarnt, als famera- 
liftifd^es (Talent in ein burdt lange Kriege unb KTifjmirtfchaft mäbrenb bes 3uterreg» 
ttums nöllig miniertes £anb. IPie Karl £ubmig non ber Pfalj mirtfdxtftlidt unb 
fulturcü feine Cattbe aus tiefem Pcrfall miebcrbcrgcftellt bat, fo fauit man auch 
Damiatt l?ugo ben XDiebcrberftellcr bes fpeyerifdten Staates nennen, nur bafj ihm ber 
freigeiftige ^ug fehlte, ber jenem genialen dürften eigen nxtr. IPie ein (Butsbcfiber 
auf einer großen Domäne griff Sdiötiborn felbfttätig überall in bie nerroftete Staats» 
mafd>ine ein. Kammerpräftbent ift er allezeit felber gcmcfen; mos er hier gefdjaffen, 
mar bes f)erm eigener (Bcbanfc. Kuf bem (Bebictc ber Canbmirtfchaft, bem mir!» 
fcbaftlidien Kiidgratc biefes fleinen nott ber Tcatur fo reich gefegneten Staates, mar 
er ein anerfannter IHeifter. Seine ^inattjUHrtfdxift hob rafcb bas £anb aus ben 
Scbulbctt heraus, um cs mit 1 200 000 (Bulben neu ju futtbieren. 3n ber fojialett 
^iirforge fpürte man überall feilte ffattb, bic gerne in bie eigene Cafcbc griff, um 
IPobltaten 51 t fpenben. (Er mar bemüht, bie fittlicbe unb miffenfdiaftlidie Bilbung 
feines Klerus ebenfo ju heben, mic er jttr Kcfornt bes Scfoulmefetts rechts uttb 
linfs bes Kbertts bie erften <Brunb(ftciine gelegt bat, auf betten fein Hadtfolgcr 
nach eigenen (Bebanfen meiterbaute. 3 m bieftgett Katbaufc haben bie Brudjfaler 
Pater ber Stabt bas Bilb ihres ehemaligen üanbesberm t>or ficb. Ein mürbiger 
behäbiger tjerr, beffett äußere Erfcbcinung, menn man bie 3 Tt fignieu feines hoben 
Stanbes bingmcgbeuW,, mehr auf eilten .gifricbettcn Sanbbefan, als einen auf 
ZPabrung feiner fürftlicbcn IDürbe peinlich bcbaditcit geftrengen Canbcsbcrm bin» 
meift. Selten aber bat fidt ber Eharaftcr eines felbftberrlidten Sotmcräns mit 
bem eines pricfterlicben Pertretors ber Kirdte fo uereinigt, mic in biefent Erbauer 
ber Brucbfaler Kcfibeitä unb ber bärtigen Kirche jU St. Peter. Er mar ein tief 
religiöfer, firdtlidt frommer, asfetifch angelegter fterr. Kls ^reuttb äußern böfi» 
fchen (Bcfcfees, babei ron flcinbürgerlich baushältcrifchem Sinn hielt er aud? auf 
(Brbuuug feines iitnern £cbens, auf Erfüllung feiner religiöfett Pflidüett nicht nur 
nach auftcit bin bcbacht. Pott feinem Seelforger Cubmig Kellennatttt geleitet, 
ging er ftets mit feinem (Bemiffen ju Kate. lucht ohne innern ^ufammenhang 
fteben in XPagbäufel Cufifdilof? unb Betbaus neben einanber. „ 2 luf crcmitifdt" 


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bat ber Italiener UTardiini bie Kuppel biefes flcincn rcijpollcn Canbftfecs aus* 
gemalt. Piefer pricfterlidic < 5 U $ C^ht auch in bas mcltliche Regiment über. Per 
£anbcsberr macht nicht nur als £anbespatcr über bie Untertanen, fonbern audi 
als I)irtc über feine Sdxiflein. Pas „Pascit dominus oves" ift ein immer mieber* 
febrenber Uusbrucf audi in ben meltlichen Uftcn. Piefe fmb piclfacb bibaf= 
tifcb, ja paftoral gefärbt. £s ift bie rcinftc Katedicfe, bie er auch mit fleineu 
Sünbcm abbält, mic mit jenem Kiidxntfdireiber, ber Uberreftc pon bes fterrn Cif die 
bat Perberben laffen, bie fonft für bie Urimen beftimmt nxiren. Selbft uor bas 
jüngfte Bericht ipirb biefer „Seclcnmörber" gerufen, bem aber aitdj bie mcltlidicn 
Dorteile pon freiem Quartier, guter i)offoft unb Uutcil an ben Crinfgelbertt por- 
gehalten unb mabrfcbcinlidi pcrftänblicbcr als bie ihm ausgemalten Scelenqualcn ge* 
madit merben. <£r fpriebt als fiirftlichcr Hausherr in einer ^it, ba an anberen 
liefen neuh großen Bluffern Caufenbc in öppigfeit pergeubet mürben unb ber f)of* 
marfdxill um bie Kikhettabfälle ftdi nicht geflimmert bat. So iibermiegt in biefem 
Cbarafter bie ernftere Seite ber €cbensauffaffung, bie mehr ju mißmutigen, manch* 
mal melandiolifdicn Betraditungen ber großen unb flcincn, fcblediten unb fiinbhaftcn 
IDelt geneigt trar, über bie er als ein manchmal redit perbrießlidier fjerr mie ein 
Sittenrichter berrfcht. Uber ein hierr blieb er, feiner Stellung als fleiner Souperän 
cbenfo ftarf beipußt, mic mand> anbercr Dcrtrcter bes ^iu'ßcnftanbes, ber mit ber 
Pflidit unb bem 'Ebrgcij einer ©roßmadt regierte. Seine Ptohung, einen jebeit, ber 
ftch nidit fügte, in ben tiefften Cumt 511 fdmieißen, ber im Canbc fei, liat mandier am 
eigenen €eibc erfüllt gef eben. „ 3 ch will ber lierr bleiben ober ein falter Kabaper 
fein, ehenber idi ber Porr ju fein aufbörc", bat biefer fo behaglich unb behäbig 
ausfebenbe ^jürft gefagt, ber ipeber „Kontrabiftioncn" noch „Kaifontticren" pertragen 
fonnte. Paß „ber Piscipel nicht gefd'cibtcr fein bürfc als ber IHagifter", mar ein 
XPablfprucb, ber befonbers feinen Beamten galt. Uuch feine Künftler, ein Kitter 
pon ©rünflein, bem mobl ber enbgültige ©vunbplan bes Bruchfaler Sdiloffes ,>u 
banfen ift, ein Usmas Pamian Ufam, ber bie Sdiloßfircbc ausgemalt bat, mußten 
eigene Jbeen bem Kopfe bes empfinblidvn Bauherrn unterorbnen. 

Sein Hadifolger ift 1745 Karbinal 5 ran .i Cbriftopb pon butten gemorben. 
beitete Stimmung bes Kofofo, bie er als jmeiter Bauherr bes Brud'faler Sdiloffes 
in gläug'ubem Uusbrucf fdxiffeu ließ, ruht aiuh auf bem frcuublUhcn roftgen Untliße 
biefes gütigen dürften. »Sin jinan^geitie mie Sdiönborn ift er uiebt gemefen. Seiner 
Bebeutung ge red't ju merben, hieße ein Stücf Brudifaler Kuuftgefd'id'te portragen, 
eine fd ölte Uufgabe, bie nufer heutiger fuubigcr Rührer burch bas Sd'loß in ber 
ihm eigen feinen IPeife ror ~Sbrem geiftigen Uuge fdiou gelöft bat. Caffeit Sie midi 
baber aus ber langen Reibe non porträts ber Spevrer dürften bie bebeuteubfte unb 
iutereüantefle ^'igur berausbolen unb nur mit ein paar ^arhenffi ^en bas ganjc 
Charafterbilb lebeubig 511 madvn perfudvn. 

,'fürftbifd'of Uuguft Philipp, (brat pon £imbm\vStirum, ber pon 1770 
bis '707 regiert bat, ift ben Brud falent unb Bruraiueru bureb feine jeht uodi 


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lebendigcn, großartigen Stiftungen in bleibender (Erinnerung, wenn auch fenft nur 
feilte grotesfe Eigenart an dem landläufigen Bilde haftet. Es ift ajicb nicht leidet, 
diefem Fomplijierten Eharafterbildc gerecht ju meiden, weil helle und dunfle 
färben, große und flcine ^iige voller IDiderfprüche durdicinauder gelten und bedeu¬ 
tende und intereffantc UTenfcbcit f dimerer gu beurteilen find, als die Purdjfcbnitts» 
figuren, die unbemerft auf der allgemeinen Straße wandeln, die durchs mcnfdv 
liehe Sehen führt. 3 ch habe den Eharaftcr diefes Utdnncs andermärts ucrftändlich 
511 machen nerfudit :l , der als Sohn weftfälifdier Erde durch feine UTutter mit 
den Sdiönboms oermaudt, in ruhelofem Ebrgcij rafdi 511 hoben firchlichen IDürdcn 
emporftieg und 175.6 IVfan des pochftifts Speyer geworden mar. IPer in den 
Brncbfaler Kathausfaal tritt, mird non dem Bilde diefes dürften gefeffelt, der mit 
feinen tiefliegenden, prüfenden Uugcn, feiner ftarf ausgeprägten, faft bis jur Ober¬ 
lippe herunterrageitden Udleruafe einen ftrengen und lierrifdxn Eharaftcr perrät. 
Um den UTiinö ein §ug jenes überlegenen Spottes, der . mit Ulißtraucn und 
geringer Einfdxifcung die unter dorn pcrrcuftandc geborfamc Fleiug EDelt behandelt. 
Er mar ein begabter, ftaatsmännifdi und flaatsmirtfdiaftlidi erfahrener Ulann, 
mehr pon praftifdvm Perftande, als feinfmnig angelegt, pon einem unbeugfamen 
bis 511111 Eigenfinn ausgeprägten IDillen, der rücffiditsjos aber mit Catfraft und 
in der Überzeugung das Beftc 511 wollen, fidi durdigefefct hat. Pas Kechtsgcfiihl 
war in ihm eben fo ftarf ausgeprägt als die Kccbtbaberei.' Um Kecbt 511 haben 
fonnte er das Kedit audi beugen. Uls ftreitbarer Ulann weithin befannt und 
gefürditet, mar er ein ganzes UTcitfdicnleben bindurdi in Projeffe permicfelt, por 
den Uiditerftühlen des Heidisbofrats 511 IBien und KcidisFammcrgericbts, des 
Uletropolitangeridits 511 21 Taing und der römifdien Euric eine nidit gern gefehene 
Erfdieinung. Ifätte ihn das SdiicFfal nidit jum Bifdiof und dürften beftintmt, er 
märe einer der beflen UduoFateit geworden. Pas 1101t feinem eigenen Bifdiof aus- 
geftellte Zeugnis ift nicht fchmekhclhaft; er hat diefem Pomdedxinten, deffen eigen» 
mäditige Pennendung pon Stiftsmitteln nidit einwandfrei mar, nie getraut, 
in ihm den Streber nadi dem ^ürfteuhute gefeben, deffen Klugheit und Ehrgeij 
unter der UTasfe der Bicderfeit fein , 5 iel perfolgte. Pen Ungehörigen des Pom» 
fapltels mar er nerhaßt, weil er in ..rücffichtslofcr ftrenger IPeife ihrem Streben 
nadi Selbfländigfeit fdxirf die ^iigel anlegte. Purdi umfaitgreidie PtojeßaFtcn 
muß fidi durdiarbciten, wer diefe Pcrfaffungsfämpfc aus elfter Quelle Fennen 
lernen will. Und dodi ift diefer Pomöedxutt, der nadi puttens Uusfprudi fidi 
aller 3urisdiftion 511 entziehen, „statum in statu 511 formieren" traditete, der 
nodi nor Futgem als der „tPolf im Sdxtfpelje" galt, der die Kirdv jerftören 
wollte, den man einen fd lechteit paushalter, einen eitlen Sduixiher nannte, den 
man aus dem Pefauate entfernte, einftimmig im 3 a - nc 1770 511m Badifolger 

;J ^luauft i 55 iaf rem ttimlmriv Stimm, von Speyer, llliuiatnrbilbcr ans einem 

aciftlicben Staat im in. 'wbrbmibert. ücibelbera 1013. 


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2 . ^ürftMfdjef 21 u 411 ft pbüipp ®raf von Cimburij-Stirinn 


l?utteus geirüblt iporöeu. £in bisher rätfclhaftep Vorgang, her erft burdi neuefte 
.forfdning 4 aufgeflärt ift, nadibem mir miffen, bah bie „inspiratio" ju biefer 
mcrPmüvbigen IDahl nicht bem fdnrantenb geworbenen Urteile ber fehiblicbcn 
Domherren, fonbern bem £inftuffe bcs fraitjofifd^eii Kabinetts jujufdneiben ift, jefet 
perftänblidi auf bem ITegc ber Politif, ben idi pom <£lfaf? aus furj augebeutet 
habe. Uber bie ITahl irar iriebt fdikvbt. Ulit PflidribcmufHfeiu, Catfraft unb 
Urbeitsluft, aber mit jcittpeifc jur brutalen ffärtc ausgearteten Strenge hat biefer 
A'ürft bas ihm anpertraute 0 >ut pcrwaltet. ~vb habe an anberer Stelle eingehenb 
gefdulbert, auf welchem IDegc biefer bausbältcrifdie 2Uanu, ber jebe oAcmcinberccbnung 
prüfte, über bas auf ber Stube bes Hacbtmädricrs 511 piel pcrbraudtfe (Dl ober 

4 Kiuijer, Bie JScjiehutujen bes Spcirer Aürfibifcbofs Damian 3luguft Philipp Karl, 
(Srafen ron fimbnnjStirum, jit ^raufreicb. Speyer |<M5. 


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u 


einen neu angefdiafften ^cucrlöfi;<imier eingebenbe Begrünbung rcrlattgen fotmte, 
bas unter Karbinal butten rerfcbulbetc £anb fo empor gebracht ()at, baß im 
3at?rc t ?93 ein ©runbftocf non 1% Millionen ©ulbctt erübrigt rnarb, beffen 
<5iufeit jur 2 Xtisbi!fc in Bestreitung bei Staatshaushalts rermenbet trerben Fonntcn. 
Born Klcinften ging bieSe SparfamFeit aui. tDic er bei jebem t)ofbeöienfteten, 
mettn er aus bem Picnftc fdßeb, bie Knöpfe ron ber £irrcc abfdnteiben, bem 
Krariunt jufommen unb bie abgetrennten Borten jugunften ber Ijofmitmcnfaffe 
peräußern lief, fo rerftanb er es and), burd) Sparen mit bcu Pfennigen feinen 
Bauern ©clb in bie ©emeinbcFaffe 3U ibringcnj 3 n alle ^meige ber Staats- 
vcrmaltung griff er feibftteitig ein, anberer Bccinung unjugänglid) unb felbftberrlich, 
aber aud> lag unb Pacht arbeitfam in feinem Kabinett, mo er nach Uugem 
zeugen in ben rieten - Schubfächern bie ganje Staatsmafchine bis in ihre Fleinften 
Ceild?en beifammeit batte, um fogar miffert ju fönnen, um mclchc Stunbc ein 
fiirftlich fpeverifdter UlusFeticr bie IPacbtpoften bejog. Ö^utes unb Schlimmes ging 
aus biefem Kabinett bcrtx'r. Hur einzelnes fann id> aus biefen Sdtubfäcbern 
berausbolen: 3 m 3 a b rc 1772 Fant por allem ein Cehrbucb ber fürftlicb fpeveri- 
feben Staatsrermaltung, bie 2 ’lmterorbnung heraus, ein auch non bcbcutenben 
Köpfen mie Conrmg unb ©tomaftus fchon gemachter Pcrfuch einer miffenfehaft» 
lidx'tt Kbgrcitjung ron 3 ll ft'.) unb Polizei. 3 n ber Praris Stirums allerbings 
fmb biefe ©renjen nicht immer genau berausjufmben, ihre .^cftlegung bing »om 
Canbesberru ab. „tPobl fmb Pirectorcn unb Käthe", fo hieb es, „bie Perfccbter 
unb Katgebcr, bem Kegenten fmb mciftens geheime Staatsnadmcbteu unb bas 
gefaßte Svfteni allein befannt, mithin bleibt ihm bas ©enebmigett, auch bureb 
Sich felbften ober im gcbeiimcn ju negojiiren rorbcbalten". 3 u Permaltung unb 
Keditsleben eine Kabinettsjuflij, bie Schmer auf bem £äubcben laftete unb bie bama« 
lige öffentliche Uicinung unter Rührung Schmers jur fduirfften Perurteilung beraus- 
forberte. Per ©runb3ug ber 3 u fH 5 mar Schließlich nur Polizei unb oberfter 
poli3eifommiffär blieb ber ^ütrft Selber, ber hier als Fluger IHcnfcbenfenner feine 
Strafmittel anmanbte unb jebcrjcit ber Prügclftrafc ror ber ©clbftrafe ben Porjug 
gegeben bat. €r mußte genau, mos bei feinen Brudifalern im ©roßen unb 
Kleinen gefiinbigt mar. <£r machte über bem Purftc feiner Brurainer mie über ber 
Cugenb feiner meibüchen Untertanen. IPic er feine Hafc fogar in bas accouche- 
ment feines £at*bes biueinftecFtc fo ftraftc er befonbers hart, menn es fid) um 
eine außcrebelidte (Erhöhung ber ron ihm begrüubcten unb forgfam burd)gefübrteu 
Canbesftatiftif banbeltc. 

Politifcbe ^roibeiten bat Stimm feinem leiditlebigen PölFcbcn nicht gegeben. 
Pie lebten Keftc ber Selbftrcrmaltung in ben beiben fjauptorten Brudtfal unb 
Pcibesbeim maren längft gefcbmunben. Kllen neuen 5 or bcrungcn ron ^rciäiu>i«g- 
Feit, Befreiung ron Steuern unb ^ronben unb aitbern antiquarifch gemorbcneit, 
im Pacbbarlanbe Baben längft rerfdimunbenen Raffeln befdx'ibencr politifdvr Selb* 


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Original fra-m 

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ftänbigfcit ftanb Stimm ablebncnb gegenüber. Uls Karl F r *ebridi non Baben 
megcn Uufhebung bes fogcitamtten Ubjugsrccbts fid? an ihn nxutMc, gab er bic 
bcjcicbnenbc Untmart: „Bei jefeigen aufgcflärten ^dten gebcttfen felfiffimus nidü 
in Heuerungen cinjugehen, fonbern mellen berlci babemburlachifche fruchte beffer 
bureb bic Sonne unb lüärmc reifen laffen". Um fo merfmürbiger, baf? (Sraf 
Stirums Kegierung in rcligiöfen unb firdüidwn ^raacn vom (Seifte ber Uufflärung 
nid)t unberührt mar 5 . 3 h m fehlte ber bogmatifdx < 3 ug, ber Schönbom eigen 
mar. Der Bifchof bachte hier freier als ber meltlidx Fürft- Seine Hirtenbriefe 
jinb roll praftifdxr (ßebanfen, noll Dcrnunft unb 3nnerlidifeit, er hotte eine ernfte 
höbe Uuffaffung pom Priefterftaubc, für beffen fittlicbc unb miffenfcbaftlicbe Hebung 
er beforgt mar. Ungriffe auf bie Hechte unb bas 3 nncnlcbcn ber Unbersgläubigen 
lagen biefem ftrengen l)crm, in beffen £cntb auch proteftanten in fleiner ^abl 
mohntcu, ferne. 

„Dafj 3 l)r als Diener (Sottes bes Flehens unb ber Ciebe," beijjt es in feinem 
Hirtenbrief pom 16 . 3 «nuar 1784 , „in Feine berftenbe, anzügliche, auch mir per- 
äditlidx Husbrücfc roiber jene ausbrechet, bie nicht unferer, fonbem einer anbem 
nach ben ©runbfäfeen bes römifchcn Heicbes in bemfclbcn .gebulbetcn Religion 
beigettjan ftnb. Sie fmb unb bleiben immer uirfere Briiber unb (Slicber bes nüm* 
lieben Staatsförpcrs, 5U bem auch mir geböten. Durch Schmähungen mirb feine 
IPatjrbcit beftätigt, fein 3 rr tbum miberlegt unb es bat leiber in allen Seiten biefe 
2 lrt bes Fanatismus ber Kirche (Sottcs mehr gefdwbet als gemifet". Das £ebr 
gebäubc ber Kirche freilich hat er btraebtet, mie bie Derfaffung bes bcutfdxn 
Heicbes. Beibc maren für ihn unerschütterlich. »fr bat hier mie bort im Ungriff 
auf bie einjelnen feile eine (Befahr für. ben Beftanb bes (Hansen gefeben. Die 
£ehren ber f ncyflopäbiftcn unb politifcheu F^igeiftcr ^ranfrcichs glaubte er mit 
Dcrachtung unb Sorn bannen zu fönnen. Da er in Cbeologie unb Dogmatif nur 
oberflächlich z u t^aufe mar unb hier ausnabmsmeife ber Blagifter pom Discipel 
fid) leiten laffen muffte, fo bat er, mie bie Berfolgung pon 3h' n biebl unb IPiebrl 
Zeigt, f ntfeheibungen getroffen, bic Jelbft in ben (Sutachten ftrcnggläubiger theolo* 
gifdjer F a ? u Häten feine Billigung fanben. 3 n 3 ll u *niuatcn unb F rc *maurern 
ficht er „abfdxuliche regenten* unb ftaatsivrberbliche (Sefellfchaften, mo man meber 
l}aupt nod) ®li«ber fennt". 

IDas aber bic Unerfennung unb Bcmunberung ber Sdtgcnoftcn erregte, mar 
feine Fiirfrrgc für ben größten Heicbtum ber fitem, mie er fugte, bie Kinber unb 
ihre frjiehung. Die Sdrulorbnung non 1785 ftebt hi ber (Hcfchichtc bes beutfdwn 
Unterrichts^ unb frjidnmgsuvfens in befonberen fbren ba. Hach ihrem ethifdxn 
3nbalte, mie ihrer praftifdxn Uusfübrung galt fie ju ihrer S°’t als unter unb 
enthält audi für beute noch gute Cebren. „Uufflärung bes Derftanbes bm\h 

5 Köfjlcr, X>ie firdjlicbe Jtnfflarung unter 6cm rpeverer ^urt'tbifrfyof »luguft rou £tmbitrg- 
ftirum (t “ 70 — 17>)7 . 


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\5 — 


IDiffcnfchaft unb Bilbung bes lierjens burdt iEugenbcn foll bas jmicfache £k{ aller 
Schulen fein". Da aber Stimm bic Ijcranuxidifcnbe 3 u 5 c >ib nicht geringen Sub» 
jeften iiberlaffen molltc, fo begann er als praftifdicr HTeufdtcnfcnner bcn Cebrcr* 
ftatib butdt eine neue ©cbaltsorbnung r>or allem aus feiner mirtfcbaftlidien Hot unb 
cntmürbigcnben Dienerftcllung berausjubcbcn. 3 n feiner fojialen ^iirforge 'ift 
Stimm ein mobenter 2 T?ann. Seine fpevcrifdtc IDitmcnfaffc, bie er burch Scheu« 
fungctt aus feinem Priuatnermögen uermebrte, marb ein Dorbilb für anbere gleidtc 
'£inrid?tungen in Dkrutfdilanb. 

Scirtc ^iirforge für öffentliche ©cfunbbeitspflegc fnüpft an bcn Hamen 
eines HTannes an, ber als einer ber berühmteften 5 trjte bet .Seit unb Bcgri'utbcr 
einer mebijinifeben Polijcimiffcnfchaft, als Ceibarjt bes dürften feine glänjenbe €auf- 
Kibn in Brucbfal begann: 3 ahaun peter 5 r anf aus Hobalbcn. Durdj ©riin« 
bung einer i^ebammenfchule, burcb feine mebijinifeben üorlefungen, an ben burcb 
Stimm aus eigenen Bütteln gegrünbeten Spitälern ju Brucbfal unb Dcibesbcim, bem 
ber ^ürft 1778 aus feinem Prinatrcrmögen eine Summe pon 25 000 ©ulben 
jumies, bat er nicht allein tikbtige 3 irjtc bcrangebilbet, fonbern auch int Dolfe 
aufflärenb gemirft, iitbem er ber Kurpfufcberei crnftlich ju Ceibe ging. <£s gäbe 
ein befonbcrcs langes Kapitel, molltc ich alle bic Stiftungen Stimms für fojiale 
^ürforge, bie ihm feine Untertanen rechts unb linfs bes Kbcins uerbanfen, auf jäblcn. 
Sic haben bas <£nbe bes fpeyerifeben Staates überbauert. Dennod? maren unter 
allen XPohltaten bes ßerrn bie Untertanen nicht gliicflicb unb jufrieben. Der 
^ünbftoff, ber cinft bic Baiucmbectc ber Bntrainer unb Pfäljer entfeffclte, mar 
auch im 18 . 3 ab r b un bert nicht im ©rlöfcben. Das Polf empfing oiclc IDohltaten. 
aber feine 5 r «ibcit, oiclc Pflichten unb menig Ked>te. Das mar ein , 3 uftanb, ben 
aud) attberc Räuber teilten, mir mar er in biefem HÜiniaturftaatc Achtbarer, laut« 
barer unb auffallcnber burcb feinen oft graffen, uon bi3arren Flügen begleiteten 
Uusbrucf. Durch Scblöjers Staatsanjeiger unb feine febarfe Kritif marb bie Bruch« 
falcr Kegierungsmethobe meithin im Heidt befannt. Das mag 3 ^ nen ncrftänblidi 
merbeti, utetm ich 3 biien auch aus ber Staatslehre Stimms einige ,Jüge mittcile. 
Buch für ihn ift ber Staat noch bas mittelalterliche Patrimonium, als bvnaftifdies 
Eigentum r>ermaltet. HepnbHFancr unb Umerifattcr nannte Stimm einen jeben, 
ber b^r auch nur in ©ebanfen einen Staatsftreich nerfud>te. Diefc Staatslehre ift 
theofratifdt. „Ein tfanbesberr", beiüt cs einmal, „rertritt bic Stelle jenes auf 
<£rbcn, beffen er ein Ebenbilb ift, unb Iteift Canbestxiter". „Der Untertlxm tnufi ftd) 
an ber hödiften 0brigfeit, bas ift bem ^anbesherrn, bas Bilb ©ottes rorftellen unb 
mijfett, bajj ber befcblenbe IDille feiner (Dbrigfeit felbft ber befehlenbe XXKlle ©ottes 
fei". Der Bürger lebt noch in einer politifchen Kinbcrftubc, mo es neben ^ueferbrot 
auch priigel geben fann. „Das JDort Bürger", beit)t es in einer ben Bruchfaler 
Klagen über einen neuen < 3 oII gemibmeten (Erflärung, „hat feine Quelle in ber 
©mnbuerfaffung ber menfdüidtcn ©cfcllfchaft uttb «teilt ben gehorfameti (Teil bes 


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Qrifinal fra-m 

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Staates ror. <£iu tidbcrfpcnftiger Bürger ift alfo ein unartiges Kinb gegen feinen 
Pater". 3 m liefen unartigen Hindern gehörten ju allen 3 c d<m 6 ic Brudtfaler, öic 
ft eh in langen pregeffen bagegen mehrten, baß ftc bic rom Caitbcsrater bcfdjloffcnc 
bödjft überflüffige Stabtmaucr bellen foHten. 

Per €anbcsl)err ftebt aber auch als ber abfolut Pfiffenbe über betn Staate 
„fielftffimus", fagt er einmal, „finb fferr alles triffen 3 U trollen, ohne baß er bic 
Ur jache braucht 511 fagen, tnarum"? Pemnadi bat auch ber Untertan nicht yu 
fragen, fonbem mir 5 U antirortcn, unb biefe Hntirort bat man fdion ben Schul* 
finbern bes Cattbcs munbgeredit zu machen ivrfucht. t ^rage unb Unttrort in bicfcr 
Bürgerfuttbc finb 3 U lefen'in jenem 1785 erfdiicncnen Katechismus, ber betitelt ift: 
„Pie Pflichten ber Untertbanen gegen ihren Canbesberrn, 511 m ©ebrauchc ber 
«Triricdfchulen im ßoehftift Speyer", ein Katechismus, ben Schlöjer als ein £ehr* 
buch bes chriftlich-fürftlichen Sultanismus gebranbmarft hat. 

3d> habe anberträrts johlreidte Proben baraus gegeben. XPas man aber 
audi über biefe Staatslehre fagen mag, in ihrem ganzen Huf bau ron ^ragc unb 
Hutirort für ben fogenannten Untertanenrerftanb unfreier Bauern berechnet, aus 
bem Cßeiftc ber abfolutiftifdicn Staatsrerfaffung heraus beurteilt, eine meifterhaftc 
politifchc, menfdienfunbigc Katcdicfc. Pa gibt cs Hnttrortcn, für bic auch ein 
mobemer Staatsbürger Perftänbnis haben bürfte. Penn audi ber heutigen bemo- 
fratifdien Regierung ift jener ©ehorfam ron IPichtigfeit, ber ficb im piinftlicben 
Stcucrjablcn funbgibt. fiin jeber Steuereinnehmer trirb jene rom Speyerer Kate* 
chismus empfohlene Stelle aus beim Kömerbriefe gerne in feinen Cerminfalenbcr 
fdircibcn, ba cs beißt: „diebet einem jeglichen, tras 3bt fdiulbia feib. Schafeung 
bem Schätzung gebühret". IPic lebenswahr antmorten bic Schüler auf bic ^rage: 
„IPie fönnen bie Untertbanen bic Steuern am leid)teften bezahlen?" „Sic Fönnein 
es, wenn ftc fleißig arbeiten, umtüfcc Ausgaben rermeiben unb fparfam leben." 
Huf bie ^retge aber, wie man bic Steuern bejahlcn follc, folgt bie für manchen 
Steuerzahler ftarFe Zumutung, „bah man ebenfo gerne unb hurtig bezahlen follc, 
wie man ben filtern gern unb hurtig gibt, tras zu ihrem Unterhalte nötig ift." 

Huch ber Beamtengcborfam bat fdion 1781 burdi eine befonbere (ßcfcfeestafcl 
feine Porfdiriftcn erhalten. „Pas perj bes Staatsbiencrs", heißt cs, „muß r>or 
allem burdibrungett fein ron ber tiefften fihrfurcht gegen feinen (Dberbcrrn. IPo 
eine (DbrigFeit ift, bic ift ron Cßott georbnet. fiittem Pictter, — fo ftebt in fetten 
Lettern gebrueft, -- fonmit es alfo ttidit zu, erft zu unterfudien, ob bie (Dbrigfeit, 
bie einmal (ßeiralt über ihn Kd, auch ein Hecht hübe, biefcs ober jenes zu befehlen, 
ttodi ift es ihm anftänbig, mit bic Urfadic zu fragen. Per Pictter ift, foKtlb bie 
Derrfdiaft bie hödifte (ficiralt über ihn hat, zum 03 ehorfam gegen ftc rcrbunbeii. 
Pie übrigen Untcrfudiungen gehören uidd für ihn, biefes Oietidd hat ftdi ber 
König aller Könige rorbehalten." fiitt pcrföttlidies Pcrhciltnis zu'ifdien f)err unb 
Staatsbiener gab es uidd, fo trettig tric ein fclbftäubig arbeitenbes Beamtetttum. 


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Original ftom 

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\ö — 


„Si tacuisscs, sernel et semper abgefdilageit, mir allein fiuö öer fjerr". öas finö 
öie micöerfebrcnöen UanbbcmcrFungcn 511 Öen Elften. IDic öie Pomberrn öas 
priiöifat (Ddifen nnö <Efel einfteefeu mußten, fo foüte fidi audi öer reröienftrollc 
tPeibbifdiof Seel mann überjeugeu, baß er „ein Punimfopf in praxi fei". <£s gab 
nur Öen einen XDiöerftanö, öaß öie alfo beehrten Staats» unö K'irchcnöiener felbcr 
nidit öaran glaubten. Pantit mar aber audi ein ^arorifteren unö 3ntrigieren felbft 
aus öer nädiftcn Umgebung heraus beim Canöesberrn nid>t möglidi, öer foldien <£iit- 
flüffen, - öas gereicht ihm 5ur ©bre — uitjugäuglidi mar, jumal es ju foldien Per» 
mittluugen geeignete Uofbanien, mie bei Öen mcltlkhen dürften, nid>t gab. 
„JPeibslcute fmö an einem gciftlidien liefe nidit cretnplarifdi", hat fdien Karöinal 
Sd;enbern gefagt unö öer fnorrige ITcftfalc Stimm mar ein IPeiberfeinö erfter 
Sorte. So berrfdite $mifd en fterr unö Piener nur öes fjerm uubeugfamer tPille, 
öen öer Jfürftbifdiof „ein uuabmeiiöbarcs Svftem mit tieffter Dcrbcugung" genannt 
hat. Parum lebten Peamte unö Piencr in ftanöigcr 5 ur, Kt, entlaffen ju meröeu. 
Hur reuige, mie öer Ceibarjt $rauf unö öer feinfinnige, rem (Reifte öes CPoetbc* 
fdien Zeitalters erfüllte Pomherr ron Uerclbhtgen beugten fidi nidit rer öern 
Stirumfdien Kerfe, öer im ganzen Canöe elx'ttfe fprichmörtlidi mie feilt Präger als 
(Probian befannt mar. Kls er gar öen Kommanbauten reu pbilippsburg, (Pbrift- 
Icutnant ron Sfal, barüber jur Keöe ftellte, öaß er bureb öie Befreiung öer Kafcrne 
reu öer (Ramifon öer tCaitjeu unö .Iflöhe in öie fpevcrifdv Caubcshoheit eiugcgriffen 
unö mit einer Klage beim Kegeusburger Keid'stage örehte, öa befam er eine 
Kntirort, öie er fidi nicht hinter öen Spiegel fteefte: „Per Kcidistag n>irö öie Zahl 
reit cinitscn Caufenöen reu (Stier fürftl. (Pitaben Perflagten nur um ein einziges 
Jnöiriöuum rermehrett. Patten aber ©. f. <P. öie untcrbaltenbe Kbfidit, midi 511 
ärgern? 2 um fe rerfehle ich nidit, <£. f. <P. öas (Peftänbniß algulegen, baß idi 
midi ganj befonbers geärgert habe. IDie trirö es aber in Kurzem jenfeits öes Grabes 
mit »£. f. (P. ausfeben, öa Sie bereits, mie öie Statue öes Comte de Saxe gi 
Straßburs öcit i’uß Ix'beu, um iit öie ©nngPeit binabjufteigeit? ITeröeu öie Pro- 
bürgen öes ©rangeliums bet 3 bncn trehl eine Kusuahme madien, me es beißt: IPehe 
öem UTcnfchen, ötirch lrckben 3 (rgcrniß fomnit?" 

Piefe Prellungen feilten (Praf Stimm balö laut unö ftiirmifdi 51t feinen 
(Phrett bringen, als feiner IVrmunöfdiaft müöe, aber audi feiner großen tPohh 
taten rergeffenö, feilte eiitft gehorfameit Untertanen rechts unö linfs öes Hheins öie 
,^reihcitsbäume aufriditeten. ZTCit öer einigen Beftänbigfeit öes fpeverifdx’it 
Staates, öie UTeifler ft.tf im - IHannerfaale öer Bruchfaler Kefiöeitj rerberrlidit, 
sing es unter öen Stürmen öer Herolutionsfricge nun 511 'Snöe. Ss fam öer 
fdimerfte unter allen Prejcffeit, öie Stimm geführt hat, öer Prozeß um feine 
Staatslehre unö Staatsmacht, um fein Caitb unö feinen Befiü. <Sr hat öiefen 
Kampf, menn audi rergeblicb, öodi dxirafterrell, unnadigiebig mit öen IPdffen öes 
alten Keidisrechtes öurdigeführt bis jur letzten Stunöc, öa er fern ron feinem Canöe 


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Goi igle 


Origine fro-m 

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I 



\6 - 


cüs ein ^lüd>tling am 26. ^ebruar \7 ( J7 auf bem Cuftfdiloffe 5 rcu k c, thain ^ cs 
^ürftbtfcbofs von Paffau fein Ccbcn bcfcblofj. 2Iur ein paar Jab re noch bat fein 
Hacbfolger (Praf IPilberich non lüalberborff bie Säfularifation feines fjodiftifts 
überlebt. Purdi 6cn Hcicbsbcputatioiisbauptfdilufj maren 1803 6ic recbtsrljcini- 
fdjen fpcycrifcbcn Canbe an Baben übergegangen. tCie febon Publijiften, wie Sdilöjcr 
unb Sartori, bie fonft mit ben reaftioruiren Sd^tnädxn bes norlcfeten $ürfb 
bifdwfs ftrenge zu Cf5erid>te fafjcn, zugeben mußten, bafj in biefem Staate fein 
faules JDefen mar, fo bat ibm ber Kommiffär ber neuen babifeben Hcgierung 
bei ber proniforifdxn Übernahme bes Canbes (1802), Sigmnub Cjcrjog, ein geredetes 
unb ebrenbes 5 eu ö n *- uusgeftcllt, ber biefcs Cänbcbcn eine Perle ber neuen Erincr* 
bungen nennt. „Jm allgemeinen", fagt er, „blieft IDoblftanb bernor, überall bas 
Ausfeben eines eine He fix 3al?re binbureb mohl abmimftrierten Staates, noch unncr* 
tilgbare Spuren ber Hcgierung 6es Harbinais Sdöttborn unb bes nereinigten. dürften 
Auguft non Stimm. Diefent bei feinem €ebcn mögen feiner Strenge unb einiger 
Bizarrerien non fielen nid't geliebten Jfüvftcn läjjt man nadi feinem Cobc erft nollc 
«Perecbtigfeit zuteil merben. Per (ßeift ber (Orbnung, ber in ihm lebte, fein fchneller 
ridjtigcr Blicf, mit bem er Piener unb (Pefdxifte burebfebaute, felbft bie Strenge, 
mit ber er bas Selbftgemäblte ausfübrte, feine marine Ciebe für bas mabre Beftc 
bes €anbes, bie nodi beftebenben, non ibm reichlich botierten niifclicben Stiftungen, 
ber Hacbbrucf, mit bem er ben Unfug unb bie EDiüfür bes Kapitels für immer 
in bie Sebranfen jurüefmies, bas bcträd'tüdv Bermäd'tnis, mit bem er bas hoch* 
ftift, nicht ben Hachfolgcr bereicherte, noremigen ihn als nabren lüohltäter". Pie 
härten biefer felbflherrlid'on Hcgierung gebären jefet ber tßefdncbte an, fie finb 
Antiquitäten gemorben; bas (hüte, bie IPohltatcn mirFen fegcnsreidi ineiter. Pie 
alte fpevrer t'anbfarte aber ift bei bem heutigen <ßcfd)led>t in Bergeffcnbeit geraten. 
iTur jmei gro§e (hefdnd'tslnubcr in Stein gefdmicben, Baubenfmale, halten bie 
Erinnerung nodi feft an ben ncrfdnnunbeuen Staat, ber geiftlidi unb meltlicb zugleid' 
mar: Bon ^üotbifdtof Auguft aus Sdnitt unb Afdx erhoben, ber Pom z« Speyer, 
ber als cmfter ^euge böd'fter beutfdwr Hcachtentfaltung ber Salier über ben Hbein 
ZU uns berübergrüfst unb bie Heftbeuz zu Brud'fal, bas gläitjcubc SdwbFäftlcin bes 
beitern HoFoFo, jefet ftillc unb nerlaffen, aber lebeusnoll in ber Sdiänbeit eines Fünft* 
lerifdien ^farbenfpiels, bas mie ein Abenbrot auf ben lebten <5ügeu bes alten 
Heicbes ruht. 



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I 



\. Cinganj&iimmcr 


©te 'fötiUfötx^tx (Hlafer ber (Romanftß 

t>cn Dr. >of. 2lu<j. JJcrinser, 2Han«heim 

JesSmem* tl,cn ^3 0V Klljuproblematifcbe öcr ncujeitlicfycn Kunft auf Öen 2tus= 
^g^Sj^ftellunQen Befrieöigung gewährt, je metjr unö je öeutlkber toieöer eine 
J^ijssltljijinirtcnöung jur tedjnifd? forgfältiger beljanöelten, fänft(erifd) unö feelifd? 
Derticftcren Kunftmeifc öer älteren unö öcr gegenwärtig tätigen Uteifter ftattfinöct, 
um fo ftärfer sieben aud> öie anfdjcimcuö in Pergcffcubeit geratenen Kunftperioöeu 
öic Blidc unö öas Jiutcrc|j'c öer Kunftfreuuöe auf ftdj. Seit öie öcutfdic Kunft* 
forfebung — sunädjft rein sablenmäßig genommen — mit fo großer 'Entfchieöcn* 
heit öer £rfunöuitg unö Kufbellung öer gefdiiditlidvn Probleme, öer £ntwicflung 
unö EDanölung öes Sehens, wie öes ©eftdtens, ihrer Ur fachen unö ihrer 2lus* 
wirfungen ftdi sugetoenöct bat, rergebt fafi fein Jahrzehnt, in öem nicht eine große 
unö umfaffenöc Überprüfung öer gewonnenen firgebniffc au f>anö großer, mehr 
oöer minöer forgfältiger Kusftcllungcn flattfiuöet. Selbft bei fyftematifdier unö tief* 
gebenöer Porarbeit für fofcbc Kusftellungen fami es immer nur gelingen, einseine 
Erfcbeinungsformen öer Kunftentmicflung ju flären unö bcraussuftellen, weil auch 
öiefe großen Unternehmungen weift unter öem 'Einfluß öer gcitlidxMt Kunftftrö* 
mungen, unö öeren Kampfruf folgcnö, ftd> eutmicfeln. 

So bat and? öie Berliner 3abrbunöert=2lusftellung 1906 nur einen Ccil öer 
funftgefcbiditlichen Entwirf lung öes \9. 3nbrbunöcrts aufgebellt: Pie Entwidlung 
öes BTülcrifcben, tüelleidü fogar nur öie öes ~V ,n P re ff ,0I, >fbf c beu, mic öas eben im 
„<5ug öcr ,5cit" Ing. So Fonnten unö öurften für öie üfalerei im 19. 3abrbu»öert 

fjeintat. I —2 • 2 


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18 - 



2. tflcöcrmciemmmcr 


jo miditige uni> bcbeutfamc (Entmicflungen, mic bie biftorien-, bic (ßciirc-, bic 
romantifchc unb bie ibcaliftifdic 21 talcrci, gar nicht berührt, gefdimeige beim im 
Busftellungsplan unb in ber Darbietung bcrücfftchtigt merben. Die Sinjtclluug 
ber ^orfdntng unb bes Kunftfcfyriftentums mar, vielleicht aud) burdi bic leitcnbcn 
perföulkbf eiten beftimmt, eben gau 5 nur auf bas ZHalcrifchc ober bas Ulaltedmifche 
gerichtet gemefen. 

Die Bcfultatc biefer Busftellung iraren gctvijj nicht gering unb bürfen uidü 
unterfchätjt merben. (Eine mcftbcutfchc, für 1.915 jit Düffelborf geplante ilusftcllung 
hätte mefentliche € liefen ber Darbietung von 1906 ergäben formen, mürbe aber 
mabrfcheinlich, infolge ber befanntgegebenen problemftcllung unb ber räumlid? 
mefentlich enger gezogenen (ßrenjen, aud> nur teiltvcife Uusblidc gegeben haben, 
^jür einjelne, örtlich eng abgegre^te (Gebiete mit mehr ober minber fadjfunbigcr 
Arbeit ben funftmiffenfchaftlicben 3nlralt feftjuftellen, bleibt alfo noch genug Spiel- 
raum, um all bic glänjenben Steineben ju fammeln unb ju orbiten, bic einft bas 
gro§e unb mafjrfdwinlich herrliche IHofctifbtlb ber gefamtbeutfeben Kunft bilben iverben. 

£ine folchc 5pejialarbeit für bie (ßefamtfunft Deutfdilanbs ift burch bic Bus* 
ftcllung ber „Ej e i b c l b e r g e r Dt a l e r b c r K o m a it t i F" mit feinem (Gefühl für 
Fünftlerifcbe IDcrte unb <5ufammcnbängc unb mit etnbringenbem Pcrftänbnis für 
bas örtlidie Bcbeutfamc unb bas allgemein UXchtigc unb (Erjiefyungsreiche gelcifte* 
morben. Die mcife Bcfcbränfung in ilusbebnung unb Umfang ber in jebem 
Betragt feinfmnigen Uusftellung in ben ftäbt. Sammlungen hat ber Darbietung 
eine ausftcllungstcdmifche unb funftmiffenfchaftlicbe Stoffraft von ftärffter IDirfung 
gegeben unb ihre Bebeutung meit über bie üblichen Blaffen* unb Bilbanhäufungen 
gehoben, benen Cofalausftellimgcu meift untermorfen fmb. Dan nebenher noch 
einige mid'tigc unb reizvolle (Eutbcd'ungcn 511 buchen fmb, bie 511 m <ßlan 3 unb 511 r 




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— 19 - 



3 . pij. Sdimitt, $ifd?er im Cautcrtal 


Klarheit bes Bilbes pom bcutfeben Kunftfdjaffen beitragen, rermebrt ben IPcrt 
biefer im beften Sinn „romantifeben" Kusfteüung. Homantifd? bcfcelt mar ja audi 
bic Hnorbnung ber Darbietung, infofern ftd;> ber Pcranftalter, Direftor Dr. ing. £ob* 
meyer, nidit mit einer falten unb leeren ilnorbtumg ber (Gemiilbe an ben IDänben 
begnügte, fonbem bie Kimme mobitlidi mit jcitgcmiifien Dibbeln ausftattete unb bic 
(Gruppierung ber Bilber unb Kiinftler ttad? ihrer inneren Dermanbtfdjaft traf. 
Damit nnirbe bas Stubium biefer Sammlung 311 einem mehren Pergnügen unb er* 
frifdienben (ßenujj. 

2 Tüt befonberer Betonung mürbe ber Rührer biefer Husftellung fjeruorgefjoben: 
(Georg Philipp S dj m i 11 \ v£r ift in ber Kunftgcfdiiditc nietet genannt, meil 

1 (Seorg Philipp febmitt, geboren \808 in Spesbadj b. IPolfftein £anbftubl) in ber 
23beinpfal3, geftorbcti |8Tf> in G e 'bclbcrg, febiiler bes <£orneIianers £br. Seiler, gebt JT 25 311 


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4. «B. pt». rcf'milt, (Buito SOj. al» «nabe 


fein IDerf bis jefct weber befaunt nodi auch .^ugänglidi uxir. Die (Tbarafterificnmg 
unb (Einfügung feine? Sdxiffcus in Me jeitlidie <Entrr>icfhin *5 ift unfidvr unb wirb 
fdiwanfenb bleiben, weil fein Kunftcharafter einen Drudi jeigt. 3 tPC 'f e ^°- war feine 
Hatur auf bie .'färbe uub auf <£rfaffuttg ber Canbfdiaft cingeftellt. Seine rein lanbfdiaft- 



lieben (Tafeln i IDolfftein im Cautcrtal, 
^ifeber im Cautertal, IDolfftein, <£Hfa= 
bettyentor, bie Meinen Ianbfcbaftlkben Stüde 
im Sfijjenbud) unb außerhalb besfelben) 
ftnb oon einer iiberrafdjcnben ^einljeit 
ber Beobachtung, in einer ju jener ^cit 
ungewöfynlidien warmen ,$arbigfeit unb 
mit fo breiter ftdiercr Dedntif gegeben, 
baj| in gewiffem Sinn er bie Porafynuitg 
ber fpätern pfäljifdjen tianbfdiaftsfunft 
eines (Trübner genannt werben fann. 
Illles beutet auf eine urfprünglidje unb 
unmittelbare Begabung für biefes <5ebiet 
fyin: Die natürlichen Canbfdjaftsaus- 

p. Cornelius uacb ITCnncfycn bis \851, Derbeiratet 
fid> in l^eibclberg, malt auf Heifeit in ber pfal.v 
beii Hfjeinlanben unb in £nglanb. 3 U ^ cr IHündv 
ner «“^eit ift er befreunbet mit Sdjranbolpb imb 
Jjolg, in £?eibelberg mit £br. Käfter, pbil. U>eit 


5. pb. SdMnitt, C-^rbccmrcij imb v£. DOlt ^teinle, 


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6. IV. 3tfcl, IHrfcftbern 

fdmitte, 6io Sanbfdiaften 31t ben fpciteren ^igurcntompofitionon, beit Pflaujenftill- 
leben uff. 2 lbcr bie ftarfe perföitlidifeit bes Cornelius bat rdmiitts Begabung 
auf bas ^iguralfadi übergelcitet, uivb bic ^iguronntalerei nerriit bio (ßrcnjc feines 
'latentes. IDob! Ixit er audi hier fdiöue unb nioblabgeniogcue Kompofitionen auf* 
gebaut; aber er betreut ftdi ireber fo frei auf biefem (Gebiet, inic bei beit £anb* 
fehaften, noch ift bie Farbengebung non folcbent H)ot)tlaut unb foldier Eigenart, 
nne in ben Haturbarftcllungen. Scpiafompofitionen, irie bie „Anbetung ber heiligen 
3 Könige", flingett an bic Strirnerfcben rteinbruefe, bie großen Kopf- unb Figuren* 
jeidntungen an Dürers unb Cornelius’ Kartons an. fdnnitt ftelit jiuifdien ben 
Hajarcnertt unb ben reinen Komantifcrn, nüc ettra audi 3- OÖöüenbcrger, non bem 
einige gute ^arbenffijjeu 311 ben etwas troefener geratenen ^fresfen ber Crinfbaile 
in B.-Baben ausgcftellt waren. — Schmitts ^arbemrelt ift merfrrürbig iredifclnoll. 
Cr gebt in ber Canbfdxift auf fdiöne, irartue Conwirfungeit aus, bie er burdi 
einzelne ftarfc Cofalfarben bebt, liebt aber audi einfache, filberig ober bämmerig 
rerfdileierte unb liditburdibliüte, meift flädng unb fidier bingefet.te ^lectirirfungen 
(Clifabetbentor), Daneben bat er aber audi — namentlich in ben miniaturartig 
ausgcfüfjrtcn Meinen Stücten — oft emailartigen Oilanj unb eine feltfantc C*Mut 
feiner roten, blauen unb grünen Däne, (ßemifi ift er innerhalb ber Kunft feiner 
<5eit unb feiner laitbsmannfcbaftlidien <3ugdiörigfeit eine eigenartige unb beaditens» 
locrte Crfcheinung, bic als Kuftaft ber romantifdien Bialerei in lieibelberg unb als 
KusMang betrfelben Kufmerffamfeit uerbient. 


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7. Hart ph. $et>r, SclbitHUni* 


Pie eigentlichen Homantifer, i>tc ihre Stellung in bet Kunftentmicflung haben, 
ftnb mit ben Hamen bet ^br (Karl unb Paniel), ber ^ries (Srnft, Pernbarb unb 
IDilbclm) unb ber Hottmann (Karl unb Seopolb), aber nicht an Sdmiitt, fonbem 
an 0 e o r g XP i l b c l m 3 ) f c l 2 anjufcbliefjen. 3 ffel ift cs, ber bcm jungen Karl 
^obr bie tPegc in bie Kunft unb ht bas Sehen mies. Sr — unb nicht Hottmann 
ober ctuxi ber afabemifebe Sch rer 3 <rf- IPilb. £ b r i ft. H o u r, ber ben jungen ^obr 
unb Hottmann anfänglidi leitete — bat ben bodibegabten ^obr (Karl) unb Hott» 
mann (Karl) bas Heidi ber Kunft in rraftifdvr Einleitung unb mit tbcoretifcben 
ßinmeifen eröffnet. ETiit 3 f f c l / ber nur als Sanbfdufter gemirft bat, mürbe 
erftmals bie fünftlerifche perfönlidiFeit in rollern Umfange feines Könnens unb 
feiner (Eigenart geboten. Seine Pilber unb Stubien, meift Flcinen Formates, ftnb 


3 (Seorg Wilhelm 3ff*b 9 «b. (TH5 in fjeffeu. fcbüler ron Habt in ^ranffurt, bilbetc 
fid? in Paris, IlTüncbeu, (Tirol, 3* J l' c n. Wien unb lebte in Worms, am ISobeufee, nnb jnletjt in 
ifeibelberg, n>o er isro ftarb. 


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25 — 



8. I>aniel $ebr, Z>cutM?I<tn& im ticfitcn Verfall 



9. 3- tV. IValli», Kloftcr f>cl mon»f<f»ein 


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25 



\2. K. tPeyfeer, Slid auf iSafcen-ya^n 


poii einer erftaunlid/en Selbftänbigfeit bes Sehens unb 5er (ßcftaltung. Bcfonbcrs 
feine Seelanbfchaftcn (pom Starnberger* unb Bobenfee) finb in Kaum* unb atme* 
fphärifdjcr IDirfung bebcuteube Vorarbeiten impreffioniftifdicr Kunfttocife. 'S' 1 beit 
jablreidi pertretenen Baum* unb EDalbbarftellungcn por hohen, Waren Cüften unb 
mit feltener ^einfyeit bes £id>tfpielcs burdi Baumfrotten auf Blaueru überspringt 
er bie ganje Epodie ber beimatfünftlerifdien Barbijonmcifter, um mit beu atmo* 
fpbärifcben unb lumiuiftifd)en Problemen ficb 511 befaiien. unb auseinanberjufehen 
unb jugleidi um feine feine poefie ju entmicfeln, bie in fpäterer <5eit bei Sdnpinb 
unb Spifiuxg fo anmutig 511m Befchaucr fpredien. 3ffel ift aud> einer ber Erftcu, 
bie ber (Einfügung pon Brdütefturen in bas Canbfehaftsbilb neue IDcgc iriefcn. 
Schon in einem größeren ETerf aus ber Bobeufeegcgettb hat er (Paris \ 81 4) beu 
Vorbergrunb mit Baum* unb Brdiitcfturftaffagc belebt. Spätere Parftellungen aus 
bem Hecfargebiet (unb aus anberen tßegeuben) jeigeu fein hohes <f>efd>icf in biefer 
Kichiung, bie bann mafjgcbenb auch für ben fpäter in ivibelberg lebenben Karl IVevüer 
getr>orben ift. 

Pie (Pruppe ber 5 0 b r (Karl unb Paniel) tritt nidjt in ihrer pollen Bcbeutung 
in bie Erfdjcinung, loeil bas poit ihnen uodi porhaitbene IDerf nicht beijubringeu 
nxir, benn and) Karl ^fohrs Bcbeutung liegt im £anbfdiaftlidien, bas in einer eigen* 
tümlidien Verbinbung pon Stil unb Kolorit gipfelt. Sein Pruber Paniel 5 0 h r ift ju 
fehr mit literarifeben unb hiftorifchen Voreingenommenheiten an bie Canbfdiaftsbar* 


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15. 3- Sctflcfingcr, Seine (Zccfitcr ütaria 


ftellung berangctrcten, als er ftd» gans smanglos in Me reine £inie 6er £anb* 
fdiaftsmalerei einftellen liefle. 211 it Karl ^ol)r, gleichseitig r>oit 5 - Kottmann uni> 
<f>. 3tKl geführt, ift aud» 6er Lvibel berge r Karl Kottmann ju nennen, beffen 
Cobcnsmerf feiner streiten fjeimat IHündvn attgebört, ber aber bodj in feiner ^rüb» 
Seit fd»on beträd»tlid»e Proben feiner böd»ft eigenartigen foloriftifdien unb lumini* 
ftifdien Kunftmcifc gab, bie in ber uaturfrifeberen, unmittelbareren unb pielfeitig ein* 
geteilten Kunft ber beiben 5 r ' c s (£tnft unb Bentbarb) ihre »Ergänsuttg fattb. 
Die ftd» ber mobernen Canbfcbaftshmft nätjembe, pom Foloriftifcben unb formalen 
Stilismus sum Naturalismus tteigenbe Kunftmeife ber beiben ^’ries trat im (ßegenfalj 
SU gleid»seitigen Homantifem (u»ie 21 . €ucas) ftarF in bic £rfd>cimmg unb rid»tete 
ben Blid auf bie Kunft ber Neu seit, trie fte in Sd»irmer, i’abrbad» u. a. pertreten 
ift. Diefett ftreng aus ber romantifeben Kiebtung ftd» eutroidelnben B'ceiftertt fteben 
in ber ffcibelberger Komantif srnet (Gruppen ergänsenb sur Seite, bereit eine — 
bie englifdv — 511 einer 21 rt Kbcrromantif, bereit anbere — bie pfalsbayrifdje — 
Sur unromantifdjen Naturaliftif ftd» menbet. 

Die englifebe (Gruppe, geführt tx»n bem genialifd»en 3 - D 2 . IPallis, ber 
ftd»er auf bie ^obr Einfluß batte, gewann in 3 - 211 . IT. C u r n c r Bcbeutung für 


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27 — 



W. Vauntgäriitcr, U lUjr-incffe 


Dl). Derßas, ber, ivic bie 5üb rer unb Mitläufer (Bärtlett unb Donnv), bic phäno¬ 
menalen eher Me melancbolifcben (£rfd)einungsformen 5er Canbfcbaft bevor* 
jugte 11116 eine in geiviffem Sinne ireltfchmerdidie ober pcffimiftifdic IDcltanfdiauung 
in meift beutfcbtümlid)er Kuffaffung vertritt. IDtr begegnen abrtlid^cr (Beiftigfcit 
in beit Dichtungen Sorb Byrons unb Settaus, fotvic in ber pbilofopbic Scbopeit* 
bauers. 

Dicfcr (Bruppc gegenüber fleht bic aus ber autoebttjonen Künftlcrgruppe ber 
Kobell bervorgeheubc naturalifterenbe Kicbtuug. Hudi biefe ©nippe ift, mangels 
an jutreffenbem 2T?atcria! aus bjcibelberg, nidit vollgültig vertreten unb nur burd> 
Stichproben bervorgeboben genxfen. 

Bon 5 e r b. Kobell ttxir mir eine Hfdiaffenburgcr Bebutc ju feben, bic 
aber bodi von ber ihm vielfach noch anflebenbeit Hofofograjie bereits ftd> entfernte. 
Dagegen ivar fein Sohn IDilbelm mit marfanter Zeichnung unb einigen Föftlidvn 
fleinen (Tafeln vertreten, mit bcneit biefer tauberer auf fleinem ^ormat bie fierr* 
liebfeiten ber £uft unb bes Haumes entfaltet unb burdi feine cmailartigc färben* 
gebung aus ber tonfcfyönen Hofofomalerei heraustritt. (£r, ivic fein Caubsmann 
l\'iitr. Bürfel, von bem nfcbts ausgeftellt mar, haben ber uaturaliftifcben Komantif ben 
Boben bereitet, ivie fie im Hlaler Sduviub unb im Diditer Sidxnborff aud) 5ur 
poetifch böddten unb feinften €ntn>icflung gefommen unb Husbrucf bes gefamt 
geiftigen Sehens ber ^eit geivorben ift. 

Heben biefer oberbeutfeben (ßruppe, ber ficb ber naturaliftifdx pfäljer Karl 
K u n i> nod? einfügt, gebt eine vom Hieberrbcin ber beeinflußte unb gelenfte Kunft* 
riebtung einher, bic in 3 0 b. ID i l b. S cb i r in c r, bem erften KFabcinicbircftor in 
Karlsruhe (Baben), ihren IBegbabner verehrt unb in bem ber fatbolifierenbcn 
Komantif ber Hajarcner ein proteftantifebes ©egengeividd gegeben ivirb. Kn ihn 
fddießeit ftcb (Buftav CD ft e r r 0 b t, K. S. $ a h r h a di unb K. ID c y ß c r an, bie alle 

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28 


ferne Schüler nxtreit unb bett <5eift\ feiner Kunft tu einer eigenartigen IDeifc fort- 
pflanjteu. 2Ttit Sdrirmer, 5er auch 5er Cehrer BöcFlins, Chomas, €ugos un 5 Stein» 
haufetts war,' ift 5er PtinFt berührt, in 5em Komantif un5 Heuibealismus fich fdrnei» 
5 en, wenn man eine fo feine Bcräftelung im (fteiftigen un5 Künftlerifdren un5 IDclt- 
anfdraulidrett auf eine faft grob einfache Formel bringen will. Hur fcheint immer* 
f?in bebentfam, baf? 5ic malerifdre KomantiF ftdr 100 3ahrc lang als fortroirFenb 
erwiefen hat, baü ftc ttadr fo langer §eit fidr nid>t erfdröpft, fonbetn ju tjöchficn 
Kunftleiftungen fich emporgearbeitet hat, unb bafj es 5ie Hhemianbfchaft uxtr, 5ic 
als Kreusblnnie über biefem IDeben unb Streben erblühte. 

Die ^iguralFunft, 5ie mit 5er na jarenifcKromantif eben Kunft einft rüftig neben 
5er jungen Codrter Canbfchaft einherfdrritt, ift nidrt viel über bic bamaligen Cciftungcn 
hinausgefommen ober Ixtt attbere pfabe befchritten, 5er man, wie ehra Crübners 
IHalwerF, KomantiF gewijj nidrt mehr rtaebfagen Fann unb mag. Pie jigural* 
Funft trat, non vereitelten (Erfdreinungen, uric £ h r. K ö ft c r unb 3 a F. Schic« 
f i n g e r ober bj. Baumgärtner, abgefehen, KbvcntivcharaFter. So fehr im 
Stift Heuburg unb feinem Kreis ftch bic Kunft eines (DverbecF, Beit, Steitvle unb 
^ülrridr als Kunft einer Kolonie feftfefctc, für weitere Krcife ift fic nicht wirffant ge* 
morbett, ebenfowenig urie bie auch mehr familienhaft gepflegte Kunft ber Köfter, Sdrle» 
finget unb Baumgärtner, bie menigftens prachtvolle Cvpett bcs Bürgertums unb ber 
(ßefcllfchaft utts erhalten hoben. Hur in <f3g. Phil- Schmitts Sohn, ©uiboSdrmitt, 
ber einft als Kinb bie romantifdre BTalerei hat cinleiten fehen, ift uns jefet epigonifdr 
ber Heftor als noch lebenber <5eugc ber gentjen »Emtwidlung gegeben. Seine Cattb* 
fdrafteit unb feine Bilbniffe vergegenwärtigen noch einmal bie romantifdre Bergangetv 
heit, urie fte ftch Fünftlerifdr, geiftig unb in ihren auswärtigen Bejiehungett gebärbetc 
unb wie fte, es ift feltfam genug, bic Kurve jum Kusgangspunft jurüefbog. (Dirne 
(Bemal tfcimFeit Fömttc man fagen, hier fei ein Fünftlcrifcher Beweis 511 ber ewigen 
IDieberFehr bcs (Reichen. 





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1. ntanntycim r«?m Hbcin£>amm uni> 2tttiblatifd}I3ffcficn au» 

Und? einem Aquarell nus bcm Aninmj bes 19 3abrt}unbfrts. (Stabtqefcbid?tlid?cs ITlufrum Mannheim; 


©te Qltannßetmer Qfftufem mtf ßefonbem QjSerücß 
(tcßftgunjj Uv ßtffortfcßen ^ammfungm 

fon profcffor Dr. ^riebrich Uralter 

SjOgSS^cr um ( 770 bar furfürftlidje ATannfyeint befudjte, 6cm jäljltc 6er „Kleine 
lOfäkifche Calenber", 6er bamalige Stabtfüfyrer, eine ftattlidie Cifte non 
W&m Scljenswürbigfeitcn auf. I)arunter nahmen 6ie ITCufeeu o6er mie man 
bamals jagte „6ic Kabinette", eine berrorragenbe Stelle ein. *£s maren folgende: 
Dar 2 Tlünjfabinctt, bie Scbafefammer, 6ie Sammlung r>on (ßemälben, bas Kupferfticb* 
un6 5 e idinungsfabinett, bas Kabinett 6er natürlichen fjiftoric, bas Antiquitäten- 
Fabinett, 6er Saal 6er Statuen. 21iit Ausnahme bes letzteren, 6er jur ^eidmuugs-- 
aFabcmie gehörte un6 Cebrjmedcn biente, maren ftc alle im Schlöffe untergebracht. 
Sie loareit allgemein jugänglicb, ein mcfentlichcr Bcftanötcil 6er vom liefe ausgdjcn» 
6 eu Kunft* unb IPiffcnfdxiftspflege. Abgcfebeit r»on einigen pripatfammleru, mar 


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2. fcrcbcrung mannbcints burct? Me d)ftcrrcid?cr am J8. September U99 
Had? 3- C. Hugenbas. (Stabtgefd?id?tlid?es Muffum Ittanntjeim) 


es hier wie in anheren höfifchen Kulturzentren ausfd)liej?lkh her Sanhesberr, her 
Sammlungen bcgrünhetc unh unterhielt. Audi für hie Alannhcimer ATufeen war 
cs haber ein ungeheurer Schlag, als ITiannheim 1778 nadi Karl- Pbcohors IDegjug 
nicht mehr Furfürjtlidie Kefihenjftaht war, unh rollcnhs, als cs in hen Kcnclutions^ 
friegen feine Stellung als pfdljifdje Sanbcsbauptftaht einbüfjtc. 

Per größte Peil jener ITlufcumsfdiäfce wurhe beim Übergang IRannhcims unh 
her rcditsrbeinifchen Pfalj an Bähen als miticlsbacbifdxs ^amiliengut in hie baycrifebe 
Kefihcitj »erbracht. 11 nh fo beherbergt hie PinafotbcF, hie Kupfcrfticbfammlung, 
has Icationalmufeum, hie SdxifcFammcr ufw. in Aiiindien manch Foftbares StiicF, 
auf has früher ITcannbeim ftolj fein hurfte. 

Hur weniges entging her IDegfcbafftmg wegen Schwicrigfetten hes Pransportes 
ober aus anhereu (öriinhen.. Pen Heft her wifienfchaftüchen Sammlungen, has Ha* 
turalienFabinett unh hen jurücFgeblicbenen Peil hes Antiquariums unh her f)ofbiblio= 
theF fehenfte Klar Hofef t>on Bayern 1805 her Staht ITcannheim. hierbei wurhe 
her IPunfdi ausgefptodien, „hafj aus hiefem chrfamen Oberblcibfel ehemaliger Funfl 
unh wiffenfdiaftlider Anftaltcn balh wicherum ein Oranjes entfteben mödite". Aber 


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— 31 



bas burch ben Perluft bes bjofes utiö fchmere Kriegsnot eutfräftete Mannheim mar 
bamals nkiit imftanbe, bie /fürforge für biefes (Pefchenf ju übernehmen, £s über¬ 
gab baber Me Sammlungsreftc bem neuen Gmbesbcrrn Karl /friobrid» non Pabcn. 
(Rroßberjog Karl /friebridi nahm ftc in feine (Obhut unb fieberte ju, fic bauernb in 
ber Stabt Mannheim ju beiaffen. Per neue £anbeslictr gab Mannheim ferner einen 
gemiffen £rfafc für bie nerlorenen, aber uncrfefclidicn Kunftfcbäfec, inbem er non 
Sinei prinatfammlern, einem italienifdien (Prafeu unb einem Mannheimer Kunfh 
gelehrten, eine größere Sammlung non Oiauälben unb Kupferftidieu anfaufte unb fic 
in ben nermaiften (ßaleriefälen bes Svbloffes aufftcllen ließ. Sud? eine Sammlung 
non oMpsabgüffeu nntrbc bamals neu begrünbet. 

/für biefe großherjoglichen Sammlungen gefdxih in ber /folgcjeit nicht oiel. ~\hr 
<3umadis mar jufällig, eine planmäßige Permehnmg faitb nicht ftatt. Per f)of ftclltc 
bie Säume jur Perfügung. Hur geringe Mittel mürben aufgemenbet, bie Pennal* 
tung befdmäufte fidi auf Kllernotmenbigftes. 

Pie <3eit ber höfifdxn Kunft« unb Mufeumspflcgc mar für Mannheim aibgültig 
norüber. ITcnn auf biefem (fvbiet noch ctmas geleiftet merben follte, fo mußte bas 
erftarfatbe Pürgertum bie Kufgabe frcimillig in bie fianb nehmen. Pies mar ber 
Oiang ber Pinge in ben nädiftcn 3ahrjehnten, als Mannheim burch f)anbel unb Per* 


5. Die 2Uarm»^affe ober planfcn in Jllatutbcim na cf? bem Kupfcritid? ren Klauber 17K2 
(StabtgefcHcbtItd?cs ITlufeum Mannheim) 


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32 


fd?r wieber aufblühtc. <Er ift gefennseidmet burch bie (ßrünbung bes Kunftoereins 
(1833), bes Pereins für Haturfunbe (1833) unb bes KltertumsDcrems (1859). 
Ehrenamtliche Cätigfcit unb freiwillige Pereinsfürforgc mufitc nun bie Pflege bes 
DTannheimcr JTtufeumswefens weiterfübren. Porerft hielt fi<h alles in engen (örenjen. 
Die Ceiftungcn her Stabt blieben lange £eit auf befcheibene ^ufd>üffc befchränft. 
^ür Knfäufc waren nur geringe ZTTittcl oerfiigbar, bie Sammeljiele hatten ftch nod? 
3 u wenig geflärt. Es nahm baher gerabe in biefen günftigen 3ahrjcfynten manch 
ermüitfdüer (Segenftanb beit JDeg nach auswärts, banmter auch Stüde oon unfdjäfe* 
barer Bebeutung wie ber herrliche bjodjaftar ber Unteren Pfarrfirche non Paul EgeU, 
ber jefct eine ,3ierbc bes Perliner Kunftgcmertxjmufcums bilbet. Such war bie Kuf* 
liahmefraft für Ungebote t>on auswärts uod) ju fdiwad) entwicfclt. 

Erft nach bem Kriege 1870/71 machten ftdi Porjeichcn eines neuen Entwich 
lungsftabiums bemerfbar. Ein größeres Pertnächtnis t>on Kunftwerfen aus bem 
Itad)lafi bes (ßalericbireftors Carl Kunfc gab ben Knftofj 5 ur Begrünbung einer 
ftäbtifchen Kunftfammlung, beren Permehrung burch (ßefdjenfe unb Utrfäufe 3 unäcbft 
nur langfame ^ortfdiritte madite. Die Kltertumsfammlungen behüten fich aus unb 
erhielten größere Säume im Schlaf?. 3hre Percinigung mit bem Untiquarium 
führte im 3 ^hre 1882 311 einer Hcuaufftellung biefer „Pereinigten Sammlungen". 
UUerbings Fonnte erft 1897 nadi Erweiterung ber im Schlöffe übermiefenen Samm* 
lungsräumc bie Percinigung vollftänbig burdigefiihrt werben. 

3u ihrem Pudic „Die 3*uftrieftaivt als Poben neuer Kunftentwidluug" 
(Schriften jur Sojiologie ber Kultur, herausgegeben non Ulfreb IPebcr, Perlag non 
Piebcridis, 3 C,M 19'9)» bas als Pcitrag 3 U einer (fvfamtunterfudnmg über bas Kul¬ 
turleben moberncr (ftrofiftäbte aufgefafjt fein will unb IHaunbctmer Kunft- unb 
2TTufeumsr>crhältniffe jtigrunbe legt, unlerfcheibet Elfe Piram böfifche, bürgerliche 
unb fommunalc Kunftpflcge. Das entfpricht in biefer Uufeinauberfolge bem Perlauf, 
ben bie 2 Thifcumspflcgc in Ulannheim genommen hat ober noch nehmen wirb. 
IPähreub fuh bie bürgerlid?c Periobe burdi chrenamtlidie PcrcinstätigFeit unb Pc* 
fchränfung ber ftäbtifchen Beihilfe auf (ßelbjufduiffe Fennjeidmct, nimmt in ber petiobe 
kommunaler Kunft- unb IHufcumspflegc, als ber Kuffcbwung bes (jocmcinwcfens bie 
Jltöglidifeit ba 3 u bietet, bie Stabtgemeinbe bie ^ürforge in eigene f)aub. 

Unb jwar gefdvih bies junäd'ft auf bem (Gebiete ber bilbeuben Kunft. Seit 
Kocht ift ber Bau ber Knnfthalle, bie bem Stabtjubiläum 1907 ihre Entftehung ner* 
bauFt, als Beginn ber eigentlichen kommunalen Kunftpflcge, als bie grof?c IPenbung 
Ivjoidmet worben. Durch bie 'üihiläumsausftellung gab ZTTannhcim 311 erfennen, 
bau bie Stabt nunmehr bie ^iirforge für bie bilbeuben Künftc felbft in grof? 3 Ügiger 
IBeife übernehmen wolle; bisher batte fte — ruhnmolle Xrabitioncn pflegenb — 
nur auf bem ov biete bes 'Theaters unb ber ZITufif größere Zlftirität befunbet. Die 
Leitung ber Knnfthalle würbe 1908 einem Fachmann, !>r. 5ril> IPidvrt, übertragen. 
Seiner tatkräftigen 3"itiatii\' gelang es in fmger (öcit, uuterftüüt tvu lelvubiger 


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Mannheimer Acfcllcnbricf au? fccm 18. ^abrbunöcrt. Kupiciitkl? 
(5tnbtgefd?id?tlid?cs fflufeum Mannheim) 


Anteilnahme ber23epölferung uitb namhaften (Selbmittcln berStabtgemeinbe, eine bebeu> 
tenbeKunftfammlungfcoripiegcnb mobernen (Sepräges jufdiaffen unb eine auswärts piel 
beachtete Kunftbeipegung in bem materiellen betriebe 6 er ©rofjftabt herporjurufen. 

In erftaunlidi rafd'er Sntiridlnng nnijitc fidi biefes jüngfte 6 er Hlannhcimer 
Hiufecn jum Hange einer bcporjugtcu liaurtfammlung emporjufebmingen. Hiit fo 
flürmifdiem Aufirärtsbraugc untfjte es ftdi burdijufctien un 6 6 ie ftäbtifdic Hauffraft 
für fidi 511 geminnen, 6 af? alles an 6 erc meit babinter jurikfblicb. Hadi allen Seiten 
ilrablte halb eine fcböpferifdi bcfruditenbe, funftcrjiebcrifdic yCätigfeit aus. Ss 
geigte fidi, mas einbeitlidicr Halle un 6 jielbcmuüte (fieftaltuugsfraft bcs IHufeums- 
leiters permag, wenn er 6 ie Pertreter bes (fvmeimwfens 511 perftäubnispollem ZTiit* 
gelten begeiflern fann. Sine ftattlicbe Kolonie boffnungspoller Kiinftler bat fidi 511 « 
fanmncngefdiarrt, mie ebebem ,>u beit feiten Karl Cbeobors. 

Sin grapbifebes Kabinett, ein funflwiffcnfdiaftlidier Sefefaal nnirbc ber Kunft* 
balle angeglicbert. Sin „freier 2?unb 511 r Siubiirgerung ber bilbenben Kunft in 

8 a&ifd?e fjetmat. [—2 3 


/ 


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5. Dcnfmünjcn »um Jltannbcimcr Stabt- 
lubiläum t>^n 1707 

(3tabtijcfci?id?tlici>cs ITlufcnnt ttlaimtpim) 

21 lannbeint" umrbe gegrünbet (\ f) U), 
ber mit feinen Porträten („Ufabentie 
für jebermann"), feinen Sonber 
ausftcllungen unb fonftigen Unter* 
nefyuungen in fürjefter ,3eit fefte 
unb ftarfc lüurjeln fdjlug. 23 alb 
umrbe bie Kunftballe, trofcbem man 
jiuci Unbauten von 6er Jubiläums* 
ausftcllung beibebielt, 511 eng für 
öiefen lebhaft pulfterenben 21iufeums< 
betrieb. Ulan batte im Eröffnung** 
jatjre Öen Kunftuerein mit in 6ie 
Ifalle bineingenommen, ux'il man 
befürchtete, 6ie Käume nidit füllen 
511 fönnen. Hun herrfdit bereits 

Kaummangel an allen Eden un6 Enben, un6 6ic Küdfebr be* Ifunftuereins ins 
rdilof; muH crirogett irerben. 2 liebt* lag näher, als bau biefer glübenbe Erpan 
ftonsbraitg 6er Kunftfammlung bas projeft bes Kcifimufeum* für fid? in 
Uufprucb nahm. 


6. «flrabftcin bcs juutij, 

baverijeben 5«?U- u. Uaufcbrcibcis in Mannheim U»2."» 
(5tat>tijefci?id?rlici?cs ITlufcum ITtrtunbcim) 


21udi in beu 21ltertum*fammlungen batte rafchc* ITadistum junehmenben emp 
finblidiett Kaummaugel im (befolge. 21 (an half fich K)0"i burdi Überführung bel¬ 
auf bie ox'fdnd'te 2 T?annbcims bcjüglidien Öiegenitänöc in bie auf ftabtifdx Kotten als 
„rtabtgcfcbiditlidies 21 uifeum" bergevid tete rduilfird'c in L 1, 1. Pie 2 lufmerffam= 


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Feit auf 'biefen tu jeher Wnjkfct günftigeu Kiufcumsraum Me Kirdre eine* ehe 
maligen EEonnenflofters in unmittelbarer Höbe bes Sddoffes — mürbe einige 3abrc 
porber bureb eine Sonbcrreranjtaltung bcs Kltertumsnereins getenFt, als er ju einer 
l{arb 0 ieobor*(Fx'bäcbnisaitsftcllung and) ircrtpollc ElEöbcl, Koftümc unb ETaffeu, 
bauptfädüid/ bcs 18. 3 abrbuubcrts, aus Cbeaterbefifi erhielt. Picfc bis babin bem 
vTbcaterbetrieb bienenben O^cgcnftänbe ftnb crfreulidorincifc bem ETiufeum nerbliebeu. 
Schon balb nach feiner Eröffnung nar ber grone Kirdtenraum überfüllt, fo baf; 
Eicujiigäuge Faum nodt uutergebradd ircrbcit Fönneu. 

iludi bie naturmiffcnfdaftlidxn Sammlungen ftnb über ihre alten Beftänbc bin* 
ausgcipadtfcu. »Eine befonbere Abteilung bilben bie jefit im <5eughaus aufgcftdlten 
biologifd/en Eiergruppen, melde eine SdicnFung bes O'ebeimrats Dr. Karl Keif; au 
bie Stabt ftnb. Sic fidlen in naturgetreuer JXiebctaabe Sehen unb »Treiben ber »Tier» 
mclt uttferer näheren Umgebung bar. 

EEölFerFunblidx Sämmlungsbcftänbe, ipcldx* juiuichft als „ETlerFn'ürbigFcitcu" 
an bie Kltertumsfammluugen augcglicbcrt mären, teilmeife and* aus altem EEnti 
quariuntsbefife flammen (oftafiatifde Kunft), erfuhren bei bett regen EEberfce»E\rbin» 
bunten Klannbcims mancherlei mcrtnollen ^uiradts. Pie Stabt, bie gelegentlich 
Knfäufc non etbuograpbifcbcn Cßcc^enftäitben . porgettommen batte, ermarb im 3 dne 
1911 bie ganje Sammlungsausbeute einer non profeffor Dr. ^raitj Eborbedc unter» 
nommenen geograpbifdvctbnologifdx'n ^orfdnntasreife nach Kamerun. 

Einen cntfdxibenben Schritt auf bem ETcge 311 einem grofjen naturgcfdiidttlidy 
nölFcrfunblidieit ITlufeum tat bie Stabt 1917 bureb Kitfauf ber umfangrcidien Samm 
luttgen bcs nerflorbenen Kuttflnuilers (Gabriel Klar. Picfer batte ftcb bie Elufgabe ge» 
ftellt, in feinen PorgcfdüdtlidvanthropologifdyrölFerFuublidx'u Sammlungen, bie er 
ju ftaunensmerter KcidbaltigFeit unb THclfcitigFeit ausgeftaltete, ein Bilb ber ^riibjeit 
menfddidx'r Kultur ju geben. Pur dt ihre Ermerbung, bie allerbiugs bett hoben 
Jlufmanb non 205 000 IR erforberte, ift bie Stabt mit einem Sdtlage ju bem hoch» 
bcbcutcnbcn (ßrunbftod eines Klufeums für Elrgcfdndite unb Ethnologie geFommen, 
tnie er nur in mcitigcn glcidxrrtigcn Sammlungen enthalten ift. 3» ihren maffeto 
haften Beftänben befinben ftdi gattje Keilten non KoftKtrFeiten unb Seltenheiten. 

^für mandx Sammlungsgruppen 5 . B. bie römifdx’n unb fräuFifdvu Eins 
grabungsfunbe mirb troh! ein Elustaufdi mit bem Elltcrtumsmufeum in Betradd gi 
Sieben fein, bas feinerfeits bie früher non ihm gepflegte, feinem ETVfcn burdvms 
frcntbc ethnographifde Abteilung abjutretffi hätte. Purcb biefe hernorragenbe Er 
Werbung, bie neuerbings nodt burdt SdvnFungen aus ber älteren Steinzeit bereichert 
nnirbe, ift bas I'MFcrfunbcmufeum 511 einem A'aFtor elften Exauges im ERinuhcimer 
Ellufeumsnx'feu gelangt. iVrerft müffen bie Sdxifie im Erbgefd;of; bes <5eughaufcs 
inagcijiniert bleiben, ba Euiumc 511 r Elusflelluug feh'eu. Eh uh in ber 'Seiten biefer 
Sammlungen, profeffor ^öhner, gunäel'i't mit ihrer iuiffenfd\iftlidvu E\'rarlvitung 
nod> uollauf befdäftigt. 


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Die allemeueste I\eiae<^eM»ll*CQaft aul der nerQVtralie 

zentrale Dar»teüicn<5.wie man denn »len. von Manheim pm Frankfurt au Fuü fahren kann 

(IT w ^ s l a T V JL. a.I _a_ _4_ 


R-, Praia ) tfr'*',/SAr'*** mtr -Anrr fl «An. I B-oI,*-!..-- T l'**' *• « Jtt OcAs*n mm Arrte sftAt 

.' ] D *°*"*» ter j W.rJ «hr *«~r aW «.,4* . 


7. Spottbilb auf öic CaufmafcHac fcc* p. D*ais. Um U>2u 

(:rtai>taefd?icbtlid?e$ lTlufeum ITlannbrim) 


reit 6er ausführlichen Pcnffdmft „Pie lllannbcimer Puifcumrfanimlunyeu uu6 
ihr ireitercr 2Iusbau", 6ic idt ^§08 im 2tuftraa 6er 5ta6tncriraltun$ bearbeitete, 
haben ftdi 6ic l\rbä!tniffc foireit aeFKut, 6at? Fünftiyhin 6rei c>rof?c SammluuyS* 
y nippen 6en Percidi 6er Mannheimer irhifeumsfürforye ju bi!6eu haben: 6ie 
Kimflfantmluuyen, 6ie ycfdiid'tlidx'u Sammlungen im6 6ie Sammlungen für Iiatur 
uu6 PölFerFunbe. Zitier je6en rou 6iefeu rammeleiubeiten fommt rolle Sehens* 
beredtiquiiy ju. 'Eine je6c muff für fid? 6ie crrov6erlid;en CebensqucUen beanfprudvn. 
'Eine je6e hat ihre bcfon6ercn Siele un6 arbeitet nach bcfon6crctt <f>run6fcit}en. 

2Tur 6en flü6tifdxu Kunflfammlutujfrn ift es yclunaeu, ftd> im erften Jahrzehnt 
6cs Zx'flebens 6er Kunflballc |o feft jii fonfoli6ieren, 6aü fte aud? unter 6en Ein 
mirfiiuycn 6er Kricejsjcit Feinen irefentlid en Schaben o6er KiicffdMay erfuhren. C^b 
bancbcit 6ie bisherige yroüber^Oylid'e Kunftfammluua im rd loi; als Staatsanftalt 
ein felbflan6iqes fon6er6afein ipir6 führen Fönnen, muf? iieb ba'6 entfeheiben. Per 
Staat muf? fieh Flar 6arüber fein, bafj 6ie Übernahme 6iefer nn6 6er an6cren lief* 
inftitute unabircisbarc pflidteu auferleat. 211 it 6em bisherigen Püuimum non 


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37 


^iirforge ift’für bie ehemaligen Haffammlungcn fo gut wie nid?ts getan. Pas gilt 
and? Pom 2lntiquarium uni» i»cm naturhiftorifd?cn 2TIufeum. 

Pic Beftänbe ber natur- uni» PölFcrFunblicbcn Sammlungen finb mitten im UMb 
Frieg fo rcid’ilxxltig unb wirFuugsmäcbtig geworben, bajjf bei il?nen fdioit pon innen 
heraus bie (ßemäbt Frafpollcr IDcitcrcntipicflung geboten ift. 21 m fchmicrigftcn ift 
bie Sage bet gcfchichtlicbcn Sammlungen. Sie mürbe burd? ben Krieg unb bie 
KricgsnacbwirFungen erheblich perfcblccbtcrt. 

£s ift notwenbig, bie gefd?icbtlid;<n Sammlungen, ipeldic Fünftigl?in bie Be< 
jeichnung „Hatcrlänbifdies IHufcum" führen fallen, mit einigen allgemeinen IPorten 
311 cbaraFtcrifiercn. Sie enthalten Staatsbeftfe, ftäbtifd'cn Bcfifc, Beftfc bes 2 Utertums* 
pereins unb priratc Ceihgabcn. 3 n ber IHannigfaltigFcit biefer <£igentumsperbälb 
niffc liegt eine gemiffe SchmierigFeit ber Hcuorganifation, bod? ift fic bei gutem JDillcn 
ber Beteiligten jn cifellos cbenfo crfolgrcid? ju überwinben, mie bies auch anbermärts 
möglich war. Per Htufeumsinbalt gliebert fidj in 5U»ci Hauptabteilungen: eine ardjäc* 
logifch-altcrtumsmiffenfcbaftlicbc unb eine neuere, beimatgefchichtlicb-Fulturgefchiditlid?* 
Funftgewcrblkhc. 3 cnc umfafjt bie aus furfürftlid7cr < 5 eit ftammenben, burd? ftäbtifebe 
2 JitFäufc rcrmchrten Beftänbe bes ehemaligen Hofantiquariums, bie baju gehörigen 
(ßipsabgiiffc nad? antiFcn BilbwerFcn unb bie 2 lusgrabungsfunbc bes 2 Iltcrtumspcr= 
eins. Pic neuere 2 Ibteilung bilben bie übrigen reichhaltigen Pcreinsfammlungcn, mit 
t£infd?lufi bes oorerft nod? abgefonberten Stabtgefchichtlichen IHufcums unb bie t?aupb 
fäd?lid? auf bie €oFalgcfd?id?te bezüglichen ftäbtifeben Sammlungsgcgcnftänbc. Hoch 
nie! ju wenig beFannt ift immer noch braunen unb baheim, meid» ausfd?laggcbenbe 
Bobcutung Hlannbeim in ber Fünftlcrifchen unb geiftigen Kultur bes 18 . 3 ahrhunbcrts 
3uFommt. Pies ju pcranfcbaulichcn, ift unb bleibt eine ber Hauptaufgaben unfcrcs 
hiftorifchen Hlufcums. 

Pas auf bem weiteren UmFrcis ber Heimat fich aufbauenbe Fulturgcfcbicbtlidv 
i^ilb mirb abgerunbet unb crgänjt burd? Funftgcwcrbliche (ßruppeu, bie 3um (Heil in 
näherer Beziehung jur Ikbnat flehen (wie j. B. Porjellan unb Fayencen uitferer 
(ftegcnb). H e * nl atfunbe im 2 lnfd?lujj an bie Kenntnis ber allgemeinen <£ntmicFlung 
non Hatur unb IHcnfchbeit ift bas Chcma, welches bas IHufeum firn 27 atur* unb 
PölFerFunbe mit biefem Heimat* unb Kulturmufcum gemcinfam bat - H c *>nat unb 
IPelt in ihren matmigfaden Beziehungen unb Bcrfleditungcn. 

Per 2 uime bes Hereins, ber für biefes BTufeum forgt, 2 l!tertumspcrein, ift fdion 
langft nid?t mehr jutreffenb. Pie Be3eid?mtng 2 l!tertums=, ööefdiidits- unb ZHufcumS' 
perein mürbe feinen 2 lufgabenFreis richtiger umfdnciben. 3 m Caufe ber 3 ahr.b'hnte 
haben fid? feine Aufgaben berart gehäuft, bafj Kräfte unb HTittel nicht mehr bin* 
reidx'ii, fie rollig 3U bewältigen. HXibrenö er anfangs nur 2lusgrabungcn unternahm 
unb in ein paar SdxuiFäften ben (ftrunb 511 einer Fleinen £oFalgcfd?id?ts*Sammlung 
legte, ift biefc Sammlung jefct 511 einem ftattlkben Hhifcumsbeftanb pon weit über 
bas IPcidibilb ^Mannheims reidxmber Bebeutung heraugenxuhfen. 3 " ^adibüdvrei, 


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21rd*ip 11116 2 oi! 6 erfair.mlun$ floht ein mifienfd'aftlider 2 lprarat non unfcbäfebarctu 
ITert für Mo heimatliche oVfdidts- 11116 2 lltcrtunisforfd;i(ik, jur Verfügung. IPiffcn* 
fdwftlid'c Porträge un 6 £rfurfioncn irer 6 en pcranftaltct, Pcreitisfd'>rifteti heraus* 
gegeben (feit 1900 eine eigene ^nematsfebrift: 211 annbeimcr (ßcfchicbtsblätter). Leiber 
fehlen bis jeftt Me Porausfetiungen 511 einer trirflidi intonfmen Permcfmuig nn6 
lebenbigen Pcnraltung 6 er rammlimgen. Pie ^abresjufebüfie 6 es Staates (leiber 
nur 2<K) 211 .) 11116 6er rtci6t (4800 21 T., tropon 1800 2.1 c. für 21 tiete 11116 Perfidvntng 
bcanfpriuht irerbon), reichen mit 6 cn 2 ttitg!ie 6 erbeiträgen (run 6 5000 211 .) für 6 ie 
<£rfüüung aller Mefer 2 lufgabon nid-t 0115. rd-enfuitaen fin 6 bisher !oi 6 cr nidü in 
6 eni Umfang uigcflcffen, irie man eigentlich in 2 Pannheiin erwarten foüte. 



8. tSbincfcnpuften. ^raufcntbalcr portcUati, um Koö 

(PatcrlünMfcbcs IVtufcum niarmbeint) 


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9. £iicritc& Zliisbangcjdiil^ eine? furpfäluirfjcn l^citra^ncr* 
mit IPappcn un& Ztlcncdramm bcs Kurfüritcit Karl r um U70 

(Datcrläni>ifd?es Illufeum lT1<mnt)fim) 


»Hauche neue Aufgabe unirbe in ilngriif genommen, fo 1915 eine Kriegsfamm 
lung. fie ift iregen »Handels an Kaum magaziniert. (Eine Keihe non Sonberaus* 
ftellungen nurbe reranflaltet, bie überaus anregenb unb jitm »Teil uorbilblidi mirften 
(mie ^ranfentaler Porzellan, B'anitbeimer Kurferftedx'r, Sdnller, Kleinfunft uub 
Klcinpcrträt). rie fönitcn nicht fortgefebt irerben, nx'il bie erforberlidxn Kimme 
fehlen, iriffenfdxiflide liilfsfräfte fennten bis jel}t leiber nur norübergebenb be* 
fdxiftigt ux'rben, itx'i! bie 21 litte! fehlen. 

3m 3abre 1900 übertrug bie Stabtnermaltung bem Perfaffer biefes Kuffabes 
bie Bearbeitung einer auf cingebeitbem QueHeuftubium bcnibeubcn Ovfdüdüe Bunin* 
heims (crfducncn 511111 5 tabtjubiliium 1907 ) uub bie (Orbuung bes ftäbtifdyn Brduns. 


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IMcruus entftanb 190? bie etatmäßige Stelle bes Stabtardiii\us, helfen CätiijFeit fidi 
auch auf bie bifterifd'en Sammlungen ju erftrecfen bat. Kus biefer berufsmäßigen 
Hefchäftigung mit ber heimatlichen < 0 efdvcbtc unb ben Dcufmäleru bcimatüdicr (0c- 
fdjidite, Kunft unb Kultur ernucbs ben Sammlungen mandtcrlei Huben, mie audi 
bereit Horbattbcnfcin bei allen Stubien über bie Hcrgangcnbcit uttferer Stabt unfdtdfe* 
bare XHenftc ermeift. 

Die Hermaltung ber Sammlungen blieb Sache bes ehrenamtlich tätigen Hereins» 
porftanbs. Hei ben ftcigenöcn Kttfprüchcn an bie Hermaltung eines umfangreichen 
HTufeums unb bei ber fonftigen «reit rerimcigten CötigPcit bes Hereins rnadit ftdi 
aber fcboti feit längerer ^cit bas Hebürfnis einer €ntlaftung geltenb. Die ;£rage, 
mie bie DTufcumsncrmaltung ncrftabtlidit trerben fönne, morüber erftmals 191° — 
allcrbings erfolglos — rcrbanbelt nuirbe, mirb baber nidit mehr lange ungclöft 
bleiben fömten. Hei jenen Herbanblungen, bie junädift nur bas Stabtgefdiiditlidy 
HTufcum betrafen, ging man bat*01t aus, baß bie pcrfcbiebcnen £igcntumsrcditc eje- 
mabrt bleiben feilten! Hur bie Ccitung feilte cinbeitlidi unb berufsmäßig feilt. Bis 
jefet ift bie Sad'laae fe, baß bie ber Stabt gehörigen eher neu ihr ermerbenen Kltcr- 
tumsgegenftänbe bem Kltertumsuercin als Ceibgabc übermiefen merben. Hei ber 
Umgeftaltung mar gebadit, baß umgefebrt ber 2J!tertumsncrein feinen Hlufcumsbefit; 
als Ccibgabe in ftäbtifdie Hermaltung übergeben feilte. Ceibcr ift infolge bes Krieges 
bie <£rlebigung biefer fdimierigctt (Drganfationsfragcn nererft auf ein tetes <0e>eis 
gelangt (ncuerbings mürben b'e Herbanblungen mieber aufgenommen). 

3 » ben günftigen Satiren, bie bem Kriege rorausgingen, mürben bie Anläufe 511 
einer großzügigen SammcltätigFcit baburdi gehemmt, bctß über jene (Drgauifations« 
problcmc unb über ein genau umfdrriebcncs Sammelprogramm, auf ( 0 nmb beffeu 
erhöhte ftäbtifd'e ^ufd-fiffe geleiftct merbett feilten, jmifdxn Stabt unb Kltcrtumsoerciu 
ein nelles >Enu>erftänbnis nicht erhielt mürbe, ^ertter baburdi, baß in ber Kaumauge« 
Iegeuheit nedi Feine Klärung berbeigefübrt mar. 

'Eine fiauptfragc bes Sammelprogramms ift bie Hcrücffiditigtmg Funftgcnvrb» 
lidieit Sammelns burdi ben Jlltertumsrerein. Sin Kuuftgemcrbemufcum fehlt ZHanu* 
beim, unb mie bie Herbältuiffe beute liegen, mirb biefe €ücfe nicht mehr ausjufülleu 
lein. Im 3 <- 1 bre 1910 entivarf ber Herfafier aemeinfant mit Dr. tDidKrt im Kuf- 
traa bes (Oberlnirgermeiftcrs ein „Programm für eine jireite fxuiptfunftfammlung 
ber trtabt IHannbeim". Darin irar bie Sdiöpfuug eines „Siibbcutfcben ZHufeums für 
Ha re cf unb K0P0P0" iiorgefdilagen. Ce'ber nuißte biefer plan, ber auf ein Sammeln 
erfiFlafftger Funftaen erblicher <£rjeugniffe nach rein äftbetifdyn < 0 runbfäfeon abjiclte, 
megeu ber hohen Kelten fallen ge! affen merbett. 

Die .frage, inmiemeit bie Kltertumsfammlunaeii Funftgemerblid* Qualitätsftücfe 
aufnebmen tollen, bat fidi ht ber < 5 mifcbcujcit baliin geflärt, baß bie SammcltätigFcit 
auf fumtaemerblidynt Oiebiet in ber ftauptfadic nach leFalen unb territorialen ( 0 e ficht; 
puuFten erfolgt, unb baß außerbabifdy ober außcrpfäljifdv OVgcitftäube in Hu; 


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JO. lUmcr tfarocffdjraitf 

(Daterlänbifdjes ITlufeum OTamtfpim) 




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42 


mtbmefällcn eiubcjOycn irerben, trenn fic 511 r Uusfiilluna ber ‘Stufen bes Kulturbilbcs 
irünfdxnsircrt finb. 

Piel K'ikhV nurbe Ulunnbciin um Me Stiftung feiner 'Ebrenbiiraer, bes (fte* 
Ivimratr I'r. Kor! Keif; uni» feiner Sdnrefter Umta Keif;, i>ie ibr Pcrmövjcn yir 
'£rrid’tuues einer Kcißmufcums rermoebten. Padt ben im 3abrc 19 \3 gecinbertcn 
Peftamcntsbeftimmunycn fol! bar Kcißmufeum als Prtreitentuysbau ber Kunflballe 
imb bas Kei)Vl\uis als licimftättc ber Pcranftaltunycu bes „freien Punbcs" bieitcn. 

Pas urfriünalide projeft fab ein cinyacs foloffales Ulufeumsycbäube am ^ricb* 
rid'splai; ror, in trcld'cm bie Ultertümsfajmmlunaen unb bic Sammlungen für Patur* 
unb Pölfcrfuubc unteraebradd irerben foHtcn. Piefcr plan ertries ftdy fo rcrlocfcnb 
er anfangs crfd'ien, in ICirflid feit als ein großes Uiitbernis. <£s nntrbc eine Um 
fumtne ron goii unb Urbeit für bas ron rornbcrcin totacborcnc Projeft ivrircnbct. 
Ulan batte treifc Prunfräume erhalten, bie in pieljäbriycr Sammoltäticifcit Fauna ent- 
frreebcnb anyifüllen acirefen mären. 

Pei biefen ireit jurücfreidx’ubcn Perbanbluitycn aeiraun man triebet einmal Me 
alte >ErFcnntnis, baß bie erfle Uaurtfürforac bem Ulufeumsiubalt, uidit bem Ulm 
feumsycbüube 511 aelfen habe. ICob! erleiddevt ein fdtöncr Peiibau bic Uusycftaltuiiy 
einer f ammlunet, ober au di hier jeiate fid\ nüe burdxuis rerfebrt es ift, b ; e Kaum* 
fraae ymt Unaelrunft einer erireiterten Ulufeumsfürforoe yi ntadvit, oeVr aar bie 
Sair.mcltätiyfcit einem Paunlau anytraffen. 


Pur burdt yrccfmüßiac Peruxiltunasoryanjfation, burdt "Klarbeit ber Sammet* . 
;ie*e unb yelbeirußte, fadtrerftänbiae Seituna entffebt ein lebcitbiycs Ulufeum. t£in 
irertroller, planmäßia oeformtcr unb ber Ullaemeinbeit nußbar ocmaditcr Ulufcums* 
inbalt aber muß fo lebcnsFräftiy nirfcit unb fo nie! Pafeinsiricbtiafcit ausftrablen, 
baß er bie Pefriebiouny feiner Kaumbebiirfniffe irie audi feiner fonftiycn Gebens* 
aufpriidv mit einer aeiriffen Paturnohrcnbiafeit cryrinot. Pei bem Ulufcumsbau, 
beit bie (fvfdnrifter Keif; burdt Pruno Sdmtii;, beit Urdiiteften bes Ulannbeitncr 
Kofenaarlcus, erridten laffen trollten, brobte ber Ifarbinalfebler, baß biefes als 05 c* 
aeir'liid’ yir .feitballe Kofenoartcn aebad te OVbüube riet yi aroß unb prunfroll 
aeplant trat unb rie! 511 rerfd iebenartiae Pinac unter einem Padt rereinioen follte. 
Piefes pbautom, bas uns fiel yi lanae bienbete, ift nun enbaitltia rcrfdnrunbcn. 


reit beu neuen ,\'einet;uuaeu rom Jahre i<)ir> fall bie Keißiliftuna in rollent 
Umrana für bie ,xirede ber KunübaHe unb bes Jeroion Punbes nußbar ycmad't 
irerben. J’reilnü irirb fidt ber Paubeainn ireaen ber jeßiaen utiaüiüliaen Caae erbeb* 
Üdt ret'v'aeni. Pie llmiranbluna bes Keißfd’en Peftaments unb bes aan;en Pan 
Vrojefts liet; bie v \raae einer heiteren 1111b lrüvbiaeren Unterbrinauna bes Paterlan* 
biidvn Unikums unb ber rammliinaen für Patur unb PölferFunbe unoelöit. 
f elbürerüäiiblid' rid'teten fub fofort bie Pliefe nadt bem Sdloß, als in biefem Pan 
iiuolae ber üaaüiden Umiralyiua mcrtivHc Käume frei inirben. 


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U- 2Utar aus Hotl? (Bc«irf*amt ntcfcfircfj) J5J3* 21«? Hüctjcitc bc».: fjatts Strüt» ron Forinten 

(Patrrldnbifd?cs lllnfcum Mannheim) 


ITcmi man has monumentale Kaufhaus mit feinem fyodira>jcnben üurm öemiffer* 
nutzen bas liaupt Mannheims nennen barf, fo ift bas Sdüof; als hie Stabtfrone 511 
bcjcidincn. Breitnuiditig lagert fid? biefes gewaltige Peufmal haroder Baufunft am 
Kheiiic hin unb fäityt mit ueittjeöffueten Kiefenarmen bas fvmmctrifdv Strafjciujcbilbc 
her Quabratfkibt auf. Piefe beherrfdieube Bebeutuna, hie bas Sdüofj für Kfaunhcim 
in architcftonifdier binfidit hat, ntuf? audi in aeifliaer Bejiehun^ hur di feine fünftioic 
Bermenbiuty gewahrt bleiben. Pcshalb nnirhe halb uadi heu Pagen her Staatsum* 
wäljuug hie 5 °rheruuy erhoben, baf; bas Sdüof) einen geiftigen ZTiittelpunft für 
Mannheim hüben muffe unh nidit etwa in uodi höherem K(aj)e als feither eine 
unüberfidftlidi aufgeteilte, unfern aufgefudüc liodiburg von Jfittan.v unh 'uiftijbe- 
hörhen merheu hürfe. 

Bluffer heu bisher hem grofjherjoglidx'it bofe oorbehaltenen (ßcmädym befinheu 
fidi im Sdüof) Bcamtenwobnungeu, Kmtsräume, Sammlungen, Klagajinc unh Ställe. 


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Jmmcr mcitcr ftnb bie Büros roryebrunyeu, uiti» maitdxs ^rembarti^e (mic j. 23 . 
ein (P-efänauis) Kit fid? im SdMofie fcflycuiftet. Seit bcu Kepolutionstayen ftni> mm 
bi: mfd'.icbcuartkü'tcn <Eiurid?tuit^cn unb Stellen ins Sddoß überciefiebelt uni» befinden 
fjdi großenteils beute nodi brin: PolFsn-ebr, paßftelle, Canbespreisamt, Koblenftelk, 
^likttliikssfürforae ufm. £iitc im ^rühiabr I 9'9 i'ou ber Stabtreriraltuius ber €an* 
besreaieruinj .übergebene PcnFfcbrifl mad't einacbcnbc Porfddäye, mie bie frckxcmor- 
beneit unb freijumadenbeit Käumc für Kulturpflcyc unb Polfsbilbunoi in ixroßaiuxe* 
leater 'EfubeitlicbFcit pcrmeitbct irerben fönuteu. 3 " biefem Programm, bas non 
allen an ber Porbcreitima Beteiligten autycbeißeit nurbe, fmb auch bie Sammluitycu 
bes l\xtcrlänbifd;'en Ulufeums ircityebeirb berüdftcbtiyt. 

laut follte man meinen, baß bas, mos bei anberen Sdilöfient faft als Selb)!- 
rerftänblicbFcit cdIt unb in ireit größerem Umfange burebaefeßt merbeu fonnte, audi 
für UTannbeim möglich märe, baß au di bcjüglicb bes ITCamtbeimer Sdüoffes ber 
(ftruubfaß aitcrfannt mürbe: (Dffnuna ber Fuuftycfdüd>tlid'> bebeutfamen Käumc, 
Permenbuity für bas (fiemeinmobl, für 2 Thtfeums* unb PolFsbilbuuySjmedc. Uber 
kiber (teilt ber unali'uflidv Uusaana bes Krieaes mit feinen perbäncmispollen »Ein- 
flüffen auf bie Staatsfinanjen, mit ber Sdaffuna neuer Steuerbebörben, bem EDob* 
nuuasbcbarf ufm. bie ivffuunaen auf bas Sdiloß bcbeuFlidi in ^rayc. B*° töcfabr 
brobt foaar, baß audi ber öftlkbe ^liiael — riellekbt mit alleiniger Uusuabmc einiger 
pruuFräumc — einer r errett eiten Uufteiluna in Büros unb Picnftmolmunaen, bem 
rdncffal profanen Ulltaasyebraud's prcisaeacben mirb, baß öbnlidie Perbältuifje, 
irie fie jeßt im Sddofie berrfdx'n, Bauer bebalten. Unter bem Prüde ber beutiycn 
traurigen £aae ron Keid> unb Staat »ft es natürlid» äußerft fduper, ibaaeyen anju* 
Fämpfen mit bem llintreis auf unjirvifelbafte Fulturelle StaatsnotipeubicsFetien, mit 
ber ^orberuna einer aleidfam feiertäalid'en ^medbeftimmuuy, mit ber Ulabnuna 
an bie Pfliditen bes Staates acycu (ßeifiespfleye unb PetiFmalfduiß. 

Perballt biefer ciubriuylidie UTaburuf unaebört, läßt fidi jenes ibeale Programm 
uid't permirFlidien, fo n irb por allem ben für bie pflcae bes lieimatfinnes unb ber 
beimatliebe fo unenblid' middiaen biflorifdvn Sammlungen bie räumlkbe (Rrunblaae 
einer ycbeiblidvn tTeiterentmidluny entjoaen. Uuf ihre ^uFunft follte baber bei ber 
■Sutfdvibuuy über biefe für IHannbeim fo überaus mkbtiyc $tac\c meitycbeube 2\iid- 
fiebt aeuommcu merben. 

Uber uodi por anbere Uufaabeu pon außerorbentüdvr Eraymeite bat bie Uuf 
löfuiiy ber Ivfbaltunaen bie Ulufeen aeftellt. Pie £aae alei.bt einigermaßen berjeuiaen 
bei SäFularifation bes aeiftlid'eit Befißcs 511 Bcaiun bes 19. labrbunberts, bie uuye* 
beure Kuuftfd'äße frei madte, ift aber utteublidi fiel fdupieriaer meaen ber yeaem 
märtiyen riefeubaften IPertiteiaeniUy aller lümft unb Ultertumsaeaenftäiibe unb me- 
aen bes immer aefäbrlid'er trerbenbeu IPettbeirerbs ber KapitalFraft pripater Samm¬ 
ler. .'für Jlcannbeim baubeit es fkb barum 51t erreidvn, baß bie in bas ■Siaeutum 
bes Staates überaeaauaeuen 'Eiuriditunysaeaenitäube ber yroßberjoalidvit Sdßoßye» 


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— *5 - 


ir.üdvr in bicfcn Köumcn rer bleiben uni» ab funftgcmcrblnhes ober Funftgcfcbid>tlidics 
Duifcumsgut 6cm BaterUinbifcbcn Dlufcum übermiefcit merben. 

gu münfdicn ift, bafj ivic barauf abjielenben ©efudic unb Begebungen an 311» 
ftänbiger Stelle bereitmilligc 2 lufnat>mc finben, bamit hier erreicht mirb, tras bcifpicls- 
ipeife in Karlsruhe unb Blümchen (bort richtet inan mit ben Kunftgegcnftcinben unb 
Stilrnöbeln bes fjofes ein befonberes Kefibcnjnmifcum ein) bereits in hoffnungspoller 
Kusgcftaltung fidi bcfinbct. Der größte Schafe ber Dlannheimer Schlofiausfcbmücfung 
fmb bic berühmten ©obelins, bre teils nod? aus furpfäljifdxr ftammen, teils non 
Karl ^riebridi aus ber f)inter!affeufchaft bes Karbinals Hoban criporbcit mürben. 
Leiber ftnb biefe ©obelins bei bem Kbfinbungspcrtrag mit bem grofjhcrsoglidvn 
•laufe nicht in bas Eigentum bes Staates übergegangen, unb man muff befürchten, 
baß fic bauemb für D?annhcim pcrloren fmb, trenn es nid>t gelingt, fie auf irgenb- 
nvlcbc IDeife hierher 3urücf3ugeipinncn. 

^tpcicrlei u>irb Dlannheim bei ber rollen Dürdibilbung bes Fo-mniunalcn Prinzips 
in feiner Blufdimspflegc nicht entbehren Fönnen. Kuf ber einen Seite — natiirlid> 
Hujjjcr einer gefteigerten Betätigung priraten (Dpferfinns — bie uncigcmnifeige frei» 
mittige Blitarbeit, iric fic in Bereinigungen organiftert ift: man hat babei befonbers 
an ben freien Bunb, ben Kltertiumsrercin unb ben Bcreitt für Haturfunbc 311 bcnFen. 
Sie permag Pforten unb t^erjen 511 öffnen, bic rein amtlicher CätigFeit perfdüoffcn 
bleiben. Kuf ber anbern Seite aber ift notmenbig bic tatFräftigc ^örberung bes Staa¬ 
tes. ber anerfennen muß, baß für bic ftebung ber CciftungsFraft ber Blamtbcimcr 
Blufcen ein Canbesintercffc rorlicgt, mcil ihre (EatigFcit nicht bloß einer einzelnen 
Stabt, fonbem ireiten Bejirfen bes Canbcs juaute Fornrnt unb bie B)irFungsmöglidi. 
Feiten ber eigentlichen fanbcsfammlungen in uncntbchrlidier IDeife ergäbt. 

Blufccn gehören 311 ben uncntbebrlidien (Einrichtungen, trelchc febcs größere auf 
bas IDohl feiner Bürger bebaebte ©cmcimrcfcn befifeen muß. Sic fmb nicht €urus, 
fonbem Bebiirfnis. ICir muffen fic pflegen, nicht trofebem, fonbem gerabc u-eil es 
uns tolitifd’ unb ivirtfdxiftlich fchlcdd geht. Denn aus unferem ©eiftesleben ror 
allem miiffcn trir bie Kraft unb ben IBiüen 311m IDicberaufbau fchopfen. KiicFhalt 
unb (Erhebung müffett mir in trüben feiten barin finben. 

Die hiftorifchen unb bic r>eiimatmufeen gehören 511 ben miditigftcn Bnftaltcn, bie 
fyimatfinn unb ffeimatliebe förbern, bie bas ©cnicinfd'aftsgcfühl unb bas pflidü» 
bcipußtfeiu gegenüber bem Daterlanbc mccfctt unb ftärFen. IDärcn fic ttidit porlxmbcn, 
fo müßte man fie jefet ins Ceben rufen. Unfer fjeimatboben, unfere Bcrgangcnbeit 
unb unfer ©eiftesleben fmb faft bas einzige, mos uns im großen eiufammenbriuh 
übrig blieb. 

Den Blannbeimcr Blufccn Fonimt unter bettjenigen Babens unb Sübbeutfdilanbs 
eine gan3 beftimnite Uufgabe 311. Damit es möglich trerbc, fie nod? einbtinglidvv 
aus3uprägen, muß auch ber Staat hilfreiche f\utb bieten. 


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— 46 


Patin crft ift Peutfdlanb mirflidi rerlorett, meint es an feinen ^eifrigen Kräften 
rerjueifelt, meint es feine aroßc Petyauaeubeit reiyiüt unb nidd; mehr aufjubrinaen 
rerrnaa für feine fultmelle ^nfunft. ITerben nir uns fünftiyhiu auch ttcvb febr ein* 
f di raufen müffen, rielleid t 511 fpartamfeher Sebcnsfübruity jurüdFebren, für (fX'iftes* 
unb Kulturpfleac müffen immer uoeb littet unb U'eae i'tbria bleiben. 

(Porftebcnbcr Kuffab mürbe im Pcjcmbcr 1 ( )’ ( ) CsC|\brieben. ~Sn ber ^mifebett* 
jeit fittb ron Stabtrcrmaitun$ unb Kltcrtumsrcrcin nadibrüeflidv rdnittc unter* 
nommen morden, um bas Sd-lof; uub feine Kusftattunasyeycnftanbe für bie ein 
beimifdjc Kultur* unb 2 T(ufeumspflcye ju retten. fintfdvibenb ift hierbei, ob es ge¬ 
lingen mirb, bie gefteigerten Pürobebürfuiffe ber an bas Keidi übergegangetten ^fiiuuij* 
rermaltung außerhalb bes Sdloffes jmccfcntfpreebcnb 511 befriedigen, hoffen n ir auf 
eine baldige günfiige £öfuug unb möalid ft meitgebenbes, uerflänbnisuollcs «Entgegen* 
Fommen bes Staates! P. P.) 



\2. gitclrigncUc 

au» Seit Schriften bet furpfabijeben Jlfafccmic 
£cr IPiitcnfcbaftcn 


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©te torgefcßtcßtftcße üßfdfung bet ^fdbftfcßm 
^ammfungm 3a 3E)ttbtfBerg 

Ton <E r h ft IV a tj l e 

I. 

’mäler öer früfyeften (Befdiid)te unferer Jjehuat, öie nadj »ielt}unöert = 
/rigcm Sdjlummer unter 6er Eröobcrflädje uns Kunöe geben ron Öen 
iten, 6a man nod? nicht jnfdniften in Stein meißelte unö auf Pergament 
f di rieb, mären in Öen Stäötifdyn Sammlungen 511 lieiöclberg noch gegen Enöc 6er 
10- 3 abrbun 6 erts — mit Kusnabme einiger Einjelfunöe nid't anjutreffen. Kein 
IPunöcr, öenn 6ie route gefdiid tlid e Pergangeitheit mit ihren fo jablreidyn bereötcn 
^yrugniffen nahm Kräfte unö Kuttel ganj in Pcfddag, mie audi fte allein 6ie l\r- 
anlaffung jur Pilöung 6er Sammlungen gemefen irar. ITas an uor* unö fridige- 
fdiiditlidxn junöen gelegcutlidv jutage trat, fam in 6ie Sammlungen 511 Karlsruhe 
unö KTannheim; nur 6ie 1872—78 beim Pan 6er KliniFen geföröerten römifdyn 
Sie.6elungsreftc verblieben in fleiöelberg. Kllcin, öureb ihre Einreibung in öie ramm 
hing öes Krduiologifdien ~Snftitutes 6er llnivcrfität muröeit fte nicht in Öen Kähmen 
eingefügt, in meld'cm fie in ihrer ortsgcfducbtlidyn Peöeutung am heften hätten 51m 
OX'ltung fommen unö 511m iveiteren luvbfpüren anregen feinten. 

Es mar ein glüd’lidvr Unfall, 6a ü, als gegen Enöc öes 1 ( ). J^hrlnmöcrts infolge 
reger Pautätigfeit nor* unö frübgefd id tlid'e Hberiefte an rerfdueöenen Stellen öer 



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— 48 — 


Ijcibclbergcr ©emarfuug unb ihrer Umgebung jutage traten, in biefer Stabt ber 
Atann rorhanbcn mar, ber bie Bcbcutung biefer ^unbe für bie fyimatgefdjkbte et* 
Fannte unb fidi ihrer annahm: profeffor Hart Pfaff. Hreue AnhänglichFeit an bei* 
beiberg hatten im Verein mit gcfehidtlid'en >h n > ber an biefer Stätte faft 

fein ganzes Ccbcn verbracht hat, veranlagt, fich in bie Vergangenheit ber ©egenb ju 
rertiefen. 21 b bas Ergebnis biefer Stubicn trat bas Buch ,,I?cibclberg unb Umge- 
bung" entftanben ( 1897 ). 3 n biefent beginnt bie ©cfchidüc uitfcrer ©egettb erft mit 
ben genannten römifeben ,£mtbcn. <£s liegt auf ber Ijanb, baf? Pfaff berjenige nxrr, 
melchcr ber bcflc Bcfchiifccr ber neu jutagc tretenben BobcnbcttFmälcr fein muftc, unb, 
an ftc anFniipfcnb, aus ber ITürbigung ihres ICertcs Ire raus fofort 5mecFs einbrin* 
genberer Unterfuduingcn unb ©eminnung neuer Urfunbeit biefer Art jum Spaten 
griff. Zfebeit feinem Hauptberuf als £ Obrer arbeitete er fid> raftlos in biefes ihm bis 
babin fern gelegene neue Hiffcnsgcbiet ein, mit Hat unb Hat untevftüfet non feinem 
^reunbe Dr. Sd umadrer, bem jefeigett PircFtor bes Hömifd}*gcrmanifd?cn Zentral* 
mufeums 511 Alaiig. PanF fdrönen Anfangserfolgen unb einem unrcrFennbaren ©e- 
fdiicf, bas Acugcmonncnc fofort für bie Allgemeinheit nufebringenb 51t rermerten, gelang 
cs ihm, bas ^ntereffe ber ftäbtifchen Körperschaften unb bamit ©elbmittel unb langfam 
auch geeignete Aufflellungsräumc 311 befommen. Unb nun, nachbem einmal ber An¬ 
fang gemaebt rrar, folgte eine ©rabung ber anberen. 3 m Verlaufe eines 3 ah r S c bntes 
hat Pfaff fo bie jefeige tx>rgcfd>id;,tlidic Abteilung ber Stäbtifdren Sanrmlungcn ge* 
fchaffen, fic glcichfam aus bem Boben berrorgesaubert. Pas uncrmübliche Schaffen 
biefes Alanncs muf? um fo mehr anerfannt ipcrben, als es im ftetigen Kampfe mit 
einem fdnreren €ciben gefebah, mclches im 3«hrc 19 08 feinem €cbcn ein <5iel fefete. 

Über ber Kleinarbeit hat pfaff nie bie großen ©cficbtspunFtc pergeffen. 3 n ihrer 
Bcbeutung für bie Hcimatgcfchicbtc mürben bie ^unbe ron ihm in einer Anzahl non 
Auffähen gemürbigt, Hodi furj ror feinem Hobe hatte Pfaff bie ^reube, bie ^unbe 
in rier geräumigen ^immem bes cnbgiiltigcn Heimes ber Stäbtifchen Sammlungen 
in neuen ScbränFcn aufftcllcn ju Fönnen. Von ber cingcbcnbcn miffciifdraftlichcn Purch- 
arbeituug feiner Hrgcbuiffc aber hat ber 51t frühe Hob ihn abgehalten. Per Stabt 
Hcibclbcrg blieb bie fibrenpflidü, bie fo nur halb rollenbete Arbcitt bem Abfdüuf? 
entgegen 311 führen. Per hiermit Beauftragte fab ftdi ror bie Aufgabe gcftellt, bas 
t on Pfaff geförberte Alaterial ber allgemeinen Benutzung fomohl burdi £aicn mie 
burdi Jfadimänuer 3ugänglich 311 machen. 3^ rc Höfling mar 311 fudieit in einer ben 
Anforberungeit ber Hcigcit entfprcd'cnbeu 2 ceuaufftcllung ber 5 1,n be unb ferner in 
ber (Hrbnung ber 311 ihnen gehörigen ieotigen plane, Photographien u. bgl. anberen 
Aften in v \’onn eines ^nnbardures. 

II. 

Per Aouaufftelluug mürbe ber plan sugrunbe gelegt, eilt Bilb ber Kultur* unb 
riebcluugsgefdüd'te ber Heibelherger ©egenb auf ber ©runblage ber natürlidvn Pa 
leiushebiuguugeu bes Aleufdvn 311 bieten. Sie mar bcshalb nötig, ba bie itodi ron 


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49 — 


pfaff gefchaffeite 2lufftellung 6io gaiij perfdnebcn alten 5 u,, k gcographifdier -ln> 
Ordnung verführte, fo bafi es für i'cn €aien fefyr fdiircr mar, einen Überblicf über bat 
Stoff ju beFomtneit. £s nntrben fomit bie 2 lltcrtümer in ihrer seitlichen 2 lufeinanber» 
folge georbnet. 

Sogleich aber ern ies es ftch als uinnöglkh, in beit rorhanbenen pier Räumen 
eine übcrfidtlide 2 lnorbmntg bes g a n 5 e n oortjanbenen Stoffes 511 bieten. Paju 
hätte bie hoppelte 21 n$ah! Räume nid t ansgereid t. O'egcmpärtig fann natürlich an 
eine rVrgrötjernng ber Abteilung nicht gebacht uvrbcn. Deshalb nxir eine Rusmahl 
ans beit porbaubcneit Deftänbeit 51t treffen. 2lber nicht nur bie plaüfrage gebot eine 
Sefchränfutig bes Stoffes. 



\. 2luficbt eines (Teiles ber ronjeicMcfitlicfieit Zlbtciluttg; 
über ber dür bas yilbnis prefeffer praffs 

Babifcbc Heimat. 1—2 ^ 


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— 50 — 



2. Scfjvänfc mit mcrcwintjcrjcltlidicn Junten 

/ 



3. J?eibclberg, ?lu*münbumj bcr znond'beHir. auf £*cn Hcctar, 
au? einer großen JuitteiiftcUe: i^efäfi, Kanbbnt. 29 cm, vertiert u. a. $ttrdi 8 ienfreebt 
gestellte üeiben ren je 7—8 in Me IPanbung eingcbrücttcn Haseln au- £bon 


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- 51 — 




fegen. d)fenl?al&ringe au» 8ronjc* Hefter tfbftanb &«r CT>fcrt 69 unb 77 mm. 
£unbcrt unbefannt (frühe 8ron*c»cit); 

Dolctf aus fronte, 7,1 cm lang, Clnjclfunb ren Z*offcnf>cim (Ifügctgräbcrbromeicü) 


.*>. Ifcibelberg, toriibcnljofi 
iretb(id?c» Horpergrab 

^fiebrtung anf <£runb bes 5unb-- 
berichte« pon Pfaff; 



iVifpicl brr IVrniu'ibiuiliibunii 
brr unb her 

Icbenbioeren fprarbe ber .Suub^ 
ftücfc burd? ein 90113 einfad'e* 
mittel 
4 * 


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(Eine Ktifftdlung non fämtikhen junbftücfcn würbe ben Befucber erbriieft haben; 
in ber 5 üIIc bes gebotenen Stoffe* hätte bie Unzahl ber Tinjelbeitcn bic großen <Se- 
fiebtspunfte nicht jur (Feltung fommen kiffen. Sdy>n pfaff batte etwa bie fjälfte 
feiner Kusgrabungsergebuiffe nicht jur Kutftellung gebracht. 3efct aber erwies fid? 
bereits biefe Kusnabl als noch >n groß. 3n einer als Bilbungsflättc für weite 
Schichten ber Benölfcrung bcflimmlcn Saimmlung — hier ift natürlich nur an bie 
größeren ZHufcen gebad;t; bei flcineren Sammlungen non rein örtlicher Bcbeutung 
liegen bic Tinge natürlich anbers — fann nämlich nur ein Teil bes Stoffes geboten 
werben, inbem burdi 511 häufige IDiebcrbolung ober ju grofje ZTCcngc bes Zlusge* 
ftellten nur 511 leiht bas (Gegenteil non bem erreid'.t wirb, mas eigentlich erreicht 
irerben foll, infofern als bie Benölfcrung baburdi lcbiglidi abgefebreeft wirb non bem 
Befinde ber Sammlungen. 

Tiefer (fiefiebtspunft hat aubenrärts bereits 511 einer Sichtung ber Sammlung»* 
beftänbe geführt. ZHan hat bann, trenn genügenb Kaum norbanben, bas Biatcrial 
getrennt in Ccbrfammlung unb Stubienfammlung, non benen elftere in forgfältiger 
Kusnxilil ber ^jiinbe bem €aicn bas bietet, was er erirartct, nämlidi einen ttberblic? 
über bie rorgefdidtlide Tntwidlung ber betreffenben (ßegenb, uäbrenb bic lcfttere 
jebem, ber tiefer in beit Stoff eittbringen irill, bic gefamten übrigen Beftänbe ber 
Santmluug in geograpbifder (Trbimng norfübrt. €ief?en bic Kaumncrbältniffc es 
uidit ju, auf biefe ITeife alles IHatcrial bem Befucber unmittelbar jugänglidt 511 nur 
hen, bann befdnänftc man fkb barauf, in ben jur Verfügung ftebenben Käumcit 
lcbiglidi eine €ebrfammluug 511 bieten, ben Keft ber Beftänbe aber 51t magazinieren. 

Tiefer letztere ITeg ift aus ben genannten (ftrünben in Ivibelbcrg betreten wor¬ 
ben. Tr lv.it gegenüber bem anberen natürlkb ben Ziaditcil, baft betn ^admtann ber 
Stoff im Buigajiu weniger übcrfidtlidi ror Kugcn geführt werben fann, als wenn 
muh er in Schränfcn ausgeftellt wäre. Kllein biefer leidere Hmftanb fällt weniger 
ins O'cwidd, beim anbernfalls wäre feine Cehrfammluug juftanbe gefommen. 

,^ür eine folchc würbe alfo eine Zlusmabl aus ben norbaubenen Beftänben ge* 
troffen; fie umfaßt nur einen Meinen Teil bes gefamten Stoffes. Ter Keft, b. h. bie 
weniger d arafteriflifd'cn, teihreife atub ihrer llerfunft nadi nvniger gefieberten 
A'tmbc, ift magaziniert, jebodi ^cvhleuten jeberjeit jugänglidv Tin Beifpiel möge 
zeigen, was mit biefer Kusmabl gewonnen ift. Ter 3 »balt non 150 ^ranfetigräbern 
aus bem ^viebbof non liircbhcim füllte bislvr, ohne ein IPort ber Trläutcrung, nier 
Sd-ränfc. 'Vcfct bietet bem Befucber eine Kuslefc non 20 gefdüoffencn (ftrabfunben, 
lid t anfgeftellt, nadi (Rtäberu getrennt in seitlidyr Knorbnung, mit planen unb 
Photographien, fomic Trläuteruugcn ber ^eitftellung baueben, fidvr niel mehr. 

Ts muf; aber Ivtont werben, bat; bei biefer Kuswabl nkht ber ZHafjftab ber* 
Sdvnlvit an bie Stüde gelegt würbe. Tenn bie ^unbe fmb ja feine eigentlichen 
Sdiaufliiefc, fonbern Urfunben, wie überhaupt eine norgefdüditlidv Sammlung fleh 
niel weniger au bas Zluge meubet, als an ben Berftanb. Tiefer urfuublidv Tharafter 


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ber Funbftüde wirb 5. B. betont butxh bie Hierfnodten unb perfohlten ©etreibeförner, 
melche nicht als Kuriofität ausgeftcllt ftnb, fonbem meil fie als < 5 eugniffe ber roirt* 
fcbaftlicben Perhältniffe bet Porjeit rf>rc Bebeu tung traben. Denn bie Kenntnis ber 
lefeteren muß bie ©runblage fein für bie IPiirbigung ber allgemeinen Kultur- unb 
Siebelungsperhältniffe eines ^eitabfebnittes. fjalbfertigc ©eräte, Bruchftiide t>on 
folchen, zerbrochenes unb meggeroorfenes Hongefcbirr, fjüttenbemurf u. bgl. machen 
ben Defcbauetr nachbrüdlich barauf aufmerffam, baß bie Porgefdyfchtsforfdmng 
nicht Altertümer, fonbern bas Altertum fueht, n i ch t S<hau- 
ftüde, foitibern bejn aius ben ^unbftitcfen unb Funbpcrhält- 
niffen 5u uns fprechenben ZU c n f ch e n. hierin liegt gleichzeitig für ben 
Befucher bie Belehrung, baß es feine mertlofen norgefchichtlichen Funbc gibt, baß 
auch ber fleinfte unperzierte Scherben feine Bebeutung hat unb jur Kenntnis bcs 
Fachmannes gebracht merben muß. 

Aber mit einer überftchtlichen Aufftellung einer Ausmahl ber porhanbenen 
Bcftänbc nxir bie Aufgabe noch nicht gelöft. Es hätte jirifchen ben (Driginalfunben 
bas crläutembc IPort gefehlt, jenes tDort, bas bie Funbc hoch nun einmal nur 
bem Faehmanne juflüftem, ber mit ihrem Umgänge pertraut ift. So mürbe berm, 
um jeben €aien in bas Perflänbnis bes aufgeftelltcn Stoffes cinjuführen, um biefen 
erft Poll uttb ganz zu bem zu geftalten, mas mit ber Bezeichnung „Schrfammlung " 
ctusgebrüdt ift, ber (Erläuterung ber Funbe befonberer IDert beigclegt. 

Die F^age, ob biefe (Erläuterungen in F orm eines gebrueften Führers burd? bie 
Abteilung niebergelegt, ober als ein Heil ber Aufftellung bei ben Funbftiicfen felbft 
angebracht merben follten, mürbe in ber lefeteren IPeife beantmortet, trofebem aber 
auch noch ber Drud eines Führers in Ausftcht genommen. 

Die (Erläuterungen müffen bcshalb als ein Heil ber Aufftellung betrachtet merben, 
meil gebruefte Führer erfahrungsgemäß nur pon ber fleineren hjälfte ber Befucher 
gefauft merben. Unb ferner fann ein großer Heil ber notmenbigen (Erläuterungen 
niemals in pollem Umfange in einen gebrudten Führer übernommen merben, ba fonft 
ber Preis besfelben piel zu hoch mürbe. Es ift hier an bie Karten, Pläne unb 
Photographien gebacht, melchc bie Aufftellung ber Altertümer ergänzen müffen. 3 U 
ben Funbftüden aus einem ©rabc gehört unbebingt eine photographifdie Aufnahme 
ober eine Zeichnung besfelben (pgl. als Beifpkl Abb. 5), aus melcber bie Einzelheiten 
bes Bcftattungsbrauchcs ahgelefen merben föttnen. Diefelbe F^rbcrung befteht, menn 
bie Hefte einer IDohnftättc porlicgen, mobei, menn genügenb Anhaltspunfte por= 
battben finb, an einen töieberaufbau berf eiben in fleinem Utaßftahc (KeFonftruftion) 
gcbacht merben fann. 

Die Entmidluitg ber mirtfdiaftlidicn Perhältniffe unb bamit im ^ufammenhang 
bie Stellung bes UTeufdxn zur ZTatur fommen im Siebelungsbilb ber Porzeit zum 
Ausbrud, unb bcshalb finb Karten nötig, aus betten bie Perteilung ber BepölFcruttg 
herporgeht unb bie AhhängigFeit berfelbett pon ber (F'bcrflädyugeftalt, ber Bobenart 


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ober ber Perbreitung ron LCalb, Bufd>lanb unb offenen (ftrasflädien crüchtlidi ift. 
Photographien miditiger ^unbpÜific unb Kufnabmen non ianbfcbaftstvpcn föitncn 
bas (Gebotene ncrnollftänbigen. ^ür bic 'Erläuterung ber friäbgefdiicbtlidxn < 3 eitab* 
fdinitte, in benen Bobcnforfdntng uitb <Befd>icbtc fidi bie lianb reidvn mfiffen, fom- 
men ferner nodi Karten in Bctrad>t, incldv bic ErgebniiTe ber (Drtsnainenforfcbung 
uitb ber gefdücbtlieben Überlieferung, ben Einfluß bes norgefdnd>tlid>cn riebelungs* 


. £ 



6. Bic Bronjcn aus« bcin in 2lbb. 5 tar^citcUicn «Araber flcine 3yUn&er* 
ipiralc, «trei Kabnabcln, ein offener 2lrinring, ftrei $rcfec ;Sylinbcrf piralcn, 
eine „^uffbcr^c^, eine Habel mit gcjditrcUcncm AaU 



7. UHcslOib, iRcfäffC aus Branbijräbcrn, Kanbbm. ber «Bcfäiic ren linfs nach rechts l«>,5, 20, U,5 cm 


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8. U?ic»leefj, y w ci Acfafte au» Arabern, <Ein»clljciicn ber £unbumjtänbc unbefannt, 
Ranbbnt. bc» Aefäffe» linf» 15,5 cm, ber Sebale reefit» 55 cm 


> 


9. Kcibclbcr^, 
Heuer ,$riebboi, glaube, 
geiunben in bent Keller 
eine» reef?tcetigen 
Kauie», 



»ujammen mit anberen 
ncefi nicfit tufammen- 
gefegten Aefafien, 

2^ cm bccfi 


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tnefcns auf bie heutige Perteilung ber (Drtfehaften u. 6c- 1 . mehr zur Darftellung 
bringen. 

Das alles firib Dinge, melcbc ein gebruefter ^iibrer burch eine Sammlung nie¬ 
mals bieten fetmt, bie baljer fdion aus biefem ©ruubc unter ©las unb Kabmen unb 
in engffer ^iiljlung mit ben ^unbftücfen felbft zur Darftellung gebracht merben müffen. 

IDenn trofebem ber Drucf eines Rührers burch bie Abteilung geplant ift, fo 
irar bafür insbefonbere bie Ermägung mafjgebenb, bajj ein foldict manchem ^teunbe 
ber Porgefdncbtc millfommen fein mürbe als Erfate für eine noch feblenbe Dar¬ 
ftellung ber Porjcit bes babifeben Unterlanbes. Sein gemeiimcrftänblicb gehaltener 
Cert mirb fich nicht mefentlich unterfebeiben r>cn bem, ber in ben Sammlungsräumen 
jut (Erläuterung ber 5 l *nbe aufgebängt ift. Aufcrbem aber feil er für ben Fachmann 
ein fürder Katalog ber in ber Sammlung norbanbenen ^unbe fein unb mit einigen 
«Tafeln ausgeftattet merben. Citeraturbinmcifc ermöglichen es, ibn jum Ausgangs- 
punft mciterer Stubien zu nehmen/ follten bereu < 5 iele nun nach bem Bebiirfnis bes 
«Einzelnen enger ober meitcr gcftccFt fern. 

Da§ trofe ber oben bargelcgten nüchternen (Ermägungen über bie Bebeutung 
ber norgefchicbtlidjen ;£unbc als Urfunben unb ben ^u^ ihrer Anstellung banacb 
geftrebt mürbe, im ©rofjen mie in ben «Einzelheiten ber Aufteilung ein gefälliges 
Aufjeres zu geben, bebatf mohl Feiner befonbcrcit Betonung ( 2 lbb. I—2). 

Das IDcfcit ber Aufteilung als Cchrfammlutig erforberte es, zur Ausfüllung 
uon Cücfen in ben Beftänbcn an (Driginalaltertiimem ron einet Anzahl in biefiget 
©egettb gehobener, aber in frembc Sammlungen gelangter ^unbftücfe Abgüffe ju 
bcfdxaffcn. Da bie Sammlung bie oorgcfcbicbtlicbc «Entmicflung lebiglid) ber f)eibel= 
berger ©egenb rorfiibreit foll, unirben bie gelegentlich ermorbenen ©egenftänbe 
frember fferfuuft fämtlicb magaziniert. 

Die Unterbringung ber magazinierten Betäube läft infolge Platzmangels nod) 
ZU münfeben übrig. 3 n ber nächten Folgezeit mirb fid) baran nichts änbem laffen. 
3mrnerbin ift bas Alatcrial möglid>ft iiberfid>tlicb georbnet unb fo bezeichnet, bafz cs 
für ben ^adunamt — meim auch mit gemiffen Umftänben — benutzbar bleibt. 

Die Pereinigung bes gefamten, bie 5 l *nbc betreffenben Badtaffes pfaffs in 
form eines Arcbires fidiert bem UTatcrial feine miffcnfd?aftlid>c Bebcutung. Hadt 
.funbftellcn georbnet, mirb es ben Ansgangspunft für jebc meitere facbmiffcnfdiaft’ 
liehe Pcrmertung bilben. 

11 r. 

oVmätz ben oben bargelegten ©cfuhtspunften ift bie Sammlung jetzt aufgeftellt. 
Kote Kümmern an ben 75 Sdxiuflädvn meifeu bem Befiuhcr bcu IPeg unb fdtagen 
bie Prüde ron ben ^unbftücfcn 511 ben 'Erläuterungen. An leideren fntb zur /Seit 
ausgeftellt: 55 cricbeiungs- unb ©rabpläite, fomie 50 Photographien 1111 b 5 ©ip;- 
mobeile zur unmittelbaren Erläuterung ber 5 l, nbc. pn ben gröberen Kähmen ber 
Kulturentmidlung bes fübmefllidvn Deutfdtaubs merben biefe eingeführt bm\h 


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13 Cafelit hanbfchriftlidicn Ecrtcs unb U Harten mit Bcgleitmorten. < 3 um ~d?lujj 
fa^t eine ,„ 5 eit- unb Kulturtafel für bas fübtneftlkhe Peutfd>lanb" bie Ergcbniffe 
übcrfichtlid? jufammeu. 

3n großen <3ügcu bietet ein Kunbgang burdi bic Abteilung folgenbes: 

Ein „ICcgiueifer", am »Eingang augenfällig angebracht, führt ben Befudjer in 
bic 2 trt ber Hufftellung ein unb ermöglüht cs ihm fo, ohne langes Suchen ben roten 
^aben 31U finbett, ber burch bic Abteilung binburdifiihrt. 

Die ältere Steinjcit ift im ganjett babifdten £anbe nur fpärlich pertreten. Unftet, 
hauptfächliich jagenb, fdwiut ber Hlenfch cs nur feiten burchftreift 511 haben, im (Segen* 
fafe 511m Beifpiel 311m Sdynxibifchen 3 ura, beffen jablrcichc bohlen ihm Schüfe boten 
unb bie ittfolgebcffen beute bie ergiebigften ^uubftättcu non Heften ber älteren Steinzeit 
in ganj Peutfchlaitb ftnb. »Ein Schäbd bes JPifent (Bison priscus, Hbb. über bem 
Eitel), in bilupialen Schidüen uor ben Eoren bcibelbergs bei Kirdiheim gefunbcit, 
mag non einem ^eitgenoffen bes Homo Heidelbergensis herrühren, jenes älteften, 
bis heute befannteu ^ugen bes Hlenfcbeugefdilechtes, pon bem ein Unterfiefer in alten 
2 (crfarfanbcn füblich Herfargcmünb jutage getreten ift. »Ein Hbgufj besfelben ift 
ausgeftellt, ebenfo bas Bruchftürf eines fleiuen 2 Tleifjels aus Knochen, ber bei Zulage 
bes Heuen beibelberger ^riebhofes 19U gefunbcit tnurbe unb an bas Enbe bes in 
Hebe ftehenben ^citabfehnittes gehören bürfte. 

Per Übergang pon ber älteren jur jüngeren Steinjcit ift in ganj Sübbeutfddanb 
noch uitflar, tpeil faum burch 5 unbc ju belegen. Hon beim einjigen hierher gehörigen 
babifchen ^unbort, fleinen bohlen bei 3 ftcin, befifet bie Sammlung einige proben. 

Per Htcnfch ber jüngeren Steinjeit tritt uns mit feinem Sefjbaftigfcit bebingenben 
Hrferbau (birfc, (ßerfte, IDcijcn) unb mit Hiehjudit (Hinb, Sdxtf, .^iege, Schipein, 
banebat audi feiten bem Pf erbe) unpermittelt als etipas fertiges entgegen, ohne baü 
nur porläufig beit Cßegenfafe jtrifchcn biefer Kultur' unb bem im Pergleidic bamit 
ärmlichen Pafeiit bes HTcnfchcn ber älteren Steinjeit überbrürfen fönnen. Ein 
n eites Hrbeitsfelb liegt gerabe hier ber ^orfd'ung itod> offen. 

Eine ^unbfartc, bas Unterlanb unb bic angrenjettbcit Eeile ber Hadibarftaaten 
umfaffenb, jeigt, trie gerabe längs bes Hcrfarlaufes roit bcibelbcrg bis HTannheim 
unb in feiner HachKtrfchaft bic Spuren ber jungfteinjritlichen Befiebclung ftch häufen, 
trährenb fte aitberträrts piel fpärlidx’r perteilt ftnb unb im (Tbcmralb unb Spcffart 
überhaupt fehlen. Eine gcologifdy unb eine pflanjcugcographifdio Karte geben 311 
lammen mit bem bimneis auf bie fümatifehen Hcrhältniffe ber Horjeit bie Er- 
fläning: ber Urtnalb, ftets ein ^feinb bes Htenfdten auf nicbercr Kulturftufc, ba arm 
an Hahrung unb fdnrcr jugänglidt, trurbc gemieben; ber Hlenfdj liebelte ftch ju 
näd'ft nur auf ben poit Hatur mit (ßras ober (ßcbüfdi bcmadifeneit Canbftrichen an 
< 5 >wi Photographien aus bem Übergangslanbc rom ICalbe jur Steppe im mittleren 
Kufjlanb geben ein Bilb ron ,bem natürlidvn PflanjenFleibe tmferer (ßegcttb in ba 
maliger <5eit. 


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Heid? pertreten in 6er Samm= 
luitg ift 6er Uulturbefifc 6cs jünger» 
freiheitlichen HTenfehen. Heben ©e= 
fäfren (Ubb. 3 ) un6 Geräten, 6ie 
au* 6en jal^lreicbcn, auf 6er Heidel¬ 
berger ©emarfung un6 ihrer Hadi 
barfd?aft ent6ecften Sie6elungen 
frammen, fin6 Haustierfnodicu, per» 
fohlte ©etrei6cförner un6 Hiabl 
fteine ausgeftellt, welche nad?6rücf 
lieb auf 6ie tpirtfd^aftlidje ©run6- 
lage 6es 6amaligcn Sehens tjintpeifen. 
<<5ipei ©räber mit nodi jiemlid? gut 
erhaltenen Sfeletten, bei 6er Uuffrn» 
6ung in 6er umliegen6en <£r6e belaf» 
fen un6 fo in 6ie Sammlung gebracht, 
perpoüftänbigen 6as 23 il 6 6iefer < 3 eit. 


u. beibclbcnj, Cabcnburgcr Straffe 
Hr. 55a, ©ciaf» mit Ifenfel in ©cjtait 
eine* menfcblicbcn deines, 

22,5 cm boeb 


13. liirebbeim bei lfcibclbcr*j, au* ©rab *30: (Zrinfborn 
aus tjrünlicb-aclbcm ©lafc 


XHe ^fun6e aus 6er auf 6ie jüngere Steinzeit 
folgen6en Sronjejcit, treten an J)ahl gegenüber 
6enen aus erfterer jurücf, eine ©rfebeinung, 6ie 6as 
ba6ifcbc Sait6 mit manchen an6cren ©ebieten, 
5. 23 . Unterfranfen, gemeinfam bat, un6 6ie wohl 
auf Derfdnebungen 6er 23 cpölFerung jurüefjufübren 
ift. X>ie frübefre 23 ron 5 ejeit — fo wtr6 6er erfte Unter 
abfdjnitt 6iefer ,ocit genannt , ift in 23 a 6 en porliiufig 
nur 6urdj tpenige ^uu6e pertreten. Un hierher gehöri» 
gern Utaterial bietet 6ie Heidelberger Sammlung 






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erft jmei fogeu. (öfcnhiilstinge (2ü>b. 4). 2lus ber barauffclgenbcn Hügelgräber* 
bron3Cjcit" finb einige gefchloffene ,$unbe aus Körpcrgtäbcm rorhanben ( 2 lbb. 5 —6). 
Heid? pertreten aber ift ber lefjte 2Lbfdmitt 6er Bronjcjcit, 6ie „Umenfelberftufe". 3» 
biefer würben bie Coten im ©egemfat; 3U porher perbrannt unb ihre Knochcm 
refte sufammen mit nur fpärlidien Bronsebeigaben, aber in ber Hegel mit einer 
Hnjabl flemerer, mit Spcife unb Cr auf gefüllter ©efäfe in einer großen Urne bei- 
gefegt. €ine 2lnjahl pon ©rabfuniben aus ben ©emarfungen fjeibelbcrg unb IDieslodi 
geben ein Bilb biefer Beftattungsart ( 2 tbb. 7 ). 

I*er Beftanb ber Sammlung an <£injelfunben pon Bronjegcgcnftänben ift leiber 
nod? fpärlicb (als Bcifpiel 2 lbb. 4 Bütte) ; manche wichtigen ©egenftänbe bes tag» 
liehen ©ebraudjes, 5. B. bie 2 lrt, ftnb nod) nicht pertreten. 

Huf bie Bronjc folgt bas <£ifcn; nach ben 3tpei alten, roiditigen ^unöorteit fiall- 
ftatt im Sal3fammergut urtb €a Cene am Heuenburger Sec wirb bie Cifcnjeit bis 311 
Beginn unferer ^ertreebnuug bin geglicbert unb benannt. 2 tus ber fiallftattseit befißt 
bie Sammlung neben einem auf £)eibclberger ©emarhmg gehobenen 5 U,, ^ C eine 
Hnjahl gefdiloffener ©räber pon IPicslod) (2lbb. 8). Diefe 5u«be laffen erfennen, 
ba§ bie Kcrbfchnifecrci nad^abmenbe Derjierungsart ber ©efäfc ber gleidxütrigen Kuh 
tur bes (Dbcrlanbes im Unterlanbc nur wenig 2 lmrenbung gefunben hat. 

5 ür bie Beurteilung ber auf bie ffallftatt^eit folgcnben £a Ceuejeit ift es pon 
Bebeutung, bajj mit biefer Sübwcftbeutfchlanb in ben Bernd) ber fchriftlichen 
Überlieferung fällt, ©injelnc Säfee aus Cacitus unb ptolemaios, in bie an ber EDanb 
aufgehängte Kberficht über biefen ^eitabfebnitt cingefügt, nennen bem Befdxtuer bie 
Kelten, iusbefonbere ben hclpctifcbeu Stamm, als ehemalige Beipohner uitfcres €an» 
bes, unb als ihre Hadifolger pon bem labre 100 p. <£hr. ettra an bie pou Horboften 
hierher gelangten ©ermanen. (Entfprcdxmb bem heutigen Staube ber ^orfd>ung 
mürbe perfucht, bie pon perfchiebonen Stellen ber ©emarfung fkibelbcrgs unb ihrer 
Umgebung ftammenbeu, teilweife recht tpcrtpollcn ^unbe aus biefer ^eit nad) Feltifchcr 
unb germanifdvr Herfunft '311 trennen unb ben Unterfchieb in Kulturgut unb Beftat- 
tungsbraud) beiber Bölfer jur 2lnfd\uuing ju bringen. 5™^ ergab es fid), baji 
gerabc auf biefetn ©ebiet für bie forfdiung noch picles unflar imb beshalb bie $öxbc- 
nitig weiteren HTatcrials fehr eririinfcht ift. feines ^ormgefühl perrät bie frühlatene* 
Seitliche Keramif (21 bb. 9). <£in befonberer plafe mürbe bem reich ausgeftatteten 
©ralv eines Kriegers aus bem lefeten rorcbriftlichen labrhuubert eingeräumt, bas 
t 9 i 4 bei 2 lttlage bes Heuen ^riebhofes pon lieibelberg gefunben morben ift ( 2 lbb. l<>). 

5 « ber <cyit Hr man jenem ben Sdimucf ber JPaffen mit in bas ©rab legte, ge¬ 
langen 511m elften 2TTale bie römifeben Legionen, geführt pon <£äfar, an ben Khein. 
,ÖuiKKhit freilid) ift in bem ganj auf bem rechten Ufer besfelbeu gelegenen babifdien 
Canbe faft nid'ts ron ber 2 lunvfenheit berfelbeu in bem ard\io!ogifdvn Had>!afe bie 
fer < 7 vit 511 ivrfpiiren, ba bie Hörner ben Hhein ;ur ©renje nunben; nur ber Gipfel 
bes taubes, ber nörblieh rom Bobeufee liegt, ift um Chrifti CVburt Ivreits ein Ceil 


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bei Köniifd)cn Keidies, 6 a 6 ie Borbgrenje bei unter Kaifer Uuguftus römifdr gemor» 
benen Hlpennorlanbes 6 ie Donau abwärts perläuft. Erft unter Kaifer Pefpaftan (70 
bis 79 n. Ehr.) beginnt 6 ie planmäßige militärifchc Bcfcfeuitg rcdjtsrbeinifcber (Bebietc, 
un 6 nun mit einem IHale finben mir überall im €an 6 e 6 ic Spuren 6 er römifchcn 
Cegionen un 6 ihres bürgerlichen Hnbanges an Dlarfeteubcrn, Kaufleuten un 6 Paga* 
bunben. Ziemlich bcutlich fchon fann aus ben ^unben ^erausgclcfen merben, mie 
unter Kntonius Pius um 155 n. Ehr. bie Kcichsgrenjc jmifeben Donau unb Ktjein 
ihren norböftlidjen Perlauf erreicht, mie fo ber Üimes entfloht, jene nodi beute in 
Spuren im (Betäube 511 erfenneitbe befeftigte (ßtenje. 

Die Kenntnis biefer Entmidlung ber Keicbsgmtje mie überhaupt ber politifdjcn 
©efdndjte jener .Jeit ift bie Porausfeteuitg ju ber IDürbigung aller übrigen bannaligen 
Perhältniffe. Deshalb mirb ber Bcfdrauer ber Sammlung burch eine Karte mit bc« 
gleitenbem Eert in fic eingeführt, ehe er bem in ber Umgebung l}eibelbcrgs gehobenen 
Stoffe fclbft fi<h jumenbet. Diefer meift infofern eine große €üdc auf, als germanifd* 
Hefte aus bem 1. nacbdirifllichen 3 abrbunbert, b. b- aus ber < 5 eit nod) por ber römi* 
fdjen Befeßung unferes (Bebietes ber Ifeibelbcrgcr Sammlung ganj. fehlen. Bcfannt 
ift uns biefe Bcnölfcrung, bie fogeuannten Bedarfdrmabcn, aus einigen (Brabfunben 
tn anberen Sammlungen. Die Ljeibclbergcr ^unbe aus römifdjer ^-'it merben ben 
Befcbauer nielleicbt enttäufchen. Denn im Perglcidic mit ben reichen Sammlungen 
linfs bes Hbeines unb ben ^unben non fo manchem plafcc auch unferes Canbes, mie 
5. B. BabcmBaben unb Pforjbeim, bieten fte nidit niel. Uber bas befagt nichts, 
molleti bod> bie $urtbe nicht als Sdxuiflüdc betrachtet fein, fonbem als Urfunbeit. Uls 
folcbe aber perfünben fie, baß bas jum Schufte eines Straßenüberganges über ben 
Bedat etuxi an ber Stelle bes heutigen Beibelbcrg unter Pcfpafian angelegte Kaftell 
im ^ufaiumeubang mit ber Perlegung feiner Bcfateung um bas 3 ahr 125 meiter 
nach ®ften mertlos unb fomit aufgegeben mürbe, unb ferner, baß bie im Unfcbluß 
baran entftanbene Fleiue bürgerliche Bieberlaffung ein unbebeutenbes Dorf geblieben ift. 
Die Erflärung hierfür finbet ber Befcbauer in einer Karte, bie, bas untere Bedarlanb 
m röniifcher <5eit barftcllcnb, ju erfennen gibt, baß Cabenburg ber bamals bcbeutenbfte 
(Ort biefer CBegenb mar, jener plat>, ber unter bem Barnen Copobunum (Bcftteung bes 
€opos) bereits in feltifdier ^cit Site eines l^iuptlings gemefen. 5 erncr ift aus ber 
'Erläuterung erfichtlidi, baß Cabenburg non Kaifer Crajan jur Civitas, b. h- jum 
Porort bes (Baues ber Bcdarfdnraben erhoben morben mar, 511 bem auch bas bama 
lige, bem Barnen nadi uns nodi unbefannte Beibclberg gehörte. 

So unbebeutenb bie römifdien Hefte ber Sammlung auch fein mögen (Hbb. 11), 
üc geben jufemtmen mit einigen (Bipsmobellen, mit Photographien-unb ^eidntungen 
mehrerer Kellergefdioffe unb Cöpferöfen ein Bilb non bem täglichen lieben ber Benäh 
feruttg. Riegel mit ben Stempeln nerfdiiebener (Truppenteile lafien uns bie Befatenng 
bes Kaftells erfennen, unb bie Barnen in ben Jmfdirifteu nerjehiebener (Brabfleine bas 
bunte (Bemifdi non Ulteinheimifd'en unb ^ugemanberten, bas im Caufe ber ^eit im 


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14. Ctnf*: IPicftlecf?, Unterm tSicitclircg, $rtcM>of au? £>cr ^cit um 700, Sc^eibcnfibcl reit 31 mm 
Ziurdjm. Ulittc: J?ci5clbcr3-£an&fctiut?*bcim, Jiain&badnt>C£, Scfjmucffcfjcibc aus <flrab \ 0906), 
00 mm Uurebm. Hechts: (Etebterrbeim, (bemann Straficnäcfcr, Sdicibcnftbcl aus «flrab 9, 

36 mm Purebm. 


5 cbntlanb ftdi jufamntenfanb. >£iu Kbgufj bcs grojjen, \838 in tjeibelberg gehobenen 
2 \cliefs aus bent 2 Tiitbrasbciligtum öffnet einen Blid in öie geiftigen Strömungen 
jener Kahrbunberte. Piefes Stiid 1 ift jufammen mit weiteren Steinbenfmälcnt in einem 
•Srögcfdiofiraum öes Sammlttngsgebäubes untergebraebt; öas Stuöium öiefes € Oliba¬ 
nums rcrrollftänbigt bas Bilb ber römifdictt 5 °it. 

IDtll man ben ardxiologifdien Hacblaß ber auf bic römifebe folgenden 
~kxl>rbuitberte redit r>crftcbcn, bann niu§ man ftdi erft in bie politifdie (Scfdüdite biefer 
< 5 eit oertiefeu. Pesbalb ift in ber Abteilung eine Übcrficbt über biefe bnrdi CEert unb 
Karten geboten. 

Pttrdi bie Befcftigung ber Kcidisgrcttjc haben bie Körner bas 2 lubrättgen ber 
(Sermonen aus bem heutigen IHittelbeutfdvlanb, bcffeti Hrfadjc in erfter €inic in bem 
Blattgel anbaufähigen €anbes ju fud’cn ift, einige 3 eit abgemebrt. 2 lber ber Prud 
nntrbc 51t ftarf; bic (Sermonen burcbbradien ben £imes, unb trenn bie Kötner attdi 
trieberbolt Erfolge gegen ftc 511 rerjeiebnen batten, auf bie Patter blieben bie (Ser- 
matten Sieger. Um bas Kahr 250 tt. (Lbr. Bat bie römifdie fvrrfdxift in unferent 
Canbe ju befteben aufgebört, trenn audi in ber ^olgcjcit noch trieberbolt bic Körner in 
bas reebtsrbeinifdie (Sebict eittgebrungen fiitb. Pie Klemattnen fttib es getrefeu, treldv 
in uuferer (Segcttb ihr ein £nöc bereitet haben, trährenb irciter rbeinabnxirts bic 
5raufen bie Körner befiegt haben. (Srunblcgcnb für bie Berbältuiffc in ber ^olgc^eit 
ift bas IPadifen bes ^raufeureidies unb ber Sieg feines Serrfdicrs tlblobmig 4-96/0? 


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|5. UHcftfocf?, Unterm £icf?clirc$, <Brab 51, enthielt : Xiementungen unö i*cici>laijjttiefc aus Uromc, eine 
liette von Ijal&pcrlcn aus (Een, öernftein unfc (fllas, eine unfcnntlidic liupfcrmütw, eine Seücibcn- 
fifrel au* öreme mit Zluflagc ren <jcprc?*tcm SUbcrblccfz, jirci (Pbrrin^c mit linbängern au* iflolfc 


über bie Alemannen (am (Dberrfyein?). ~Snfolgcbcffcn mußten letztere ihr Sicbelungs* 
gebiet räumen, fomcit es nörMicb bcs liageuauet IPalbes uub ber ZHurg lag. 

i'ür bie Cfilieberung ber 5 lll, ^ c ous ber < 5 cit ttadi bau Sturje ber römifchen 
fjerrfebaft ift alfo mnhtig, bajj nor bau Jahre 500 unter unftchereu politifchen Per» 
bälhtiffeu bie 21'lemannen bas Unterlanb bemohnten, uttb ba{> auf ftc non jenem 3 c 't = 
puuft ab bie i'ranfai folgten, menn es audi ft eher ift, baß ein großer «Teil ber 
Alemannen in 2lbbäitgigfeit non ben neuen fjerren in unferem Canbe toobnen ge» 
blieben ift. Pon befonbeicr Bebeutung fmb biefe (Bcfdvhniffe beshalb, meil bie 
Sicbelungcn ber (Begcmnart 511m großen »Teil in jenen 3 ahrhunberten gegriinbet 
morben fmb. £s fönnett alfo maudie €rfeheinungen im heutigen Siebelungsbilbe nur 
nerftanben tncrbeit burdi ein Stubium jener auf bie römifche iicrrfdiaft unmittelbar 
folgenbcn Jahrhunberte; unb basfdbe ift ber ^fall mit nerfehiebenen Perhältniffen, 
mie ftc im ZHitfelalter in unferer Cfiegettb beftanben haben. €s mußte alfo bas 
Streben barauf ausgehen, bie 2 lufftelluug bes Stoffes aus ber alcmannifdvfräuFifdxn 
Seit fo lebenbig mie möglich 511 gcftalten, insbefonbere bie Bebeutung ber ^unbe als 
llrfunben für bie Sicbelungsgefdiiditc hernorjuheben IPettu bies, mie ich hoffe, 
gelungen ift, fo ift bies ehterfeits bau Umftanbe jujufd'reiben, baß bie (Einbeziehung 
ber (Hrtsuamen uttb ber älteften fchriftlkben nberlieferung über bie P>cibelbcrger 


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— 64 


(jöegenb jdiönc «Ergebniffc jeitigtc, anbererfcits aber auch ber ^jülle bes gerabe aus 
brefeu ~Sabrbunb;rtcu in ber Pcibcl berget Sammlung aufbenxüjrlctt Stoffes. 

üus ber ,Jcit p o r bem 'fahre 500 ift freilich nidit fiel porhanben. Über biefe 
Spärlichfeit ber ^fuitbe teilt uuferc (ßcgenb mit allen anberen Canbfchaften bes filb- ' 
meftlkhcn Peutfdilanb. Jft bodi 5. B. bic ^eit jmifchcn 250 uitb 450 aus gauj Baben 
erft burdi jinei gefdjloffenc (ßrabfunbe pertreten. Piefe Cücfe in bem Ülaterial fdviut 
irgenbipic mit beit unruhigen politifchen Perhältniffcn jener ^eit jufammenjubängen. 
Pagegen befifct bic tjeibelberger Satnmhing in 3 pon IPiesloch ftammenben (f>rab 
funben aus ber jirciten tjcilfte bes 5 . 3 abrhunberts eine fehr mertpollc, in gattj 
Baben bis jefct irohl alleinftchenbe Gruppe (Übb. \2). 

3 n auffallenbetn (ftegeufafc 511 ber Spärlichfeit ber i’unbe aus ber ^eit per 
500 ftebt bic ^fülle berfclbeit bes 6. uitb 7 . Jabrbunbcrts aus ber fteiöelberger 
(Öcgenb. Per 3 nM 1 pon nahezu 250 Beftattungen, nach ben eiitjelncn <&räbern 
getrennt, ift ein mertpollcr, leiber nodt gar nidit miffenfchaftlich geipürbigter Bejm 
ber Sammlung, ^iir bie Beuaufftellung mürben 55 (ßrabfunbe ausgemäblt, ber 
Heft ift magaziniert. Pie Üusmahl ift junächft fo getroffen, bajj fic bic Strömungen 
im Kunftgemcrbc ber in Betracht fommcnbeit 5 c >t por üugen führt. Ütis ber Blaffe 



to. tfcibclbciYj-liaiibicbubsbeim, liru»} ren 28,5 cm £öbc 
aus tflrab 4 (J8T» 


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I 



65 


ber ^unbe, bic neben ben jcitlidvn ilntcrfcbicben aud> ben ©egenfafe non Heidi unb 
Htm vetanfchaulid>en, beben ftch einige wegen ihrer fiinftlerifdjen Bollcnbung heraus. 
Das febönfte Stiid ift wohl bas Crinfbom aus ©las, weldics einem ^rauengrabc 
ber ^ett um 600 entftammt unb in ganj Deutfcblanb nur eine Parallele befiel: in 
einem ©rabfunbe aus Hljcinljeffcn (Ubb. 13). 5 erncr 'fl 5" nennen eine burch* 
broeben gearbeitete bron5enc ^ierfcd>ctbc ( 2 Xbb. 14), welche in naturaliftifcher, nur 
menig ftilifierter Darftellung $wei int rechtem IDrnfel ju cinanber ftebenbe Figuren, 
eine männlidic unb eine weibliche - jeigt. Beachtung verbient auch eine Scbcibenfibel 
aus Bronjc mit geperltem Silberranb, bic in ber 2 Tlittc ein baumartiges ©ebilbe mit 
Uubeutung non IDurjeln unb Elften jeigt, unb auf jeber Seite non ihm ein Eier. Diefc 
letzteren fmb in eigenartiger Siedlung cinanber jugewenbet unb brehen bie Köpfe 
nach rüdwärts (Hbb. 14). Eublicb muß noch eine weitere Sdxibcnfibd aus Broujc 
genannt werben, auf ber 3wei mit bem Küdcit gegen cinanber ftfeenbe ©eftaltcn mit 
eigenartiger fjaartracht (ober Kopfpufc?) bargcftcllt finb, bie einen vielleicht als 
Crinfborn ju beutenben ©egenftanb in ber £>anb halten (Hbb. 14). Diefc 3 Stüde 
fmb wertvoll besbalb, weil ihre Darftcllungen aus bem Kähmen ber norbifeb-germa* 
nifdjen Eicromameutif bcrausfallcn, wcldie bas Kunftgcmerbe ber alcmannifch=frän> 
fifchen «^eit im übrigen bebcrrfcht, unb ben «Einfluß oricntalifdvPlaffifcber Kunft ver¬ 
raten. Kommen auch funbe biefer Hrt in Sübbcutfdüanb noch öfters vor, teilweife 
fogat mit betreiben HTotiven, fo fmb ftc bodi fclteitc Erfcheinungcn. 3 bre fünft* 
gefcbicbtlichc lüürbigung fleht leiber itodi aus. 

Heben ber Huswabl biefer Stüde tvurbe bic IPabl ber ^uitbc (Hbb. 15—16, 
ferner am Sdüuß bes Huffafces • Kanim aus Knoden von ficibelberg*fMnbfdntbsbcim, 
Oainsbachweg, 1899, ©rab 21) für bic Heuaufftellung auch im f}inblid auf bic 
Bebeutung berfelbcn für bic Siebclungsgcfchichtc getroffen. Denn wenn, wie oben 
bereits erwähnt, bie Siebelungen ber ©egenwart jttm großen «Teil in jenen 3 dh r * 
hunberten gegrünbet worben fmb, fo muß bas auch irgeitbwic in bem archäologifdien 
Hachlaß jener < 3 eit jum Uusbrud fommen. Daß bies tatfächlidj bet ^all ift, unb 
baß bie Bobenfunbc bie Sprache ber (Ortsnamen unb ber älteften Htfunben (in erfter 
€inic bes £orfcber Eober) in vieler llinficht ergänzen, würbe in ber Heuaufftellung 
nicht imr burch bie entfpmhenbc Husmabl bes Stoffes betont, fonbem auch burdi 
eine Keilte von Karten mit crläutcrnbem Eert vcraufchaulicht. So ift bargcftcllt, wie 
bas Herbreitungsgebiet ber Kcibengräbcr ftch mit bem ber (Ortsnamen auf »ingen 
unb «hdm bedt, unb wie banf ben ^unben bie 2Ticbigahl ber im 8. 'Sabrbuubcrt 
urfunblid? erwähnten (Orte bis in bas 6. unb 7. labrbunbert surüdgefiihrt werben 
fanu. Unb ferner wirb bie ^rage beantwortet, wie weit, etwa bic römifchc Beftcbe« 
lung unferer f?eimat von Bebeutung gewefen ift für bic Entftcbung bes alemanuifdv 
fränfifdien Siebelungsbilbes unb bamit auch für bas €anb|diaftsbilb ber ©egennxirt. 
3 ft bas Ergebnis audi negativ, iufofern als bas frühe Hlittclalter nur in gattj 
wenigen fällen an römifchc Siebelungen aufuiipfte, fo ift bod> eine ^eftftellung von 


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66 


Bebeutung. X>cit Betrobncrn non l)ci bei borg mirö an 6er l\mö einer Karte not 
Hugen geführt, 6aj| ihre Stabt eine nerfyältnismäjjig fpätc ©rüubung ift, 6ie auf 6ie 
unter un6 rot ihren neueren Stabtrierteln gelegenen römifebeu Hefte ebenfotnentg 
jurüefgebt trie 6ic int Caufe 6er Seit ron ihr aufgefogeneu Pörfer Bergljcim, Heuen* 
heim un6 fkutöfdnibsbeim. 'Eine Photographie 6er Hefte 6es farolingifchen Königs* 
bofs in £a6eitburg un6 6ic (ßipsabgüffc einiger frübfarolingifeber Bilbtncrfe ron 
ebenbaber ireifen 6arauf fyin, bafj 6ort 6er Hlittelpunft 6es unteren Hecfarlattbes trat- 
ju einer ^eit, 6a an jener Stelle noch biditer IDalö ftan6, tro beute 6ie Hltftabt 
ron Xiei6ell>crg fidi erbebt. 

Pen Hbfcbluf? 6er Hufftellung bil6en ^'imöc rom iieiligenberg, jenem Berge 
nör6lidt 6er Sta6t, 6er 6anf feiner ^orm zur Kttlage einer Befeftigung in 6er Por* 
jeit einlu6, 6erett Hefte nod> beute jeöcm Befudter als Hinguxillc auffaüen. Hadt 
Hustueis römifcher 3nfd>riften fin6 in römifcher un6 norrömifcher Seit and) (ßötter 
6 ort oben rerebrt irorbctt. ITemt im 9- 3abrbunöcrt ron £orfch aus auf öicfev 
Bergeshöbe ein Klofter errid'tet mürbe, fo trar 6er 03run6 öafiir 6er, 6urd> <£rridv 
tuitg 6es (fiottesbaufes geraöc an jener Stelle 6cn beibnifdten (Slauben umfo griinö* 
lidtcr ju beftegen. 

* Pamit gelangt 6er Befdxtuer an 6ie Schnelle 6es 21'iittelalters, an 6ie (ßreitje 
6 es Hrbeitsbereicbes 6er Porgefcbicbte. lieben 6en <£rgebniffcn 6er ^orfdnmg rer¬ 
mittelt ihm 6er Hunbgang audt 6ic Kenntnis fo mancher Ciicfen 6er IDiffenfdiaft. 
2 lber er erhält gleichzeitig einen <£hrblicf in 6ie Hrbeitstueife 6er rorgefcbicbtlicfyen 
^orfebuttg. Uttö trenn ihm 6a ror Hugcn tritt, trie 6ie oft fo unfdteinbaren beugen 
6 er Pergangenbeit bere6te Kunbc geben, trie jeber, auch 6er flcinftc 5 un ^/ feine 
Bcöcutung hat, trie aus ihnen 6ic älteftc ©efebiebte 6es eigenen Polfes ftch auf baut. 
6 a mufj auch ihn 6ie (Ehrfurcht ergreifen ron 6iefen älteften Krfunöen, toelcbe 6urd> 
6 ie Stürme 6er Sabrtaufenbc binöurdi 6er Bo6en 6er fjeimat getreulich behütet hat. 



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Qßücßerßefprec^ungen 

$r\ckvidi IPeinbrcnncr, fein £ebcn unb feine kanten, von Hrthur Palbeuaire. 

Derlag ber <£. nTüller’fdjcu ßofbucfytjanblung m. b. £7., Karlsruhe *9*9. Preis 32 ITT. 

Seitbem Hlois Schreiber in feinem *826 erfdjienencn „DettFtnal ber ^rcunbfdjaft" über IDciit* 
breiuter berichtet batte, ift bic IDirFfamFeit biefes größten babifdjen 2 XrdittePteu bcs *9. 3 a ^ r ‘ 
fyunberts niemals jufammenfaffenb & unb ausgiebig gewiirbigt worben. Da iDeinbrenner aber 
nid?t nur als Fiinftlerifdje perfönlicbFeit wichtig, fonbern auf 3 a ty r 3 c fy nte fjinburdj bas Bauwefen 
bes ganjeu babifeben £attbes beljcrrfdtte, ja mit feinem tnaßgebenben (Einfluß weit über basfelbe 
fyinausreichte, fo würbe biefe fürfe in ber Kunftliteratur immer ftärFer etnpfunben. Das in bem 
leßten 3 a fr r 3 e *? nt 1 ° außerorbentlidj lebhaft eiitfeßetibe 3 u * ere ff e an ^ cni frühen Klafft3ismus fyat 
uns bcun ettblid? bies Buch befdtert, bas bie £ürfe giäu3cnb ausfüllt. Dalbeitaire t^at boFutnett* 
tarifch bas Schaffen, DenFeit unb Streben bes großen Kiinftlers bargefcllt unb bamit einen (Ein* 
blicF in bie gan3e DenFweife biefer Hidjtung gegeben, ber Fiinftighin als wichtigfte (Srunblage für 
alle ^orfdpungeit auf biefem (Sebiete gelten wirb. <Er hat nidjt in ber beute fo rielfadj üblichen 
ITTethobe pbrafett auf pfyrafen gehäuft, fottberit entweber an £janb ber DoFumeutc feinen Selben 
felbfl rebett laffen, wicfytigfte HFtenftiirfe unb Briefe ba3u herange3ogen ober in ber fachlid?en IDeife eines 
HrdjiteFten bic ausgefübrten Bauten, bie (Entwürfe unb projeFte in bas richtige Sicht gefteüt unb 
erläutert. Dem IDortc folgt bas Bilb. 3 11 ausgiebigfter IDeife ftnb bic pläue unb IDcrFe IDeinbrcnners 
wiebergegeben, feine (EntwicFlung oon Anfang bis 31t cEiibe illuftriert, alle wichtigeren Bauten in 
bem ZDerbegang iljrer Kon3eption gefchilbert. IDir lernen bie ftäbtebauliche dätigFeit, ror allem in 
Karlsruhe, and) in £ahr u. a. Fennen, wobei troß allem v ^efthaltcn an ben großen (SebattFen bes 
BarocF IDeinbrenner überrafdtenb neue 3 & cen cntwitfelt, feine (SebattFen über ben dfjeaterbau, 
palaft* unb IDofyrtbau, über Kafernen, DenFntälcr, Babanlagen u. a. nt. Die Hbbilbungen fittb über* 
aus retchlidi, bie Husftattung r>or3Üglidj banF ber Sorgfalt ber Illüller’fdten pofbuchfyaitblung. 

3 d? möchte es als einen Do^ng bes IDerFes bejeiebnen, baß ber Derfaffer fidt mit größter 
Begeiferung in ben StanbpmtFt feines belbett rerfeßt hat, unb baß fo überall,, auch aus ben 
IDorteit Dalbenaircs, IDcinbreitner fclbft fpricht. Das erhöht beit boFumeutarifcheu dbaraFter 
bes Buches, mag babei auch bie Fuuftgefd)id?tliche (Einorbnuttg in ben großeu (Sang ber (Entwirf* 
lnttg etwas 311 Fnr3 Fommen. 3^? fann fyier nicfyt barauf eingeben, wie IDetttbrenner ront Louis 
seize berFomntcnb, burd? bie Berliner Sdnile nach Hont pilgerttb, bort in boFtrinärfter IDeife ber 
HntiFe nacfyftrebt, um bann 3urürfgeFcl^rt, wieber in ben großen Strom ber pallabianifd?en Hettaiffance 
ridfuitg ein3ulenFcn, in allen (SebanFcn fortwäfyrenb befruchtet ron bem Stubium ber „^abbridje*, 
biefes größten aller Klaffaiftcn, babei ftets mit einem boFtrinäreit dinfchlag, wie bantals bie 
Hegel, aber in feinen (Srunbriffen ron einer erftauttlicfyen SelbftänbigFcit unb (Seift. 3 ^? fanit Der* 
faffer unb Derlag an biefer Stelle nur für bas ro^iiglicfjc IDcrF aufs IDärmftc battFen. 

lllar IDingcnrotb. 


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68 — 


Q§>efprec$ungm 

u beit Aufgaben mtferes Pereins „ 33 abifd?e Heimat - gehört aud? bte pflege her E?aus> 
mufiF. IPenn im ftiUen Dorf abenbs in her Stube gefangen wirb, entfielt gleid? eine 
begliche Stimmung. Pie PIuftF füf?rt immer in reinere Spuren, unb in bem Sprud? 
„Söfe PIenfd?en ftngen Feine £ieber" liegt oiel IPabres. 2 Pie aber bie PlnflF aus t?aus 
fnüpft, fo auch au bie Beimat. (£s ftefa nid?t umfonjt in unferen PolFsliebcm unb (Stählungen, 
baß in bem f?tr3eu bes IPanberers Sefatfucht nad? ber Heimat ermachte, als er ein heimatliches 
£ieb fingen hörte. 

Zimt haben mir an PoIFsliebem ja einen munberbaren Keid?tum mtb ihre pflege muffen 
mir uns oor allem angelegen fein laffen. Aber es mirb bod? noch eine befonbere ^reube machen, 
menn ein Funftoollerer, alfo mehrftimmiger (Sefang geübt mirb, ber 5ubem beim Porftngen größerer 
33 emunberung gemiß ift. b?at ftd? in einem Porfe ein (Tezett ober Quartett ausgebilbet, fo mirb. 
es bei allen ^eftlichfeiten unb ^fafamtnenFünfteu eingelaben merben, ricl Anregung unb ^reube 
oerbreiten unb 31m Pertiefung rechter heimatlicher Stimmung beitragen. 

So ift es beim 3U begrüßen, baß Fleine £icberheftcf?en in unferem £anbe erfchienen ftnb, bie 
3ur pflege mehrftitnmigen (Sefanges in ber IfausmuftF anregen, E?ugo § ufchueib hat im Selbft* 
rerlag in ®ffenburg oier £?eftd?eu 3U billigem preife 1 je \ PI. Hr. 2 50 pfg.) erfd?einen laffen, 
betitelt „Aus ber Seele 3 angbrunneu\ breiftimmige £ieber, (Srnß an bas dhriftFiub, lls be Reimet. 
<£s ftnb alles üolFstümlid?e £ieber für breiftimmigen ^rauenchor. §ufd?neibs Pertonung rereinigt 
ZIatürlichFeit mit feinem Kunftempftnbeu. Pie Stimmführung ift mohl gelungen, einfach unb bod? 
nid?t monoton. Piele ber Keinen £ieber fallen gleich beim erftenmal ins ®h r - Pabei fehlen nicht 
einfchmeichelnbe IPenbuitgen bnrd? XPed?fcl ber doitart, Berrorhebuug miebtiger Stellen bureb 
IPieberbolung bei jebesmaligem Anfteigeu, moburd? bie döne immer bringlid?er merben, mehr* 
maliges §urütfgreifen auf biefelbe (Eonfolge, um ben fförer ftd? im £iebe heimifd? fühlen 3U laffen 
unb anberes mehr. Plan r>erfud?e es nur einmal mit benerften beibett £iebern bes „ 3 ungbrumtens\ 
bem Plorgenpfalm unb ber ^rühüngsmanberung, bereu dert vom Bemharbinerpater (Eh* Kranich 
ftantmt. Bier ift deft unb Plelobie gleid? buftig unb belebt in ber fchött empfunbeneu Schilberung 
ber heimatlichen ZIatur. Pie £ieber „Us be Beimet"finb alemannifd? unb merben im (Dberlanb 
Jfreunbe ftnben. 

Außer ben de^etten hat £?ugo <§ufd?neib noch einige allerliebfte Kittberfachen Fompouiert, 
bie im Perlage ron ^ran3 IPulf in ZDarenborf i. IP. erfchienen ftnb. <£s finb außer bem „muftFa* 
lifcf?en Kinbergarten" ricr Singfpiele (dert unb PIuftF je b PI.). „Pas dfaiftFinble in ber Spinn* 
ftube" ^Fatm in Plutibart unb (Eracht gefpielt merben\ „Sd?neemittd?en", <£Isd?ens lPeihnad?ts* 
träum" unb „Puppenliesl". <£s finb bas Fleine t>olFstümli<he ffausoperetten, roll liebensmürbiger 
(Sefänge heiterer, aber aud? ernjter Art unb nieblid?er dän3e, mit beren Aufführung im Z 3 eFannten* 
Freife ober and? im größeren Kaum man jeber^eit 5 re ube unb BeiterFeit rerbreiten mirb. Alles 
in allem heißen mir Bugo gufd?neib als marmhe^igen donfct$er für unfer ZPertuollftes, nämlich 
Familie unb Beimat, her^ici? millFommen! Kourab <Suentl?er. 



«Hn wnfere (TtUfgfteÖer! 

IDtr Dcrroeifcn aud> an biefer Stelle auf bie feit Juni biefes 3afyres crfdiei 
nettben l)eimatflugblätter, betitelt 

tt QJom ®obmfee 3utn Qfllatn“ 

im Auftrag bes Canbesocreins Babifcbe Lvimat fyerausgegeben ron Klar IDingen- 
roth, ^reiburg. Perlag ber £. $. IHülIerfcben l}ofbucbbanbIung, Karlsruhe. 
2 tUes Icäbere ift aus bem beiliegenben profpeft ju erfchen. 
llnferc ZHitglieber föttucn bie Flugblätter mit 15 a /o fnnäfiiguug ron ber 
(Befdiäftsftelle beziehen. 


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Jretßurge ^ufiunft 

Ton tttay UMnacnroth 

ur ^eier bes achtfyunbertjäfyrigen Befteljens ber Stabt finb bie Blicfe tneh 
fad? jurücfgeroanbert in il?re oielbemegte unb ftürmifc£?c Dergangenljeit, 
forgenroll aber fyaben fte auch in bie fyeute fo bunfle ,5 u f un ft ejefpäbt. 
So finfter jeboch bie <§eiten t>or uns liegen, bie Stabt im Breisgau braucht 
nid)t 511 »erjagen. Unoermüftlid? ftnb bie Keije, mit ber Hatur unb ©efdjidjte 
fic gefdnnücft, ihre 2lnjiel?ungsfraft mirb in ben jetzigen feiten cfjcr (teigen als 
fdjroinben, jumal fic fernab uon ben fieberburd?fchütteltcn Zentren liegt. IPenn 
irgenb eine Stabt Beutfcfylanbs, fo fann biefe ihrer ^ufunft ftdjer fein. 21 ber 

bas <£>ebot, 511 ermerben, mas man ererbt, gilt auch l?ier, unb brum foll an ber Spifce 
biefes ber Stabt 511 iljrem 3 u ^'^ um gemibmeten t)eftes eine Betraditung bariiber 
ftefjen, mie mir eine gute ^ufunft rorbereiten fönnen. 

Dem fjeimatfdjufe fallt babei bie micfytigfte Aufgabe ju. H)ol?l finb bie 
Berge emig, bie uns umgeben, nicht aber ifyre IDälber, nid)t ihre (Täler unb if?r 
2 lusfeljen. Bie fid? ausbefynenbe Stabt mächft immer meljr in biefe fyinein, frijjt 
gemiffermafjen einen (Teil ber näd?ftcn Haturfdjönljeiten in fid? auf: bafj babei mit 
Caft oorgegangen mirb, mit einem ^eiligen Kefpeft ror ber IPethc biefer herrlid)en 

5* 



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Umgebung, ift eine 6 er erften ^orberungen, bie roir ftellen müffen. ZHit Ausnahme 
bes in feiner Kusbetjnung bodj immerhin an fefte ©renjen gebunbenen Baben- 
Babens unb ber ©rojjftabt Stuttgart, geht feine Stabt Deutfhlanbs fo unmittel¬ 
bar in bic fdjönften ©egenben über, unb ber Zugang ju biefen ©älern mujj bisher 
nodj nicht, nüe in anberen Stabten, mit bem H)eg bur<h öbe, höfliche Borftabt* 
quartiere erfauft »erben. Das ift ein fefyr wichtiger Borjug für bie ^remben= unb 
Kentnerftabt, ber einfachfte ©efdjäftsfinn foüte uns bauor bewahren, ihn 5 U fdjmälern 
unb boeb ift tjier unb ba fefjon bagegen gefünbigt »orben. Der StiUftanb bes 
Bauens mag ba bie eine gute Seite hoben, baf er <3eit sur Selbftbefinnung gibt, 
unb baf mir in ber erj»ungcnen • ZHufje uns reifttd? überlegen, »ie mir biefen 
Kusgang ber Stabt in bie Hatur immer fchön'er geftalten mögen, auch bie Schön¬ 
heit ber Stabt felbft immer mehr fteigern fönnen — allein fchon aus naeftem 
Hütjüchfeitsfinn, roenn mir feine höheren ©ebanfen hoben. Der nachfolgenbe 2luf- 
fatj bes Stabtbaumeifters mag ba manche ^ingerjeige geben. 

ZHit biefer Hatur »ä<hft. ber IDunberbau bes DTünfters unb bie ©emütlich- 
feit ber 2Ütftabt in ein untrennbares ©an$e jufammen. Das DTünfter erfreut ftch 
forglichftcr Pflege, mir »ollen »ünfehen unb arbeiten, baf bic JTUttel bafür — nicht für 
eine übereifrige Keftaurationsluft, t»on ber es ©ott fei Danf bisher oerfchont blieb — 
immer gefpenbet »erben. XDie fehr aber ber Äeij ber alten Stabt ju ihrer 2ln= 
jiehungsfraft beiträgt, nicht nur für ^rembe, auch für ©inheimifche unb folche, 
bie es »erben »ollen, barüber ift man fid? in »eiten Kreifen noch immer nicht 
genügenb flar unb fo ift manches fhon im Saufe ber 3aljre bagegen gefehlt 
»orben, glücflidjcr»eife nicht fotnel »ie in anberen Stabten. IDir befi^en h^r 
noch «in foft bares ©ut, bas »ir holten unb retten fönnen — aber auch ganj 
energifh »ollen. 2tud> barüber »irb auf ben folgenben Seiten ein IDörtlein 
gefagt »erben. 

Der £)eimatfchutj geht aber »eiter. Die eigentümliche geiftige Ktmofphäre 
ber Stabt, ber Umftanb, baf? fie enger »ie irgenb eine anbere, mit bem fte um- 
gebenben Sanb, mit ber Bauernfhaft bes Breisgaues unb bes Sch»ar 5 »albes 
oerbunben ift, baf et»a bie f)älfte ber ©in»ohner ihre Berroanbten braufen auf ben 
Dörfern ftfeen hat unb mit ihnen noch in regem Berfeljr fteht, tjot in ihr eine 
eigentümliche ITtifchung oon länbli<her Beharrlichfeit unb ftäbtifebem Ceben er> 
5 cugt, bic eigenartig berühren unb ben ^remben immer anjiehen, bie es aber auch 
bem Canboolf immer gemütlich in ber Stabt erfheinen licken unb cs an Sonn- 
unb ^efttagen in fie hineinjogen. Dies unb bie uralte Berbinbung mit ben- fleinen 
Stabten bes ©bcrlanbes hot ^reiburg 51 t beffen natürlichem Borort »erben Iaffen 
unb biefe Borortsftellung gilt es, jetjt mehr »ie je, aufredü ju erhalten, ©inmal, 
inbem man eine ©rübung jener ütmofpbäre, bie burh ben ftarfen ^njug fo leicht 
möglich ift oerhinbert. Das fann aber nid>t gefdK'hen burd? fleinlid>es Kbfcbliefen, 
fonbern nur baburdi, baf — j»eitens — bie Stabt jur ridrtigen Kulturjentrale bes 
©berlanbes »irb unb fo ftd> jene Stellung ftets uon neuem erwirbt. IDobei id> Kultur 


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natürlich nicht in jenem perftiegenen Sinne perftefje, wie Berliner unb andere ©rofj ftabt* 
freife, fonöern in 6 er ©ntwicflung 6 er tjeimifd^en geiftigen Kräfte un 6 6 er Stärfung 
6 cr heimatlichen (Eigenart bei ruhiger Verarbeitung aller gefunben, geiftigeri Berne* 
gungen ©efamtbeutfchlanbs. So 6 ürfte es auch 6 er fojialbemofratifche Sta 6 trat 
«Jumtobel gemeint haben, als er in einem fehr anerfennenswerten Vortrag über £)ebel 
6 ie ^oröerung auffteüte, ^reiburg müffe 6 ie Kulturjentrale 6 es ©berlanbes werben. 

JVar es 6 as bisher? Doch nicht fo gans, obgleich 6 ie günftigften Be 6 ing= 
ungen gegeben waren. <3 U liefen günftigen Be 6 ingungen rechne ich por allem, 
bafj 6 ie Sta 6 t 6 er Sit? 6 er <£r 36 iöjefe ift. UTan mag einer geiftigen Sichtung an= 
gehören, welcher man will, niemanb u>ir 6 — in 6 er ftreng neutralen Haltung 6 er 
„Babifchen b^eimat" fei 6 as gefagt — 6 ie eminente, fulturelle Be 6 eutung 6 er Kirche 
leugnen wollen. ZTTag 6 iefe auch me h r für 6 en fatholifdjen ©eil 6 er Bepölferung 
wirfen, fo fiebert fte 6 och fchon 6 arin 6 er Sta 6 t eine Vorortsftellung, gibt ihrer 
Phvfiognomie einen fehr mefentlichen <3ug. Vor allem auf jwei ©ebieten h at 
6 ann bie Kirche ^reiburg für 6 as allgemeine babifdje Kulturleben einen Vorrang 
gegeben: auf 6 em 6 er firchlichen ZTTufif 6 urch ihren Vomchor un 6 neuerbings burd? 
bie ©ätigfeit Philipps an St. UTartin, ferner in 6 er ©lasmalerei, für bie mir in 6 er 
ftarfen Perfönlichfeit ^rit? ©eiges’ einen UTeifter erften Sanges befi^en, ohne 
bamit Stritt unb bie anberen tüchtigen Künftler ju »ergeffen. Biogen bie UTeifter* 
werfe ftrcbücher UTufif noch weiteren Kreifen jugänglich werben, ba}u mufj bie 
Stabt 6 er Kirche bie £janb reichen, unb ^reiburg ein Zentrum ihres Stubiums 
werben unb möge bie ©rabition eines ^rifc ©eiges nicht mit ihm perlöfdjen. 

Ceiber flafft aud? h* €r überall jene beflagenswerte, tiefe Kluft jwifchen ber 
Kirche unb ber lebenben, bilbenben Kunft, womit ich felbftperftänblich ttid?t ertremfte 
moberne Sichtungen meine. Die ©rünbe, warum nidjt, wie ju ben feiten ©into- 
rettos unb Subens bis ins beginnenbe \y. ^ahrhunbert hinein, Kirche unb führenbe 
Künftler fjanb in b)anb gehen, fann ich M er nicht barlegen. Von beiben Seiten ging 
bie ©ntfrembung aus. Die ^olge ift aber, bafj wir in mandten ftrchltcben Kunft* 
werfen, t>or allem in ben Knbachtsgegenftänben, öfters Unerfreuliches ju fehen 
befommen, wobei ich nicht perfenne, bafj ber Knbachtsjwecf ganj befonbere Vorficht 
unb Sücfftdjt perlangt. 

Die jweite günftige Bebingung ftellt bie Uniuerfität bar; wie wichtig biefc 
ift, barüber braud?e ich fein H)ort ju perlieren. <3u öer jentralen Bcbeutung für 
bas ©eiftesleben ber Stabt fommt noch bte Kn 3 iehungsfraft für bas allgemeine 
Deutfdjlanb; auch h at fi<h öurch ben Krieg unb feine ^olgeerfdjeinungen eine 
immer ftärfere IVechfelwirfung jwifd^en ben perfchiebenen Kreifen ber Stabt unb 
ber Uniuerfität ergeben, bie früher fehlte unb ber wir beften Fortgang münfehen. 
Vafj bie Stabt biefen heroomigenben ^aftor ihres ©ebeihens in jeber ihr heute 
nodj möglichen XDeife förbern mufj, liegt auf ber £)anb. 

©benfomenig aber ift ju perfennen, bafj eine „Universitas literarum“ bas 
heimatliche geiftige Ceben nicht befonbers betonen fann, aud> nicht barf. Kn 


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— 7 ^ — 


feiner ^örberung fjat es 'aber bod? pon feiten 6 er Stabt — offen gefügt — 
bisher oielfad? gefehlt, por allem in 6 ent 3 n lrttut, bas if?r bafür in erfter 
Cinic 3 ur Perfügung ftefyt, in ihrem ©heater. 3cfy rebe nicht pon ben heutigen 
feiten, bie ber 3 ntenban 5 , beren reges Streben burdjaus anjuerfennen ift, befonbere 
Sdjmierigfeiten bereiten, por allem in ber heute megen bes fdjnöbcn (Selbes fo 
nötigen Küd’ficfyt auf bie 3 n f*i n f* c & es Publifums. Kber es mar bod? eigentlich 
unerhört ror bem Krieg, bafj (Sott unb Burtc pon ausmärts erft ju uns gelangen 
mußten, bafj pon erfterem faum etmas, pon letzterem rneber bie brei «Einafter, noch 
ber fo bühnengerechte Katte noch ber tjerjog Utj gegeben mürben, pon tPilhelm 
pon Scholj, biefem feinen Dramatifer gar nichts, nichts pon «Emanucl pon Bob- 
man, nichts ober eins pon ^rifc Cienhart, pon ben Schmähen gar nicht 3 U reben, 
fürs bafj bas ganje, im übrigen Deutfdüanb anerfannte, bichterifche Ceben Süb= 
meftbeutfchlanbs für bas ^reiburger ©heater fchlechterbings nicht eriftierte. ©roft 
aller Schmierigfeiten, im eigenften 3 ntcrc ff e ^ er Stabt, mufj fte ftd? ium BTittel* 
punft ber bramatifchen Kunft bes ©berrheins machen, h^r müffen bie IPerfe 
3 uerft aufgeführt, pon h' er müffen fie ihren IPeg ins übrige Deutfdjlanb finbett. 
©b mir Paleftrina ober Kriabne aufführen, beshalb breht niemanb in Deutfeh’ 
lanb ben Kopf auch uur um 15 ©rab nach uns um, Iciftcn mir aber etmas 
(Eigenes, bann mirb man auch Don uns «ben, bamit fteigt ber Buf eines ©heaters, 
gan 3 abgefehen pon ber Bebeutung für ^rciburgs Kultur. 

Beffer h a t ftd? bie Stabt ihrer porjüglidjcn h c ^ m ifd?en Kräfte auf mufifali 
fdjem ©ebiete erinnert: pieüeicht, meil es glücflichermeife 5 «^ ur 3 er im engeren 
Sinne maren, obfdjon ber Porort bes ©berlanbes felbftperftänblidi auf feinem 
©ebiete engherjig fein mirb, menn er bas bleiben mill. Der ©efang hat in tüch¬ 
tigen Pereinen, beren einer ben jetzigen Beichsfansler jum Porfttjenben hatte, hefte 
pflege erfahren unb burch bas jüngft pon Prof, ©urlitt an ber llnioerfttät ins Ceben 
gerufene Collegium musicum ift für bas Stubium ältefter mie allerneuefter ©on= 
funft ein_2TCitteIpunft gefchaffen. Kur 3 bas mufifalifche Ceben ift fchön entmicfelt. 

Kttbers fteht es aber auf mufealem ©ebiete unb bem ©ebiete ber bilbenben 
Künftc. XPir fönneh Bafel fein Ijolbein^Böcflin-BTufcum entgegenfetjen. 3 mnter " 
hin hefigen mir im ©olombifcblöjjle an ben Balbungs, bem ©rünemalb, bem 
ffausbuchmeifter, ben ©eppichen unb ben Kreujen eine Ktijahl pon tDerfen erften 
Banges, um bie uns manche größere Stabt beneiben bürfte unb ber eigenartige 
Bcij ber Bäume bringt fte trot; ober pielleidü megen feiner mufealen fehler jur 
heften ©eltung. Knb (Eines haben mir baneben, mie uns bie 3 u Wäumsaus« 
ftellung bei ihren bcfchränften Bäumen menigftens anbeuten fonnte: bie ©ruub- 
lagen für bas fjeimafmufeum ^reiburgs unb bes Breisgaues. Cange 3 a h rc ift 
basfelbe pon ben graufamften Sdjieffalen hi« unb her getporfen morben unb bem 
Publifum perfchloffen gemefen, möge es jefct entmeber an feiner heutigen Stelle 
bleiben unb bort ben nötigen Baum jur «Entfaltung erhalten ober an einem anbern, 
fidieren ©rt feine tüirfung ausüben fönnen. Denn nidits märe fo febr geeig- 


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net, ^reibiirg jur Kulturjentrale bes ©berlanbes ju machen, als bies f^eimatmufeum, 
in bem bie ijeimifcbe ©efdjichte unö Kunft ttjrc Barftellung, Me (Eigenart bes 
Sreisgaues unö bes ©berlanbes ihren ftnnfälligen Uusbrud! finbet. <£s muff ber 
ZTCtttclpunft alles fjeimatftnnes mcrben, unterftütjt burd? bie tätige ITUtfyilfe unb 
ITCitarbeit ber ganzen Bcoölferung, unterftütjt burd? bie Catfacbe, bafj es ber 
<5entralfit5 bes Canbespereins „Babifche f^eimat" ift, geförbert burd/ ben Brets= 
gauperein „Sdjau=ins-£anb", ber als prädjtigfter, polfstümlichfter aller berartigen 
Pereine in Baben, als fjüter aller gefdjidjtlidjen unb fulturellen Crabition bes 
Sreisgaues feinerfeits bie fräftigfte ^örberung burdj bie Stabt erfahren follte. Hod? 
anbere ^aftoren inbes fommen für bie Uusgeftaltung bes Jjeimatmufeums fef?r 
roefentlid) in Betracht. Un fdjroer jugänglicber Stelle, in ben Souterrains bes 
CDrbinariats eriftiert ein Biö5cfanmufeum, bas mertpollfte Stücfe | enthält. Seine 
Pereinigung mit bem £)eimatmufeum ober fagen mir bem fyiftorifdjen HTufeum 
ber Stabt — felbftperftänblidi unter (Eigentumsrorbebalt — ift feit langem ber 
XDunfdj aller Sacbfunbigen. Bas ift an Dielen ©den gefdjefyen, fo 5. B. in Uugs» 
bürg, tüo baburdi bas fcböite HTajimiliansmufcum entftanb unb mürbe beiben 
Ceilen sum Hutsen gereichen. ©erabe bie anfangs berührte eigentümliche Stellung 
^reiburgs als firdiltcber Kulturmittelpunft mürbe bamit feinen ftarfen Uusbrucf 
finben. Unb menn in einer hannopcranifcben Benffdjrift oor einiger ber Safe 
ftanb: bie Kultur einer Stabt meffe ftch an ihren HTufeen, fo bräunten mir uns 
bann nicht mehr, mie bis uor furjcm, ju fchämen, 5umal baneben in bem HTufeum 
für Haturfunbe ft di ein HTittelpunft bes Haturfd?ufees in Baben ju bilben beginnt 
unb bas HTufeum für Pölferfunbe als mohl reidjfte Unftalt im £anbe bie mert= 
Dollften Unregungen gibt. Bie ,$remben, bie an Regentagen mahrhaftig uidit miffen, 
mas jte in t^iefigcr Stabt anfangen follen, bie (Einheimifchen, barunter 5. B. bie 
lebigen Ungeteilten, benett bei fchlcchtem TPetter nichts als Kino ober Bierhaus 
bleibt, hätten in bem f}eimatmufeum eine Stätte anbaucrnber geiftigcr «Erfrifdiung. 

Uud? bie bilbenbe Kunft ift bisher ein Stieffinb unfcrer Stabt gemefen. Bie 
öffentlichen Bauten ber lefeten breijjig 3 a fy rc finb — mit menigen, rühmlidien 
Uusnabmen — fein garij erfreuliches Kapitel. Unb als bie tüchtigen HTeifter 
auf bem plan maren unb ftdy eben 5U rühren begannen, ba madite ber Krieg unb 
feine folgen aller Cätigfeit ein <£nbe. Ber Stabt Uufgabc ift es, fomeit bas bie 
jetzigen Perfjältniffe irgenbmic geftatten, ihnen ein Urbeiten 5U ermöglichen. Schlimmer 
noch mar Don jeher bie £age ber HTalerei unb Bilbhauerei in unferer Stabt. <£s 
fehlte bie Unregung burdj ein Ulufeum, es fehlten bie Uteliers, es fehlten bie 
großen HTittel bes Staates, bie über bas HTajj ber üblichen Unfäufe uon Priratcn 
unb ^remben hinaus burdi jcitmeilige befonbere ^örberung h^rporragenber Calente 
ber Stabt einen Hamen unb bamit eine Unjictjungsfraft perfdiafften. Bie Stabt* 
oermaltung mar millig unb f?alf hier unb bort — ohne aber bie Hufgabe im 
©rofjen anjupaefen. Unb bodj miijjte fie audi auf biefem ©ebiete ftdi als UTitteb 
punft fübmeftbeutfdier, alemannifdicr, fiinftlcrifdjcr Kultur befuitben, null fie ftdi 



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für bie <3ufunft ihre Bebeutung fiebern. Solche Dinge haben nicht nur ihre ibeellen, 
fonbern auf bie Dauer ber ^eit aud? ilyre ftarfen, materiellen Dorteile. Hun a>irb 
niemanb heute ber Stabt neue, fdjwere pefuniären Derpflidflungen auferlegen. 
2Xüein i<h foüte meinen, bei einem Bubget uon 35 ZUillionen unb einem Cbeater* 
bubget uon UTiUionen, bürfte bie Bereitftellung einer Summe uon 60—70000 ITT. 
jährlich für Knfäufe oon'Kunftwerfen feine Xolle fpielen. Selbftperftänblich müßten 
bie Unfäufe nach Ijotjen ©eflehtspunften erfolgen — es barf baraus feine fünftlerifcbc 
Krüppeloerforgung »erben — fle bürften fleh auch nicht et»a auf ^reiburger 
Künftler befdjränfen, fonbern auf bas alemannifdvfüb»cftbeutf<he ©ebict ausbehnen, 
fo bafj alle Iebenbigen fünftlerifdjen Kräfte besfelben in ^r ei bürg ihren UTittelpunft 
fetjen. Kud? ber gröfjte Banaufe »irb bie praftifdjen Dorteile balb merfen. 
Übrigens möchte ich nicht meinen, bafj bie fo erworbenen Kunftwerfe nun alle in ein 
UTufeum fommen follen: ich halte ein UTufeum lebenber, gegenwärtiger Kunft cigent 
lieh für ein Unbing, für Diele »irb eine geeignetere Stätte zu finben fein. 

Bliebe noch bie tatfädflich brennenbe Utelierfragc. 3^ habe feiner ^eit ber Stabt 
mehrmals bie (Erbauung eines Uteliergcbäubes norgcfchlagen, in ber Überzeugung, 
bafj fidj basfelbe oerzinfen »ürbc. UTan foüte ftd? aber abgewöhnen, alle Kuf= 
gaben nur auf bie Schultern ber Stabt zu laben. Dürfte nicht auf bem IDcge ber 
Selbfthilfe, bur<h Sicherftellung ber Derzinfung, bas nötige zu erreichen fein? 

©erne »äre ich noch auf bie ^örberung unferes in oielen ^»eigen fo blühenben 
f)anb»erfs eingegangen, ct»a auch bur<h einen allmählichen Itusbau ber ©ewerbe 
fchule. Doch genug ber TDünfche. JDer fte genau überprüft, »irb übrigens erfennen, 
bafj ich feine unerfüllbaren Knfprücbe erhebe, unb bafj auch feine irgcnb»ie nennenswerte 
ftärfere, finanzielle Belaftung ber Stabt geforbert »irb. IDichtiger als alles (Selb ift hier 
ber XDille, ber energifche EDille, ^reiburg zum fulturellen UTittelpunft bes babifchen 
©berlanbes zu machen. Diefen IDiUen müffen »ir hüben, fdjon aus ureigenftem 
3ntereffe. Unb je mehr bur<h ben ©ang ber ©reigniffe Karlsruhe, bas niemals in 
bem Sinne »ie Stuttgart bie reftlos anerfannte £)auptftabt »ar, aufhört bas zu fein, 
befto mehr hüben fjeibelberg unb UTannheim für bas Unterlanb, ^reiburg für bas 
©berlanb ihre Pflicht unb Sdjulbigfeit zu tun. ^rciburg aber hat noch eine befonbere 
Uufgabe zu erfüllen. Die alemannifche Sd?»eij ift uns entfrembet »orben unb broht 
fleh unter bem »irtfchaftlichen Drucfe ber (Entente immer mehr z u entfremben, bas 
alemannifche <£lfafj ift perlorcn gegangen. Sie »erben ben ^ufammeithang mit bem 
geiftigen Cebcn Deutfchlanbs nur bann »ieberflnben, »enn fle bie fjanb rcid?en 
fönnen einer fräftigen, ftammperwanbten füb»eftbeutfchen Kultur, ^reiburg als bie 
führenbe Stabt bes babifchen Ulemanniens hat lfler ein 2tmt com Schicffal zuge= 
»iefen befommen, ein heiliges Umt, bas zu »alten es oor bem h®h cn Kichter* 
ftuhl ber beutfehen ©efdflchte perpflichtet ift, zu feiner größten <£h rc / 5 U feinem 
eigenftem Dorteil. Derfäumen »ir ben Uugenblicf nicht, bamit uns, »enn cs zu 
fpät, nicht eine unerbittliche ftanb ab»inft: „Du haft es gewollt, es ift pertau." 


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©aß atü unb baß neue jjfmßurg 

ron Dr. ing. Hart <5 ruber 

SjsSSmjcnit mir einen Überblicf über Öen Stanb unfcrer mirtfdjaftlidien unb 
fulturellen Entmicflung, rncnn mir Sichtlinien geminnen mollcn, um 
^sSwSbie Probleme unferer < 5 eit 5U erfenncn, bann müffen mir uns an bic 
<£>efd}id)tc menben, bic uns bas 27 Catorial ju bem Dergleidi liefert, aus bem mir für 
unfere beutigeu Aufgaben knien mellen. 

Pie objeftivfte (Gefdiiditsfdireibcrin ift bie Baufunft; unbemufh gibt fie uns bas 
flarfte Bilb ron ber geiftigen 3 bec, ber politifdien unb fojialen 5 Richtung uttb ber 
mirtfdiaftlicben Ceiftungsfäfjigfeit einer £pod)e. 

Es foll nun verfudit merben, mit hülfe einer vcrgleidjenbcn Kritif bes alten unb 
bes neuen 5 re 'burg, uns ben Öberblicf über unfere eigene fulturelle Entmicflung 511 
erleichtern. 

Pas £aitb, in beffen Bütte unfere Stabt liegt, jeigte ums 3 al)r U20 fd7on bic 
jablreidxm Pörfcr, bie fte in meitem Kranj nodi heute umgeben, unb beren Blüte unb 
Borhanbenfein erft bie Porbebiugung abgab 311 einer Stabtariinbung, meldie ber f)err 
bes £artbcs, ber l?erjog Konrab ron Ebringen, 511 nollyebcn gebaebte, inbem er 
burdi (Griinbung eines Blarftes bett reichen Pörfern ein Bbfafegcbiet für bic Erjeug* 
niffe ihrer Sanbirirtfcbaft unb burdi Bnftcbelung von Kaufleuten unb fymbmcrferu 
in biefem Blarft biefen (Gelegenheit gab, bie Erjcugniffc ihres (Gemerbes an bic um- 
liegenbe iänblidie Bcvölferung abjuftojjeu. ^ür ihn felbft bebeutete bie Stabt einen 
militärifdien StübpunFt unb eine rcidic Quelle erhöhter (Einnahmen. 

Pas Efdiboh unb bie tjarbt, bereu Xlberrefte ben Bfoosmalb bilben, bebecEten 
bamals bis an ben ^ufj ber Berge bie Ebene. Purdi biefe Urtvälber floffen Preifam 
unb (Glottcr in vielen Krmen, bic nadi jebem Gochmaffer eine anberc (Geftalt am 
nahmen. Bl>er aus ben Sümpfen biefer IDalbungen erhoben fidi bie uralten Stätten 
menfdilidier Siebclting, ber Cunibcrg, ber BTardibügcl unb ber Kaiferftubl. Unb 
auf biefen trodenen unb frud'tbaren Goben, fittben mir feit bem 8. 3 ahrbunbert fdion 


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alle ötc uodj beute beftebenben 
Dörfer, melcbe öie «Ernährung 
öer neugegrünbeten ftäötifcben 
DTarftfieblung fidjcrjuftellen bat* 
ten. ©rt für eine Stabt= 

anlage mäblte öer tjerjog bas 
tjoebufer öer Dreifam, jroifeben 
Öen beiöen alten Pfarrbörfern 
2löeltjaufen unö ^eröern, am 
^uße öes Sdjloßbergs, auf öeni 
er felbft fein Sdjloß ftd> baute. 

IDas batte er mobl für 
Borbilber in jener nodi ftäöte 
annen fielt? 

jeßt mären öie ©ermanen 
reif gemorben, um öie Überrefte 
öer römifeben Kultur im alten 
öeutfeben Könierlanbc $u per* 
fteben unö ju permerten; ein anöe= 
res Dorbilb als öie alten Jvömer- 
ftäöte föitnen öie Stäbtegrünber 
jener t 5eit nicht gehabt haben. 
Die beöeutenöfte öer öamaligen Stabte uxxr mc*bl öer febon ftattlid'c ßanöelsplab 
Köln, unö fo öürfen mir mit Babcr mohl mit Hecht annebmen, baß öiefe Stabt mit 
öem reditminfeligcn 2lcbfenfreu5 öes römifeben (Taftrums Öen ^eitgenoffen mohl als 
(Typus einer Stabt gegolten unb öas Dorbilb für unfere ©rünbung abgegeben bat. 

3n allen feinen ©runbjügen xrcift ^rciburg (5ig. l), roic roenige fübbeutfebe 
Stäöte, Öen dbarafter einer gegrünbeten Stabt auf; öie Hterfmale öiefer planmäßig¬ 
feit finö öas reebtminfeligc Hdifcnfreuy öer l}auptftraßcn, öer Bertbolb-Saljftraße unö 
öer großen ©affe, öer heutigen Kaifcrffräße, bic regelmäßige Einlage öer Seitengaffen, 
öeren ftets mieöerfebrenöer 2lbftanb ficb aus öer gleichmäßigen Hufteilung öer ©runö* 
ftücfe pon 50 auf 100 ergibt unb öie planmäßige ^reilaffung öes Bauplanes für 
öie große Pfarrfirdie. JUtere Stäöte, 5. B. (Trier unö Honftanj, Bifchofftäbtc, öie 
aus einem Hebeneinanöer ron Bifcbofsfifcen, Klöftern unö Stiften ficb entmid'elt 
haben, jeigen bei meitem nicht öiefe Klarheit öes ©runöriffes. 

^reiburg ift als TTCarft gegrünbet, bas fjcrj öer Hnlage, in öem noch beute öas 
£eben pulfiert, ift öer langgeftredte geräumige Biarftplafc, öie heutige Kaiferftraße. 
Ein meiterer piafe für BTarftjirecfe lag rielleicbt jmifeben öer früheren Jfiartinsfapcllc, 
an Stelle öer heutigen BTartinsfirdie unö öem älteften Hatbaus, öas uns in öer im 
f>of öes heutigen Hatbaufes gelegenen ©cricbtslaubc aus öer ^eit um 1500 noch 
erhalten ift. Doch ift fchoit aus Hnalogie mit anöeren Staötgrüitöungen ohne ^nvifel 



{. (Druttöriff fcc» mittelalterlichen £rciburg mit 5cn Fcr- 
ftäMctt: A. PcrftaM Hcuburg; B. prcMgcr- it. Ccbcncr 
Vor ftaM; C. ^cfrncctenroritaM 


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■ 



bie Kaiferftrafe nietet etwa eine nur erweiterte Pcrfchrsftrafe, fonbern bet 3U ZTIarft* 
3wecfen angelegte plan. 

2 T?an ijat aus ben Unregelmäjjigfeiten bes (Dberlinbenftabtteils geglaubt, fcbliefjcn 
3U müffeu, ba§ hier eine febon ältere Sicbelung in ben ©runbrifj ber Stabt mit 
bincingebaut worben fei, allein jene Unregelmäjjigfeit erflärt fief? ohne Scbwierigfeiten 
aus bem Perlauf bes f)odutfers ber Preifam, bas an biefer Stelle eine Ausbauchung 
ber Stabtmauer nach Süben 3U notwenbig machte. 

Pa bie Kultur bes älteften Freiburg noch eine länblidje war, fo müffen wir uns 
bie älteften ITobnbauten auch als ftoljbäufer mit Strohbächem oorftellcn. Sie ent’ 
ftanben auf ben abgefledten ©runbfiücfen 3unäcbft an ben fjauptftrajjen. 

Aber bie ©ntwicflung bes Bauhanbwerferftanbes mu§ bodi febr. rafdj erfolgt 
fein, benn um 1200 finben wir fdion bie ffeinerne Stabtmauer mit ben feftgefügten 
<Tortürmen im Bau, ber fteinerne Bau bes Hiünfters flammt in feinen älteften Ceilcn 
aus berfelben < 5 eit. Piefc erften ZHünfterbaumcifter jeboeb waren wohl nod> feine bür¬ 
gerlichen XDerfleute, fonbern gelehrte Klerifer, bie nielleicbt an ben großen Klofier* 
bauten in Burgunb gelernt batten uitb beren Schule bamals bie Kirdxnbautcn am 
(Dberrhein errichtete, 311 Bafel, Kolmar unb Breifad?. <£rft an biefen Kirdienbauten 
fdjulte ftcb bas bürgerliche Bauhanbwerf für ben Bau aus Steinen, ber bem ©er« 
manen, ber nur 60I3« unb Fu^werfbattten felbft aus5uführen rerftanb, etwas rollig 
neues war. 

Aus biefen iPerfftättcn entwicfelten ficb bann bie BTünfterbaubütten, bie pflege* 
ftätten ber bocbentwicfelten mittelalterlichen Steinmefefunft. 

. Uttb barin erfennen wir ein wefcntlicbcs HTerfmal ber geiftigen Kräfte jener , 3 eit: 

Hoch ehe ber Hlaucrring mit Käufern gefüllt ift, wirb eine Pfarrfircbe gebaut in 
einer ©röfje, bie weit über bas Hotwenbigc hinausgeht, man frägt weber nach ben 
Koften für ben Kubifmetcr umbauten Aaumcs noch nach ber notwenbigen < 3 abl 
Quäbratmeter überbauter ^läcbe, fonbern baut fo weit unb fo hoch als es bie bamals 
noch junge Cecbnif bes fteinernen ©ewölbebaues juläfit. 

«Etwa 5tir gleichen , 3 eit als bie erften fteinernen Bauten bes XTtünfters unb ber 
Stabtbefcftigung entftehen, bauen bie <£ifter3icnfer in Ccnnenbacb bei Emmenbingen 
unter bem Schub ber 5 rc 'burger ©rafen ihr Klofter. Bcfanntlicb war biefer CDrben 
fübrenb auf bem ©ebiet bes fteinernen ©ewölbebaues, bie Eiftersienfer waren aufler-- 
bem bie erften ITaffcringcnieure unb es ift feine 311 fühlte Annahme, bah fte ihre ge- 
fcbulten Eedmifer nid?t nur für ben ZHiinfterbau, fonbern aud? für bas moblbtirdv 
baebte Svftem bet Freiburger Stabtbäcblein bem ©rafen jur Perfügung gcftellt haben. 

Per bö^erne IPobulxtusbau muff in Freiburg febr halb bem fteinernen ben plafe 
geräumt haben. Pie Öberrefte eines ebenfalls aus ber Seit um 1200 entftammenben 
Steinbaufes würben beim Umbau ber Srarfaffe in ber F^njisfanergaffe aufgefun* 
ben. Pie Käufer ber Altftabt, bie ja, foweit fte ni<ht Bauten bes 10. 3abrhunberts 
finb, faft burdnreg noch aus bem 15 . ober 16 . jiabrbunbert flammen, ftnb mit gan3 
wenigen Ausnahmen, Steinbauten. 


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— 80 — 

^reiburg fleht barin im ©egettfaij ju ben im fränfifd/en Stammesgebict ge¬ 
legenen Stabten, mie ^ranffurt ober Stuttgart, in benen noch bis ins 19. 3 a h r * 
hunbert bie IDohnbauten faft ausfdlieflih als f}oljbauten errichtet merbett. 

Don biefen Stabten fränfifchen Urfprungs unterfdeibet ft<h ^reiburg über noch 
in einem anbem Punft. Dort flehen bie Raufer ©icbcl an (Giebel mit bem ^irft fenf-' 
recht jur Strafe, jebes fjaus für ftch unb rem Ztadbar getrennt burdt eine fcfymale, 
unratgefüüte ©affe — bei uns in ^reiburg fielen bie ftättfet mit einem $ur Strafe 
parallel gerichteten Dadjfirft unb burd biefe Branbmauem gefdieben, fo baf im 
Branbfallc bas Stroh ber Dadbedung, bas mohl aud früh burch erfefct 

mürbe, nach ber Strafe unb auf ben f}of abfehiefen fonntc unb nicht bas Dach bes 
Hadbarhaufes mit in Brattb fefte. 

IDir miiffen alfo anncbmeit, baf fchon fehr früh > n 5reiburg feuerpoli3eilide 
Dorfdjtiften beftanben haben, benen es mohl 3U perbattfen ift, baf 5 rc 'burg pon ben 
fdmerett Stabtbränben, bie anbere Stabte mieberholt in Kfche legten, perfchont ge¬ 
blieben ift. 

H/as IDunbers, baf einem fo moblorganifierten Stabtmefen, poU fo frifder 
Kraft, bie HTauem balb 5U eng mürben unb mir fdon im 3 a h rc 1250 hören, baf 
bie Stabt nadi Horben ju bur<h eine ftattUde Dorftabt, bie Dorftabt Heuburg ihrer 
Cntmicflung Kaum gefdaffen hat. 

Daran, baf bie alte Stabtummallung 3U eng mürbe, mar aud noch ber Umftaub 
fcfjulb, baf ftch brei ausgebehnte flöftcrlide Hieberlaffungen in ih r fcftgefefct hatten, 
ent Dominifaner-, ein ^ranjisfaner- unb ein Kuguftincrflofter. Die Kirche hatte 
ftch burch Schaffung biefer Prebtger- ober Bettelorben ber neuen Kufgabe ber Sech 
forge für bie Bepölferung ber fo plöfclid unb jahlreid entftanbenen Stabte angepaft. 

Da ftch bie Pfarrgciftjidfeit ber CätigFeit ber neuen ©rben aufs heftigfte miber» 
fefetc, muften fie junädrft aufcrhalb ber Stabtmauer ftd nieberlaffen; 1229 befahl 
ber Papft ©regor bem roiberftrebenben Konftanjer Bifdof, bie erfte por ben Toren 
^reiburgs liegenbe $rartjisFanerf irdc, bie nur ein Hotbau mar, 3U meihen — aber 
erft 1246 , mirb ben ^ranjisfanern bie alte Hlartinsfapelle übcrlaffen, an bereu Stelle 
fie bann 1262 ben umfangreichen Klofterbau beginnen, ber in ber Blartinsfirde mit 
bem anftofenben halben Kreujgaugflügel noch erhalten ift. 

Die Dominifaner unb bie Kuguftiner befamen ihre piiifcc am Hanb ber Stabt, 
an ber Stabtmauer, bie Dominifaner an bem nach ihnen benannten Prebigertor, bie 
Kuguftiner jmifden ber Saljftrafe unb ber Stabtmauer. 

Diefe brei Kloftcrfirden maren alle ohne Turm unb Querfdiff ; fte jeigten ben 
Tvp ber Bettclorbensfirdcn, mit einem langgeftreeften Chor für bie BTönde unb 
einem breiteren Canghaus für bie ©emoinbe, eine Kombination pon Klofier* unb 
Pfarrfirde, beren beibe (Teile burch ben Cettner pon einanber getrennt maren. 

Dom Prebigcrflofter ftnb Hefte bes Kreujgangs aus ber ^eit nach 1200 unb 
bas Langhaus ber Kirche in ber aüerbings umgebauten ©eftalt bes St. Dinjeutius» 
Ixiufcs auf uns gefommen. 


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82 


Dom BuguftinerFlofter ift noch am meiften, wenn auch in arg ncrwüftetem ^u- 
ftanb, erhalten, bie Kirdie, bas ehemalige alte Ct>eater unb ber Kreujgang mit einem 
Ceil ber Kloftergebäube. 

HHr muffen aus ber Catfad^e, baf Me ^ranjisfanet 1229 febon uor Öen «Toren 
ftcfy nieberliegen, fdjlicgen, ba§ bie Bebauung ber Dorftäbte fehr früh fdjon begonnen 
hat, bie meiften ber in ber Dorftabt Heuburg in 6er Prebiger* unb Sdmedennorftabt 
gelegenen Stifte unb ^rauenFlöfter geben noch in bie erfte tfälfte bes 13 . 3 a h r ‘ 
hunberts jurücf. 

Pag es beren triebt wenige waren, jeigt uns Sicfingers Stieb (^ig. 2) nom 3 abrc 
1589 ; Hegen boeb allein itt ber weftliebcn Sehcner unb Prebigernorftabt brei gtoge 
^rauenflöfter, St. Clara, St. eignes unb bas HcuerinnenFlofter, jiemlicb biebt bet« 
fammett, baju fommen noch in ber Dorftabt Heuburg bas groge 3 ob<mniterbatis 
am Blöncbstor, bas 2 lUerhciligenftift, bas. Hrmenfrital; in ber SchnecFcnnorftabt 
bas Klofter ber TDilbelmiten r>on ©betrieb unb ber Pflcgbof bes Klofters Cennettbadj. 
BTit Ausnahme ber füblicben batten fämtliebe Porftäbtc ihre eigenen PfarrFircben, 
bie Porftabt Heuburg bie ftattlidje pfarrfirebe St. HiFolaus mit einem febt hoben 
fteinemen IDeftturm, attfebeinenb ein frübgotifdier einfebiffiger gewölbter Bau, unb 
bie weftlicben Dorftäbte bas Heine wobl febr alte Kirchlein St. Peter. 

Pas ftoljc Stabtbilb bes mittelalterlichen ^reiburgs, wie cs Sicfingcr feftgebaltcn 
bat, ift ein unterfälfebter Ausbrucf ber Kultur ber < 5 eit. Pem con äugen Kommen* 
ben 3eigt ftcb junädift bie wehrhafte Stabtmauer mit ben bc*h e ri' Cortürmen, ein Aus* 
bruef ber politifdten Bladjt ber Stabt, bie oom Sdjlog auf bem Scblogberg ins Hat* 
haus in ber Stabt herabgeftiegen war. über bie Blauer ragen bie gleichen Päd^er 
ber Bürgerbäufer, bie ftcb U1 ie bie Küchlein unter bie brenne um bas bas Stabtbilb 
Frönenbc Blünfter b crurr, l a S ern - Eingeleitet unb begleitet wirb bie IDirFung bes 
Biünfters bureb bie ihm gleidtgerkbteten fleilen Dächer ber Stifte unb Klöfler mit 
ihren b°b en ©gehören unb ben fpiüen Dachreitern unb ©locfentünruhcn. Piefe 
gleiche Sichtung ber bas Bleerbcr Bürgerbädter überragenben Kirdjenbäcber gibt 
bem Stabtbilb einen Hbvtbmus unb eine EinbeitlubFeit, bie einen ähnlich ftarFen unb 
ftoljcn Cinbntd auslöft, wie eine im gleid^en TDinb fegelnbe flotte mit bem Rührer* 
fdriff in ber Bütte. 

Per Sicfingerftid? jeigt auch ben ^ortfebritt in ber Bcfefrigung ber Stabt, ben man 
itn Saufe bes Blittclalters gemadit batte, ^cigt bie Stabtmauer ber Altftabt außer 
ben Cortürmen nod? Feinerlei Ausbauten ober $lattFierungsanlagcn, fo ftttb im ©egen* 
fab hierzu bie Stabtmauern fämtlicber Porftäbtc befegt mit balbrunben t>or bie Blauer 
rorfpringeuöen ^lanfierungstürmd'en, bie in Armbruftfdntgweite non einanber ent¬ 
fernt liegen. 

©bgleidt bei Anfertigung bes Stkhs fdion 200 3 < h re feit «Einführung bes 
^euergefduibes rerfloben waren, jeigt er nod? Feinerlei Einrichtungen an ben Per* 
teibigungsanlagen ber Stabt, bie auf bie Erforbemiffe ber neuen JDaffe Hiidftdit 
nehmen, nur bas PoHmerF am HeuerinncnminFel, bas ben Anfdtlug ber Stabtmauer 


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ber prebigerporftabt an bie ber Ueuburg becft, ift eines jener ftattlübcn IPerfe, it»ie 
mir ftc in jener §eit audi an bett Stabtbefeftigungen andrer Stäbtc, u. a. Bafel, 
Scbaffbaufen unb Strafjburg, beobaditcn. 

Ulit bem oOjäbrigen Krieg erfolgte bann ber Beginn ber langen Ceibensjeit, in 
ber bie Stabt nicber auf ben Umfang unb unter bie Bepölferungsjiffer jufammen* 
fdnuiljt, bie ftc im ^bv 1200 gehabt bat. Bier Belagerungen im oOjäbrigen Krieg 
batten bie £>älftc aller (frebäube in Sdnitt unb 2 tfd?c gelegt; bie Cebcner« unb prebiger* 
porftabt untren im 3 abre 1644 pom fdnpcbifdjett Kommaubantcu ber Stabt 3ur Sidtc* 
rung bcs Porgelcinbes in bie £uft gefprengt unb niebergebrannt trorben. 

Pttrdt bett tDeftfälifdien ^rieben 1648 (Brenjftabt getporben unb in Haebbarfcbaft 
ber bamals fdton franjöftfd'cn 5 °fbiug Klt*Breifaeb, mirb ^reiburg nun in allen 
Kriegen mit ^ranfreidt eine beifj umfdmpftc ^Jcftnugi unb bamit mar für lange < 5 eit 
jebe gebciblid'c <£ntmicftung ausgcfcbloffcn. liefftes €lenb, Branb unb Blut be* 
jeidnten für bie Seit non 1648—1745 bie (Befdndite ber Stabt. 

Pie öftcrteicbifd>e Kegicrung batte bie (ftefabr erfanut unb bie Bcrtcibigungs* 
trerfe nach ben neuefien (Srunbfätjen, mie ftc bie (Einführung ber cucrtt>affcn per« 
langte, tuieber in Staub fefcen laffen. 

Sd?on eine S^cbming t>om 3 abr 16^4 ( 5 >g- 3 ) jeigt uns nor ber ITTauer ber 
Kltftabt porgelegte fünf 
eefige Baftionen; jte fprim 
gen weit in bie Cefyener 
unb Prebigerporftabt por, 
ein S c ^? cn / 6tcfc ba= 
mals febon niebergelegt tpar. 

Pas Burgfyalbenfcblofj 
iftebenfalls oerftärft unb auf 
bem oberftcnScblojjberggip* 
fei fteljt jur Pecfttng biefer 
bas Burgfyalbefdüofj iiber= 
ragenbett l}ölje ein biefer 
fteineriterCurm. 1668 mirb 
bas Burghalbefdtlofj nod> 5 . staMptan rem jat,r um 

bureb Unlage meiterer Ba= 

ftionen perftärft unb bttrdt eine Kommunifation mit ber Stabt perbuttbett — aber biefe 
Arbeiten haben es bodt nid>t pcrbittbern fönnett, baf? 1677 naeb fttrjer Belagerung ber 
Fopflos getrorbette öfterreidüfebe Kommanbant Sdntfc bie Rettung an bie ^rattjofett 
übergab, nadibem fteb biefe btirdt einen fjanbftrcicb ber Borftabt Heuburg bemädy 
tigt batten. 

Unb bamit mürbe ^reiburg eine franjöftfdtc Snnngburg in beutfdvin €anb, 
eine ftarfe ^eftung, bie es bem ^ranjofettfönig Cubmig XIV. jebergeit ermöglichen 
follte, im Scbube biefes Brüefenfopfes feine Beere über ben Xfyeiu marfdiicrcn 511 laffen. 




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<Sleid> nadi ber (Einnahme lieg er ^reihurg burd) hon berühmten ^eftungsbau* 
meiftcr Paubatt 3U einer 6er ftärfften ^eftungen umbauen (^tg. 4). IDohl mar audi 
5 rciburg im 2 Tcittelalter mie jebe mittelalterliche Stabt eine megrhafte ^eftung ge* 
mefen, aber 6ic Befcftigung hatte 6em Schuh non Ljanbel un6 (ßemerbe 6er eigenen 
Bürgerfdiaft gebient unb bie Stabtmaucr rerteibigten bic Bürger felbft; jefct mar 
bic Stabt ein militärifdrer Stübpunft in ben Kriegen jmifd>en ffabsburg unb ^ranK 
rcidi. Bic Bürger mareti ben fferren ber Stabt hödjft gleichgültig; frcmbc Scgimenter, 
beren Spradre ber Bürger gar nidit nerftanb, lagen in ben Kafemen auf bem Sdilog* 
berg unb hinter ben IBällcn. 

H)cr ben Sdilogberg hat, hat audi bic Stabt, unb in biefer Brfcnntnis hat Bau* 
ban ben Scglogberg bis ans Jmmental hin befeftigt. IPenn mir freute ba oben bie 
fdxrttigen IPalbmegc manbern, bann ahnen mir nidit, bag ba einmal bie ^itabellc bet 
Regung gebaut mar, bag ba, mo mir jefct grünes <£feu über fpärlidien, Faum mehr als 
foldie erfennbaren Biaucrrcftcn mud>ern fegen, fahle JDällc, tiefe ©räben, fteile ftei 
nernc ^eftungsmauem mit (Toren unb ^nghrücfcn, meit auslabenben Baftionett, Ka 
fernen unb ^jeughäufern geftanben haben. 

Ber gefährbetfte (Teil bes Sdilogbcrgs gegen ben überhöhenben Süden bes Sog 
fopf mar gefchügt burdi bas (Hbcrfcblog, mit tiefem ©raben unb befonbers ftarf aus* 
gebilbeter ^ront gegen bas Jmmental. Seinen ICcfttcil bilbete bas Fort carree ober 
ber Stocf auf bem gödjftcn Punft bes oberen Sdüogbergs gelegen, bas ben miditigften 
Beil ber ganjett Bcfeftigungsanlage unb bic Kommanbantcnmohnung enthielt. 

< 3 nnfdicn biefem oberen unb bem unteren Schlog beftanb eine burdi beiberfeitigen 
U'all unb ©raben gefdiüfetc, auf bem ©rat bes Sdüogbergriicfcns entlang laufenbe 


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Verbinbung, in beren Bütte bie Stcrnfdjanje, bas fort be l’etoile o6cr 6as Sal$« 
büd)sle gelegen mar, ein JVerf mit ebenfalls gegen 6ie Bojjfopffeite gerichteter front, 
bas nadj fall bcs ©berfd)loffes bem (Segnet bas Vorbringen gegen bas Unterfd)lofj 
nod) einmal erfcfyroeren foüte. 

Der Stabt am näcbften lag bann bas ltrrterfd)lof, bas burcf) ben tiefen fünft- 
liehen, nodj aus früheren feiten ftammenben <£infd)nitt in 3mei Ceile geteilt mar, 
in einen oberen nörblidjen, ein fogenanntes fjommerf, auf bem jetjt ber Bismarcf- 
turm fteljt, unb einen füblidjen Ceil, berftef) an ber Stelle bes alten Burghalbefchloffes 
befanb, unb ftd) in riet mir Baftionen bewehrten Cerraffen über bte heutige £ubmigs* 
fjölje unb Kanonenplatj nadj bem fpäteren ©reifeneggfd)löffle gegen bas Sdjn>a» 
bentor Ijinabjog. 

Die Befefligung ber Stabt jeigt bas Vaubanfdje Syftem in feiner reinften form. 

Die Stüfcpunfte ber Verteibigung bilben bie fünfeefigen Baftionen, ron benen 
adjt ben IDall bet Stabt umgaben; ihre €age ift nod) heute 3U erfemten an ben ©rün- 
planen, bte ben Hem ber Hltftabt umfäumen. 

Bem Sdjmabentor 3unäd)ft lag bie Petersbaftion, in bem jetzigen ©arten jmifchen 
IDall- unb Breifamftrajje, beim £anbgerid?t bie Baftion bu roi, nadjbem bte f eftung 
mieber öfterreid)ifd? geworben war Baftei „Kaifer" genannt, bann bie Baftion be 
la reine, bie „Haiferin Baftei", ber heutige HUeegarten. Bas Cheater fteht auf ber 
Baftion Bauph'in ober St. £eopolbsbaftei, bas <£olombifdilöffch en auf ber Baftion 
St. 3ofef, 3mifd)en Bing- unb friebrid)ftrafje lag bie St. Harlsbaftei, am heutigen 
Siegesbenfmal bie Chriftoffels- unb am Karlsplah bie Burgbaftei. 

Biefe auf ber ZTorbfeite ber Stabt gelegene front mar weniger ftatf befeftigt, 
wie bie IDeft- unb Sübfeite, ba fte butcb bie Befeftigungen auf bem Sd)lo§berg einen 
ftarfen flanfenfdjuh h a *te. f 

Bas Prin3ip ber Vaubanfchen ITCanier beftanb barin, bem Angreifer immer ein 
neues £)inbemis in ben IDeg 31t ftellen, bas er im flanfenfeuer überwinben muffte. 

IDollte ber ©egner eine Baftion angteifen, fo befanb er fid) immer im f lanfen¬ 
feuer ber beiben Had)barbaftioncn. Sein Eingriff muffte ftd) baher ftets auf 5wei 
fold)er Bollwerfe gleid)3citig erftreefen. 

Bie Kämpfe, bie ftd) um bie feftung, bie feit bem f rieben t>ort HysmyT wieber 
öfterreid)ifd) geworben war, abfpielten, gingen bei ber Belagerung non 17\3 um bie 
Baftionen St. £eopolb unb St. 3ofef unb bei ber Belagemng im 3ahre 17^ um bie 
füblid)en, Kaifer unb Kaiferin. * 

Beibe Belagerungen fittb reich an f)e!bentaten, bie wir freiburger nicht ttergeffen 
follen. 

£eiber hut ber IDeltfricg bas Bcnfmal für bie bei ber Verteibigung einer ttcr* 
gefhobenen £ünette im 3<*b rc 1713 gefallenen 200 öfterroidtifeben ©renabiere unter 
ihrem ©berften Behling nid)t mehr 3ur Ausführung fommen laffen. 

^meifellos bot aud) bie feftung freiburg einen impofanten Attblicf. Bie mäh* 
tigen Bollwerfe, bie über bas fältle Vorgclänbe ber feftung heruorragten, bie ©räbett 


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mit beit fjoljbrücfen unb ben Toren — bas ganjc überragt pom Münfter unb bcu 
Dächern bcr Klofterfird]cn unb bcm ©iebcl bcr 3efuitenFir<he uiib fdjlicjjlid) bcfrönt 
pon bcr maffigen ^itaöellc auf bem Schlofjbcrg —, bas tpas ftchcr ein Stabtbilb 
pon fcltcncr (ßcfdüoffcnhcit unb Monumentalität, menn mir in ibm auch ben KuibrucF 
bcr brutalen MadjtpolitiF Cubmigs XIV. erfettnen müffen.uttb oerftetjen, bajj ein 
Kufatmen burd) bie Bürgcrfchaft ging, als im ^rflljjaijr \ 70-5 bie IPällc unb Baftionen 
pon ben ^ranjofen por intern Kbjug gefprengt mürben. 

Die grojjartigfte Seite bcr Baufunft jenes Zeitalters ber abfoluten ^ürftcrimad't, 
bie in beit Bcftbcn3en, Sdilofjanlagen unb Stäbtegrünbungen tpeltlidxr unb geiftlidjer 
dürften, mic in Bamberg, Mürjburg, Mannheim unb Karlsruhe, ftd> auslebtc, ift 
im ^reiburg bes f8. Zabrhunberts nid)t pertreten. 

^rciburg ioar eben nidit Bcfibcnj, fonbern ausfd)liejjlid> jeftung unb blieb im 
mittclalterlid^en Bcftanb feiner fjäufer unberührt. 

Das bebeutenbfte Bautperf, bas ber BarocF in ^reiburg bintcrlaffcn hat, ift bie 
aus ben erften lahrjehnten bes '7. Jahrhunber-ts ftammenbe ^efuitetifirdv mit bem 
einfad) großen Znnenraum unb ber mächtigen Sanbftcinfaffabc. 3m 3nncrn üt bie 
(Teilung in einjclnc Kirchcnfdnffe, tpie fie bas Mittelalter angenvmbt hatte, aufgegeben 
— ein ipcitgefpanntes Tonnengewölbe überbeeft ben einen großen Baum bes Kirchen* 
innern. Hach Kufhcbung ber ^eftung entftchen bann einjelne bebeutfame bürgerliche 
Bauten, am Miinfterplafc bas ITenjingerhaus (#9- 5), bas 511m allcrfeinften gehört 
mas bie bürgerliche BauFunft bes 18. 3<*h r h un tert s gefchaffen hat. Das fdjönftc ift 
bas opale mit einem bemalten Kuppelgewölbe gcfdimiicftc (Treppenhaus. Die hohe 
Kunft biefes 3nnerrraumes liegt in ber ftrengen Durchführung ber räumlidien 3bee, bcr 
alles nebenfächlidje untergeorbnet wirb. 

€s ift (Thriftian 
IDenjinger, beffen fei¬ 
ner (Seift biefen Bau ge= 
fdiaffen hat, ber Künft- 
ler, Motjltäter unb 
Stifter, „ber 3 a h r h un ‘ 
berte burd)Iebte unb 
burd> ben3al?rh un ^ cr l c 
leben", ipie bie3 n fd?rift 
feines (Srabfteins auf 
bem alten ^riebl)of 
rühmt. Kn biefen eblen 
Mann foll man benfen, 
ipenn man über ben 
2Tlünftcrplafe geht unb 
fid) feines ftattlidjen 
IPerfes erfreut. 



5. n^cntin^crtiau» am Zttünftcrplati 


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87 


(Ein einfacherer, wahrfcheinlid? aud? 
pott ihm entworfener Bau ift bas t)aus 
„5ur lieben £)attb" in 6er Cömengaffe, 
mit 6er fdjönen UTabonnenfigur im ©ie- 
bei; bas f)aus 6iente ehemals als Ub= 
fteigequartier 6es ^ürftabtes t>on St. 

©allen (^ig. 5 a). 

Der ausflingenbe Barocf ift pertreten 
in 6em Sicfingcnfdjen palais in 6er 
Saljftrafje, einem ftrengen Bau pon 6er 
£)anb 6es Baumeifters 6 ’ 3 rnar 6 , 6em wir 
aud? 6ic mädjtige Klofterfirdte ron St. 

Blaficn ju perbanfen hoben. 

IDenn 6as 18 . 3 oh r t?nnbert auch nur 
wenig be6cutcn6erc Bauten fdtaffen fonnte, 
fo jeugt 6od? 6er in 6icfer <3eit rorge 
nommene Umbau 6er mittelalterlkben 
f)äufer pon 6ent nie u?ie6cr erreidjten hohen 
Stan6 6es 6amaligen Bautjanbrnerfs. 

Die Stucföecfen in 6en alten Bürger* sa. itaus »wr n«bcn «ati», «circnjtr iö 
häufern, 6ie (Dfen, 6ic Crcppen fin6 wahre 

edite franbwerferfunft, pon 6er mir heute trofe aller Kunft*, l)ocb= un6 Kunftgemerbe« 
fcbulen noch ireit entfernt fm6. 

<Erft in beit 20er 3 ah ren bes pergangciten 3 abrbunberts roäcbft 6ic Sta6t über 
6en Umfang 6er alten ^efhtng rnicber hinaus uit6 jwar in 6er 'Erweiterung jtpifdjen 
Karlsfafertte un6 Cubwigsfirdie, 6er alten Klofterfircbe 6es Klofters Ccnuenbacb, 6ie 
6ort abgetragen un6 unter Zufügung eines ©lodenturmes wicber aufgebaut mur6e. 
3 n biefer Stabtcrmeitcntng ftedt noch etwas pon 6em grofjjügigen ©eift lanbesfürft« 
lidjer Stabtbaufunft 6es 18 . 3 abrbunberts. Die Eiubeitlkbfcit 6er Bebauung 6er 
Strafcnmänbe, 6ie mirffamc Betonung 6es Stabteingangs burdi 6ic beiben fvmmetri- 
fd?en JDacbbäuscben 6es alten ^äfyringcrtors unb 6er fymmetrifdien balbrunbcn l>uis- 
eden ber(£d häuferKaifcrftrafjc^heim unbBernharbsftrafje ftnb 6ie IetjtenBeif piele einer 
Kunftricbtung, 6er 6ic neue^eit 6er UTafdnne unb 6 cr 3 n 6 uftrie ein <£nbc bereiten follte. 

Diefe Stabtermeitemng, mit beit einfach pornehmen ffausfronten, bie nur bureb 
6ie guten Berbältniffe mirfen, bie Bauten bes Sautierfdien Kaufes, 6er Komm an» 
bantur, bes Biufcums unb bes eräbifdiöflicben Komufts ftnb IDcrfc eines Schülers 
unb ^citgenoffen XDeinbrenners, bes Bauinfpeftors Urnolb unb wenn auch febmädv 
liehet fo bod? ganj im ©eiftc ECeiubrenners gebalten. 

€hcmirunsber€ntmicflung5reiburgsim IO- 3 a h r h 11 n» 
b e r t j u m e n 6 c n, i ft e s n o t m e tt b i g , 6 i e U r f a cb e tt 6 e r b o b e tt S d» ö n* 
beit bes alten Stabtbilbcs 5 u f a m m e n 5 u f a f f e n: 



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88 


©s ift erftens öie pktnmäfige Durcfbilöung bes Staötorganismus; öie ©röfe 
bet Strafen unö piäfe ftnö Öen Bebürfniffen angepaft. Der 2Ttarft unö öie Ber* 
fehrsftrafen 3U Öen ©oren ftnö breit, öie Strafen nur 3um IDobnen, abfeits öiefer 
angelegt, finö entfpredjenö fd/maler; öer grofe platj für öie Pfarrfirche ift fefjon bei 
öer Planung öer Staöt oorgefcljen.. 

Der r>on genoffenfdjaftlidjem ©eift getragene ^nfcrmrrrenfctjlii^ öer fjattö* 
merfet unö ©emerbetreibenben in fünfte führte öaju, öaf öic Derfaufsräume nah 
öer Krt öer tterfcbieöenen ©emetbe gefhloffen 3ufammengelegt mürben. So ent* 
ftanöcn, mie in allen mittelalterlichen Stäöten, öie Cauben unö öie Derfaufsbuben; 
auf öer Kaiferftrafe öie Brotlaube, öie 2 Tlcfgerlauhe unö öie IDechslerlaube; an 
öer Zfiünftcrgaffe, unter Öen Krfaben öer Süönxmö öcs fjeiliggeiftfpitals, an öer 
Stelle öes jefigen Kaffee Scbanj, öie £ugftüljle, unö am BTünfterplafe, angelernt 
an öie Kirchhofmauer, öie Komlauben. 

Diefe Dcrfaufseinricbtungen nxxren ron Öen fünften gemcinfam uermaltet unö 
bcauffidjtigt unö roaren pöllig getrennt non Öen IDobnungen öer bctreffcnöcn ©e* 
merbetreibenben. IDir finöcn alfo in öer mittelalterlichen Staöt öie Trennung 3mifd?en 
IDobn- unö ©efchäftsniertel febon norbereitet, öie öer moöemc Stäötebau erft anftrebt, 
unö mie er fich, memt natürlich in anöerer form, in Öen heutigen ©rofftäbten erft 
burdijufctjen beginnt. ©inen ähnlichen Dorgang fönnen mir fcftflcüen in öer 5 U * 
fammenlegung gcroiffer ©emerbe, j. B. öer ©erber, in beftimmte Staötteilc, mie tyct 
in f reiburg in öer ©erberau. 

Die mittelalterliche Baufunft ift jmcitens eine Kunft öer Craöition, ö. h- öer 
Perbicnft am Kunflhanömerf gebührt immer nur 3ur fjälfte öem ©inseinen, jum 
anöeren (Teil gebührt er Öen Crägcrn öiefer fünftlerifhcn Überlieferung, Öen P)anö- 
merfem unö ihren ©rganifationen, Öen fünften. Die Baufunft mürbe nicht als Kunft 
gelehrt auf Schulen, fonöcm als fjanömerf in öer XDerfftatt. Die ©runölagc allen 
Baufchaffens mar öie allen Bauenöen gemeinfame ©runöanfchauung, öaf ein Bau* 
merf 3unächft auf öie einfaebfte form gebracht meröen mufte, ehe an öas fcbmücfenbe 
Beimerf gegangen meröen Fann. So ftnö öie alten Raufer öie allercinfachftcn Bau» 
förper mit Öen fimpelftcn Sattelöädtem unö bilöen aber geraöe öurch öiefc ©infachheit 
Öen ruhigen fjintergrunö auf bem*bie öffentlidten, öem geiftigen ^uge öer <?>cit folgenö, 
öie firchlidjen Bauten erft recht jur ©eltung famen. 

Diefcs führt uns 3ur öritten unö eigentlichften ©runöurfache für öic f>öhe öer 
alten Staötbaufunft. 

Sie ift öer Kttsfluf einer öas ganje Polfslcbcn lebenöig burchöringcnbcn, allen 
Polfsgenoffen gemeinfamen ZPeltanfd’auung. Kits ihr fliefen öic höchften Kunft* 
merte. ©s ift öie rcligiöfe Begeiferung öer Krcujjugsseit, öic in öem DKinfterbau 
öas Staötbilö frönt, in öiefem IDunöcrmerF, öas in feiner ©röfe, aber auch im ©raö 
feiner Durdtbilöung alle anöeren Bauten öer Staöt meit überragt unö in einem folchen 
Kontraft 3U ihnen fteht, öaf fte nur Öen Kähmen oöer öie falfung für öiefen ©öelftein 
abgaben. Diefcr Kontraft mirö nicht nur öaöurch herrorgehracht, öaf am Kirchenbau 


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89 — 


ftd) eine bem Profanbau burdjaus frembe unb reifere ^ormenrpelt entroicfelt, fonbern 
fd>on burdi bic 2tusn\ibl bes foflbarcrcn Baumaterials: 3m ©egenfat; ju ben oer- 
pufcten Bürger Käufern mirb ber Bmnfterbau als einziges Baumcrf ber Stabt aus* 
fdjliefjlidj als maffip burcbgefüfyrter fywfteinbau ausgebilbet. 

Biefe einheitliche XTeltanfd)auung finbet ihren 2 tusbrucf nicht nur in ber f}ab 
tung ber profanbauten 511 ben fird>lid>en Bauten, fonbem er burdjbringt and) bas 
gansc fjanbroerf. 

IDir fönnen and) Ijicr eine Steigerung ber Husbrucfsmittel 3ur bödiftcn prad)t> 
entfaltung nur ba feftftellen, ipo es ftcfi um firdilicbe ^toede Ijanbelt. Ber bjodialtar, 
bic Kanjel, ber Caufftein, bie ©lasfenftcr ber Kirche ftefycn auf einer anbern, 
grunbperfebiebenen Stufe ber fünftlerifdjen Burdjbilbung in Heicbtum unb ^orm 
bes BTaterials als and) bie reidjften Husftattungen ber ineltlidieit Bauten. 



6. tEntiricflun^ ^rciburg* im XIX. 3abrbuit5crt 


Ber plan ron ^reiburg, in bem bie Stabttcile befto buttfler gehalten finb je älter 
fte ftnb, foll bic ©ntmicflung ber Stabt im 19. Jahrhunbcrt ncranfdxiulidKn ( 5 ig. 6). 

Badjbem nun einmal mit ber Stabtermeiterung ber 20er 3 abre ber Umfang ber 
2 lltfiabt iiberfebritten ift, bringt jebes Jahrzehnt bic ©ntmicflung eines neuen Stabt* 
piertels. 2 tuf bic (Erweiterung ber ^ähringerftrafje folgt in ben ^Oer 3 a h rcn bic 
Berlängerung ber Kaifcrftrafe bis 3iir Brcifam unb bie Bebauung bes Karlsplafces. 
llnb bann folgt ber bebeutfamftc Sdnitt in bie neuefte bie Eröffnung bes Bahn* 
Ijofs im 3 al?r 1845 . ©leid>jeitig entftebt als 5 olge bapon bas Babnbofpiertel unb 


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— 90 


jioar junädjft in Öen 60 er 3<djren bie perlängerte Sertholb» unb bie Sahnhofftraße, 
bann bie ^riebridiftraße unb bas Diertel jtmfcfyen biefer unb bet Klbertftraße. 

Kud) nach Süöen beljnt fidj bie Stabt aus — es entfielen bie beiben fdiönften 
IDohnftraßen im heutigen ^reiburg, bie Diarien* unb bie £uifenftraße, mit ihren 
einfach pornehmen Sinfamilienhäufem mit ben großen ©arten auf bem ehemaligen 
IDallgelänbe. 

Kbcr auch fd?on über bie Dreifam erftredt ftdj bie Stabtermeiterung. 3 m 3 dhr 
J 860 mirb bie breite baumbeftanbene ©ünterstalcr Straße angelegt, bic jufammen 
mit ber sur gleichen <3eit ous Canbftraße unb ^elbmeg entfteljenben basier* unb Cab 
ftraße bie ©runb$üge für bie ©ntmicFlung bes XDieljreftabtteils abgeben follten. 

Hadj bem fiegreichen Krieg 1870/71 jetgt ftdj bas ©rftarFen ber mirtfchaftlidien 
Ceiftungsfaljigfeit unb bes Untemefymergeiftes, inbem ftdj bas Cempo ber ©rfcblic* 
ßung neuer Straßen urtb Stadtteile pon 3 <*h* 3U 3 ^ befdileunigt. Den 70 er 3 <d) rc n 
uerbanfen mir bas Viertel 5mifdjen ©arten* unb Bertholbftraße, bie erfte Stabtermei¬ 
terung im Sti'djlinger, bie ^cftlegung ber Straßen 3mifdien ^ähringer* unb 2T?03art* 
flraßc unb bie älteren Straßenjüge ber IDiehre. 3 n ben folgenben 3 a h t 3 e hnten bis 
ror bem Krieg reiht ftdi fjaus an f}aus unb Straße an Straße, bie Stabt behnt ftdi 
oon bjasladt bis an ben XDalbfee unb pon ©ünterstal bis Ebringen. 

So jeigt unfere Daterftabt in ben leßten hunbert 3 a h rcn einen Kuffdjmung unb 
eine Zunahme, bie fidi nur mit bem blübenben IDadistum ber Stabt in ben beiben 
erflcn 3 ^b r bniibcrten feit ihrer ©rünbung pergleidien läßt. Um ben Kern ber 
Kltftabt legt ftdi ein Kran5 pon Dorfiäbten, t>on benen jebe an ftdi fdion umfangreicher 
als bie Kltftabt ift. 2 lUc ©rrungenfebaften ber Cecbnif, bes Straßenbaues, ber ©leF* 
trijität unb ber Stabtbygiene ftnb aufs peinlidifte burdigefiihrt. Kn breiten bäum» 
beftanbenen Straßen flehen ftattlidie IDohnbauten, Schulen unb Kirchen, alle maffto 
unb retdi pcrjiert mit (Drnamenten; breite ^abrftraßen führen auf ben Sergen über 
ber Stabt auf bet^ Sdiloßberg unb ins ©ünterstal, unb menn ber Krieg nicht ge« 
Fomtnen märe, hätten mir auch fdion bic Drahtfeilbahn auf ben Sdiloßberg mit einem 
Kusfiditsturm am ©nbpunFt unb einem „eleganten Keftaurang". 

Sidicr ift ^reiburg audi noch heute eine ber fdiönften unb gefunbeften Stabte 
Deutfdilaubs — aber mir mollten ja bas alte unb bas neue 5 r ->burger Stabtbilb 
entern fritifd;en Vergleich unterjiehen, unb ba fragen mir uns bodi: meift audi bas 
neue ^rciburg jenen holten ©rab organifdier Sdiönhcit auf, bie mir als bas mefent- 
lidifte DTcrFtttal bes alten 5 Biburg erfannt haben? 

ür Ulcnfdten, benen Sdiönhcit nicht ein Curusartifel ift, ben man fidt mit 
mehr ober treniger ©clb Faufen 3U fönnen glaubt, fonbern benen fic ber pollenbctfte 
Kusbrucf einer organifchen ©cfcfcmäßigFcit bebeutet, bic mit picl ober menig ©clb 
überhaupt gar nidits 311 tun bat -- für foldie Ccute fatttt Fein ^meifel bariiber bc« 
(toben, baß bas moberne 5 rc 'burg an fohher Sdiönhcit fuh mit bem mittelalterlidicn 
bei meitem nid't mefien Fantt. 


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2lls crfte Haupturfadie für die Schönheit 6 er alten Stadt batten mir die plan- 
mägigfeit ihres (ßrundriffes erfannt, in dem den Straffen je nach ihrem «3mecf >h rc 
finngemaffc Breite, den öffentlichen (ftebäuden die ihrer Bedeutung entfprecbende 
Stellung gefiebert mar. 

tt)ie ftehts damit im modernen ^rciburg? 

Die (Entmicflung ^^iburgs seicht dicfelbcn ©runöjüge, die für alle modernen 
Städte typifcb find, not allem das durch die (Erfindung der Pampfmafcbine bernor* 
gerufene Bnfdimellen des Perfeljrs und der Beuölfcrungsjiffer. Per Bahnhof liegt 
junäehft meit not der Stadt, auf die Stadtentmicflung mirft er mte ein UTagnet, 
in dem fetyr bald' der 3 mifd)en itym und der Stadt liegende Baum bebaut 
mird. Dann tr>ird er fclbft aber 311 m BUttclpunft, und fo felgen mir auf der anderen 
Seite des Bahnhofs feljr bald ein neues Bicrtel entfielen, au deffen Ulöglidjfeit im 
3abre 18^5, in dem das erfte fleine Babnhöflcin eröffnet mard, noch niemand aud) 
nur im entfernteften 511 denfen magte. Und (eben nigdit fteb in der Stadtcntroidlung 
die Bahn, die jegt mitten durdi die Stadt führt, febr unangenehm bemerfbar; fie 
fdniiirt den neuen Stadtteil ron dem alten ab, fo dag fcfion bald diefem mißlichen <3u- 
fland durdi das nidit gerade münfebensmerte Büttel der Unterführung menigftens 
eine notdürftige Ubbilfe gefdiaffen trerden mujjte. IPir finden alfo, daf? die <£nt 
mieflung der Cedjnif und des 
Derfehrs einen fo riefenhaften 
^ortfehritt“ gemacht hat, dag auch 
beim beften XDillen eine noraus- 
fchauendc Planung der Stadtcnt- 
mieflung nidit möglich gemefen 
märe. 

Pie Projeftierung diefer neuen 
Stadtteile erfolgte bis etma in 
die c )Oer 3 a h rc nadi dem redit* 
minfeligen Baublocffchema. 

feigen die Strafen aus der 
< 5 eit t»or f 8?0 aud? eine gemiffe 
Hüchternheit, fo mirfen dod? die 
Uäufer aus jenen 3 ahren durdj 
einfache und gediegene Pmcb- 
bildung nodi durchaus erfreulich- 
3 »n 3 nnern finden mir itodi 
gediegen gearbeitete (Treppen, gute 
3 nnenräume, die ^affaden haben 
nodj gute Berhältniffe, die Hinter¬ 
fronten find mit nidit geringe¬ 
rer Ciebe durdigcbildet als die 


7. aus 5er neuen StaMenrcitcrung 

5cs Stüblin^cr StaMtcÜ* 


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_ 9 2 — 


Strafenfeiten unb bie Hüdfeite ber Raufer am Karlsplafe, ber I)reifam= ober 
Bertbolbftrafe wanbte ftdj nod? einem woblgepflegten ©arten 5U. 

Kbcr nach 1870 , als bie rafenbe ©ntwidlung ber beutfd>en 3 nbuftrie bas über« 
ftürjte Knfd? wellen ber beutfeben ©rofftäbte mit ftd? brachte mit feiner irilbcn ©rün- 
ber« unb Spefulationsfucbt, ba ftebt auch bas Stabtbilb unferer Paterftabt im Rieben 
ber Saufpcfulation. 

2 ltii>ere ©efiebtspunfte bei ber Einlage neuer Stabtteile, als ben, ©eliinbe für ben 
©runbftücfsbünbel 5Ü erfcbliefcn, inbem man es nadj bem Keifbrettfcbcma in lauter 



8. tfaftlicfrc fptfcc Siraftcttccfc im Stüblingcr 


reditroiufeligc Saublöde aufteilte, fanutc man bamals noch nicht. IPeber trennte 
man nadj iPobtt- unb ©efebäfts« unb Perfeljrsftrafen, tuxb fümmertc man ficb bei 
Anlage neuer Strafen um bie himmelsrkbtung, unb fo entftanben bie langweiligen 
Strafcnbilber im Stüblinger unb tn ber lüiebrc. 

3 n 5 wifdjen waren bei ben Stabtcrweitenmgen ber ©rofftäbte bie ©efubtspunfte 
bcs Derfcbrs immer mebr in ben Dorbcrgrunb getreten. 

Piefe glcicbbreitcn Strafen ber Stabtermciterungen ber Putte bes 19. 3 ubr« 
buitbcrts Ratten ben Knforberungen nicht mehr genügt, man war in arge Perlegenbeit 
gefommen, wenn ficb eine folche Strafe fdion 20 3 a b rc nach ifyrcm ©ntftebcn für bie 
Verlegung einer ©leftrifeben als ju eng erwies — man verlangte nach breiteren 
Strafen unb r>or allem nad? Piagonalftrafen. <£s entftanb' eine wahre Sucht alle 
Strafen als breite Perfebrsftrafen anjulcgen unb fie möglicbft in ber Piagonale 511 
führen (^ig. 7 ). 2 lm Scbnittpunft feldicr Strafen entfteben bann jene unglüdfeligcn 
Stcmpläfe, bie gar feine piafewänbc mebr buben, ba bie Strafenöffnungen mebr 
Kaum einricbmen als bie häuferfronten, piäfee, bereu IDanbungett allfeitig atts €ö« 


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— 93 — 


d?ero beftehen. ’IDie bie entftehenbcn fpif»infeligen Baublöde bebaut »erben follen, 
baran tjat man auch nicht gebadet; »as für häflidie Bilber baraus entftehen, 3eigen 
perfdfebene Strafeneden im Stütjlinger Stabtteil f^ig. 8). 

3 m alten ^reiburg bis ins 18 . 3 a I?rlyuni*eri gehörte ber Boben bem Stabt* 
tjerm, ber itjn gegen einen geringen £nas bem Baulufiigen in Pacht gab. Boben 
unb Bau mären rechtlich getrennt, eine IDertfteigerung bes Bobens burch Bauten, 
bie noch gar nid>t auf ihm ftanben, mar ausgefd>loffen. Hacb bem heutigen Hecht 
richtet ftdj ber IBert bes Bobens nadi bem <£rtrags»ert bes Kaufes, bas einmal auf 
ihm erbaut »erben foü. 

IDir feljen besljalb allenthalben in unferer Stabt bas Beftreben, bie julciffige Be* 
bauungsl^öhe Ijinaufjutrcibcn, um burdj bjäufung ber Stocf»erfe ben Blietertrag 3U 
erhöben unb baburch ben Boben für ben ©runbftüdshanbet teuerer 5U machen. Hn 
Strafen, auf beten einer Seite nodi in ben 90er 3 ^ rcn j»cigefd)offige Bau»eife Bor* 
fchrift nxrr, fefyen »ir 10 3 aljre fpäter auf ber anberen Seite bie P/^gefiJboffige Bauart. 
3 a, auf ein unb berfelben Strafenfeite finben »ir ein non 3 ah* 3« 3 ah r sunehmenbes 
f)öl)er»erben ber IDofjnbauten. 

IDeit por ber Stabt, fogar in ben Bororten, überall ba, »o bie Bauorbttung 
iljren ©influf ausbeljnt, fogar in ben Dörfern Mffhaufen unb fjasladj, finben »ir 
fcfjon bie bas Canbfdjaftsbilb filometer»eit perunftaltenbe ftäbtifche Blictsfaferne, unb 
3»ar in Gebieten, »o eine berechtigte Steigerung bes Boben»ertes burch günftigere 
Berfcbrs* ober ©efdiäftslagc gar nicht hatte ftattfinben fönnen. 

Hun hat man perfucht, burch bie Bauorbnung einer 3U »eit gchenben Bebauung«* 
bidjte (Einhalt 3U tun unb hat bie offene unb halboffene Baumeife porgefchrieben, 
»eld>e einen gemiffen ^»ifchenraum 3»ifchen ben einjelnen Käufern porfteht. €« 
bürfen feine längeren ffausgrupren »ie 3? Bieter erftellt »erben unb biefe müffen 
poneinanber burch 9 Bieter breite 5 ro ifd?enräume getrennt fein. 

Bei 3»eigcfchofftgen Bauten ift biefe Baumeife gans febön, fie »irb aber 5um 
Unfmn bei piet* unb fünfftödigen Blietsfafcrncn, 311 benen fich bas 5 teiburger Bliets* 
haus allmählich entmidelt hat. Statt eines ©inblids in freunblicbe (Bärten hat man 
bann meift einen Blid auf bie ffinterhäufer ber anberen Seite bes Baublods, burch 
bie ^»ifebenräume 3»ifd*n 3»ei Wausgruppen. IDas an bebauter ©runbfläche bei 
ber offenen Baumcife perloren geht, »irb bann burd) gröfere Ciefe roieber eingeholt, 
fo entftehen ©runbriffe, bei benen bie 3 immer 311m grofen ©eil nicht mehr nach ber 
Strafe ober bem ©arten, fonbern nach bem ^nüfehenraum 3»ifchcn ben beiben Käu¬ 
fern 3U gelegt »erben. 

©s »äre riditiger, bie ßäufer niebriger unb ohne ffinterflügel 3U halten, biefe 
^»ifebenräume fallen 3U laffen, längere ©ruppen gefchloffen 311 bauen unb ihnen 
bafür tiefere Wintergärten 3U gelten, überhaupt müfte piel mehr perfudit »erben, 
gansc Baublöde einheitlich 3U geftaltcn, »ie ja fd^on ein erfreulicher Hnfang in ber 
Wäufergnippc 3»ifd)en Bayern* unb Corettoftrafe gemacht »orben ift. 


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9- Mlo5crnc 2ttict$*jäu?cr; Hinterfronten 


Pajj bas Mietshaus, bas im Porrat fyergeftellt mirb, fein Kcdit bat, im Strafen» 
bilb als finjelbau unb jebes l)aus perfd)ieben potu Baebbarhaus aufjutreten, jeigt 
ein Blief auf bie Hinterfronten folcber l)äufer (ß\$. 9). Pa seigt ftch mirflich, bah 
als Organismus ein Haus 6cm anbern gleicht — nur nach 6er Strafe 51t macht je6es 
ein an6eres Oefidit, in 6er 2lbficbt, etiras an6eres norjutäufchen, als es eigentlich 

ift ( 5 kv 10). 

IPir batten ferner gef eben, baf? in 6er < 5 eit t>or \800 allen Bauenbcn 6ie in 
einer gcfun6en baubmerflicben Ürabition gefeftigte Orunbanfdxiuung gemeinfam mar, 
6a{i ein Baumerf juerft auf feine einfadifte organifdie (Brunbform gebracht mcr6cn 
muffe. Pas alte Freiburger Bürgerbaus (Fig. ' l) ift ein einfacher piereefiger Bau 
förper, 6er eine Seite 6er Strafe, eine 6em H°fe jufehrt, un6 beffeu bci6e an6eren 
Seiten als Branbgiebel fid? an 6ic Bcubbarbäufer anlehnen. 

So jeigen fidi uns, pom Sdilofjberg aus betrachtet, 6ic alten Bürgerbäufer in 
6er Saljftra^e, 6er Herrcnftrajje 06er am Btünfterplafc. 

Per einfad'e logifebe 2lufbau ift obuc meiteres fdx>n, meil er 6en ^meef flar 511m 
2 tus 6 rucf bringt, bas behäbig breit gelagerte H aus - beni bas hohe Padi mie ein 
fd'übenber H l *t aufgefefet ift. (Ein einfacher fonftruftiper ©ebanfe ift auf 6ic felbft* 
rerftänblichftc IDcifc jum 2lus6rucf gebradit unb barum febön. Ss mären alfo 
g c f u n 6 e tccbnifdje ©ebanfen, bie 6en ZRaurermeifter ober ben ^immermanu pan 
anno bajumal bei feinem Bau bcfeeltcn. 


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10. 21Tc&critc ülictsbuufcr; IVrfccrfcüctt 


Scldie rerminftige (BebanFett barf ber moderne Baumeifter aber nicht haben. 
Sein Baus ift SpefulationsobjeFt. Sr geht nicht rott ber 21 b ficht aus, einen vernünftigen 
unb Flarett BattFörper biusuftdlcrt, fottbern er ergreift juitädift bic Bauörbnung unb 
fielet bort nach, mie bodi, mie tief, tr>ie breit als möglidi er bauen barf, um bem 
teueren Bobcn fo niel B lief ertrag abjuringen als es bie Bauörbnung 3uläjjt unb 
mentt möglidi ttodi etmas mehr. 

IDcmt er ö’-lgcfdiofftg bauen follte, bat er bas Beftreben, 4Vf>gefd>offtg ju bauen, 
irtbem er bas liierte < 0 efd?ofj als Bollgefchofj baut unb nur nach auüott mit Riegeln 
bebängt, bamit es als Padi in bie Srfcheinung tritt. 

Hadi hinten 311 tut er feinen Gefühlen gar feinen Strang mehr an unb baut 
uad) ber (Tiefe möglidift tief unb nadi ber Böbe trenn irgenb möglich gleidi fünf* 
ftöcFig. IPas für eine üble Bolle bic balboffenc Bautreife babei fpielt, ittbem fte bajti 
3mingt, bie Zimmer gegen bett Baturidi 511 legen, haben mir fdion ermähnt. Pa nun 
aber bas Paus bodi ausfeben feil mie eilte hodiherrfd'aftliche Billa, biirfen (ßiebcl, 
BalFone tutb Srfer nadi ber Strafte 311 nicht fehlen, mäbrenb bie Biicffcite itt troff- 
lofefter Bikbtembeit erftrablt. 

Selbftnerftänblidi fehlt biefem aus rein Faufmännifcben nberleguttgett heraus ent* 
ftanbenen Olebilbe ber logifdi gefunbe unb besbalb befriebigettbe Bttfbau, ber bie 
Schönheit bes alten Banfes ausmacht, bei befielt Sntftehung ein mirflidi architcFto« 
nifdvr (Reift obgemaltet hat. 


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— 96 — 


Ills mefentlichfte unb tieffte Urfadic ber Schönheit alter StaMbilber litten irir 
fdjlieftlich 6ic allen Polfsgenoffen genteinfame tDcltanfcbauung erfannt, bie im Kon« 
traft jtim Ihisbrucf gefontmen ift, ben 6er aufs bödtflc gefteigerte IHünfterbau gegen« 
über ben cinfad>cn ireltlid^en Bauten fyerv>orgebrad?t bat. Kennt auch bas moberne 
Stabtbilb biefe ehrfürditige 5 u ™d:'baltung ber IDobnbauten gegenüber ber fjeiligfeit 
ber ftrd>lid)en ober ber IDiirbe ber weltlichen öffentlidten (Öebäubc? 

3 ft unferen Kirchen unb Sdnilen auch wie ben öffentlichen Bauten bes alten 
^reiburg fd'on irrt Stabtplan ein plafc eingeräumt, ber ihrer Bcbeutung fürs öffent¬ 
liche Ccben cntfpricht? 

Kdt nein, fte ntüffen verlieb nehmen mit ber <£cfc eines Baublocfs, ben ihnen bie 
Baufpefulation gnäbig gerabe nodr übrig gelaffen bat. Unb fo flehen fte nicht mehr 



t|. ^rcibur^cr IPcbnbau» au» bem 3abr J500 unb au» bem 3al^r 1900 


an Platten ober an punften, wo fte bie Strafte bcberrfdvn, fonbern fte ftcl^ctt in ber 
Bcibc ber IDobnbauten, ohne jur (Geltung ju fontmen, ba ja ber Stabtplan nur nach 
bem (ftefiditspunft bes (Belänbcauffchlicfens ober bes Perfebrs angelegt worben, unb 
bei feiner Planung an bie Bauten, bie auf ihn 3U flehen fontmen feilten, überhaupt 
nid't gebadü worben ift. 

IDas hätten für IDirfungcn erhielt werben föntten 5. B. in ber IPiebte, u>cnn 
bie Bauten ber 3 ofytnnesfirdte, ber fccfftngfcbule unb ber ©cmerbefdjule an einem 
räumlidt empfunbenen platt Ratten erbaut werben föntten! 

Die Cfyurnfecfdmlc, Cbriflusfirdte, bas Cebrerfcminar, bie fjilbafchule, bas 
Kealgymnaftum, flehen biefe Bauten ttidit cbenfo langweilig unb banal auf ihren 
Plätten, wie bie fyiufer, bie fte umgeben? Illlc biefe Bauten flehen rein jufällig ba, 
nur weil jur < 3 cit ihrer Bebauung ber Bauplatt eben nod? frei mar. Die hohe Kunft 
bes lanbesfürftlicbdren Stäbtebaues bes 18 . ^abrbunberts, mit ihrer bewußten Pertei* 
hing ber IHonumentalbauten nach ihrer Bebeutung, ift refllos verloren gegangen. 


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_ 97 — 


Du^h ben bcüorjugten Bauplan fömten unfere öffentlichen ©ebäube alfo nicht 
mehr roirfen, nod? roeniger ahet burdj bie gehobene Durchbilbung in 5 orm unb Ma* 
terial im (Begenfafc 3U Öen einfach gehaltenen IDohnbauten. 

Mas roir für biefe fdjon feftgeftellt halben, baß jebes fjaus ein anberes (Befiehl 
3eigen roiU als bas nebenftehenbe, gilt erft recht non ben (Befchäftshäufern, non benen 
jebes ben fjerm Harhbar burdj Kufroanb non fjauffein unb (Ornament tot3ubrüllen 
• fud?t. . 

<£s ift natürlich ausgefchloffcn, baß ber ebelfte öffentliche, fachliche ober roelt* 
liehe Monumentalbau, auch roenn ihn ber befte Krdjiteft ber Melt aus foftbarftem 
Material gebaut hätte, neben ben (Befchäftshäufern, Kaffees unb Heftaurants ber 
lebten 3ahr3ehnte ber Borfriegsjeit noch irgenb rote 3ur (Beltung fommen fönnte. Das 
moberne Stabtbilb bringt ein berartiges Uberroiegen ber 3 ntereffen bes fiinjelnen 3um 
Kusbrucf, baß bie Mürbe unb bie Macht bes Staates ober ber Stabt, bie fjeiligfeit 
ber Kirdjen, bie ftdj in ihren Bauten ausbrüefen follte, nicht mehr bagegen auffommen 
formen. 

<£s roäre oerfehrt, roenn nicht 3ugeftanben roürbe, baß im lebten 3ahrjehnt not 
bem Krieg bie ^ahl berer, bie einfahen, baß es fo nicht roeiter gehen fönne, immer 
mehr 5ugenommen fy*t. Kber bie Befferung ift nur ba 5U nerf puren, roo ein fulti* 
nieder Bauherr burch £> u 3röhung eines guten Krchiteften eine (Sinjelfunftleiftung er¬ 
möglicht I?at. So finben roir roohl aus ben lebten ^debensjaljren ftammenbe rer* 
ein3eltc Billen unb (Bcfchäftsljäufer, in benen eine neue Baugeftnmtng 311m Durchbruch 
fommt, bie roieber Bauten anftreht, bie roie bie alten Borbilber auf bie einfachfte 5 orm 
gebracht finb, unb roie biefe roieber flare Bauförper unb ruhige Dachlöfungen auf- 
roeifen. 

Kber es bleibt bei folchen <£in5elleiftungen, ba bie Borbebingungen bafür fehlen,- 
baß biefer neue (Beift auch bie hjerftellung ber großen Maffe ber Mietsrooljnungcn 
ergreifen fönnte. Mir feben rielmehr, baß bie Läuferreihen ber Miehre unb bes 
Stühlinger Stabtteils bis ror bem Krieg nach bem alten Kejept erbaut finb, roenn auch 
bie formale Durchbilbung ber Straßenfronten eine beffere geroorben ift als 3ur < 3 eit 
um 1900. Mir haben ja auch erfannt, baß bas (Brunbübcl an ben bobcnrechtlicben 
Bcrhältniffen liegt, an benen ber (Einzelne nichts änbern fann. 

Doh es scigt ft<h, baß bie Hot bie Mutter neuer (Besaitungen roirb. Da, roo 
ber (Einjclne mahtlos ift, hilft ber < 5 ufammenfchluß rieler. So h^t bie Hot unferer 
< 3 eit bie Bilbung ber gemcinnüßigeit Baugenoffcnfhaften begiinftigt, bie hoffentlich 
immer mehr bie Präger ber Maffenprobuftion non Mohnungcn roerben. Damit 
ift aber ber Bauherr gefchaffen, ber bisher bem mobemen ^tabtbilb gefehlt h a h ber 
Bauherr, ber in ber £agc ift, größere Baugcbicte einheitlidi unb nah einem Plan 3U 
bebauen. ITnb bamit ffebt bie Stabthaufunft am Knfang einer neuen 5 c 'h bie fic in 
bie Sage fefet, befferes als bas bisher geroohnte 311 fchaffen, roenn einmal überhaupt 
roieber eine umfangreichere Bautätigfeit einfefcen fann. 


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- 98 - 


Die ^efjler, bic wir arn (Organismus bes neuen ^reiburg ber lebten 50 3affre 
fcftgeftellt haben, finben wir in jeber beutfehen Stabt biefer 3**t; fic fmb bie folgen 
ber wirtfchaftlichen Perhältniffe, nid)t bie fehler <£in 3 elner. IDir, bie wir heute biefe 
fehler erfennen, tjätten in ben 70er unb 90er fahren wohl nichts befferes jenen 
Planungen entgegenjufc^en gewußt. 

2tber beute müffen wir fo viel ÜberblicP über bie gerichtliche Entwicflung uns 
errungen fyaben, baff wir nicht mehr PritiPlos bie (Erbfcbaft bes 19 . 3aljrf}unberts 
antreten. 

IDir müffen unb wollen flar fetjen, baff wir es nur mit einem emfeitigen 5orh 
fd^ritt ju tun haben — allenfalls mit einer ffocffentwicfelten tecbnifchcn ^ioififattort, 
aber niemals mit einer Kultur, wie fte bie £>e\t vox ffunbert 3affren noch gePannt batte. 

Das heutige Stabtbilb ift bie Stabt bes (Einseinen, ber KusbrucP eines 3 crfefeen- 
ben 3 n biuibualismus, ber Peine fföl^cre 3bee Pennt, wie bas bes ©elbbeutels. 
IDenn wir wicber ju einer StabtbauPunft Pommen wollen, fo Pann bics nur gefcheben, 
wenn wir wieber ein DolP werben, bas nicht aus lauter gleichen IHenfcben ju befteben 
braucht, bas mannigfaltig unb rielfeitig fein Pann in feiner fojialen Schichtung, bas aber 
einheitlich fein foll in feinen (ßrunbanfebauungen unb einig t>or allem in bem ©runb* 
faff, baff bas IDohl bes DolPsganjen beim bes <£injelnen norangeben muff. 


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©u 45rHaftung <Sft;Jretßurge 

Pou 21tay IPingenroth 

n ben einfüfyrcnöen feilen ju biefem l)efte ift darauf hingemiefen morbcu, 
2 §fcS|l|fc.bafj bie Anjicljungsfraft, bic ^reiburg auf ^renibe mic €tnf?cimifd>c 
JffXßäfe? ausübt, auf brei ^oftoren beruht: feiner tjerrlidien Umgebung;, feinem 
2 T(ünfter unb bem ti*autcn Heije ber Altftabt. Sie fmb bas fidicre Kapital bet Stabt, 
bas immer mciter muebem unb < 3 iitfen bringen mirb. (Es ift alfo feine fentimcntale 
Sdjn-ärmerei, fonbern eine feljr gmftbaftc Sache, menn trir bafür forgen, ba£ biefes 
alte ^rcxbiirg erhalten bleibe. ITenn uns im rorftehenben Auffab non berufener 
Seite bic Cßrunbfätje ber Stabtentmicflung ibargelcgt morbcu fmb unb trenn uns im 
Hacbftebenbeu gejeigt irirb, nie bie Bürger bic pflege ihrer Stabt felbft in bie banb 
nehmen fallen, fo trollen mir uns jefet in ein paar furzen <5iigen einmal Flar machen, 
meldje Aufgaben bic Allgemeinheit in ber (Erhaltung ber alten Stabt 311 löfen bat. 

Ulan mirb uns rielleicbt einmenben, baf? frühere, fräftige feiten fich nidit um 
bie (Erhaltung bes eilten bemüht, fonbern lebenbiges Haie an feine Stelle gefefct hoben. 
Allein einmal hoben mir mit ber burchaus bereditigtert Stimnmng ber ireiteften Krcife 
unfercs Polfcs auch proftifdi ju rechnen, bie biefe alten trauten Hübet nicht miffen 
mill, jmeitens bleiben für bie lebcnbigc Haufunft außerhalb bes alten H 7 aucrbejirfes 
noch unenblicb rielc Hctcitigungsmöglicbfcitcn übrig unb brittens haben mir (ftclje 
(ßruber) feine gefunbe unb fiebere Haugcfmnung, mie ctma bas Harocf. Der Erfaü 
bes Alten burdi bas Heue fönnte alfo febr jmeifelhaft fein. Zubern merbai mir, 


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bei aller ^reube an ben fpäteren grofen Kunftepodjen, bodj manches burch fie Per* 
nidjtete freute beflagen. 

Stellen mir gleich im Einfang feft: meint mir r>on ber Hilf tobt reben, fo meinen 
mir ben burch bie alte innere Stabtmauer, Ijeute burdj bie <Serberau,Belfortftrafe, 
Hottecfplatj, Hingftrafe, Kafcmengaffe, Schlofbergftrafe umgreifen Pejirf unb 
ferliefen babei nodj ben Unfang ber ^äljringerftrafe mit ben mertoollen XDein* 
brermerfchen (mettn auch nicht non ifym felbft Ijerrüljrenben) Bauten ein. 

Pa ift bemt bas erfte, roortach mir unfer Uugenmerf richten müfien, bie firhaltung 
ber Strafen unb Strafen3üge. ^ütjrung, nicht nach bem Heif brett, fonbern moljl 
angepaft an Cerrain unb Bebürfniffe, ihre Breite unb finge, fte fmb beftimmenb für 
ben fiinbrud ber Stabt; fein < 0 röfenmaljn irgenb eines Boppele foll uns baju 
bringen, fie eingebilbeten Perfdjrsrüdftdjten 3U opfern, fis gehört eine ftattlidje 
Unfenntnis europäifdjer Stabte ba$u, fjicr non Perfeljrsljinbemiffen 3U reben. Söldner 
Hnfidjt 3ufolge müften 3. B. in paris bie gan3en Piertel 3mifdjen ber Seine unb 
ben Bouleoarbs niebergelcgt — man benfe nur an eine Perfeljrsaber mie bie Hue be 
Hidjelieu —, müften bie Bouleoarbs auf bie Breite non einem Kilometer oergröfert 
merben.. IDas fid> Stäbte mie Nürnberg, Biünchen, Köln gefallen laffen, um ihr 
altes ©epräge nodj einigermafen 3U erhalten, bas fönnen auch mir ertragen. 5 U * 
$ugeben ift, baf eine gemiffe Hblenfung bes Perfeljrs münfebensmert märe; nicht 
jeber Caftmagen, nid?t jebes Uuto, bas non ber Kartfyäufer- ober ber Sd}mar3tnalb* 
ftrafe Ijerfommt, muf burch bie Sal3ftrafe fahren, fonbern fann ben IDeg burch bie 
IPallftrafe ober Preifamftrafe nehmen, unb ähnlich anbersmo. Ceiber nxxr ja 5 re ‘* 
bürg beim Bau ber eleftrifchen Bahnen noch 3U flcin, als baf eine Umlegung ber* 
felben um bie Ultfiabt, mie im mefentlicben in Stuttgart, möglich gemefen märe. 

Por allem aber gilt es ben ZHünfterplatj in feiner munberbaren Kulje unb 
©efchloffenbeit, bie bisher faum unterbrochen mirb, 3U erhalten, ebenfo ben ^ren^is* 
fanerplafc, unb ben Kartoffelmarft, fomie ©ber* unb Unterlinbcn. fitne nemünftige 
h)anbhabung ber Bauorbnung unb eine anbauembe Beeinfluffung ber fiinroohner 
burch bie örtlichen Pertreter ber „Babifchen f)eimat" muf bafiir forgen, baf nicht 
etma burch oerfiänbnislofe Heubauten bas Bilb biefer Pläfe fomoljl, mie insbefonbere 
ber Kaiferftrafe, ber fjerrenftrafe, Sal3ftrafe unb Bertholbftrafe, aber auch ber 
übrigen ©affen oemichtet mirb. Pabei ifj benn breierlei 3U beobadücn: einmal, baf 
bie alten ©ebäube alle fd)r fddicht maren mit mcifer Befchränfung ihres Schmudes 
auf ein paar fjauptpunfte, etma portal, firfer unb Baifon unb baf fte, im ©egenfaf 
511 ben mciften übrigen fübbeutfd'cu Stabten nicht mit bem ©iebel, fonbern mit bem 
Craufgcfims gegen bie Strafe flehen, fiin in irgenb einer Stilform überreich aus» 
geftattetes ©iebelfiaus jerftört alfo bie ganse fiigenart ber Strafe, finblid), baf bie 
Stodmerfhöhcn im mcfcntlid'en gleich maren unb fo in ber Rührung ber f}ori5ontalcn 
fein anbauernber IPcchfel unb Unruhe entftanb. Parauf, mie aud> auf bie frohen 


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\ 0 \ 


bet Raufer foUtc geachtet merhen, hamit unfere Strafen nicht einft enge (ßäfjchen 
merhen. 2hif (Eitelkeiten, mie Sähen, BcFlamefchilher ufm. mill ich hier nicht ein* 
gelten, nur Fürs barauf tjimocifcrt, bafj fokhe Raufer, wie bas Knopf fd>c, nidjt mehr 
entheben bürfen, bafj bas Derfchminben hes alten Kapfcrcrfcben ßaufes unh fein 
(Erfaf? burdjibas heutige, fd?roerlaftcnbc Baumert aufs ködjfte ju bebauem, baf her 
Erfat> hes Kaufes mit ben Sdjmibbögen in her ZHiinftergaffe hurd) has neue BanF* 
gehäuhc ein fcfjr übler PunFt ift, unh bafj beihe eine Behörbe, heren erfte bauliche 
Sorge hoch hie (Erhaltung her Crdhition fein follte, hurdj hen Bau hes 0rhirtariats 
has ftiüe Bilh her iTcrrenftrafje unroiberruflich geftört hat. 

Doch laffen mir hiefe (Einzelheiten unh IcnFen unferen Blicf auf eine 2tnjahl 
öffentlicher ©cbäube, heren teilmeife Beftauricrung, (Erhaltung unh geeignete Der* 
roenbuitg unabmeislicbe Pflicht ift. Da fällt uns bann junächft has Buguftrnerflofter 
ins Buge, mit feiner Kirche, hie bis nor 10 3ohrcn als (Theater biente, unh feinem 
alten Kreuzgang has einzige erhaltene her fielen Klöftcr h'efiger Stabt. Denn t>om 
^ranzisFanerFlofter ftdtjt hoch nur noch ein Heil. (Es fyrt fchon jefct angefaingen, zur 
Buine ju merhen, mitten in her Bltftabt, laffen mir es noch jmei 3^re unbenutzt 
flehen, fo fällt es rollig jufammen. Das märe aber eine unoeranhoortlicbe Der* 
fchmenbung unh allein aus hiefem mirtfchaftlichcn ©cfidjtspunFte fchon müfjte es 
hergerichtet unh irgenb einem ^mede zugeführt merhen. Da eine übaptierung zu 
JDohnungen IRillionen Foften hürfte unh nicht einmal Braudjbares zu erreichen märe, 
bleibt alfo nur hie fchon früher geplante Dcrmcnbung für hie ftähtifdxn Sammlungen, 
falls hiefe nicht in her alten Uninerfität bleiben Fönnen, bei fparfamfter Benützung 
hes Blten immer noch billiger , mie alles Bnbere. Bleiben hie Sammlungen in her 
alten Unmerfität, fo märe eine anbere, ftnngemäße Dcrmcnbung hafür zu fudien. 

IDanbem mir non ha zum XlTünfterplatj, fo bieten fid? hört als in öffentlichem 
Bcfit; har, neben her DolFsbibliotheF hrei ©cbäuhe: has IDcnzingerfche fjaus zum 
fchönen (£cF, has Kaufhaus unh has Komhaus. 3m erfteren märe, ohne bafj häs 
allerhings eilt, has Dedengemälhe hes entziidenben (Treppenhaufes zu reinigen unh 
Zu Fonfcrrieren unh falls einmal hie (Tapeten im Saale fchahhaft gemorben ftnh unh 
ergänzt merhen müffen, feilten fte abgenommen unh hie alte, mie idj höre, barunter 
noch befinhliche IHalcrei her TDänhe mieher hergeftellt merhen. 5ü r hie Bemalung 
her 5 a ff<ibe hes Kornhaufes eriftiert ein ^onh non 70 000 DT. Dafj hiefe Be* 
malung fo unnötig mie ein Kropf ift, brauche ich heute nicht zu fagen. Der ßonb 
märe alfo frei, niellcidit mit einem Fleinen Heft, her für Derbefferungen im 3unem, 
bequeme (Barberobe ufm. zurücfzuftellen ift. Bnbers fleht es mit hem Kaufhaus, mohl 
hem beheutenhften Profanbau her SpätgotiF mit leifem Übergang zur Beroaiffance in 
ganz Sübmcftbeutfchlanb. (Ein foldjer Bcftfe legt Pflichten auf, unh bafj her ^uftanb 
hes Kaufhaufcs ein unhaltbarer ift, ftanb fdion nor hem Kriege feft. Dor etma zmei 
3alirzehnten mürbe ein (Entmurf zur Beftauricrung non BTedel ausgearbeitet, her 
allerhings ungeheure Koftcn nerurfacht hätte unh fchon nor 1914 megen feiner gemalt* 

£»abtfd?e ßeimat. 3—4 * 


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— f02 — 


famen Hacbahmung alter Stile berechtigten IDibcrfpruch erfahren hat. 2 ln ihn ift 
nicht mehr ju benfen; es heift melmehr, ohne fchmete Caftett für bie Stabt, bic 
IDieberherftellung unb mürbige Permeitbung bes cblen Baues ju erreichen. Hun 
beft^en mir eine Hcihc ^onbs, bie teilmcifc, meiJ geftiftet, ihrem urfprünglichen 
^meef nicht entfrembet toerben föttnen, teilmeife mohl 3ur freien Perfügung ftehen. 
Genannt habe ich fehen ben für bie Bemalung ber ,faffabe bes Korn* 

haufes. Paju fommen rerfchiebenc ^onbs für Deitfmäler, an beren Er* 
ri<htung mohl heute niemanb mehr benft unb für einige anbere Projefte, 
bic hoch mohl ausftchtslos gemorbcu finb: mohl runb eine hübe HTillion. Bereits 
hn 3 ahre 1915 habe ich bem Stabtrat einen Plan für bie 3mecfmäfigere Permenbung 
biefer ^onbs porgelegt, ber bamals bie rolle Billigung gefunben hat. Beute ift er 
in feiner ganjen Kusbebnung nicht mehr burchführbar, nur noch in folgenbcr Kcbuf* 
tion: man rermenbe bic Summe für bic 3mei Aufgaben, um bie man nun hoch ein* 
mal nicht hetum Fommt, nämlich bie IDieberhctftellung bes Duguftinerfloftcrs unb 
biejenige‘bes Kaufhaufes. 2 ln Denfmäler ift ja ftcher nicht mehr 3U benfen. tDirb 
aber bas Kuguftincrfloffcr für bie Sammlungen hergerichtet, fo fann man im Eh° r 
ber alten Kirche, mo ihre (Scheine ruhten, burch eine einfache aber mürbige Cafel 
an bie (Srcnabicre, im fanghaus chra burch ei” porträtmebaillon an (Seneral DTercv 
crimtern. Dort auch ctma, fc itachbem es bie Stiftungen rorfchreiben, an Kaifer 
Iüilhelm I., BismarcF unb DToltfc in irgenb einer ^orm; beffer noch, man mürbe 
ben Kaiferfaal bes Kaufhaufes mit Bilbcrn aus ber beutfcbeti (Sefcbiebtc aus* 
fehmüefen unb babei jener gebenfen. So ift ber Stiftung (Semige getan, ba gemiffer» 
majjcn ber Saal ein Denfmal mürbe, alle biefe «Ehrungen aber bürften feinen nettnens* 
merten Betrag ron jener Summe tregnebmen unb fie flünbe in ber £)auptf acbe für 
bie angegebenen tCieberhcrftellungen 3ur Perfügung. Bei fcblicbtefter Behanblung 
aber merben im Kaufhaus fleinere unb größere Sifeungsfäle mit Hebenräumen ent* 
ftehen für alle öffentlichen ^meefe unb gemcinnüfcigen Pereine ober Peranftaltungen 
irgenb mclcbcr 2 lrt, beren fehlen hier Dielfach fchmcrjlich empfunben mirb. Da bic 
Stabt aus pefuniären (Srünbett um bie fofortige f}erftellung bes Kuguftinerfloftcrs 
nicht berumfommt, ba bie Kcftaurierung bes Kaufhaufes eine unabmeisbarc Pflicht, 
fo bürfte biefer Porfchlag mehl ben IDcg ju einer leichteren Erfüllung 3eigen. 

mehrfach fchon mürbe in bem Bisherigen bie ^rage ber alten ilnioerfttät 
geftreift. über ihre Fünftige Pcrmcnbung h«rrfchen gegenmärtig ^tocifcl. Dafj fie 
lieh, pollftänbig 3ur Perfügung geftellt mit geringen Dritteln, burch bie Entfernung ber 
fpatercu, bie (Sänge rerbunfelnben Einbauten, 3U einem Sammlungsgebäube eignen 
mürbe, fleht nach ber jetzigen Kufftcllung ber Sammlungen in ihr aujjer ^meifel. IDie 
aber auch ihre Pcrmcnbung fei, jcbcnfalls muffen ber feböne Bof, bas «Treppenhaus unb 
bie (Sänge, bie beften ftuffierten Häumc erhalten bleiben, mic auch bic fleinen per 
gitterten 5cnfter bes Erbgcfchoffes, bie bem Schäube feinen Eharafter unb ber ganzen 
Bcrtholbftrafje ihren Balt geK'n. Pon ihr aus lenfen mir unfere Schritte 311 bem 


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\03 — 


nahen petcrEjof, einem Schlichten aber wertnollen Barocfgebäube, an bas nid)t gerührt 
werben barf. Es umfd)lie£t eine HenaiffanccFapelle non Seltener Ausstattung, bie 
burd) einen leichteren Zugang als ben jetzigen bem Publifum beffer beFannt mürbe. 
Der Peterfyof fönntc ftefjen bleiben, aud) menn er, fein (Terrain unb ber ^apfcrtfTof 
für bie fünftige (Erweiterung ber nahen Unirerfität in ben Befliß biefer überginge. 

f)at es ftd) bisher um ftäbtifd)c (gebäube gcbanbelt, fo menbet ftd) unfer Blid 
nun einem Staatlichen ju, bem Bejirfsamt, bem ehemaligen Basler £jof. 3 hm broht 
als (gebäube Feinerlei Gefahr. IDohl aber verwittern bas Schöne Portal feines 
(Trcppenbaufcs unb bie 3ufd?rifttafel im fjof immer mehr. Sie burdj Kopien 3U 
erfefcen unb bie ©riginale etma in bem Htufcum 3U bergen — id) weif? nicht recht, 
ob man gut baran täte. An ihrer Stelle mirFen fie fdjön, aus bem <5ufammenl)ang 
herausgeriffen, mitib bie Derbheit ber Arbeit oielleid/t ftorenber empfunben. Unb 
bod) muß man fid) bie 3rage verlegen, benn in jmansig 3<d?ren mirb mohl nichts 
mehr txm ihnen ba fein. Hur wenige Schritte weiter unb wir flehen not ber Karls- 
Fafeme, bie in aller (Einfachheit bod) ard)iteftonifd) weit beffer burchgebilbet ift als 
Dutjcnbe moberner Prachtbauten, früher Fonnte man um ihr Sdjicffal bange fein, 
bie jehige Hot wirb uns biefes, ben fo gefdneften erweiterten Abfdjluf ber Kaifer* 
Strafe gut bominicrenbe (gebäube erhalten. Hlögc basfelbe auch uon bem Sautier« 
fdjen L)aus unb non ber Kommanbantur gelten, meid) letzterer eine Emmerung bes 
Aufjern mit Entfernung ber ftörenben (glasrcranba wohl förbetlid) wäre. 

£u bem föftlichften, was ^reiburg aus alter ^eit befifet, gehört enblid) ber 
alte ^riebhof, reich an Erinnerungen, reidj att' wertrollen Denfmälern alter foliber 
(ßrabmalFunft, mit feinem Kirchlein, feiner prachtvollen Hegetation ein malerifdjes 
(ganje, bas Seinesgleichen fucht. IHas will ba etwa ber im BaebeFcr rerjeichnetc, 
alte ^iebhof m fteilbronn bagegen fagen? An bem Unteren Bcifpiel aber fteht man 
jur (genüge, wie fehlerhaft es wäre, unfern alten ^riebhof ju einem ParF umju» 
gcftalten: es mu§ vielmehr mit aller Energie barauf gebrängt werben, baf er als 
^riebhof mit allen feinen Cgräbcm, beren Kotifemierung irgenbwie möglich ift, forg* 
fam erhalten bleibt. 

IHcmt Wir 511m Sd)lufi nod) eine ^ürbittc für bie Bächlein unb bie Brunnen 
in unferen alten (gaffen, bie ihr Bilb fo malerifch beleben, entlegen, fo bürfen wir 
bie wid)tigften fragen ber in öffentlichem Befitj befinblidjen Denfmäler erörtert haben. 
Der bjeimatfehufe Fann fid) umfo Fräftiger für ihre richtige Söfung einfefeen, als 
bamit Staat unb (gemeinbe feine befonberen Saften entftehen. Sonft wäre unferc 
Pofition in ber heutigen, brüefenben Sage jweifellos Schwierig. So aber Fann aud) 
ber (gleidgültigfte unb Angfilichfle mit uns gehen unb es Sollte eigentlich felbft bem 
befd)ränfteften Kopfe einleuchtcn, bafj es fid) hier nicht um bie lächerliche Spielerei einiger 
Sd)öngeifter banbeit, fonbem baf? bie wirtfd)aftlid)en 3 n tereffm ber 5 TC mben« unb 
Acntnerftabt fid> mit benen bes f)eimatfd)ut>es burd)aus bccfeli. Staat unb (gemeinbe 


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aber muffen unb werben — bef? fuib wir fteber —, bei ber 'Erhaltung uitfercr ffeimat 
in ihrer figenart, bcs 'Sinnigen, was uns in bem fcbredlicben ^ufammenbrud> 
geblieben, Bürgern unb Bauern fübrettb norangeben 

2 lls 2Inl?ängfel eine Sitte, bie eigentlich nicht 311m (Djerna gehört, aber bod? einmal aus* 
gefprod?cit merbeit mu§. Ulan mag über Pieles ftreiten, über bic fjäßlichFcit bes ßol^marftplaßes 
roirb unter Füuftlerifd? (Empjtnbenben nur eine IHeinung fein. <£r ift Fein plat} unb Feine Strafe, 
Fein (Sebäube fte^t in richtigem Derfjältnis 511 ihm, am mertigften ber 2lbfd?lu§, Feines ftchjt gut 
au ifjm — er ift einfad? eine Scheußlid?Feit. cfutmeber ein mächtiger, gerabeju Foloffaler, alle 
anberett bominierenber San als 2 lbfcblufj — unb ba3u mirb in 3 a ^ r 3 e ^ n ^ C!l noch Fein (Selb ba 
fein — ober aber man umfänmt beti plat} auf allen nier feiten mit Säumen, mas mobl bas 
€infachfte unb ^mecFtuäßigfte märe. 



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QBürgetficße ©enßmafyffege. 
ber %un\t: unb (Itafurbenßmafe unfrnr 
burc# bte ßtnwoßtutrfcßaff 

Portrag, gehalten am 2-b II. 1920 im Perein PaMfcftc Peimat 
ron <£. 21. 21t e cf et in ,frcit>urg im Prei&gau 

enfmalpflege ift 6 er Sd?uß itnö 6 ie Pflege 6 er (Erhaltung pon IDerfen 
6 er 2 Ird?iteftur, piaftif, BTalerei, Kleinfunft, 6 cs Hunftgewerbes, pon 
l}an 6 fd?riften, Büdnern u. a. m. 
jnfolge 6 er großen Berwüftungen, 6 ie 6 ie Staatsuniwäljungen 5 U Ett 6 e 6 es 

18. 3 a fy r fy l| o 6 erts un 6 6 ie fogertannte 2 tufflärungsperio 6 e mit ftcb brachten, ferner 
infolge 6 er gewaltigen Umgeftaltungen, 6 ie 6 as ganje £eben 6 urdj 6 ic 2 Ius 6 eh«ung 
6 er 3o6uftrie, 6 ie Steigerung 6 es Berfetjrs, 6 urd? 6 ie (Einführung 6 er Eifenbafjnen 
un 6 6 er übrigen mo 6 crnen Bcrfehrsmittcl erfuhr, fchließlid? infolge 6 er Sdjä 6 en, 
6 ic eine mißperftan 6 ene Komantif 6 urd? perfehlte Keftaurationen 6 em Beftan 6 c 
6 er Benfmäler jufügte, enölidi 6 urcb 6 ie Sammlertätigfeit 6 er BTufcen un 6 privaten 
Ciebljabcr ift 6 em Beftan 6 c 6 er Denfmälcr großer Sd>a 6 en sugefügt wor 6 en. Die 
Erhaltung un 6 Konferuierung am Entftehungsort wur 6 e jur immer 6 ringen 6 er 
wer 6 en 6 en Pflid?t 6 er £än 6 er un 6 (Semein 6 en. <5ur Ausübung 6 er hier$u erfor 6 erIidjcn 
^Maßnahmen be 6 urfte es naturgemäß befon 6 erer Beftimmungen un 6 red^tlidjer 
Befugniffe. Der erfte (Erlaß folcber Beftimmungen h<*t 5 war fdjon lange por Ein¬ 
tritt 6 er oben gefchiI 6 erten Berhältniffe im fö. 3 a h r h u,l ^ cr t ftattgefunben un 6 jmar 
waren es 6 ie Päpfte pius II. un 6 Siptus IV., 6 ie Befrete jur Erhaltung 6 er 
Benfmäler erließen. 3 n ^ranfreidi begann man 6 ann nach 6 er Beuolution jur 
( 3eit 6 es Empire mit 6 er Benfmalpflege un 6 baute fte 6 urd> (ßefefegebuug im 

19. 3ahrhun6ert weiter aus. 3 n Beutfdjlanb war es juerft Reffen, 6 as 6 urd? 
(Sefeß pom 2.3»b 1902 eine ftaatlidje Benfmalpflege febuf, ihm folgten 6 ie übrigen 
Bun 6 esftaaten. ^ ut Unterftüßung 6 er Benfmalpflege wur 6 en 6 ie ftaatlicben 3 n= 
oentarifterungen 6 er Kunft 6 enfmäler in 6 ie tPege geleitet un 6 jum Beil in ein 



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*06 — 


_-BK .- seinen preußifdjen Prooinjen unb in' 

jt f .. . ■ ^ \ I; BctüsJ perfdßebenen Bunbesffaaten fdjon abge* 

/ ■ ||j ______ fdjloffen. ZTCehrere Staaten tote $ranf* 

( | jfji ' rei df, 3talien u. a. tjaben auch Kus= 

1 \ J fußroerbote für Kunftmerfe erlaffen. 

| | Kud? bet uns in Baben finb Me Beßre- 

| | bungen jum Schüße ber Ijeimifc^en 

| | j Kunftbenfmäler aufgenommen roorben. 

| | | Die 3 noentarifation ber Kunftbenfmäler 

H lg ' fr : Ijatte bereits mit bem *887 pon ^ranj 

i ; 3 £aoer Kraus herausgegebenen *. Banb, 

I ber ben Kreis Konftanj beljanbelt, 

- - ..._j___ _._ l . begonnen, nachher« bie Borbereitungen 

für bie firdjlicfyen Benfmale mit bem 
\ F~* 3 a h re *88* burch Kraus unb für bie 

\ / toeltlieben burch ben Ieiber bereits in 

*L. „/ Bergeffenheit geratenen talentoollen 

_ Hk nuu ©otifer Hebtenbacher feit *88<* (Kebten- 

t. iftre tm alten Ratbauie bacher ftarb fchon * 885 ) getroffen toorben 

tparen. Biefe 3 npentarifationsarbeiten 
finb bei uns noch nicht abgefefyloffen; es fehlen noch bie Bänbe ^retburg (Stabt), 
Bejirf Baben-Baben unb BTannhcim. 

< 3 ur Ausübung ber praftifdjen Benfmalpflege finb Benfmalpfleger bejtp. 
Konferpatoren befteüt, eine Knjaljl Berorbnungen finb erlaffen. IDir bürfen uns 
jebodj barüber feiner Cäufchung fyingeben, baß bie jum Schüße ber Benfmäler 
feitljer getroffenen BTaßnahmen ausreichen! <5 a,ar funn man bie im Befiß bes 
Staates, ber Kirche unb ber großen Stabte beftnblidjen im großen unb gansen 
als gefiebert anfehen. 3^ fage abjtdjtlicfy „im großen unb ganjen", benn Me 
gegempärtigen fdjlimmen feiten bergen auch ba große ©efafjren in fidj; idj erinnere 
nur an bas noch immer ungemiffe Sdjidfal ber ehemaligen größtmöglichen Schlöffet 1 . 

' 3 mmerljin fann man menigftens einigermaßen über bie im öffentlichen Beßß 
befinblichen Kunftmerfe beruhigt fein; es foO batjer heute Kbcitb uidjt unfere Kuf= 
gäbe fein, uns mit bem Schüße biefer Benfmale in unferer Stabt 5U befaffen. 
Hchmen u>ir an, baß ße bie Pflege unb ben Schuß genießen, ber sur < 3 cit immer 
möglich Uh unb h°ff cn u>ir, baß ipo mir glauben, Urfache jum <3meifeln 5U hüben, 
mie 5. B. bei gemiffen unerfeßlichcn Bauteilen bes im Bcftß bes Staates befinblichen 
Basler b)ofes ober bem fchlimmen ^uftanbe bes Kaufßaufes, bes Peterhofes, bes 
3 «nenbaues bes Jüenjingcrhaufes u. a. im Beftß ber Stabt menigftens ber gute 
IDUIe jum Beffern porhanben ift, unb baß biefer gute IDille troß ber feiten Hit- 
gunft ßd? in nicht ferner ^eit in bie Cat umfeßen mirb. 

1 ifeute gefiebert. 


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\07 



2 . ^cnftcrgritppc im alten Hatbauje 


IDir menben uns melmehr heute Abenb Öen im privaten, bürgerlichen Beftß 
befinblichen Bcnfmalen ju, öie ja weit mehr, 5 U allen feiten unö naturgemäß erft 
recht in Öen unferigen, gefäf?röct ftnö als öie anöeren. 3<h fann 3h ncn * m Ber* 
laufe eines Für je n Bortrags feine umfaffenöe Aufjählung geben, was alles in öer 
Stabt unö öeren Umgebung ju fchütjen ift an Straßenbilbern, fjausbauten, Einjel* 
heiten am Ejaufe wie Portale, (Türen, ^enfter, unö ^enftergruppen, figürlichem 
Schmucf,. an UTöbeln, fjausrat, Bilbern, ^amilienerinnerungen, an Bäumen, 
Bilöungen öer Halur, Canöfchaftsbilöern uff. Bas mürbe Öen Hahmen eines 
abenölichen Bortrags bei weitem überfchreiten unö Sie auch öurch oielfachc IDieber* 
holungen ermüöen. 3 ^? will mich im ©egenteil befchränfen, 3 h ncn an einer 
jaljl oon Beifpielen öie Abftchten öer Benfmalpßege ju erläutern, an l)anö öeren 
Sie bann leicht in öer Sage fein werben, für weitere ^äüe ft d} ein Urteil ju bilöen. 
3ch werbe nachher bei Borführung öer £icbtbilber 3h ncn jeweils öie entfprechenöen 
Erläuterungen geben, unö ich habe mich bemüht, jum (Teil folche Beifpiele aus* 
juwäljlen, öie noch weniger befannt finö unö auf öie man gemeinhin weniger 
achtet. 

Bet>or id? 3i? nen öie Cicbtbilöer jeige, feien mir nod? einige Ausführungen 
allgemeiner Uatur geftattet. 

3m UTai {566 jerftörten öie ^reiburger öas oberhalb öer Stabt auf bem 
Sdjloßberg gelegene Burghalbe*Schloß, öas einer öer fchönften unö fefteften Sitte 
in öeutfehen Canöen gemefen fein foll. ^reiburg hörte öamit auf, Hcfiöenjftaöt ju 
fein, ein Umftanö, öer für öie bauliche Entmicflung jmcifellos oon großer Be* 
öeutung geworben ift. &war hatte es ju öer < 5 eit, als öie i)errfd?aft feiner ©rafen 
gebrodjen Würbe, fefjr unter öeren Utißmirtfcbaft ju leiben gehabt, aber ein fo 


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\08 — 



5. ^cnjtcrpfcücr 
aus einem I?auic in 
SebufterftrafK 


bebcutenber piaß mic ^reiburg, ber als 
DTarftort am ©berrfjein feinesgleicben 
fucfyte, fyätte unter einer eigenen £)en> 
fdjaft ober als freie Stabt tuofjl eine 
oiel bebeutenbere (Jrntmicflung erlangt mie 
als fjauptftabt ber rorberöfterreiebifeben 
Canbe unter ber t>erfd?Iafenen öfterreicfyi* 
fcfyett ©berfjofjeit. Das fönnen mir an 
bem Derglcid) mit ber Hacbbarftabt Bafel 
ober mit Heineren fübbeutfdyen Heftbensen 
mie XDürjburg, Bamberg ober (Trier 
fefyen. Dort in ben sum (Teil fleincren 
Stabten überrafebt uns bie ^ülle gro߬ 
artiger, bominierenber Bürger* unb Hbels* 
bauten, bie oielfadj mie Schlöffet als 
umfangreiche Paläfte in ben Straßen 
ftefyen. Hnbers fyier in 5 re iburg. Die 
<5at?I berartiger Bauten ift bei uns flein. 
<3mar Ratten bie umliegenben Stifte unb 
Hbteien ifjre f}öfe in ber Stabt, auch 
bas Basler Domfapitel ermarb ftd> nach 
feiner Uberfteblung ein großes Hnmefen, 
ben Basler f?of, uerfdiicbene 2lbelsge= 
fdjledjter ber Hmgegenb Ratten itjrc Stabt* 
fyäufer, bie jum Ceil jefet nodj in ifyrem 
Befttj ftnb, mie bas Hnblamfdte fjaus 
in ber f)errenftraße, bas Kagenccffcbe in 
ber Saliftraße, bas Sicfingenfcbe jefet 
großfjerjogtidje Palais ebenbafelbft. 2tud> 
ber Deutfcfye Hitterorben baute ftdt bort 
ein palaftartiges f)aus, aber im allgemei* 
nett ßnb bas 2tusnafymcn; bas ^reiburger 
Bürger* unb Patrisierfyaus mar befebei* 
beneren Umfangs, bie (Errichtung eines 
Dorneljmen Sißes, mie ifjn IDenjinger 
für ftcfy fdjuf, eine Husnafyme. IDenn 
mir alfo ber ^füUe bürgerlidter 2Tionu= 
mentalbauten entbehren, moju ftd) auch 
nod) ber Umftanb gefeilt, baß bie Klöfter 
in unferer Stabt trofe jum «Teil bebeuten* 
ben Heicbtums baulich ficb in befdieibenen. 


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109 — 


©rcnjen hielten, fo fjaben mir dafür anbererfeits 
eine grojje <3ah 1 Föftlicf^er bürgerlid?er Kleinbauten 
unb eine reid?e Kusmahl licbensmürbigcr Detailbil* 
bungen an benfelben. ^reiburg ift alfo trofebem reich 
an alter Kunft, trenn es auch nicht immer monumen» 
talc Krdjiteftur ift, riclmeljr ftcb unfere Kltoorbern 
meljr mit beljaglidjer ftnniger Kleinarcbiteftur mit 
fd/önent Detail in Iiebensmürbiger Knorbnung begnügt 
haben. 

3 erinnere fjicr an bie grojje < 3 atjl fd?öner 
Stcinportale unb Haustüren in allen Ceilcn ber Stabt, 
an bie oft in ganj fd?lid)ten Steineinfaffungcn Rängen® 
ben reiäroUen fjoljtürcn, an bie jicrlidjen 0 berlidjt= 
gittcr über Oren unb ^enftern, an bie nod? jum Ceil 
aus gotifdjer <^cit ftantmenben 3 », ^ unb öteiligen 
^enftcr mit reichen Steinumraljntungen, profilierten 
unb rnclfad? panierten Socfeltt, an bie ^enftergruppen 
mit inneren jierlicfjen unb reichen ,fenfterfäuld?en unb 
Pfeilern, an bie prächtigen <£rfer, bie frönen Baifon- 
gitter, Dadjftmfe, IDappenreliefs unb an ben leiber 
nur noch f*h r fpärlich an 5 utreffenben figürlichen fjaus- 
fehntuef. «Einem anberen beliebten fjausjicrrat, ben 
IDafferfpciern, h a t fdton im 3 ahre i<70 ber Bcfucb 
DTarie Kntoinettens auf ihrer Brautfahrt nadj ^ranf- 
reich ein «Enbe gemacht. Damals ging man aud? baran, 

um bas £)erj ber Kaifertocbter 5 U erfreuen, ben • 

farbigen Knftricb ber f}äufer ju befeitigen unb ihn burd) tpeijj ober hellgrau 511 
erfe^en. H)ir müffen uns nämlich bas alte ^reiburg in fehr farbig*fcftlicber Stimmung 
benfen. Klienthalben an alten fjäufern entbeeft man unter ber fpätcren Ondje 
ben farbigeu alten Knftrich- 3 m DTittelalter tparen bie fjäufer nteift meijj ober 
hellrot in ben Put>fläcben geftrichen, bie Krchitefturteile, Ecfquabern uff. fräftig rot 
mit fchmarjer ober roter £inien= unb ^ugenteilurtg. <3ur f 3 e b bes Barocf ftrid> 
man aud? bie gan 5 en flächen bunfelrot, gelb, graublau. Kber auch wohl ^affaben- 
malcreien tparen oorhanben, obwohl mir hierfür faum Hnhaltspunfte, nur Blut» 
mafungen h^ben. So ftnb in alter <3eit bie Klte Hnipcrfttätsbibliothef ober bas 
gegenüberliegenbe 3 e fui tcn folIcg ohne ^affabenntalercien faum benfbar. 3 n »teuerer 
^eit fommt bie ^reube an ber ^arbe auch micber h»cr unb ba 311 ihrem Hed?t, 
unb in unferer armen <3eit, mo tpir uns jeben Kufmanbes an Scbmucf unb 3» crra t 
in Stein ober anberem teuren DTaterial entfcblagcn, mo mir fo cinfadj mie möglid> 
bauen müffen, befiljen mir in ber ^arbc ein oorjüglid?es Büttel, unfere Bauten 
oor Cangemeile unb 2 Irmfeligfeit ju bemahren. < 3 u bem nod? erhaltenen figürlid?en 



2IU5 5er Ijcrrcnftraftc 
(€a5encinbau neu) 


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Original frnm 

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Uo — 



5. (Ecfc Haider- uitfc ycrtf>ol^traf»c 


Sdmiuef 6er i^ausfaffaöen muf xd} itod? einige IDortc nad/tragen. Überaus finnig 
u»6 ^erjcrfrcueitö mar 6ie Gepflogenheit unferer Poreltetit, an ihren Käufern bie 
Bilber ihrer Sdjutjpatrone 06er 6er Gottesmutter anjubringen un6 6amit i^aus 
un6 ^amilie unter 6en befonberen Schub unb bie befonbere ^ürbitte bes ober ber 
Bctreffenben 511 (teilen. Diefe Silber mären entmeber plaftifcb als ^igurett unter 
fkinen Balbadjinen, Heliefs in Stuef unb Stein ober auch gemalt auf f)o!j, BTetall 
unb Ceinmanb ausgeführt. Gattj einfache fd^Iidjte Raufer erhielten burd? foldj ein 
Bilb, gan5 abgefeheu non ber tiefreligiöfen Bebeutung bcsfelben, eine fünftlerifdje 
Bote, einen tjerrlidien Scfymucf, ber fte ausjeidjnete unb ihnen Beachtung fictjcrtc. 
Bas Kunfthanbmerf, Blaicr unb Bilbfyaucr, fanb babei Iotjnenbe Aufträge. IPir 
bemunbern anbermärts, 5. B. in Bamberg ober IDürjburg bie grojje 
itod) erhaltenen BUber- unb ^igureitfdjmucfes ber Bürgcrhäufer. Hamentlkh bie 
Stanbbilber ber heiligen 3 ungfrau ftitb bort niclerorts aiijutreffen. H?ie aber ficht 
es bamit hier bei uns aus? (£s mären bis in bie jüngfte ^eit an prinathäuferit 
etma nod> ein Bubcnb Heiligenfiguren erhalten, barunter einige bebeutenbe Kunftmerfe 
non IDenjingcrs ober feiner Sdjülcr H an ^j audj .aus &em Blittclalter ftammte 
noch &<*=■ eine ober bas anberc Bilb. 3 n 5 u, ’fd?en banaler Büblidifeits- unb 
Gcfdiäftsjinn unb bie Küljrigfeit ber 2 lltcrtumshänbler bebeutenbe £ liefen iit biefen 
fleiiten Beftanb geriffen. So uerfdimanb eines (Tages in Untcrlinben bie alte gotifdjc 
Blabonna, bie bort 3 a ^ r ^ un ^ cr i° lang treue IPadit gehalten unb ^freube unb £eib 
mit ben llmmobnerit geteilt hatte, unb ihr folgten r*or menigen BTonaten bie bcibeii 


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Original ftom 

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fd)öncn Kofofo^iguren am fyiufe Hufjmannftrafje \ 5 . iUir tüill f deinen, baß 
aud? bie übrigen Figuren in Prioatbanb burcb ben (Eifer ber 2 luffäujer unb 2 lnti= 
quitätenljänbler bebrotjt finb. IHöditcn ftdj bod? bie 23 efttjcr flar mad?en, baf? 
biefc ftimmungsuollen (Erinnerungen an alte ^eit ifyren Raufern eine gatt5 anbere 
23 eacfytung unb einen ganj anberen IDert ftcfycrn, als bie paar Papkrfdjeinc be- 
beuten, bie tjeute eingenommen, morgen bei ben teuren feiten fdjon toieber fyinaus 
geflattert finb. Das befte <£>cfd>äft bei foldjen 2 lnläffcn macht nie ber £}ausbeft0er, 
fonbern ber 2lltertumsl?änbler, bem es mit ftanbljafter Überrebungsfunft gelingt, 
ben 23 eftfeer mürbe ju niadjen. iTlit ftiüer IDefymut ftcljt man jefet bie fallen 
Stellen, tt>o früher fdjöner ^igurenfehmuef ftanb. ^mar haben bie Hnterlinbener 



o. Da? 2litMairfd?c flau» in ^cr Jicrrcuitrafrc 


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meiner Anregung jufolge ftd? ein .neues 
UTuttergottesbilb befdjafft, aber es ift flar, 
fo begrüjjensmert bas an jtd> ift, bas alte 
ift bamit nidit erfefet. IPir ipolleit hoffen, 
baf| pietätpolier Sinn uns uor weiteren 
Perluften bemaljrt, unb mir ben fleinen 
Heft beljalten, bie Uluttergottesbilber am 
Arbeiter ^Bilbungspercin Cömenftrajje \ 6 , 
am -fjaufe Kaiferftrafje 50 , in ber 3nfel- 
unb HTarienftra§e, bie Figuren bes fyl. 
Hepomuf bafelbft unb meniges anberorts. 

iPenn mir beit alten fjausbau uufercr 
Stabt betradjten, fo bürfen mir ben i?olj> 
bau nid?t pergeffen, ber jmar heutigen 
Cages feljr in ben f)intcrgrunb getreten 
ift, im früheren UTittelalter aber faft bie 
Hegel bilbetc, im fpätcren menigftens 
noefy Ijäufig anjutreffen mar. Sie alle 
fettnen bie HTünfterbaufyütte, bie beute 
bas in bie 2 lugcn fallcnbfte Beifpiel ift. 
Unferc fjoljbaufunft gehört ber fränfifdjen 
Baumeifc an, mie mir fie in ben Cänbern 
am Hljeiu, in bem HTain- unb 5 Eaubcr= 
gruub unb im ©Ifafj porfinben. Hidjt 
mcit pou uns, bereits im fyofyen Sdimarj- 
malb, beginnt bas ©ebiet bes alcman- 
nifdjen l)ausbaues, um ganj Sdjmaben, 
aber audj Bayern unb felbft einen ©eil pon ^raufen 511 umfaffen. jntereffant^ 
Bedienungen entfteljen in ben ©renjgcbieten, unb aud? l)ier in ^reiburg merben 
mir Burd? freujungen beiber Bauarten in alter .Jcit permuten bürfen. Ber Unter» 
fdjieb in ben beiben Uoljbaumeifen, ju benen fidj als britte in ben norbbeutfdien 
Cänbern nod? bie fädjfifdie gefeilt, befielt in ber Hitorbnung ber ©ebälfe, bereu 
Ixraguitg unb por allen Bingen in ber ©eftaltung bes Stänbermerfes ber ©efadie. 
~Sd? fann hier uidit meiter barauf entgegen, ba bies allein einen Portragsabcnb 
füllen mürbe, ©enug, mir fyaben es hier mit ber fränfifdxen Baumeifc ju tun, 
unb jmar finben mir ben tjoljbau in ber Hegel auf cim ober meljrftöcfigem 
maffipen Unterbau crridüct. So auf bem HÜinftcrplatj an ber ©de ber Uiüm 
ftcrftrafje einftödig, äljitlidi in ber Hujlmannftrajjc, ber ©erberau unb anbermärts. 
©inen meljrgefcbofftgen Uoljbau auf Steinunterbau febeit mir ©de Kaifer- unb 
Bertbolbftrafje beim f)aus jum Freiburger. Bie löoljbauten ftnb jetjt meift überpufct, 
bas rührt aus ber ^eit bes Spätbarocfs her, als man bie ^cnftcrftöcfc in beu 


7. portal au» ber $iicnbabnjtraftc 


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U5 - 



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m - 



9. (Zeit einer Stueffeeefe, Cötrenftrafte J6 


Käufern peränberte unb in gleite Kdjfen verteilte. Da mußte man mit 6cm 
i>erblciben6cn Stänbermerf nichts anbcrcs anjufangen als es 511 perpußen. Sehr 
berechtigt ift ja mol)! h cut 3utage 6er IDunfd?, 6as alte ftoljmerf mieber freijm 
legen. Klan ftcljt 6as aud? anbermärts piclfad> burdigcfiiJjrt; bei uns gefdial) 
es an bem fdjon ermähnten ftaufc <£cfe Dlünfterplafe unb ITCünftcrftraße. Dod> 
ift babei ein Umftanb ju beadgen: man muß bie ^enftcr mieber in ben alten 
.^uftanb perfeßen fömten. (Belg bas nid?t an, fo lägt man beffer bie lianb bapon, 
benn fonft entgehen unerfreulidje Silber. 3 c ^ en f a ^ 5 ift ber Kat eines erfahrenen 
' Saufiinftlers unb Kenners in foldjen fällen unerläßlich, KTöcbtc es gelingen, 
mit ber <3eit noch c * n ober ^ cn anberen beugen alter ftoljbaufunft in perftänb 
nispoller IDeife freijulegeit. 

IDie gefagt, tparen in ber frühmittelalterlidjen <3cit bie Käufer meift 17015= 
bauten, (getrennt mären fie aber burd) mafftpc Sranbmauern, bie, in ber älte= 
ften , 3 eit pielfacb in ^elbfteinen errichtet, an ben Stirnen gequabert unb mit 
fdjrägem Knlauf, ber Stanbfidjerheit unb Pcrftrebung tpegen, perfchcit, meift piel- 
fachc Sauperänberungen überftanben haben 5. S. am bfaits jum (Sauch, jefct 


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JDagnerfchc Bu<hh<mölung. Dicfe Branömauern nebft Öen Kellern geben uns 
häufig noch allein einen Knljalt über öas frühere unö urfprünglid^e Kusfetjen öer 
Raufer. JDir fönnen öa oft feftfteüen, roie heutige gröferc f}äufer, tote 5. 3 . 
öas fjeröerfcfye auf öer Kaiferftrafe oöer öas öanebenliegenöe öer 2 t. €. G. früher 
aus 5u?ei Heineren beftanöen, mie ja überhaupt öie Parjellierung innerhalb öer 
engen HTauerringe öer Staötbefeftigung eine fetyr flehte unö pielgeftaltige mar. 
Sie miffen, meine Damen unö Herren, öaf bei uns öie alten Strafenjüge ein fo einfyeit* 
li<hes unö feftumriffenes Bilö jcigen, unö öas rührt öaljcr, öaf öie Raufer öurcfytoeg 
öie ©raufe nadt öer Strafenfeite 5U gerichtet Ijaben unö an Öen. urfprünglidj h oc h 
mit Staffeln über Dacb geführten Branögiebcln aneinanöergereiljt marcn. Die 
Urfad^e Ijierpon ift meines (Erachtens öie, öaf öie Dächer urfprüngltdj mit Stroh 
geöecft mären unö es öa^er öer ^euerftcberbeit mcgcn untunlich mar, öie Giebel 
nach öer Strafe unö öie ©raufe nach fleinen jmifchen Öen Raufern befinölid^en 
©raufgäfdjen 5U richten. <£s ift nun feljr ju beöauern, öaf h cute in mifperftan* 
öener IDeife öie alten Strafenbilöcr öurcb Giebelbauten jerftört meröen. 3 ^ ®tü 
öie Giebelbauten nicht öurcbmeg oeröammen. (£s gibt ^alle, mo fte öurdjaus 
gerechtfertigt finö: aber in öer £)errenftrafe 5. B. märe es eine Sünöe, ein Giebel¬ 
haus 3mif<hen öie gemächlich aneinanöer gereihten £)äufer 5U fcbieben, unö öas 
gilt noch für manch anöere Strafe öer. Stabt. U)ie einheitlich fah noch bis por 
menigen 3 a h r 5 c ^ n l cn bie Kaiferftrafe aus! Kein pernünftiger HTenfch, feine per- 
nünftige Denfmalpflegc mirö Heubauten auch in Öen alten Staötteilen ausfchliefen 
mollen. Das hiefe Unpernünftiges erftreben unö öem ^ortfebritt öie ©ür per= 
fd^liefen. Kber perlangen fann man, öaf ftch Heues h ar *nonifch einfüge unö 
öaf es Kücfjtcht auf Borhanöenes unö öie Umgebung nehme, fürs, öaf fich nicht 
3nöipiöualismus unö rücffichtslofes profeentum öa breit machen, mo liebes unö 
einfaches Ulte öaöurch gefchmälert unö auf öie Seite geflohen mirö. 3 ^? meröe 
nachher an i)anb öer Cidjtbilöer noch öarauf surüeffommen. 

3 m 3 nnern unferer alten Käufer treffen mir auf bemerfensmertc Stein« unö 
^olstreppen. Bis ins \ 7 . 3 nhrh un öert hinein mar öie tDenöeltreppe, öie Schnecfe, 
aus Stein oöer t}olj, öie ©reppe öes grofen unö fleinen Bürgerhaufes. 3 n 9anj 
fleinen Derhättniffen fanö ftcb pielfach auch ein fteiles geraöläufiges Crcppdjen. 
(Ein Beifpiel einer Schnecfe in fleinem ijaufe finöen Sie am Dienerhaus öer 
Sparfaffe gegen Öen Kartoffelmarft. Grofe Spinöeltreppen h a ben mir aufer an 
unferen grofen öffentlichen Bauten mie Kathaus, Basler i)of, alte Uniperftät 
uff. noch in manchem prioathaus, u. a. im i)aufe £)erber, im £)aus 5um £)erjog 
in öer Saljftrafe unö anöeren ©rte. Prächtige f}of5treppen h a b en uns öas 
17 . unö ^8.3nh r h u nöert hinterlaffcn. <£s finö leiöer f<hon eine ganse Knsahl öapon 
perfchmunöen, fo aus öem f^aufe jum Kinö 3 e f u « bem heutigen Ganterbräu, 
unö beim nicht tief genug ju beflagenöen Kbbrud? öes Kapferer’fdjen Kaufes <£cfe 
Kaifer» unö Salsftrafe. ^öffentlich befebirmt uns ein gütiges Gefchicf Öen Heft, 
fo im Urbeiterbilöungsperein, im Kopf, im ^cucrftcinfd>en Jiaufe in öer €ifen= 


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bal)nftrage, im fjaufe ber 2 t. <£. ©. Kaiferftrage 44 unb in Dielen anbeten fjäufern, 
bie id) 3 t?ncn nid)t alle aufjäfjlen fann. IDie fel)t mir heutigen Cages in ber 
Baufultur hinter unferen Doreltern jurücffteljen, 5eigt gerabe ber Dergleid) ber 
alten Creppen mit unferen heutigen. ©in lei)treues Beifpiel bietet mieber bas 
6aus Kapferer ©efe Kaifer- unb Saljftrage. 

2 luger ben Creppen ftnb in Dielen Raufern bemerfertsmerte, ja prächtige Stucf- 
beefen 5U finben. Die ältere ^oljbecfe mar l)ier meift fel)r einfad). Beifpiele ftnb 
im fjaufe Krebs auf bem HTünfterpla^, im großen UleYetljof in ber Sa^ftrage. 
Dagegen meift bie Stucfbecfe aus bem 18 . 3 a f?U?unbert eine groge HTannigfaltig* 
feit auf. ©üd)tige Stuffateure muffen l)ier an ber 2 trbeit gemefen fein, unb 
mand) fd)lid)tes £)aus birgt ba einen Heid)tum, ber ftd) oon äugen nid)t uermu* 
ten lägt. So bas f?aus Kaiferftrage 50 mit flotten Kofofo=Decfen, Cömenftrage \ 6 , 
bas fd)on genannte L)aus 5um fje^og, bas ^euerfteinfetye fjaus, bas Kagenecf* 
fd)e £jaus in ber Saljftrage unb Diele anbere. 

2tlter bjausrat, alte ^amilienbilber Ijaben ftcb in Dielen ^amilien erhalten. 
Ceiber ift aud) ba ber 2tnrei5, $u Derfaufen, bei ben gegenmärtigen l)ol)en Preifen 
grog. IDer aber auf ben ©elbmert gel)t, follte erft red)t jegt nid)t Derfaufen, benn 
ber IDert fteigt nod) meiter. 2 tlter £)ausrat mirb immer feltener; HTufeen, Sammler 
l)aben fdjon fooiel aufgefauft, bag bas, mas noch in Prioatfyanb ift, naturgemäg 
immer l)öl)cren IDert erhält. Unb melcbe Pocftc, ^meldje Bel)aglid)feit geljt Don 
fold)’ altem ^amilicnbeft^ ausl Das ftnö bod) aud)*2Dertc, bie nid)t auger Betracht 
bleiben burfen, namentlid) nid)t in unferer <3eit. 

Der alte ^reiburger befag $u feiner (Erholung oor ben Coren ber Stabt einen 
©arten ober aud) ein Hebftücf. bjier erbaute er ftd) ein ©artenljaus, ein» ober 
5meiftöcfig, in bem er ben Sonntag* Hadjmittag ober ben 2 tbenb an fd)önen Sommer¬ 
tagen uerbradjte. Solche ©arten* unb lDeinbcrgl)äusd)cn ftnb l)ier eine ganje Keil)e 
erhalten. So am Sdjlogberg, Stabtftrage 2, im 2 lnmefcn ber barmfyerjigen Sd)meftern 
an ber Sautiejftrage mehrere, ferner am 2 tTeifenbcrg unb anberen ©rtes. Seljr 
Diele ftnb oerfdirounben, gnb ber Stabtermeiterung unb bem Unuerftanb ber Dillen* 
erbauet, bie mit ben alten Räuschen im ©arten nid)ts anjufangen mugten, jum 
©pfer gefallen. Unb bod) gibts nid)ts Schöneres im ©arten als fold) ein altes 
f)äusd)en, bas als ©eeljaus ober ©artentjaus nod) feinen §vot.d erfüllen fann, 
unb bas bem, ber feine Sprache oerftef)t, in ftillen träumerifdten Stunben Don ber 
2 UtDorbern ^rcub unb. €eib 5U er5äf)len meig. — IDenn cs Ijod) fam, fo beljnte 
Dtelleicbt bie ^amilie einftmals iljren fonntäglid)en Spajiergang bis 5um „Sdnff" 
ober ber „Stabt XDien" aus, mo bann fd)ön gefd)miebete K>irt 3 l)ausfd)ilbct jur 
©infefjr einluben. Das Sd)ilb ber „Stabt IDien" mürbe beim Heubau erhalten. 
Ceiber begleit mir fonft nur meniges nod) in unferer Stabt, mel)r in ber Um¬ 
gebung; aber es märe fet)r ju begriigen, menn bie alte Sitte mieber in Übung fäme 
unb ben Herren ©aftljofbefitjcrn fei ge hiermit männftens ans f^crj gelegt. 


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— u~ — 



10. tfau& liapfcrer, fccfc Halfer- unb Sahftrafje (abgebrochen) 


Hun märe noch gar manches über bie «Erhaltung 5 er Haturbenfmäler 5U 
fagen; fcfyon 6er alte ^riebfyof, 6er Ifunft un 5 Hatur in fo fyarmonifdjer, reij- 
polier IDeife ocrcinigt, fönnte einen Dortragsabenb füllen. 3dj muf midj auf 
rnenige Hnbcutungen bcfcfyränfen unb möd>te 6ie Anregung ausfpreeben, baf pon 
berufener Seite, picllcidjt in ettpas größerem ^ufammenfyang, über 6ie Hatur- 
benfmalc gerebet tpirb. 

Sie alle, meine Damen unb bjerren, miffen, baf unfere Stabt bis in unfere 
Cage fyittein inmitten pon Hebbergen unb IDcingärtcn gelegen mar. Der Sd?lof= 
berg befttjt im Hebgut Sdjönccf noch einen ftattlicbcn Heft bapon, unb tpie ftdj 
jefct noch um fjerbern bic Hebgärten fyinsiefyen, fo ehemals aud? am Sdjlofbcrg 
unb rings um bie Stabt, jn ben Heben ftanben Hprifofcm unb Pfirfidjbäumc 
unb anbere ©bftforten, in ben ©arten fafy man Hufbäume unb ©belfaftanien 
neben Hirfd>= unb Pflaumenbäumen. IDie ftebt cs nun fjeute bamit aus? Die 

öaMfcfce Heimat. 3—4 8 


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Xcbberge finb naturgemäß ber Stabtermeite* 
rung junt ©pfcr gefallen; ba, rno bas nidjt 
ber ^aü mar, 5. 23 . am Sdjloßbera, Ijat man 
Einlagen angepflattjt, aber Sie finben bort 
feinen ber vorgenannten Bäume meljr, fonbern 
in ber Bauptfadje Cannen unb Birfen, als * 
menn mir auf bem l}odjfdjtvarjmalb in 
(OCX) ober meljr Bieter t)öfje lebten. Bann 
bat bie Borliebe für bie Bob- unb IDeifj- 
tannen, bie Särdjeit unb Kiefern auf ben 
THllenbefifeer abgefärbt, unb oljnc Sinn unb 
Perftanb Ijat er feinen ©arten bamit bevöf 
fert unb ifjn mit ^elsgrotten ausgeftaltet. 
Unfere Berge um bie Stabt tvarett e{jemals 
mit Ijerrlidjen Budjen^ unb ©idjentvälbcm 
beftanben; aber audj Ijier tvill mir fdjeinen, 
baß bie «Tarnte ftdj ungebiiljrlidj viele ©ebictc 
erobert. So fann bie Batur burdj ben Bien* 
fdjen vollfontmett umgcftaltet merben, eine 
©egenb, eine Sanbfdjaft ein ganj auberes 
©eftdjt bekommen. 3 dj frage Sie, ftnb mir 
gegenüber ben alten feiten Ijierin in ber 
Kultur voraitgeFommen, tvenn mir ftatt 
Bußbäutitett. Cättnle unb ftatt ©belfaftanicu 
Birfen pflanjcn? < 3 um tobe ber Stabt fei gefagt, baß fte an ber IPintcrer* unb 
Sdjötteefftraßc 511m Ceil Kaftanien gepflanjt Ijat. l)icrin, meine Barnen unb Herren, 
fönnen mir alle praftifdje Baturbenfmalpflegc treiben, menn mir in unferen günftigeit 
Sagen bas pflanjen, tvas bortljin geljört. Baß mir baneben fdjönc alte Baumgruppen, 
mie j. B. um bas fyüligenfianbbilb bei ber Kartljaus, bie prädjtigeu alten ©idjen auf 
bem Stationsmege ttadj St. ©ttilien, vor bem Kinberfoolbab in ber (Turnfeeftraße, 
bei bettt Kreuj in ©üutcrstal unb anberen 0 rtes fdjonett, ift moljl felbftverftänblidj. 
Seiber bat man vor bem Kreuj in ©iinterstal einen piafe angelegt, als menn man 
bort größere Polfsvcrfammlungen unter freiem bjimntel abjutjalten gebenfe unb bamit 
ben genius loci arg mißljanbelt, unb baß man bas Kreuj, tveldjes uns an ber 
Strafe ttadj Seljctt an bes Blefegers £)auri fjelbentat uttb an ben «Tob Kourabs 
von Sidjtenberg erinnert, itt eine 21 rt Kapelle geftellt uttb bamit bie feine Silljuette 
bes alten Baumes jerftört bat, ift audj ein ^all, um beit ftdj bie Bürger hätten 
fümntern fallen. 

Sdjtver bebrobt bei ber Koljlcnnot ift fo mandjer fdjönc Baum in privat- 
beftft. 2 lUenttjalben fieljt man in ben ©ärten Ifolj fällen. Solange man ftdj mit 
bem Bieberlegen von (Tannen begnügen mürbe, märe tiidjts bagegett ju fagen; 



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aber man fyat fd?on recfyt mertpolle Bäume gefcfyla* 
gen, 5. B. öie alte IPciöe Kempartftrafje, Me Douglas* 

^jidjtc in 6er penfton Knab u. a. boffentlidj bleibt 
uns 6er prächtige alte IPeibenbaum in 6em 
Scfyinjinger t£rben*2lmpefen 5tpifd?en Hlojartftrafje 
un6 £ängenl?arbtpcg erhalten, ferner 6ie alte IPeibe 
an 6er Ziegelei an 6er IPintercrftrafjc, 6ie aller* 
bings eine ^angenoerftrebung 6er Kftc erhalten 
müfjte. 2luf ein feines Haturbenfmal tpill ich jum 
Schluffe meiner Kusfüfyrungett nodi fyintpeifen, 6as 
ift 6ie Baumgruppe mit ba5ipifd?enliegenbem Brun* 
nen oberhalb 6er IPintererftrafje por 6em Kntpefen 
Dr. f)oef. (Sanj italifcfy-füblich mutet einen 6ie 
(Sruppe an. Dafj fte nod? erhalten ift, fyaben mir 
nur 6em Umftanb 511 pcröanfen, bafj 6er öort 
geplante Heubau infolge 6er (Teuerung nicht gebaut 
mur6e. Jdt meine, es follte fidi crntöglidien laffen, 

6iefes einzigartige Denfmal aucfy bei Überbauung 
6es Planes 51t erhalten, un6 id? lege 6em i)crrn 
Konferpator audj 6ics ans f)er5 mit 6er Bitte, 
ein tpadifamcs Kuge 6arauf 511 Ijaben. Knbere 
Haturbenfmale in ^roiburg un6 nädifter Umgebung 
ftn6 6as HTösle, 6ic IPctterbudjen auf 6em Kyb* 
felfen, 6ie Inmbertjäfyrige IDeigtannc im HToos* 
tpalb, 6ie 2lleran6ereicfyc 6afelbft, 6ie grojje (£id?e 
jtpifdjen £efjen 11116 llmfird?, 6ie IPeiöbudien auf 
6em Sd?auinslanb, 6ic Kenfbudie bei trangacfern, 

Präft6eutenlaube im iPilbtal, 6ic (Ebelfaftanien 6ort, 

6ie €in6en un6 Kaftanien auf 6em Sorettoberg, 

6er <£feu in (£>ünterstal u. a. m. 

3um Sdiluffe nodj ein paar iPorte, meine 
Damen un6 Herren! 3^? fyäbe- 3^? ncn frei meiner ^üfyrung öurdi 6ie Denfmäler, 
6ie 6er bürgerlichen Pflege un6 ifyreni Sdiuü anfyeinigegeben fin6, eine ilnjal^l 
Beifpiele porgefüfyrt, bei 6enen mit 6em nötigen Perftänbnis Schlimmes hätte per* 
hütet un6 Befferes fjätte erhalten 06er ausgefüfyrt iper6en fönnen. Hieman6, auch 
6er gröfjtc Kltertumsfreunb nidit, fann pernünftiger XPeife perlangen, bajj ^ortfdiritt 
un6 Perfefyr por Dingen fjalt madien follen, 6ie ifyr Dafein 11116 iljren ^tpeef erfüllt 
haben. Perlangen aber mufj man, 6af; ftdi Heues 6cm Befteljenöen harmonifdi ein» 
glie6ere, bafj Perän6eruugen an liebgerpor6enem KIten 06er gar an altem Kulturgut 
mit Perftän6nis 11116 Kücf ficht porgenommen iuer6en. XPir haben öie pflidit, unfern 
Kinöern unö <£nfeln alte Kultur 511 permittein, 11116 fyier fann jeöer pon 3^ ncn mit 


12. ttia^nna t*<?r einem Ijaufc 
an fccr „3nfel w 


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J20 — 


arbeiten. IDer an Ultes i>ie fjanb legen muß, ber tjole ftc£? fad?»erftänbigen Kat beim 
ftäbtifcfyen Konferoator unb menbe, ftd? an untcrridjtete ^adjleute. (£r »ertrauc nidjt 
allein auf fein eigenes Urteil, er tut bas ja aud? nicht, rncntt er nur ben fleinften Hedjts* 
ftreit 5U führen gejmungen ift, bei bem weit meniger auf bem Spiel ftefyt. galten Sic 
alten ^amilien= unb Kunftbefttt aud? in unferen fcblimmen feiten beifantmen unb 
miberftefyen Sie ben Codungen gcminnfüdjtiger f^äitblcr. Unb bann nodj eines, bei 
bem jeber mitfyelfcn fann: Sei ber Benutzung alter unb mert»oller neuer Bauten unb 
Dcnfmale befleißigen Sie ftdy ber nötigen Sd?onung unb galten Sie anbere, befonbers 
bie fyeranmad?fenbe 3 ugenb, ba5u an. {Treten Sie ber , 3 erftörungsmut, ber Unacfyt= 
famfeit entgegen. <£s ift oft erfdjrecfenb, mie nadjläfftg, mie unadttfam bie Ulenfdjeit 
mit bem, mas ifynen nidjt gehört, umgeben. Die Seute betreten ein frembes ©ebäube/ 
5. B. bie Sparfaffe, unb getjen mit ben mertooUen Cüren um, als rnenn ftc ©ranit 
unb <£ifen r>or ftd? fyätten, fo rol? unb rücfftdjtslos. Die Scfyuljugenb übt fid> 
überall im ^crfcfylagen unb < 3 erftörcu. Das mar ju feiner ^eit fo. Unfere Ult 
uorbern fyätten uns nidjts »ererben fönrten, mären fte nicfyt pictätooller gemefen 
mic mir, unb felbft ©egenftänbe, bie ben 30 jätjrigen Krieg überbauert Ijaben, 
felgen oft beffer aus als foldjc, bie in unferer <3eit einige 3atjre in ©ebraud) 
maren. ©lauben Sie nid?t, baß idj übertreibe. UTir blutet oft bas f}ei - 5, menu 
icfy bie fträflicfyc Unacfytfamfeit maljrnefyme. Udjten Sie einmal barauf, unb Sic 


merben mir Kecfyt geben. Unb 
befonbers an bie f}crren Sefyrer 
Scfyule ber 3 u$cnb bie Siebe 
unb neuem Kulturgut ein 
(Eltern, fte tjierin in f?äuslid>er 



id) menbe mid> ba nodt ganj 
mit ber Bitte, auefy in ber 
unb bie Udjtung »or altctu 
jupfla^ett, unb an bie 
Untermeifung 511 unterftüßen. 


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Q?o n Mt §u\iut$tt Qfftuntorf 

Pon Dr. phil. ©star ffoffner. 

g ibt es überhaupt noch eine eigentliche ^reiburger UTunbart mit einem 
itjr eigentümlichen IPortfchatj, bafj es ftch lohnt, aus Anlafj bcs 800 = 
jährigen Beftehens 6 er Stabt auch *h r ein Plätjdjen in ber Heitre ber 
^eftbetrachtungcn su mibmen? i}at bod? oor nahesu hunbert 3 oh rcn bet »er* 
bicnftoolle (ßefchicbtsfchreiber unferer Stabt, Heinrich Sdjreiber, in bem pon ihm 
»erfaßten Rührer bie Bemerfung gemacht, ber lebhafte Berfeljr mit ^remben 
unb mit ben höheren Stänben forme bie Annäherung an bie mittelbeutfdjen £anb* 
fchaften habe bie hefige UTunbart fdjon fehr abgefcbliffen unb in bentfelbcn HTajje, 
mie fre ärmer mürbe, auch meiner unb perftänbiger gemadjt. Unb babei meifj 
Schreiber eine grojje Heihc für ^rciburg eigentümlicher tDörter, pon benen bie 
UTchrjahl heute nicht mehr befannt ift. Auch 9*bt es feinen eigentlichen ^rei> 
burger Cofalbidüer mie in Karlsruhe ober HTannheim, menngleich in ^reiburgs 
Blauem mehrere red?t beachtensmertc HTunbartenbid?ter mohnen unb uns fdjon 
mit manch fdjöner (ßabe befdjert hüben. <£benfo fehlt in ^reiburg ein Habler, 
ber mie in f)eibelberg feine unftdübare f)anb fdjühenb über ber heimifdjen HTunb< 
art hält. 

IPcnn Sdjreiber fdjon 1825 meint, bamals pielleidjt bod? noch nicht ganj 
mit Hecht, ba0 eine eigentlidje Bolfsfpradjc bei bem au^erorbentlichen JPedjfel 
ber <£inmohner unb bei bem fteten ^ufluj? pon aujjen nicht hätte auffommen 
fönnen, fo ift bies natürlich jetjt noch piel mehr ber ^all. Bamals eine Stabt 
ron 15 000 (Einmohnern mit faum 600 Stubcnten, heute an bie 90 0 ° ö €in* 
mohnern mit etma ber fedjsfachcn 5 a ht Stubenten, r>on benen im (ßegenfatj 5U 
\825 ein beträchtlicher Ceil aus Horbbeutfchlanb ftammt, mie auch aus bem Horben 
unferes Baterlanbs piele ftch ^reiburg als Huhe* unb Altersfth gemäht hüben. 

Unb hoch hut ftch bie 5 r <üburgcr UTunbart erhalten, menn fte ftd? aud> aus 
bem £ärm ber Stabt in bie Borfgaffen ber Bororte geflüchtet hat. f)ier fann 
man noch eine echte alemannifche THunbart hören, mie man fte bis in bie lebten 


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— [22 — 

3 afjre auch wohl in ben trauten TDeinftuben pernahm, wo ber biebere fjanbwerfer 
fein Schöppchen tranf. 

3n 6 er lofalpoffe ift fie hier in 6 en lebten 3 a h r 5 eh n len mit großem (Erfolg 
perwenbet worben unb in ben ©efprächen ber beiben „f^erbemer" Urbe unb 
Kemigi haben fie großen Beifall erjielt. (Einjclnes baoon ift im Brucf feftgehalten 
worben. (Eine sweite Quelle für bie Kenntnis ber Freiburger UTunbart flofj bis 
nor etwa fünfjeljn 3 a h r en. 3 m bamaligen „Freiburger Pfennigblatt" erfdjien 
eine Seihe pon 3 a *?ren Ijinburdj wöchentlich „B 'Freiburger Stabtbas", 
rporin bie „lene Freimaul, prio. Stabtbas", meift Weitere (Ereigniffe aus Stabt 
unb Umgebung in fyeimifcfyer UTunbart mit fatirifc^em Freimut erjäljltc unb bie 
Fehler unb Sdjtpädjen bes lieben UTitmenfcben in metjr ober weniger urtoücfyfigcr 
XDeife ans licht 30 g unb bem (gelachter preisgab. 

Bon biefer UTunbart, über ihre Stellung in ber Beifye iljrer Seltne ftern, ifjrc 
laut» unb Formenlehre foroie über ihren TDortfchatj einiges mitsutcilen foll hier 
perfucht werben. Keineswegs wirb öabei Bollftänbigfeit erftrebt, fonbem es follen 
nur einige < 3 üge heroorgehoben werben. Kud? möge barauf hmgewiefen fein, baj? 
jebe Stabtmunbart bei ber gemachten unb wecbfelnben Bepölferung nidjt leicht 3 U 
faffen ift. 

Bie UTunbart Feeiburgs ift bas KJ e m a n n i f ch e, im grofen gansen bie Spradje 
f)ebels, ber suerft biefe UTunbart einem weiten Kreife pertraut gemacht hat. Bodf 
bewegt fich bie Freiburger UTunbartenbichtung, wenn man pon einer folgen fprechen 
barf, mehr im KUtäglichen, fte ift nicht gemütpoü finnenb, wie beim Kltmeifter ber 
heimifchen UTunbartenbichtung, fonbem geräufchooller, hat Freube an fpä^igen (Ein¬ 
fällen unb madjt fich gerne über ben lieben Uächften in harmlofer, wenn auch 
manchmal berber IDeife, luftig. 

Freiburg gehört fpradjlich $um (gebiet bes Utcberalemannifchen, währenb 
f)ebel hodialemannifch febrieb. Ber bjauptunterfchicb beiber UTunbarten liegt bc- 
fanntlich barin, ba 0 ber f)odja!emanne bas k im Knlaut wie hartes hinteres ch 
(wie in bach) fpridyt, währenb ber ZTieberalemanne k hat. Bodj geht bie (grenje 
nidjt weit füblidj pon F r ei bürg hinburd?. 3 n leutersberg, bas porn Borort J)as^ 
lad? etwa eine Stunbe entfernt ift, fagt man fchon chind ftatt Kinb. (Ebenfo 
haben bie Freiburger Urfunben bis etwa 5 um 3 a hre 1270 bas anlautenbe ch, 
was als ein Beweis bafür angefetjen werben barf, bafj Freiburg bis 5 U biefer 
< 3 eit im hodjalcmannifchen (gebiet lag. 

Bis um bie TBenbc 3 um 16. 3al?rhunbert war bas Klemannifd?e bie allge= 
meine Sd>rift^ unb Berfeljrsfprache. Bis bahin ftnb alle Urfunben unb amtlichen 
Schreiben, bie oon Freiburg ausgingeu, im alten mittclljochbeutfchen lautftanb 
gefchricben, unb ber berühmte Uechtsgclehrte Ulridj <3afius hat bas Freiburger 
Stabtrecht in biefer Sprache perfafjt. Sie beefte fid? im wcfcntlichen mit ber Sprache, 
bie wir heute mittelhodjbeutfd) nennen. Unb wenn bcridjtet wirb, ber £)umanift 
unb lehrer an ber Freiburger bodifdnile (glareanus, habe feine f)orajrorlefung 


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in beutfdjer Sprache gehalten, fo tat er bies wohl alemannifch, tote er aud? feine 
Briefe in 6 er tjeimifcfyen Sprache fdjrieb. €in f)auptunterf<hieb gegen bas Hem 
fyodj&eutfdje beftetjt befanntlicb barin, baß bie langen taute i, ü, ü noch nicht 
biphthongiert, alfo noch nicht 311 ei, au unb äu geworben ftnb, alfo min — mein, 
hüs — haus, hüser — häuser. Unberfeits finben wir im ITCittelfjocfybeutfcben noch 
Diphthonge, wo fte im Heufjodjbeutfdjeu oerfcfywunben finb. So fagte man im 
Znittelfyocfybeutfdjen lieb (i - 1 - e) alfo 3 wei taute, bann fuoß, müössen, wo wir 
jeßt nur einen Caut fjaben. Dtefen alten tautftanb finben wir noch Ijeute in ber 
Freiburger HTunbart. Dabei erfennt man auch, wie uerfefylt es ift, bie HTunb= 
art als Derftümmelung unferer Schriftfprache an 5 ufetjen, als ob fie nur ein t>er= 
berbtes fjodjbeutfch, ein ZTTifcfymafdj unb Durcbeinanber fei. So hrißt cs in ber 
hiefigen hus aber laufen, wit aber breit, fraid (Freube) aber fründ (Freunb), 
wo bas bjoc^beutfdje immer nur einen Caut Ijat. Dergleichen wir aber bamit ben 
tautftanb im DTittelfjodjbeutfdjen, fo jeigt ftdi, baß biefe Derfdjiebentjeit ihre uolle 
Berechtigung 1jat. Hnferc HTunbart feßt alfo mit ihrer febeinbaren Unregelmäßig- 
feit nur eine urfprüngliche Trennung fort, bie unfere Schriftfprache oerwifebt h a * 
unb hängt treuer am Ulten als bie Sprache ber (Sebilbeten. So bient alfo bie 
Kenntnis ber HTunbart 3 um gefchichtlicben Derftänbnis unferer UTutterfprache. 

3n feiner Doftorarbeit i)at ber Schreiber biefes gejeigt, wie ftcb in ^retburg 
im taufe bes 16. 3 ahrhunberts bas Heuhochbeutfche nach unb nach burebgefeßt 
hat, währenb in ber Drucffprache ber Sieg bes Heuen fdjon um 1520 entfehieben 
ift. €ine Schulorbnung aus ber HTitte bes 3 a h r hunberts hat ganj bie neue Schifft- 
fpraeße, unb Sebaftian gelber, ber oon etwa 1580—159" bas (ßulbenfcbreiber- 
unb Schulmeifteramt, bas unter ftäbtifeber teitung ftanb, oerwaltete, hat ein beutfebes 
Syllabterbüchlein gefchrieben, aus bem heroorgcljt, baß gegen bas <£nbe bes 3 d h ri 
hunberts bas Schicffal ber alemannifchen Sprache als Schriftfprache enbgültig be¬ 
segelt war. Uber wohlgemerft nur als Schriftfprache. Der ^reiburger Bürger 
fpracb bamals noch * n ber Umgangsfpracbe fein altes Ulemannifcb, wie es h eutc 
noch ber Basler ober Berner tut. Die Schriftfprache war sunächft eben nur eine 
gefchriebene Sprache; fte war eine Sprache auf bem Papier, eine tote Sprache. 

ff 

Huch war ber Übergang 5 um Heuhochbcutfchen mit erheblichen Schwierigfeiten- 
oerbunben, benn bie fjicfigc HTunbart unterfcheibet fid? oon ber Schriftfprache 
beinahe in jebem IDort, unb bas Ulemannifche h a t f° »iel IDorte mit eigenen 
lauten, bie nicht in bie Schriftfprache hineinpaffen. <£s wäre baher oerwunberlicb, 
wenn ber einfache Bürger oon einem 3 d h 1 ' jum anbern feine gewohnte Spreda 
weife abgelegt unb hodjbeutfch mit Seinesgleichen gef prodien hätte. Hoch lange 
jeigte ftd? bie HTunbart oiel beutlicher unb ftärfer. Durdi bas gan^e 18. 3 d h r= 
hunbert tfat man ßcb überall im Babenerlanb um bie fpradjltdie ^rage fehr be 
müht; es gab Kämpfe unb erbitterte (ßegenfäße. ^reibürg nun h a t beit enb 
gültigen TDanbcl 3 U ben flafftfchen formen, wie fte bie Citeratur bamals rerlangte, 
in ben adliger 3 a h rcn burdjgemacht. 


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\2<k — 


^ur allgemeinen Bennjeichnung 6 er ^reiburger BTunbart fei, benor mir auf 
bas einseine übergeben, eine Bemerfung Schreibers miebergegeben: „Bus freier 
Bruft, lebhaft, fräftigenb, nicht ohne IDohHaut, brücft bas Dolf feine ©cbanfen 
aus, gleich fern non bem Bafeln ber Schwaben, bem Singen ber Öfterreicher unb 
bem 3 ü^eln ber Pfader. Buch oon ber ©ewohnheit ber nächften Bewohner bcs 
flachen £anbes, bas tiefe e bis jum a ju fenfen, halt ft<h ber ^reiburger frei. 
Er felbft fpottet barübcr, wenn ber Jochberger ben Nebel wie Nabel unb ein 
feeliges Enbe wie a saligs and hf^oortönen läfjt." 

IDie fchon oben bemcrft, barf man bie oon ber Schriftfprache abmeicbenben 
formen nicht als etwas (Entartetes anfehen, fonbem bie BTunbart hat einfach bie 
Cautgeftaltung gewahrt, bie im BTittelhochbeutfchen galt. Dies ift befonbers 
bei swei £auterf Meinungen ber ^all, burch bie ficb bie ^reiburger BTunbart oon ber 
heutigen Sprechweife ber ©emeinfprache ber ©ebilbeten unterfcheibct unb bie 3 m 
nächft in bie'Bugen fallen. (Es ift bies bie f Beibehaltung ber alten langen Pofale 
i, u, ü, wo bas Heuhochbeutfche bafur ei, au, eu (äu) hat. Bann bie Beibehal¬ 
tung ber mittelh<*i?beutfchen Boppellaute ie, uo als ie unb ue, wo jetjt im 
.Schnftbeutfchen ein einfacher £aut gefprochen wirb. Baf bie ^reiburger Kanjlei« 
unb- Sd)riftfprache fich fchon im 16 . 3 a hrhanbcrt sur Biphth on 9i erun 9 be» 
quemt hat, ift bereits oben bemerft. 3 n ber BTunbart aber fagt man noch h eute rnin 
(mein) hüs (Jaus), hüser (Jäufer), dir (teuer). Bn bas letjte TDort anfnüpfenb, 
f^ htet ^IctcJ auf bie fpradjliche Erlernung ber (Entrunbung oon ö, ü, eu auf* 
merffam gemacht. Bielleicht aus Bequemlichfeit runbet man in ber BTunbart bie 
£ippen nicht mehr unb fpricht e, i, ai ftatt ö, ü, eu; fo fagt man bes (böfe), 
dechtere (Cöchtern), wirfel (XPürfel), fraid (^reube), aigli (Buglein). <5ur Biph- 
thongierung fei noch bemcrft, baf? im Buslaut unb nach Bofalen auch bie BTunb= 
art ben Boppellaut hat, fo 5 . B. drei, was fowohl bas Zahlwort als auch treu 
bebeuten fann, bann in IPörtern tbie baue, neis (neues), eich, wo mtttelhocbbeutfcb 
nach bem Pofal ein w ftanb. Bnberfeüs h c *t?t es in ber Jerberner BTunbart 
knei (Knie) kneie (fnieen), wo man im nahen St. ©eorgen kni fagt. 

Bie jwei Pofale werben noch gefprochen wie im BTittelhochbeutfchen bei ie, 

fo bier, liecht (£icjt), diene; mittelhochbeutfch uo ift 5 U ue geworben, fo bluem 

(Blume), guet (gut), luege (fo oiel als fehen); bann üe burch Entrunbung 5 U ie, 
fo biecher (Bücher), brieder (Brüber), kiel (fühl), miesse (müffen). 

TPeiter entfpricjt neuhoebbeutfebem langem a ein langes o, fo hör (Jaar), 

frog (^rage), rode (raten); bann bas o einem u, befonbers nach w un b oor m 

unb n, fo e wuchener drei (brei IDocbcn), drumle (trommeln), dundere (bonnern). 
a würbe oor sch manchmal ju ä, fo flasche (^lafcbe), äsche (Bfcbe), Wäsche 
(wafdjen). Bann h at bi« BTunbart oor ch unb Konfonant gebehnt, fo 
drächt (Eracht), gicht, karte, burscht (Burfche), würscht, wirscht (pl.); hoch 
gibt es auch Busnahmen, fo bürg, kurz, ©efiujt bagegen wirb im ©egenfaß 


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jur Sdpriftfpracfye oor -t unb -ß, fo in zitt (<5eit), lutt (laut), grutt (Kraut), fliß 
föfeii?), wiß (»eifj). 

Kein Umlaut beftefyt im ©egenfatj jum Xceufyodjbeutfdjen bei bruck 
(Brücfe), schtuck (Stücf), bagegen finbet £d? bei ber piuralbübung Umlaut, »o 
iljn bie Sdjriftfpracfye nicht t?at, fo d’hünd (bic fjunbe), d’fähne (bic ^aljnen), 
d’wäge (bie IDagen). 

3n ber ZTachfilbe fällt bei f)aupt* unb Beimörtern bas e »eg: frog ($rage), 
e dir reis (eine teuere Keife). (Ebenfo bas €nbungs -n balke (Balfen), rege 
(Kegen). Basfclbe finbet ftcfy auefy beim ^eitmort: i .komm, mer komme, er 
isch komme. • ' 

Bei ben<£nbungen rcr»anbelt ftd) -el in -le, fo amsle(Kmfel), kugle (Kugel); 
bas Suffiy -lein »irb 5 ti -li, fo ringli, biönli; -heit »irb 3 U -et, wohret (IDaljrljeit), 
kranket (Kranfljeit); -ung ju -ik, fo zittik (Leitung), rechnik (Kecfynung). Be- 
merfensroert ift bie (Enbung -is, brotis (©ebratencs), lererlis mache (teurer fpielen). 
(Erhalten fjat ft cf? bas Kltfyochbeutfcfye <Enbungs-i in dicki (Dtcfe), hechi (fjölje), 
witti (IDeite), bann ftefyt ein i öfters bei Beiwörtern unb bei ^eitbeftimmungen, 
e großi fraid (eine grofje ^reube), um achti (um adjt Ut)r), bann bei ben Pro- 
nominalaboerbia abi, ufi, ini, usi. 

Bei ben Dorftlben »irb an unb ein $u ä unb 1 , fo äfange, imache. Bie 
Borftlbe ge beim Participium Perfeft fällt »eg, fo bisse (gebiffen, denkt (ge« 
badjt), geh- »irb in ber ZTTunbart 3 U gcljaucfytem k: khalt (©cfyalt), kholt (getjolt). ^ 

Bei bem Konfonantismus $eigt bie UTunbart bie (Erfdjeinung bcs 
Schlaffen, inbem bie garten (ftimmlofcn) Perfcfylufjlaute fo fcfy»adj fyeroorgcbradjt 
»erben, baf| fte fidj pon g, d, k nicht unterfdjeiben, fo b- im Knlaut unb 3 nlaut 
als b, bech (Ped?), babir (Papier), t »irb aufjen im Kuslaut 3 U d, dal (Cal), 
rider (Keiter). k »irb nur im 3 n * au t unb im Knlaut uor Konfonanten enoeidjt. 
hoge (fjafen), gle (Klee); kk »irb gg, agger (Kcfer), bagge (Baden). Bei st unb 
sp ift bie <£nt»icflung bei ber Kusfpracfye über bas Heufyodjbeutfdje hinaus« 
gefdjritten unb es »irb t>ier schd unb schb gefprodjen, fo schdei (Stein), schbare 
(fparen), laschd (£aft); einem h j»ifd?en Bofalen entfpridjt einem j, manchmal audj 
einem ch, maije (mäfyen), blieje (blühen), hecher (fyöfyer), neche (Häljc); ebenfo 
»irb fyochbeutfches b 5 »ifdjcn Bofalen wie w gefprochen: awer (aber), gawle 
(©abel), bann in halwer (falben). 

(Eine »eitere (Erfdjeinung in ber UTunbart ift bie Ungleichung 5 »eier Konfo« 
nanten, fo weller (»eichet), seller aus felber, bann er sott (follte), er wott (»ollte). 
Baljin gehören aud) bie ^ufammensieljungen j»eier IDörter, fo wemme = »enn 
man, amme = an einem unb imme = in einem; ferner gitter = gibt er, 
hemmer = Ijaben »ir, wemmer = »ollen »ir, zueeich = 511 euch, i hanem 
= idj habe ihm. 

IDas bie XBortbicgung anbelangt, fo »urbc fdjon auf ben Umlaut in 
ber Kleltrjaf}! ljinge»icfen, »0 ihn bie neuljod?beutfd?c Schriftfprachc nicht fennt. 


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- *26 - 


<£s gefdjieht bies wof}! auch 5ur Untcrfcheibung oon ber (Einja^l, bie ohne Umlaut 
in 6er UTunbart wie 6ie UTeljrjahl lauten mürbe. Bet 6er 2Tleljr3a^Ien6ung -er, 
6ie im Xceuijodj6eutfd?en oiel häufiger ift als im UTittelhochbeutfchen, ift 6ie UTunb» 
art noch weiter gegangen, fo fagt man die hemder, die hefter, die better, die 
schdicker (Stücfe). Beim Zeitwort oerläuft 6ie (ßrenje $mtfcben ftarfer un6 fchwacher 
Kbwanblung an6ers als in 6er Sdjriftfpracfye; es fei nur an 6ie formen glitte 
(geläutet) un6 bolle (gebellt) erinnert. IDie bei oielen anberen illunbarten, fo 
fehlt auch in 6er ^reiburger UTunbart 6ie erjäljlenbe Bergangenljeitsform: er isch 
kurame (nie: er kam). <£benfo fehlt ja aud? in der Deflination 6er (ßenitio unb 
wirb burd? von erfetjt, fo j. B. dr rock vom vatter, aber ebenfo Ijäuftg im 
vatter sei rock. Beachtenswert ift auch, bafj in 6er f)erberner UTunbart bas 
< 3 afylit>ort jwei in ben brei (ßefdjledjtern noch oerfdjieben wie im UTittelljocfybeutfd>en 
lautet. <£s t}eift zwe männer, zwo wiber unb zwei kinder. €benfo wirb bei 
zu als Kboerb unb Präpojttion noch wie im Ult» unb UTittelhochbeutfchen ein 
Unterfd^ieb gemacht, de dir (Or) isch zue (Kboerb), aber des isch z’vil. Beim 
Zeitwort ift in ber erften Perfon ber (Einzahl ber Bofal ber gleiche wie in ber 
jweiten unb britten Perfon, wo in ber Scbriftfprache oerfdjiebene Cautc fte^en, fo 
i gib (ich gebe), i nimm (idj nehme). 

Bei ber Syntar fei oor allem auf ben in ber Sdjulc oft fcfywer 5U be= 
fämpfenben ^reiburger Kffufatio aufmerffam gemacht, bas Ijcijjt auf bie 
fpradjlidje <£rfdjeinung, bajj ber Uominatio anftatt bes Uffufatios gefegt wirb: 
ich hab der Turm gesehen, fagt ber Knabe auch in ber Schule. Diefe Sprech¬ 
weife, bie ^reiburg übrigens mit oielen anbern rfyetnifcbcn UTunbarten teilt, reicht 
bis in bie oberften Klaffen ber UTittelfcfyuIen, unb bei uns Primanern fyatte feiner» 
5eit bei bem Bergenen ein urmüd?ftger Profeffor ftets bie berbc ^rage bereit: Hat 
die S .. der Käs gfresse? 

U)as jebe beutfche UTunbart am augcnfälligften t>on ber Sdjriftfpradte unter» 
fdjeibet, ift ber it?r eigene IDortfcha^. cr einerfeits auf manchen (Sebieten, 
auf bem bie Ucbe ber ©ebilbeten einen großen Heichtum entfaltet, fchwach per 
treten, fo jeigt bod? bie UTunbart anberfeits eine grojje ^ülle oon IDörtern im 
Bereiche alles beffen, womit man fidj oft abgibt unb was ftdjtbar oor Uugen 
liegt. Unetfchöpflidj ift befonbers bie ^ülle oon JDörtern, mit benen Körperliche 
Bewegungen unb Bemehlungen be5eicfanct werben. UTit oollem Hecht meint Sd'reiber 
oon ber ^reiburger UTunbart: „Kaum ift eine UTunbart fo reidt an Uusbrücfen, 
um bie einjelncn Schattierungen ber Begriffe 5U bcjeichnen. lud)t feiten jäblt fte 
ba eine Heihe oon lüörtern, wo fich bie Sd^riftfpradje mit mühfamen Umfehrei¬ 
bungen ausljilft unb bod? nicht fo oollfommen bejeidmet." IDenn fte aud> oiele 
fernige Kusbrücfe oerloren habe, fo feien ihr bod> eine Heihe oort IDörtern übrig- 
geblieben, bie ihren echt alemannifchcn Urfpntng beglaubigen, t^ci^t es an einer 
anbern Stelle. Öfters finbet man noch foldte IDorte, mit benen bie UTunbart altes 
Spradjgut aus bem Ult- unb UTittelhochbeutfchen treu bewahrt. H. a. nennt 


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Schreiber bic IDörtcr gattig (artig) unb anheimelen, bic er für roürbig finbet, in 
bie Schriftfprache cingereifyt 5U tperben. 

3m allgemeinen fyat auch unfere lllunbart tuic oicle anbern bie Xteigung 
ftarf aufjutragen unb 5U oergröbern, aber ihre Uusbrucfstueifc ift aud? anfdjau- 
lidjer unb greifbarer als bie Schriftfprache. 

IDas bie IDortbilbung anbelangt, fo fei junächft beim ^eitmort auf bie 
«Enbung -le (n) aufmerffam gemacht. <£s tpirb bamit oft eine tDieberfyolung 
mit bem Hebenfinn bes Kleinlichen unb Ungeorbneten angebeutet, fo wattle (gehen, 
ab- ober heimzottle (n?eg= unb beimgeljen), gigele (feljen), prägle, (braten), maule 
(reben), bamble (Rängen), schtrampfle, wickle (effen), schnarchte (fdjnardtcn), 
krebsle (friedjen), bruttle (brummen), verkreible (»erfragen) brummle (brummen), 
verwitschle (erraten), nabhagle (herunterftürjen), humigle (fdjlofjen). (Einen ähn¬ 
lichen Sinn haben öfters bie IDörter ■ mit -re (e), fo erlickere (crfpäheit), 
fuddere (fcbelten), lättere (jahlcn), rumdoktere (probieren). 

(Eine weitere (Eigentümlichfeit ift bie, bafj bie ^reiburger Ulunbart wie über¬ 
haupt bas Hlentannifchc bie Präfirc zer- unb er- nid?t fennt unb burd? ver- 
erfetjt, fo verrisse (jerreifjen), verkaue, versüfe (erfaufen), verkälte, verzähle. 

IDie bie Ulunbart beftrebt ift, ben Uusbrucf möglichft anfehauiieb unb greif- 
bar 5U geftalten, jeigt fid? befonbers bei ber Steigerung, ©ft wirb, tpo bie 
Sdtriftfprache „fetjr" fetjt, ber Husbrucf. meineidig ober fürchtig (fürchterlich) 
gebraucht: ’sisch hüt meineidig kalt. Unberc Steigerungen finb: malefizkaib, 
ase warm, griddlich voll, Kaibeburscht, gullerrot (guller = fyttjn) mortsgickel 
(etwa tote Hlorbsftols), pflutternäß. gaisgichter. 

^ür ben Unterfchieb ber IDortbebcutung führt Sd?reiber an, bafj bereits 
im Sinne oon beinahe gebraucht toirb unb auslassen für loslaffcn. IDeiter bemerft 
er: „ber Unterfchieb, bafj schmecken für rieten unb foften zugleich gelten mufj, 
hat oft ben fcherjhaftcn Dortuurf erjeugt, ba§ ber ©berbeutfehe eigentlich nur picr 
Sinne h<it." Dann wirb als ober echt h^’tbernifch allig in ber Bebcutung „in ber 
Hegel" ober „bisweilen" gebraucht. Das Uboerb halt bas urfprüngltch eine Steh 
gerung ausbrüefte, fchwäcbt jefet wie fonft audj in ber ^rciburger UTunbart ab. 
’sisch halt e dübel ober e daudle (Bezeichnung für einen männlichen ober weib- 
lid>en fchwachfinnigen UTenfdien). (Ebcnfo fann man wohl auch Bigoscht ober 
bi gellt für Bei < 5 ott! unb Herr Jeses für 3 efus als eine Ubfdupächung betrachten. 

Dafj in unferm munbartlichen IDortfchafe Diele IDörter ber Sdiriftfpracbe unb 
bies auch auf Gebieten, bic bem Polfe naheliegen, fehlen, barauf hat fdjon U. (Sötse 
in feinen „Cücfen im nieberalemannifchcn Spradjfchafe" (oergl. ^eftfehrift ber 15 . £)auph 
uerfammlung bes UUg. Deutfchen Spradwcreins, bargebracht pom ^tpetgoerein ^reb 
bürg im Breisgau S. f 39 — 158 ) aufmerffam gemadjt. (Ein Ceil baoon fei h* cr 
beifpiclsweife wicbergegebeit unb ^gleich ber hieftge munbartlidie Uusbrucf hmj u - 
gefügt. Ur5t — dokter, betrunfen — bsoffe, (Erbe — grund ober boden, fühlen — 
spire, (Betreibe — frucht, Bügel — bergli, irr — verrückt, Kahn — schiffli, 


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128 — 


fefyren — schweife, lieben — gern haben, ITtunb — mul, ITCut — kuräsch, öffnen — 
ufmache, Peitfhe — geisle, Pferb — gaul ober roß, plö£li<h — eis gangs ober 
uf eis mol, Scfjulter — achsle, Stecfnabel — güfe, Copf — hafe, Crunfenbolb — 
versoffner Kerli. 

ITTit bem eigentlichen ^reiburger IDortfhat? ift es, toenn man Schreiber glauben 
roollte, recht fehlest beftellt. „Kaum ein Du^enb IDörter t»irb man als echt frei* 
burgerifch anerfennen tüollen", fchreibt er unb fuhrt bie Wörter kampel (Kamm), 
nint (nichts), funst (^auft) unb maskere (ZTTasfe) an. Dajj aber bem nicht fo ift, 
bas $eigt heute ein Blicf in bas Büchlein „Die beiben Ijerberner" unb auch Schreiber 
felbft ftraft ftd> Cügen, benn er felbft führt im gleichen Kuffatj eine ZHenge ^eit« 
mörter an, benen man auf ben erften Blicf anfieht, bajj fte echt bobenftänbig finb 
unb einen grofjen Ceil baoon fann man heute noch hören. €s finb bies IDörter, 
bie Schattierungen einseiner fo oft gebrauchten Begriffe bejeichnen. So für reben: 
zispere, mungle, muttere, brutle, bable, schneppere, schnättere, räffle, rätsche, 
dätsche, klatsche, hasple, waschle, runge. ^üt meinen: schluchze, briegge, 
greine, pflenne, plärre, kraie, hüle. ^ür gehen: düsele, täppele, träppele, tschun- 
gele, trample, lätsche, lampe. $lr hören: losen, lustere, Iure. IDeitere IDörter 
ähnlicher Bebeptung, bie in ber heutigen 5 f eiburger BTunbart »orfommen, finb: 
dissele (leis reben), maule (reben), verlickere (erfpähen), galöppere (rennen), wattle 
(gehen) unb schpicke (fchauen). Dann teilt noch Schreiber jroei recht bejcichnenbe, 
treffenben, altertümliche Kusbrücfe mit: manne unb wibe einen ZTlann ober eine ^rau 
jur f)eirat nehmen. 

<£s mögen nun noch manche anbere <3«HmÖrter, bie ftdj in unferer IHunb^ 
art finben, folgen: bache (hauen), baschge (ftreiten), böse (etrnas fhlimmes »er* 
üben), klepfe (fnallen), durchwitsche (entgehen), wische (fegen), bleche (jahlen), 
blose (trinfen), birschte (prahlen), hamstere (effen) [ber Krieg h fl t tuohl auch * n 
^reiburg bie anbere Bebeutung bes IDortes jur KUeinherrfchaft gebracht], b’schraue 
(bemitleiben), nusbutze (»erpraffen), rabkeie unb rabhagle (herunterftürjen), dudle 
(auf einem 3nftrument fpielen), e’danz rabsäge (ein ZTTufifftücf jum Canjc auf* 
fpielen), päbe (trompeten), plumse (fallen), närrschle (»erhebt tun), enblicb strehle 
unb kample (fämmen). 

(ßrofj ift auch bie ^afjl munbartlicher Kusbrücfe »on £)auptt»örtern. Zlltc 
^reiburger Schimpfnamen finb kog, kaib, dotsch, nad? Schreiber auch drak, bann 
hemmglunker, luser, guetschick. ITtan fpricht »on einem burscht auch kerliburscht, 
bann »on einem ^rauenjimmer als t>on einem krapp ober einer madumsle, »on 
Kinbern als krottewar. (£ine fleine (Seftalt toirb als hämpfelimensch ober als 
krupf bejeichnet. Ulan fpricht. »on einem färchtiputz ober bcjeichnet ein ITTäbcben 
als e arm dschnrli. Du bisch e netter fräßli, ift gleichbebeutenb mit bem ironifch 
gemeinten „Du bift ein feböner Kerl". (Ein „»erbrüefter" IHenfch ift ein duckelmuser 
unb eine alte ^rau e zaini ober e alt schüttere. E schlamperi ift eine fcblampige 
Perfon. ITTan bat einen dolde ober üpfcl (Kopf), bann eine lippel (£ippe), ein 


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{23 - 


Zifferblatt (©eficht), ein kinnig (Kinn), ein göschli (fleiner HTunb), ober man macht 
bollauge (grofje Kugen). Der ^unb hat eine schnurre, unb Haubtiere haben gfräßer. 
XDer angetrunfen ift, tjat einen sarras ober storax. ^ür ^edje fennt nod? Schreiber 
bas mittelljocfjbeutfcfje XDort ürte. ZTCan ift gern blunse (Blutwürfte), ribbäckli; 
bann grießpflutte, umlett (omelette) unb linzerdärte. Brotfamen Reifen bro- 
same unb Kinbfleifchftücfe rimpfleickmocke. 

^ur bie Kleibung finbet man noch bas XDort häs, bie weibliche Kleibung f^eift wohl 
gcringfdjaljig fahne mit einer Schlaufe (Schleife) unb manchmal beim baschge (ftreiten) 
läuft man ©efahr, einen schlenz in bie f)ofen ober e mose in de rock $u erhalten. 

Bon ben munbartlic^en Benennungen uon ©eräten fei folgenbes erwähnt. Kn 
bie lanbnnrtfcfyaftlidje Befähigung erinnern noch IDorte wie bütteme (Bütte), 
zaine (Korb), bann ärgele unb logele (©efäfe). ferner schräge unb gschtelläschi 
(©eftelle), kratte (Bett), wofe (XDappen), gigele (Düte), helgli (^eiligenbilb), harpfe 
(Harfe), remörli (XTCeerröhrchen), bloschbalt (Blafcbalg), dumpf (Dalle); Schreiber 
fennt für Scfjulfacf ben Hamen oser, 

HTan gefjt in jascht (<£ile) ober im dappschritt unb macht babei einen gump 
ober gumpser (Sprung) unb läjjt noch einen giegser (Schrei), ferner fei noch 
genannt: duck spiele (einen Streich fpielen), rung (XDeile), breste (Kranfljeit), nubbe 
hawe (heimlich bösartig ober befdjmerlich fein), dausle (©hrfeige), dätsche auch 
bumbis (i)iebe), druckete (©ebränge), dolge (Cintenfler), node (Ktem), fasnet 
(^asnadjt), bluestzit (Blütejeit). ©nblidj nodj einige Hauptwörter auf bie ©nbung 
-es: e alt herkummes, e froges (fragen), sei gnams hawe (genug haben), e ver¬ 
schmutzles (ein Berfüffen), kei drädenkes (fein Daranbenfen). Die Dreifam fjeift 
in ber Herbemer HTunbart Dreisene. 

Bon Berfleinerungen führt Schreiber an: hämpfele (eine fleine fjanbooll), 
mümpfele (ein fleiner Biffen), reinele (Cöpfc^en mit ^üfen $um Kochen), distele 
(Diftelpnf), leschtle (Schleiften), maidele (ein fleines HTäbd^en), mixili (uon mueffen 
— einen Con oerlauten laffen). , 

Bon ben munbartlicfyen Beiwörtern feien genannt: räne ober pflutterig 
(bürr), krummnasig (fcfyief), käsdrummckig (fcljr eng), glaichig (gelenfig), gwiche 
(geweift), rackerig (geisig), buschber (munter), trimmlig (böfig), gittig (gierig), 
lächig (IacHH a ft), schaffig (arbeitsfam), gschreiflet (geftreift), sampflecht (beljutfam), 
hinkig (fyinfenb), schräg (fd?mal). 

Befonbers aber bie Kboerbien finb burdj eine grofe Keilje manchmal recht be* 
jeicfynenbet XDörter oertreten, fo hinnechti (heute bie ganje Hadjt Ijinburc^) unb 
hütti (heute ben gan3en Cag Ijinburdj) [beibe XDörter bei Schreiber]. Dann däwäg 
(auf biefe IDeife), alwäg (natürlich), selweg (auf jene XDeife), herentgege (hin¬ 
gegen), welleweg (allenthalben), allimol (immer), vollicht (oiellcidjt), menksmol 
(manches ZTCal), derno (banach), äert enne (bort brüben), hinterischi (hinterwärts), 
waidli (hurtig), eime (irgenbwo), bschnotte (befefonitten, eng), unbschraue (unberufen), 
eisgangs (rafch), niene (nirgenbs), rublis und stublis ober rutzdibutz (ganj unb 


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*30 — 


gar), helinge (heimlich), ständinge (ftehenb), uf d’leschti (jule^t), eb (bafj 06er ob), 
im währende Rede (roäfyrenb ber Hebe), e bizeli (ein tuenig), zämme (3ufammen), 
nimmi (nicht mehr), husse (braufen), bal (balb), sider (feitler), früjner (früher), 
ferig (fertig), au ober aue (auch). 

Hecht lehrreich ift bas Verhalten ber IHunbart $um ^tcmbioort. 2TCan ge¬ 
braucht bie (Einbringlinge in Dielen fällen, tuo bic Sd?riftfprad?e fief? ihrer nicht ober 
nidjt mehr bebient. Aber bie HTunbart fud?t ben ^rembtpörtern einen beutfehen, ihr 
oertrauten Klang abjugeroinnen unb h at ftets bie Heigung, bie ^rembförper an 
heimifdje (Sebilbc ansulehnen unb fte fid? etymologifch surechtsulegen unb babei auch 
bie Ausfpracbe bequemer ju machen. (Ein hubfdjes Beifpiel barfür finbet ftch in 
einer Meinen fjerberncr Cofalpoffe, tuo ber Urbe in bie „Marie auf Naxos“ (Ariabne 
auf Haros) will, aber toieber baoon abfteht, ba er im Saale Tee sei’s (£h c f cus ) 
fingen hört unb er als echter f^erberner nichts pom Cee tuiffen will, fonbern lieber 
e Virteli Neue (IDein) trinft. (Ein Heufunblänber tpirb jum Neunpfundländer. 
Anbere Umwanblungcn oon ^rernbrnörtern ftnb: bossentif (pofttio), kumblimente 
Verbeugungen, schparklemente (Ausflüchte), kei pressant (feine (Eile), alle excüsi 
(•Entfchulbigungen), akrat (afurat), notti beni (nöta bene), batroll ober baradi 
mache, kumedi (Komödie), guraschi (courage), spezel (^reunb), subtil (behutfam), 
bomadig (bebächtig), krattelire (gratulieren), umenanderschu idisire (in ber Stabt 
herumftreifen), pressiere (eilen), verumenziere (rerwüften), dischkrire (jkb am XDirts= 
tifd? unterhalten), kublire (trauen). IDeitere ^rembiüörter, bie fich in bie BTunbart 
eingebürgert haben, ftnb: tirekt (bireft), flattuse (Sdjmeidieleien), prämi (Belohnung, 
aus lat. praemium), dusma (leis), kummod (bequem), ber Komperatio bapon heijjt 
kummöder, bumpje (Feuerwehrmann), bassabel (passable), spetakel (£ärm), 
attack (Angriff), respekt (Achtung), krambol (£ürm), wisawi (gegenüber), badda- 
schir (Paffagier), ussem schlimassel (bebrängte £age), pardu (trote allem), budik 
(Caben), Schwulität (Bebrängnis), proteste (Befcbwerbcn), vermalträde (übel 
behanbeht), im karre (jm (Eilfchritt), di splendirhos ähawe (freigebig fein), schile 
(XDefte), budili (^läfdtdicn), extramalör (befonberes Unglücfi, dischbedat (lDort> 
ftreit), muntur (Anjug) plaffon (^immerbeefe), sodise (Dummheiten). <£iu redit 
beliebter (Eiubringling in bie fjerberner Blunbart ift bann kuntreri (au contraire). 

Schreiber führt bann auf biefem (Sebiet noch einige XPörter an, bie bic Spradr 
ipiffcnfchaft als £ebn Wörter bezeichnet, fo aus bem Keltifchen benne (^Iedd= 
ipageit), krischcln (mit Kleie fpielen); bann aus'bem Cateinifchen örgele (< 5 efäfj, 
ocula), etter (atrium), fatsche (IPinfelbanb, fascia), aglen ((Braunen, aeulei), ären 
(liausflur, area), käner (Dadunune, canalis', unb kratten, krätse (lianb< unb 
Lücfforb, crates). 

Eublid> feien nod> einige munbartlidv Lebensarten angeführt: schwätz 
kei äsrhe (rebe feinen llnfintt), am Krips näme iam Kragen nehmen), sich ruh 
verbette (Luhe gebieten), moros kriege (Angft befommen), luck gä (nadüaffen), 
bitte im betle (inftänbig bitten), uf geistlich studiere ((Theologie ftubieren>, es got 


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d’matte nab (es geht bem <£nbe 511), des isch lätz kummendirt (oerfefjrt ange¬ 
fangen), eim d’schnurre butze (bas £eben foften), de hesches jo am dicke deil 
(bu fannft es gut machen = bift reich), mit unsrer sach isch jetz Lorenz (es ift 
am <£nbe mit unferm. Beginnen), e gü kriege (in Derwefung übergeben), mer het 
immer z’droxe (man fyat immer etwas ju flagen), es wird mir krampamplich 
(fchwach), Io mi ungheit (lag mich in Bulje). Bann teilt noch Schreiber ein Bolfs= 
fpridjwort mit: »Der Haber isch besser als der Hätti (fo etwa unferm Sprich* 
wort com Sperling in 6er f)an6 entfprechenb) un6 ein neujeitlkhes: D’ Herdemer 
hen d’rebe un d’herre suffe de wi. 

Knljangsmeife fei nocfj etwas non 6er ^nnburger Umgangsfprad>e be¬ 
rietet im Knfdjluß an 6as IDerf oon Paul Kretfchmer „tDortgeograptße 6er tjo df- 
beutfdjen Umgangsfpracbe". <£s wirb 6arunter 6ie ©emeinfprache 6er ©ebilbeten 
rerftanben, 6ie 5ir>ifci?en BTunbart un6 Sd?riftfpraciye fteljt un6 nur im mün6lidjen 
©ebrauche lebt. 3 n engerem Sinne ift es 6ie im öffentlichen Berfetjr ungezwungen 
gefprodjene Sprache. Bie Unterfdßebe hefteten hier Ijauptfädjlid? im IDortfdjag. 
3 n Knlehnung an Kretf^mers IDerf tt>ir6 im folgenben immer juerft 6as Stich¬ 
wort bei Kretfchmer genannt un6 6ann 6er Kusbrucf, 6en man in 6en gebiI6eten 
, Klaffen in ^reiburg 6afür hört. Babei roirö nur eine Kuslefe gegeben: 

Kbenbbrot — Nachtessen, anftccfen — anzünden, Kpfelftne — Orange, Kuf= 
wartfrau — Lauffrau 06er Monatsfrau, Bein — Fuß, Bin6fa6en — Schnur, 
nur — bloß, Böttcher — Kiefer, Semmel — Weck, 6icfc BTildj — Sauermilch, 
öreift — frech, ©ierfucfyen — Pfannekuchen, ^ußbanf — Schemel, ©arbine — 
Vorhang, f)öcferin — Marktfrau, fjörndjen — Gipfel, 3 auc h c — Mistlache, 
3 unge — Bub, Keule — Schlegel, flingeln — schellen, Krumme — Brodsamen, 
£afcn — Bettuch, £afdje (am Stiefel) — Zunge, £eierfaften — Drehorgel, 2 Tlüll= 
eii^ier — Dreckeimer, Bliige — Kappe, Hapf — Hafen, piätteifen — Bügel¬ 
eisen, Qualm — Rauch, Sahne — Rahm, fd?euern — aufputzen, Sdjläc^tcr — 
Metzger, Sdjornftein — Kamin, Schularbeit — Aufgabe, fprengen — gießen, 
fidj fputen — sich eilen 06er rasch machen, Stiefel — Schuhe, Straßenjunge — 
Gassenbub, Ceidj — Weier, (Ofcfyfaften — Schublade, Cifdjlcr — Schreiner, 
Cöpfer — Hafner, IDafchbecfen — Waschschüssel. BTan fiefyt aus 6en Bei* 
fpielen, baß 6ic ©rennen 6er IDörter unter ftd? fowie 511 6encn 6er Btunbarf un6 
Schrift fpr ad>e flüffig fin6. 

So 5eigt uns 6iefer furje ©ang 6urd) 6ie Freiburger 21 Tunbart, baß auch ße 
u>ie jebes ©ebiet 6er Dolfsfunbe, oiel bcs Beachtenswerten bietet, unb baß bie 
Befestigung mit ißr uns hilft, manche ©igentütnlichfeit unferer hochbeutfdien 
BTutterfpradx fennen ju lernen. XDotnit man ftd? aber befdjäftigt, bas lernt man 
fdjägen unb lieben. Bie Kenntnis 6er BTunbart läßt uns auch einen tiefen Blicf in 
bie Seele unferes Dolfes tun. £s offenbart ftdi bann feine IDefensart unb bamit 
ein Ceil unferer teuern Breisgauftabt ^reiburg, ber biefes Beft ber Babifcben Bei 
mat gewibmet ift. 


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©ae (Brün tm 

Pon Hebert Schimpf, ^reiburg i. ör. 

Ijg|l 8 »»ie ilufforöerung 6 er Sdmftlcitung, einen Keinen Beitrag für öas oorliegenöe 
i)eft 311 liefern, fyätte idj aus innerem (Sefüfyl heraus nicht anneljmen öürfen, 
@£ 94 $% tpg»n inan uon mir oerlangt fyätte, über (Sartenfunft $u fdjreibcn. £s 
fin 6 wäfyrcnö 6 er lebten jafyre fo oiele Bänöe un 6 <3eitfd) triften mit 2luffäfeen über 
„neu 3 eitlicbe (Sartenfunft" gefüllt woröett, öajj id? 6 en (Seöanfcn nidjt tjätte los 
weröen fönnen, in Öen gleichen ^eljler ju perfallen ir>ic 6 ie mciften anöeren (Seftalter, 
6 ic öiefes Cljema behanöelt haben. lüie in allen anöeren Kunftgebieten, fo ift es 
audj in 6 er (Sartenfunft. <£s wirb fyeute unheimlich »iel über Kunft gefafelt. 3cöcr 
füt^lt ftd? allein als Öen ttünftler 6 er (Segenwart. Das gefäljrlichfte Beginnen ift 
öas, wenn 6 er (Seftalter glaubt, felbft über feine XDerfe alle ßad>' unö Ciebljaber- 
blättcr mit fd?öncn IDortcn unö fdjönen Bilödien füllen 5 U müffen. Dag bei öiefer 
(Sclegenfyeit jeöe CDbjcftioität 6 er Aufgabe unö 6 er €öfung gegenüber oerlorcn geljt, 
ift felbftperftänölicb. IDirö öiefes Publizieren leöiglich als gefchäftliches ZBerbemittel 
benüfct, fo öünft es mich weit weniger wiörig, als wenn fich 6 er Berfaffer bureb 
feine fchötten IDorte unö feine nadi billigem €ffeft bafchcnben Bilöer 6 er IDelt als 
großer Künftler uorftellcn null. 

^einfüljlenöe IHenfdjen fdwfeen heute befonöers öie Bauten, DTöbelftücfe, öie 
einfachen bupbaumumfäumten f)ausgärten unö anöere (Sebraucbsgegcnftänöe guter 
alter Bauperioöen. DTeift wirb aber öabei überfeinen, öag faft alle öiefe (Segenftänbe 
jur < 5 cit ihres (Entftetjens nichts anöeres fein trollten, als jweefmägige Cöfungen 
beftimmter Aufgaben. Die Sanbmcrfsmeifter jener feiten, öie ficb 3 um Schaffen 
öie nötige ^ext nahmen, fannten itjre Bauftoffe, bilöetcn nach alten Überlieferungen 
unö fchufen (Segenftänöe, öie Öen Beöürfniffen ihrer ^eit fo gut wie möglich ent- 
gegengefommen ftnö. Bor öer Bilöung grober (Sefchmacfslofigfeitcn fdjüfetc fic neben 
£cr guten Craöition noch ihr unpcröorbencr Sinn für ^orm unö ^arbe. IDcntt 
wir öie Kefultatc guter älterer Bauperioöen mit öen heutigen Dergleichen, fchnciöeit 


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*33 — 


wir nicht gut ab. IDir haben alfo gar feinen ©runb, unfere heutigen £öfungen 
fo widrig Ijinsufteüen unb fte aller JPelt in U>ort unb Bilb als etwas Bebeutungs* 
oolles nor Augen 5 U führen, ©erabe bie ©egenwart forbert in ben angetoanbten 
Künften eine einfache, flare unb työdyft jwedbienliche £öfung. Auch ber einfache 
©egenftanb wirb in ber bjanb eines feinfüljlenben Bilbners eine Arbeit oon fünft* 
lerifd^em Hei 5 . Biefe furjen Ausführungen werben erläutert haben, weshalb ich 
es für überflüfftg h a Ü e / über bas Künftlerifdje im ©arten lange XDorte 5 U oerlieren. 
Bas, was behanbclt werben fall, ift weit nüchterner, wirb nicht burch fdjöne Bübchen 
gefchmücft, wirb aber trotsbem bie Cefer interefficren, bie bem leben einer mobernen 
Stabt Perftänbnis entgegenbringen. 

Bie Stäbtebauer forbern heute ganj allgemein fanitäres unb beforatioes ©rün 
— fo nennt es £. K. Sitte, einer ber befannteften Porfämpfer für ben neu 3 eitlichen 
Stäbtebau — für jeben Stabtförper. XDenn alle f^ysienifer bie ©rünanlagen heute 
als bie Cungen ber ©rofftabt bejeidjnen, bürfte baraus ber fanitäre IDert ber» 
felben heruargehen. Bie grojjen unb fleinen Spielplat?anlagen, bie in erfter 
£inie als gefunbe Häurrt# unter freiem fjimmel jur Pflege ber Ceibesübungen oer« 
wenbct werben, gehören ebenfalls $um fanitären ©rün. Bas beforatioe ©rün ift, 
wie es fdjon bie Bejeichnung fagt, für ben Stäbtebauer Schmucfmütel. <£s würbe 
in ben feiten guter Stabtbaufunft oerwenbet wie bie anberen ©eftaltungsmittel bes 
bauenben UTenfchen: 5 ur flächen» unb Baumbilbung. 

Bie ©rünanlagen einer Stabt follen biefe gan$ burchbringen. Por oielen fahren, 
als noch bie freie Batur — fo möchte i<h bie 00 m UTenfchen nicht geftaltete £anb« 
fchaft nennen — bis an bie Behaufungen ber UTenfchen heranrei<hte unb bie Bebauung 
infolge billiger Bobenpreife unb geringen Perfehrs noch f e h r weiträumig war, mußten 
©rünanlagen nicht erft gefdjaffen werben. IBas heute fdjon längft nicht mehr für 
bie größeren Stäbte gilt, unb biefe habe i<h in ben »orliegcnben Ausführungen aus nahe* 
üegenben ©rünben gan 3 befonbers im Auge, bas trifft immer noch für bie meiften fleinen 
Stäbte, für uiele mittlere Stäbte, für bie Börfer unb bie mannigfaltigen Siebelungen 
5 U. Bas fanitäre ©rün bietet bort bie freie Batur unb für beforatioes ©rün hat 
bort, meift ganj unbewußt, fdjon ber gefunbe Sinn ber Bewohner geforgt, inbem 
ba ein fchattenfpenbenber Baum, bort fruchttragenbe (Dbftgehölje gepflanjt, ober 
jwecfmäjjig unb fdjlicht eingefriebigte f)ausgärten angelegt würben. Kleine Stäbte 
ober Siebelungen in fdjöner £anbf<haft — unb welche lanbfdjaft entbehrt nach 
unferen heutigen Begriffen aller Keije? — follten beshalb feine öffentlichen ©ärten 
bauen. Ba, wo bics gefdjeljen ift, würbe faft immer ein UTifjton in bas oorher 
fo flare Stabtbilb getragen. Ber £efer möge fich auf feinen tDanberungen burch 
fleine Stäbte unb Börfer felbft baoon überseugen, welches Unheil ©ärtner bort 
febon burd? ihre lanbfchaftlichen Anlagen angeri(htet haben, ©s ift Sache bes 
£)eimatfd?uhes, fünftighin bie XDerfe bes Canbfcbaftsgärtners aus fleinen Stäbtchen 
unb Börfern ferttjuhalten. Piel Unfultur unb ©efchmacflofigfeü bleibt bann auf 
jenen traulichen ©den. 

Babifcfyc Bcunat. 3—4 9 


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Die Stäbte, bie oorljanbene Freiflächen im inneren unb äußeren Ceil ihrer 
Körper erhalten Ijaben, traben gut getan. (Es fann ein feböner (Einjelbaum ober 
eine Baumgruppe einen gan$en Stabtteil fehmüefen, unb eine alte Kllee, bie früher 
pielleidfl ein außerhalb ber Stabt gelegenes Sdflof mit biefer perbunben E^at, fann 
bei gefdflefter (Einglieberung bie Schönheit ber ganjen Stabt ausmachen. HMch 
großen IDert (teilt aber erft eine oom Stabtförper aufgefogene Freifläche bar? Doch 
nur toenige Stäbte roaren unb ftnb in ber glflcflid/en £age, freie Hatur als ©rün- 
anlagcn in ihren ©rganismus einjureihen. Schon bas allmähliche f)erantr>acbfen 
ber Stäbte in feiten, toeldje für bie Hottoenbigfeit ber Freiflächen fein Derftänbnis 
hatten, h a t toertpolle alte Beftänbe an IDiefen unb (chönen Bäumen perfcbtptnbett 
laffen. fjeute ftnb 5 ufammcnhängenbe ©rünanlagen meift nur unter großen ©elb¬ 
opfern 5 U bauen, toenn nicht alte oerlaffenc IDälle, Baftionen unb fonftige Befeftigungs- 
tperfe hierzu oertpenbet tperben fönnen. (Es tpar ein glücflicher ^ufall, bajj ber 
Sinn für bie Hottoenbigfeit ber öffentlichen ©artenanlagen ju einer ^eit e «pachte, 
als man bie alten Befeftigungsroerfe oieler Stäbte noch ins FreiflächenfYflem eingliebern 
fonnte. (Ein Blicf auf ben Stabtplan jeigt, baf auch Freiburg bamals einen grojjen 
(Teil ber früheren Befeftigungstocrfe 5 U ©rünanlagen pertpenben. fonnte. Die lang¬ 
jährigen F°rberungen moberner Stäbtebauer, bie Freiflächen in einem Hingfyftem 
jufammen 5 U faffen, ift meines (Erachtens nur auf bie (Entfteljung oieler ©arten¬ 
anlagen jurücfjuführen aus ben Befeftigungstoerfen, bie bie Stäbte umfchloffen haben. 
f}eute hat man meift bie Knfidfl oom IDert bes Kingfyftems oerlaffen. HTan 
tritt nun für bas Habialfyftem ein. Das KabialfYftem fann fchematifch leicht 
fo oerftänblich gemacht toerben, bajj man ftch ben Stabtförper als eine Kreisfläche 
porftellt, in bie bie Freiflächen in ber Kidflung ber Kabicn feilförmig eingefprengt 
ftnb. Der grofle praftifche IDert bes KabialfYflems tritt beutlich h cr oor, toenn man 
bebenft, bajj im Kern ber Stabt meift ber gröjjte ©efchäftsoerfehr $u finben ift, 
unb baher ber Bobenpreis h oc h fleht. <£s ift nicht 5 U oertpunbern, bajj h^r ber 
©efchäftsmann bas ©clänbe gut ausnüfct, bidjt unb h<*h baut. 3 m Stabtinnern 
mujjte (ich alfo ein ©ef<häftsoiertcl enttoicfcln. Bis $u biefem ober in biefcs toirb 
bie Spitjc bes fchematifch gebadeten ©rünanlagenfeils porgetrieben, tpährenb bas 
breite Keilenbe an ber Peripherie bes Stabtförpers enbigen foll, bort, ipo freie Hatur 
an bie Stabt gren 5 t. Das KabialfYftem (teilt hiernach bie beftmöglichfle Derbinbung 
5 tpifchen bem Stabtinnern unb ber freien Hatur bar. (Es pajjt fi<h in feiner feil¬ 
förmigen Knorbnung bem Steigen ber ©elänbepreifc an unb ift besljalb lebensfähig. 
(Eine tpagredflcDerbinbung ber einjelncn Freiflächen-Kabien bur<h toeitere ©rünanlagen 
bringt uns bas 3beal eines ftäbtifdren FreiflächenfYflems. (Es ift eine leicht erflärlidie 
Forberung, bafj biefes mit einer näher ober ferner gelegenen £anbfd>aft auf jeben 
Fall oerbunben xoerben mujj. Bcifpielstoeife miiffcn bie Kusfallftrajjen als 
f<hattige KUeen ausgebaut toerben. Für eine Stabt in herrlidjer ©egenb fann 
«ne Derbinbung bes Stabtförpers mit ber nahelkgenben freien Hatur iveit 
tpidjtiger fein toie bas Schaffen oon ©artenanlagen innerhalb ber Stabt, ©erabe 


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135 — 


♦ 

für unfer fdjöncs ^retbtmj gilt es, biefe tljeoretifdje (Erörterung uollenös in bie 
Prayis umjufe^en. 

Bisher Ijaben mir bas Syrern ber ftäbtifcfjen F r(, iflüdjen betrautet. JDir 
haben gefunben, bajj bie feilförmig-rabiale Unorbnung ber (Grünanlagen bie smecf= 
mäjjigfte ift. Xtun bleibt noch übrig ju unterfudjen, mie biefe ausgeftaltet merben 
müffen, um fte ber Beoölferung doII unb gan5 nutzbar 3U machen, ferner 
mufj bas ftäbtifdje (Grün, bas nicht $u ben eigentlichen Freiflächen sählt, in biefem 
^ufammenhang (Ermahnung finben, meil es als Ergänsung bes F rc iflüd?em 
grüns gleich u>i<htig ift. Um nicht 3U meitfchmeifig 3U merben, fei mir geftattet, 
in ber oorliegenben Sfijse alles ftäbtifche (Grün, bas bei Bübung bes F re i' 
flächenfyftems mie bei Belebung bes Stabtförpers mitmirft, gleichseitig 5U 
ermähnen. 

(£s liegt nahe, bie Betrachtung ber (Grünanlagen mit bem ju beginnen, mas 
ber £aie gans allgemein als öffentliche (Garten« unb Parfanlagen bejeichnet. Uudj 
bem recdyt oberfläddicben Beobachter fallen h* er n>ie an fonftigen (Gärten smei 
gänslidj oerfchiebene ®eftaltungsprinjipien auf: (Eine F orm / bie ftcfy bem <Eh ara ^ er 
ber anberen Baumerfe unb (Gebrauchsgegenftänbe bes bilbenben UTenfchen anfchliefjt 
unb eine foldye, bie bie freie Hatur sum Borbilb fyit. Uber ben U)ert unb bie 
Berteibigung ber beiben Dichtungen — nennen mir gans allgemein bie $uerft ermähnte, 
bie architeftonifche unb bie anbere bie lanbfchaftliche (Geftaltungsmeife, — ftnb fdjon 
Diele Bücher gefchrieben morben. Es ift nicht meine Ubficht, ben Cef er mit biefen 
Uuseinanberfetjungen 3U langmeilen. Für mich fteht feft, bafj h cu * e nur &i c F orm 
gemählt merben barf, bie ftch ben übrigen Bilbungen bes bauenben UTenfchen an« 
fchliefjt. Ulle (Gebrauchsgegenftänbe, unb ber (Garten unb Parf ftnb foldje mie bas 
£)aus, müffen jmecfmäjjig geftaltet fein. Sie müffen bas TDerf bes bilbenben 
UTenfchen beutlid? als folches erfennen laffen. F^ r uns f° mm t beshalb nur bie 
architeftonifche (Gartengeftaltung in Betracht. U)it mollen beshalb auch i m folgenben 
immer an fte benfen, menn bie lanbfchaftliche nicht befonbers ermähnt ift. Schon 
bie Urt unferer Aufgaben bemeift, bafj mir UTenfchen bes 20. 3 ahrhunberts auf 
bem richtigen tDege ftnb, menn mir bie lanbfchaftliche (Geftaltungsmeife im allgemeinen 
uermerfen. U)ir fönnen faum mehr foftfpielige (Gärten bauen, bie allein surrt 
Spasierengehen ber Beoölferung bienen. Das UTotio eines fchön gemunbenen unb 
blumigen Pfabes, ber einmal burch IDälber, über F ö lf cn unb Berge, burd? Cäler, 
burdj IPiefen, über einen U)albbach, ober gar über bie Brücfe eines Sees führt, 
bem bie Canbfchaftsgärtner fo gerne nachgingen unb es felbft en miniature in ben 
fleinften Borgärten 511 fopieren oerfuchten, ift für ben mobernen Parf gänslich 
unbrauchbar. Es mürbe bem ©eftalter bie UTöglichfeit nehmen, feine Uufgaben 
mit möglidift menig ©elbmitteln unb auf nicht unnötig großer Flüche 5U erfüllen. 
Durch ein mobernes Fußball«, Schlagball*, T)ocfeyfelb ober eine Dabrennbahn fann 
fein Bächlein fließen! Einen großen Spiel- unb Sportparf in einen größeren lanb* 
fchaftlichen ©arten einjufdjliegcn miberftrebt mir, meil baburdj bie smecfmäfjige 

9 * 


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J 


— ^36 — 

$orm bes erfteren »erwifcht wirb. Denn alle gärinerifchen Sauaufgaben müffcn 
n>ie bie rein baulichen in flare formen gebracht werben. 

Sic öffentlichen ©arten* unb Parfanlagen wollen wir in unferer Betrachtung 
in 5 U>ei ©ruppcn einteilcn. Sie erfte ©ruppe möge bie umfaffen, bie grofe flächen 
bebecfen, in ber jroeiten ©ruppe foUen bie fogenannten Stabtplätje betrachtet 
werben. 

Sie großen patfe, gewöhnlich Solfsparfe genannt, h a ^ cn h eu te gans anberen 
^wecfen 3 U bienen wie früher. IDährenb beifpielsweife 3 ur ^eit ber b)errf<haft bes 
Sonnenfönigs im parfe 3 U Perfailles glänjenbe bjoffefte gefeiert würben, währenb 
bann in ber bes ©iefftanbes architeftonifcher ©arienfunft, in ber Blütejeit bes 
Canbfchaftsgartens, fentimentale Pärchen ben gan 3 „auf Stimmung" angelegten 
Parf burdjwanberien, hkr ber Sjenerie wegen lachten, bort bes ©des wegen weinen 
muften, fmben wir heute, in ber «Seit bes IDieberauflebens architeftonifcher ©aden* 
geftattung im parf fporttreibenbe 3 ünglinge, Itlänner unb fpielenbe Hinber. IDerben 
auch ab unb $u fogenannte Polfsfefte, werben auch <?rofe Perfammlungen unb 
Husftellungen in ben mobernen Parfen oeranftaltet, im wefentlichen fteücn fte heute 
Stätten ernfter Betätigung, Stätten ber förperlichen (Ertüchtigung bar. Sie ähneln 
ben Ubungs» unb ^eftpläfcen ber alten ©riechen, ©in moberner Parf muf bur<h 
breite ISeganlagen aufgefchloffen werben, um bie HTenfchenmaffen aufnehmen ju 
fönnen. bie als Husübenbe unb ^ufchauer in ihm fpodlich tätig finb. Sache bes 
©eftalters ift es bann, mit Bäumen, Sträuchern, Hafen- unb ISafferflächen bie 
Häume 3 U fchaffen, bie sur Ausübung ber uerfchiebenen Sportarten nötig finb. 
Bas ISie bkfer Hufgabenlöfung beftimmt ben praftifchen unb fünftlerifchen IDert 
bes Parfes. ©in neuseitlicher Parf foll folgenbe piätje aufweifen: ©ine grofe 
Polfs- ober Bürgerwiefe, auf ber Perfammlungen, Kinber= unb ©radjtenfefte 
unb bergleichen ftattfinben fönnen, bie alfo je nach ber ©röfe ber Stabt, ju 
ber fte gehört, taufenben oon Htenfdjen piafc gewähren muf. ferner gehören in 
ben mobernen Polfsparf piäfce für $uf* unb Schlagball, für ^oefey unb ©ennis. 
3 n Perbinbung mit biefen piätjen ftnb Caufbaljnen, Sprunggruben, allgemeine 
©urnpläfe unb alle anberen ©inrichtungen, bie Ceichtathleten $ur Ausübung ihres 
Sportes benötigen, erforberlich. Picht juletjt bürfen an biefer Stelle bas grofe 
Schwimmbab, bie Cuft* unb Sonnenbäber unb bie Braufebäber, mit ben hierfür 
notwenbigen 2ln* unb Husfleibefabinen erwähnt werben. Sas Schwimmbab ift 
fo anjuorbnen, baf es mit bem ©ribünenbau, ber für bie bereits genannten ©in¬ 
richtungen bringenb notmenbig ift, in engfte Perbinbung gebracht wirb. 

©rlaubt es bie ©röfe ber $ud?c, fo ift es empfehlenswert, hn Polfsparf 
auch Heit* unb Hcnnbahnen anjulegen. Bocb nidit allein für ©urnen unb Spori 
muf ber neuzeitliche Polfsparf ©elegcnheit bieten. Huch fü r u?as man i m 
engeren Sinne unter Spiel uerfteht, muf geforgt werben, ©s finb bemnad? gut 
eingeridjtetc Spielplätze ju bauen für Kinber, für Hnaben unb Stäbchen, für Stänncr 
unb grauen. IPer einmal bas €ebeit unb ©reiben auf foldjen Spklpläfcen bat- 


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*37 — 


beobachten fönnen, mirb mir juftimmen, bafj bie ^örberung bes Sptelplatjgebanfens 
gerabe in Mutiger ^eit eine bringenb notmenbige 'Kulturaufgabe bebeutet. Cängft 
por bem Kriege haben einftchtige unb praftifche Dolfserjieher auf bie porjüglidjen 
Spiel« unb Sportanlagen Kmerifas hingetpiefen. Die beiben amerifanif<hen £eitfprü<he 
„Der Knabe ohne S^ielplat; ift ber Dater bes KTannes ohne Kr beit" unb „Klit 
ber Zunahme ber Spielplätze nimmt bie Kriminalität ab", müffen mir heute mehr 
benn je als richtig anetfennen. (Es ift felbftperftänbfich, bafj alle Spielplä^e fo 
angelegt unb eingerichtet tperben müffen, baf fte auf 3 un 9 unb Kit genügenb 
Knjiehungsfraft ausüben, ^ür ben (ßeftalter bieten ftch gerabe hier taufenb Kläglich* 
feiten, fid? auszuleben. Da rnufj beifpielsmeife für unfere Kleinen ein grofes 
planfdjbecfen gebaut tperben, bort ftnb Sanbfpielfäften unb =tifdje 5U erfteüen, an 
anberem piat§ ftnb tpicber allerhanb Schaufeln, Kunbläufe, IDippbretter, Klettere 
ftangen unb bergleichen mehr anzubringen unb Kobel«, Kutf<h* unb Kegelbahnen 
5U fchaffen. Dafj bie meift pöllig h°ri$ontal gelegenen Spielflächen tpährenb bes 
EDinters 5U fogenannten Sprifeeisbahnen permenbet, unb fo bem (Eislauffport bienftbar 
gemacht tperben fönnen, ift nicht ohne Bebeutung. 

ferner gehören in ben großen Dolfsparf (ßebäube, bie es „ermöglichen, bei 
fchledjter Klitterung ben Spielbetrieb oom freien in gebeefte Käume ju perlegen. 
(Es finb bafür Cum«, Sd^tpimm« unb Spielhallen notmenbig. Kuch fleine Der* 
fammlungsräume, eine gute Bibliotfjef unb ein alfoholfreies Keftaurant finb für 
ben Parf ertpünfd^t. Dag alle bie eben ermähnten (Einrichtungen nicht 
überall gefd^affen merben fönnen, ift einleuchtenb. Da merben 5. B. grofje Kenn« 
bahnen, bort bie üblichen < 5 ebäube fehlen, unb manche Stäbte merben fidy nur 
einen ^ufjball* ober Curnplatj leiften fönnen. Doch mie im Jjausbau für 
grofje unb fleine Knlagen bas gleiche ©eftaltungsprinzip gilt, fo ift es auch 
im „Parfbau". Überall h arr en bie neuzeitlichen Kufgaben einer hö<hft jroeefent^ 
fprechenben, fünftlerifchen ©eftaltung. Die meiften unferer heutigen Sport* unb 
Spielplatjanlagen finb noch recht primitip in praftifcher mie in aeftf?etifcf?er £)inftd?t. 
Dafj fie mit perhältnismäfjig geringen Klitteln zu fchönen Käumen geformt merben 
fönnen, bie bei Spielern unb ^ufchauern ähnlich angenehme ©efühle auslöfen 
mie ein traulicher Stabtplatj ober ein gut proportionierter Saal, ift immer nodj 
5U • menig befannt. 

3 n ben Dolfsparf gehören aber auch Blumen unb Ciere, menn er nicht nur 
Sport* unb Spielparf fein foll. Klan mirb bie fchönblühenben Sträucher unb Blumen 
in pon Baummänben gebilbeten Käumen unterbringen, mirb Sommerblumen«, 
Stauben«, Kofengärten unb bergleichen mehr anlegen unb in ihnen für reichliche 
Sitzgelegenheiten forgen. 

(Es mürbe aus bem Kähmen bes porliegenben Kuffatjes h«*ausfallen, menn 
ich au f bie (Seftaltung biefer Sonbergärten näher eingehen mürbe. (Ein befonberer 
Kuffalj müfjte biefes Chema behanbeln. Doch fei mir geftattet, nur auf (Eines 
hinjumeifen. IDo ftnbeit mir in ben fog. lanbfchaftlicben (ßartcnanlagcn mirflidje 


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Qrifinal fro-m 

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— {38 — 


Blumengärten? Sinb nicht überall Bäume, Sträudjer, Hafenflächen unb Steine 
im gleichen mirren ©emifdj verteilt, liegen nicht Me Blumenbeete in £ebhidjen> ober 
Hierenform unorganifcb in Mefen meift fo jämmerlichen Haturfopien? <£s tft ein 
©lücf, bajj uns (Bärten aus guten Bauperioben erhalten geblieben ftnb, bajj mir 
aus alten Zeichnungen, Stichen, ©runbriffen unb Befdjreibungen lernen fonnten, 
mie unfere Porfahren ©ärten gebilbet, unb bafj mir auf btefe G)eife mieber Tin- 
fnüpfungspunfte $u guten ©eftaltungsmeifen befommen haben. 

IPir brauchen noch lange feinen <5ooIogifchen ©arten mit bem üblichen großen 
Durcheinanber oon Cieren, Breselmegen, ^elfenanlagen, IDaffertümpeln unb fremb= 
artig anmutenben Cierftäüen $u fchaffen, menn mir in einem abgefcbloffenen Parf= 
teil einige Ciere halten, bie burdj bie BTannigfaltigfeit ihrer färben unb formen 
ben Hlenfchen ebenfo erfreuen, mie ein bunt angelegter Blumengarten, ©erabe bie 
Pielgeftaltigfeit bes ITierbeftanbes aber jmingt ben Urcljiteften jur, Unmenbung einer 
einheitlichen Bauform, menn er bem allgemeinen Cohumabohu aus bem U>ege gehen 
unb ein großes ©anjes fchaffen mill. 3 m architeftonifchen Kähmen fönnen unfchmer 
biologifch intereffante ©ruppen sufammengeftellt merben. Klan mirb aus praftifchen 
©rünben Ciere mählen, bie fich in ber ©efangenfchaft leicht h a I ten laffen unb 
uermehren. 3m Polfsparf ftnb für halbtote Karitäten, bie traurig in oben Käfigen 
mit großen Uuffdj triften fitjen, feine piätse »orhanben. 

Da mir uns infolge bes für uns fo traurig ausgegangenen UMtfrieges 
heute mehr mie früher mit ZTutjgartenbau befcfyäftigen müffen, bie rein ftäbtifche 
Beoölferung aber bie jebem ©ärtner unb Canbmirt geläufigen praftifchen fjanbgriffe 
ber ©ärtnerei nicht mehr fennt, mirb es angebracht fein, bem Polfsparf einen 
oorbilblich geleiteten BTuftergarten für ®bft- unb ©emüfebau anjugliebern. 3 n 
biefer Unlage fönnte ftch jebermann gute Katfchläge für ben eigenen ©artenbau- 
betrieb holen. Bie Stäbte hätten burch bicfe ^örbcrung bes Hufcgartcnbaues bie 
größten Porteile. 

Kuch ber fog. Schulgarten fönnte meines <£racbtens gut mit bem neujeitlichen 
Polfsparf in Pcrbinbung gebracht merben. <£r fäme nicht allein ben Schülern, 
bie oom Spielplatj aus bie Unlagc bequem erreichen fönnten, als mefcntlidjer 
Faftor 5 m f)ebung bes Unterrichts in ber Botanif jugute, fonbern fönnte auch bas 
für ben Unterricht im ^reihanbjeichnen notmenbigc Pflanjenmaterial liefern unb 
5 ulet 5 t ber gansen Beoölferung als Cchrmittel gute Bienftc leiften. 

U)ie ber UTuftergarten für (Dbft= unb ©emüfebau unb ber Schulgarten, fo 
fönnte auch bas ^reilicbtmufeum bem Polfsparf angefchloffen merben. 

<£s liegt nahe, h* er bie Freilichtbühne un b bas Naturtheater 5U ermähnen. 
3 n ben lebten 3 a h ren ftnb 5ahlreid?e Bühnen unter freiem fjimmel gebaut morben. 
Hur gan3 menige oon biefen entfprcdjen ben praftifdien unb äfthetifdien Bebürf- 
niffen. UTeift mürbe ein erheblicher Ceil bes alten Chc'aterFrams mit all bem 
Firlefanj, ber uns ben Befuch unferer Sdiaufpielbäufer oerleibete, hinaus ins Freie 
getragen. Uls febönfte Freilichtbühne gilt beute im allgemeinen immer nodj bie, rocldtc 


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— 139 - 

bas fcfyönfte ^lecfcfyen Hatur oerfdjanbelt; beftenfalls rnirb eine fyerrlicfye Canbfdjaft 
als Spielfelb unb tyntergrunb benü 0 t. 2 tn bie fdjönen HaturtEjeater in ben ©arten 
ber Barocfjeit mirb in unferer <?jeit nid zu menig gebadet. Sie bieten oortrefflicfye 
KnEjaltspunfte für ben Bau moberner Freilichttheater, seigen not allem, bafj es 
in erfter £inie barauf anfommt, Bäume $u fcbaffen, bie jur ©röfje ber menfdüicfyen 
©eftalt in gutem Perfyältnis ftetjen. £)* n ^ er bem ardjiteftonifd? ftreng burd?gebilbeten 
Bütjnenraum foll bie freie Hatur gemiffermafjen als Bcgleitmotio mitfdjmingen. 
(£s ift leidjt einzufefyen, bafj folcfye Haturbüfynen nur zur Buffüfyrung pon Stücfen 
geeignet finb, bie über bem Burcfyfdjnittsnipeau fteEjen. Hidjt jule^t müffen aud? 
an bie Scfyaufpieler EjöEjere Bnforberungen gcftellt merben. Bie minberroertige ©perette 
mirb ftd? beifpielsmeife auf ber fEar geftaiteten HaturbüEjne nid?t fyeimifd) füllen. 

Bie Hot ber ^eit mirb es fyeute ben meiften Stabten perbieten, befonbere 
Husftellungsparfe ju bauen. Bafj ficfy aber in größeren Stabten bereits por 
bem Kriege bas Bebürfnis nadj geeigneten Busftellungsplätjen unb -räumen fyeraus- 
gcftellt Eyat, ift allgemein befannt. f) cu te W 5 ra 9 c nadj Kusftellungsplä^en nicfyt 
minber midjtig gemorben. XBir finb nun gejroungen, uns auf faft allen ©ebieten ber 
Qualitätsarbeit z u 3 umenben, unb biefe tpirb burdj Busftcllungen, roo allein Per= 
gleidjsmöglicfyfeiten gegeben finb, mefentlicfy geförbert. Ber gegebene piatj für 
nid?t $u langfriftige Busftellungen ift ber Polfsparf mit feinen großen Bäumen 
im freien unb feinen oerfdjiebenen fjuEkn, bie leidet mäf)renb ber Bauer ber Bus* 
ftellungen burdj einfache 2ln= unb Heubauten permefjrt merben fönnen. 

£Die bereits oben ermähnt, bürfte es manchen Stäbten nidjt leicht fallen, Bolfs- 
parfe ju bauen, bie allen eben furz ffijsierten ^orberungen entfprecfyen. <£s wirb in erfter 
Cinie oft am geeigneten ©elänbe, bann oft audj an ben nötigen ©elbmitteln fehlen. 
Bie ©elänbcfrage bürfte meines ©racfytcns aber nidjt fo fcfymierig 5 U Iöfen fein, 
menn man bie alten ©rerjierplätje, bie bis jur Bepolution ausfdjliefjlidj 5 ur förper- 
lidyen Busbilbung ber jungen ZTTänner gebient Ejaben, nun 5 U Bolfsparfen mit 
Cum-, Sport- unb Spielplätzen für bie ganze Beeiferung umgeftaltct. Bie finanzielle 
^rage rnufj bei ber großen Bebeutung ber Aufgabe untergeorbneter Hatur fein 
unb fdjon besfjalb perfyältnismäfjig leidjt gelöft tperben fönnen, tpeil ftd? bie Bau¬ 
arbeiten auf piele 3 a b rc perteilen laffen. 

Pieles, tpas zum Programm für ben Dolfsparf gehört, gilt auef? für bie 
größeren unb Heineren gärtnerifefy befyanbelten Stabtpläfte. Sic follcn besljalb 
anfdjliefjenb betrad^tet tperben. Unter ben Stabtpläfecn tpollen mir im folgenben 
bie ^rdfläcben pcrftcfycn, bie non geringer ober mäßiger ©rö 0 e rings pon fjüufcrn 
umgeben ftnb, ober noefy umgeben tperben. 3 ^? rc Cntftefyung ift fefjr perfdiieben. 
Bie alte Stabtbaufunft Ejat meift nur mit rein baulidjcn Hlitteln Ejerrlidje, räumlicb 
gefefyloffene Plätze gefdjaffeu. H)ir bemunbern biefe allgemein unb ärgern uns über 
ben ©ärtner, ber biefe fdiönen Baummirfungen burdj rnirre Baum* unb Straucfy« 
maffen fprengte unb licbcpoll burdjgebilbete Brdjitefturteile burd) Pflaitjen perbeefen 
Iicfj. Heben ben alten Stabtpläfecn, bie, toie f/>ebeit ermähnt, meift nur mit bau 


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licken DTitteln gebildet find unb nur feiten ein nachträgliches (Einfügen non ©rün 
ertragen, finben mir fchon früh Plä^e mit regelmäßigen Baumpflanjungen. Dann 
mären seitlich die ©ebilbe 5U ermähnen, die oom Canbmeffer ober Ciefbautechnifer burch 
^eftlegen ber Straßenjüge geseidjnet unb fpäter »om ©ärtner mit allerhanb Bäumen 
unb Sträuchern, Steinen unb Blumen, IDaffertümpeln unb BirfenhoI$häuschen unb 
bergl. mehr nach Ianbfchaftlichem Bejept ausftaffiert mürben. Die tnelen fleinen 
unb fleinften Derlegenheitsbreiecfe, bie jmifd^en breiten Straßenjügen faft in jeber 
Stabtermeiterung 5U finben ftnb, erinnern uns h eute an bie Bauperioben, ba man 
für pia^geftaltungen feinen Sinn hatte. Hus ben früheren Stabtplaßgebilben hat 
fich ber Stabtplatj ber , 5 u ^ un ft h er ausentmicfelt. €r ftellt ftch als eine gute Der- 
binbung jmifchen Baumerfen unb Pflanjungen bar unb ift beshalb mohl geeignet, 
all bas, mas mir t>on einem Stabtplatz forbern fönnen, 3U erfüllen. Bäumlich 
begren$t mirb er nach unferer oben gegebenen Definition immer burch bie anftoßenben 
©ebäube, bie fo angeorbnet ftnb, baß jte eine in fich gefchloffene ©inheit bilben. 
Diefer müffen fich auch Baumpflanjungen, fjecfenanlagen, Kleinbauten, Hafen«, 
IDaffer«, Kies- unb Blumenflächen harmonifch unterorbnen. 

Die ^eituerhältniffe merben es uns in ben nächften 3 a h ren nur feiten geftatten, 
rein beforatme Stabtplafzanlagen ju fdjaffen. Sie merben uielmehr — ftnb ftc 
nicht reine Spielpläfee — Derbinbungen t>on S<hmucf= unb Spielgärten barjuftellen 
haben. Daß bie gärtnerifche ©eftaltung ber Stabtplä^e ganj nach architeftonifchen 
©efetjen »orjunehmen ift, bürfte nach bem oben ©efagten felbftoerftänblich fein. 
Der ^meef beftimmt bie ^orm, unb bie Blumen finb Schmucfmittel mie bas (Elfenbein 
an einer alten praftifchen 'Kommobe. Huf bas rein Deforatme näher einjugehen, 
erübrigt fich an biefer Stelle. Doch über bie Spielplatsanlagen ber Stabtplä^e mill 
ich noch einige XDorte »erlieren. 

XDir haben ju Hnfang unferer heutigen (Erörterungen barauf Ijingemicfen, baß 
bie befte ^orm bes ©rünflächenfYftems bas Babialfyftem ift. (Es ift leicht »er* 
ftänblich, baß in biefem bie bereits beljanbelten großen Dolfsparfe meift jiemlich 
meit oom Stabtfern entfernt 5U liegen fommen, alfo oon ber fpielenben 3 u $'-’ n & 
nur aufgefuebt merben fönnen, roenn biefer mehr ^cit jur (Erholung jur Derfügung 
fteht, als btes an ben XDerftagen meift ber ^all ift. Deshalb ift es heute notmenbig, auf 
allen, felbft auf ben Plätzen fleinen ^ormats, Spielplätze für bie 3 ugenb anjulcgen. 
^ür bie ©roßftabt mirb nun ganj allgemein bas «Einhalten ber fogen. Kinber* 
magenentfernung geforbert, bas foll helfen, eine ^rau, bie mit bem Kinbermagcn 
ihre IDobnung »erläßt, barf jum ^nriicfleöim ber Strecfe »om IDohngebäube bis 
jum näcbftcn Kinberfpiclplafe nicht mehr mie 10 DTinutcn gebraudten. Die Spiel 
plä^c erfüllen natürlich ihren ^u?ccf nur bann, menn ftc auch benützt merben. Sie 
finb beshalb fo ju bauen unb fo einjuridjten, baß fte auf bie 3 u 3 cn ^ senügenb 
Hnjicljungsfraft ausüben, ^iir bie fleinen Kinber müffen »or allem Sanbfpielplätje 
angelegt merben. Dorteilbaft ift bie Dermenbung t>on Sanbfpielfäften, meil ber 
Sanb, ber felbftpcrftänblid) fo oft als möglidi erneuert merben muß, gut jufammem 


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gehalten wirb. Klierhaitb Schaufeln, Kletterftangen, IDippböde, Hunbläufe unb 
berglei<hen mehr werben oon ben älteren Kinbern gerne benützt werben. Hec? unb 
Barren, bie ber 3ugenb ebenfalls willfommen finb, follen Ijier nicht fehlen. 3 m 
3 ntereffe ber Crjiehung eines guten formen- unb ^arbenjtnnes ift es feineswegs 
gleichgiltig, was für (ßeräte auf ben Spielplätzen jur Kufftellung gelangen. Kräftige, 
gutgeformte £)ol$geräte, bie l^übfdj bunt bemalt finb, eignen fidj für ben Kinber* 
fpielplatj am beften. (ßerne wirb aud? oon unferen Kleinen bas pianfcßbecfen 
benüßt. Bie Spielplätze müffen fo bepflan 5 t werben, baß fie im ^rüljjaljr, f^erbft unb 
IDinter nicht su ftarf befdjattet, im Sommer bagegen nicht 5 U fonnig finb. Por- 
3 Ügli<h eignen ftd? bie 3 nnen höf« jwifchen ben ^äuferblods 3 U Kinberfpielpläßen. 
Baß bie Spielplätze für unfere 3 u S en ^ gerabe Ijeute in ber <^eit ber Unterernährung 
unb iDohnungsnot wichtig, ja unentbehrlich finb, wirb nicht beftritten werben. 
tDenn auf ben mit Reefen umfäumten Baumpläßen frohe Kinberftimmcn laut 
werben, fröhliches £a<hen ertönt unb munteres Ceben unb Creiben erwacht ift, 
empfinben wir bie Schönheit ber Spielplätze. 

Kls eine befonbere Krt ber Stabtpläfce finb bie öffentlichen Konjertgärten 
anjufehen. Ben Stabtpläßen, bie lebiglich mit Bäumen befetjt ftnb, t>ielleid?t nur 
noch ein regelmäßig geformtes IDafferbeden aufweifen — ber ^reiburger Jahnen- 
bergplaß gehört 5 . B. hkrh cr —/ ftehen bie ftäbtifchen Klleen, bie Baumgruppen unb 
juleßt bie <£in 3 elbäume in ihrer IDirfung nahe. Uber fie foll nun im folgenben 
furj gefprochen werben. 

U)enn wir beifpielsweife Dom ^ r eiburger Schloßberg auf bie Stabt hinunter 
bliefen, feßen wir Ceile ber Stabt, bie gans ins <S5rüne eingebettet finb. ^ufammen 
mit ben Por* unb fjausgärten finb es bie Straßenbäume, bie oor allem biefen 
guten €inbrucf heroorrufen. Boch nicht allein oon obenher gefehen ftnb Straßen- 
bepßanjungen erfreulich, aud) für ben, ber bie Straße bureßqueren muß, ftnb fte 
wertooll unb oft —- nicht immer — h a b cn Knwoßner ihre ^reube am 
Straßengrün. Bie pielen Baumpßanjungen treffen wir in ben Straßen ber beutfehen 
Stäbte erft nach ben fiebjigcr 3 a h ren an - Bor biefer ,3eit waren bie Straßen¬ 
bäume bei uns weit feltener. Sie waren wohl nur in ben IPall- unb King* ober 
in einigen anberen recht breiten Straßen, wo ftdj bie Bäume entwicfeln fonnten, 
ohne ben Knwoßnern ju Dkl £id?t unb £uft wegjunehmen. Kls bann bie beutfehen 
Stäbte reicher würben, wetteiferten fk miteinanber im Bau feßöner Straßen. — 
<£s mußte baburch nach Ul *b nach eine ftnnlofe Schematifterung ber Straßenjüge 
fommen. Bas tüiefbautedjnifchc intereffiert uns b^ior nicht. U)ir ftellcn nur feft, 
baß nach ben fiebjigcr 3atjren bis sum Beginn bes JPeltfrieges Straßen Baum* 
pflanjungen erhielten, bie hkrfür Dkl 5 U fchmal angelegt waren, beren räumlidje 
tDirfung burd> bie ho<hgewa<hfenen Baumreihen oerlorcn gegangen ift unb beren 
Bewohner nun in jebem ^rühjahr, wenn fid? bie ftäbtifdjen ©ärtner in ben Straßen 
feßen laffen, um f^ilfe fhreien, weil ihnen bie oft faum jwei UTeter oor bem lüoßn- 
gebäube ftehenben 5traßenbäume jeben Sonnenftrahl unb alles £icßt weguehmen. 


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Das Hedjt 6 er Knmoljner auf gute £uft un 6 gutes £idjt mufte 6 er größte ^reunb 
un 6 Befdjütjer 6 er Strafenbäume gelten laffen. IDeil man fie nicht meljr entfernen 
fonnte, mürben fte nun alle paar 3 a h rc 5 U (Krüppeln geftutjt. ^eute gibt es 
Stabtteile, ja ganje Stabte, mo nidjt ein einjiger Strafenbaum $u finben ift, 6 er 
feine »olle Sdjönhe*t jeigen fann. 

©s merben bei 6 er Bepflanjung 6 er Strafen im mefentlidjen 5 u?ci Wirten 6 er 
Knorbnung unterfetlichen: Die Bepflanzung eines im ^aljrförper liegenben HTittel- 
perrons unb bie Bepflanzung 6 er feitlidjen Bürgerfteige. Selbftuerftänblidj ftnb 
Kombinationen 6 er beiben ©ypen möglich- Die einjelnen Bäume müffen einanber 
gegeniibergeftellt merben, fobaf fte redjtminflig jur TTCitteladjfe ber 2lUee 5 U fielen 
fommen. ©leidje Kbftänbe unter ftdj bringen einen angenehmen Kyttjmus in bie 
Pfanjung. Hauptaufgabe für ben ©ärtner ift es, bie richtige Baumart ausju- 
mahlen.- Biele bcpflanste Strafenjüge, bie heute einen erbärmlkben ©inbruef machen, 
mürben meit fdjöner fein, menn für fte paffenbe Bäume gemäht morben mären, 
©s gibt nur 5 mei brauchbare 2lrten oon Baumfchnitt. Bei ber einen Krt mirb bem 
Baum feine Phyftognomie uollftänbig erhalten, bei ber anbern mirb ihm 00 m 
HTenfdjen eine ftreng geometrifchc ©eftalt aufgejmängt. Beibe formen haben 
Dafeinsberechtigung. ©änjlicb $u uermerfen ift aber jenes unheimliche Sägen unb 
Spalten an ben Strafenbäumen, bas ihnen ihren eigentümlichen Ojarafter nimmt, 
ihnen aber feine formen gibt, bie ben anberen menfehlichen Scbmucfgebilben 
entfpredjen. 

Kleine ober gröfere Baumgruppen, bie Strafen ober Stabtpläfe. burdj ih r e 
oft fefjr malerifchcn Umriffe unb burdj bie grüne ^arbe ihres Blattmerfs beleben, 
ftnb für bie Stabt oielfad) mertooller mie gan 5 c Klleen. Bon befonberem Beij 
ftnb im Stabtbilb bie ©injelbäume. XBer erinnert ft dj h' er nidjt an bie alte £inbe 
im Bolfslieb. Biel {Trauliches liegt in ber Bezeichnung einjelncr Stabtteile nach 
ben bort fteljenben Bäumen. Die Hamen ©berlinben, Unterlinbcn, Unter ben 
£inben, Kfajienplatj, Kirfdjenanger, ©fdjenljof, IDeibcngarten, ©rofe ©idje ufm. 
flingen bodj meit beffer mie ©regor Daumettbicfplafe, £uife HIeyer-Höh c unb 
äljnlidje öbe Benennungen. 

tDir haben fdjon oben ermähnt, baf bie H fl us- unb Borgärten ber Bürger 
an ber Durchbringung bes Stabtförpers mit ©rün mefcntlidj beteiligt ftnb. {Treten 
bie meift h' n l er ben Strafenfronten liegenben Hausgärten auch nidjt befonbers in 
©rfdjeinung, fo ftnb bodj bie Borgärten für bas Strafenbilb uon nicht geringer 
Bebeutung. Diefe ror ben ©ebäuben liegenben ©artenftreifen ftnb meift fo fdjmal, 
baf fie als benutzbares ©artenlanb nidjt meljr in ^rage fontmen fönnen. IBolIte 
jemanb aber trofebem »erfudjen, ben Borgarten jur Hufcanlage 5U tttadjen, fo 
mürbe er gar halb mit ben ortspoliseilidjen Borfdjriften in Konflift geraten. Durch 
©efelj mirb nätnlidj h eu tc nodj befohlen, baf bie Borgärten als Sdjmucfa'nlagen 
für bie Strafe ju behanbeln ftnb., ©erabe biefe ortspolizeilidjen Borfdjriften haben 
aber unfere Borgärten in ihrer ganzen hjeiflicbfeit entftehen laffen. Das ©efefe 


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H5 — 


uu 6 bie geringe ©röße 6 er ^lädje verbieten eine organifd) entmidclte (Einteilung 
bes ©elänbes, mas aber Öen £anöfdjaftsgärtner nid?t im geringften fümmerte. (Er 
benüßte bcn Porgartenftreifen, um aud? Ijier Berg« unb Callanbfd)aften im Kleinen 
ansulegen unb benbrologifche Kantaten anjup^anjen. Paß burcb biefe jämmer¬ 
lichen Kunftftücfdjen bas beforative Straßenbilb serftört tvurb«, ift leidet einsufeljen. 
IDir mäffen Ijeute mieber 5 U flar gestalteten, benußbaren Porgärten fommen. Pies 
fann nur baburch erreicht merben, baß bie flächen für bie Porgartenftreifen größet 
bemeffen unb bie Bauherren burdj fadjmännifdje Belehrungen über ben Ciefftanb 
ber heutigen Porgärten aufgeflärt merben. Pie (Einteilung unb bie Krt ber Be« 
pflansurig jebes einseinen Porgartens ftnb gleichseitig mit Porlage bes Bauprojefts 
fürs IDohnhaus behörblich 5 U prüfen, tvül man bie heute noch üblichen ©efehmaef« 
lofigfeiten unb ben oben Schematismus verhinbern. 

3m ^ufammenhang mit ben Por« unb t}ausgärten müffen fjausberanfung 
unb Balfonbepflansung fürs ermähnt roerben. ©ute Beifpiele, bie mir in jeber 
Stabt unb in jebem Porf finben fönnen, seigen, mie mertvoll eine mit Saling« 
pflansen beranfte ^affabe unb ein hübfeh mit Blumen ausgefchmücftes ^enfterbrett 
für bas Straßenbilb fein fönnen. freute, ba mir gesmungen ftnb, fo befcheiben mie 
möglich 5 U bauen, mirb ber Krchiteft gut tun, menn er gleich beim (Entmerfen bes 
©ebäubes auf bie Beranfung bes bjaufes Küdftcht nimmt. JPas an ber ^affabe 
eines einfachen alten Kaufes im £aufe vieler 3 ahre oft gan$ sufällig entftanben 
ift, unb heute uns entsücft, bas fann bemüht gefchaffen merben, ohne in bie ©cfahr 
SU fommen, romantifche Stimmungen auslöfen 5 U rnollen. 

3 c nad? ber £age ber ^riebhöfe ftnb biefe $um ftäbtifdyen ^reißächenfYftept 
SU rechnen ober nicht. Blanche ©roßftäbte haben ftch im £aufe ber lebten 50 3 a h re 
meit vor ihren (Toren fogenannte ^cntralfricöhöfe gebaut. Piefe bürfen mohl nur 
feiten 5 U ben sufammenhängenben ©rünanlagen gesuhlt merben. (Eine große 2 In= 
Sahl beutfeber Stabte hat jebody bie ^riebhöfe ins ^reipächenfyftem mit einbesogen. 
IDir müffen es uns b?icr verjagen, uns mit ber ©eftaltung ber ^riebhöfc näher 5 U 
befaffen. (Ein flüchtiger Pcrgleid? smifchen einem lanbfd/aftlichen unb einem geometrifch* 
architeftonifch gestalteten ^riebhof lehrt uns fchon, baß bie fogen. lanbfd?afts= 
gärtnerifchen Knlagen i)m noch meniger am piaße ftnb, mie auf Stabtplätsen. 
tDährenb in ber regelmäßigen Knlage eine gute Kusnüßung ber ^lädje möglich Uh 
meil ftdj bie Summe ber rechtecfigen (Einseigräber vorteilhaft in ben großen redjt= 
eefigen Käumen ber allgemeinen ©räbcrfelber unterbringen läßt, bleiben im lanb* 
fdiaftsgärtncrifch geformten ©räberfelb eine ganse 2TCenge fleiner Stücfe übrig, bie 
nidjt als ©rabftätten vermenbet merben fönnen unb sur Kusfchmücfung ebenfalls 
gänslich mertlos ftnb. ^ür viele Perteibiger Ianbfchaftlichcr ^riebhöfe ift ber ©e* 
banfe maßgebenb, baß ber Befucher auf bem ©ottesaefer ntöglicbft menig vom 
großen Cotenfelb mabrnehmen foll. <£s merben beshalb in ber Hähc ber IPege 
überall bie befannten lanbfchaftsgärtnerifdjcn Kunftftücfchen angemanbt. BTit ben 
großen allgemeinen £eidjenfelbern mußte man aber nichts ansufangen. Pamit fte 


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bas erträumte Parfbilb nid?! ftöreit, mürben fte hinter biebten Pflanjenfuliffen »er» 
fteeft. Käme nicht bas Unmahre ber lanbfchaftsgärtnerifchen ©eftaltung überall 
fonft ans CagesKdjt, fo müßte es in ben Jriebfyöfen gan$ befonbers auffallen, <3 ur 
Unfultur fommt fyier nod? gröbfte pietätslofigfeit gegen bie. IHenfdjen, bie fid? 
aus HTangel an (Selb ntcfyt an breiten Pradjtmegen beftatten laffen fonnten, fonbern 
hinter bienten Bosfetten begraben laffen mußten. Ber neue ^nebhof muß ben (Seift 
ber neuen ^eit erfennen laffen. 2 Kit gefdjmacflofen Benfmälem, Grabfreujen unb 
gärtnerifdjen Perheerungen muß aufgeräumt merben. <£s ift Aufgabe bes Geftalters, 
nicht mit ben teueren Kauf* ober Habattengräbern an ben IDegen ju beginnen, 
fonbern mit ben Gräbern im allgemeinen £eid?enfelb. Permenben mir beifpiels* 
meife in einem großen Gräberfelb Hofen, in einem anberen £ilien, in einem anberen 
mieber BTargueriten, als allgemeinen Blumenfcfymucf, fo merben bie menig Iiebeooll 
flingenben Bejeichnungen mie ^elb 270 , 280 , 290 ufm. 00m Publifum balb nid?! 
mehr benüßt merben. HTan mirb bann feine »erblichenen Kngeljörigen im Hofen-, 
Cüien* ober HTargueritenfelb auffud?en. 

Ber neue ^riebfjof barf fo menig mie ber unferer Großeltern feinen < 3 mccf »er« 
leugnen. <£r mirb bie fojialen Gegenfäße ber Bürger meniger erfennen laffen mie 
biefer, mirb aber bie bemäßrte regelmäßige ^orm architeftonifd? meiter ausbilben 
unb auf ben heute noch f° oben großen flächen ber allgemeinen Heihen Blumen- 
felber entftehen laffen. 

£u ben Grünanlagen ber beutfehen Stäbte, bie heute meift noch nicht in bas 
^reißächenfyftem einbesogen morben ßnb, gehören bie Kleingärten. Bie meiften 
»erbanfen ihre (Entfteljung ber Hot. Ratten aud? Großftäbte mie Berlin, Ceipjig, 
Bresben, HTünchen u. a. fchon lange 3 a h rc Dor öcm IDeltfrieg ihre fogen. Sdjreber* 
ober ^amiliengärten, eine typifche <£rf<heinung bilbeten bie Kleingartenanlagen für 
bie beutfehen Stäbte aber erft beim (Einfeßen ber großen Hahrungsmittelnot mäfjrenb 
bes IDeltfrieges. freute finben mir »or ben tToren unferer Stäbte unb Börfer 
Caufenbe »on Kriegsgärten. Sie müffen im H>efentlichen als ernfte «Erinnerungs* 
$ei«hen noch lange 3 a h re beftehen bleiben, menn auch bas eine ober anbere Gärtd?en 
bei 5unehmenber Befferung ber £ebens»erljältniffe aufgegeben mirb. Selbft menn 
bie Hot »erfchmunben fein mürbe, müßten Kleingartcnanlagen für bie £eute beftehen 
bleiben, bie heute aus £iebe jur Sache Gartenbau treiben mollen. Bie Kleingärten 
müffen alfo fünftigljin mit in ben Bebauungsplan aufgenommen, im (Einseinen 
beffer ausgeftattet unb in bas ^reißädjenfyftem eingegliebert merben. 

2 ln biefer Stelle fann an bie »iclcn Sicbelungcn gebacht merben, bie heute 
überall im (Entftehen begriffen ftnb. Bo<h erübrigt es ftd? mohl, h'°r näher auf 
bie gartenbaulichen fragen ber Siebelungen einjugehen, meil bereits oben bie hier 
maßgebenbrn ftäbtifchen unb börfifcben Grünanlagen fur^e (Ermähnung gefunben 
haben. 

3 n ben ffijjenhaften (Erörterungen bürfte mohl gezeigt morben fein, meid? 
mächtige Holle bem ^reiflädjenfvftem im heutigen Stäbtebau jUjuteilen ift. Bie 


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geringftc Be&eutung ber (grünanlagen fällt hierbei auf bas äflt^ctifdjc (gebiet. IDeit 
wichtiger ftnö bie faititären uni» fojialen Aufgaben, bie an Me ftäbtifchen ^rei= 
flächen geftellt »erben. Schon besljalb ift bie gartenbauliche Betätigung ber beutfe^en 
Stäbte gegenwärtig nicht weniger bebeutungsuoll wie oor bem IDeltfrieg. (Eine 
pernünftige ftäbtifcfje ^rei^ächenpolitif wirb in erhöhtem 2Ttajje mit baju beitragen, 
ba0 bie burch ben Krieg ftarf gefchwächte Seoölferung wieber an £eib unb Seele 
1 gefunbet; fie wirb bie XDohnftätten ber BTenfchen mit ihrem wohltuenben (grün 
burchbringen, ihnen baburch mehr ^reube am traulichen fjeim, mehr Stolj auf bie 
fchöne Stabt unb mehr £uft unb £iebe jur Krbeit wachrufen. 3ft bies einmal 
erreicht fo werben wieber 5 ufriebene ZTTenfchen unb glücflichere feiten fommen. 

i 


2ln unfere ZTIitglieberl 

Der „CWtjari^-'Kalenber für ba» Dabtter Caitb, 2. 3atfr$. ber von jefet ab 
bei ber <8. ^raunfdjen £}ofbudjbrucferei in Karlsruhe erfebeint unb im £ud)t}anbel \2 IH. foftet, 
roirb unferen ITtitgliebern bei Sejtellung burdj bie (Befcbäftsfteüe 3U 750 2IT. 3U3iigIidj porto 
unb Derpacfungsfpefen geliefert. Da berfelbe nur in einer befcfyränFten 2ln3affl uon fijemplaren 
gebrutft ift, ift es fraglidj, mie längerer nodj geliefert tuerben Famt. Der „©FFljart 4 ' ift aber 
nid?t nur ein uoriibergetjenber Kalenber, fonbern mit feinem mertuollen 3nbalt ein bauember 
Sefiö» brum raten mir, rafd? 3U3ugreifen. 

2Iuf$erbem feien unfere ITCitglieber auf unfere Heimatblätter „Dom Sobettfee fum Ulaitt“ 
erneut aufmerffam gemacht, bie im <L lUiillerfdjen Derlag in Karlsruhe erfcfyeinen, unb 
beren profpeft unferen früheren heften beilag. 3n ben nädjften tDocfyen erfcfycinen neu: 0cbs, 
• bie (Breiten ber babifcfyen Hlunbarten; Sdjmieber, bie 2lbteiFirdje 5t. haften; Sdjneiber, 

berg, feine ZTahir unb fein gefdjid?tlid}es £eben; Schläger, bas Kinberlieb in 23aben. Die F>efte 
föttnen ron unferen IHitgliebern mit 20% (Ermäßigung burch bie (Befcbäftsfteüe be 3 ogen tuerben. 


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I 



Qtöücherßefpmhungen 

Achthundert 3al^rc ^reiburg im Breisgau u^o— *920. Silber aus ber (Sefcbicbte ber 
Stabt. §ttr ^eier it^res 800 jährig. Beftehetts im Auftrag bcs Stabtrats entmorfeu roti 
prof. Dr. peter p. Albert, Stabtarcbirrat. ^reiburg i. Br., £?erberfchc Pcrlagsbucbhanb^ 
hing *920. preis 8 ITT. 

IPer irgenb für unfer fcbörtcs Afreiburg uub feine Dergangenfyeit ein 3titereffc bat, permißt 
feit 3 a h r 3 c hntcit eine ber heutigen Betracbtungsmeifc einigermaßen cntfprecbcube (Sefcbicbte ber 
Stabt; es ift bas Buch, auf bas mir alle, nicht nur im Breisgau, nein, im ganzen £anbe Baben feit 
langem märten. Pas alte IPerF ron Schreiber, fo perbiettftroll uitb bebeutenb es feiner §cit 
mar, ift veraltet uub aud? offen geftanben, recht langweilig, bas flüd^tige IPerF ron Baber bietet 
Feinerlei (Erfatj. Allein foriel (Eii^clunterfncbungen febon erfdjienen ftnb, noch immer mill ficb 
bas Bilb nicht 3um (Saiten runben, immer neue Ifiuberniffe ftellen ftd> entgegen, fo ift bie Der* 
öfFentlidjung bes UrFunbenbud?es ber Stabt bureb bie jeftigen Perbältuiffe mohl auf lange hinaus* 
geflohen unb es mag mohl ohne basfelbe eine gemiffe Kühnheit ba3u gehören, ben großen 

IPurf 311 magen. So muffen mir hoppelt bauFbar bafür fein, baß ber 2lrd?irrat ber Stabt, 

profeffor Dr. Albert, uns 31m ^feier ihres aebthunbertjährigen Beftehetts in einem acht 

Bogen ftarFen Banbe: „Acbtbuubcrt 3 a h rt ' ^reiburg im Breisgau. Bilbcr aus ber 
<$efd>id?te ber Stabt", einen mertrollcu cSrfatj bafür geboten tiat uub baß er, ber berufenste 
Kenner ber Stabtgefdjicbte, in 3efyn Bilbern bie QöhepunFte ihrer (Eutrn icfluttg uns gefebilbert unb 
bie großen Linien ihrer (Sefchichte porge3eicbuct hat. (Er h a * aus bem reichen Sd>ag feiner 
Kenntniffe bas IPiffciismerteftc auf biefett t26 Seiten 3ufammengebrängt unb mit ber Sicherheit 
bcs eraFten BiftoriFers fo eine (Srunblage gegeben, auf ber alle ^orfeber über bie (Sefcbicbte, bie 
Kutift unb bas geiftige £eben ber Stabt Fünftig fußen merbert. 3f? re (Srünbung, bie §cit ihrer 
(Srüttbcr unb bereu Bacbfolger, bie (Sefchichte bes ittünfters, ber aubertt Kirchen, ber Klöfter, bie 
öfterrcidfifd^e g>cit, ^reiburgs IPirtfdjaftsIeben, feine hohe Schule urtb allgemeines Schulmcfen, 

bie <Slau3periobc bes lebten Bitters, bie Kriegswesen uub Kricgshelbcn, bett unaufhaltfameu 
Perfall, Stiftungen unb Stifter, Kunft unb Schrifttum, cnblich ber Auffcbmung im (9. 3 a h r ’ 
bunbert, bas alles mirb uns mit ben miebtigften Paten uub AnhaltspunFten porgeführt; eine 
^fülle bes Stoffes, bei ber mir es manchmal bebaueru, baß bcr bureb bie Bufgabe einer 3 U ^*‘ 
länmsfcbrift etmas enge Bahnten meitere Ausführung unmöglich machte, Ifoffeu mir, baß balb 
eine neue Auflage es bem Perfaffer ermöglicht, bie Bilber 311 ermeitern unb über bie biestnal 
gebotene Knappheit oft nur Furjer (Ermahnungen hinaus mit lebhafteren färben aus3umalen unb 
fo eine noch breitere (Srunblage 311 bieten, auf ber mir alle arbeiten Fötuten. IPic ber 3 n ^? a ^ 
bes IPcrFes, fo ift auch bie Ausstattung beit bewährten (Lrabitionen ber 5crberfd?ett 0fft3itt 
unb betn gefaulten Auge bes Perfaffers entfprecbeitb über jebett (Eabel erhaben, fomohl mas 
papier uitb PrncF, als auch Anorbnung ber Abhebungen betrifft, roemt and? ber offt3ielie ( t>merf 


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bes Bnd?es manche nid?t gerabe erfreuliche Photographie Ißneingebracbt hot, gemäß ber bei fold>en 
Schriften üblichen oft mehr chrouiFartigen Haltung bes Wertes. Die Stabt hot es ftd? in ihrem 
/ 3ttbiläumsjahr nicht nehmen laffen für einen beinahe ^riebensfäfceu entfprechenbert, mäßigen preis 3U 
forgen, ber allen 3otereffenteu bie Unfdjaffung ermöglicht. 3*? r bem Derfaffer fei nochmaliger 
DanF ausgefprochen unb 3ttgleich ber vielleicht unbefcheibene IDunfd?, baß es feiner berufenen $eber 
auch nod? oergönnt fein möge, uns bie langerfehnte, große (Sefdjichte ber Stabt 311 fchreiben. 

mit ber Sorgfalt bes Urdßpars hot ftch 21lbert aller nicht gan3 ßcberen Kombinationen 
enthalten, ift er por 311 energifcher Bejahung ober Verneinung 3urücfgefd>recft, fo baß fein 
StanbpunFt ßd? oft nur erraten läßt, hot er mit hiß «ob ba vielleicht etwas 311 fpröber Z ur ötf‘ 
haltung es perfdjmäht, feinen pinfei in einen polieren ^arbtopf 31t taud?en. Das burfte 
vielleicht ein Bürger unferer Stabt, Batthafar tPilms, ohne 3Ünftige (SelebrfamFeit eher 
wagen in feinem Bud?e: Die 'Kaufleute von 5reilmr$ i. Br. t Ejerberfche Verlags* 
hanblung, ^reiburg t* Sr., 19^, preis ^.50 m., bas bereits im 3 a h re 1916 erfchienen 
unb längft tßer hätte befprodjen werben follen, wenn bie BaumbefchränFung es nicht pertßnbcrt 
hätte. 3 ft bies Buch bod? gerabe^u ein leuchtenbes Beifpiel begeißerter Beimatsliebe, bas 
ber pom Bheiufanb gebürtige feinen jeftigen IHitbürgcrn aufgeftellt hot, benen er im (Eifer für 
ben Huhm unb bie (Sefdßcbte ber Stabt, in ber Iebenbigett ^örberung allen l?eimatßnnes por* 
bilblich porangeht. (Es ift fo recht ein Buch, wie gerabe wir es nur wünfehen mögen unb wie 
wir es als fltufter für bas gatt5e £anb anführen möchten. 

^reiburg war befanntlich 3unächft eine Stabt ber Kaufleute: „mercatores personati“, beren 
alteingefeffene (Sefdßechter bis gegen *300 bie unbebingte t^crrfchoft ansübten (unter ben fyvfiqen 
unb (Srafen) eine ^errfdjaft gegen bie ßd? bie £?anbwerFer fd?ließli<h empörten, um mit ihren fünften 
ße enblid? 3U brechen. Unter jenen Kauflenten hot bie Stabt einen glän3enben Uuffcbroung genommen, 
ber uns pon IVilms in lebhafteften Soeben gefdßlbert wirb, wobei bie Begeifterung bes Verfaffers 
für feinen Stanb in wohltuenfter IVeife 3um UusbrucF Fommt, 3ugleich aber and? eine berartig 
hohe Unffaffung feines Berufes, wie wir ße weiteften Kreifen h ß utc nur wünfehen möchten, mit 
innerer (Eeilnabme er3ählt er uns bann Pom Biebergang biefer mad?t unb 3eigt uns beffen Urfachen, 
bie teils in ben 5 c h^ em &er (Sefdßechtcr teils in ben geitperhältniffeu liegen, mit feltenem 
(Eifer hot IVilms ßd? babei in bie Quellen pertieft unb in genaueften Stubien, beraten pon ben 
berufenften perfönlichfeiten, por allem unferem unpergeßlichen £?. ^lomm, feiner Darftellung eine 
ßcbere (Srunblage gegeben. (Serabe bas unterfcheibct feine Urbeit fo wobltueub pon ber Urbeit 
anberer nicht künftiger, bie oft einen matigel an foliber Urbeit burd? Begeifterung 3U erfeften fuchen — 
unb eben biefer Umftanb, pereinigt mit echter liebe 31W Sad?e unb 3m bjeimat, läßt uns bas 
Buch fo porbilblich erfcheinen unb wünfehen, baß and? aus ben anbern Stäuben ähnliche 
Sdßloerungen ihrer <Sefd?ichte h crt, orgehen möchten. — Die enghe^igen lVirtfd)aftsgrunbfäfte 
ber fünfte,, wie Ulbert fd?rcibt, hoben 3iifammen mit anbern Umftänben, wohl and? bem öfter* 
reidßfdjen Regiment, ben Biebergang ber Stabt herbeigeführt. (Elegifd? unb bod? mit ber b?offuntigs* 
frenbigfeit bes werftätigeu mannes fdßlbert IVilms biefen Biebergang unb bie weitere Bolle 
feines Staubes. Das Buch ift noch in einer guten §eit gebrueft unb ncibifd? mögen wir 
heute auf bas wunberbare papier unb bie gan3e Uusftattnng blicfen, ber bie Zeichnungen Stritt’s, 
in benen bie fympathifche BotnantiF bes Verfaffers weiterfd?wingt, einen befouberen Beij rer* 
Leihen. Sd>on bamals inbeß beburfte es befouberer (DpferfreubigFeit bes Verfaffers, ein folcb' 
fchönes <San5e h c raus3ubringeu. möge ihm bas auch bei feinen Fiinftigen Schriften gelingen: 
fo viel ich weiß liegt eine, bie uns einen wertpoüen UToment ber ^retbwrger (Sefd?icbte fchilbert, 
*m manufFript fertig por unb Faun nur ob ber Ungunft ber Zeiten nicht gebrueft werben. ,,Vivant 
sequentes“ möchten wir ihm einstweilen 3urufen. 

(Sibt bie Schilbcruug bes für ^reiburg wichtigften Staubes fo eine wertrolle <Ergän3img 311 
ber Ulbertfchen Schrift, fo besgleichen bas t9t9 erfdßenene Buch „Qeinrtdj Sautier“. (Ein Volfs* 
fd?riftfteller unb piouier ber fojialen Urbeit pon Union Hehfradj, Berberfd?e Verlagshanbluug, 


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5.60 ITT., bas aus bcm Kapitel über bie Stifter ber Stabt einen ber widjtigften oorweg heraus- 
gegriffen unb ihm ein föftUdjes, aber auch oerbientes PenFmal gefetjt h a ** Hid?t beswegen 
allein, tz>eil Sautier ein fo wohltätiger Stifter gewefen ift, fonbem weil feinen Stiftungen gan3 
befonbere faialpolitifche ©ebanFett 3ugrunbe liegen unb uns bamit ein (Hinblirf in bie Rialen 
Kuffafiungen um bie IPenbe bes *8. 3um ^ahrhunbert gegeben wirb, wie uns bie Säuberung 
ber PolFsfdjriftftellerei Sautiers, bie feinem Stanb nad? meift auf religiöfem ©ebiet lag unb fid? 
meiftens gegen eine, oft in ber (Eat recht feiere KufFlärnng wanbtt, einen wertvollen Beitrag 
3ur ©efd?id?te ber religiöfen Bewegungen bamaliger §eit gibt. Pas macht bas Büchlein aud? 
über ben engeren UmFreis £retburgs hinaus wertvoll unb 3U einer mistigen Quelle für alle 
;Jorfdjer. ©bgleidj bie Partei, bie Hetjbad? babei nimmt, nid?t 3weifelhaft fein Fann, 3eidjnet ftd? 
bas Budj bod? burdj eine wohltuenbe SadjlidjFeit unb ©erechtigFeit aus. Htöge es ba3u beitragen, 
biefem eblen Stifter recht viele Badjfolger 31t er weifen. 

©uftav lUünjet, Ule ©efdjidjte vom Sdjorfdtel* (Ein lltärchen mit Zeichnungen von 
Ejermamt ©ehri. Perlag von (Erich IHathes, Ieip3ig u. Ejartenftein <920. preis 540 IH. 

Per Perfaffer, einem engen Kreife in ^reiburg feit langem als feinfinniger, 3urüdh a ^ en ^ er 
Kunjtfchriftfteller beFannt, h at unferes IPiffens 3um erften ITtole ber (Dffentltd?Feit eine 

probe feiner bidjterifdjen OTufe vorgelegt. Unb er leiftet biefe probe gleich auf einem ber fdjwie« 
rigften (Sebiete, bem bes HTärchens. ©ilt es bei bem literarifchen Klärchen bod? fo fcblicht unb 
bod? einbrucfsDoll 3U e^ählen unb 3ugleich mit einem Unterton warmen (Semütes, bag ein Kinb 
bas Klärchen mit Pergnügen lefen Fann, ohne burdj ben verborgenen, tieferen Sinn, gejtört 3U 
werben, ben ber (Erwachfene leife fpürt. Bei biefem Perfnd? einer fd^Iid^ten (Stählung aber 
fallen fo viele Pidjter nur 311 leidet ins ©efünftelte, bas IPunberbare wirb nicht recht glaubhaft 
ober aber jener geheime Sinn Fommt ftörenb 3ur ©eltung unb vernichtet ben KTärchenton. Klü^el 
hat beibe Klippen vermieben. ^ebex wirb feine h*üe ^reube h a ^ c ^ fönnen an bem brauen 
Sdjorfchel, feinem lieben Ejunb unb bem ver3auberten €ibechslein, bas echte ©rufein fpüren vor 
ber Ejeje unb bem (Teufel unb h* r 3 tt*h lochen, wie bas (Eibechslein plöölich au f & em £ifd? bes 
erftaunten Königs fiftt unb fid? bann in fein prin3effin*(Eöchterlein verwanbelt. Pie meiften 
Sjenen finb wirFlich geflaut unb prägen ftch beshalb ber bilbmägigen phantafte ein. Croß bes 
humorvollen Kusmalens mancher (£in3elheiten ftnb alle Bebenbinge 3urücfgebrängt unb bie <£r3äb‘ 
limg fliegt — andp bas ein fehr wichtiger PunFt — im richtigen (Tempo weiter, 3ugleid? in 
beftem, reinftem Peutfdj. Sehr anmutig wirb ber (Tejt begleitet von ben Zeichnungen f?ermanit 
©effri’s, bie ihn leicht fpielenb illuftrieren. (Erwachfene wie Kinber eine gleich genugreiche 
leFtüre. 


Unferer heutigen Bummer liegt ein profpeft ber rühmlichft befannten, fdpönen unb beimat* 
fto^en Klonatsfcbrift aus (Dberbeutfdjlanb „Per fcbwäbifd>e Buitb" (Perlag „Per Schwäbifche 
Bunb\ Streifer u. Scbröber ©. m. b. I7., Stuttgart) bei, auf ben wir unfere lefer befonbers auf* 
merffam machen unb ihnen auf bas angelegentlichfte empfehlen, je^t 311 Beginn bes neuen Jahr¬ 
gangs 3U abonnieren. 

Per Polfsverbanb ber Bücherfreunbe bat nuferer t^citti^cn Bummer bie Befmibuug 
bes P. b. B. beifügen laffen. (Er verweift barin 3unächft auf feine dielt unb Aufgaben, 3eigt 
bas Programm feiner erften Jabreserfcheiuungen, fowie ber Bänbc feines unb 2. Kuswahl- 
Angebotes, mit perfönlidpen (Einführungsworten ber betreffettben Herausgeber. Sie enthält Klit- 
gliebsfarte unb Beftellfchein, bie in offenem Briefumfddage als Prucffadie an feine 21 b reffe gefanbt 
werben Fönnen. (Er verfenbet auf IPunfch feine literarifcb wertvolle IPerbcfcbrift unb fotiftiges 
gut ausgeftattetes propaganbamaterial Foftculos jebern banach Perlangenben. 


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JSabtscbe Ibetmat 

<gettfd?rift für Polfsfunfre, 
länMtcfye rPotytafrrtspflegg, 
fieimat» unb Denfmalfcfyufe 


3m Aufträge 

öcs Pereins „Babtfcfye £}etmat" 
fyerausgegeben pon 
IHar tPingenrotb 
^reibarg t. 53. 


8 . 3 a fyrgqng 


Ifailsrufye t. B. 

(ß. Braunfcfyc f}ofbud/6mcferci unb Pcrlaa 
1921 


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3nf)altsper3eidjnis 


Huffätic: 

Die Saar pon fjcrmaiin Sernatingcr . 

Die Senölferung öcr Saar ron «Eugen $ifd>er . 

^arbcnfpielc. Stinunungsbil&er ans 5er 33aar von (L Kefyfc . 

Die Körner in öcr Saar pou paul Hepellio . 

Die ftunftpflege in i»er Saar in älterer ^eit ron fi. $ c u r ft c i«. 

Die ^ürftlid) ^ärftenbergifdien £)ofbibliotfyef in Donaucfcbingen 

Doit <£buar5 3°f? nc . 

2Huftf pflege in Donauefcfyingen ron Beinrid? Burfarb . 

S.ilbnismeöaiUen öer öeutfdjen Hcnaiffance in Öen ^ürftüdi dürften« 
bergigen Sammlungen 00 n 3 uiius(£atjn . 

Die 'Klöftcr in öer Saar pon B*rm«*nn£auer . 

Solfsfunölkfye JDanöerung in öer Saar ponfiugen^eijrie . 

Das Kunfttjanömerf in Sillingcn ÜO n Wilhelm Kling . 

Die Stäöt. Kltertümerfammlung in Piüingen pon Hlaj n?ingenroth . . 

. Der ^ürftenberger Kckb unö öas Sdtcibenfrcuj im IHünfterfcbafe 511 
PiUingen pon IMajJDiugenrotb . 

Sräunlingen. «Eilte baugefdjicbtlidjc Betrachtung pon 3- <5 r a f. 

€öffingen pon Hl a J ID i n g e n r o t lj. 

Sibliograpfyie öcr Saar p 0 n $. K. Bartl). 


Seite 

5 - I 9 
20—22 
23 — 2 * 
25 — 35 
36 — 55 


36 — 82 


83—98 


99—105 
*06 ~{[2 
\\ 7 > — U 8 
U 9 -l 7 >l 


\ 32 — 140 


UI-H 9 
\ 50 — 160 
\(y[— 160 
l 70—176 


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:il a t [) i a ? ©rüncirali, niavjbalcrta rer bem Acfrciuigtcn 

©alfrif ju Doruiur[dringen 

Koj.ic bcs 16 . Jnhrfy mid? rinrni oerloren^e^nn^e ien Hltnrfifigel i>rs ITtcifters 


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©u Qßaar 

Ton Ijermann Sernatingcr, Raufen »or itfalö 

uf 6er podnnadit bes lüartcnberg ftefye idi, laffe meine Hugen runbum* 
gefjen unb erfdiaue unter mir unb um midj bas liodilanb 6er Baar. 
Die €an6e r>on 6en (Dftabfyängcn 6es Scbtnarjinalbes bis hinüber junt 
fteuberg, 6cm 5ii6en6e 6es mürttembergifeben 3ura, im Horben bas ^lu^gcbiet 6er 
Brigad?, bis füblidi jur Hitradi unb IDutadi, bas ift, was bierjulanbe „auf ber 
Haar" geheimen wirb. Ein £}od)lanb jmifdicn 700 bis 800 m über bem ZHeere ge» 
legen. Einzelne f)öben barin fteigen bis über 900 m an. Ein großer (Teil ift ^ladj* 
lonb unb Hieblaub, gemellt burdi fanfte Bobenanfdnrellungcn. Hus bem fielen ber 
Haar bei Donauefdiingen entquillt Europas größter Strom, bic Donau. Bei Sdjrnen* 
uingen entfpringt ber niclbefungene Hccfarfluf. Die Baar ift burebjogen non ber 
Brigacb, bic am Rrjtnalbe bei St. Georgen entfpringt, von ber Breg, mcldie aus 
1000 m liöhe jwifdien Hofjecf unb Brigliraiu nom Scbwarjwalbe bcrabFommt, non 
Donau« unb Hcdaranfang, mit nielen Seitcnflüfjdien unb Bächen. I7icr unb bort 
liegen nerftreut über bic ganje Baar fleitie Seen unb TDeiber. Hmfäumt ift bas l)odv 
lanb non ben Husläufen bes Sdnnarjmalbes unb bes 3 ltra - 

HTalerifd? ift bic Schau nom IPartenberg bin über bic Baar. <5 U ^üfjeu bas. 
große Hieb, burdifcblcingelt nom Silberbanb ber Donau. Sie lätit ftcb <3eit unb iniubet 
ficb in nielen Biegungen burdi’s gattje Hieb, am lüartenberg norbei, bem Stäbtdieu 
(Rcifntgen norüber, 3 nimc,, bingen ju. Soweit bas Huge reicht, fpreiten fidi brunten 
in ber Ebene unb an ben Ringen bie gcfdimcllten Pfiible ber IDicfcnmatten, bajtnifdien 
hinein bic aufgebrodicite Erbe ber HcFer, ba unb bort bie Fräftigen Sdiatten ber HXilb« 
beftänbe. Unb nie luftig lugen alliibcrallber aus ber Ebene herauf, non ben Bülieln 
herüber, oft nur mit fdielmifcbcm KirditurmblicF hinter Eannemripfeln bernor, bie 
Sicblungen ber Stabte, Dörfer, ITeiler unb (Reböfte. Hn bie ßunbert Faun man 
3 älilcn. Ein reidigemirFter, buutgenuifterter Eeppidi. Der Saum bes (Teppichs Fräftig 



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iUicf in Sie U'cttbaar. $e&cr3eid?nu?tg t>on K. 5 - lHcr3 


unb fcbroungnoll jugkicb finb Hanbljötjen bes Sdjmarjmalbes unb bes Jura. IPic 
biitcr fiebert fte ba runb um bie Baar, bas £)ochlan6 ju betreuen. 3n feinem Kvtbmus 
fyeben unb feitfcn fidi bie fjöbenjüge, treten in jartem Spiele nor unb juriic!, flehten 
in gefälligen Uberfdntcibungen ihre febmingenben Umriflinien iiteinanbcr unb fdiliefen 
rings um bie Baut einen lebnollen Hcigcn. 

<3tnat ift beute erft Dorfrüblingstag. Hoch fmb bie IDiefemnatten rotbraun, 
nur hier unb bort lebt ein frifebes (Srün non Zidern mit IDinterfaateu auf. Hodj 
fielen bie Caubtnälber auf ben höben bes 0ftranbes unbelaubt. Unb bodi, melcb 
reidres Spiel an Tönungen, Cicbt unb Schatten, formen unb Sittien. 

Kommt erft ber Sommer, f di mellen bie JDiefen, blühen bie Klcefelber ihr IPcif 
unb Bot, fpriefen bie Saaten, muebert ber Senf mit feinem ftccbcnbert (Selb, legen 
bie Caubmälber ihr buntfarben Kleib an, mögen bie üppigen Kornfclber ihre golbene 
$ut bureb’s ganje meitc Baarlanb, ba fingt unb flingt es non Schönheit unb ^arbett» 
jubel aller €nben. S dräut man ba non einer ber boebmarten, bem ^iirftenberg, bem 



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Baumblüte. ©Ibilb pon {7. Sebröber 


IDartenberg, 6cm Simmelberg, 6cm Cupfen, 6em Sdiellenbcrg, 6er Bchlaer £)öl?c, 
herum utt6 hinunter ins weitoffen 6aliegen6e Baarlanb, 6as Huge wirb trurtfen. 

3m f)crbftc wirb reiflich gegeben, was bas ^rüSjaf? r oorentljalten E?at. (£iit 
Übergang roit IDinter ju Sommer fehlt faft galt). 2\afch tritt 6er Sommer in feine 
Hedtle, nenn 6er IDinter oft bis in 6cn ZHai fycrein f)ausrcd)t bemalten hat. Defto 
wohliger unb ausgiebiger ift heroben 6er fjcrbft, 6er oft bis in 6en lebten 3ahrcs» 
monb anhält. IDeld)’ wonniger Räuber, wenn an einem flaren f)erbflmorgen 6ie 



Sd?nccfd?mcl*e. ©Ibilb von K. $. lHorj 


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8 



iJuarcmcr 2Uäfccbcn (jur <Srntc*cit) 

2lqin:rcll pon 3* 27. f>ctncmann 


aufgeben6e rönne hinter 6cm Kmtenhaufer bjöhcnjug herauf ihre Kofcnfingcr jum 
ZKorgcngruflc emporftredt, 6cn örtlichen borijont erglühen lä£t in allen färben vom 
6unfeln Piolett bis jum feurigen 03ol6, un6 trenn fte 6aint beim böberfteigen 6ie 
l^öbeit 6a un6 6ort nacheiitanbcr mit ilner (blut betupft. Un6 glcicherroeifc, trenn 
fte am 2lbcn6 hinter 6cm bochfirft un6 ^el6berg, 6ie in unfere Baar berüberguden, 
jur Kühe geben mill un6 nochmals 6as ganje bochlattb mit fatter Karminglut über- 
gieljt. 

Kommt 6er IPinter, mir fürditen ihn nidü. IReift flarc (Tage mit hellem ron- 
nenfehein. £inc rfiman6eruug über 6ie böben mit 6cm mciteu, 6urd-.fi ditigen Blid 
über 6ie fdmccgepolfterte feierliche £bcnc, 6arüber hinaus in 6ie fchneeblinfenbcn 
Sdurarjmalbberge, ron mandtem Stan6ort aus auch bis ins rilbcrlanb 6er Klpett, 
nichts Schöneres fann es geben, bat Kaureif 6ic Bäume un6 Sträucher rerbrämt, 
meid) feftliches ©lifeern uttüberfebbar. Pas ift 6ic „raube Baar" im taufe 6er 
2Hon6e. 


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- 9 — 



Baaremer Blasen (ZBcftbaar) 

Aquarell uon 3* 21. fteincmamt 


Pas BolF, 6a 5 6a irobut, ift rorncbmlicb alemannifdjen Blutes. Kelten, HlarFo- 
mantten, Homer, Hiemannen, auch Sueben un 6 ^raufen 6 ajn?ifebenbtnein, traten 6 ie 
rorgebenben Siebter 6 er Paar. 'Sin Friiftigcr Hicnfcbenfcblag, großen IDucbfes, breit» 
gefdmltcrt, fetnigen un 6 frifdien Husfcbeits. Blonbes fjaar un 6 Blauauge fm 6 oft 
ju finben. 

Per Sbarafter bcs Bol Fes ift niebt auf 6 eu elften Hitbicb ju faffen. Per 
Baaremer ift juriidbaltenb. Biele IPorte liebt er niebt. Huf fteb felbft hält er viel, 
^remben unb Heuern ftebt er fFcptifdt gegenüber. Pas Hiterprobte legt er niebt gerne 
beifeitc. £jat er aber Heues als gut unb praFtifdi erFannt, bann nimmt er cs auch 
gerne auf, um ebenfo Fonfcrratir triebet baran ^u bangen. Hudr ben Hlitmenfeben 
gegenüber ift er fo. Huf beit erften IPurf febeint er uttjugänglidi. ~Sft man in fein 
f^crj eingebruttgen, bann bat man bauernben plat> barin. 

So ernft ber Baaremer fieb anfiebt, fo fröblidt Fann er fein. Huf Baaremer 
„luftigen bodijcitcn" ba gebt es irirFlidi luftig 31 t. (Tapfer mirb gegeffen, nracFcr ge» 


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£ajtitacH&ircibcit in Bilfingen 

Cirbograptjie pon €. Heid? (aus „fjieronYmus*) 


trunFen, uncrmüölidi getankt. Seherj unö barmlofe Stidielreöc fliegt her unö bin. 
^aftnadit gehört 511 Öen bauptfeften unö öer Baaremer „fjattfcle" mit feiner böljernen 
„Scbcmc" (Partie), öcm ^udisfdurcif, Hollengefdiell unö fjoljfduvert ift typifd}. Unö 
öer „banfelefcbritt" null gelernt fein. Das 5 um „banfeie" gehörige „Strählen", ein 
fatirifdies (ÖenccFe, liegt öcm Baaremer im Blute. Kirdweihfcft trirö jmei «Tage lang 
hei ausgiebigen Canjfrcuöen, <£ffen unö (Erinfen gehalten. 3m Flcinften Dorfe fehlt 
öie Dheaterbühne nicht, auf öer an IDeihnaditen, ^aftnacht, ©ftent, Pfiitgften non öer 
ernxtdifenen Dorfjugenö, uielfacb mit guten Seiftungen, gemimt irirö. CrunF unö 
<Tanj öarnadi öarf nicht fehlen. 2ln Öen langen lüinterabcnöcn geht man „im Kehr", 
öas h c 'l 5 * balö in öiefem, balö in jenem baufe „ 5 ’bogarten". Das ftnö öie länölichen 
©efcllfdiaftsabenöe. So fiele diaraFteriftifcbc Sitten unö Bräudie, ooll tiefen Sinnes 
unö golöencrt bumors, öie Ciijian Heidi in feinem „bieronvmus" noch fdiilöcrt, ftnö 


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u 



Horittya au& fccr Haar (Raufen rer IHalfc) 

Cittjograpbic dou C. Heid? (aus „fueronYntus") 


leiber unter bem Staub bcs audi in unferer abgelegenen Baar einrcijjenbcn HUermelts» 
tums erftieft. 

Der Fonfernatiue ©eift bes BaaruolFes I?at bodi noch Ilberrefte ber alten, fo 
Fleibfamen bunten „Cradit" fcftgehalten. IDäbrcnb 511 x 1 c bic BTannstradit ganj reu 
fdjtnunben ift, fielet man bagegen bic ^rauentraebt, rr»enn aud) nur in Brudjftücfen, 
überall. Die urfprünglicbe Baarcmcr (Tradit bat nodi fjeimatreebt in ben ber Baar alb 
anlicgenben Studien ber 0ftbaar, bic bem ^rembcnnerFcbr etnxis abliegt. ~Sn ben 
übrigen (Teilen ber Baar bat fidi bie Dradit jener ber Scbinarjuxilbcr angelebnt. Die 
rolle Cracbt non Hopf bis 511 ^iijjcu tnirb feiten mehr getragen. Das ftnb: bic Kappe 
mit bem „Boben", ber mit ©olb» ober Silberfäben, ober mit farbiger Seibc reidibe* 
fticFt ift, baran bis 3 ur ^erfe nicberfallenb smei breite fdjtnarje ITToireebänber, um ben 
f)als bas ebenforeidi beftidte Koller, bann bas Bücher, „Bruft" genannt, gleichfalls 


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„800 m- (tflict ron Mr Pekinger l^bc über beit Scfrirariiratt in Me ZUpen). Älbilb von f> Ccmbfc 


reid) mit ©olb, Silber ober reibe beftidt, ron ber Pdifelböbe unter ben Firmen 
berumjiebeub bas rote ober griinfeibcuc Panb, meijilinncue bis jum <£llcnbogen reidenbe 
puffärmel, rielgefältelter ober am untern Saume mit Samt verbrämter fdurarjer 
KocF, bariiber bie buntfdjillerubc Seibcnfcfmrjc, um bie «Taille gelebt bie mebrflräbnige 
Silber» ober <0olbfette, bann bie meinen Strümpfe in ber fatbolifd;en Paar, bie roten 
in ber crangelifchcn, fd liejjlidi leberne balbfdube mit Silberfdinallcn. Pfeift begnügt 
man fld* mit Kappe unb Scibcnfebürje. IPie lange nod> uitb auch biefep Heft mirb ron 
ber alle «TbaraftcreigentümlidiFeit morbenben Pfobe binmeggefegt unb ron einfältigen, 
grauangeflridenen PllcrmeltsgecFen binausgeedelt. Seiber! Pie Pradt mar „511 
fd'ön, um treu 511 fein". 

Pie Pefdxiftigung bes PaartvlFes ift rormiegenb Sanbmirtfchaft, Pderbau unb 
DiebjueH. Olemeinbin mirb bie Paar „bie Kornfammer Pabcns" genannt. Sd ott 
ju Kömerjeiten galt fte als ein rorjüglicbcs (fietrcibelanb. Pbebem fab PiUingen 
grojje ^rud tmärfte mit Pbfafc nadi ber Sdimcij. bleute rcrmittcln bie (Betreibe« 
lagerbäufer in biifingcn unb Kieböfdnngen ben Hmfafc. (Berfte, ffafer, IPeijen, Koggen 
merben jnmeift angebaut. Seit bem Kriege auch mieber ^lad's. Pur bat bas junge 
IPeiberrolF bas rorbem geübte, baju gehörige Spinnen nicht gelernt. Pud> ber (Pbft* 
bau mirb mit gutem Erfolg geförbert. Pie meitausgebebuten faltigen IPiefeu mit 
bem mürjigen, bem Plpeufutter nicht nadntebenbeu (Brasmud’s begünftigen bie riel* 
betätigte glicht bes aus bem Simmentaler Sd*lag berausgcjilddeteu obcrbabifchen 
(flecfriebs, bas meit unb riel gefuebt ift. Pie ebebetu mit fo riel 'Siebe unb Stolj 
betriebene <5ud't bes „Paaretuer pferbes", ein Plittelfd'lag ^mifdx'it Haffe« unb 
Sd merpferb, mirb leiber febr rernachläffigt. ber Sd mcincjud't bat fidi ber 

„Palbinger Sdlag" einen Patnen ermorben. Pas ^jeberrieb barf auf Feinem ffofe 
fehlen. 


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Z>onaucjcHii£cn im 3aiirc |827. <£iinfd?cbil& uon it>. 5d?cud?jfr 


Pie Baaremer Bauern finb burdigättgig tvoblbabcnb. Selbft ber flcinftc (Bütlcr 
bat ein paar „Sti'tcf" im Stalle ftdjcn. Kommt man auf einen lief, bann muß bie 
elfte Hadifrage böflidifcitsbalbcr bem (Bewerbe gelten, „ll'ie ftebt’s im Stall?" vErft 
in zweiter Cinie fommt bie Familie. 

Pie Krbeit auf bem (Bewerbe ift orbuungsgemäß verteilt. Per „Koffer" betreut 
bie pferbe, ber Knecbt ober renn bas Kinbvieb, ber ITCagb unterfteben bie Sduveine, 
bas ^ebervieb ift ber Stolz ber Bäuerin. Pas fjauslcben vollzieht ficb patriardvilifdi. 
Bauer, Bäuerin, Kinber unb (Befinbc effen am gleichen Pifd?e. 

Pie 'Ernte ab ben IPiefen wirb faft burdnrog mit Kiafdiinen aufbereitet. Pie 
(Betreibeernte ift ^eftjeit. Pa riieft bas ZPeibervolf in Pracbtenmieber unb furzen 
Puffärmeln jur Krbeit, bas ift jum „Kufnebmeit" ber nicbergeniäbten ^rud>t, aus. 
Kartoffel- unb Kiibeubau bient bauptfädilub ber Diebauffütterung. Sommerszeit ge» 
minuen bie böfe bureb ben alhreg 511 finbenben jenfterblumenfcbnuid ein frohes Kus» 
feben. „(Bcrani", „(Slöcfli" (^udifien) unb liängenclFen „Bägeli" ftnb bevorzugt. 

> ben Stäbtcn Bi Hingen, Pouauefdiingen, Schwenningen, (Beifhtgcn, ^urt« 
irattgen, Böbreubadi, Bräunlingen, liüfingen, Döffingen ift bas (Bewerbe beimifdv 
5mar treibt audi in ben ßauptftäbten Billingcn unb Pouauefdnugeu, mic audi in ber 
^nbuftrieflabt Sduvenningen, ein großer Peil ber Einwobnerfcbaft ausfdiliefilidi €aub- 
irirtfd\ift; cbenfo viele (Bemerbetreibenben neben ihrem ftanbmerf. Pas trifft nod) 


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[<k - 



2>cnau brücfc bei pfcf>rcn. ©Igcmälbe von IH. ©rtlicb 


mehr ju in ben übrigen flcincn Canbftäbtchen. Bauernföbnc, uvldie ein fianbitvrF 
erlernen, Fchren jumeift nach 6 er Cehrjeit tpieber auf ihr Canbort jurücF, um im Haupt¬ 
berufe 6 er €an 6 anrtfd)aft 511 obliegen, mährenb fte bas erlernte HunbmerF nur nebenher 
ausüben. 

3n6uftrie fehlt nicht auf 6 er Saar. Da fmb jafylreidie (ßctreibcmüblen, meldic 
6 ie oorhanbenen IDafferFräfte ausnüfcen. Dann mehrere SägcmerFc, barunter bie bei» 
ben großen, technifd? auf’s mobernfte eingerichteten SägerocrFe in Döffingen unb 
Hüfingen, melche ben ausgiebigen Holjreicbtum ber Baar aufbereiten. 3n Piliingen 
finbet fidi ^bt’fation Don Uhren unb HluftFmerFen, bie altbeFannte ©rüningerfd'e 
(Dlodengiefjerei, ein fiifcnbammermerF, Riegelet, «Töpferei unb IDajoliFairerFftättcu. 
3n Sdjmenningen fmb grofe IDerFe ber Uhren* unb «EleFtrijitätsinbuftrie, HTetalhraren- 
ititb ^ünbboljfabriF, Ziegelei. THebrerc UbrenfabriFcn fmb auch in Pöhrenbadi. Dürr¬ 
heim ift als Saline meitbeFannt. Donaucfdnngcn beherbergt bie gro^e fürftlidic 
Brauerei, eine BürftenfabriF, ein ^emcntroerF. Kunftgeroerbc, oorab Holjfdiniberei, 
tuirb in $urtroangen gepflegt, roofelbft fich eine Holjbilbhauerfchule befinbet. Da unb 
bort toirb noch PolFsFunft ausgeübt in Schnitten unb Bemalen ron Uhren) chilbcn, 
Sdmeflerci, fjcrftcllen t>on gefchnittcnen Seffellchnen unb attberer ähnlicher (ßebraud's* 
binge. 

Dal? auf ber Baar auch Fimftlerifdje Kraft gebeihen Fann, bemeifen Hamen tnie: 
3ohann Hlidiael IDinterbalber con Pöhrenbach ( 1706 — 1759 ), Bilbhauer, ber 
Sd 7 öpfer mehrerer fdwungroller Upoftclfiguren in ber Donauefdiingcr StabtFircbe. — 
3gnaj Brunner non (ßeiftngen ( 1758 —U 840 ), Hofbilbhaucr. — ferner bas X^üfinger 
Künftlerbrübcrpaar 3£ar>er unb Cujian Heich. 3faucr Keich ( 1815 — 1881 ), Bilbhauer, 
ift ber Perfertiger ber alten DonauqueUgruppe. Sujian Heid) ( 1817 —1900), Hfalcr, 
ift ber Perfaffer bes beFannten „Hieronymus". — Sobann ber Hüfmger Hiflorienmaler 


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DcnauqucHc (HHcgcvic). Aquarell poit 3 H fceinemann 


2lm Scl}iranciUctcfj. 2lquarellferte geidjnung rön K. ©Ieid?auf 

Kuöolpf) ©leidjaitf (\826—J896) unb öcr fjüfinger IHalcr unb Citfyograpi) 3oIj. Ziep. 
l}einemann. 

Caffen n?ir einen Furjen geiftigen Blicf rüdinärts fdjtneifen in bie Pcrgangcnfjeit,. 
fo (eben roir bis rocit hinauf in öie (ßcfdiicbtc ein nielbetoegtes (Ereignen in her Baar. 


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- 16 - 



Der ^üritenberg. ©Ibilb von fjeinrid? 


Sdton 600 3abrc rer dhrifti Cßeburt mar bic Paar non Kelten beftcbelt. 
iTöblemnobnungen unb Pfahlbauten, fomic (ßräber finben ftch ba uitb bort. 3 U ber 
^olyejeit mürben bic Kelten non ben (Germanen, beit IHarfomannen, unb nachgebcnbs 
ron ben Körnern um ihre Selbftänbigfeit gebracht unb nerbrängt. 

Pie Körner erfchiencn in unfercr (ßegcttb um 15 nor dbriftus. Zlad t ber blutigen 
Schlacht am Pobeitfee gegen bic Dinbclijicr meldete ber ftcgrekhe Köitterfclbberr (Eibcrius 
eilte (Eagcrcife bis in unferc Paar, um fuh bic Quellen ber Ponau ju befeben. 3m 
taufe bes eilten nachchriftlidu'it 3dbrhunberts mürbe bas heutige iüürttemberg unb 
Pabctt, bantit alfo atkh unferc Paar, faft ohne Kampf, bem römifdictt Keidv ein* 
oerleibt. Kuf bem Pladtfelbe jtoifchen liüfingen unb Präunlingeit erftattb eilte tttili* 
tärifdte Hiebcrlaffuttg, Prigobaitnis, mo eine Abteilung ber XI. Cegioit Stanbquartier 
hatte ,ium Sdntfce ber fich hier freujettbeit römifdten £)eeresftra§en. Diele ^uttbe unb 
Kberrefte fpredten non bem bemegten teben auf ber Paar in jenen Kömcrtagen. Kls 
bebeutenbfte Kuine aus Kömerjeit in ber Paar ift bas fogctiantttc „Könterbab" am 
I'öhlenfelfeit meftlich non fjflfittgcn aujufpredyn. 


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Tüfingen im T682 (nad? einer alten PartfeUung) 


5aft brei 3afyrtjurt6erte lang behaupteten ftd? t?icr bie Hörner. Dann aber nahten 
non ©ften Ijer porftogenb bie Hiemannen, bie in barten Kämpfen, beu Hörnern bas £anb 
abrangen. Crofe fortgefefcter Kämpfe mit ben Hörnern mag bie Befifeergrcifung ber 
Baar burdi bie Hlcmanncn fd)on um 300 pollenbet getpcfeit fein. Die Hiemannen 
behielten jebodi ihre Selbftänbigfeit nicht lange. Hach ber Sdjladjt bei ^iilpidi im 
3abre 496 gerieten fte unter bie Botmägigfcit ber ^raufen. §mar blieben bie Hie* 
mannen im Sanbc, aber iljrc Hbhängigfeit oon ben Raufen mußten fie f dimer empfin* 
ben. Die ^r^^fenfönige liegen bas £anb burdi t^öge regieren, bie an ihrer Statt 
mieber (ßaugrafen bcftellten. 

Die bamalige Baar umfagte brei (Baue, nämlich bie Hbclljartsbaar, bie Hlbuins* 
baar, bie Bcrtholbsbaar, mclch legterc bie heutige Baar umgreife. Die Bcrtholbingcr, 
ttadi betten ber (Bau bett Hamen führte, mären ein mächtiger fjerjogsftamm. Um bie 
Hfttte bcs 8. 3ahrhunbcrts rnurbe biefes (ßefcblcdit aber burdi bie Bemühungen bes 
fränfifchen Königshaufes pon ber l7erjogsmürbc perbrängt, behielt jebod) als ein* 
fadie (Brafett ben Befife ihrer Erbgüter in ber Baar. Das Canb mürbe burdi fönig* 
lieh fränfifdjc Kammerboten permaltet. 

Der alemannifdjc Stammesftolj ertrug inbeg biefe Sage nidit ruhig. 3mmcr unb 
immer mieber erhoben fidi bie mächtigen alemannifdyfdimäbifd?en l 7 er 3 ogsgefdilcditer 
mit ihrem Hnhaitge, bis es ihnen enblicb gelang, bie herjoglidie IDiirbe mieber h er 5 u * 
ftcllen. Um (100 regierte in ber Baar ein fchmäbifdier C7erjog Bertholb pon ^üh* 

öabifdje Heimat, t —3 2 


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ringen, ein HadiFomme 6 er alten Pertholbinger. Put Pcrtbolb V erlofdi 6 er baaremer 
^ireig bcs ©efdiledites 6 er von ^bringen im labre 1218. Pie ©raffchaft gelangte 
von 6 en Springern an 6 as altfräitfifd'e ©efd;lcd;t 6 er non rulj, irclcbes 6 ie Paar 
6 cn ©rafen non Urach überlieg, 6 ie fidi ron 6 a an nadi ihrem Kcftbenjfdiloffc auf 
6 cm ^ürftenberge „ron ^ürftenberg" nannten. Pei ihnen verblieb 6 ie Paar bis junt 
3ahrc 1806, allmo fte 6 em neugebil 6 eten ©rogberjogtum Pa 6 en einrcrleibt mürbe. 



gntenburg bei pfebren 

(DlbilD t?on 21. ItlaU 


©raf Ueiuridi ron Urctdi, 6 er bei 6 er Peilung mit feinen Prüberit 6 ie ron 6cip 
^äbringern an 6 ie 11 radier vererbten Pefifcungen in 6 er Paar erhielt, kittete 6 cm 
König Hubolph ron bjabsburg midnige friegerifebe un 6 öiplomatifcbe Pieufte, irofiir 
er 1285 $um €an 6 graf in 6 er Paar erhoben mürbe. 

3m 15. 3dbrbun6crt gelangte bas ©rafcitbaus 511 grogem Knfebeit. Pie ©rafeu 
Peinrid - ! unb IPolfgaug ermarben ftdi bas Pertrauen 6 cs Kaifers Ptarimilian, mcldvr 
mehrmals als ©aft 6 er ©rafen ron ^jürftenberg in 6 er Paar mciltc. ©raf ffeinrieb er* 
hielt vom Kaifer beit (Oberbefehl gegen 6 ie aufftänbifdien Pibgcnoffen, bie ihre Selbft* 
ftänbigfeit erftrebten unb ftdi audi mirflidi im 3<-'brc 1409 t>om Kcidie losriffett. Piefe 
Sditrcijcrfricge, jumal bie Kriegsläufe 6 es 3 a hrcs 1499» braditen auch über bie Paar 
mandierlei fdimere Pebrängnis, ©cfabr unb Perberb. 

Cäfttgcr unb verheerenber lag ber Pauernfrieg ber Paar auf. Kn Ponnerstag 
ttadi Plidxteli 1524 bradi ein Pauernhaufe aus bem f tiiblingifd'en, mo bas Unmettcr 


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19 — 


losgebrochen war, unter ihrem fyuiptmann f)ans Pliiller non Pulgcnbach in bie Paar 
herein. Jbre Abfichtcn erreichten bic dauern jirar nidit, aber bodi hintcrliefjen ftc 
mandie fehwere Sdxifcuttg unb Schaben. 

Per 30jcibrigc Krieg brad te nach ber Schlacht bei Ciifecn fehwere Kriegshcim- 
fuchungen über bie Paar. Pillingcn mufjtc brei Pelagerungat burdi bic Sdimebcn 
atishaltcn. Pi* jum .'fricbensfchluffc fab bie Paar ein wedifelpolles f)in» unb f)cr« 
brängcu ron ^jranjofen, IPeimarancrn, Paiern unb anbcreit KriegspölFcrn. Auf ber 
Paar Freujten fich eben, bas jeiyte fchon bie Kömerficblung bei fyifingen, bie ©cinge- 
rom (Pftcn 511 m Kbcinc, rom Pobenfee 511111 Kiujigtal. Piel Tlcitb, Perartnung unb 
Perminberung ber PcrölFcrung waren bie fdilimmen folgen biefer IPirren unb lange, 
lange <5cit haben €anb unb €eute ber Paar baran 511 tragen gehabt. Pabei Fant 
bas £anb infolge ber ^raujofenfriege (1675—1714) nie recht 511 r Hube unb 511 r 
Erholung. Penn auch in biefen feiten fehlte es nid t an Pmvhmärfdvn, IPinter* 
quartieren, Pranbfd ammgen, KriegsFöftcn unb Kriegselenb. 

Unb im Perlaufe ber gewaltigen Kricgsjügc, welche bie fraiijöfifchc Kepolution 
im (befolge hatte, wiebcrholtc fidi basfelbe Sdiicffal. Palb fab man n-ieber bauernb 
Kriegsheere bic Paar burdijicbcn. 

3m Kuffcuwintcr (1813), als bie Alliierten gegen ben Khein porrüeften, fanbcit 
ungeheure Purchmärfche ftatt unb braddeu ber Paar alle bie bamit porbunbeneu 
fd ircren Caften unb Pole. 

3n ben Aerolutionstagcn Tube ber Pierjiger perhielten ftdi bie Paaremer nidit 
beffer unb nicht fddimmer, als anberipärts im Pabifchen audi. 

Padi bem großen IPeltFriege burdijogen unferc Paar tricber uuabfehbarc Piaffen 
ber 5 urücfFel}renben beutfdien Cruppen, bodj in einer fo wenig bifjiplinierten Pcr> 
faffuitg, ba 0 bie Paar audi in biefen (Tagen wenig TrquicFlidies erlebte. 

Aus ben Kuinen porgegangener Tage ift audi auf ber Paar immer micber neues 
Ccben erblüht. Padi bem härteften Paaremer IPinter grünt immer wicber ein 
erntegefegneter Sommer. Pas ift eine fjoffnung. 



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©te QtSeoöflkrung bet Qßaar 

Pon (Eugen ifif<t>cr 

n bie Baar foll öicfcs f^cft führen! £anb unb £eute fteljcn lebcnbig por 
uns, bie frud^t= unb obftfcbmere «Ebene, bas Donaurieb im fümmernben 
Sonnenglanj, ber IDalb — bann bie alte Stabt, bas behäbige Dotf, 
überfommene Sitte uitb Braudi unb «Eradjt — bie flangfrobe, fräftige ZtTunbart flingt 
uns ins ©bt unb alte ©cf dachte fteigt auf, ba ber Hörner ins £anb fam, ba ber 
Hlcinamte robete, ba Heidjsftäbte blühten, ba rcidic Klöftcr unb funftfinnige dürften 
lüertc febufen, auf bie mir beute ftolj ftnb — bie folgeitbcit feilen aber mollen ben 
ZH e n f d> e it betrachten, ben bie Baar berporgebraebt bat unb ber ficb bie Baar 
gemacht bat, mie fie beute ift. Der ZtTenfcb! IPit mollen einmal ber Bepölferung 
ber Baar in bie Zlugcn feben, aditen, ob tpir im Zlntlifc pon ZTianit unb ZTeib unb 
Kinb lefen fönnen, fdjauen, ob ba ein ©efdücdü gefyt pon großem ZDucbs, ftolj unb 
fdiön ober gebeugt unb fümmerttb pon Sorge unb 2tot. — ZDir bleiben nadi bem 
Kirchgang por ber Kircfytür’ ftefyen unb laffen ZHanncn unb ^rauenpolf an uns por* 
beijicben unb betrachten mit bem Blicf bcs Kenners bie ©efiebter, IBudis unb ©röfje 
— mir fefeen uns im IDirtsbaus unter fie unb merfen — mäbrenb Hntcrbgltung 
ben „Sdmppen" mürjt — auf Bloube unb Braune, fdunalc unb breite Hafen — unb 
mir beobachten bie Kinbcr in ber Sdnile unb auf ber ©affe, bie Hciben Hläbdien unb 
ZHänner, bie aus bem ^abriftor brängen, bas Polf, mo’s gebt unb ftebt. ZHait 
adite einmal auf bie Unterfduebe, bann merft man erft, mic pielc ba ftnb! 

Da ift ein behäbiger Bauer; ein langes fdunalcs ©eftebt, mit fpifccm, edigem 
Kinn, eine fdunalc Stinte, hagere Baden — bie Zlrbeit läjjt feine fjängebaden unb 
fein Doppelfinu auffommen. Sdjmal unb eng gefcbloffen, umfäumen bie £ippcn beit 
ZHunb, aus bem feiten unb bebaebt ein IPort fommt, mettn ber ZHanti mit feines- 
gleidvn bei einem ©las IDeiit unb ber pfeife fifet. 21 ber lebhaft blifcen bie blauen 
(ober grauen, ober grau-grünen) Zlugcn. Sdüidit legt fidi bloubes ober lidübrauncs 
Ifaar über bie Stirn unb ben runben Sdieitel. Zlber ben Zlusbmd pon «Eatfraft er¬ 
hält bas ©eftdit burdi bie fräftige, gerabe, fdunalc Hafe mit ben eng anliegenbeu 
klügeln, bie unter ber gemölbten Stirn fo energifcb nad> porn fpringt. Der Zlutbro- 



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pologe ftellt weiter feft, bafj i>er Schübel runb ift, 6 . h- 6 as Hinterhaupt nicht por* 
fpringt, fonbern pom Scheitel-EDirbel aus faft flach 5 um Baden geht. Unb wenn 6 er 
Ulann auffteht, hat er gutes ©renabiermafj un 6 wenn er fdjrettet, gibts ein Stüd, 
6 enn er ift h oc h gefehlt, wie 6 ie £eute fagen, er hat perhältnismäfjig lange Seine, 
einen fürjeren Kumpf. 

216er wir feljen auch anbere. Da fin 6 braune Rechten um einen run 6 en HTäb* 
d?enFopf, unter 6 effen hoher gewölbter Stirn fchalFhafte Braunaugen hernorbli^en; 
jwifchen breiten Baden fttjt ein luftiges Stumpfnäschen un 6 ein jierlidjer Hlunb lachf 
über 6 em nach pom gewanbten Feden Kinn, non 6 em’s 3 U 6 eutlich nerbreiterten Kie* 
ferwinFeht geht. Un 6 bas ftnb bann Feine fchlanFen, ftoljen ©eftalten, wie bie Blonben, 
bie’s in ber Baar auch S*&t, We mit fdjmalem ©eftdjt unb geraben bümten Hafen, 
aus Blauaugen gudenb burch bie IDelt gehen, nein bas finb etwas unterfetjte, bralla 
Figuren, bie fich im IDaljerfchritt brehen, bajf es eine ^reube ift! 

Unb wieber ein anberer <Evp begegnet uns, aber feltener. Da ift ein alter Bauer, groj? 
unb berbfnochig, braunhaarig (aber meift mit hellen, grauen, hellbraunen, grünblauen 
Uugen) mit fcharfer, fräftiger, weit porfpringenber Ublernafe, höherem, langem ©eftebt. 

UufmerFfame Beobachtung. 3 eigt, bafj bie Bilber wedjfeln, ob wir 3 . B. in 
Dillingen fmb ober in £öffingen! ©egen ben Scbwar 3 walb — Dillingen-Criberg 3 t«, 
ift bie BepölFerung etwas anbers als in ber flachen Baar; gegen Heuftabt 3 U ift eine 
entfpreebenbe ©ren 3 e weniger fcharf. 3m Sd)war 3 walb ftnb weniger Blonbe, weniger 
©rofje, bie Kopfform bagegen ift — ber Fachmann mufj beFennen, merFwürbiger* unb 
unerFlärlicberweife — nicht zugleich anbers. (Eine (ErFlärung für bie wedjfelnben 
formen gibt uns bie Urgefchichte bes Canbes. (Ein Blid in bie fdjöne ffirftlidvfürften- 
bergifche Sammlung in Donauefdjingen belehrt an ber bjanb ber jjuttbe über bie Sieb* 
lungsgefchichte unb bie Karten in bem fchönen U) a g n e r fdjen U)erFe über bie „5unb* 
fiätten unb ^unbe" Babens 3 eigen, wie reich 5 “ allen feiten bie Baar beftebelt war. 

Schon in ber jüngeren Stein 3 eit — bie ältere, bie (Eis« unb Hacheis 3 eit Famt für 
unfere BepölFerungsfragen aufer Betrad)! bleiben — war bie Baar beftebelt, b. h- 
alfo por bem 2 . porchriftlidjen 3 a hrtaufenb. Künftige 5 or fd)ungen, bie por allem 
bas Scherbenmaterial, bie 5 0tm un & Der 3 ierung ber Urnen, ber Schüffeln unb Becher 
ftubieren muf, wirb noch 3 U entfebeiben haben, wie weit bie PfahlbaubepölFerung ber 
Sobenfeegegenb in bie Baar porbrang, wie bie BepölFerung bonauaufwärts einriidte, 
unb ob ^usug über bie JPafferfcbetbe pom Hedar h e * ftattfanb. 3a biefer ^cit 
bürfte bie fjanptmaffc ber BepölFerung anthropologifcb ber fog. „alpinen" Kaffe an* 
gehört haben, wie ftc urfprünglicb bas Ulpcngebiet, nörbliche unb fübliche Doralpen 
befefet hielt. Die obige Sdiilbcrung eines Hläbchens scigt bas IDefentliche biefer Kaffe. 
tDenn wir in ber Baar 6 —7 % DunFelhaarige, 40 % Kunbfd)äbel unb 25 % Klein* 
wiichftge, b. h- erwachfcnc Hlänncr unter 162 cm finben, fo ftnb bas bie Kefte biefevl 
altanfäffigen BepölFerung. Uber jene fteh^eitlidien Siebter würben fchon bamals pon 
(Einwanberern „norbifeber" Kaffe heimgefucht. Es Fantt hier auf bie fragen ber Be* 
rölFerung ber „SchnurFeramiF" nicht eingegangen werben. (So nennt man eine 
beftimmtc Kultur innerhalb jener Steinzeit unb 3 war nach ben Weiterungen ber ©c* 


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fälle.) <£bciifo feil Me ^ragc übergangen merbett, ob mirflidi Me fjallftattfultur (3. 
bis 4. 3abrbunbcrt r. <£br.) Bcrölferung ron rüboftcu, ctma bonauaufnxirts braditc. 
Das mären bann bic Hblernafeit, mie ftc uns an (Tiroler, ja an ben Baifan erinnern. 
Diefe Rennen jtnb aber feiten hier, unb gaitj laffen fie ftdi nicht erflären. Dian fpridit 
ron „binartfdict" Haffe, (itadi bem Gebirge im Baifan), bic non Bosnien bis (Tirol 
fifet. Hbcr bas ift gemif?: Die gef amte alte Bcrölferung mürbe aufs ftärfftc beeilt» 
flufjt, als bie Hlcmattncn cinriidten. Die Kelten, bie (Träger ber fog. £a Cenefultur, 
haben unfer Polf faunt reränbert. (£s ift falfdi, bie Sdimarjbaariyeu auf Kclteiteiu» 
flflffe äurädjufübren; nur mo oorber rdinxirsbaarigc fafjeit, mürben bie Kelten 
bunfel, bic rorber blortb maren. Unb bei uns auf ber Baar bürfteu fte 511 furj ge» 
feffett fein, um beute ttodi m e f e tt 11 i d? c (Teile bes Polfes raffig 31 t beftimmen. 
Dasfelbe gilt für bie Bömcr. Gans bie unb ba mag einmal eine Hafen», eilte Geftcbts* 
form an römifdie gemahnen, bas Hlciftc, Sdutxtrjbaar ober Braunäugige, gebt auf 
fiel ältere Porjeit 3 uriicf — ober aber auf 3talieiter ober fonftige 5 rem ^ c 1,0,1 
beutjutage (cinfdilicfilidi 3 l, fr e ")- Selbftrcrftänblidi ficht man auch foitft bie unb ba 
einmal in einem Gcfidit frembett fiinfcblag ron Husläubertt, aber hier foll nidit ron 
foldieu einzelnen, fonbern ront „Polf" bie Hebe fein; jeber fokfer £iitfdilag aller» 
bings fantt itadi Generationen burdi bic sähe £rbfraft immer mieber rorfommen — 
Haffe ift uttrerlierbar! Hlfo bic Hlcmannett, mie gefagt, haben bie alte Berölferuitg 
grünblidi reränbert, riclfad? rollftänbig rerbrängt, rerniditet, erfefct. Huf fte gebt ber 
ßaupttvpus ber Baarberölferuitg juriief. 54,5 % ftitb blonb (40 % hellbraun, braun» 
blottb, fur 3 Dlifcbfarbcit) 40 % blauäugig (45 % grau* unb griinäugig, alfo gemifdit, 
nur 14 % buttfeläugig). Die Baarberölferuitg gehört 3 U ber grojjmücbfigen in Baben, ber 
Dlaitn rnifjt im Durdifdmitt 165,8 cm (im bcnaddxirtcn Hcuftabt 3 . B. 165,5, in IPolfadi 
nur 161 , 4 ). Dasu bie fdmtalett Gefügter, bie gerabett, fcbmalcn, rorfpringenben 
Hafen. — Die jablreidvn Afunbe ron fog. „Heibengräbern", bie rieleit 0rte auf 
—ingeit scigen bie reidx alemannifdie Bcfteblung; bas erflärt Mts heutige Bilb ber 
Berölferuitg, einen ber ftärfften Dlcmaiiitcnbesirfe febett mir in ber Baar. (Eines ift' 
babei auffällig, nämlidi baf? fo fiele Blonbe, Grojjmüdiftge suglcidi runbfdxtbelig ftnb, 
itxibrenb bie Hlemauneit, mie uns bie Gräberfdxibcl seigett, laitgfdxiblig nxtrcit. Dian 
mollte es bantit erflären, bat? bie Bauern ber Baar ftdi oft ihre 5 l 'a ,,cn i'ont hoben 
Sdurarsuxtlb geholt haben, mo noch etmas mehr Huitbfdiäbel ftfecu, ober baf? gemiffe 
Huslefetrirfungeit rorliegen — beibes ftnb unbefriebigeitbe Permutungen — hier föniten 
erft fiinftige Ergebuiffe ber ^orfdntng Klarheit fdxtffcn. Hber freuen mir uns beute 
ber gefutibeu fräftigeu Berölferung — möge fte, bie in 3 a M ni,, ^ c >dcn ftdi Hittlil?, 
Hug unb baar, tPudis unb ^orm ihrer tüchtigen Dltrorberen treu rererbt bat, attii 
bereit rinn, Datfraft unb (Treue benxtbren unb rererben an fräftig gebeibenbe, fernefte 
Eitfel — meint mir bafiir forgeit, baf? bie Ciitieu nicht ausfterben ober burdi ^rentbe 
gefreu 3 t merbeti — bie muttberbarc Kraft ber Haffenrererbuug, bereu Gebeimniffe mir 
immer mehr bttr.hfdauen unb bemuubern föniten, forgt fd'on banir, baf? bas alte 
■•Erbteil bleibt. 


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£timimmd»bitt>cr au» öer Saar t>ott <L Hebfc 
Vorfrühling 

^Ba^Rcnn im 'Kinjigtal längft öie Kuen grünen unö am Boöenfec hunöert 
w@|®jNnuni> taufenö Bäume im meinen Blütenfdmtucf prangen unö öie Cercle 
jÜBaRcr ofterfreuöig ihr €ieö in öie heitern £üfte jubelt, öann Ijat öie Baar 
nod? immer it?r einförmig ftumpfes ©rau, unö letzter Schnee liegt in Öen furchen. 

5 turm unö wirbelnöes Schneetreiben, Hautjreif unö ^roft, fchneiöenöe Kälte 
unö praffelnöe Kegenfd^auer bat fte monatelang über fid? ergehen laffen müffen. 
Schmer lag öer Sd?nce auf Öen Cannen. Soweit öas Kttgc rcidjtc, eine wei0e Hecfe. 

Hun öie erften feefett Vorreitcr öes 5°h n5 über Stoppeln unö Baumfronen 
fegen, fängt auch in ihr neues Ceben $u raufdjett an. Sie rüttelt unö fdjüttelt 
fid?, Öa 0 im IDalöc laut ftöhitenö öie Cannen ihre Häupter jufammenfdjlagen 3 U 
fcbauerlidier 21Tufif unö polternö ihre Schneelaft 31 t Boöen werfen, hungrig 
fdjnürt öer $udjs über eine 2X>alöfd?neifc, wo blaue Küd?enfdjellen fchüdjtern 
ihre Köpfe herausftreefen, gelbe Kreu 3 baöengele (IPalöfchlüffelblumen) unö wei 0 e 
Kucfaublümele (Knentoncn) Öen fommenöen £cn 3 ucrfünöen. ^aghaft nad? 
allen Seiten ftdternö tritt ein Sprung Hebe in ftruppiger tDinteröecfe aus öem 
Kanö öes Canns aufs ^elö, äugenö, ob öer ^rühling frifdjgrüne faftige Üfung 
gcöecft hat. 

©nölidj bridjt öie Sonne öurdj. Schwer nur hat fte öüftern JPolfenmaffen 
ihren Sieg abgetrotjt. Hun wirö es ^rüljling in öer Baar. Kber er fann ftdi 
nicht redü auslcben, öer junge Cen 5 ; ihm ift feine ungetrübte 3 ugenö bcfchieöen. 
Der mürrifdte alte IDinter hat ihn 5 U lange feine rauhe 5 U( htel fpüren laffen unö 
fd?on podjt öringenö öer Sommer auf fein Ked^t. 

Km ^lu0 

IPogenöc Kornfelöer auf f^ügel unö Bergen ftnö öes Sommers ©efchenf, 
mit öer Sonne h c '0en Strahlen öem Boöen abgerungen. 3m faftigften ©rün 
ftehen öie Kuen öes Xieö, öurd? öas öer blaue ^lu0 in Dielen lüinöungen lang= 
fam unö beöädütg hin3ieht, als wollte er allerorts perweilen, ^u beiöen Seiten 
Blumenteppidie, gewirft aus rotem 2lTol}n, blauem Kitterfporn unö üppigen 2TCar= 
gueriten. Keufdj unö einfam fteht öie Kfelei in feuditem ©runöe. Kber nirgenös 
jaucbjenöer Übermut unö fduuclgenöc Verfdtwenöung. Hirgenös leuchtet unö öuftet 
fte öir ftarf entgegen, öie fommerlidie Hatur, Öa0 fte lierj unö Sinne trunfen 


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machte, — perfonnen unb fyeimlidj freut fte fid} felbft an bem bunten färben* 
gemifdj, bas färglidjem 3oben mübfam fte entrungen tyxt. 

Unb langfam unb bebädjtig jiefyt ber ^Iuf. 

2lbenb im Spätfommer 

Um IDegranbe breitet bie blaue Bergafter itjre biinnen Urme, unb aus rnoos» 
überbecftem Ulufdjelfalf leudjtet bie 5ilberbiftel ins bunfle <Srün. Die Cberefcbe, 
behängt mit jottigen ^ledjtenbärten, Ijat Seerenbolben ftd? aufgeftecft, in benen 
(Simpel unb unb XJroffel laute ^efte feiern. IDadjolber unb Sc^Ietj- 

born fermüden ftdj mit bunfelblauen Beeren, unb aus bufdjigen Blättern winfen 
rote Kapujinerfäppd/en frechem Spatjenpolf. <£in reicher Cifdj ift gebeeft mit 
fcfyimmernben Hagebutten, buftigen UToosröscben unb braunen fernfd?teeren H a f e b 
nüffen. Um (teilen XDalbljange ranfen glänjenb bunfle Brombeeren ins fyerbe 
(Srün ber Cannen. Uartoffelfrautfcuer Rammen fnifternb auf ben Reibern unb 
itjre wofylig fräftig buftenben Schwaben sieben burebs Cal. Die Sonne malt 
glüfyenbe färben an bie wudjtigen weiten IDolfenballen, bie über bunfeln 2DäI- 
bem ftefyen, unb taudjt untergeljenb ben Horijont in ein fattes gotifcfyes (Solbgelb. 
<£in Iefctes (Sefreifdj 5 ur ZTaditrube ftdy einfdjwingenber H^ er ; bas Käujd^en 
ruft; unb wie ein fdjwerer Dorfyang fenft fid? bie ZTacfyt. Die Baar febläft trau« 
menb in ben IDinter hinüber .... 


Die Sieblung 

Dem Canbmann fallen feine (Slücfsgüter unperbient in ben Scfyofj. 2Tlit 
Harft unb Pflug, Sidjel unb Senfe, Hacfe unb Urt mujj er bem Crbreicfy 5 U Ceibe 
gefyen unb barf monbelang nimmer rufyen, et?e bie Scholle fiefy baju perftefyt, ifym 
ifyre (Saben 5 U febenfen. <£ine befdjeibene unb 5 ufriebene IDofylfyabenfyeit ift ber 
UTüfye £ofyn; fte febaut aus niebrigen, weif? ober grün gefalften, manchmal getä= 
feiten, fcfyinbelgebccften H^ufern, aus Stall unb Sdjeuer. 

So finb bie Dörfer in bie £anbfcfyaft gebettet. Docfy gan$ perein 3 elt nur wirft 
bu auf beinen IDanberungett auf ein fcfymucfes (Sefyöft ftofjen, einen alten 5 a< ^?' 
werfbau mit fyofyen fpi^cn (Siebein ober mit moosbebeeftem Strofybad?, wo <Senc> 
rationen fto^er, alteingefeffener Bauern wohnten unb werfen. Selbft bie wenigen 
uod) porfyattbenen Si£e längft pergeffener Ubelsgefcfylecfyter brängen fid? nicfyt aus 
bem Bilb; auch fte finb im fcfylicbten *>es Dorfbübes aufgegangen. 

Hub burdi bie Dorfftrajje fdjreitet eine rotbäefige, berbgefcfyufytc Bäuerin, 
bas golbbeftieftc febwarje Scbäppele mit ben fran 3 igen Scibcnbänbcrtt auf bem 
gefdvitelten braunen HuupifyuuG mit freubig fdnllernber Seibenfdjürje, ihrem 
Sountagsftaat, unb entbietet bem IDauberer ihr freunblid>es „(Sriif? (Sott!" 


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ttcincrbab bei Juifiinjcu 

Aquarell uon W. Scfceucfyer, gciralt für fcen järften 311 jürfteitbcrg J826—29 


©u (Römer in öer Qßaar 

t>on Dr. p a u l I» c r c 11 i o 

jS(K|ö|ie Baar gehört nicfyt 511 Öen Canöfdjaften, öie, tnie ettna öcr Breisgau 
S^yKgWÖurdi ein milöes Klima unö öie grofje ^rudjt bar feit öes Boöeits öic 
.(ÜrP vtzk 2Henfcben allezeit angelocft l^aben. Sie liegt audi abfeits r>on Öen großen 
Strafen öes Perfehrs. Crotjöcnt ift fie uraltes Kulturlauö. Seit Öen lagen, öa 
im 5. unö 3 a ^? r * au f cn ö r>or Cljr. öie Pfahlbauer an Öen Känöern öes Kieös 
bei Dürrheim, Pfobren, Doitauefdiingeu unö audi bei Bräunlingen it?re Pfabb 
unö pacfiuerfbauten erfteilt haben, bat öie Baar uiobl immer menfdilicbe Sieö- 
lungen gefetjen. Unö audi öie Körner haben öureb fte nicht nur il?rc ftrategifeben 
Cinien gezogen, fonöern ft di in ihr 511 öauernöer Sieölung nieöer gelaffen. 

IDie fanten öie Körner in öie Baar? Ktit öerfclben unheimlichen Koitfe= 
quen 5 unö Stetigfeit, mit öer öas römifdw Sdiniert öie füölidieit, öftlicben unö 
roeftlicben Cänöer um öas Ktittelmeer unterwarf, öraitg es audi nadj Horben uor. 

<£aefar Ijattc öurd) feine «Eroberung ©alliens 58—52 t>. Eljr. Öen Kljcin jur 
©renje öes römifeben Keicbes gemacht. i(odi aber häuften in • Öen Klpen unö 
iljren Porlanben öie Kater unö Pinbclifer, öurdj ihre Kaubjügc eine ©efabr für 
öie röntifdic Kultur in öer IDeftfcbmeij tuie für öie Horögrcnje 3taliens. Der 


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26 


Doppelangriff bes ©ibcrius unb Drufus im J a ^ lc l~> »• £f?r. untermarf ftc. 
Damals fyat bie Baar 5um erftenmal römifcbe Cegiotten <30feigen. Ciberius 503 
t>om Bobenfec einen Cagemarfd? norbmärts unö fab bie Quellen ber Donau. 1 
<£s mar ein Streifjug nid?t aus militärifdjen ©rünben, fonbern um bie Quellen 
bcs größten Stromes bes Altertums fennen 5U lernen; benn bie neugemonnene 
Donaugrenje feblog bie Baar noch nid)t in bas rötnifdie ©ebiet ein, fic 309 oiol= 
nteljr com Kleine bei Stein a. Hlj. hinüber 5m Donau oberhalb Sigmaringen. 
Blau uerjübtete juniidjft barauf, bie Donaugrenje militärifd) 5U beferen. <£rft unter 
Kaifcr £laubius mürben in Bätien bie Kaftelle an bie Donau porgcfdjobcn. ©leid?- 
Seitig 50$ bie in Binboniffa am <5ufammenflug oon Bare uttb Beug ftebenbe Cebion 
bei <5urjad? über ben Hinein unb befehle bas £anb nörblid? bes ^luffcs jmifdjcn 
tDutad? unb Hanben. Dag ftc bamals aud? fd?on über Sd?leitl?eim tjinaus in bie 
Baar corgerücft ift unb ben ©aigenberg bei l}üfingen befeftt bat, ift maf?rfd?cinlid?, 
aber bureb ard?äologifd?e ^unbe nod? nid?tenbgültig ermiefen. Biclleid?t ift es fein <3 U ‘ 
fall, bag mir gerabc jener ^cit bie erfte eingeljenbcre Had?rid?t über bie Donauquellc 
nerbanfen. piinius, ber als ©ffijier unter bem Komntanbo feines ^reunbes 
Pomponius Secunbus im 3al?re 50 in ©bergermanien, rielleidjt aud? 5\ in Bin 
boniffa mar, fd?reibt in feiner Haturgefd?id?tc non ^ifdien, beren ©enug ben Cob 
bringt unb fnüpft baran bie Bemerfung: „Das habe id? in ber Häl?e bes Ur- 
fprungs ber Donau gehört, menn man jur Quelle fommt, bie in ber Hälje bcs 
^lugbetts gelegen ift, mo biefe 2lrt r>on ^ifd?en aufl?ört, unb baber bie 2fuftd?t 
l?crrfd?t, bag l?icr ber Busgangspunft bes Stromes ift." 

^ebenfalls fam regeres röntifebes Ccbcn erft mit ben feiten Bcfpaftans 
6<)—79 n. £br. in bie Baar. Durd? ben ^clbjug bes “3 auf 74 n. <£br. 

mürbe bas IDinfellanb jmifdien ©bcrrljcin unb oberer Donau 3um Bcid?e gezogen 
unb bie fo notmenbige fürjere Berbinbung ber beibeit ^lüffc burd? bett Bau 
einer Strafe Stragburg—Ifinjigtal—Bottmcil—Cuttlingen l^cracftcllt. ©Ieicbjcitig 
mürbe aud) bie fog. peutingerftrage, bie in elaubifcber <5 clt fd?on nad? Sd?leitl?cim 
ober Jjiifingen geführt mar, nad) Kottmeil fortgefefet 2 . Die Baar mar bem rönti- 
fdien Keidv cinrerleibt. 

liitfingcn mürbe ein wichtiger Stragcnfnotenpunft. <£s ift bie Station Brigo- 
banne ber peutingerfarte, einer römifeben Stragenfarte bes 4.jal?rl?. (2lbb. 9)- Dort traf 

1 Peecfc, niorpboloaic ron Haben, Iafit (Liberins au bie ?lad\iueUe .sieben unb crFlart bie 
bentiae Pouaiuiuelle für eine (Erfiubiuia ber belehrten rcraulafst burd* Me ftraboftelle. Per 
ISntoriFer ift erftauut über Mefe vEutbertumj unb nod? mehr über ihre Hcariiitbuna. treibe 
au anberer rtelle auf fic surinffommeu. 

2 Pie ftarfe ftiufuua Meter peiitiuacrftraf;e ift im 2lpril 1920 burd> einen rdmitt fiiMid> 
ber 5d\idu'rFapclle unb ttu ?lpril p) 2 i bnrd? einen fok*bcu aeaeiiiiber bem C^etreibelaaerbans 
luinuaeu unter ber beutiacti f traue IMifiuaeu—Pouaucidüuaeu in hi cm CLicfe streiteHos feft 
ueüellt, träbreub bie foaeuaimte „ISod^'unfse" bei einem ^hndmitt fiiblid) ber fd\id>crfapelle nur 
eine biirftiae Unterlage ron Kiefelmarfeu >eiat. Pieie peutinaerftrafic rerläuft alfo itidu, n>ic 


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A = Apodyterium 
/' = Tepidarium 
C - Caldarium 
l ~ labrum 


- alveus 


Pr - Praefmnium 
P - Piscina 


2. Höntcrba5 bei tfüfingcn (nad? einer ^cid^numj im 3 . $. 2lrd?ti>) 



auf öic peutingerftrafje Me Donautalftrafk t>on Cuttlingen fommenö. 3^? r Her- 
lauf ift im einseinen nod) nid?t feftgcftellt. Heuerbings ftnb 511 ben bisherigen 
Hnhaltspunften sind 21Tünsfunbc gefommen, bie tpohl mit il?r im <5ufammcn= 
bang fteljen: eine (Bolömünjc bes Kaifcrs Hcro, gefuitben jipifcben unb 

pfobren 3 unb ein republifanifdjer Denar bes inünjmeifters <£. Serpilius pon 
(ßeifingen. Die für bie Haar fpäter fo undjtige Strancupcrbinöung nad? bem 
Breisgau beftanb in römifdicr <5eit nod? nicht. IDobl aber ift ein Saumpfab 
fidter porljanben gemefen. Unb ba meifen Spuren auf ben fürjeften IDeg pon 
^üfingen nad? bent lDitterfd?ucc bei Söffingen: ein ^unb mehrerer römifd?er 
illüitjen oon (Dctapian bis ^auftina auf röm. HTaucrfdjutt am Sübbaug ber Huittc 
Deüingen in ber Höhe bes alten lüallfahvtsipeges poit Bräunlingen nad? 2Dittcr= 
fd?nee unb ein Sd?erbcnneft in ber oberen ©aud?ad?fchlud?t bei ber fog. Papier¬ 
mühle, ba tpo biefer IDallfabrtsiPcg bie Sd?Iud?t burd>quert. 

So tpäblteii bie Hörner jum Stiitjpunft ihrer Stellung in ber Baar ben 
(Balgenberg bei i)üfingen. <£r eignete ftd? mit feiner ben Husgang bes Breg= 
tals beherrfd?enben Sage unb ber toeiten Husfidit bis hinüber ju ben Bergen ber 
Baaralb portrefflid? hi cr 5 u - Burd? ben Steilabfall bes (Balgenbergs im IPcftcn 
unb Horben tpar bie Sage bes Kaftells beftimmt. Sein etrna 6 in breiter Spitj- 
graben umfdjlojj ettpa ein nahezu quabratifebes Hreal pon runb 1700 qm. <£s 
ift bie (Bröfje ber (£ohortenfafteüe 5 U 500 Hlattn. bjinter bem (Brabcn erhob ficb 
eine burd? ftolsbalfett perfteifte Hafenmauer. IDeldje Befatjung bas HafteU beher 

mau feit langem cermutete, unter ber Oodjftraße, fonbern unter ber Rauptftrafjc reit Riiftngen. 
So flubet aud; ber Sdjerbctp unb inüiijfunb, ber in ber Habe con biefer hinter bem ehemals 
^laigfdjen Raufe in ber ifiijtnger Untcrftabt gemadit mürbe, feine (Erflärung. Ric Rodjftraße 
aber fdjeint mir nur ein Rcrbiitbungsmcg ber biirgerlidjcn Sicblung im ITtütilöfdile mit ber Rect = 
ftrafje ju fein. Pon befonberem 3 ,,terc ff c Ünb &iefe PerbSltniffe für bic Beurteilung ber <Rnin- 
bung ber mittelalterlichen Stabt Rüfingcn. 

* Hotij in ben fürftl. Sammlungen. 


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5. «JmMcfjc riBa frei fiüHngcn 


berate, tpiffen mir noch nid?t. €s tparen ©ruppen irgenb einer pon ben Hörnern 
untertporfenen Bölferfd?aft. 3 m benachbarten Hottipeil tparen es beifpiclstpeife 
Bituriger, eine fcltifdxe Bölfcrfdiaft aus ber (Segettb oon Borbeaur. 

Had?bcm Schumacher (89" ben Sübgraben bes Kaftclls entbedt unb Hieger 
biefett tpeiter perfolgt h fl tk/ würben bureb Seonharb im fjerbft ( 9(3 bas Sübtor 
mit ben Pfoftenlödjern feiner beiben f)ol5tiirme, bie fübu?eftlicf?c ©cfabrunbung fotpic 
ber ©fri unb Horbgraben gefunben unb bamit bie <55röße bes Kaftclls feftgeftellt. 
Dicfe (ßrabungen jeitigten aber noch ein überrafebenbes Ergebnis: es fanben ftd> 
noch tpeitere Spifcgräben pon jtpei mehr behelfsmäßig angelegten Sägern, pon beneit 
einer ftdier älter ift als ber große tpohl pefpafianifdje (ßraben (Hbb. 8 iu.2). Seiber 
bat ber Husbrucb bes Krieges bie Fortführung biefer Unterfudjungen, bie Klarheit 
bringen mußten über bie ^eitftellung biefer (Sräben, perhinbert. liier muß einmal 
bie <£ntfcheibung fallen, ob liüfingen in claubifdjer ober pefpaftanifeber <5eit bc= 
feüt mürbe. Bie F°rifcßung biefer (Srabungen mit ihren piclperfpredienben Kuf> 
fddüffen ift bie bringenbfte Hufgabc ber römifeben F 0l 1<h u, ig bt ^ cr Saar. 

Bon ben 3 'wenbautcn bes Sägers ift bis jefet nur ber „fog. ©empel" befannt 
getporben, ber (82 t ausgegraben unirbe. <£s ift ein Hlagajin: (ßetrcibefpeüber 
ober ein «^euglmus, beffen Boben auf Pfeilern bocb $elegt ift. 3 m 3 nncrn biente 
bas breite Hiittclfdnff als Burdjgang unb bie fdimäleren Seitcnfdnffe als Säger- 
boben. Ber große Borraum an ber Horbfeite tpar ipobl für bie Bcripaltung bes 
Hlagajins beftimmt. 


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— 29 - 



Billa rcn tfaulcnrortralfc, aue^e^rabcit 1855 
(nad? einer Zeichnung im S 5 - 2ird?iu) 


^ür 6ie < 3 mecfe 6er Befafeung 6es KafteUs mur6e aud? 6as Ba6 (Kbb. 2) 
gebaut, ein fteter Begleiter je6es römifcbeit KafteUs. (Es ift 6er am längsten befannte 
römifdje Bau »oit f)üfingen. Sdjoit fjans uon Sd?eUenberg Ijat f 605 an ifpn 
gegraben. Bann ift es bereits f 82 f oon ^ürft Karl (Egon ju ^ürftenberg forg= 
faltig ausgegraben, aufgenommen un6 fonferoiert mor6en. ^ür uns ift es oon 
befon6erem 3 n * et:c ff c a ls ältefte 6er bis jefet befannt gemor6enen KafteUbä6er 
6es Befumatenlan6es. Hocf? enthält es manefje bauliche (Eigentümlidjfciten, 6ic 
6cn fpäteren KafteUbä6ern fehlen. Kn italifebe Bcrljältniffe erinnert noch 6ie 
piscina, 6as grofje Kaltmafferbecfen unter freiem bjintmel inmitten eines über6ecftcn 
ijofes. <£s begegnet uns bei 6en an6ern KafteUbä6ern nidjt metjr, motjl meil 
man bei 6em rauben Klima 6er Befumatenlan6e bal6 6arauf uerjicbtete. Kud> 
t^inftchtlid? 6er (ßlieöerung 6er Käume ftefyt 6as b)üfinger Ba6 6en flcinen Bä6ern 
6er römifdjen priuatfyäufer, mie etma 6er BiUa rustica poit Boscoreale, o6er 
6er BiUa suburbana 6es Biome6es pon Pontpeii fefyr nafye. (Ebettfo mie 6ort ift 
audj 6ie Knlage 6er Neuerung für 6ie bjypofauftenräume nicht in 6er 2td?fe 6cs 
gaitjen Baues, mie bei 6en fpäteren Kaftellbä6ern, mo 6ie ermärmte £uft 6ie 
ju ermärmen6en bjofjlräume in gera6er Sinie burdjftreicben fann, fon6crn an 6er 
Sdpnalfeite 6es 2 Darmba 6 es. 

3 nt übrigen jeigt 6as Ba6 6ie typifcfyen Häumlidjfeiten, mie mir fie oon 
pielcn römifdjen Bä6ern t?er fenneit: einen Kusfleiberaum (Apodyterium), pon 6em 
aus man nach 6er einen Seite in ein Kaltmafferbecfen Ijinabfteigen fonnte, nad? 
6er anöerit Seite in 6as Tepidarium, einen mäjjig ermärmten Kaum jur Ber- 
meibung 6es 511 fdmoffett (Temperaturmecfyfels beim (Eintritt in 6as Caldarium 
(6as XBarmba6). (Es mar mit fjypofauften perfeben un6 6iente für 6ie Ba6en6en 
als (Befellfcbaftsraum, bafyer tyatte es mofyl aud> in l^üfingen 6en am forgfältig» 


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J 




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3. iJ4$c»immci- mit JiYpcfaufunvaum fccr luifingcr TUla (pbcf Jicocllio) 


(teil bebanbcltcn ^u^boöcn. ©r beftanb aus HTofaif. Per fjauptbaberaum, bas 
Caldarium, bat genau bio ©inridituug bei* römifcbcii Bäber uoit Ponxpeii: bic 
grojje Babcxuannc (alveus) au ber öftlidieit Sdnnalfeite bos ©cmadies, in ber 
glcid^citig G—8 Perfonen ein marines Bab nehmen fonnten, unb in ber gegen* 
überliegenbeit Hpfts bas labruni, ein fladies runbes Beefeu aus Sanbftcin, in 
mcldicm lauwarmes XPaffer auffprubelte. 

Bas Bab ift, iv>ie jablreidie gefunbeue ^iegelftempel bemcifcu, non ber U- 
Legion, bic feit bem 3 a ^? rc 69 in Biitboitiffa ffanb, erbaut. Dcrfyältnismäjjig 
furje ^eit, melleidit faum 20 jabre, war bas "HafteII auf bem ©aigenberg befefet. 
Beim als bie Homer fcboit unter Bomitian 81— ( J6 in bic £inie XUainj—Hegens= 


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6. iPanö Ztafcc*immcrs $cr Jiürittgcr PiUa 

Pa$ 23ilh jciat bic unterftc £aac her fyijfadfelti, bitrcf? Me Mc warme £uft hes ßofylboheus tu 
Me ^öbe ftci^t tmh Me IPanb erwärmt. Pie Kabeln finb ha, wo fie heu Hoheit perlaffen, Mird? 
einen Piertclrnubftab gefeit ^efdjäMguinjcn gefehlt mib an ihrer Dorbcrfeite gerankt, bamit ber 

IPanbftucF bcffcr fyaftet. 

bürg porrüdten, mar ber Poften auf bem (ßalgenbcrg bebeutungslos geworben 
mtb mürbe aufgegeben. 

Dann biente bas 23ab ben Bebürfniffeit ber bürgerlichen icieberlaffnng, 
bie ftcb im 2lnfd)luf? an bas £ager entmicfelt hatte. Dem Solbaten mar ber 
t)änbler gefolgt. <£r liefj ftcb brunten im 271 iit^Iöfcble nicber, teils in Weinen 
ffäusdjen, teils in ©rubenwobnungen. Diefe Hieberlaffung erftreefte ftcb öftlid? 
bis an bas Ixranfenfyaus unb ttörblicb bis an bie Bräunlingerftrafje unb bauerte 
bis junt <£nbe ber Kömerberrfcbaft. 

2lber nicht biefe börflicben Siebelungcn geben bem Canbfcbaftsbilb ber römi> 
fdjen Baar ihr (Sepräge, fonberit bie <EirtjcIl?öfe. Die römifeben Strafen halb 
in näherer halb in weiterer (Entfernung begleitenb ftnb ftc an fonnigen Rängen 
unb immer in ber Häljc einer Quelle gelegen. 27lit ben Ijellfdjimmernben JDänben 
ihrer bas (freböft überragenben (Ecftürme unb ihren roten ^iegelbäcbern werben 
fie gar oft bas 2luge bes auf ber f)eerftrafe porbeijieljenben IDanberers entjiieft 


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7. IVcttufcKer Püfittgcv PiUa (pbot. Krucliio) 


haben. 2 km füblidj »om Haftell ßüfingen l?abc ich ein foldjes (Sehöft im 
Pcggenreufchcnmalb ( 2 fbb. 3 , 5 ,7) ausgegraben, 2 weitere km füblid? am 2 luett> 
berg bei I}aufenpormalb ift f833 mit 21TitteIn bes dürften 5 U ,£ürftenberg pott 
Hermann ein foldjes ausgegraben worben. Pen Plan biefes (Sehöftes, ber feit 
langem perloren mar, fyabe ich oor furjem im ^ürftl. ^ürftenbera. 2 trcbip rnteber 
erfannt ( 2 tbb. ^). IPieber 2 km weiter nad) ©ftcn finbet ftcb römifdjer Iltauer- 
fdnitt am Höljrlebadjbruttnen jmifd^en Raufen unb Betula. <£in weiteres 
(ßehöft l^abe ich am Sübausgang bes Stäbtdjens ^ärftcnbcrg gefunben. Pann 
folgt als nächfte eine römifdjc ©rümmerftättc bei Zollhaus. fy cr floffi «ine 
Cflcfe. Pas fehlenbe <5efyöft liegt wahrfcbeinlidj unter bem heutigen Porfc bon* 
hingen mit feiner uralten, fränfifchen 2 Hartinsfird)e. Hörblidj oon £)üfingen 
ftattb uielleidjt eine Billa auf bem Quellbügel ber Ponauquelle. Portljin 
weifen ein 5 un ^ einer 2]7ünjc bes Kaifers Pomitian unb eine Hotis im f. f. 2lrdjio, 
wonad) bort im f 8 . jahrf}. tjeibnifdu’s (Bemäuer gefunben würbe, ^wifd^en 
Ponaucfdmtgen unb Schwenningen fehlen porerft alle 2 lnbaltspunfte. Port, in ber 
näheren Umgebung bes Kaftells Kottweil, l 7 viufcn ftd) bie Billen wicber mehr. 
Born IBicfelsberg bei Icorbftetten unb Scbopfelesbühl bei Paudungen 
fittb römifcbe (Trümmer befannt geworben, unb bei ^ifdtbacb ift bas Babgebäube 
einer anfdteinenb recht ausgebehnten Billa ausgegraben worben 4 . IPie bei ber 

4 2Judj in Der 211 1 ftabt rou PiHingen febeint irgenbtpo eilt römifdjer 23au 511 fein. Pie 
(Srabunqen ber €ifenba^npenpaltimg gegenüber bem ^riebfycfe im 2 Ipril 19- \ förberteu 80 cm 


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Peutiugerftraße fo finben ftd? öiefc (ßcfjöfte auch längs ber Bonautalftraße, mo 
mäljrenb bis Krieges eine feit längerem befannte Stelle bei 5' mmcru DOn P ro f* 
f^eef unterfudjt mürbe unb ein ©eljöft mit nebenbauten ergab. Diefe fdjeint jm 
fammen mit beit beiben Pillen non Hulfingen unb ©fingen am Hottmunbfyügel, 
an einem IDeg ju liegen, ber etma bei ^oül^aus pon ber Pcutingerftraße abjmeigte 
unb burdj Kitradi- unb Kmtcntjaufertal auf Hottmeil jufübyrte. 

3n oerblüffenber Hegelmäßigfeit, fo fyaben mir gefeiten, feeren biefe Pillen 
längs ber Pcutingerftraße tDinbifcfj—Hottmeil mieber, unb ber ©ebanfe an eine 
planmäßige pom Staate geförberte Beftcbluttg liegt nahe unb mirb nodj geftärft, 
menn mir uns bie gleichmäßige baulkfye Hnlage biefer ©eljöfte anfefyen. 

Um einen quabratifefjen f}of gruppieren fid) tPoljn« unb IDirtfdjaftsräume. 
Die Sdjaufeite bes ©etjöftes jeigt eine Querhalle flanfiert pon jmei <£cftürmen. 
fjicr unb an ber fonnigen Süb- unb Sübmeftfcitc liegen bie IDofjnräume, barunter 
meiftens ein fleines Babejimmer mit f^ypofauftenheijung (2lbb. 5). Hie fehlt 
hier ber forgfältig ausgemauertc tüohn feiler mit h^I^unben Hifdjen unb Cicbt* 
fd?ad?t unb einem fteinernen (Eifdj in ber Hütte jur Hufftellung bes befferen <ße* 
fdjirrs (Hbb. 7). <£in Blicf auf bie Pillen non f?üfingen unb Ijaufenpormalb 
jeigt, baß fie fid? überbies ungefähr auch noc *? i” ^ cr ©röße entfprechen. Sie 
bebeefen ein Quabrat pott runb fOO römifchen ^uß Seitenlänge unb fte h a fr* n 
biefe <£igenfd?aft gemeinfant mit einer gleidj gebauten Pilla pon HlpnadvBorf in 
ber Sdjmeij, in ber ftef? Stempel ber 2\. unb ff. Cegion gefunbeit hflt> e ” 5 - 
ift mohl nidjt anbers: <£in Baufommanbo ber ff. Cegion fjflt fl” biefen Pillen 
gebaut unb ihre Bemoljner ftnb jumeift alte Peteranen, bie hier eine Kriegerheim- 
ftätte befamen. 

Über 200 3 a h rc bauerte bie fjerrfdjaft ber Hörner in ber Baar. Um bas 
3abr 260 n. <£l?r. mürbe ber Cimes preisgegeben unb bie Sdiaren ber Hlamannen 
überfluteten bas Canb. Den unruhigen 3flh r 5 c h” te ”/ bie nun folgten, ift auch 
bie römifdje Kultur ber Baar jum ©pfer gefallen. Pie f?üftnger Pilla ift, mic 
ein glüeflidjer Htünjfunb jeigt, mohl bei bem großen Hlamanncneinfall 275/76 
burdj Branb serftört morbeit. Unbcre mieber ftitb 5 erfallen mic bie Pillen pon 
Hulfingen unb Zimmern, ttachbem fte oon ben Bemohnern perlaffen unb ausge* 
räumt mareit, mie ber gäitjlidjc Hlattgel jeglidjer 5””&gegenftänbe jeigt. IPohl 
por einem erneuten HIamanncnjug hflt jmifdjcn 28<f u. 2<J5 ein Hörner fein Per- 
mögen beftebeub in f GS in Hollen oerpaeften Htünjcn im (Torfmoor jmifdjcn Pt'rr- 
beim unb Pillingen perfteeft. Hodj einmal haben pielleidjt bie Hönter porütcr- 
gebenb in ber Baar 5 u l) gefaßt. <3cuge bapon ftnb bie 55 HTiinjcu, bie im 

unter bem heutigen hobelt eine etn\i ~o cm jtarFe IfiiltitrjVbkbt pon ettpa o m tänae ^utaae. 
ber idi ein fiaillatabrud'ftinf tutb ein jolrbcs eines röinii\-ben fccifteufieaols unb rielc allere 
löiniiVbc fiberbeit entnahm. 

vEincii auberii üvp buben bie beiben rillen ron 2lulnnaeu unb Zimmern, bie einaubet* febr 
nabe ftebett: ein Meinet es UVbnhans unb bie irirlbKntsräumc in ciaenai bauten nnteraebrad't. 


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OJ 


3afyre 323 auf ber KItftatt t>ou 3 mmcn ^ n 3 cn »erborgen mürben. 2tucfy öie 
5 afylreid?en £onftantinus4nünjen, bie in 6er Baar gefunben mürben, laffen ftd? 
am beften aus einer »orübergcfjenöen lüieberbefetjung unferer £anbfdjaft erflären. 
Kls legier Körner ineilte im 3a^re 368 Kaifer Dalentinian I., begleitet »on 6cin 
Siebter Kufonius an Öen Sonauquellen. 21uf öiefent <5ug geriet Biffula, öie burd? 
ifyren Ciebrcij bas f^crj bes Dkfyters Kufonius entflammte,, in bie ©emalt ber 
Körner. Sie ift bie ältefte Codjter ber Baar aus alamannifdjem Stamme, bie mir 
mit Hamen fennen. H)ir ftcfyen an ber Sdjmelfc einer neuen <3eit. 



9. Segment ber peutingerfarte, einer mittelalterlichen Kopie einer römljchen Straftcnfarte 

bc* IV. 3ahti>unbertft 

Sic 3cigt bie nai? ihr benannte peuttngerjlrafce oon Tinboniffa über örigobanne (l?üftngcn) 
nad? SanmlocenU (Hottyenburg a 11 .) 


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Dc'itaucH-himjcn im 3al?vc t827 (nad? einem Aquarell von fci?eud? 3 er) 

®te Runffpffege tn Mt QlJaar tn ättmx ?etf 

Pon pfarrcr Dr. If. ^cwrftein, Ztonauefdjingcn 

|,an 6arf auf 6er Baar fein führcn6es Kunftjentrum erwarten. Sie u>ar 
Uin6 ift ein Bauerulan6 mit fleinctt eingeftreuten Stdöldjen, angewiefen 
vc^^J^auf 6ic (Einfuhr fünftlcrifd?cr (Erjeugniffc aus 6er weiteren Umgebung, 
ein Hblcger t>or allem 6es fd^mäbifdjctt Hunftjweiges, abhängig ron Ulm, Hottweil 
un6 6cn über Uonftanj uor6ringen6cn «Einflüffen 6er 23o6enfcefcfyulc. 3 n f)üfingcn 
wir6 jwar ausgangs 6es 14. 3 a h r b ul, k cr t 5 «in 3°h annes Pictor (6er UTaler) 
genannt, aber es ift ungewijj, ob es ftd? Ijier um einen bo6enftän6igen Uünftlcr 
banöelt. Hur 6ie fiirftenbergifcfye, fpätcr öfterreidnfdje Sta6t Pillingcn Ijat fd)ou 
in älterer (3 c it eine rege Kunftpflege in eigener IDerfftätte cntwicfclt un6 namentlidj 
im Barocfjcitaltcr funftgewerblidje (Erjeugniffe bis tief nad? Schwaben ausgefübrt. 
3d? erinnere nur an 6ie prädjtigen (j5oI6fdjmic6carbcitcn 6er (Sebrü6er (3 ac b ar i as 
un6 (Sottlicb (Dtto, an 6ie Cljorftüfjlc utt6 Kanjclu 6es Schreiners UTartin Uörmaitu 
in Zwiefalten un6 ©ttobeuren, ttn6 an 6ie rafftgen Schöpfungen 6es an 3°h auu 
Ulidniel ^eudjtmaycr gebilöeten Hofofobilöbauevs 3°f e f Litton f)ops, 6er 1749 
in Pillingen beiratet un6 l?6f 6ort ftirbt, un6 6effen Arbeiten bis nad? Hottenburg 
am Hecfar gegangen fin6. 

iTrofc 6iefer Hbbäugigfeit r»on aujjen l)er jeigen 6ie in 6er fürftenbergifdieu Paar 
uu6 ihren Eitflaoen nod? rorbau6cnen Hunftfdnibe eine erhebliche (ßröjje un6 geben 
uns einen Begriff ron 6cm corjüglicben (ßcfdnnacf un6 6er Koftcnbcreitfdiaft, mit 
6er 6ie Meinen flöfterlkbcn un6 ftä6tifd>en (Semcinwcfen, ja felbft Bauerngcmein6en 


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37 


trie Donauefdjingen, trenn fte ron 
ihren < 5 ruitb> unb Patronatsherrn, 
trie 5. 23 . ben (Srafen ju ^flrftenberg, 
gut beraten unb gelblich unterftütet 
trareit, ihren 23 ebarf an fafraler 
Kunft beeften. Die mädjtigen ^lügcl 
bes fjodjaltars ron 2ttöbringen in 
ber ^ürftl- $irftenberg. (Semälbe- 
galerie ftnb trohl bei 3afob tiefer 
in Ulm balb nadt \500 in 2luftrag 
gegeben, unb bie aufgemalten tDap> 
pen ber Stabt unb ber ©rtsherrn 
rott Ulingenberg tierraten ben mit 
betrübtem Stolj jur Sdutu getragenen 
Unteil ber beiben BefteUer an biefem 
trefflidtcn Zeugnis aus ber fpäten 
unb reifen <3eit ^ es f°nft wenig 
befannten 2TTeifters. 

<£in beftriefenber Siebreij, ber 
511m guten Ceil auf ber alten 5 a f 
fung beruht, geht ron ben fünf 
Ultarfiguren aus, bie eiitft bie Ulofter» 
firdje ber Domittifanernonnen auf 
£)of jtt Hetbingen gefdmiiid’t fyaben 
(2tbb. \ u. 2). Uus biefen eleganten 
Stücfen leuchtet eine rerlorette Selig» 
feit religiöfen 23 eftfces unb eine 
myftifdje Ciefe ber <£mpfinbung, bie 
ihresgleichen fuebt. Sie fteljen einem 
fleittett Ultare aus fytsladt (©.21. 
f^errenberg) am näd?ften, ber nun 
in ber 2lltertümerfammlung jtt 
Stuttgart 51t feljen ift, unb ftnb trohl 
in XTorbfdnrabett entftanben, bort 
tro alemannifdte Derfeufung unb 
fränfifdjes ^ormgefübl ftdi ttadibar» 
lidt burdtbriugen. 

Um biefelbe «Jeit, ein 23 etreis 
für bie religiöfc Criebfraft jener (Tage, 
gönnten ft cb bie 23 enebiftinerinnen bes 
Ulofters 2lmtenhaufett einen neuen 


2Ha^itita au* Kloftcr HciMmjcn 



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58 



2. St. SUfbattu» aus ju 0 ftcr nciMmjcu 


Kltar, pott 6em ftcfy 6ie fünf 
Sdjreinfiguren in 6er Kltfta6t* 
firdic in Billingen erhalten 
haben, gute Arbeiten ipohl 
eines Hottipeiler Bil6fdmi|}ers, 
6er audi in 6er 6ortigen £oren= 
jenfapelle pertreten ift (Kbb.5). 

Hur wenig fpäter, im3ah r 
1522, ift 6er 2lltar entftan6en, 
6en id> 6em ^frauenflofter ^rie- 
6eittpeiler glaube jufdjreiben ju 
6ürfeit. Hon iljm haben ftd> 
jipölf Cafein (pon 14) in 6er 
fürftüchen <Semäl6egaIerie er« 
halten, in 6ie fic 6urch einen 
föftliehen ^ufali gelangt ftn6. 
Her fürftliche Ceibarjt Dr.Kelp 
mann fan6 fic por baI6 ICH) 
3ahren bei einem Bauern auf 
6em 5dnparjipaI6e als Bett- 
labe pertpenbet, lieg fte fieh an 
Stelle 6es Honorars geben un6 
fdienftefieiitben 1850er 3abren 
6em Rüffle» Karl €gon II. 
ju ^iirftenberg. Sie eignen 
6em immer ttodi namcnlofen 
Sigmaringer HTeifter, pon 6em 
ipir meiter unten nodi re6en 
tper6en. 

3'« fdben 3ahre 1522 
entftan6 an 6em 6amaligcn 
IPobitftlj 6er(f5rafcn ju^ürften- 
berg, in Honauefchingen, 6as 
lei6er untergegangene Pradn- 
ftücf eines bodialtars, pon 6em 
eine alte f)an6fchrift 6es Klo 
fters St. <Seorgen(jegt in Karls¬ 
ruhe) uns beruhtet: „Her Hltar 
jue Hanöfdjinga 6er grog ift 
gefdmiten (gcfdmiftt) tpor6eu 
6as man Ijat jölt 1522". Hie 


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- 39 — 


Pfarrfird?e bcmaljrt in6cs tjcute nod? 6as aus 6er 
ftörung 6es Schmebenfrieges errettete, non 6er X^odjner- 
cljrung 6es Dolfes in alter un6 neuer <5eit getragene 
©lanjftücf einer Hlabonna mit Kinb, 1,30 m fyod?, bas 
uns einen Begriff gibt r>on 6er ljert>orragcit6en XPertigfeit 
6iefes Hltarmerfes (Hbb. *$). Per erfte ftauptteil 6er 
XPirfung geljt non 6er Büfte aus. jm ©egetifage ju 
6en bemegten Sdjofjpartien atmet tjier alles eine nerflärtc 
Kühe. Xutr bas in fräftigen, gelöften un6 gemellten 
Strähnen auf 6ie Schultern fallen6e fympthaar führt ein 
befdjeibcues (Eigenleben. <£s 6ient als ^olie für 6as 
(Scftcbt, non 6effen meid?en c6lctt formen ein befted?eu6er 
Ciebreij ausgebt. Sdjon Ijier müffeit <3meifel au 6er 
fonft naljeliegenöen fdunäbifdNn fjerfunft 6es Bilbmerfes 
auftaudjen, 6enn 6iefe ausnehmenb fein un6 meid? mobel® 
lierten (Sefidjtstypen meifeu nach 6en Kunftftätten XHitteb 
fraitfens. Per 5meite un6 niellekbt 6er aufbringlicbfte 
«Teil 6er ©efamtmirfung liegt in 6em mäd?tigen ftoff* 
reidten XlTantel mit feinem reidien formenfpiel non Bäu- 
fd?en, galten. Schlingen utt6 fleitten Kiticfen, 6er aber 
im übrigen ein foldjes (Eigenleben führt, bajj er 6ie 
Körperformen 6er ^igur mit Xlusnal?mc 6er Büfte uu6 
6er unteren ^u^partien nöllig übermuebert. 3 U ^ cr gaiijen 
fdtmäbifdten piaftif fin6et ftd? nichts ähnliches. Pie 
ganje meicbe ^ormenfpradje 6er Ponauefdjinger XtTabonna 
mit il?rer alle eefigen Brüche un6 fdiarfen Kanten ner- 
mei6en6en, mit tiefen XTtulben un6 mulftigen 5 d ^ cn ' 
fämmen arbeiten6en, 6ie grofjc 6urd?gehen6e Cinie be= 
touen6en Praperie ift jenfeits 6es £ed? 511 fjaufc. Port 
im eigcntlidjen Bayern, uit6 jmar 5mifd?en Kegens= 
bürg, €an6st?ut un6 Paffau, ift zweifelsohne 6te Heimat unferer ^igur ju fud?en. 

XDas 6eit ncrmutlidjen Befteller 6es großen Hltarmcrfes non f522, 6ett (ßrafen 
^rieörid? 511 ^ürftenberg, mol?! neranlajjt l? a b »dt feinem be6euten6en Huftrage 
gera6e nad? 6er mittleren Ponau ju geben? Kegcnsburg mar einer 6er ganz großen 
geiftigen XHittelpunfte Peutfcblanbs, un6 man braucht genüg nicht nach <Srün6en 
511 fudjen, 6ie 6ie (Srafen non ^ürftenberg mit Hegeusburg un6 feinem Kun ft Preis 
in Berührung brachten. Pie X\eid)Stage, 6ie Beziehungen junt bayerifdten X)erjogs> 
häufe, 6ie Ponauftrajje, 6ie feit fafö mädjtig einfefeeitbe XPallfahrt zur „fd?öncn 
XHaria" erPlären manches, jmmerhiit bleibt 6ie 5 rd 9 c offen, marunt örtlich 
näherliegenöe Kunftzentren übergangen mürben. Hber 6ie Himer Kunft mar 
6amals erftarrt, 6ie Hugsburger piaftif of?ue befoubere Be6cutung. Per Heiz 



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— 40 — 



Dcnaucfcbingcr niai'cnna r:n 1522 


ber Heufycit locftc, uni» fo bleibt 
öic Donaucfdjingcr HTabonna bas 
oereinjelte IPerf eines lanbfrem* 
ben Künftlers, 6 er uielleicbt $u 
friitj fterbenb, um eine Schule 51 t 
Ijinterlaffen, meteorartig auftaucfyt, 
um fofort mieber 511 r»erfd?u>inben. 

Der bewährten Himer Über¬ 
lieferung treu bliebcTi 6 ie Stabt* 
r»äter bes bamals nod> öfterreid?= 
ifdjen Bräunlingen. Sic beftellten 
6 en Sdjnifealtar mit gemalten 
^lügcln für öic alte Pfarr- jetjt 
<£>ottcsacferfird?e bei 3örg Stocfcr 
in Ulm, wie ftch aus 6 er Stil* 
form 6 er beiöen großen 3 nnen* 
flügel bcutlicb ergibt. <£s ftnö 
typifdje Bilöcr uon 6 er f)anb 6 es 
HTeifters, unö wie ftarf bie HTalcr 
6 er ^eit non 6 er Scbmarj-tDeifj* 
funft jcfyrtcn, jeigt bie Hnbetung 
6 er Könige, bie ftarfc Huflänge 
an beit I^oljfcbnitt öes I}ausbud)= 
meifters im bjcilsfpiegel bes Peter 
Drad» non Speyer aufmeift(Hbb.ö). 
Die 5 Figuren bes H Tittclfcbrcincs, 
öerb in beit (Einjelfycitcn, aber 
übcrrafdjenb flüfftg im Kljytfymus, 
laffen ben 2 Utar in beit 90 er 
3 <il?rcn bes 15. 3 a ^? r ^ un ^ crts 
entftanben fein. 

3 n t)iifingen fdntfeit ftd> fur$ 
t»or beut burd? unftnnige €rb* 
teilung einfetjeuben Verfall ihres 
eljebem fo mädjtigcn (ßefdüedits 
bie Kitter t»oit Sdiellcuberg ein 
Steinepitapb aus ber IDcrfftatt bes 
bebeutcnbften Kenaiffauceiftcn im 
fiiblidjcn Schwaben, Hans 2Horinf 
non Konftanj. XDenn bas IDerf 
aud) nidit an bie ^einfycitcn ber 


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beglaubigten Konftan 5 er unb (Drfingcr Arbeiten bes au5ge5cid?neten ÜMetfters^erau* 
reidjt, fo ift es bod) ttad? feiner <3eicfynung unb unter feiner 21ufftd>t entftanben. 
<£s pereu>igt bas 2tnbenfen ber in beit 3atjren 1582 unb 83 »erftorbenen ©ebljarb 
pon Sdtellenberg, Hattbegg unb Staufen unb 
feiner ^rau Barbara ooit ^aulai), besgleidjen 
itjrcr Kinber iiaits bes (ßdefyrten, «Ebcrfyarb, 

Klara unb 2litna. 


* 


5. Zlltarflügcl au$ i>cr <0cttc5acfcrfti\1?c fu Bräunlingen 


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Die Iciöcr menig befud?te, alte gotifdje breifdßffige St. ZTCartinsfirche in Kieb- 
öfchingen jeigt nodj au ©rt unb Stelle gute, faft lebensgroße ^iguren eines ehe¬ 
maligen Sdjnitjaltares, bie bem f<d?it»äbifd?-fd?tc»eijerifd?en ©renjgebiet sujutoeifen, 
pielleidjt bei bemfelben ZTTcifter 2Tticf?el Pfenber in bem benachbarten Schaffhaufen 
•entftanben ftnb, bem mir bei ber Kufftellung bes Kltars in £en 3 Pir<h (478 urfunb- 
lidy begegnen. (Eine gan$ porjüglidje Anbetung ber Könige in ber Prebella bes 
Hebenaltarcs jeigt ben «Einfluß ber BTorinffdjule. 

tüenn mir pon alter Kunft in ber Baar reben, bürfen mir an einer michtigen 
•architeftonifcben (Erfdjeinung nicht porübergehen, nämlich an ber als fürftlidje 
Keftbenj erbauten Pfarrfirdje pon Bonauefdjingen. Schon (7(2 ließ König Kuguft 
■ber Starfe pon Sachfen uttb Polen, ber bie Karbinalsernenttung feines Statthalters, 
bes Knton (Egon ju ^ürftenberg, in Born mit piclem Hadjbrucf betrieb, 

jugunften bes dürften geltcnb machen, er plane in Donaucfdjiugcn ben Bau einer 
Kirdje, bie eine religiös merbenbe XDirfung auf bie proteftantifchc ©ftbaar aus- 
üben folle, unb 3 U ber bereits plane poit ber ^anb Pecfers oorlägen, offenbar 
berfclbe Pecfcr, ber (7( ( feinen „fürftlichen Baumeifter" in Kugsburg heraus* 
gegeben hatte. Knton (Egon ftarb inbes fchon (7(6, oljnc ben Purpur erlangt ju 
haben. HTit ber Perlegung ber fürftlichen Befibenj n ad) Ponauefdjingen im 3aljr 
1723 ergab jt<h in ber Cat bie HotmenbigPcit, bie an fich umfängliche unb bau> 
fällige Kirche aus ber UTitte bes 15. 3 a h r hunberts burdj einen Heubau 5 U erfefeen, 
■ber ben 2 lnfprüd>en ber fürftlidjen Hofhaltung genügte. Die piäne bes fürftlidjen 
Baumeifters Brir in HTeßPirch, ber bas Baufchema ber (Engelsmiefer IPallfahrts* 
fird?e nach ber l}auptftabt ber Baar perpßanjen mollte, fanben nidjt ben Beifall 
bes fürftlichen Bauherrn, ber ßdj am böljmifdjen ©efchmacP gebilbet hatte, unb 
fo erhielt ber faiferlichc Krd^itePt HTayimilian KanPa in Prag, ein Schüler Dienjen- 
hofers, ben Kuftrag 5 ur Planfertigung unb Bauleitung. Kan Pa, ber feinen £ef}r= 
meifter nidpt perleugnet, hat hi er auf alemannifchfchmäbifd?cm Boben ein gänjlid? 
alleinftehenbcs Beifpiel böhmifchen Barocfs gefdjaffen, bas eine bcadttcnsmerte 
£eiftung barftellt. Unter Bericht auf eine reiche ©lieberuitg ber Kußenfeite unb 
unter ftarfer Hodjjichung bes Körpers ber Kirche ift ein mädttiges Hlafftp gefdjaffen, 
bas bie über einer einbrucfpollen faffabe auffteigenben Poppeltürme faft gebrüeft 
erfcheinen läßt. Pas 3iinere, bei ber beachtcnsmcrten t}°h e DOn l 8 111 (PiUingcr 
Hlünfter 15 m, Kberlinger Kmnfter 20 tn, freiburger HTünfter 25 m) eine ber 
bödjften Kirchenräuntc Babens, überrafcht burd? eine überaus glücflid/c Baumlöfung 
unb ftileinbeitliche Kusftattung. Pie Pecfe ift unter Perjicbt auf Stucfperjierung 
burd) mächtige ©urtbögen gegliebert, bie Seitcnmänbc ftcigeu in smei ©efdjoffen 
mit breiten h°diliegcnben fenftern auf, bie eine porjiiglidte £iditführung geftatten 
unb rechts unb linfs poit über lebensgroßen holögefdmifeten Kpoftelfiguren (gefertigt 
in ben 3 a h rcn 1745—61 burdj 3°h J,m Hlidjael IPinterbalter oon Pöljrenbad) 
unb 3 °fef Knton pon Pillingen) unb weiterhin pon fräftigen pilaftern ßanfiert 
ftnb. Per ftadjaltar aus bem 3 a hre (750 pon bem Hoffdnviiter HTatbäus Bräufdj 


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43 



6. JUclitcr reit Scftlcft <ui?tcnjtcin 


non UTejjfird? un6 6om 23iIM?aucr ^ranj 21tagnus f)ops non Stgmaringen un6 
6cm 2lltarblatt bcs ZPegfcfyeibcr-Sdnilcrs 3ofcf (Efperlitt fügt ftd? organtfd? in 6ns 
<5anje un6 fd?Iic^t 6cit 23Iicf nad? 6cm <£l?or tnotyltuenb ab. Die non jofef 
Simmler geleitete rcr6;enftnolIe IDtebcrljerftcUung unter Sta6tpfarrer £. Dutji in 
6cn 3atjren \ 895—96 müjjtc feilte aüerbings non anbern ©runbfätjen ausgcfycn. 


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7. l'ajclcr 211ciftcr ron H*5 


Heben biefen fojufagen getoadjfenen Kunfterjeugniffen a,ibt es in 6er Haar 
eine Keitjc füitftlid) perpflanjter lxoftbarFeiten, 6ie 6er Kunftfinn 6er früheren Canbcs^ 
Ijerreit, 6er dürften ju ^ürftenberg, jufammengetragen bat, unb bie ftd> beute im 
tpefentlicben in 6er fürftlidj ^iirftcnbcr^tfcl>on (Scmälbegalerie unb im fiirftlidjen 
Kupferftidjfabinett ju Donaucfdjingen oerförpern. Keicblkb fpät bat bas Haus 
^iirftenberg eine Sammeltätigfeit eutuucfelt. £s tpar Ijier nidjt mehr ber Iaitb= 
läufige £brgeij ber Henaiffancc, eine Kunftfammer ju beftfccit, ber feinerjeit einen 


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45 



S. IHciftcr t?cn 211cfffircl?. St. glmitcpl? 


"Katfcr Hubolf II., einen BTajrimilian non Bayern, reiche patrijier tnie 2tmcrbad> 
in Bafel ober feubale Klöfter inie 5t. Blafien anreijtc, mit erlaubten unb bcbenf* 
licken BTitteln Kunftfcfjätee ju ergattern. (Sraf 2llbrcd>t ju ^ürftenberg bemüht 
ftet? jtnar im 3af?re f59< um ben 3fenfjeimer 2IItar, aber nur im Aufträge feines 
faiferlidjen ßerrit, unb ber in i)eiligcnbcrg unb Donauefdjingen furj nor f600 niel 
„gcbraudüe" Kontrafeber Bartel Bruyn ber 3‘btgere, iiofmaler bes fterjogs non 
Cot bringen, erfdjöpft ftcb in Bilbniffett bes gräflichen Kaufes dürften berg. Bielmehr 


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- 46 — 


war es, $wei 3al)rl?un6crte fpäter, bie romantifdje ©ciftesriditung, bas IDieberauf* 
leben bet miftelalterlidjen 3keule, bic begeifterteit Sdjriftcn iüiltjelm f)einrich 
IDadenrobers, ber (Einfluß ber ©ebrüber Boifferee, ber beu non feinem feingebilbeten 
ßofmarfdjall ^reitjerrn t>on Pfaffcnhoffen rorjüglid) beratenen dürften Karl «Egon IT. 
int 3°t?re 1832 beftimmte, bie ererbten Beftänbe ju ftditen, bie beften Stüde in 
Pflege ju nehmen unb iljre Hufftellung in ben ^efträumen bes Sdjloffes porjube= 
reiten. (Es waren im wefentlichen bie aus bent Erbanfall ber gräflichen Raufer 
Zimmern unb f)elfenftein überfommenen pradjtftüde bes HTefjfirdier HTeifters 
(IDilbenftciner Hltar, ^alfenfteiner 2Utar), bie Bilbniffe ber Eraitach’Sdiule nebft 
3ubitl? unb T}erobias, ber BTöljringer Hltar ber Himer Sd'tilc (Hr. 5 unb 6 bes 
heutigen Kataloges) unb einige Hiebcrlänber wie Pindeboons unb lüouperman. 
Planmäßig mürben nun bie Cüden burd) Hnfauf gefcbloffcn, unb nod) in ben 30er 
3 a h ren her Basler ZlTeifter (Hr. l), ber verlorene Sohn Scbäufeleitts (Hr. 115), 
bie beibett Eranach (Hr. 98 unb 104) unb ber grofje ^ricbentueiler 2lltar bes 
Sigmaringer HTeifters (Hr. 22 —33) erworben. Kein geringerer als HTcldjior Boifferee 
entwirft 1836 bie Bahmenprofile für bie bei HTattenheimer in HTüudjen reftaurierten 
elf „Sdjäufclcin", b. h- HTeiftcr t>on BTefjfirch, bie mit ben übrigen Bilbern 183? 
in ben Sälen bes fürftlidyen Karlshofcs Hufftellung fittben. 2lbcr erft ber Knfauf 
ber an fehwäbifdjen Primitiocn fo überaus reichen Sammlung bes fürftlidjett ©bcr= 
jägermcifters ^reiherrn 3°f c f DOn £af?berg im 3 al ? rc 1853 (Kaufpreis 27000 fl) 
erhob bie fleine, wenn auch foftbare Prioatfammlung bes ^ürf^u junt Knfehcn 
einer mit ben öffenllidjen £anbesmufeen an Bebeutung wetteifernbett ©cmälbegalerie. 
Hoch im felben 3 a h re selang es, pon bettt Kunftbänbler £. t>ott HTontmorillon 
in HTünchen für 800 fl bas Kapitalftiid einer jwclftafeligen Paffionsfolge bes 
älteren f)olbein ju erwerben (Hr. 43—54). 3 n Imtgfamcn Sdtritten pollsog ftdy 
nun ber weitere Husbau ber ©aleric, ber immerhin in ben näcbften 3 a h r 5 c h n l cn 
noch eine Hnjahl hodjwertiger Bilber juwttdjs, fo bie früher bent HTabufe, jetjt beut 
Barent ©rlcy jugefchricbene HTabonna aus Klofter Salem (Hr. (05), ber fleine 
ßausbuchmeifter (Hr. 129 ), ber ^eitblom mit bem porträt bes Peter non Ifewen 
' Hr. 115), citt Bilbnis bes IDilljelm IDcrner pou flimmern non Konrab ^aber 
(Hr. 10(>), bas fdjon früher einmal im ^ürftenbergifdunt Beftfee war, bie fdtweijer 
HTeifter (Hr. 116 —120), r>or allem aber in ben lotsten beiben 3 a h ron bie pielbe- 
aditetc Kopie na di einem perfdiollenctt (Originale ©riinewalbs (HTagbalenens Klage 
ror bem ©efreujigten (Hr. 353) unb 5 wei ©ogeuflüde bes immer itodi rätfelbuften 
HTeifters pon Sdilof? Cidjtenftein, ein Ivilaub am (Ölberg (Hr. 554.) unb eine 
(Grablegung (Hr. 553, 2lbb. (•). Seitbem Ajürft Karl Egon III. im jabre isos 
ein eigenes Sammlungsgebäube errid'tet batte, finb bie Sammlungen in weitherziger 
IPeife ber (Öffeutliddeit erfddoffeu unb burd' gvifauf pon IPerfeu jeitgenöffifdier, 
meift babifdier HTeifter in einer liidenlofeu EntwidTungsIinie bis zur (Gegenwart geführt. 

IWum wir bie (Galerie in ihrem heutigen Beftänbe fing überhlidvu, fo ftebt 
unter ben ultbeutfdvit Bilbern, rollig pereiitjclt, als Bilb pon Überrageuber Bebeutung, 


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niciftcr ron 2Hcf?fird?, 5 Jfltarfliiijcl aus ütcüfircb 


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10. Scitblcm, St. :na£balcna u. St. Urfula 


ber Basler BTciftcr pon ^^..5 mit ben <£inftcblcru Paulus unb Kntonius (Kbb. 7). 
£iu IPerf, bas nod? ber pollcn iiberjcugcnben «Einteilung in Öen ooit Burgunb 
uni» öett Hicberlanben beeinflußten oberrljeinifdjeu Sdjulfrcis l^arrt unb für i»ie 
Konrab IPitv^ragc pou großer Bebeutung 311 iperben oerfpridjt. 

Eine eiujigartige Stellung nimmt 6 er BTeifter pon Bleßfirdj ein. Keine 
(galerie ift fo reich an Bilbern biefes Bteifters. Begreiflicher XPcifc, beim er tpar 
ber pausmaler ber (grafen pon ^immertt, bereu Ked)tsnad)folger befanntlid? bic 
dürften 311 ^ürftenberg ftnb. Panf einer Keitjc pon Einjclunterfudnmgcu hebt fid> 
allmäblidi bas Punfel pon ber reijpollen Perfönlidjfeit biefes größten Koloriften 
ber begtnnenbcn Kenaiffance. Per BTcifter ift permutlid? mit bem XTTaler jerg 
Regler gleidjbebeutenb, ber im 3 a h rc 1540 „feines IPeibs mögen", bic eine 
Codier bes Bialers 3 erg Sun tpar, in Kugsburg bic < 3 unftgcred?tigfcit erhält. 


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- 49 - 



U- fi. ftMbcin £*. M., rcu«fd?lcppung 


€r ift, obivobl im Hugsburger Hialerbucb als „von Kornett" (Kemnat? IDelcfyes 
von vielen?) be$eidmet, mol^l im llörblinger Kies geboren, lernt bei Sdjäufelein 
unb Sebastian Paig, beffen Hrt er am .näcbften ftebt, geljt anfdieinenb mit Sd?äti= 
felein um (5(2 nad> Kugsburg, bann nad> Kempten ju bem alternben Hleifter 
3 afob Sdjicf, non beffen Hltgefellen (Hbam Sdäanj?) er neuerbiugs beeinflußt 
erfdjeint. Hm (520 arbeitet er in 5t. ©allen unb Konftaitj als Hialcr unb 
Sdieibenrißjeidmer für Cfjriftopl? Stimmer, nähert fidj bann mit feinen uadjgeiviefenen 
Kr beiten bem oberen Ponautal, um etuni ein3afjrjeljnt — bis (558 — faft ausfdjließlid/ 
für bie ©rafeit non ^immern in unb um Hießfirdj tätig 511 fein, ©in überaus 
temperamentvoller HIeifter, ber bie Dorjüge jivcior großer ,?>oitabfd>nittc, auf bereu 
IPenbe er aufftebt, in ftcb vereinigt: bie vorjüglicbc «Tedmif ber altbeutfdjeu ©afel 

öaMfd?e F)finuif \—.1 ^ 


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t2. Jloijcr »an 6cr IPe\^en 


maleret, 6ie er 6urd> 21ntpen6ung feilt abgeftimmter Cafuren auf transparentem, 
emailljartem Krei6egrun6 5ur raffinierten IDirfung ergebt, unb Öen (Seift 6er 
neuen ,3eit, ^ cr in &«n rafftgen gebrungenen formen feiner ^eidmuttg un6 6er 
(Sefdjloffcnljeit 6er Bil6anor6nuttg ftd? ausfpridjt, 6ic jtpar pon 6er ^orntgcfe^- 
lidjfeit 6er 3taliener nicht unberührt, aber 6od? im tr>cfentlid?eit fein geiftiges 
(Eigentum ift. Heben einigen rcijpollen Bilbern flcinctt Formats (2tbb. 8) befiel 
6ie (Salerie 6rei aus 6er Cafjberg • Sammlung ftammen6e grofjc ^lügel (jtpci 
3 nncn-, ein ilujjenflügel, 2 tbb. 9) 6es ehemaligen Hochaltars 6cr Pfarrfirdje 511 
21 Tejjfird? pott 1538 mit 6en rafftgen Stifterfiguren bes (Sottfrie6 JDcrtter pon 
Zimmern un6 feiner (Setttahlin 2 XpolIonia geborene (Sräfin Senneberg. Das 
b)auptftücf, 6ie Anbetung 6er Ifönigc, befitt6et fid? nodt att ©rt un6 Stelle, 6ie 
5tpci Stellflügel in 6er pinafotljef ju Hlündjen, 6as (Segenftiicf 6er h c ^*ö cn 
2 Hag 6 alena, ein Ijcili^cr iüerncr, in 6er Satttmlung 6es l)errn Dr. panmpi^, 
jetjt in Buenos= 2 lires. Da3u fommen als altererbtes <5ut 6er ^alfenfteincr 2Iltar 
mit 6em Bil6c 6cr h«digen 2 fnna als illittelftüd un6 6er berühmte 2 Dil 6 en 
fteitter 2 lltar, genannt ttadt 6er Burg !Pil6enftcin im Donautale, mit 6cm apo= 


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- 51 — 



\ 5 . 2ttabonna ^c& 8, <F>rley, aus Hlofter Salem 


falyptifcfyen ZDeibe (ZITaria), umgeben pon 6en Z)austjeiligen 6er ©rafett ron 
Zimmern, datiert 1536. 

<£ine befon6ere Zlote gibt 6er Sammlung aud? 6er fogenannte Sigmaringer 
ZTCeifter, 6er ftd? jtpar nidjt über 6ie Be6eutung eines Propi^ntalers ergebt, aber 
eine grofjc ZPerfftatt befafj un6 tpeitfjin 6en ZITarft beE?errfd?tc. <£r tpäd?ft aus 
6em ZCreife 6es ^eitblom fjeraus un6 mir6 ueuer6ings mit 6er Bapensburger 
Sofalfdjule in Berbin6uttg gebracht. Bei 6en unter feinem Zcamett gef?en6en BiI6ern 
tjier un6 an6erre»ärts ftn6 in6es ftcfyer mehrere £)iin6e beteiligt. 

Der Himer ^eitblom ift mit nur 3 Bil6ern, aber unir6ig pertreten. Seine 
bei6ett f^eiligenpaare ftn6 ^rü^tperfe, perraten aber bereits in ^cidjnuttg un6 
Pinfelfüfjrung 6en ganjen perfyaltenen un6 gemeffenen Stil 6es reifen ZTCcifters 
(ZIbb. fO). 

Bon 6em ^eitblomfdjüler Bernfjar6 Strigel aus ZTCemmingen befi^t 6ie 
©alerie ein feierlidj aufgefajjtes Bil6nis 6es ©rafen 3°f? cmn IT. pon ZITontfort 
ju Cettnang aus 6em 3aljre f520 (ZTr. 72 ), fotpic eine fleine Bituspaffton (Hr. 63), 
6cren ©egenftücf ftd> in ber ^reiburger Stä6tifd?en Sammlung bcfin6et. 

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52 


Ztud? einen Keinen £)ausbucf>meifter fann bie ©alerie ihr eigen nennen, ber 
bisher als ©berbeutfch mit ^rage^eicfyen geführt mürbe, ein in Zlufbau, ©inseltypen 
unb ZHaltechnif edjtcs ZDerf bes ZTTeifters ber ^reiburger Kreujigung, alfo mobl 
mie biefe in ben i^SOer 3 a h rcn entftanben. 

(Eine fyernorragenbe ^ierbe ber ©alerie ftnb bie 5 toölf Paffionsbilber Bans 

ft 

tjolbcin bes Zitteren, ^tügelbilber eines lireujaltars, oermutlicb aus ber ZDaUfatjrts- 
firdje U. t)errn Kutje ju ^riebbcrg bei Zlugsburg ftammenb, oon beffen ©nabenbilb 
bie Darfteüung auf Ztr. 5 t ftchtlicb beeinflußt ift. <£s ift bie ältefte ber brei 
befannten Paffionsfolgen £)olbeins unb grifaillierertb gehalten, läßt aber gerabe burcb 
biefcn Perjicht auf bie ZTaturfarbe bie ganje ©efdjloffentjeit unb ©röße bes jeic^ne- 
rifdjen ^rütjftils bes tjier bcutlicb oon ©abriel Znätesfirdjner abhängigen ZTTeifters 
erfennen (Ztbb. \ \). Dem alten f)olbein eignet ferner bie Keine ©eburt ©hrifti, bie 
lange ^eit, rneil burd? bas gefätfdjte ZTTonogramm bes jungen £)olbein als fcfyeinbar 
unecht gebranbmarft, ein befdjauliches Dafein auf bem Dad>boben ber Samm¬ 
lung gefriftet hatte. 

^ür bie oon Ulm beeinflußte Bobenfeefcbulc beft^t bie Sammlung eine Z?eit?e 
oon Beifpielen u. a. in ben Bilbern bes ZTteifters mit ber ZTelfe unb bem Peildjen 
(Ztr. f5 u. H9/ 120 ), beren Cegenbenfsenen ßdj gerne oor reidjbemcgter See- 
unb Berglanbfdjaft abfpielen. 

^aft unbegreiflich erfcheint es, mie ein Bilb oon ber Bcbeutung ber ZTr. 555 
bis tief in bie ^eit ber Zjodjflut ber ©rünemalbbegeifterung hinein in ber fürftlidycn 
Sd^loßfapelle 5 U ZDolfadj fdjlummern fonnte, ohne beadjtet ju rnerben. <3mat hatte 
fd?on ZDingenroth bas Bilb als ein Ztachahmung ©rünetoalbs crfannt unb bejeid^net, 
aber erft im ZTtai 1920 , nach ber Perbringung in bie ©alerie, mürben fich meitere 
Kreife bemußt, baß man hi cr eine alte Ceinmanbfopie eines längft oerlorenen 
ZUtarflügels oon ZTTathias ©rünemalb oor ftdj hatte, ber feiner Spätjeit ju 3 umcifen 
ift unb oielleicht bem oerlorenen ZTtagbalenen^yKus ber Stiftsfirdte ju f)alle an 
ber Saale angehörte. Dargeftcllt ift Zltaria ZTTagbalena, mit mcitgeöffnetem ZTTunbc 
unb allen Reichen eines unfagbaren Schmerjes fauernb ju ben ^üßen bes in ooü- 
fontmener Profilftellung gegebenen ©e Kreuzigten (Zlbb. f. ^Titelblatt). Das überaus 
ftarfe Bilb, bas unferen Porftellungsfreis oon ©rünemalb erheblich bereichert, 
ftammt urfprünglidj aus bem Klofter St. Blaßen unb ift burch ben Zlbt ^ranj-I. 
ChuUot im 3 ahre 16^8 beftellt ober ermorben morben. 

Unter ben Ztieberlänbern ift oon unoergleidjlidjem Heijc Hoger oait ber 
ZDeybens ZTtabonna mit Kinb (Ztr. 2 ), an beffen ZTTeifterhanb faum mehr gcjmeifelt 
mirb (Ztbb. 12 ). Das Bilbchen ift begreiflidjermeife fdjon in älterer ^cit öfters 
5 U Deootionsjmecfen fopiert morben. Selbft ZTtcmling ift bem Z\eij bes Bilbes 
erlegen, mie eine Kopie in ber Sammlung ZDernber in Conbon bemeift. 

©ine lange für B. ©rlcy gehaltene heilige Familie muß unter bem Drucf ber 
ftiliftifchen Bemeisgrünbe umgetauft merben unb gebt nun als Jan oan ßemeffen. 


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53 



Bartel Gebaut, 3afofräa »on Safccit 

Über bie (Echtheit ber Büjjergruppe bes 2lnton pan Dycf (ITr. 239), minbeftens 
IDerfftattbilb fein wirb, finb bie Elften nodi nicht gefdjloffen. 

(Eine ber Perlen ber Sammlung ift bic fjalbfigur einer BTabomta mit Kinb 
(IXr. fOö) aus Ixlofter Salem ftammenb, ein Bilb oon feltener 2tnmut ber (Erfin* 
bung, in ber 2lrt bes Bernaert ©rlcy (bisher bem 2Habufe jugefdmeben). <£s 
gibt eine ganje Ztnjal^I tDieberfyoIungen biefes lieblichen Porirurfs, aber unfer Bilb 
ift, wenn nidjt ber Urtyp, fo bocb bic befte unter allen befannten Parftellungcn 
auf beutfdjcm Bobeit (2lbb. f3). (Drley, ber befannte Hofmaler ber Statthalterin 
2TCargarcte in Brüffel, hat im 2.3ahrjchnt bes \6.3ahi‘hunberts bas ©hema häufig 
abgewanbclt. (Ein naherermanbtes Bilb ©rlcys bewahrt bas Beidjsmufeum im 
f)aag (aus ber Sammlung ^oogenbyf). 


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niedrere Bilbniffe fonnten feit (Erfcheinen bes lebten Kataloges gebeutet toerben: 
<3eitbloms Patrijier (Br. { f5) als Peter oon fernen, König ber ©efellfchaft ^ifcf? 
unb Ralfen. Der barttofe ©eiehrte bes Konrab ^aber (Br. 106) als ©raf IDilfjcIm 
IDerner t»on <3imntetn, beteiligt bei ber Kbfaffung ber befannten ^immer’fchen 
(Eljronif. Das farbenfprüt)enbe Bilb Bartel Benams (Br. UO) als 3 a ^°bäa uon 
Baben, ©emahlin bes bjerjogs JDühelm oon Bayern (Kbb. f^), mit einiger 
IDaljrfdjeinlic^feit bas Bilb Br. f07 als ©raf Ulrich non t^elfenftein, gefeffen ju 
IDiefenfteig (1^85—)5^6). Das ©egenftücf Br. f08 ftellt bann feine ©emahlin 
bar, eine Katharina oon Sonnenberg. 

(Eine oorjüglidje (Ergänjung ber ©alerie bilbet bie Sammlung graptjifdjer 
Kunft, bie in ber ©efamtjahl oon faft 70000 Stücf im fürftlichen Kupferfticbfabinett 
in Donauefcbingen oerioafjrt ift. Sie ergibt Knfnüpfungspunfte, bie tjeute als 
überaus mistig erfannt finb, bcnn bie inhaltlichen unb formalen Bejahungen, 
ber Blalerei jur fogenannten Scf)ioarj*lDei§'Kunft, b. h- jur Kunft bes £)otjfdjnittes 
unb bes Kupferftichs mit feinen Kbarten, finb ebenfo häufig als innig. Die ganje 
Bebeutung bes Kabinetts toirb uns fofort War, toenn toir feftfteüen, bajj oon 
älteren BTeiftem bes <E>rabftid?eIs oertreten finb bie Deutfchen: KIbrecht Dürer faft 
mit feinem gan$en tDerf unb in oortreffüdjen Kbjügen, Blartin Sdjongauer, BTeifter 
DT. <5-/ £)ons Burgfmair, Schäufelein, f)ans f)olbein ber 3üngere, f)ans Balbung, 
Cufas Cranad), eine Heif)e ber fogenannten Kleinmeifter bes f6. 3 a h r h Uf iberts, 
Kugenbas, Choboroiecfi. Sobann bie Bieberlänber: Cufas oan Ceyben, Knthonis 
oan Dycf, Hembranbt, Contelis Bega, Bifolaus Peter Bergigem, Paulus potter, 
3afob oan Buisbael, K. Seemann, Cornelius Bifdjer, C. Bafhuyjen. Die3taliener: 
DTarco Kntonio Haimonbi unb fein Schüler DTarco Dente, (Earagüo, ©iorgio 
Chift/ Stefano beüa Bella, Bartolojji, Kaphael DTorghen. Die ^ranjofen: 3acques 
Callot, Kobert Banteuil, Kntoine DTaffon, ©irarb Kubran, (Ebelincf, Balechou, 
Beauoarlet, Boiffieu. Die (Englänber: Strange, XDoollet, ©reen, (Earlom, ftollotoay 
unb 3°h n £anbfeer. 

Bemerfenstoert finb ferner eine Keif)? 3 n ^ una t ?c l ‘ ^oljfc^nittc bes f5. 3 a hr* 
hunberts. 

©efteigerte Beachtung finben in ber ©egentoart einige toertoolle £)anbjeichnungen. 
Bon älteren beutfdjen DTeiftern nennen mir eine Pieta oon einem alemannifd)« 
fchtoäbifcben BTeifter oon 1^80, Kopf eines alten DTannes unb mcibli^er Kopf 
mit breiter fjaube oon fjolbein bem Klteren. ferner Klbred)t Dürer Kftftubie, 
Daniel Cinbtmair ber barmhcrjige Samariter, (Erljarb Sdjön Barrentanj, oier 
Blätter oon Cobias Stimmer, 2 oon Kottenhammer, Scheibenrifj oon (Ehriftopl) 
Bluter. Bon 3* a benern: Blätter oon Caraoaggio, Ceoni, Salimbeni, Barbieri, 
Seb. Kicci unb Cintoretto. 

Die ganje reichhaltige Sammlung oerbanft ihr «Entftchen fotoohl als ihre 
(Einrichtung, Knorbnung unb Katalogifierung (in 9 ;$oliobänben) im toefentlichen 
bem genannten fjofmarfchall 3reih crrn r>on Pfaffcnhoffen. Ilm bic Sammlung 


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55 


mcnigftens einigermaßen 6 em Publifum 3 ugänglich 3 U madjen, finben medjfelnbe, 
nadj einheitlichen ©eftdjtspunften ausgcroählte Uusftcllungen 6 er norjüglidjften 
Blätter in 6 er fürftlicfyen ©emälbegalerie ftatt. 

* * 

* 

Die ^ocfyflädje 6 er Baar liegt fernab non 6 en großen U 6 ern bes JDeltperfetjrs. 
Uber 6 ie Befruchtung burdj ein reifes un 6 funftliebenbes ©efdjledjt mie 6 ie ©rafen 
un 6 dürften ju ^ürftenberg, 6 ie als £an 6 esfyerren ihren Untertanen feit alter <3eit 
eine t>or 5 ÜgIid?c Pflege angebeifyen ließen un 6 alle fdjönen Uünftc ins Brot feßten, 
haben innerhalb ihrer <5ren$en eine Summe fünftlcrifcher U)erte oereinigt, um 6 ie 
fte mandje gefegnetere ©egenb unferes Patcrlanbes mit befferer Perfehrslage, 
reidjeren Bütteln un 6 größeren BTöglichfeiten geiftiger Uttregung beneiöen bürfte. 



Ultere Unor&nung 

Saal 5er 5ürftl. ©cmal5c$alcric 


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Htar-g^cu-Saal fccr fürftl. ^ofbiMictbcf iit DpitaucfcMinjcn 


tn ©onauefcjHntjm 

Ten Dr. <2buarb 3<>hnc 

tcifpicllos ftcljt es 6 a: ein Stabilen non faunt 4000 €imt>oIjnern 
SgSfiSpb 0 * e ’ nc öibliotfyef ron run 6 f^OOOO Bättben 5 ur Verfügung; un 6 fo 
^^S^s^gvog ift 6 ie Liberalität, mit 6 er 6 as fjaus ^ürftenberg 6 ic Büdjerfdtäfec 
6 er (Dffentlidifeit tu geregeltem Kusleibbetrieb 3 ttr Benutzung überlägt, bag es 6 ett Be» 
fudjern 6 er Bibliotbef gar nidjt mehr redit 311 m Bctrugtfein Fomrnt, bag es ftdj gier 
um eine PriratbibliotbcF banbclt, für bereit Crgaltung utt 6 Ausbau 6 ic Beftgct 3 a g r 
für labr anfebnlidjc Summen aufgetrenbet haben ttttb attftrenbett, nur in 6 er Hoff¬ 
nung, bag bas Kapital geiftige ,3infen trage. 

<£itte größere Bibliotbef entftebt ttidjt ron geutc auf morgen, namentlid) eine 
PriratbibliotbcF nidjt; 3 a f?rf? u H&erte arbeiten att il?r; ttttb ron (SlücF Fatttt eilte alte 
Bibliotbef fagett, trenn ftc bic 3abrl)un6erte ohne groge Unfälle überbauert Hat. Hub 
ror allem eine PriratbibliotbcF ift ^äbrlidifeiteu befonbers ausgefegt. <£ine (ßefagr 
für ge liegt fdton baritt, bag fte leidet 31 ml Stillftanbe Fomrnt ttttb rerfümmert. Hiebt- 

Quellen: Die 2lften ber fürftl. Ifofbibliotfjcf u. b. fiirftl. 2lrd>ioes. — gimmerifdie 
£b f onif. — fjcytf, (Sine fürftl. Ifausbibliotlicf im Dicnjtc ber Qffcntlidtfeit (^citfdtr. f. 
Biidjerfr. 1897 ). — ITlobern, Die 3immernfdjen ßanbfdiriften ber ll.K. Ejofbibliotljcf Qabrb. 
b. funftli. Samml. b. allerb. Kaiferb- Bb. XX). — üumbült, Das ^ürftentum ^ürftenberg ron 
feinen Anfängen bis Itlebiatifierung im 3at}re t806. — 22abler, Die fferren t>on gimmern 
(Sdunäb. Bunb 1921). — prölfe, Scheffels £eben unb Dichten. — ßeytf, Sdieffel in Donau* 
efdjingen (Burfdjenfdj. Blätter 1897 ) u. a. 


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benutjtmerben ift für eine Bibliottjef gleihbebeutenb mit Hbfterben. Das Hntfheibenbc 
für unfere Bibliothef ift gerabe bas, ba§ feiner ihrer Befttjer je bas 3ntereffe an ihr 
verloren, baf fie jeber mit 5 rcu be gehütet tjat, bis fte fhlteflih fo grofj mürbe, baj| 
ftc nicht nur mefjr ben Bebürfniffen ihrer Herren biente, fonbern baf iljrc Pforten ber 
Allgemeinheit geöffnet mürben. 

IDcit suriief reichen bie Anfänge unferer Bibliothef; um bie tDenbc bcs 2Tlit- 
tclalters 3 ur Bereit treten mir aber erft aus bem nebelhaften £anbe ber Dermutungcit 
auf ben feften Boben t^iftortfefjer Hatfad?en. 

Auf ben heimatlichen fcbmäbifchcn Burgen fafjen uielc mächtige Abclsgefhlehter, 
trofcig unb ftol 3 , — mie etma jener 3 of)ann r»on Zimmern, ber felbft bcs Kaifers 
EHajeftät ungegrüft an fid) roriiber jiehen lief 3 um Reichen, er fei ein freier , 2 Dann, 
ber fidi t>or niemanb ju beugen braud:e —, aber auch -begeifert für Kunft unb EDiffen* 
fd?aft, unb manch einer non ihnen führte bie ^eber ebenfo gemanbt mie bas Schmcrt. 
l^iclc biefer ©efhledjtcr — bie EDerbenberger, fjeiligenberger, ^immertt, tupfen, ©utt* 
beifinger, fjelfenftciner — ftnb längft burch bie bunfle Pforte bes Hobes 311 t emigen 
Hube gegangen unb 00 m Schauplatj rerfd^murtben; ^eugniffe ihrer Hätigfeit aber leben 
noch überall im tanbe unb §eugniffe ihrer geiftigen Beftrebungen hütet noch beute unfere 
Bibliothef. 

freilich fönnen mir nicht nadjmeifen, mie unb mann Diele ber bis fOOO 3 a h r ° 
alten f)anbfhriften in ben Beftfe ber ^ürftenberger gelangt ftnb, mir miffen nicht, 
meldie non ben niclen alten Büchern es ftnb, bie „oom Ahn oermacht", oom <£nfcl 
liebeooll gepflegt, ftd) bis heute erhalten haben. Die Borliebe ber ^ürftenberger für 
geiftige <£rjeugniffe unb ihre £uft, biefelben 3 U beft^en, mögen fo alt fein mie bas ©c* 
fcbledjt felbft. <£in beträchtlicher Heil ber fymbfchriften, beren f?crfunft mir nid't be- 
ftimmen fönnen, mag fo 311 m alten ^ürftenbergifhen Befttt gehören. Unb mas non 
ben ^ürftenbergern gilt, bas gilt auch oon ben anberen ©efhlehtem Schmabens, bereit 
Büdierfchä^e allmählich mit ben ^ürftenbergifhen Beftänben 3 ufammettgefloffen ftnb. 

Der erfte ^ürftenberger, beffen bibliophile Hcigungen be 3 eugt ftnb, ift ©raf EDolf* 
Sang 3 U ^ürftenberg (1^65—1509), ber in jenen Hagen, ba bie neuerfunbene Buh* 
brueferfunft eine ungeheure Ummäl 3 ung bes gefamten geiftigen £ebens betmorriof, 
Bücher, aber auh bjanbfhriftett fammelt, in bie er ftd? gemiffenhaft als (Eigentümer 
einträgt. EDolfgang ift ein intereffanter f)err; in Dienften feines Honigs EHarimilian 
mehr in ber ^rembe als baheim, ift er immer non Schnfucht nah feinen fdtmäbifchen 
£anben unb nah feiner Familie erfüllt. 3m gan 3 en Abcnbkntbe fommt ber ©raf 
herum: balb fchen mir ihn in Spanien, halb in ber Shmei 3 ober im <£lfa§, bann in 
Hirol unb 3ta!ieit, bann micber in ben Hieberlanbcn ober in ^ranfreidt uttb Hnglattb. 
Uncrmüblih tätig als Staatsmann, als ^clbhcrr, als Pertrautcr feines Honigs 
UTarimilian finbet er boh noh <5eit, in feinen Biidtern 31 t lefen. ©erabc bcutfhc 
Büdicr unb fjanbfdn-iften feheint er geliebt 3 U haben, mie er bentt überhaupt burh uttb 
burh beutfh fühlte. EHit Stol 3 fhreibt er aus Spanien, cs habe ber Honig Dort 
Haftilien mohl 3 ehnmal bei ihm gefpeift unb molle nidits anberes eff eit, als mas auf 


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feine beutfd)e 2trt jubercitet fei. Seine oielfad)en Seifert mögen ihm reid)lid) ©elcgen« 
f?eit gegeben haben, Büd)er 3 U er fielen. Unter ihm mar feit f ^99 ber gefamte dürften* 
bcrgifdje Befitj in einer f)anb oereinigt unb mir bürfen moljl annehmen, ba§ er alle 
porhattbenen Büd)et unb fjanbfehriften, aud) bie fetjon non feinen Porfafjren ererbten, 
in einem feiner Sd)löffer, pielleid)t auf feinem Cieblingsftfce ©rtenberg, 3 U einer fleinen 
Bibliothef oereinigte. 

Seine Bachfolger fammelten meiter. IDolfgangs ältefter Sohn ift IDilfjelm, ein 
gemaltiger Kriegsfjelb unb unruhiger ^uergeift, ber fefjon als Knabe burd) feine nädjt« 
liefen Streike bie Stabtoäter ^reiburgs 3 um (Einfdjreiten jmingt, ber ^reunb Sidingens, 
Kafpar Sturms unb bes £)umaniften £)ebio. (Dfyne eigentlich ©elehrter 3 U fein — bie 
Stubienjafjre perbrad)te er in ben Bieberlanben — tjatte er ftd) eine umfaffenbe Sil» 
bung angeeignet. Den Crieb jum Sdjmanfijaften teilt er mit manchem Sproffen berer 
non Zimmern. <£tmas ^micfpältiges gef)t burd) feinen (EharaFier: ungeheurer 5 ügel- 
lofer Catenbrang, ohne Südftdrt auf fid? felbft ober bie 3 ntereffen feines £)aufes, un« 
bePümmert aud) um bie ©nabe ober Ungnabe bes Kaifers auf ber einen Seite, auf 
ber anberen Dorliebe für alles ©eiftige, DerfenPen in bie geiftigen Strömungen unb 
©errungen feiner <5eit. Unb ber SdralP ftfet ihm oft im Baden. 3hm ift als bem 
erften unter ben ^ürftenbergcrn ein Buch mit einet gebrudten DebiPation gemibmet 
(1529), mohl ein Bemeis, baß er ben geiftigen ©rjeugniffen nicht gleichgültig gegenüber« 
ftanb. Sein Brubcr ^riebridj, ber eine forgfältige, ja gelehrte (Erjiehung genoffen unb 
eine ^itlang am £}ofe Philipps bes Schönen als ©efpiele ber Pöniglichcn Prinjcn ge« 
lebt hätte, noch mehr aber beffen Sohn 3oachim umgaben ftd) auf bem neuermorbeneu 
Schlöffe fjeiligenberg mit bem ©lanje eines Hcnaiffancefürftcnhofcs. Bücher aus bem 
Befttje 3 0 ächims finb noch norhanben. 

Unter ben Hadjfolgern ^riebridjs geht bas Sammeln non Büchern in bie Breite. 
Das f)aus teilt ftd) in mehrere 5 lt, eige, oorerft in bie Kittjigtaler, Baarer unb 
f)eiligenberget Cinie, bie ftd) fpäter nod) meiter oeräfteln. UUe biefc <3meige aber be* 
ft^en auf ihren Sd)löffern Bücher, mie bie (Eintragungen in ben Folianten felbft bartun. 
«Es bilben fid) fo Keine fjaus* unb Sd)lo§bibliotf)ePen, bie pereinigt ben ©runbftod ber 
jetzigen £)ofbibliothef abgeben. (Einige ber ^ürftenberger perfuchen ftd) felbft als Dichter 
unb Sdjriftfteller unb ihre Erjeugniffe ftnb heute nod) in ber BibliotheP rermahrt. 

BlarPfteine in ber ©efd)id)te unferer Bücherei ftnb bie Erwerbungen pon Stüh« 
lingen (l63l), befonbers aber pon BlefPirch (1,627). UTeffird) mar bis 3 um 3af? re 
159 ^ ^immernfdjer Befife gemefen. Durd) bas einjigartige DoPumcnt ber Zimmern* 
fchen <£f)ronif fehen mir gerabe in bas geiftige Ccben berer pon Zimmern flarer hinein, 
als es uns fonft für jene ^cit pergönnt ift. ^rühjeitig regt fid) ber hiftorifd?e Sinn ber 
Zimmern unb früf) 3 eitig fammeln fte nicht nur il)re ^amilienfchriftftüde, fonbem 
hiftorifd)c Dofumente, fjanbfeftriften unb Bücher überhaupt, unb frühzeitig treten fte 
felbft in bie Seihen ber Sdjriftfteller. Dielcs, mas ihr (Eifer jufammengetragen, ift frei¬ 
lich burd) ber Derhältniffe Ungunft perlorcn gegangen. Schon pon IDerncr pon ^im* 
ntern, geflorben H83, heifjt es in ber (EhroniP: „Uierthails alte hanblungen, bie h 2rr 


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IDörnhet unb andere feine porfarn mit Ijödjftem pleis ^ufarnen gebracht unb behalten, 
fein bei unfern jeiten aus fonberm unfal unb {jaillösfeit 3 erriffen, perbrennt unb 
ellenbigclichen perfenteret roorben." Die Schriften unb Büdner biefes IDerner Föniten 
nur in UlefFirch ober IDilbenftein ihren Uufbemahrungsort gehabt tjaben; benn £)er- 
ren 3 immern, pon beffen BibliotheF mir fpäter pernebmen merben, gehörte nicht ihm, 
fonbern feinem Bruber ©ottfrieb (^25—1508). IDcrners Sohn, 3ofjann IDerner 
ber ältere, geftorben jährig im ^ 95 , jäijlt ju ben £)umaniften unb hatte in 

Deutfchlanb unb 3talien ftubiert, mo er UluftF, IHattjematif, Sprachen unb 3urifprubens 
betrieben hatte. 21m 3 nn£ bruder £)ofe Sigismunbs .bilbet er ftdj 3 um Staatsmann 
heran. Umgeben pon einem gan 3 en Stabe berporragenber ItTänner 3 ietjt er ttadj 
3erufalem unb mirb am ^eiligen ©rabe 3 um Bitter gefchlagen. IDie ein .^ürft tritt 
er auf; er hat „bie befonbere genab pon ©ott gehabt, bas er fjoltfelig unb im feine 
banblungen, tbon unb laffen mol angeftanben". feinem Cun gehört nicht 3 uletd 
bas Dichten. Seine Dorliebe finb bie Bücher. ©inen eigenen Ubfdjreibcr er in 
ber Perfon bes ©abriel Cinbennaft ,pon Pfullenborf. Die £h ron i? nielbet barüber: 
3 ol)ann IDerner „hat 3 U fchönen büechern ain grofen luft gehabt unb pil gelefen, bieroeil 
aber 3 U feinen 3 eiten ber bruef crftlidjs ufFommen unb bomals als ain nem inpentum 
ain fchled/ten fortgang, lief er im ain fdjreiber, genannt ©abriel Cinbennaft, mar 
burger unb fefhaft 511 Pfullenborf, pil unb mandjerlai büecher fchreiben unb 3 uruften, 
alfo bas er letztlich, ehe unb 3 UPor er in fein unfal Farn (et mürbe fpäter geächtet), ein 
Simlidje liberei 3 U megen pradjt. (Etliche autorcs unb t^iftoricos hat er felbs aufer 
latein ins beutfdj transferiert, mie bann bie felbige büecher fambt ben rittern* unb 
taffelrunbtbüedjer, bie er gehabt, noch mehrthails perhanben." Cinbennaft fchtieb ihm 
namentlich Bittergebichte ab, fo pieiers 2 tteleran 3 , IDolframs IDillehalm, Ulrich 

pon Cürheims Benneroart, IDeltchroniFen u. bergl. 

Die Bücherei 3°f?ann IDcrners beftanb alfo in ber fymptfadje aus IDerFen ber 
böfifchen Bitterpoefie unb aus ben Schriften ber Flaffifchen Uutoren. Da 3 u Fommt nod? 
ein Drittes: nicht 3 ufrieben mit ben Ulitteln natürlicher ©rfenntnis, ergibt er ftdj in 
fauftifdjem Drange ber UTagie. Hur 3 por feinem Cobe aber, überbrüfftg foldjet Künfte, 
perbremtt er 3 U Utünchen bie gefammelten offultiftifdjen Bücher, bie ifm fo teuer ftnb, 
baf er fie fogar als ©eädjteter mit fidj trägt. 

Blag pon biefer ^immernfehen BibliotheF in UTefFirch ober IDilbenftein manches 
auch nodj infolge anberer Umftänbe, mie etroa burd? ben 5>nimern*IDerbenbergifd}en 
fjanbel, sugrunbe gegangen fein, mag auch fpäter 3°h a nn IDerners Sohn, ©ottfrieb 
IDerner ( 1 ^ 8 ^—J554) manches alte Pergament, bas in ber BibliotheF permaljrt mar, 
in per 3 meifelnbem Künftlerbrange 3 U €eim gefotten haben, pieles ift hoch bis auf unfere 
Cage erhalten geblieben unb f)anbfchriftcn pon Cinbennaft liegen nodj h eu ^ in unferer 
Büdjerei unb in ber f?ofbibIiotJ?cF 3 U IDien. 

Die ^immernfehe <£h ton 'f ift 3 « UTefFirdj gcfchrieben unb bas IDerF groben 
©h r 'fl°pi? s (1519—1566), bes (EnFels 3°hann IDerners bes Illteren, unb bes ^im* 
mernfehen SeFretärs frans UTiiller, bes fpäteren ©berpogts in ©bernborf. IDcnn es 


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pon groben <£l)riftophs Pater, 3ol)amt IPernct bem jüngeren tjei^t, er habe „allerlai 
gcfdjriften unb Derjaicfynufen . . . perlaffen", fo banbeit es ftd) habet j >odj tjauptfädj* 
lidi um mirtfdjaftlicbe Aufjeidjnungen. groben <£tjriftopfj aber nimmt hie Heigungen 
feines (ßrofraters mieber auf unb ift mie biefer in ben (Bebeimmiffenfcbaften pertraut; 
ftcberlidt t)at er bie überfommenen ötfcfjer burd) neue oermetjrt. Schon aus feiner 
Itlitarbeit an ber (ttjronif mujj bas gefdjloffett merben; bie Perfaffer jeigen oft eine bc* 
irunberttstperte Belefentjeit nicht nur in ber beutfcfyen, fonbern audj in ber auslänbifdien 
Literatur, unb trenn am Schluffe bes tPerfes ein reifes Quetlenperjeidjnis angegeben 
ift, fo nxirctt alle biefe QueUenbikfyer ftd?er in ber ^^mernfefjen Bibliotfyef. 

Auch groben Ctjriftopfjs (Dtjcim, IPilbelm IPcrner (H85—1575), liefert Bei¬ 
träge jur (Ojronif. 3bn lernen mir als bcbcutettben fyftoriograpbcn unb Bieter 
Fennen. Ben alten ^amilicnbefi^ J)erren 5 immern löft er im 3aljre \5f2 oom Baftarb* 
fofjtte feines (Brofjobeims (Bottfrieb ein unb bort umgibt er ftd} mit einer reichen 
BibliotbcF — „einer lateinifdjett unb bcutfdjen liberei" —, unb legt ficb eine IPunbcr* 
Fammer — Antiquitäten* unb HaturalienFabinett mürben toir beute fagen — an, bie 
ir>citf)in berühmt mar. 3abrclang ift er Affcffor am HeidjsFammergeridjt in Speyer, 
mo er menigftens einen teil feiner Büdjer bei fid} bat. Als er feine Stelle aufgibt, 
fcbicFt er feine „liberei fyeim gen Zimmern bis Sdilof", unb fo beforgt ift er um 
feine Bücher unb Schriften, ba§ er ftc mäljrenb bes Krieges jmifdtcn Kaifcr Karl V. 
unb f}einrid} II. pon ^tönfreid} in Raffern perpadt mit anberen Sd)ät?cn nadj Stra§* 
bürg flüchtet. Als fie pon bort micber nad} 5* mrtlcrn gebracht merben, fällt ein 
IPagen „burdj unfabl unb licberlkhFait ber fuerleut" in bie Kin 3 ig, „lag aud} fo lang 
bar in, bas bie fuerleut ufern neebften börfern Ijilf beFammen unb ben roagen miber 
nferm mafer brachten, llf felbigem tragen maren ju allem unfabl jmai grofe feffer 
ober geftippidj gelabett, baritt bes grafen böfte gefcbribne büed}er unb collcctanea, bie 
er pon jugenbt uf f?in unb miber 5 ufammen mit grofer arbait gepraßt, aud) etliche 
autores, fo bifet 3 eit fonft nit ntcr gefunben, ... in fomma, es mar ein fdjafe in 
biftorien, ber nit leud)tlicb mag bergeftalt miber bradit merben". Biefe KoftbarFeiten 
batten burdi bie Hüffe fo gelitten, baf ein «Teil baron unbrauchbar gemorben mar. 

3n biefer <3cit gab es fidjcrlich 3 mei ^^tmerttfebe BibliotheFcn, bie eine in H7efj*. 
Firdt (IPilbcnftcin), bie anbere in ffcrrenjinimern. tbriftopbs Sohn IPilbelm 

(15^9—1594)/ 3nglcich ber letzte feines Stammes, pereinigte ttadj bem tobe IPilhelnt 
IPcrners beit gefamtett ^antilienbeftb in feiner fjanb unb mürbe fo aud) Beftfcer beiber 
BibliotheFcn. IPilbelm IPerner batte beftimmt, ba§ feine Bücherei ungeteilt in I)er- 
rcujimmern rerblciben follte. Bcffcn ungeachtet mufjtc IPilbelm bett Bitten iSrjberjogs 
.ferbinanbs pon tirol, an beffen Bof er rafd) bis 3 um (Dbcrftbofmciftcr aufgeftiegen 
mar, nadigebett unb ihm einen «Teil ber ^immernfdxni Büdicrfdxtbe, barunter 68 f?anb= 
febriftett, für beffen Ambrafer Sammlung fdxnfeit (1575). Ben innigen Begebungen 
XPilbelms 3 tnn (Bcmahl ber pbilippiue IPelfer perbaitFeit mir übrigens ben Be fit? eines 
latcinifchen (Bebctbudxs, in bas firjhcrjog ^erbiitanb cigenbänbig bie Hamen tutb (Bc* 
bnrtsbaten feiner unb Philippinen* Kittber eingetragen bat. (Pb bantals bie beiben 


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BibliotljeFen von fjerrcnjitnmern unb 2TJcfjftrd> bereits vereinigt rnaren, läft ftef? nidjt 
feftftcllen; jebenfalls aber rnaren unter ben an ^erbinanb gefchcnFten Büchern nicht nur 
foldje aus ber fjerrensimmernfdjen, fottbern audj aus ber HTefjFirdjet BibliotheF, 
barunter ein CETeil ber von Cinbennaft für 3of)ann IPerner ben illteren gcfdjriebenen 
ijanbfdjriften. 

Spätefiens im 3aljre 159^ beim Erlöfdjen bes «Shnnternfcben (ßefdjledjtes müffen 
bie BibliotljeFen in HlefjFirdj 3 ufammenge 3 ogen morben fein, ba 3 U biefem §eitpunft 
bas Sdjlof? fjerrenjimmern non ben Erben an bie Stabt Hottmeil uerFauft mürbe, mir 
aber Büd/cr aus fjetrenjimmern beute noch beftfcen. Ben anberen Ceil ber ^immevn- 
fdien Ijerrfdjaft, barunter H?ef?Firdj, erftanben bie Grafen t>on Tjelfenftcin, bie bie 
übrigen Erben mit ©elbe ausjaljlten. Bie fielfenfteiner batten bereits im 3 a h tc 1536 
bie ©unbelfingifdjen tjerrfd?aften Heufra unb fjayingen erheiratet. (Db bie ©unbel« 
finger auf ihrem Sdjloffe Heufra eine Bücherei befaßen, Fönnen mir nicht ftcher nadj» 
meifen, bie tBahrfdjcinlidjFeit aber fpricht bafür; benn mir beiben nodj fjanbfdjriftcn 
aus ©unbelfingifdjem Befife; ein noch erhaltenes Büdjerverjcidjnis ©eorg XDilljelms, 
bes lebten berer non fjelfetifteimfnefjFirdj (t 1627), bas ^8 IDcrFe aufjäljlt, verjeidjnet 
vermutlich bie Büchet ber BibliotheF in Heufra. 

Bie fjelfenfieiner ibrerfeits hatten im Schlöffe IBiefenftcig eine BibliotheF, bie ganj 
bebeutenb gemefen fein muf?. BrucFmerFe unb HlanufFripte baraus Fönnen mir noch 
nacbmeifen, barunter eine fjanbfdjrift, bie ber Pater ©tljmar Hofer, ^rüfjmeffer von 
Heidjenbadj, im Huftrag ber ©räfin Hgnes von fjelfenftein fdjrieb (^ 64 ). Hus ber 
tDicfenftciger BibliotheF ftammt auch ein beutfehes ©cbetbudj bes Kurfürften 3°h a nu 
von Sadjfen. U)ie bies StücF (Eigentum ber fjelfenfteiner mürbe, ift unbeFannt. Bas 
Foftbare Büdjlein enthält 9 Hliniaturen aus ber £eibensgcfdjichtc <£hrifti, bie ber Schule 
Cucas Eranadjs entflammen; ja einige verraten bie fjanb bes HTeifters felbft. 

Bie ©efdjidjte ber Ijclfenfteincr meift Parallelen mit ber ber Zimmern auf. Hudj 
fte entmideln fich mehr unb mehr nach ber geiftigen Seite hin, fte merben fjuntaniften 
unb ihr Stamm erjeugt Bichter unb Schriftfteller, mie ben (Srafen ©eorg (t 1573) 
unb feinen Sohn SdjmciFarb. XDenn fte aud? bie (Sefdjidjte ihres (ßefdjledjtes nidjt 
mie bie Zimmern felbft nieberfdjrciben, fo forgeit fte bodj bafür, baf? ber bjiftoriFer 
©abelfljover biefe Hufgabc auf ftdj nimmt. (Eine Heilje von ©riginalljanbfdjriften ber 
fjelfenfteiner vermährt unfere BibliotheF noch heute, ebenfo bas ZHanufFript ©abelFfjo- 
vers; unb eine beträchtliche <3ahl von Brüden unb fjanbfdjriftcn trägt noch heute ben 
EigentumsvermerF ber fjelfenfteiner an fidj. 

Es vereinigen fich ulfo bie Büdjerfammlungen ber fjelfenfteiner mit betten ber 
Eninbelfiitgcr unb ber ^immern. ©b bie Bücherei von XPiefenfteig fdjon unter beit 
fjclfenftcinern ober erft unter ben ^iirffenbergern — unter biefen traten im £aufe bes 
17. 3 a h r hunberts noch mehrmals vermidelte (Teilungen bes altdjelfenfteinifdjen Erbes 
ein — nach HtefjFirdj nerbradjt mürbe, ober ob fte viclleidjt erft beim PerFaufe JDiefett' 
fteigs (1752) bireFt nadj Bonauefdjingen Farn, tviffen mir nidjt. Bas lehterc fdjeint als 
bas IPahrfcheinluhe. Hur Furjc Seit mar HTeffirdj in fjelfenfteinifdjetn Beft^e; aber 


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auch ht biefer furjcn <3eit mirb bie ^immcrrtfd?€ BibliotheF in IHejjfird? burdi bie ge* 
lehrten Herren biefes ©efchledjts manchen 5 u n>achs erfahren haben. 

©raf IDratisIaus II. ju ^ürftenberg (1600—f6^2) ermirbt burdj 3 mci heiraten 
bie Beftfeungen ber I}elfenfteiner unb bamit audi beren Büchet. Die IHefjFircher Biblio* 
tljef mirb baburd) 311 t ^ntralbibliotfyef biefer Cinie bes Kaufes ^ürftenberg. IDratisIaus 
hatte in ^reiburg unb Kntmerpen ftubiert unb jtdj ein umfangreiches IDiffen ermorben. 
<£r ift ftd) feiner nicht alltäglichen Bilbung auch bemufjt unb gern fpridjt er in Flafft* 
fdien 5'taten. über feine Reife nach 3talien führt er genau Buch, mie ihn über* 
haupt eine gemiffe (Drbnungsliebe ausscidjnct. Kufjer bem Cagebuch feiner italicnifchen 
Reife ift noch fein Stammbuch, batiert aus £)üfingen, Rleffhrdj unb IDien, erhalten. 
<£r hat unleugbar philofophifcbe Begabung unb eine 2ln3ahl oon ihm oerfafjter philo* 
fophifcher Craftate liegen noch por. Daneben hat er un 3 meifelhaft Sammlerneigungen; 
mir erfahren pon feiner Porliebe für piftolen, Flinten unb Cafchenuhren. Bei ber 
erften Permäljlung IDratislaufens 1622 fdjeint eine Ceilung ber alten ^ürftenbergifchen 
Bücherbeftänbe — roahrfcheinlich mären biefe in ben Schlöffem IDolfach unb Blum* 
berg — Dorgenommen morben 3 U fein. IDir beft^en ein Bezeichnte aus biefem 3 ahre, 
bas bie Bücher auf führt, „fo bem ©rafen (DttoFar 3 Uogetheilt morben". ©ttofar aber 
mar ein Brubcr IDratislaufens. <£s bürfte bemnadj bie HlefFircber BibliothcF menig* 
ftens einen Ceil ber alten ^ürftenbergifchen Bücherfdjäfje erhalten haben unb IDratisIaus 
felbft hat ftcher feine BibliotheF in IHefjFirch treu behütet unb permehrt; 311 m minbefteu 
hat er fte unperfeljrt über bie ^äfjrlidjfeiten bes breifjigjäljrigen Krieges hinübergerettet. 
Sein Sohn 5 ra n3 <OjriftopI? (1625—1671) fdjrcibt um 1650 pon RlefFirch aus an 
ben Papft, er möge ihm erlauben, auch Bücher, bie auf bem 3nber fteljen, feiner Biblio* 
tt?eF einperleiben 3 U bürfen. Dicfer Brief ift im Kon 5 epte, pielfadj Forrigiert, noch nar* 
hanben unb beireift allein fdjon bas 3 n tereffe bes ©rafen für feine Bücherei. 

$ran 3 (Lhriftophs Sohne unb Hachfolger groben ^erbinanb (f 66 ^—17^1) lag bie 
BibliothcF befonbers am I}er 3 en. Seine Stubien treibt er 3 uerft in Deutfchlanb, bann in 
ben Hieberlanben; fpäter feljen mir ihn in Prag, mo ihm bereits miffenfchaftliches ©h rcn 
3 uteil merben, bann in IDüzburg; in Cömen fdiliefjlicb mirb er Baccalaureus ber 
Rcdjtsmiffenfchaftcn. Reifen in ^ranfreidj unb 3talien pollcnben feine ©Ziehung. So 
reich fein Ceben an politifdjer CätigFeit auch ift, er finbet bodj Seit, fid) philofophifdjen 
unb hiftorifeben Stubien 3 U mibmen. ©enealogifche Kufseidinungen feines Paters fet>t 
er fort unb mie fein ©rofjpater fdjreibt er pliilofophifcbe Kbhanblungen. 3 n feinen 
fpäteren 3al?ren mirb er gerabe 3 U ein Bcfchüfcer ber ftubierenben 3 u ^enb, bie ihn als 
ihren ©önner perehrt unb ihm lateinifche ©ebidite, Dramen unb Kbljanblungcn per* 
fchiebenften 3 n haltes in ITlenge 3 ufd)idt IDie febr ber ©raf feine ^reube baran hat, 
bemeift, baf? er biefe Dinge oft eigenhänbig abfdireibt. Hiebt meniger als 37 Drucf- 
mcrFe unb 7 fjanbfdjriften fmb ihm unb feiner ©emahlin ZHaria Cberefta, einer ge* 
borenen ©räfin pon Sul 3 , gemibmet. 5 r °t ?cn ^crbiitanbs Solin, Karl ^ricöridj, ber 
in Deutfcblanb unb in ben Hieberlauben ftubierte, überlebt feinen Pater nur um brei 
3abre. Dafj aber and) er für bie Permebrung feiner BibliotbeF forgte, gebt, — ab- 


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gefeljen t>on 6cm (Ermerb einiger fjanbfcf)tiften — aud) baraus Ijernor, bafj er 6ie 
Bibliothef öes Stoffes fjeiligenberg nad) Klejjfird) bringen läfjt. 

Der f^ciligenberger ,5n>eig öes Jjaufcs ^ürftertberg mar mit Knton <£gon im 
3afjre 1716 abgeftorben unö 6ie ©raffcf)aft bjeiligenberg famt 6em Schlöffe ging an 
bie 2Tie§Fird)er Cinie über. Die fjeiligenberger Bibliothef Ijatte im 30 jährigen Krieg 
ftarf gelitten; mehrmals mar bas Sd)lojj non 5 teu nb un6 ^einö befeijt morben. Kus 
einem nod) porhanbenen 3nDentarnerjeidjnts erfahren mir, baf einmal bie Kofibar* 
feiten bes Sd)loffes, barunter eine feEjr mertoolle £)anbfd)rift, potf bem ^einbe nad) 
Konftan 3 in Sicherheit gebracht mürben. Diele Bücher aber mögen non ben £)eet- 
baufen perfdjleppt morben fein; erft in jüngfier §cit fmb mieber Bücfjer aus biefet 
Bibliothef in Prag aufgetaudjt. 17^2 mürbe, mas an Büchern fidj nod) in ^eiligen* 
berg porfanb, ber ZHeffirdjer Bibliothef einnerleibt. 

ZTCit Karl ^riebrid) ftirbt aber auef) bie ZHefjfircher Cinie aus unb bie Bibliothef 
fielet nun permaift ba. 3ofept? IDilfjelm <£rnft t»on ber Stühlinger Cinie pereinigt jefet 
ben ©efamtbefit? bes Kaufes in feiner f)anb. 

Die Stühlinger Cinie mar pom Bruber bes obengenannten IDratislaus, bem ©ra* 
fen ^riebrid) Kubolf burd) Dermäljlung mit ber Pappenhcimifd)en <£rbtod)teii ZHari* 
miliane (163t) gegrünbet morben. Die Canbgraffdjaft Stichlingen, efyebem im Befi^e 
ber (Eblen, fpäter ©rafen pon Cupfen, ging nad) bem Cobe bes lebten feines ©cfdjledjts 
f}einricf)s VI. (f 1582) an bie (£rbmarfd)älle pon Pappenheim, pon biefen an bie 
^ürftenberger über. Die Cupfen mie bie Pappenheimer maren Büd)erfammler unb ihre 
Bücherei ftanb im Sd)loffe Stühlingen. 3n ben älteften Drucfmerfcn unferer Bibliothef 
finben fid) noch Einträge, bie auf bie Cupfen als ehemalige Befitjer hinmeifen. Cbenfo 
tragen gefchriebene unb gebruefte Büdjer nod) bie ^idjen einftigen Pappenheimifdjen 
(Eigentums an fid). Der gelehrtefte feines ©efd)led)tes ift ZHatthäus pon Pappenheim, 
ber mit Konrab peutinger 3 um Kugsburger fjumartiftenfreis gehört; aud) mit Kpentin 
fteht er im Briefiredjfel. Der ©efd)id)tsfd)reibung gilt feine Ciebe, por allem ber feines 
eigenen ©efd)led)tes. tDetm er aud) längft nidjt mehr unter ben Cebenben meüte, als 
fein ©efd)led)t bie £)errfd)aft Stühlingen ermirbt, fo fmb bod) eine Heif)e feiner IDerfe, 
teilroeife in feiner 0riginaIf)anbfd)rift, nod) heute neben Stammbüchern Pappenheimifdjer 
(Eblen auf unferer Bibliothef perroaf)rt. 

5u ben Büchern ber Cupfen unb Pappenheimer fommt nun in Stühlingen ber 
ßauptteil bet altfürftenbergifdjen Beftänbe; benn Stühlingen mirb nun bie Heftbenj bie* 
fer Cinie bes ^ürftenbergifdjen f}aufes. Die IDirren bes 30jährigen Krieges maren für 
bas ©ebenen ber Stühlinger Bibliothef jebenfalls nid)t günftig, jumal aud) nod) eiti 
langmieriger Streit um ben Beft£ ber Stühlinger f}errfd)aft 3 toifd)en ben ^ürftenbergern 
unb Pappenheimern einfe^te, ber erft unter ^riebrid) Kubolfs Sohne BTarimilian ^ranj 
(163^—168 t) enbgültig ausgetragen marb. ITCarimilian 5 ran 3 ftubierte in Deutfeh* 
lanb unb ging bann auf Keifen naef) ben Hieberlanben, ^ranfreid) unb 3tal* en - IDie 
mir aus einem nod) erhaltenen Brief biefes ©rafen erfahren, moüte üjm ein gemiffer 
fügtet bie Stühlinger Bibliothef abfaufen, bod) ber ©raf blieb feft unb mochte fid) 


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nicht pon feinen Bücberfd)äljcn trennen, trobbem er fid) in miflidien Derfyältniffcn — 
eine $olge bes 30jätjrigen Krieges — befand. IBenn er in bem gleichen Briefe audi 
non 6cm Befi£ einer Bibliotbef IDolf ©briftopbs fpricht, fo fmb mir über biefe Biblio- 
tbeP nicht nähet unterrichtet. 2X>ie eine EDiebergutmacbung beffen, bafj UTarimilian 
5ran3 audj nur mit bem ©ebattfen eines Berfaufs feiner Bibliotbef gefpielt batte, er* 
fcheint es uns, ba§ er im 3afjre \680 bic Bibliotbef feines Canbpogts Hnton Biber- 
mann um 560 fl. faufte. Diefe Bibliotbef ftanb in Sdjaffbaufen im f)aufe bcs 3afob 
Payer jur Hofe unb mürbe nun nach Stiiblingen übertragen. 3b r Umfang betrug 
etma 620 Bänbe. IDie febr gerabc bem ©rafen UTarimilian 5*anj bie Bibliotbef ein 
©egenftanb ftänbiger Sorgfalt mar, bemeift ber Umftanb, baff mir nodi 3 mci Kataloge 
ber Stüblingcr Bibliotbef befi^en, bie unter feiner Hegierung angelegt mürben. Be* 
träditlicbe Bermebrung erfuhr bie Bibliotbef unter profper 5 cr binatib, (f f704) bem 
Hacbfolger EHarimilians. 

Sein Sobn 3°f c f JBilbclm ©rnft, geftorben 1762, mürbe 1 7 16 Heichsfürft. ©r 
rcrlegte im 3 a b re 1723 feine Hefibenj pon Stiiblingen nad) bem jentraler gelegenen 
Bonauefdjingen, bas er mit ben ©inriebtungen unb bem ©lanje einer Hefibenj um* 
g : bt. Seine ©rjieljung mar eine äujjerft forgfältige gemcfeit; bie hjofmeifter erhielten 
eine eigene umfängliche 3uftmftion, in melden IBiffensjmcigen ber Knabe ju unter¬ 
richten fei unb in meldjem Umfange unb auf meldje Krt bie Stubien betrieben merben 
follten. Bie meitere Kusbilbung erhielt bet 3ü n $l* n 9 auf ben fjocbfdjulcn in Straft 
bürg unb Utrecht; baran fcbloffen ftd) bie üblichen Heifero nach ^raitfreid) unb 3talien. 
©ro§ feiner umfaffenben ©ätigfeit, bie nichts ©criitgercs als eine Unimanblung ber 
gaitjcn Bermaltung unb bic Schöpfung eines ^ürftcnbergifdien Staatsmcfens jum 3 n * 
halt batte, oerlor er bas Berbältnis jur EDiffenfchaft nicht. f746 regelte er bas Bolfs* 
fd)ulmcfcn feines Canbes unb 1755 errichtete er in Bonauefcbingen bas Päbagogium, 
aus bem bas blutige ©ymnaftum beruorgegangeit ift. Sofort nadi Bcrlegung ber 
Hefibenj benft ber $ürft baran, bie Stüblinger Bibliotbef nach Bonauefdjingcn ju über¬ 
führen. Sdjon um 1723 mirb ju biefem Smecfe ein genaues Bcrjeicbnis ber Stüh* 
linger Bibliotbef angelegt, bas runb 2200 Brucfmerfe unb gegen 67 fjanbfebriften, 
barunter als ältefte bie biftoria bes Paulus 0rofius aus bem VIII. 3abrbuubcrt, auf* 
jaljlt. 1724 mirb bes dürften perfönlicbes ©igentum an Büchern, 128 Bänbe, nad) 
bem neuen IDohnfttj übertragen; es finb hauptfäcblid) juribifdje, bb^'f^N unb philo* 
fophifebe IDerfe unb römifebe unb griediifdie Klaffifer. piatjfdimierigfeiten perjögern 
aber bic Berlegung ber gefamten Bibliotbef bis jum 3ab r * l?52. 

Hls bic ETlcffirdjer Cinie bes Kaufes, mie fchon oben bargelegt, f744 ausftirbt, 
pereinigte 3°f«f UEilbelm ©rnft ben gefamten Beftfe bes Kaufes in feiner fymb. Sdion 
ju biefer ^cit fafte er ben Plan, auch bie Bibliotbef pon ETie fifirdi nad) Boitaucf dringen 
ju überführen, unb fleinc ©eile ber Büdierei mürben 1748, 1754 unb 1762 in bie neue 
Hefibenj übertragen; jur polleii Uusfiibrung foitnte ber ©ebanfe aber erft fomtnen, 
als bic itotmenbigcit Häumlicbfeiten für bie ju pereinigenben Bibliotbefen pon Stüh* 
lingen unb EUcfjfirch gefebaffen maren. 3 n ber ^uufchenjeit forgte ber 5ürft menigftens 


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bafür, baß bie BTeßfirdier Bücherei in gutem <3uftanbe bleibe. So mürbe im 3aljre 175^ 
ber Benebiftinerpatcr Hieronymus Pogel aus bem Klofter ©engenbadj beauftragt, bie 
Büdjerei 3 U revibiercn unb bie Büdjer abftauben 3 U taffen. 1756 begann ber Bau bcs 
neuen Brdjivgebäubes in Bonauefdjingen, bas auch ber Bleßfirdjer unb Stüljlinger 
BibliotljeF eine Heimftätte bieten follte; bodj erlebte 3ofef IDilljelm (Ernft bie Pollenbung 
bes ©ebäubes nidjt mehr. (Erft im ©Ftober 1768 unter feinem Soljne 3ofef U)en 3 el 
Fonnte bie BTeßfirdjer BibliotljeF bie Keife nach Bonauefdjingen antreten. (Es mürbe 
3 u biefem Berufe ein neuer Katalog angelegt, aus bem mir ben gan 3 en Beftanb ber 
Bücherei Fennen lernen: in 30 Perfdjlägen mürben bie 3786 BrucFmerfe unb 101 fjctnb* 
fdjriften verpacFt. «Es roaren nach ^ädjern georbnet 999 Bänbe Qjeologie, 53 V 23änbe 
©efdjidjte, 1039 Bänbe 3 urispruben 3 , 286 Bänbe Biebern unb Philofopljie, 399 Bänbe 
Philologie, 30 Bänbe ©enealogie, 82 Bänbe ©eograpljie unb KartenmerFe, 8 f Bänbe 
BilbmerFe, 66 3nFunabeln unb 173 Bänbe Blisjellaneen. Bie runb 2200 BrucFbänbe 
umfaffenbe Stüljlinger BibliotljeF Ijatte bei iljrer überfteblung 290 Bänbe Cljeologie, 
315 Bänbe ©efdjidjte unb ©eograpljie, 60^ Bänbe 3 ur ' 5 P r uben 3 , 73 Bänbe BTebtjin, 
59 Bänbe pijilofopljie, H Bänbe ©enealogie, J 8 Bänbe Blufft, ^63 Bänbe Philologie 
unb 306 Bänbe Btisjellanecn enthalten. Bie vereinigte, jeßt erft als Bonauefdjinger 
HofbibliotbeF 311 be 3 eidjnenbe Biidjerei enthielt alfo im 3 a h r€ 1768 nmb 6000 BrucF* 
bänbe unb f 69 Jjanbfdjriften. Bufgeftellt mürbe bie BibliotljeF im 2 . StocFmerFe bcs 
neuen Brdjivgebäubes in ben alten ©efteilen ber HlcßFirdjer BibliotljeF, 3 U betten, ba 
fte ni<djt auslangtcn, im 3 a h r e 1769 vom JUeßFirdjer ©ifdjler harter ©oggcl nodj 
vier ©efteile angefertigt mürben. Bber nidjt nur bie Büdjergeftelle famt ben Brbeits* 
tifdjen, audj bie Ciircn unb Orfaffungen maren von HTeßFirdj mitgeFommen unb 
mürben im neuen BibliotljeFsraume gefdjicFt eingebaut. Bie Büdjergeftelle ftnb re^enbe 
BarocFarbeiten, in verfdjiebenen Hörern fourniert unb eingelegt, mit reidjer Sdjnißcrei 
unb fdjöner ornamentaler E^oljplaftiF; bie (Eüre ift eine fcljr gefdjmacFvolIe ©inlege* 
arbeit. Bicfer Büdjerfaal, h eu * e B7ar*©gon-Saal benannt, ift in feiner alten vor¬ 
nehmen ©eftalt unveränbert erhalten unb bient jettt als Sdjaufaal ber BibliotljeF, in 
bem bie Foftbarften SlücFe ber BudjFunft ausgelegt ftnb. 

3n bem Bugettblide, ba bie ein 5 elncn Büdjereien 311 einer gemeinfamen vereinigt 
maren, tritt ein IDenbepunFt in ber ©ntmicflung unferer BibliotljeF ein. Ber IBeg 
geht nun rafdj aufmärts. Bisher mar jebe ber Büdjerfammlungen eine fjausbibliotljcF 
gemefen unb bie Bcftfect maren im allgemeinen Ujre eigenen BibliothcFare. Hur menige 
Büdjer, am eljeftcn foldje aus bem ©ebiete ber 3 ut ' £ P tu bcu 3 , bürften für ^“’ecFe ber 
Permaltung ber ^ürftcnbcrgifdjen Bcftßungen angefdjafft morben fein. Bas änbert 
ftdj jeßt. Ber Umfang ber vereinigten BibliotljeF mar nun fo groß, baß ihre Per* 
roaltung ben Brdjivarcn, fpäter audj eigenen ^adjbibliotljeFaren übertragen mcrbeit 
mußte. Biefc richteten iljr UugcttmcrF balb auf einen fyftematifdjen Busbau ber 
Büdjerci. Pon 1768 bis 1820 fjattc ftdj ber Beftanb ber BibliotljeF verboppelt, im 
3 ähre 183V umfaßte fte fdjon 22 000 Bänbe. Ber <5uivadjs ergibt ftdj teils burdj 
bie jemcilige Überlaffung ber von ben Blitgliebern bes ^ürftcnljanfcs privat gefauften 

Babifd?* f?einiat. J—3 5 


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Bücher, teils burd? KttFäufe ganjer BibliotheFen, mitunter auch burch teftamentarifhc 
Permahungen. Salb mirb aber aud? ein regelmäfiger jährlicher <£tat für Heuan- 
fchaffungen ausgemorfen. 

Pon ben fidj jetjt meljrenben größeren (Enterbungen fei nur bas IPid)tigfte her* 
torgeljoben. 1761 bis 1768 terrtaltete bie BibliotheF ber Krchmar Karl Straffer; 
auf üjn folgte ber Krcbitat Pöpfer, ber fomit ber erfte BibliotheFar ber tereinigten 
fjofbibliothef in Ponauefdringen trat. Unter ihm Farn 1776 ber mebijinifche Bücher» 
nachlaf bes Ceibarjtes Bonifacius Brir ton JPahlbcrg an bie BibliotheF. Kn bie 
Stelle Pöpfcrs trat ^ranj Übelader unb biefen löfte ber bjofrat unb Krcbitar Schan 3 
ab, ber ber BibliotheF bis Enbe bes 3ahres 1789 oorftanb. IPährenb feiner Kmts* 
führung mürbe 1787 ber Büdjernadjlaf bes Ceibarjtes tan Bofdj um 500 fl. gcFauft. 
Sd'anj bemühte fidj namentlich um bie Knlagc brauchbarer Kataloge. 1790 über¬ 
nahm bie Permaltung ber BibliotheF ber KrdnooF$efftft 3°h- Battift ZTTülIer, ber 
fpater aud> bas Krdjit leitete. TUit ihm Fommt ein frifcher <5ug in bie Bücherei; er 
trachtete bie untollftänbigen JPerFe 3 U ergänzen unb mühte fich um einen geregelten 
Kusbau ber BibliotheF; namentlich JPerFe ber beutfehen Literatur erroarb er ober 
fud?te er menigftens 3 U ermerben unb tiel plagte er fidj mit ber KonftruFtion neuer 
Kataloge. 3 m erften 3 a h r 3^ul feiner KmtstätigFeit mar er mit licbetollcm (Eifer 
am JPerFe; bodj allmählich 3 errieb ficb feine KrbeitsFraft am IPiberftanbe bes ^ürft- 
lidjen f)ofFammerFollegiums, bem bamals bie BibliotheF unterftanb unb bas für 
Büdjer, bie außerhalb ihres jutibifdien unb Fammeraliftifdjcn (ßeftcbtsFreifes lagen, fei* 
ten ein Perftänbnis hotte. Per SanguiniFer ZTCüller oerftanb es jcbenfaüs auch nicht, 
biefem IPiberftanbe, ber ftch namentlich im f}ofFammerbireFtor Elatel DcrFörperte, mit 
ben richtigen IHitteln 3 U begegnen, fo baf 3 mifchen beiben eine jum minbeften latente 
Perbitterung ermuchs, beren nachteilige 5°lsen bie BibliotheF 3 U tragen hotte. Pie 
äußeren Umftänbe: bie XTapoleonifcben Kriege unb bie fcblic§lidj im 3 a h rc 1806 er* 
folgte UTebiatifierung bes ^ürftentums ^ürf^uberg mar natürlich ber Entmidlung ber 
BibliotheF auh uiht günftig. Per einsige größere ^umahs im erften 3oh r 5h*d bes 
neuen 3ohrhunberts flof? aus ben fäFularifierten ^ürftcnbergifchen Klöftern (1803). 

Blüller ftirbt im 3 a hre 18 ^ unb ber Krdjioar Shloffcr erhält bie Scf^IüffcI 
ber BibliotheF bis 3 um 3oh r * 1818. ©efebehen aber ift mäljrenb biefer 5 c »t für 
bie Bücherei fo gut mie nichts. Erft als ber junge feinfinnige ^ürft Karl Egon II. 
bie Permaltung feines Befifees übernimmt, siebt mieber neues Cebcn ein. Er befa§ 
bas richtige Perftänbnis für bie Bcbeutung einer BibliotheF unb an feinem L)ofe blühte 
ein Fünfilerifhes Ceben empor, bas fcinesgleidicn fuditc unb bas bis in jene Cage 
ausftrahlte, ba 3ofef PiFtor Scbeffcl* in Ponauefdiingen amtete unb bihtete. Per 
BibliotheF nahm er fidi mahhaft näterlid) an unb fdutf ein mirFlidies Kulturinftitut 
aus ihr. Pie öffentliebc Benützung ber Bücherei mar jmar fdjon t>or ihm geftattet, 
bodi mürbe bie BibliotheF erft unter ihm im gaitjen Umfange bem PubliFum 511 * 
ganglich- Pos JPidjtigfte mar, baf? er feinen perfönlidvn Einfluß ber BibliotheF ju* 
manbte; ftc unterftanb jefct nicht mehr bem fiofFammerfolIegium, fonbern bem 


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6? 


dürften öircft unö biefer traf alle Entfdjeibungen perfönlicb- Er trennte öie Dermal* 
tung pon Bibliotbef unö Grebin unö fteüte im 3 afyre ^ 8^8 als Bibliotbefar Öen pro* 
feffor Eifelein an, einen arbeitsfreuöigen, jroeifellos fenntnisreicben, ja genialen, leiöer 
aber auch etroas 3 erfabrenen Atann, öeffen Donauefcbinger Klafftfer-Ausgaben ben 
dürften nachmals über 20 000 fl. fofteten. (Eifelein, fpäter Direftor öer tjeiöclbergcr 
Uniperfitätsbibliotbef, orönete öie Bücherei neu nach ^äcbem unö fatalogifierte öie Bc- 
ftänbe. $ür öie notoenöigen (Ergänjungen, namentlich in Öen Abteilungen öer altflaf* 
ftfd>en unö öeutfeben literatur forgte er. Da öer Kaum im Arcbipgebäube allmählich 
3 U flein mürbe, überfieöelte öie Bibliotbef 1822 in öas 3 meite Stodwerf öes öamaligen 
Kegierungs», öes heutigen Bibliotbefsgebäubes. 

Bon 182^ an nxiltete 33 3abre lang als BibliotbeFar öer proteftantifebe f}of* 
preöiger Dr. ^rau 3 Becfer. 3n feiner langen Amtstätigfeit fanö öer b 0( bgebilöete 
Alann reichlich 3«it, Öen gefteeften fielen nachjuarbeiten unö öie gefaxten Pläne ein» 
beitlicb 3 U permirflkben. Die geraöe im Bibliothefsmefcn nicht 3 U unterfchäbenöe Stabi* 
lität öer Amtsführung trug unter ihm reiche ^rüdjte. <£r hütete fidi oor einfeitiger 
Beuor 3 ugung eines 5 a< ^ C5 / fudjte pielmebr öie Bibliotbef nach allen Hichtungen aus* 
3 ugeftalten. (Eine ganje Keibe fleinerer Bibliotbefen mürbe unter ihm angefauft, 
öarunter öie Bücherei öes Dr. 3ofef JEaper Kebmann um 1500 fl. Sie umfafte 
228$ Bänöe unö gegen 4000 Differtationen. Sein befonöeres Augenmerf richtete 
Becfer auf öie literatur, öie öie engere f}eimat betraf; fo mürben im 3 a b rc 1833 in 
Sdjaffbaufen gegen 500 „Babifcbe" Schriften erfteigert. 

Das michtigfte (Ereignis aber unter Becfers Amtsführung ift öie (Ermerbung öer 
lafbergfchen Bücherfcbäfec. 3°f e f Freiherr pon lafjberg, „ATeifter Sepp t>on Eppis- 
hufen", mie er ftdj fpäter nach feiner eigenen f}errfdjaft (Eppishaufen im £h ur 9 au 
gern nannte, ift ein Donauefcbinger Kinb. Born ^ürftenbergifeben ^orftjunfer ftieg er 
3 um geheimen Kat unö ^ürftenbergifchen lanbesforftmeifter auf. Born Bertrauen unö 
öer Zuneigung öer ^ürftin-AJutter (Elife getragen, führte er eine <5eitlang buchftäblicb 
öie Bormunöfd?aft über Öen unmünöigen dürften, ja öie Kegentfchaft öes lanbes. 
Schon Öen Knaben paefte öer Sammeleifer unö öie liebe 3 u alten Büchern. Alit 
immer maebfenöer luft perfenfte er fidj in öie Spradje, öas leben unö Treiben unö 
in öie Kunft öes öeutfeben AJittelalters. Der Sinn bafür fanö reichliche Habrung auf 
Öen Keifen, öie er mit öer ^ürftin unternahm. Die aufftrebenöe junge (Bermaniftif fam 
feinem fühlen unö JBolIctt geraöe recht. Als er 1817 feinen Dienft in Donauefdringen 
aufgegeben batte, fpann er ftcb in (Eppishaufen, fpäter auf öer alten Ateersburg am 
Boöenfee noch mehr in fein geliebtes Alittelalter ein, umgeben pon feinen Büchern unö 
fyinbfdirifteu; fogar feine häusliche «Einrichtung mar ftilecbt, pon Öen ^cnfterfd?eiben 
unö Alöbeln angefangen bis 511 Öen lellern unö (Släfern auf öem Cifcbe. Altöeutfd)e 
Ö5cmälöe hingen an Öen AXinben, „alte (Bewehre unö IDaffen maren tn öie Eden bin* 
geftcllt". Er felbft aber fafs mitten örin, Eoöices abfebreibenö „mie ein frommer 
Alöncb". Hadi allen Seiten hin batte er Begebungen unö mit IDeiömannsluft unö 
3ägerfinn fpiirte er alte Alanuffripte auf unö ermarb fie. Seine altöcutfchen Stuöien 


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68 — 


unb feine eingeljenöe Kenntnis beutfdjer Pergangenljeit, aber aud) feine anfprudjslofe 
unb ^eitere Krt gewannen itjrn bie bebeutenbftcn Pertreter ber ©ermaniftif — 3afob 
(ßrimm, £ad?mann, non ber fragen, Utjlanb, Pfeifer, Sdjroab, Sdjmeller unb anbere 
— 3 u ^reunben unb faft alle „wallfahrten" 3 U feiner berühmten Bibliotfjef. 2T?it 3 U* 
netjmenbem Klter aber brüdte ben ©reis bie Sorge um bie SuFunft feiner Sdjäfce. Der 
^ürftenbergifdje fjofmarfchall unb Kammer hetr $ran 3 t>on Pfaffenhofen, ber ftd) große 
Perbienfte um bie Kunflfammlungen unb bas Kunftleben am Donauefdjinger £)ofe er* 
worben hatte, ernannte frühseitig, welche unfdjäßbare Bereicherung bie fürftlidjen 3n* 
ftitute burch bie Caßbergfdjen Schöße erfahren Fönnten, unb ba er überbies in freunb* 
fdiaftlidjem Perhältniffe 3 U Caßberg ftanb, Flopfte er bereits im 3 a h re 18“^ l bei biefem 
an, ob et nicht geneigt fei, feine Sammlungen an bas fyms ^ürfienberg 3 U uerfaufen. 
Caßbcrg fonnte nichts angenehmer fein, als feine Koftbarfeiten in Donauefdjingen ge* 
bergen 5 U wiffen, in feiner fdjmäbifdjen bjeimat unb bei einem ^ür)tenh<sufe, 3 U bem 
er «Seit feines Cebens in ben innigften Bejiehungcn geftanben hatte. Doch wollte er 
ftdj in biefem Kugenblicfc noch nicht pon feinen Schäden trennen; aber alle Angebote, 
bie ihm fpäter non Karlsruhe unb Stuttgart gemacht würben, fdjlug er aus. Kls 
1850 audj Berlin wegen eines Knfaufes feiner BibliotljeP an ihn herantrat, fdjrieb er 
an Pfaffenhofen: „Hun, lieber freunb 1 haben ftdj bie perhältniffe, wenn auch nur in 
besiehung auf meine perfon fer geänbert! ich trete mit anfang bes nädjften monats 
mein 8 f. altersjahr an unb möchte meinen finbern gern bie forge unb mühe, meinen 
nadjlaß felbft 3U uerwerten, W03U fie one bies am wenigften gecigenfdjaftet ftnb, burdj 
eine bifpofition bei meinen lebseiten, abnemen." Die Perhanblungen 3 ogen fid? noch 
brei 3ahre h* n > bis enblich am 2 . Hooember 1853 ber Kauf pertrag 3 wifdjen £aß* 
berg unb bem dürften Karl <£gon II. unter 3 eichnet würbe. Diefem Pertrage 3 ufolge 
perfaufte Caßbcrg an ben dürften feine wiffenfdjaftlichen unb Kunflfammlungen, be* 
ftetjenb aus alten UrFunben, f}anbfdjriften, Büdjern unb ©emälben um bie Summe 
pon 27 000 fl. Der 5ürft wollte nicht, baß ber alte f}crr ftdj bei Cebjeiten pon feinen 
Sduiften trenne, unb beftimmte beshalb, baß bie Sammlung bis sum Kbleben Caßbergs 
auf ber IHeersburg 3 U perbleibcn habe. 2tls Caßbcrg 85 jährig am 15 . 2 Ttär 3 1855 
ftarb, nahmen bie Sdjäße ihren IPcg porn Bobcnfee nach Donauefdjingen. Die Bücher* 
Piflen, enthaltcnb 273 hjanbfdjriften unb \ l 000 Drudbäube, blieben aber porerft un* 
eröffnet im ^lur bcs Krdjiogebäubcs ftetjen. IDie etwa fOO 3ah re früher für bie 
Ificßfirdjer BibliothcF, mußte auch jeßt für bie Caßbergfdjen Büdjer erft piaß ge* 
fd\tffen werben. Die fjanbfdiriften wenigftens aus ihrem Kcrfcr 3 U befreien, blieb bem 
Hadjfolgcr Beders porbelialten, bem Diditer 3°f c f Piftor Sdjcffel. 

Beder ftarb 1857. Der ^i'irft Karl <£gon III., ber feinem Pater 185^ in ber 
Kcgicrung gefolgt war unb gan 3 in feinen ^ußftapfcn wanbeite, fudjt nun einen neuen 
BiMiothcPar. Der ©ebeimc Keferenbar ^röhlidj in Karlsruhe wirb gebeten, nach 
einem geeigneten Blanne Umfd\iu ju halten. «Er empfiehlt mit ben wärmften IDorten 
ben Dr. 3°KFh Piftor Scheffel, ber „als Didjtcr unb Sdjriftftcller einen immer mehr 
311 Knfeben fommenben Ilamen" bcftßc . . . „eine jener tieferen Haturcn, bie bei 


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— 69 — 


näherem Umgang ficty immer fd)öner erfd)liegen". Huch märe er geraöe für bie 
Donauefd)inger Bibliothef 6er rechte IHann, 6a 6iefe fo reid) an altbeutfcfjen Sd)ägcit 
fei un6 fjier Scheffels neuer Beruf mit feinen Heigungen un6 £ieblingsbefd)äftigungen 
im EinPlang ftünbe. Der ^ürft ift mit 6em Porfdilage 5töf)lid)s eiimcrftanben, jumal 
Scheffels UTutter mit 6er ^ürftinmutter Hmalie, einer geborenen Prinjeffm non Baben, 
fd)on non früher Ijer Besiegungen unterhielt. Huf ben Hat ^röl)lid)s, 6er moljl mugte, 
bag Scheffel fid) burd) eine fefie Urtftellung nid)t binben molltc, folltc ber Dichter por* 
erft bas „Unfehen erhalten, als ob er nur ein porübergehenbes Eommifforium 3 U be- 
forgen hätte, barin beftehenb, bag er bas Syftem ber BibliothcF einer Kepifion unter* 
mirft, bie ©rbnung herftellt, mo fte fehlt, bie Katalogificrung fortfegt unb begutachtet, 
mie bie Cagbergfche Bibliothef einjureihen ift", ba bie tatfächliche «Einreihung biefer 
Bibliothef erft in 3 mei bis brei 3ahren möglich märe, menn bas neue Hammerge* 
bäube pollenbet fei unb bas alte gans für BibliothePsjmecfe frei mürbe. 3n einem 
3ahre längftens merbc es fid? entfdjeiben, ob bas Propiforium ber Unftellung Scheffels 
„in ein Definitipum übergehen fönne". Um 28. (DFtober 1857 fchreibt Scheffel an 
ben dürften, bag er fid) 3 ur Verfügung ftelle unb IHitte Hopember in Donauefd)ingen 
eintreffen merbe. Schon in biefem Briefe permeibet Scheffel ängftlid), etroa pon einem 
Dienftantritt ju fptechen. Seine Unfunft in Donauefdiingcn perjögert ftd) aber bis 
jum Dejember, ba fid) ber Dichter, mie et in einem Briefe an ben fürftlid)cn Kam* 
merbireftor Preftinari mitteilt, ber bringenben Einlabung bcs ©rogtjerjogs Karl Hie» 
ranber pon IDeimar, auf bie IDartburg $u Fommen, nid)t entjichen Fönne. Hud) aus 
biefem Briefe gel)t mieber heroor, mie peinlich) bem Dichter ber ©ebanfe bes ©ebunben* 
feins burd) eine bauernbe Hnfteüung ift. Er gibt feinem Hrger barüber Uusbrucf, bag 
bie Karlsruher Leitung bie Hachricht pon feiner befinitipen Ernennung gebrad?t habe. 
Bepor Scheffel nach Donauefd)ingcn geht, bemüht er fid), auf ber ffeibclberger Unipcr- 
fitätsbibliothef ,,nod) Sd)cmata, fatalogifd)e fjanbgriffe unb mas an abminiftratiper 
Ccchnif jufammcn 3 uraffcn ift, in fliegenber Eile ju erlernen". 

2ln ben (Quellen ber Donau „inftalliert' ftd) Scheffel in ber ©aifengaffe, ber heutigen 
ITCaj*<£gon* Straffe. Der Dichter mar gern nach Donauefd)ingen gegangen, eine gemiffe Weitere 
Stimmung unb guperfidjt batte ihn nad) ben fd)meren feelifdjen Kataftropben ber legten 
3ot)re erfaßt unb poU pon bid)terifd)en planen blieft er frotj in bie gufunft. Diefe glüdlicge 
©emütsperfaffung hält roenigftens bie erfte §eit feines Donauefcbinger Aufenthaltes an, unb 
menn er fpäter oon einem „<£jil" in Donauefd)ingen rebet, fo entfpricht bies fidjer nicht ber 
Stimmung bet erften geit, fonbern ift aus fpäteren trüben (Lagen ber lHeland)olie heraus ge* 
boren. Seine bid)terifd)en plane, mit benen er fid) feit tflai J858 an quält, — er batte bem 
©rojjherjog oon Sad)fen*EDeimar perfproeben, einen IDartburgroman 3 U fd)reiben — per* 
bittern ihm freilid) balb bie Donaucfdjinger (Lage. 

3n ber erften §cit aber fam Scheffels F) umor oft jum Durd)brud). Die fleine Aefibeus» 
ftabt bot ber Anregungen mancherlei; bas Dienftperfjältnis mar ein angenehmes, menn fid) 
ber Dichter aud) manchmal mit Aceiforen herumplacfen mufete. Der dürft nahm alle mögliche 
2tüdfid)t auf feinen Bibliothefar unb beffen befannte Abneigung por großen 3 eremoniellen Der» 
anftaltungen. Aafd) gemann fid) Scheffel gleichgefinnte d re unbe, mie ben Efoffapcllmeifter 3* 
ED. Aallirooba, ben Amtsrichter €ugen EDolff, ben tjofapothefer unb Abgeorbneten iubmig Airs* 


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ner unb Öen Kechtsanmalt tHarquies. Da 3 U gefeilten fich noch anbere,» fo ber profeffor Bär, 
ber Kmtsretnfor TDen 3 , ber fürftliche (ßalerieinfpeftor ^ranf, ber £ehrer DuUenfopf, ber Tjofrat 
IDarnfönig unb ber 0beramtmann £ang. IDir erfahren aus einem föftlidjen Berichte Scheffels 
an ben „(Engeren Kusfdjuß" in fjetbelberg, tpie bie erfigenannten oier in bes „IHeifter 3°f e- 
pbus „fleiner Klaufe in ber (ßaifengaffe" bes Kbenbs IDeinprobe abhalten. Kn bie Berg- 
ftraße nach IDeinhetm ins gaftliche l^aus ber ^amilie Krtaria fdjicft ber Dichter humorooUe XUa- 
famen unb auf einen im Kan 3 leiftil gehaltenen Fragebogen aus ber pfal 3 , ber Kusfunft über 
einen abgängigen poeten einholt, 3 ablt er mit gleicher ITlün 3 e. 2luf bie erfte F ra 9 c: ber 

IHann noch? gibt er bie Antwort: 3<*, aber fchmach. Kuf bie 3 meite: Kann er fchreiben? 3<*, 
aber ebenfalls fchmach. Die Kntmort auf F ra 9 c öre ' : I^te ^eht’s ihm? lautet: lDie bem 0ot- 
bius, ba man ihn an ben pontus ins (Ejtl gefegt, trinft Diel Bier, macht große F u ßu>anberun- 
gen ins IDutachtal, <5auchachtal, Brigachtal, tyat ^änbel mit Keoiforen unb Kechnungsräten. 
XDeihnachten bes 3 a hres 1857 fehieft er eine im gleichen Kftenftil gehaltene (Etnlabung an 
Freunb (Eid^robt nad? Stocfach. Den „(Engeren" oergißt er nicht; für ihn bichtet er neue 
Kobenfteinlteber. Dem gefeüigen Ittittelpunft ber Bürgerfchaft, ber noch heute beftehenben 
lUufeumsgefellfchaft", fchließt fich Scheffel oon allem Anfang an unb fein gefeüiges (Talent 
macht ihn allenthalben beliebt. 3 m öefitje bes £ammmirts Karl DuUenfopf befinöet fich noch 
eine getchnung, bie bas (Treiben bes Scheffelfchen F rc unbesfretfes luftig iUuftriert. Der (Sa- 
lerieinfpeftor F™nf hat &ie F^eunbe Scheffels (Bär, fang, DuUenfopf unb IDen 3 ) im Bilbc 

feftgehalteu, mie fie einer Donau* 
■ ■ ■ «iip « efctjiuger Schönen nächtlicbermeife ein 

Stänbcheu bringen. Daneben aber ftehen 
j e 5tiimd)m bie humorvollen Derfc bes Dichters: 

- f 3” ber fpäten Kbenbftnnbe, 

£ajf bicb rühren halbes Kinb! 

V&\ \\ \ Sei bie F^nft in unferem Buube, 

Bäcbftenltebe ift nicht Sünb! 

horch, mie BadjtigaUen flagen, 
j4 Setzet fcbmachtenb ber (Tenor, 

'| r q * b ‘ fKudj bie feufcheit Baffe fdjlagen 

3hre Schnfucht um beiit 0hr. 

\ 1 •''* IHanche Bacht ift uns jerronnen 

3 n bacbaiitifchem (Semiihl 
Doch nun ahnen höh’re 2Donnen 
int fügen Ifiinnefpiel. 

Siebten, fäunte bod? nicht länger, 

* - • Sdjroeb au’s Fünfter 3 U uns her, 

Keituft ja beiue treuen ^Sänger, ^ 

^ b 1 ... ^ Kud ? ber Vierte, beffen Barnen 

v» feiber nicht ui Keimen paßt, 

~* i *"*^ ’ (Trägt in feines Büfetts Kahnten 

fäugft beiit Bilb iit (Solb gefaßt. 

IDiUft btt (Ibenre! nicht willfahren. 
Bubt erhören nufer Flebu, 

0 fo wirft bu balb erfahren — 

— baß mir noch iu’s IDirtsbaus gehn. 

l—, ■■ —■ ■■ ■ ■■■ ■ - i F reun be bordü! es flirrt bas Fünfter, 

halber (Engel fei gegrüßt, 

Der 3 ur Stunbe bei* (Sefpenfter, 

Uns bas pförteben nicht rerfcbließt. 


Zeichnung ven €. .^ratif mit einem (WcMcbtc Scheffel* 

(Uus öent Defifje brrrn K. Pullcnfopfs in Ponciucfd?inacn) 


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feifcer lägt fich nicht mehr feftfteüen, ob biefe Derfe beim Ständen mirflich gefungen 
ober ob fie erft post festum auf bas Ereignis gebichtet mürben; auch bariiber, wem bas Stäub¬ 
chen galt, fchmeigt bie Überlieferung. Den IHittagstifch nimmt Scheffel in ber gerabe in biefen 
(Lagen eingegangenen <5aftmirtfchaft 3 ur „^alfenpofi", mo er auch bes abenbs oft (ßaft ift. <$ür 
bie bortige (Lifchgefellfchaft ftellt er neue Statuten auf, beren Übertretung mit <5elbftrafen ge- 
ahnbet mirb. Die Kaffe f^ei%t ber „Ejeilige" unb bie ihm gefpenbeten (Selber merben an ben 
„heiligen (Lagen" ©ermenbet. Bis ber Frühling fommt, manbert ber Dichter hinaus in bie f?e» 
gauberge, an ben jungen ttedar unb an ben Bhein. Des öfteren fehrt er im Klofter Hheinau 
ein, mitunter bienftlich, um im Aufträge bes dürften Urfunben aufjunehmen. Bus feinen IDan- 
berungen aber unb aus bem Hingen um bie (ßeftaltung bes LDartburgromans ermächft ber 
„3uniperus", in bem ©ergangenes leben auf bem lofalen Kolorit ber näheren Umgebung Do- 
nauefchingens 3 U lebensmahrer (Seftaltung fich formt. Der lanbfchaftliche Untcrgrunb ift gan 3 
auf perfönliches €rfchauen gefteüt, ©on ber Bllmenbshofener (Duelle unb bem Stettener Schlote 
bis 3 um Klofter Bheinau, ©on ber (Bauchachbrüde bis 3 U ber linbe in Bchborf. Das ^aftnacht- 
treiben ber Baar ©erquidt Scheffel mit bem hiflorifchen Donauquellfpnmg, ©on bem uns heute 
noch, mie feiner §eit bem Dichter, ein altes h<mbfchriftüches protofollbuch melbet. 

Daß menigftens 3 i©ei ber lieber aus ber „<$rau Boentiure" auf Donaucfchinger Hoben 
gemachten finb, beftätigt Scheffel felbft in einem Briefe an feinen Bmtsnachfolger Barad. Lae- 
titia silvestris entftanb auf Spa 3 iergängen in bas IDutachtal, Tristitia amorosa bei Befuchen 
bes Stettener Schlößchens. gmeimal bemährte fich Scheffel auch als ^ofbidjter. §um g. JTlär 3 
1858, bem Geburtstage bes dürften, ber 3ugleich als IDiebergenefungsfeft ber franf gemefenen 
vJürftin (Elifabeth gefeiert mürbe, marb ein Biihnenftiid aufgeführt; ba 3 U fchrieb Scheffel einen 
Prolog; unb 3 ur Dorfeier bes Geburtstages ber ^iirftin am 23. Itlär 3 bes gleichen 3ahres ©er¬ 
faßte er ein Bachfpiel unter bem CLitel „Der LDächter in ber IHittemacht." 

Der IDartburgroman beginnt ben Dichter mit bem ^ortfehreiten bes 3 a h*es 1858 immer 
mehr 3 U quälen. Km 3 meiten 3 un * bittet er ben dürften, „feine §eit unb Kraft auf bie Befor- 
gung ber laufenben Gefchäfte" befdjränFen unb „bie Dormittagsftunben einer literarifchen Ar¬ 
beit" — eben feinem IDartburgroman — 3 umenben 3 U bürfen. Der ^ürft millfahrt ber Bitte, hoch 
bie Hoffnung Scheffels, ben Boman 3 U fchreiben, ift trügerifch für biesmal unb ©ergeblich für 
immer. 3 m Sommer nimmt ber Dichter 6 XDochen Urlaub unb manbert burch Thüringen an 
ben Ztieberrhein, nach Belgien unb bis paris. Bach Donauefchingen heimgefehrt, müht er fich 
meiter mit feinem Boman ab, bie Dorftubien merben immer umfangreicher unb bas §iel rüdt 
in immer meitere ^erne. Darüber ©ergeht ber IDinter unb im IHär 3 1859 bittet er ben dürften, 
ihn in Gnaben feines Bmtes 3 U entheben, ba bie „inneren Konflifte", bie er gefürchtet, ein¬ 
getreten feien; bie literarifche Brbcit, „auf bie ihm ©jährlich bange" gemefen, hätte er auch im 
lauf bes ©erfloffenen IDinters nicht ©ollenben fönnen. Der ^ürft aber r©iU feinen Di<hter*Bi- 
bliothefar gern bauernb an Donauefchingen feffeln unb fchlägt ihm besbalb ©or, fo lange Ur¬ 
laub 3 U nehmen, bis fein Boman unter Dach gebracht fei. Scheffel ift bamit 3 ufrieben unb hofft, 
binnen 3 a hresfrift, erleichtert unb befreit, an bie Donauquelle 3 urüdfebren 3 U Fönnen. Dod} 
fchon im Buguft 1059 fiebt er bie Unerfüllbarfeit feiner Hoffnung ein unb löft fein Dcrbältnis 
mit Donauefd^ingen enbgiiltig, tro^bem er meiß, baß bas „Glüd unb ber ^riebe, bie er tü^r 
reichlich genoffen, fd]merlid> mieber 3 U finben" fein merben; er fühlt es, baß es fein Schidfal 
fei, bie „einfame poetenlaufbabu" meiter 3 U fd^rdten. Die Be 3 iehungen aber 3 um ^ürftenbuuie 
bauern freunbfchaftlidj fort. Hoch ibgt mibmet ber Did>ter ein vEremplar feines „3uniperus" 
bem dürften als Herrn ©on Hobenbömen in ^Erinnerung an ein Beifammenfein in Perev am 
Genferfee. 

Blies in allem mar bie Donauefchinger 2>eit für Sd^effcl nidjt gliicflidier unb nicht uii*- 
gliidlicher als irgenb eine anberc in fernem fpäteren leben; bas (Lriibe, bas auch hier ofr jein 


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12 


«Semiit umfdjattete, lag weniger tn bcn äußeren Umftänben, als oielmefyr in ber Seele bes 
Dtdjters, auf bem fdjon bamals bas (Sefiibl bes 2lbneljmens feinet Sdiaffensfraft laftete. 

Seine Amtstätigfeit nahm Scheffel überaus ernft unb gerabe jmifchen feinen Perga¬ 
menten unb Büchern fühlte er ftch behaglich unb glücflih- ZZlchr benn einmal betont 
er, baf? er aus ber bibliothefarifhen Cätigfeit manche Stunbe gcnufjreiher Arbeit ge- 
fdjöpft habe unb bafj ihm hinter ben alten Pergamenten mand) liebe ©cftalt ber Ver¬ 
gangenheit lebenbig por bie Seele getreten fei. An bie an ihn herantretenben bibliotJjc- 
farifd?en Aufgaben ging er mit bem gröften Pflichteifer. Die Cafjbcrgifchen fymb* 
fhriften paefte er aus bcn Kiften aus, ftchtete unb fatalogifterte fte. Xtlit ftoljer 
Bcfricbigung fonnte er bem dürften IDeihnachtcn f 858 ein Brucfcremplar bes non ihm 
©erfaßten Kataloges ber „f)anbfchriften altbeutfcher Biditungen ber ^ürftlidj ^ürften- 
bcrgifchen l}ofbibliothef 511 Bonauefdnngen" überreichen. Ben Bühernahlaf? feines 
Vorgängers Dr. Becfer nahm er in bcn Beftanb ber £}ofbibliothef auf, für ZTeuan* 
fchaffungen trug er Sorge unb aufs genaueste reribierte er bcn gefamten Büdjcrbeftanb 
ber Bibliothef an fjanb ber 2 \ Katalogbänbe, in bie er bie noch nicht eingelegten unb 
bie ungezählten ron ihm neu gefd^riebenen Katalogjcttel einreihte. Befonbere Auf- 
merffamfeit menbete er bem Budieinbanbe 3U; bie Dielen ungebunbenen Büchet mähten 
ihm fdimere Sorge; fämtlidie Bonauefchinger Budibinber mußten für bie Bibliothef 
arbeiten, fomeit ihre Kraft unb ^cit nur reichten, unb für bie £inbinbearbeiten erbat 
unb erlangte er einen Sonberfrebit. Benot Sd/cffel non ber Bonauefchinger Bibliothef 
Abfchicb nahm, bachte er noch baran, feinem Hadifolgcr ausführliche bis in bie fleinfte 
Kleinigfeit gehenbe Hichtlinien über bie mcitere (Drganifation unb ben Ausbau ber 
Bibliothef unb über bie Art unb IBeife, mie bie £af?bergfchc Bibliothef mit ben alten 
Beftänben am beften rereinigt merben fönntc, 5U hinterlaffcn. Züchts pergifjt er babei, 
Don ber Stempelung ber Bücher angefangen bis 311m 3 nfunabclfatalog unb ber Ver* 
mertung ber Bublettcn. <£ine fauber gescichnetc SF^e, mie er fih bie Umgeftaltung 
unb Vcrmenbung ber bemnädift für bie Bibliothef freimerbenben Häumc benft, legte 
er bei. 3 n bcn folgenben 3 a hren flatterte noch mancher Brief Scheffels in bie Biblio¬ 
thef, mit ZDünfchen für beren (Scheiben unb mit ZTachrid^tcn über bas Befinben bes 
Schreibers. Seinen Hachfolger Baracf rief er fogar sum Kritifer ber „ßvau Arentiure" 
auf unb manches Buch läft er fich aus ber Stätte feines einftigen Sdiaffens 5ufenbcn. 

ZHit Sdicffcl begann eine neue Periobe in ber Cntmidlung ber Bibliothef: bie 
ber miffenfdiaftlidicn Ausbeute ber Schähc, bie burch Baracf in ungeahnter IDeife 
rertieft unb ermeitert mürbe. Karl Auguft Baracf flammt aus bem gleidicn ehemals 
^immernfehen ©bernborf, in bem ber Schreiber unb ZHitperfaffer ber «^immernfhen 
(Lhronif fjans ZHüllcr fchliefHdi ©betrogt mar, bemfelben ©bernborf übrigens, nach 
bem ber mütterliche Stammbaum auch unferes Sdicffcl hinmeift. (ßeförbert ron bem 
feinftnnigen dürften Karl <£gon III., ber mit rerftänbnispollftcr ^reigiebigfeit für feine 
Bibliothef forgte, entfaltete Baracf eine äufjerft fcgenrollc Cätigfeit. 3 n elfjähriger 
Amtsführung rcorganifiertc er bie Bücherei rollitänbig unb febuf fte in mobernem Sinne 
um. Bie gefamte heutige (Einrichtung unb ©rbnung ber Bibliothef, bie nah miffen- 


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73 


fchaftlidjen ßädjitu aufgeftellt ift, geht in ihren ©runöjügen auf iljn jurücf. Binnen 
fürsefter <5eit petfcfjmolj er i>ie alten Beftänöe unö bie £afjbetgSfdje Biblto^bcf ju einent 
organifdjen ©anjen, als 1861 fämtlidje Säume bes ehemaligen Hegieruitgsgebäubes 
für bie Bibliottjef 5 ur Verfügung geftellt mürben. Scfjon 1865 mar ber t>on ihm per* 
fajjte fjanbfchriftenfatalog, ber famtliche HTanuffripte ber Bibliottjef mit peinlicher 
Sorgfalt betreibt, brueffertig. <£rft burdj biefes Bezeichnte mürben bie Cobices für 
bie IDiffenfdjaft mirflidj nu^bringenb; eine reidje ^orfdjertätigfeit fe£te jetjt ein. ferner 
legte Baracf einen neuen alphabetifchen ^cttelfatalog an, ber heute noch üu ©«brauche 
ift; unb als er 1871 als Direftor an bie neugegrünbete Bibliothef nach Straf bürg ging, 
hatte er bie ©enugtuung, fämtlid?e Beftänbe ber Bücherei bibliograpljifdj genau per* 
3 eicfjnet 3 U miffen. ©benfo ift ber hem&fdjriftlidje 3 nfunabelfatalog fein IDerf. Sud? 
ben inneren Betrieb ber Bibliothef regelte er aufs genauefte. Unter ihm erhielt bie 
Büdjerei reichen <3umadjs, nicht nur an Drucfmerfen, fonbern auch an fjanbfdjriften. 
Branchen hanbfdjriftlidjen Sdjafe entbeefte er aber auch an oerborgener Stelle unb 
mandjes mertnolle BTanuffript löfte er aus ©inbanbbedeln los. Der Hnfdjuffungs* 
frebit mürbe auf fein Betreiben bebeutenb erhöht unb neue Buttel crfdjloffen fidj ber 
Bibliothef burdj bie Bermertung ber jaljlreidjen Dubletten. Bei Heuanfdjaffungcn lief 
er fidj nie 3 U ©nfeitigfeit perleiten, alle Rächer, bie bereits gut pertreten maren, be* 
buchte er gleidjmäfig. Daneben fanb aber Baracf immer noch Seit, burdj jaljlreidjc 
miffcnfdjaftlidje Arbeiten unb Beröffentlidjungen ben Huf ber Bibliothef immer flang* 
polier unb feinen eigenen Hamen immer befannter $u machen. ITCit inniger 5 re ube 
unb berechtigtem Stolje nahm ber ^ürft am ©ebenen ber Bibliothef nie ermattenben 
Hnteil, förberte unb ermunterte feinen Bibliotljefar, mie unb mo er fonnte, unb faum 
eine Fehlbitte tat Baracf beim dürften, menn es ftdj um bas tDotjl ber Bibliothef 
hanbelte. HÜ 3 U teuere IDerfe, beren ©rmerb mit bem Bubget ber Büdjerei im BTif* 
flang geftanben märe, faufte ber ^ürft aus feiner Pripatfdjatulle unb fdjenfte fte ber 
Bibliothef. Die trofebem oft micberfehrenben Krcbitüberfdjreitungen mürben burdj 
Hachtragsfrcbite unfdjäblidj gemadjt. Hadj Baracfs Sdjcibett mürbe bie Ccitung pon 
Hrdjip unb Bibliothef mieber in ber fjanb bes jemeiligen Hrdjipporftanbcs percinigt, 
bie Hadjfolger aber fdjritten auf ber bemährten Bahn Baracfs meitcr unb auch bas 
^ürftenbaus erlahmte nie in feinem 3nteref|c für bie Büdjerei. €rft fürs por bem 
Kriege erhielt bie Bibliothef aufs neue einen eigenen Leiter, ber feine ungeteilte Hrbeits* 
fraft ben Büdjern roibmett fann. 

Hie gjufammenfeßung unferer Bibliottjef im allgemeinen geht fdjon aus biefem 2lbriß 
itirer (Sefdjidjte berpor, mie man Öenn überhaupt unferer Büdjerei als etroas Ijiftorifdj <Se* 
worbenem nur Dom (Sefidjtsnnnfel Ijiftorifdjcr Betradjtung gcrcdjt merben fann. £ebiglidj 
aus bem Sammeleifer unb ber Büdjerlicbljaberei oicler einjelner aus ben (ßcfdjledjtcrn ber 
dürftenberger, IDerbenbcrger, §immern, £upfen, Ejelfenfteiner unb pappenljeimer entftanbm, 
unb 3ahrljunberte lang burdj eben biefe £uft an Büdjern genätjrt, toudjs bie Bibliothef langfam 
ju (Sröße unb Bebeutung heran. Her Sammeleifer umfaßte naturgemäß alle jene XHiffcns* 
gebiete, für roeldje bie Sammler ein 3 n tereffe hatten. <£s ift oon oornherein flar, 
baß biefes 3 ntcr eff e in erftcr £inie auf alles bas ging, was mit bem eigenen 


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— 



flu* bcv ircltdjrcntf bcs Hube If von £m* (H. 3aI*rbM.) 


<Gefchlechte, bem eigenen £anbe unb ben eigenen Untertanen, mit einem IDorte 
mit ber J?eimat in Bc 3 iehung ftanb. Deshalb vermährt heute unfere Bibliotbef fo 

viele f?anbfchriften, bic auf heimifchem Boben entftanben ober hier menigftens niebergefchriebert 
morben finb, baber fommt ber Keidjtum an ben für bie fjeimatgefchichte fo mertvollm dbronifen 
unb (Genealogien unb besbalb ift bie Bibliotbef überhaupt eine unerfcböpfUcbe ^unbgrube für 
bie (£rforfcbung heimifcher (Gefehlte unb Kultur, mit ihren (Grunbpfeilern ftebt bie Bibliotbef 
auf heimatlichem Boben unb in biefer Bobenftänbigfeit liegt eine getuiffe (Erabition. Der 
alte £afeberg hat bies fehr mohl gefühlt, als er feine Bücher unb pergamente am liebsten ber 
Ponauefdjinger Bibliotbef überliefe. 

Pie SammeltätigPeit ber ^ürftenberger unb all ber anberen (Gefchlechter, bereu Bücher 
beute in ber Bibliotbef liegen, ift bamit aber nicht erfchöpft; bie 3 n *ereffen maren vielfeitige, 
vielfeitig oft bei einem einigen, vielfeitiger noch bei ben vielen Befitjern; fo fammeln ficb früh* 
3 eitig Bücher aus aüen Pis 3 iplinen an. <£s mürbe febon barauf hmgemiefen, bafe man an ben 
fyftematifcben Uusbau bes Porhanbencn heranging, als bie IPefefircber unb Stühlinger Bibliotbef 
in Ponauefcbingert vereinigt mar; unb als bie Büd^erei mehr unb mehr öffentlichen £harafter 
annabm, mufete man felbftverftänblid} auch ben IDiinfchen unb Bebürfniffeu ber Benutzer Hedv 
nung tragen. 3ebe Abteilung ber Bibliotbef meift beute mertvoüe Beftänbc auf. Pollftänbig 
finb bie alten Klaffifer verfammelt unb manch feltene Ausgabe ber (Griechen unb Körner ftebt 
in ben Kegalcn. Dollftänbig ift audj bie Sammlung ber mittellateinifcben ScbriftfteUer. Pafe 
bie beutfehen Picbtcr unb ScbriftfteUer fehr gut vertreten finb, ift felbftverftänblicb. Beach* 
tensmert ift namentlich eine Sammlung von dbeaterliteratur, bie aus bem ehemaligen fürft« 
lieben £?oftbeater ftarnmt. §u grofeem Umfang muchs ficb bie juribifche 2lbteilung aus; auch bie 
tbeologifcben Beftänbe haben eine geir>iffc, menn auch mehr hiftorifdje Bebeutung. Purch ben 


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Hu* bem (Bcfrctbucbc bc* Kurfürsten 3ot?ann 2lu* bem 5immcrfd?cn „(Zctcntanj“ (fb.3at>rf*M.) 

rcn Sacbjcn 116. 3abrt>bt.) 

Safcbcrgfchen Ztachlafr mürbe bas bereits reichhaltige ^ach (Sefdjichte, namentlich aber bie ältere 
beutfdje Literatur oermebrt unb gerabe hier mürbe oerftänbnisooU mcitergebaut. ^ür bie Aus- 
geftaltung ber Abteilung ltunftmiffenfchaft forgten neben bem ftets regen Kunftfinn bes dürften» 
haufes bie fiirftlichen Kunftinftitute; unb bas gleiche gilt oon ben Haturmiffenfchaften. 3 n 
feltener Aeidjhaltigfcit ermüden uns bie oft banbfolorierten Beprobuftionsmerfe, bie uns bas 
Schaffen oon tHalern unb Stechern aller geiten oor Augen führen, lim ben Ausbau ber me* 
bi3inifchen Abteilung fümmerten fid} oor allem bie fürftlidjen i‘eibär3te unb für bie (Sefdjichte 
ber ttteb^in finb biefe ^ 3 eftänbe oon nicht geringem XDerte. Zttcht rergeffen bürfen mir fchliefj* 
lieh bex IHufifabteilung mit ihren reichen Beftänben an ITIanusfripten, aus benen gerabe in ben 
lebten 3 a ^ ren mancher lUeifter ber CEonfunft früherer feiten eine Auferftehung gefeiert hat. 

Ejeute, bei ber IHaffenprobuftion oon Büchern, ift es einer fleinen Bibliotbef unmöglich, 
alle Rächer gleich gut aus3ubauen; ber erleichterte Ausleihoerfchr oon Bibliotbef 311 Bibliotbef 
läfet bies auch überflüffig erfcheinen. EDenn mir auch feine Uis3iplin an unferer Bibliotbef 
gan3 oeröben laffen moüen, fo müffen mir hoch unfere Sorgfalt ror aüem jenen Abteilungen 
3umenben, bie bereits am reidihaltigftcn ausgeftattet finb unb für bie fid} gleich3eitig bas regfte 
3 ntereffe ber Befud^er funbgibt, mie Kunftmiffenfd^aft, (Sefdjichte, beutfehe Sprachmiffenfdiaft 
unb beutfd^e Literatur. Der (Erabition entfprcchenb aber ftreben mir befonbers barnach, lüden* 
los alles bas 511 fammeln unb 3U einer Abteilung 3ufammen3ufaffen, mas irgenbmie in Be* 
3iehung mit bem £cbcn, bem £anbe unb ben £cutcn bes ehemaligen ^ürftentums Jfürftenberg 
fteht. Uiefes ^ach ber „^ürftenbergiana", bas meite (Gebiete 0 berbabens, aber audj CEeile IPürt* 
tembergs unb fjohei^ollerns untfafet, foll ber lllittelpunft unferer Bibliotbef merben, um Den 
fich alle anberen ^äd?cr gruppieren. Uaburch mirb ber Bücherei ihr fpe3ififcb heimatliches ( 5 c* 


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präge erhalten bleiben unb auf biefe IPeife mirb ber Charafter ber Bobenftänbigfeit noch mehr 
herportreten. 

Ber Kuhm ber Bibliothef grünbet fich in erfter Sinie auf bie reichen fjanbfchriften- 
beftänbe, bie jahraus jahrein (gelehrte pon überall Ijer an bie Bonauqueüen loden. U64 £janb- 
fchriften nennt bie Bibliothef ihr eigen. (Eine <$ülle bes Koftbaren unb Schönen aus 14 3 a h** 
hunberten bergen bie £?anbfchriftenfchränfe unb in feltener Beichhaltigfeit finb befonbers bie 
Benfmäler mittelhochbeutfcher Bicbtung pertreten. 2 Ius ber IHenge ber Sd^e fei nur gan3 
meniges b^rorgeboben. Bas größte Kleinob ber Bibliottyef, bie Bibelungenhanbfchrift C, 
bie ficb feiner bie IDiener I?of bibliothef burdj ben geforberten hoheu preis pon iooo Bu- 
taten hatte entfchlüpfen laffen, ift fo befannt unb fo oft fcbon ausführlich bebanbelt morben, 
bafe mir uns btcr füglidj mit ihrer Ermahnung begnügen fömten. 

(Ein bider fchmerer ^oliobanb in braunem Seber mit fcblicbter £ini>enpreffung enthält ben 
par3ipal tPolframs, ermeitert um mehr als 36 000 Derfe burcb bie Strafeburger Klaus IDyffe 
unb Philipp Colin, einen (Solbfchmieb. Bie ffanbfchrift, bie, fomeit fie IByffes unb Colins 
XPerf ift, Karl Schorbach h*rausgegeben unb eingehenb bebanbelt hat, ift in mehr als einer 
Ejinfidjt intereffant. Cin gan3es Kollegium pon Bichtem unb Schreibern mar an ihr tätig. Un¬ 
fertigen liefe fie fjerr Ulrich pon Bappoltftein in ben 3abten I 33 j —1356. Bie ffauptbichter- 
arbeit bat Colin auf fich genommen, ber uns auch bie Cntftebung ber Ejanbfchrift er3äblt. £x<m 
Ittinne fchidt f^errn Ulrich, beffen £fer3 in Siebe entbrannt ift, ein „minncbrieflin" unb forbert 
ihn auf, er möge bas melfche Buch Pom König Krtus, bas er befiije, in beutfche Keime über¬ 
tragen laffen. Bafür molle fie ihm helfen, bie (geliebte feines f)ex$ens 3U erringen. X?err Ulrich 
ernennt nun ben Philipp Colin 3U feinem Bichter, bafe er bas U>erf pollbringe. Claus Xüyffe, 
„ein tihter fluog", bat mitgeholfen. §mei Schreiber, ber eine ßenslin, ber anbere pon 0 nheim 
genannt, bringen bie Derfe aufs pergament. Boch bamit nicht genug: bie beiben Bichter be- 
berrfchen bie fran3öfifche Sprache 3U menig, als bafe fie nach ihrer Dorlage frifch hätten baN 
auf los überfein unb bichten fönnen. Besbalb mufe ihnen ber 3 uöe Samfon pine bol- 
metfchen, mas fie 3U reimen bereit ftnb. <$aft fdjeint es, als feien fich bie Bichter ihrer 
poetifchen Senbung nicht aÜ3U ficher gemefen; benn mte ein IDinf an bie Kritifer mutet es an, 
trenn in ber grofeen XD* 3 nitiale, unmittelbar por bem Beginn bes „numen paqepales", 3mei 
perfonen bargeftellt ftnb, beren eine einen Born, beren anbere einen mädjtigen Balten im 
Kuge hat, mit ber 3 nfchrift auf Spruchbänbem: „mer in ftn feibes h^e fiht, ber fprichet eitn 
anbrn arge3 niht" unb „bu hrft ein born im ougen". IDenn es auch nicht fehr poetifch fein 
mag, bafe Colin nachrechnet, miepiel bas XDerf feinen fferrn gefoftet hat, fo ftnb mir bem Bichter 
für biefe Kngabe boch banfbar. „Bu han ich rechenbe3 gebocht, menne bi3 buoch murt polle- 
brobt, ba3 mag foften 3mei hunbert pfunt". Um einen Croft ift er aber nicht perlegen; ein 
„IRinner" perfticht eine foiche Summe oft „in furjer ftunb" an einem Koffe; ba fei benn boch 
bas (Selb an biefcnt Buche beffer angelegt. 

vjrob mögen Bichter unb Schreiber aufgeatmet haben, als nach fünfjähriger mühe bie 
le^te geile auf bem Pergamente ftanb; in heiterer Samte peremigert fich bie Schreiber nach 
getaner Krbeit unb ber eine fpottet über bie Bartlofigfeit bes anberen, ber artbere über bie 
grauen X^aare bes einen. 

Biefe (Driginalhanbfchrift, in 3mei Spalten in fchöner gotifcher Schrift gefchriebcn, ent¬ 
hält feine miniaturen; ihr Schmud bejteht nur in roten unb blauen 3 n tüalen. 

IDer mar nun jene Barne, 3U beren Cbre ^rau minne bie Bartbfchrift in Kuftrag gab? 
$a\t fühlt man fich perfucht, babei an bie (Semablin £}errn Ulrid^s 3U bertfen; biefe aber mar 
l7er3elaube pon ^ürftenberg, bie Cochter (Sövens, bes „fteinerncn marines pon ßasle". Stünbe 
fo fd]on bie Kbfaffung ber Ffanbfchrift mit bem (Sefchlechte ^ürftenberg in Be3ichung — ber 
Bante 6er3elaube, ben auch eine Cochter Ulrid^s pon Kappoltftein trägt, bemeift 3um minbeften, 
mie pertraut bie bamaligen (Sefchlechter mit ber Bichturtg Xjcrrn tPolframs maren — fo fügte es 


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77 



r fii mfr tncn itnrn^ l*t»n mir coinr hnrw4 
• narfte Int bttt* hl fi» ff0 vlyftnd 
V tclflCt CifoififcVäJ TttoGtpfuW 
4 1 rtiioch cnuf i) tK U cafb<v »j 


pfrn#iDtirfrfiniflc4ti4mc ni*m«d 
l ff*tnt \*> (rrtr fti fii IM* £rfc*rru> 
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1 WSElOicr'hihr N^,*ö Ic louctic twtiioifirl 
* itaiK* c*»e nciiwl 

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v k *M*^*fl arar* ttlmiaamtfe j »irtiiefH 
V ^ fW kmt& cho * r i f»t! numter fei m»»d 
/l ^ utrer* i»cnuu> * brorfucc l* jr^m-icl *1 
| (f*nrc u**~oi reftrfe- frmttc tioiiel 
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2tua 6cm „Le voeu du paon“ (H. 3atjrbM.) 


2lus einem pfaltcr öcs \2. 3abrbun6crts 


bas (Sefchief, baf$ btefer (Eobej: an bas gleiche l^aus ^ürftenberg überging, aus bem ^crjelaube 
ftammte. Huf bem Dorberbecfel unferer Qanbfchrift ift ber Häme (Elifabeth oon Bappoltftein 
(1552) eingetragen; biefc (Elifabeth tuar eine fjelfcnfteinerin unb burd} fie, bie finberlos ftarb, 
bürfte bie l^anbfchrift an fjelfenftein unb mit bem f^elfenfteinifd^en (Erbe an ^ürftenberg gelangt 
fein. 3m Katalog ber Ifteftfirdjer Bibliothef oon ca. J750 erfcheint fie unter Br. 6 als „parce» 
oal in Heimen moran \o (!) perfonen 5 3°^^ gearbeitet". 

(Ein föftlidjes ötlb oom €eben unb (Treiben abeliger unb bürgerlicher (Sefchled^ter bes 
16. 3ahrhunberts breitet fich t)or unferem (Seifte aus, wenn mir bie „gimmernfehe CbroniF" 
lefen. 3 n 3H>ei f?anbfchriften ift bas H)erf erhalten, mooon bie eine, bie erfte Heinfchrift, nur 
mehr ein Bruchftiicf ift. Don ben urfprünglidjen brei Bänben ift nur nod} ber erfte, unb 
biefer oerftümmelt, erhalten. §um (Slücf ift bie 3meite Heinfchrift, in 3mei mächtigen ^olio- 
bänben auf papier gefchricben, oollftänbig. Derfaffer unb Schreiber bes unfehä^baren IDerfes, 
bas um 1566 ooüenbet mar, höben mir bereits fennen gelernt. Dafc bas Budj nicht nur eine 
DarfteUung ber <Sefd}id>te berer oon gimmern ift, fonbern uns eine faft erbriiefenbe ^iiUe oon 
oerfchiebenartigften (Stählungen über (Ereigniffe ber §eit, über Stäbte unb Dörfer, über <Se* 
fchlechter unb perfonen bringt, ba& es uns Sitten unb (Sebräuche, Sagen unb Sch^änfe in’ 
prachtooUer Urmiichfigfcit überliefert, gerabc bas gibt ihm ben ein3igartigen IDert. ITCit Hbfidrt 
burchbredien bie Derfaffer bie hM tor 'f^ c DarfteUung: „Ulan muefp meinen fie „ 3 U 3eiten ben 


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Mus einem pfalterium be* J3. 3abrhunbcrU Mus einem Officium sanctae crucia U5. 3a^r^M.) 

crnfthaftigen unb laibigen feilen auch guete fchwenf unb anber hoffen anhenfen, bamit bie 
hanblungen burch ainanbern permifcht unb ber lefer guetwiüig bemalten werb". 3™ mer neue 
Ausbeute gibt bie (Ojronif ben (Belehrten unb ^orfdjern, 3umal feit Baracf bie ^anbfd^rift her* 
ausgegeben unb baburch leidet 3ugänglich gemacht hat. (Eine Aeibe fet^r fauber gemalter EDap* 
pen fchmiicft ben Cobef. 

Aus 5 ' mm ernfchem 23 efitje ftammt ferner ein „Hotentan3". (Ernft fjeiß ^at nachgewie* 
fen, baß unfere fymbfchrift eine Kopie bes pon ber £}anb IDilhelm IPcrners pon gimmern h cr * 
rührenben Originals ift f bas fich in ber Königseggfchen Bibliotbcf 511 Aulenborf befinbet; bodj 
eine Kopie in bem Sinne, baß unfer (Eobej eine weitere Ausarbeitung ber mehr ffi33iertcn 
Zeichnungen bes Originals barftellt, bie IDilbelm EDerner burch einen tüchtigen Kiinftler per* 
poüfommnen laffen wollte. (Eine große §abl fünftlerifch ausgeführter Bilber illuftriert ben 
(Lei t. Per (Einfluß bes ßolbeinfchen CEotcntan3es liegt flar 3U (Lage. ITTit einem Hugenb» 
fpiegel für ein (Sott wohlgefälliges Ceben beginnt bie ßanbfchrift: „Pas ift ein (Saiftlidj A.B.C. 
welchs Pem nachfompt leibet (Sewißlid) in ber 6eU nimmer mer Fain web". 3 m eigentlichen 
üotentan3c fet>en wir, wie ber als (Serippe ge3eichnete Hob in mannigfachen (Seftalten, am 
bäufigften als Spielmann, bie Vertreter ber perfchiebenen Stänbe unb Klaffen, porn Kaifer bis 
herab 3um Pich unb Spieler, ihrer Befdjäftigung jäh entreißt; unb alle miiffen ihm folgen, 
wie fehr fic fich auch fträuben. Pen Schluß bilbet ein „Spiegel ber Kranfen", nid]ts anberes 
als eine breit ausgeführte „ars moriendi", ein 21 ad]flang jener einft fo perbreiteten ParftcUun- 
gen ber „Kunft, felig 3U fterben". 


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! Aö romplrroi 
omimrnos 
ttysfaium 
u$ nofm-.c-r 
. - . ja unrr mun 

fruaiti anoüis£T 4 *'-3 rusnt ad 
imomim nimm nitriter. , 
coiittiuaDaoumaiiDum j 
mcfr (nnrtQ^lo»nnrn.ys| 

v» g-pugnaumuif 

MfcrÜnitauiuainittnua. 
oirat iuiik ifuul^lfprrr 

' pugUiUimmnufAumm 
nttr mra cmtnu non prüf 
minimrtn fSlflupjn toifii 
iminnfitbMrßurmiirpmt 
roirs piolotunuimimimq 
r.itnnfnoinZyjomitms 



2lu» einem Officium sanctae crucis (J5. 


2Ui5 einem Officium beatae Mariae (\5. 3a^ri;M.) 


Den lest, im „geglichen BB.C." unb im „£otentan3* Perfe, im „Kranfenfpiegel" grö߬ 
tenteils profa, t^at IDilhelm tDerner aus oerfchiebenen Schriftfteliern uni) Dichtern 3ufammen* 
geftellt, teilmeife aber auch felbft oerfaßt, ja einige ber hier aufgenommenen (Sebichte bes <5rafen 
begegnen uns in ber Simmernfchen Cbronif mieber. Mitunter nennt fid) IDilhelm IDerner als 
Perfaffer ober oerbirgt feine Butorfdjaft in einem Bfroftidjon, mehrmals apoftrophiert er fich 
felbft. Buf bem oorleßten Bilb fniet ber <8raf mit feiner (ßemahlin Katharina, einer geborenen 
(Gräfin tupfen, ; oor bem am Baume bes Sehens <8efreu3igten unb bittet: „® f?er Perleuch mir 
gebult 3n leiben, bas ich Dich nit mieß emig meiben." 

IDer ber 3 ^ u f tra tor bes ttlanusfriptes gemefen, miffen mir nicht, in ber Schrift aber er- 
fennen mir bie fjanb bes gleichen ^ans tttüller mieber, ber uns fchon als Schreiber ber §im- 
mernfehen (Ehronif begegnet ift. 

Pom ( 5 rafen IDilhelm tDerner eigenhänbig gefchriebene IDerfe befißt bie Bi- 
bliotbef eine gan3e Beihe. Sie finb größtenteils hißorifchen 3 n h<dts. 

Bad) mehrfachem IDechfel ber Befißer ift bie Banbfchrift ber tDcltdjronif bes Bubolf oon 
(Ems ein foftbarcr Sdjaß unferer Bibliotbef gemorben. Bupredjt oon ber pfal3 ließ fie J 365 
burch ben Sd)reiber 3 °h(*nnes oon Speyer für fich anfertigen. Pon ben pfal3grafen bürfte fie 
über bie gimmern mit bem £?elfenfteinifd)en (Erbe — \626 mar fie in ber Ejelfenfteinifd^en 
Bibliotbef 3U tDiefenfteig — an ^iirftenberg gefontmen fein. Pon ber (Senefis bis 3um (Lobe 
Salomons bringt bie fjanbfehrift bie Dichtung Bubolfs oon <£ms, ein llnbefannter bichtet oon 


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öa öb weiter, nicht ohne porter bfe Dleifterfchaft bes oerftorbenen Bubolf gerühmt unb für 
fein Seelenheil gebetet 3U haben: 

„<Sot gebe im 3U lone 
€in lichte frone in ^tmelricb 
Bu uttb iemer ewecltd?." 

3 n bie biblifche (E^ählung ftnb €jfurfe über bie < 5 eographie unb (gefehlte €uropas unb 
Deutfdjlanbs eingeflochten. Durch unjähüge auf (ßolbgrunb gemalte föftliche IHiniaturen, bie 
burch ben oft gerabeju erftaunlichen Ausbrucf in ber Bewegung ihre XDirfung üben, ift ber (Eejt 
illuftriert; bie uns pon 3 ugenb auf pertraute biblifche (gefehlte 3ieht in langer Bilberreihe 
porüber. Die BTiniaturen haben auch fulturgefchichtliche Bebeutung, ba fie bie ©eratfchaften, 
XDaffen unb (Erachten bes t 3 . unb 14. 3 ahrhunberts getreu wiebergeben. 

Hoch eine 3weite ^anbfchrift ber XDeltchronif befitjt bie Bibliothef, hoch ohne Dliniaturen 
unb in ber fogenannten pfeuborubolphifchen Raffung. Als Befitjer biefer ^anbfchrift hat fi<h 
<graf IDolfgang 3U ^ürftenberg eingetragen. 

(Ein Bänbchen im fchmalen Format ber alten ginsbüdjer gewährt uns einen lehrreichen 
^inblicf in ben f3enif<hen Apparat ber pafftonsaufführungen in ber 3weiten E^älfte bes 
J 5 . 3 ahrhunberts. Die Banbfdjrift enthält bas fogenannte Donauefchinger paffionsfpiel, bas 
in ber nächften Umgebung Donauefchingens, wahrfcheinlich in üiüingen niebergefchrieben wor¬ 
ben ift. Die für uns feht* wertpollen, in feltener Ausführlichfeit eingefügten Spielanweifungen 
finb in roter (Einte heroorgehoben, bie (gefänge mit ITtufifnoten perfehen. tDir erfahren burch 
biefe Banbfchrift nicht nur, bajj auch in unferer (gegenb paffionsfpiele aufgeführt würben, wtr 
lernen aus ihr auch *>\e Art unb XDeife fennen, wie foldje Aufführungen por fi<h gingen. 

Unter ben juribifchen Cobices ragt bie ältefte batierte ^anbfchrift bes „Schwabenfpiegels*, 
bes faiferlichen ianb* unb Eehensrechtes, pom 3 a h** l 287 h*n>or. (Ein Diafon — w €pangelier - ' 
nennt er ftch — namens Konrab pon iü3elnhein fd^rieb bas Buch im Aufträge feines f^erm, bes 
Bitters (gregor pon ^alfenftein, ber auf feiner Defte am (Eingänge bes ^öüentales fafc. Konrab 
begann, wie er felbft er3ählt, feine Arbeit 3U vjreiburg unb pollenbete fie 3U Dörftetten. Der 
(Eobej ift in prachtooüer gotifcher Schrift auf Pergament mit f<hwar3er (Einte gefchrieben, bie 
Überfchriften fmb rot, bie 3 ttitialen rot unb blau. Bach Donauefchingen fam bas wertpolle 
Stücf mit ben Caftbergfchen ITtanuffripten. Aufeer biefer Schwabenfpiegelhanbfchrift befitjt bie 
Bibliothef noch fieben anbere, barunter brei aus bem 13. unb *4., bie übrigen aus bem (5. 3 a h** 
hunbert. 

Aus Safcbergifchem Befitj rührt auch eine prachtpoüe ITCiniaturhanbfchrift bes 14. 3 a h*- 
hunbertf her, bas altfran3öftfche (Epos „Le voeu du paon", bas „pfauengelübbe", beswegen 
fo genannt, weil bie Bitter auf einen pfau fchwören. Die Banbfchrift gehört in ben Kreis ber 
im IHittelalter fo beliebten unb weit perbreiteten Sagen pon Alejranber bem (großen; bas in 
biefen (Epen perwenbete Persmafj erhielt nach bem 3 n halt ber Dichtung ben befannten Barnen 
Alejanbriner. Abgefchen pon ben mit wunberbarer Reinheit ausgeführten, tvpifch fran3öfifch<m 
IHiniaturen umfchlingen jebes Blatt Banblfciften mit ©rnamentcn unb mit ben mannigfachften 
Ittenfchen* unb (Eiergeftalten, oft ins (grotesfefte per3errt. 3 mmcr aber perraten biefe genialen 
^ebe^eichnungen einen unerfchöpflidjen, ftets auf neue (Einfälle fommenben B umor , öer fi(h oft 
bis 3ur gewagteften Satire unb Karrifatur fteigert. 

Den Beigen ber ptelen theologifchen prachthanbfchriften eröffnet ein fcbr gut erhaltenes (gre* 
gorianifches ZHijfale aus bem 9 . 3 a h^hunbert, (gleichfalls aus fafebergs Bacblajj), in aleidv 
mäßiger großer Schrift unter Perwenbung pon piel (Solb auf fdwnfiem pergament gefchrieben; 
eine Seite ift gan 3 in großen (golbbuchftaben gemalt. Da bie Banbfchrift einen Biicbcrfatalog 
enthält, ber bie Bibliothef bes Klofters Beichenau perjcichnet, muß fie fich einmal bort befun- 
ben haben. 0b fte aber auch in ber Beichenau gcfdnieben worben, ift noch nicht einwandfrei 


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81 - 


fcftgeftellt. Hit biefe ^anbfdjrtft reitet fid) ein 
prächtiges poutifieale aus bem 9., ein foft* 
bares Safrainentar ans bem unb ein 
pfalter aus bem *2. 3abrl]imbert, leßterer 
mit einer Hn3abl Winiaturen unb mit großen 
3nitialen gefchmücft. €in pfalter bes (3.3ah r ‘ 
buuberts fällt fdjott burch feinen Foftbaren (Ein* 
baub auf. Pie (Einbanbbecfeu finb mit Silber- 
blecb belegt unb mit in Silber getriebenen 
Sternen bebccft. 3 c f us unb lllaria, aus rer* 
golbetemSilbcrblcch ergaben gearbeitet, thronen 
in ber Witte, in ben (Ecfcn finb bie oicr 
(Enangeliften angebracht. Pie vielen Fünft* 
lerifd? berrorragenbeu, auf (Solbgrunb gemalten 
ganjfeitigcu üiiniaturen, Beilige, Hpoftcl uttb 
Hbfdjnitte aus ber £eibeusgefcbichte 3efu bar* 
fteüenb, rühren non brei uerfdiiebetten Bätiben 
l>er. Wit rerfd?menberifcher prad^t ift eine 
<5ierfeite unb bie Citauei ausgeftattet, tiumber« 
bar ein 3nitial*B ausgeführt, bas eine ganje 
Seite füllt. Huch im (Leite felbft begegnen 
uns fehr riele reiche Initialen; bie Schrift ift 
mit größter Sorgfalt gefdmebeit unb mit (Solb 
mürbe nicht gefpart. Ejafelojf meift bie 
Bauöfchrift mit einer Heibe anberer einer 
tbüringifch^fächfifchen Walerfd^ule in ber fylbesheimer (Segenb 3 U. Huf ben filbernen Buch* 
fd^ließen ift in (Email bas tDerbenbergifche Wappen befeftigt, moraus fich fchließen läßt, baß ein 
Werbenberger ben pfalter in Auftrag gab. (Latfächlich mar bie fymbfchrift bis ins 18. 3 a ^ r ‘ 
hunbert hinein im Schlöffe Ejeiligenberg oermahrt, bas ja ehebem ben Werbenbergern gehört 
hatte. 

Hus ber großen §ahl ber mit Ittiniaturen überreich gefchmücften prachtbreoiere fei nur 
ein Kleinob befonbers ermähnt, ein officium sanctae crucis aus bem *5. 3 a brhunbert. <£in 
gan3 hertmrragenber Weifter mar hier am Werfe. Pas figürliche ift ebenfo genial behanbelt mie 
bas 2lrchiteftonifche unb Sanbfchaftliche. Heben ben Doübilbern ent3ücfen uns eine Beihc 
fleiner Winiaturen unb oiele 3 n iti a l en - Befonbers reich finb bie Banboe^ierungen, in benen 
mechfelnbe Wotioe, hauptfächlich aber foldje aus ber Blumen- unb 3nfeftenmelt oermenbet mer- 
ben. 2Xlles ift mit großer 3nnigfeit empfunben unb aus aller pracht fpricht ein tiefes Künftler- 
gemüt. 0b biefes Breoier mirflich aus ber Schule Ejans ITTemlings heroorgegangen ober etma 
gar bie Arbeit bes ITTeifters felbft ift, müffen erft eingehenbe Stubben entfeheiben. 

Hoch oiele Ejanbfdjriften mären einer näheren Betrachtung mert; auch unter ben 3ufunablen, 
ben €rftlingen ber Buchbrucferfunft, beren bie Bibliothef über 500 befißt, finbet fich mandj 
feltenes Stücf. Hur ein Blocfbudj wollen mir nennen, ein Büchlein, bas noch nicht mit bemeg- 
lichen £ettern, fonbern mittels f^tafeln, in bie bie Buchftaben eingefchnitten mürben, gebrueft 
ift. (Es ift eine beutfehe Ausgabe ber „ars moriendi", bie Baracf feine^eit in einer ^anb* 
fchrift, in lofe Blättep 3erlegt, auffanb. Per Schmerfranfe erhält barin Belehrungen, mie er 
in ber Sterbeftunbe mit heilfamen (Sebeten ben Derfuchunaen ber böfen (Seifter miberftreben unb 
eines feligen (Lobes fterben fönne. 

Unter ben 3ahlreichen intereffanten Prucfmerfen fpäterer 3 a h r hunberte ermeeft namentlich 
ein Buch unfere Hufmerffamfeit: es ift bie Ausgabe ber (Schichte Bans Sachfens oom 3 a hre 

öabtfdje Heimat. 1—3 6 



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82 


15 G 0 , beffcn erften Banb ber Didjtcr mit eigentjünbiger IDibmung feiner jmeiten ^rau 3ugceig* 
net Jjat. ITlit <£fyrfurd?t betrachten mir bie Schrifoüge bes nürnberger poeten unb mit 2 ?üt>* 
rung Iefen mir bie IDorte: „icf; fjans Sachs fdjenf bis erftc puoch meiner gebiefjt meiner 
lieben <£u>irtin Barbara bas Sie bas oon meint wegen pchalt unb barin les niirnberg anno 
falutis im 1567 jabr". 

Kodi genug! — XTcnn ftdi unfre BibliotheF an Umfang and) nicht mit ben 
großen Büchereien Kcutfcblaubs meffen Faun, unter ben prioatbibliotheFcu fleht fte an 
erfter Stelle unb ber KoftbarFeiten hütet fte mehr als mandjc ihrer größeren Schmeftern. 
5in eigenartiges (fiefübl übertommt uns, menn mir burch bie mciten Biicberfälc mau* 
bern; in ihnen mcht uns bas Streben uitb Utiihn, bas Denfen imb fühlen längft r»cr* 
gangener ^hrbunbertc geheimnisvoll an; beim Bücher finb ctmas mie Körper ge= 
morbener ^eitgeift. Kiefer Ifaucb ber Bcrgaugenhcit aber briidt uns nicht, beim ba- 
neben atmet bas Fräftig pulficrenbc Ceben ber (ßegemrart, immer aufs neue cingcfaitgeu 
in bie ftarre .form bes bodi fo lebeubigen Buchftabcn. 



£ürftl. ^ürftcnt»cr^ifc^c ^cfbiNicthcf 
in DciiaucfcHngcn 


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ttuffctianfidjt bcs cljcm. ^ürftl. ficjtbcatcrs 


(Pluftßpffege tn ©onauefcßtngen 

Poit ffeinridj JJurfarfc 

s ift ein Reiter belebtes Aulturbilb, bas fiel? uor unfern Augen aufrollt, 
menn mir bas £eben in Donauefdjingen im 18. 3af?rljunbert betrauten. 
2TIit beut Hegierungsautritt bes dürften 3ofef IDilhelm (Ernft oon 
ber Stühlinger £inic, 1,716 in ben Heidjsfürftenftanb erhoben, mar für Donau* 
efdiingen eine neue <£podie angebrochen. 

Das regere Ceben, bas ftcb, befonbers als 17^ burd> bas €rlöfdicn ber A7efj- 
firdicr Cinic Donauef dringen 311 m AiittelpunFt ber ^ürftenbergifdjen Caitbc mürbe, 
entmicfclic, unb bas in ber <£nreiterung unb Derfd?önerung bes Stabtbilbes (Sdjlofj, 
Stabtfircbc, Ard}ip, SibliotljeF, ber „Heubau") feinen äußeren Ausbrucf fanb, hatte 
and? eine lebhaftere Anteilnahme an allen fulturellen 23eftrebungen, ein erhöhtes 3 »tcr= 
effe an bem fid) gerabc bamals mächtig fteigernben Schaffen auf allen (Bcbieten ber 
febönen Hünfte 3 itr .'folge- 

2 dei einer ftofbaltung burfte im IS. 3 a h r h u ubert auch bie ATuftf nidit fehlen. 
Die Salons unb bic Cheaterräume bes Abels mären bic fjauptpflcgcftättcn ber Con* 
funft. Ss mar eine fegcnsreidie lüirFuitg ber beutfdien Klcinftaaterei, bafj burdj 
bie Umahl Heiner f>öfc bas gan 3 e £anb Fiinftlcrifch burdjbrungen mürbe. 

Dem (ßebeihen einer bobenftänbigen Aunftpflegc fam in Donauefchingen bie Abge* 
fchiebenheit bes©rtes 5 ugute,bie bei einem ^ürftenhaus mit ftarfem fünftlerifdjcnlDolIcn 
auf bie (Entmicflung eines eigenfräftigen fünftlerifdjen Gebens günflig mirfen mufjte. 

Die intenfmc pflege ber ATuftf ift eine ber liebensmerteften £igenfdjaften ber 
^üiftenberger. IDir fcljen in Donauefdjiitgen eine ZTCufif* unb Hbcaterfulh'r emnor* 
blühen, bic ihren befonberen lüert babutd) erhält, bafj h* cr «ine f^ofgefcllfdwft bie 25c» 
fcbäftigtmg mit ber Kunft nicht als untcrbaltenbe Spielerei ohne innerlid?e Anteilnahme 

6 * 



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84 


betreibt, fonbern bajj tjier aus einem fyrjensbebürfnis heraus ein hodrictenbes fünft* 
lerifdjes Ceben gefdjaffen mirb, an bem ftch eine ariftoFratifche ^amilie felbft unb in 
erfter Cinie als treue Diener ber Kunft ernflhaft beteiligt. 

<£s mar noch eine befcheibene ZHuftFausübung, an ber man ftch unter 3°Ki 
EDilhelm (Ernft erfreute. 

Der #irft hielt fidj eine fleine Kammermufrf, burchreifenben Pirtuofen gab 
man (Gelegenheit, ihre Künfte 5 U jeigen, eine harmonicmufif in ber Befetjung, mic ftc 
bamals üblich mar — ©boen, hörnet unb ^agotte — mürjte bie DTahljeiten, mürbe 
auf 3agben mitgenommen unb pcrfchönte bie jahlreichen £}offeftlichFeiten. 

Huf eine höhere Stufe mürbe bie ITCufifausübung geftellt burch 3ofef IDenjel, ber 
1762 bie Hcgicrung übernahm. Diefer ^ürft mirb uns als eifriger Ciebhaber ber 
ConFunft, als rorjüglicher Klarier* unb Pioloncellofpieler gcfdjilbert, ber faft täglich 
mit feiner Kammermuftf mufoierte. Der EDuttfcb, auch größere EDerfe ausführen 
ju fönnen, führte jut (Erroeiterung ber Fleinen Schar t>on ZHuftfantcn. Durch fjin- 
5 ttjiehung tüchtiger Kräfte bilbete ftd? ein ©rchefter in ber ^ufammenfetjung, bie jur 
Husfübrung ber in ber bamaligen 3nftrumentalmufif geftellten Aufgaben erforberlich 
mar. Die ;Jürftliche fjoffapelle trat bamit ins Ccben. Kn ihrer Spifce ftanb ber 
ETTufiFbireFtor Hat ZEiartelli. 

(Ein (Ereignis für bie junge ZHufifftabt mürbe ber Befuch Ceopolb ZHojarts, ber 
auf ber Hücfreife r>on einer 5 meijährigen Künftlerfahrt mit feinen berühmten Kim 
bem EDolfgang unb Hnnerl im Hopember \766 an ber Donauquelle anfehrte. 3 U 
Donauefchingen traf bie Künftlerfamilie einen alten BeFannten, ber mohl ihren Befuch 
peranlafjt hatte# ben ^ürftl. Kammerbiener Sebaftian IDinter, ber 1764 aus Paris, 
„allmo er bei ben berühmten ZHofearb in Dienften ftanb", für bie regierenbe ^ürftin 
3ofefa, bie (Gemahlin 3°f e f EDenjels, nach Donauefgingen berufen morben mar. 

Den 3 molftägigen Kufenthalt ber ZHojarts fehilbert ber Pater in einem Briefe 
an feinen Sa^burger ;£reunb £)agenauer »om 10 . Hooember 1766: 

„EDir fanben bey ber Bnfunft in Bonauöfdjingen ben ßerrn ItTeisner, ber uns 3um 
IDagen hineinbemülfommnete, unb uns unb unferer Bagage aus bem IPagen bolf! Sr. Burdj* 
laudjt ber ^iirft empfiengen uns aufeerorbentUdj gnä&ig; mir batten nicht nötbig uns ju melben. 
ITtan ermartete uns fchon mit Begterbe, berr Uleisner ift 3euge baoon, unb iierr Halb ITiufic 
Birector Batb marteilt fam gleich uns 3U complimentieren, unb eimulaben. Kur3, mir maren 
12 . Häge ba. 9. (tage mar EHufic ron s Ubr abenbs bis 9. lthr; mir machten aüjcit etmas 
befonbers. EDäre bie Jähheit nicht fo meit oorgerüeft, fo mürben mir noch nicht losgefommen 
feyn. Ber ^ürft gab mit 24. louis b’or, unb iebem meiner Kinbcr einen biamantenen Bing; 
bie Rächer floffen ihm aus ben Bugen, ba mir uns beurlaubten, unb fur3 mir meinten alle 
beytn Bbjdjiebe; er bath mich tbm oft 3U febreiben, unb fo böcbft oergnügt unfer Bufep.tbalt 
mar, fo febr traurig mar unfer Ubfdjieb." 

Hach bem Parifer Perjeicbnis feiner 3 u i>cnbmerfc legte 6 er I ojäbrige EDolfgaug 
in Donauefchingen audi Proben feines Komponiftentalentes ab „in perf du ebenen Solos 
für bie Pioline unb bas Pioloncello, in (Gegenmatt bes dürften Fomponiert." 

©bmobl bie ZHojarts nicht mehr nach Donauefchingen Famen, beftanben perfön* 
liehe Bejahungen noch 20 3 a ^ r€ meiter. 


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\ 78 *{ fcbidt tteopolb IHojart burdi 6cii Kammerbiener IDinter, bcr bie mufifa- 
lifcbe Korrefponbenj bes dürften führte unb ein gebildeter unb gemanbter IHattn ge* 
ivefett fein muj§, fed's Sinfonien ttadi Donauefdjingen. Balb folgen drei Klarier* 
loderte IDolfgangs; glcidijeitig bietet 6er Pater fedis Klauierfonatcn an, „die itidit 
befannt, fottbern nur für uns gefebrieben find", .für die Konjerte erhielt er 20 fl. 
„fammt einer großen (ßarnitor Steinfd]nallcn nor 6en fj. IDolfgang IHojart in IDien 
als ein Pracfent ron 3bro Purcblaudit 6em dürften." Das „Praefent" machte 6em 
finblidien Sinne IDolfgangs die gröfjte 5 rei, ^ c / fofort fdjreibt er 6em Pater nadj 
Salzburg: „3di bitte febiden fte mir boeb die Schnallen, id? brenne uor Bcgierbe 
fte ju feben." 

3m Iluguft 1786 fcbidt IDolfgang felbft aus IDien 6em „Palet 6e «Ojambre" 
IDinter eine Cifte „t>on meinen ITeueften (Seburten, moraus Seine Durdjl. nur ju 
mählen belieben möchten". (Bleid}jeitig macht er 6cm dürften einen Eintrag: „6a 
S: D: ein (Drcbeftrc befifcett, fo fönnten Sochbiefelben eigenft nur für 3bren £)of ron 
mir gefefete Stüde befifecn, meldies nadi meiner geringen (Einfidit fetjr angenehm feyn 
mürbe. IDenn S: D: mir 6ic gnabe antljun trollten, mir eine geroiffe Hnjabl Sin* 
fonien, Quartetten, <£oncerten auf ncrfchiebenc inftrumenten, ober anbere Stüde nad) 
belieben bas 3 a br binbureb anjufdjaffen, unb eine beftimmte jährliche Belohnung bafür 
ausjufpred^cn, fo mürben S: D: gefdiminber unb richtiger bebient merben, unb ich, ba 
cs eine fidierc arbeit märe, ruhiger arbeiten". 

Pon ben jmölf „Heucftcn (Seburten" mürben fedis ausgemählt, ba bie anbern 
fdion ben IDeg nach Donaucfdiingett gefunben batten. IDolfgang fdiidt bie Bc- 
ftellung am 30. September ab unb läfjt feinem .freunbe IDinter, ben er in alter 
Unbänglicbfeit als „liebfter ^reunb; gcfellfchafter meiner 3 l, 9 ct, b" begrübt, bie Soff* 



rerjclcltnis feiner neuesten Werfe, bas HTefart J786 
nact? Pcnaucidfin^cu febiefte 


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uung laut werben, balb mieber fclbft nach Donauefcbingen fommen ju fönnen, „ 6 a 
ich nebft 6 cm oergrtügen ftc 3 U umarmen audj 6 ie gna 6 c f?ättc ihrem gnäbigften 
dürften meine aufroartung ju machen un 6 mich noch lebhafter 6 er Dielen gna 6 en, fo 
ich in meinen jüngern 3 a h rcn an ihrem £jofe genoffen, 3 U erinnern, welche ich in 
meinem leben nie uergeffen roerbe". <£s fam nicht mehr 6 aju. 

2 tbet wenn 6 ie perfönlidjen Bejiehungen 2 fto 5 arts 5 um $ürftenhofe auch auf* 
hörten, fo wirfte feine Kunft 6 och weiter. Das ganje Donaucfchinger ATuftfleben 
6 es 18. 3ah r huu6erts ift burchleuchtet oom ©enius 2 Tlo 3 atts. 3m Salon un 6 
Konjertfaal mar er 6 er beDor 3 ugte liebling. IDir werben feben, öa§ auch im Spiel- 
plan 6 es ^ürftl. f}oftheaters fein bramatifches IDetf bominierte. 

Auch biefer, ber bramatifdjen Kunft, mar unter 3°f e f IDensel eine bjeim- 
ftätte bereitet morben. Heigung 5 U thcatralifchcr Betätigung hatte 1773 su fleineren 
f 3 enifchen Aufführungen geführt, bie 3 uerft auf einem im ATuftffaal bes Schlöffe» 
aufgeftellten Pobium Dor fidi gingen, mit fpanifchen IDänben unb Teppichen an 
Stelle ber Kuliffen, fpäter auf einer an berfeiben Stelle aufgefcblagenen beweglichen 
Bühne ftattfanben. 3 n biefem Kähmen gingen burch bie f)ofgefeUf<haft unter (Ziehung 
barftellerifch begabter Ktitglieber ber Beamtenfchaft suerft pantomimifche Darftellungen, 
fog. „Kepräfentationen", bann auch fleinere, meift fran 3 Öfifcfye luftfpiele in Ssene 1 . 

Der Ausbau biefer Anfänge bramatifcher Darftellungen führte halb sur Ver¬ 
legung bes Chcaterdjcns in bie XDinterreitfcbule. £jier fpielte nun Don 1775— 8 ^ bie 
aus Angehörigen bes f?ofes, ber Beamten* unb Dienerfdjaft 3 ufamir.engefefete „Schau- 
fpiel-licbhaber-töefellfchaft". Da 3 mifchen mürben leiftungsfähige auswärtige Ch ca ter- 
untemehmen 3 U ©aftfpielen 3 ugelaffen. 

(Eine foldje, bie Gruppe bes Schaufpielers (ßrimmer, brachte 1778/79 eine 
Keihe ron Vaubeoilles unb Poffen mit Alufif auf bie Bühne. Darunter mar auch 
„ein mit ben artigften Vermietungen perfebenes, unb mit Dollfommener luftbarfeit 
angcfülltes, ertra wohl ausgearbeitetes Don bferrn non Kut 3 perfertigtes luft- unb 
Singfpiel, in Verfen unb brey Aufjügen genannt: Le diafole boiteux, ober Der 
hinfettbe Ceufel. Die ITCuftf ift Don bem berühmten f}errn fyrvben" Der „fjinfenbe 
Ceufel", auch //Heue frumme Ceufel", ift bie — beute petlorene — erfte muftfalifd* 
Bühnenfchöpfung 3°f c f £?aybns, mit ber er 1 75 f als 3 ü r, 9 bng in HHen erftmals 
ror eine größere (Dffentlidifeit getreten mar. 

1780 führte bie Scbaufpiel«liebbaber*< 8 cfeflf<haft bas bureb ATojarts mufifa- 
lifcbe (Einreibung uns noch befannte beroifche Drama pon ©cbler auf „Cbamos, 
König pon Aegypten". Die mufifalifebe Beifteuer 511 ber Donauefcfjinger Aufführung 
bes Dramas rührte pon bem AÜitglieb bet Scbaufpicl-liebbabcr-töefeüfchaft ftof- 
famtnererpebitor EDernbammer ber, ber fpäter noch mehrfach mit ©elegenbcits» 
Fompofttionen berportrat. 


1 5 l,r tEbeatergefdjicbte vergl. „(Sefcbicbte bes l?oftbeaters\ bearb. r. b. 2trcbic>- 

renpalt.*21btlg. r J9t> 


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\78\/S2 beachte 6er fy»ffcbaufpieler Bulla mit (einer (Truppe ©eorg Benbas 
XHelobramen „Ariabne auf Haros", „Alebea" un6 'Pygmalion" naef) Donau* 
efdjingen, jene be6eutfamen IDerFe ifjret ©attung, non 6enen IHojart, als er fie in 
2T?atmfyeim Fennen lernte, (o „furpreniert" mar, bafj er fte nadj (einem ^ugnis 
immer mit ftd) führte. 

1783 erlitt 6as Kunftleben 6er Keft6en$ einen ferneren Perluft burd) 6en Eob 
3o(ef IDenjels. Aber aud) 6er folgenbe ,$ürft, 3ofef ATaria BenebiFt, mar ein 
leibcnfcbaftlicher, (elb(tausüben6er Liebhaber 6er 2TtuftF, non 6em berichtet mir6, bajj 
er doch mäfjrenb (einer lebten KranFfjeit je6e fchmerjensfreie Stun6e am Klaviere 
jubrachte. 

Bal6 nad) 6em Hegierungsantritt 3<>W A7aria BenebiFts ging 6er fd)on lang 
gehegte allgemeine IDunfdj nad) Pergröferung 6er fjofbüljne in «Erfüllung. Das 
Bühnenhaus mürbe umgebaut, 6ie Sjene vergrößert unb mit allen mafdjinellen Ein* 
riddungen verfetten, 6ie beForative Ausftattung mürbe erneuert unb vermehrt. Das 
neue Cfjeater mürbe Enbe 178^ burd) bie Ojeaterfreunbe, an beren Spiße bie junge 
#irftin ATaria Antonia trat, bie auch bie Darftellung ber meiblidjen Hauptrollen 
übernahm, eingemeiht mit bem Hitterfdjaufpiel „5u(t non Stromberg" non 3 a fob 
2T?aier, Hofgericbtsrat in Alannbeim. 

Der allgemeine mächtige Auffdiroung bes ©eifteslebens in Deutfcfjlanb nad) 
bem großen Erleben bes fiebenjährigen Krieges hätte auch ben Huf nad) einer 
nationalen ©per micber fräftiger metben laffen. Das PolF mar ber verFünftelten 
italienifdien Arie mübe, man mollte (eine ATutterfpracbc auf bem Eljeater hören. 
Als 3°h a nn Abam filier in ben 60iger 3ah r «n harmlos-anmutige bcutfdje PolFs- 
ftflefe mit (d)lid)ten, volFstümlid)en ATelobien jiertc, hätten biefe erften beutfdjen Sing* 
(piele außerorbentlid)cn Erfolg. Komponiften mie Bcnba, Sdjmeifeer, Anbre, Beet* 
hovens Lehrer Heefe folgten £)«hers Spuren. Aud) auf ©oetl)e hatten biefe 
„©peretten" Einfluß („Ermin unb Elmire", „Elaubine non Pillabella", „3ery unb 
Bätely"). 

1784/85 fam bie leichte unb gefunbe Koft bes beutfehen Singfpiels nad) Donau* 
efebittgen. 2T?it EntjücFen mürben h'er, mo man immer beutfdj fühlte, aufgenom* 
men: f^illcrs 'Liebe auf bem Lanbe", „Lottd)cn am Hofe", „ErntcFranj" unb ©oetf)c* 
Anbres „Ermin unb Elmire" (leideres Singfpiel mürbe im felben Ehcaterjahr aud) 
mit ben Liebeittlagen von Schmeifeer gegeben). 

1785 Fommt aud) bie natürliche aus bem Singfpiel ermachfcne erflc beutfdte 
Hational*©per, Alojarts „Entführung aus bem Serail", auf bie Donauefdjinger 
Bühitfe Sie fanb fo großen Beifall, baß fte in ber ^olgc immer micber gegeben, 
Sur mylftgcfpiclten ©per mürbe. 3m näd)ften 3ahre begegnen mir ZHojart mieber in 
„^iyaros Hod^eit", 1791 folgte bes Aleifters „Eoft fan tutte" als „Schule ber Lieb¬ 
haber", )795 bie „^aubcrflötc" (bie Aufführung von „Don 3 l, an" unb „Eitus" 
blieb ber streiten Blütezeit bes ^ürftl. Hoftheaters Vorbehalten). 


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Ber eigentliche ^ortfe^er bes fyllerfdicn Cieöerfpicls trar Bitters non Bitters* 
borf, ber, feie CffePte 6 er italienifchen Oper, bie €rrungenfd)aften ihrer meitauslaben- 
ben finales mit 6 er einfachen Ciebform 6 es beutfchen Singfpiels t>erbin 6 en 6 , 6 ie ^orm 
6 iefer ©attung jur Fomifdjen ©per meiter entmidelte. 

Bitters 6 orfs Föftlidjer „BoFtor un 6 ApotheFer" titelt noch im 3ahre 6 er tDiener 
Crftaufführung ( 1786 ) feinen bejubelten Cinjug im ^ürftlichen ATufentempel. 3mmer 
mieber in 6 en nächften 3ahren erfcheint 6 iefe ©per auf 6 em Spielplan mit besfelben 
Komponiften „Ciebe im Harrenhaus", 'Hieronymus Krticfer", „Ber Schiffspatron", 
„Bas rote Häppchen", „betrug 6 urch Aberglauben". Don ber benor 3 ugten Stellung 
Bittersborffcher Blufft auch im Konjertfaal fprechen bie sahireich erhaltenen hanb* 
fdmftlidien Sinfonien, beren befonbere Beliebtheit bei Sereniffimus burch häufige Blei* 
ftiftnermerPe bejeugt mirb: „Seren. Blenuctte fanorite", „Bella, bella, foperba" u. ä. 

Cin großes „Blelobrama mit neuen Dersierungen / Poftümmäfjiger Kleibungs- 
tracht / unb trefflicher Blufft begleitet / mit Pantomimen / FaraFteriftifdjen Cänsett 
unb Chören uermifcht", „3no unb Athamas" non 3 - 5 r - Aeicharbt ergöht 1787 
bie Sufd?auer; XDrani^fys „©beron, König ber Clfen" geht mit feinem Sauber* 
fpuf über bie Bretter. 

Auch bemf Ballet öffnen ftch bie Core. Cs ift befonbers bie längere S e <t 
gaftierenbe Cheatergefcllfchaft Kobermein, bie mit biefem Kunftjmeig bie Sdjauluft 
befriebigt. Bie harmlofe, gefällige Blufft 3 U ben non biefer Cruppe jahlreidj, ge* 
möhnlich als Anhängfel an ©pem, gegebenen pantomimifchen Ballets, rührte t>on 
ihrem 2 T 2 itglieb Horfdjelbt h er - 

Cin befonbers bemerFensmertcs Creignis ift bie Aufführung einer ber fonft 
mettig übet? ihren Cntftchungsort Cfterhaj hmausgelommenew Bühnenfchöpfungcn 
3ofef H a Y&Ns: „Ber Kitter Kolanb. Cine h e roifch*Fomifche ©per in brey Auf* 
jügen. Blufft non H crrn 3 0 f c bh HuY^n. 3 n Blannhcim. Aus bem 3 laliänifchen 
überfefet". Don biefer ©per, bie jerftmals 1793 3 ur Barftellung Farn unb ba, mie auch 
bei miebcrholten fpäteren Aufführungen großen Beifall fanb, mürbe in Bonau* 
efchingen auch ein Certbuch gebrudt. 

Bem ^citgcf<d?macf entfprechenb mürbe neben ber beutfehen, ftch eben erft burdi* 
fefeenben ©per audi bie auslänbifche, bie fran3öftfche unb italienifche BühncnFunft 
gepflegt. 

Bie Crmeiterung bes ©pernrepertoirs hatte auch cine Dergröfjerung ber 
Fapelle unb bes ©efangsperfonals mit fid? gebracht. 1786 mürben für bie männ¬ 
lichen Hauptrollen 3 mci Berufsfänger eingeflellt, bie „Kammerfänger" tDalter unb 
EPeif?. Bas ©rd:efter erfuhr eine mefentliche Dcrmehrung. Don befonberer Be* 
bcutung mürbe bie Berufung bes KapcUmeifters t>on Hampeln 3 um BireFtor ber 
HofmuftF. 

Karl 3ofef tvn Hampeln hatte in feiner ©eburtsflabt Blannhcim feine muftFa* 
lifche Crjiebung genoffen. Als 3ü'tgling fdion gehörte er ber Hiünchcner H°fFapelle 
in geachteter Stellung an. Blit 24 labreu Farn er nach Bottauefchingen, bas 


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— 89 — 


15 3^rc lang feine IDirPungsftättc als „KTufiPintenbant" unb ^ürftlidjer Kat" 
mürbe. 1805, ging er an Öen Lfof nach ffednugen, t?on bort 18 1 ^ als Königl. DTuftP* 
bireftor nach Stuttgart, mo er 183^ ftarb. 

bjampeln urar ein 2Tiann non fyofyer mufiPalifcher Kügetneinbilbung, ein gc- 
fchätjter Pirtuofe auf bet Piolinc; „fein Spiel mar fertig unb gefchmacfpoll; er batte 
einen fräftigen unb habet angenehmen .£on, einen fieberen Bogcnftrich unb einen 
runben, reinen unb beutlidjen Portrag; befonbers gefdjäfet mar er als Quartettfpieler, 
unb mirPlidj mag auch fein Portrag ber Quartette non ZHosart unb ffaybn bas 
IHeiftc ju feinem Kuf beigetragen haben", trampeln betätigte ftdj auch Pompofi* 
torifch, hauptfächlich für bie ©eige. Durch ben Drucf befannt geroorben ift ein 
Piolinfon 3 ert in (£s*bur unb eine fonjertterenbc Sinfonie für 4 Piolinen mit ®r* 
cbefter. 1796 erfdjicn er als BühnenPomponift auf bem jürftl. ffoftheater mit ber 
Blufft 3 u einer 3byUe non Kuffenberg „Das ©lücf länblicber €iebc", 1801 mit 
einem Singfpiel „Das IDieberfehen". 3n feine Donauefchinger <5eit fällt auch feine 
Percbelichung mit ber Mochtet bes als fjauptoertrcter ber „Blannbeimer-Schulc" 
mufifgefchichtlich roichtigen 3 s na 3 P?ol 5 bauer. 

Hach bem „f}o<hfürftlid]-5ürftenbergifchen Staats* unb Kbreffefalenber" oon 
1790 beftanb bie £)offapellc aus 22 Blitgliebcrn. Dem „BlufiPintenbanten" ftanben 
3 ur Seite ber „Direftor" tt)en 3 el Hörblinger unb ber „Klaoiermeifter" Sirt, ber bie 
(Dpernproben, bie gemöhnlich nachmittags im Kabinette ber $iirftin abgehalten mür¬ 
ben, nom ^lügel aus birigierte. 

3°hann Knbreas Sirt, gebürtig aus ©eiflingcn, mar non tüien, mo er 
non 2 TTo 3 art 3 « Kompofttion ermuntert fein foU, nach Donauefdjingen gefommen. 
10 3ahr« etma mirPte er bkt unb ging bann als DTünfterorganift nach Strafburg, 
mo er 3 U hohem Knfehen gelangte. <£r mirb als „einer ber trefflichftenf ®rgel- 
fpielcr 5 r anPrcichs unb Dcutfdhmbs" gerühmt. 

<£s ift bas Pcrbienft <£ri<h ^ifchers, erftmals auf bie Bebeuttuig Sirts für bas 
beutfcbe €ieb im 18. 3ah*h- hingeroiefen 3 U hoben (im „Cürmer", 1915, £)eft 17). 
Sirts Kunft fanb 3 mar bei feinen ^eitgenoffen nicht immer Perftänbnis unb Ciebe: 
„feine in beftänbigen chromatifchcn ©ängen unb gefchärften Porfcfjlägen gefuchten 
Bharrerien machen feine Krbeit mibrig" (©erber, CeriP. b. ConP., 1814). 5ür uns 
befteht bie Bebcutung biefes nergeffenen Komponiften in feinem Beftreben, bie Stim¬ 
mung eines ©ebichtes muftPalifch oöllig aus 3 ufchöpfen, mo 3 u ihm alle melobifchen 
unb hormonifchen Btittel helfen müffen. 

Bis Blitglieb ber ffofPapeüe, als Pioloncellift, mirb auch ber „Kompoftteur" 
3°fef ^iala ermähnt, ^iala, geb. \ 75 1 3 U Codjroif (Böhmen), mar am Sals- 
burger unb IDallerfteiner fjofe tätig unb machte battrt ausgebcbnte Kunftreifen, bis 
er 1777 mieber eitle fefte Knftellung in ber fjoffapelle in IHiinchen annahm. Dort 
lernte ihn als Cottfchöpfer Blo^art fchäfen, ber ihm bas Zeugnis ausftellte: „er hol 
fehr gute gebanPen". Blojart mar es auch, ber 1786 ben Stelluttgslofen 3 U fich 
nahm unb ftch allerorten für ihn rermenbcte, „um ihm Brob 311 perfchaffen". 


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$iala mar ein ausgeseidineter Dirtuofe auf bet ®boe unb bem Dioloncello. 
Huch mirb er ber' befte lebenbe ©ambift genannt. Er fdjeint Enbe bet 90 iger 3afjre 
nad? Donauefdjingen geFommen ju fein, mo er fein Ceben I 8 f 6 befdjlof. rDar 

ein beadjtensmertes fcböpferifches Ealent, beffen ^djreibroeife ftdj non ber Flachheit 
ber bamaligen Durcbfcbnittsliteratur burdj felbftänbige Haltung unb gebiegene, immer 
intereffante Arbeit vorteilhaft ausjeidjnet. Don feinen IDerfen fmb in ber #irftl. 
fjofbibliotbeF heute nod? erbalten: 23 Divertimenti für Bläfer, t Konjert für Diolon* 
ccllo, 6 Sinfonien, 2 Klavierfonaten unb eine bem dürften Karl 3oacbim gemibmete 
„ßocbfeverlidje HTeffe". 

Had? jeitgenöfftfdjen Quellen ftanb bamals auch 5ranj Heubauer in fürftlicben 
Dicnften (aus ben Elften läfjt ftdj feine ^jugebörigfeit jur fjoffapclle jmat nicht nach* 
mcifen, boeb ift aus bem Dorbanbenfein feiner Kompofitionen unter ben fjoffapcll- 
mufiFalien aus jener 5«it eine perfönlidje Berührung mit Donauefchingen anjunebmen). 
Heubauer hätte Bebeutcnbcs leiften Fönnen. Seine IDerfe 5 eigen eine aufjergemöbn* 
liebe Begabung, bie aber nicht ju forgfältiger, ausgereifter Arbeit Farn. Sein un* 
fletcs Bobemeleben brachte ihn fchon 1795 ins <5rab, „ba ihm ber Hebenfaft fchott 
nicht mehr genügte, unb er in beffen Erfafemann, bem Branntroein, ben böchftcn 
<ßcttufj fanb". 

Don fonftigen Donauefdjinger HTufiFern fei rnegen feiner Dcrbienftc um bie 
KirchenmufiF noch ber Hluftfpräjcptor unb Dioloncellift Kefcr genannt. 

3 m Honjertfaal mürbe hauptfädjlidj bie fübbeutfebe finfonifebe unb fammer* 
muftFalifcbe Citeratur gepflegt. Heben ben ©rofmeiftern £)avbn unb HTojart unb 
Fleineren (Beiftcm mie Dittersborf, (ßoffec, Hofetti fpielte man bie „HTannheimer", 
bie Dertreter ber IDieitci-Sdnilc unb bann alle jene unjäbligen Sinfonienfdjteibcr, 
bie heute rergeffen fittb, bie im HTuftFleben ihrer ^cit aber eine bebeutenbe Holle 
fpiclten. 

Dergcgcnmärtigt man ftdj beit ^eitpunft, ju meldjem bie 3ufttumental* unb* 
BiibncnFunft jener «Epoche nach Donauefcbingen gelangte, fo mufj es auffallen, mie 
rafdt bie neueflen «Erjeugniffe in biefcs bodj abgelegene Stäbtdjen Famen. Eine Er* 
Flärung liegt in ben Be 3 icbungen ber ^ürftenberger jur ausmärtigen muftFalifcbcn 3u* 
tclligenj unb 5 U ben führettben HluftF^entren. Dornebmlidj ju Htannbeim, bas in 
jener (3 c it bie bebeutenbfte Kultftätte für 3uftrumentalmuftF unb Ebcater mar, unb 
mohitt 1792 bie .fiirftin Hlaria Hntonia bie befchmerliche fahrt nicht 
gefdjeut batte, um fich vom neueften Stanb ber EbeatcrFunft pcrfönlich ein Bilb ju 
machen. 

Der £j°f unterhielt bauernbe Beziehungen mit ben HTuftFvcrlegcttt. ®ft lieft 
man ftch bie neueften Sdjöpf ungen von ben Komponiften felbft Fommeit. So fchidt 
5 . B. holjbauer 1780 aus Hlannbeim von eigenen IDerFen für ben Erbprinzen 3°fef 
HTaria BenebiFt eine Sjene für Sopran, Hrie ober Honbo für Sopran, jmei Klavier* 
Fonjerte, fünf Quintette unb eine Sonate mit Dioline ober .flöte. Don HTojart 
haben mir fdvn ermähnt, baf; er neue Komrofttionen frifch von ber feber meg nah 


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- 91 


Douauefgingen fanbte. Auch pon 3°f c f unb 2THdjael £)aybn fuchte man bas Heuefte 
bireft 5 U bejie^en. 3 n einem Brief an Sebaftian XDinter pom 3 a h rc 1785 per* 
fpridjt ZtTidjael f)aybn neue Köderte unb gibt bie ^iiftdycrung, „wenn pom IDiener 
fjeyben, ober pon mir etwas ans Caglidjt fommen folte: Denfelben biefes halb mög* 
lief? mitäutljciten. IDas aber meinerfeits, wegen meinem Alter nicht 5 U troffen ift, 
benn bie Saufbahn ift pollenbet". 

3n ©rauer würben bie Ponauefchinger Kunftfreunbe \7 96 perfekt burdj beit 
©ob bes dürften 3ofef 2Ttaria Benebift. Aber auch ber Hachfolger, Karl 3<>acbim, 
fdjenfte ben fünftlerifchen Begebungen feine Teilnahme unb Unterftiitjung. Als bettf* 
würbigftes ©reignis jener ^it ift bie wohl erfte reidjsbeutfche Aufführung pon 3°f e f 
ßaybns „Schöpfung" unter Ulitwirfung pon Sängern aus f)üfingen am 20. April 
1800 3 U perjeichnen. 

Heu auf bie Bühne famen um bie 3ahrf?unbertwenbe: 3°hann Anbres ©per 
„Per ©öpfer ober Pie fanftc 5tau", IDen^el ATüUers Sieber* unb ^aubcrfpiele ; „Pas 
neue Sonntagsfinb", „Kafperl, ber ^agottift ober Pie ^auberjither" unb „Pas Sonnen* 
feft bes Brahminen"; pon ^erb. Paer pier Bühnenwerfe: „Pie ©änserin aus Siebe", 
„Camilla", „©inepra Amieri" unb „Pie Käuberhöhle". 

3m allgemeinen war jene ^eit ben IHufen nicht günftig. Pie unftcheren politi- 
fchen Perhältniffe brachten es mit ftch, baf im erften 3 a h r 5*h ,, t bes neuen 3 a h r ‘ 
bunberts, befonbers als 1805 f?ampeln ging, bas Kunftleben langfam abftarb. Pie 
Chcateraufführungen befchränften fich t?auptfä<iylich auf Porftellungen an ©ebenf* unb 
^efttagen bes ßofes. Pon 1812—1817 war ber ZHufeniempel gefchloffen. 

©ine neue Blütezeit brach au, als Karl ©gon II., ein ^ürft pon hohen ©eiftes* 
gaben, 1817 bie fferrfdxtft übernahm. Als Ceiter feiner f}ofmufif berief er ben 
bamals f<hon in weiten Kreifen befanitten Sieberfänger unb ©pernfomponiften Kon* 
rabin Kreuzer. Kreuzer, 1780 in ber eine halbe Stunbe IPeges pon ZHeftFircb ge¬ 
legenen ©almüble, einem ^ürftenbergifchen ©rblehen, geboren, hatte 1812 in Stuttgart 
feine erfte Anftcllung als Kgl. IDürttenbergifcher bjoffapellmeifter gefunben. 1817 
berief ihn ^ürft Karl ©gon 3 ut Seitung feiner Kapelle nach Ponauefchingett. Por 
Antritt feines neuen Amtes würbe ihm pom dürften ein ausgebeljnter Urlaub 511 r 
Aufführung feiner neueften ©per „©reftes" unb 3 U einer Kunftreife gewährt. Sein 
©in 3 ug in Ponauefchingen perjögerte fich bis 3 um 20 . September 1818, nadjbem 
er pon Augsburg aus noch ©rillparjer um ein ©pernlibretto gebeten hatte, „bafj 
ich mich ben IPinter hinburch in meinem einfamen Ponauefchingen bamit unb ftets 
mit 3hucn im ©ciftc befchäftigen fönnte." Per „in ©rwägung ber ausgezeichneten 
muftfalifchen Kenntniffe unb ber Portrefflichfeit ber ©ompofitionen" mit 1500 fl. 
unb mancherlei Pergünfügungen angeflcllte hjoffapellmeifter fanb bei feiner erften unb 
rornehmften Aufgabe, ber Heorganifation ber f}offapelle, weitreichenbe Unterftüfeung 
burch feinen fürftlichen ©önner. ©rchefter* unb Sängerperfonal erfuhren eine wefent- 
lichc Permchrung. <3um Ausbau ber Kapelle burfte fich Kreufcer tüchtige ZHufifcr 


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- 92 



HottraHn Krcuticr 

(aus b. 5 5 - ^oftbcatrrs , ‘) 


aus feinem früheren XDirfuncssfreis in Stuttgart berbeijieben. So rrar bal6 uneber 
eine Iciftungsfäbige Körperfdjaft gebilbct. 

Uber feine CEäticjfeit unb bie <5ufammettfefeung bcs ©rd?efters gibt Kreufccr 
in einem Briefe an einen Berliner $vcmb vom 5. Pc3cmber \81.9 ein anfcbaulicbes 
Bilb: 

„Seit meiner Biicffehr aus ber Schmei3 rom [ 5 . September fyibe ich immer mit ber <Dx> 
aonifation bes ^ürftl. 0rchejtcrs 3U tun, bas nun aber fomeit 3U meiner ^reube gebieben ift, 
ba& mir am 4. Booember, als bem Namenstag unfcres liebensmiirbigen dürften, eine 0perette 

— Pie 2Upent}iitte t>on meiner Kompofition — auf bem hefigen nieblichen fjof-CEbeater auf¬ 
führen Fonnten, unb 3mar mit folch glän3enbem Erfolg, bafe ich nur münfchte, meine lieben 
^reunbe in ber großen IDelt ron Berlin unb IPien hätten folgern beygemobnt. — 

Seit bem haben tpir nun jebe IDoche ein großes Ködert bey fjofe, mas mir oiel oergnügen, 
aber noch ftets Diel Arbeit oerurfacht — 

IDeil ich meifc, mie fehr Sie fich für mich intereffieren, fo mill ich 3 ^nen in Küw eine 
Fleine Beitreibung unferes 0 rcbefters machen. — Pas gan3e befteht bis jet)t nur in 28 IHii* 
gliebern, morunter 8 Dirtuofen — als ber Diolinift fjerr IPaffermann (Schüler Spohrs) 

— I. ^lötift, ber berühmte £?err Keller — £larinettift, £?err KlofterFnecht — 
I. l^ornift, fjerr Blechfchmibt — Piolonceüift, fjerr tP e i fr — 0boift, XPöbrle 


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- 93 - 


— ^agottift, Kofinaf unh meine tDenigfeit als Direftor — |6 Secunbarii unb Bipieniften 
unb pier DiUetanten mitfpielen, worunter ber §err prefibent (S r a f pon <En3enberg 
beym 2. Pioloncell — unb ber ©ber Jägermeister Baron pon IDergau bey ber 
i. Dioiine fef^r gute Dienfte tun, unb 3um Knfehen unb (Slorie bes ©rchefters in ben Bugen 
ber billigen — Spießbürger — nicht menig beytragenl — 

Sie feben alfo hinaus, unfere Sache bat ein gan3 nobles Busfehen — <$rembe bie hier 
burchreifen, unb unfere Köderte befucben, finb über bie p r ä 3 i f i 0 n unb ben großen 
<£ffeft biefes f leinen ©rchefters gan3 erftaunt! unb ich habe gute Hoffnung, baß ich fclber 
binnen einem Jahre mit ber (Ejefution pollfommen 3ufrieben feyn merbe, meil bie ITCitglveber 
alle pon großem (Eifer unb ^reube an ber K u n ft befeelt; finb, unb ber Hebens- 
miirbige ^ürft alles tut, um fie bureb Belobung unb Belohnungen noch mehr an3ueifern! — 

(Es rneht alfo in biefem fleinen ©rchefter ein (Seift — unb ein (Seift, ber leiber faft allen, 
menn nicht gar allen großen ©rcheftern mangelt, moran frcylich perfchiebene Derbältniffe 
fchulb finbl — Sie tuerben mir nun mohl glauben, baß ich mich recht angenehm hier befinbe 

— unb fo 3U fagen, riecht in ber IHufifa fchmimme! 

Kleine Herren Pirtuofen finb herrliche IHenfchen unb (Sefellfchafter, befonbers fjerr Keller, 
tDaffermann unb Blechfchmibt — unb aüe IHitglieber perbienen bas £ob gefälliger, gefitteter 
Hlenfchen, mas mieberum feine fleine Seltenheit ift — unb morauf ber ^ürft befonbers Hü cf ficht 
3U nehmen mir anbefahl! — Bun ftubieren mir bie Schme^erfamilie! bann bie 2 IDorte, ober 
bie Bacht im tDalbe — auch mit tttufif pon mir! — 

Wer fingt benn, merben fie fagen? — mir haben pier Kammerfänger, ohne etmelche 
brape DiUetanten — morunter ein gan3 portreff lieber (Eenorift unb Baffift ift, — als j. Sängerin 
haben mir inbeffen Jhre Durchlaucht bie junge ^ürftin felber, bie nebft ihrer herrlichen PoUen 
Stimme ein mahres Dlufiftalent befitjt!* 

2tuger 6er in öiefem Briefe ermähnten Kreu£er’fd>en ©per „Die 2llpenbütte" 
truröen in Öen folgenöen 3al)ren nodj iwci weitere Bü^nenmerfe Kreufeers aufgefüfjrt, 
„Die 3 mei IDorte oöer Die Hacbt im IPalöe" (J820) unö „2Iefop in £vöien" U820- 
3n einem fjofFonjert am Hopember J820 Farn aud) eine Sjenc aus feinen „Sieber 
unb (Befänge aus (Boethes Fauft" jur Kuffüljrung, n>obei ber Fürft ben cinleitenben 
IRonolog portrug, mährenb bie ^ürftin in bem aus bem Cheaterfängerpcrfonal unb 
ber f)ofgefellfchaft 3ufammengefcßten Chor mitmirFte. 

Kreußers Stellung als Fürftenbergifcber ^offapellmeifter bot bes künftigen piel. 
Cr batte ein bebeutenbes (Bemalt, für Kunftrcifen mar ibm ein jährlicher Urlaub t>on 
2—3 ZTConaten gemäbrt, bet ^iirft unb bie ^ürftirt (Kmalie, geb. ptinjeffm pon 
Baben) jeidjneten ibn in jeber IDcife aus, in feiner jungen Che führte ber Künftler ein 
trauliches Familienleben. IDir perbanFen jener <Jeit eine Heihe feiner glücFlicbften (Ein¬ 
gebungen. Kußer bem für bie 2Ttilber-f}auptmann gefdiriebenen ZHonobrama „Cor* 
belia" flammen aus jenen Cagen bie fdjon ermähnten Fauftfjenen, bas großartige 
Ce beum, eine adjtftimmige 2Ueffe für UTännerftimmen, ficben für fjoffeftc Fomponierte 
Kantaten in perfdiiebener Befcßung, bas Septett — mobl bie rcifftc feiner Kammer- 
mufiFfdjöpfungen —, ein Quartett für Klarinette, Biolitte, Piola, unb Cello, jahlreicbc 
Sieber unb Chöre. 

Croß aller KnnebmlidiFeiten, bie Kreußer in Ponauef dringen genoß, fühlte er, 
ber uorher in Stuttgart in bebeutenb größeren Derbältniffen gelebt batte, fid? auf 
bie Dauer pon feinem IDirFungsFreis nidit befriebigt. Sein Fünftlerifdvr Cbrgeij, ge* 


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- !H 


näf)rt 6 urdj grogc (Erfolge auf häufi¬ 
gen ttunftreifen, trat in ein KTijjper- 
hältnis jur «Enge feiner Donaucfcbingcr 
Umtpelt. 211s ftd? ihm 1 82 \ 6 ie Stelle 
eines Kapellmeifters am Kärntncrtor^ 
Chcater, feem pornehmften Uunft- 
inftitut IDiens, bot, trat er aus ^ürftl. 
Dienften. 

Hodj 5 toeimal fam er fpäter an 
Me Donauquelle. 1827 fohlte er auf 
6 er Keife nadj.paris in Donaucfcbingcn 
an, trug auf 6 cm Ulapier ^antaften 
por un 6 fang feine f}übfd?en £ie 6 cr. 
Sein letzter Befudj fällt in 6 as 3 a h r 
18^, in 6 ic < 3 cit, als er, ge 6 riicft 
pon materiellen Sorgen, in Deutfcblan 6 
pergebens eine Stätte fud?te, 6 ie ihm 
eine 6 auern 6 e Knftellung geboten hätte. 

Kreuzers Erbe trat 3°hann IPcnjel Kallitpoba an. 

3obcmn IPcnjcl Kallitpoba tpar f 80 f in Prag geboren, ftubierte am 6 ortigen 
Konferpatorium un 6 uur 6 c fdjon in jungen 3abrcn etls Piolinift ein gefcbätjtes 2Tiit* 
glie 6 6 cs Prager Ebeaterordieftcrs. (ßclegentlidi einer Künftlerfabrt nadi ZTUindien im 
Jab re 1822, bei 6 er er 6 urdi fein trefflidies ©eigenfpiel Zluffehcit erregte, Fam er 
aud? nach Donaucfcbingcn, irohl um feinen Bru 6 cr, Habinetts*Eype 6 itor beim dürften, 
511 befudeu. Diefer Bcfud> führte jur Übernahme 6 er Hadjfolgerfdiaft Koitra 6 in 
Krcufeers. 

Der erft 21 jährige JjofFapellmeifter trat am 19- Bejctnbcr 1822 feinen Poften 
an. Durch raftlofc Zlrbcit batte er 6 as 6 urdi 6 ic ausgc 6 ebnten Urlaubsreifen feines 
Porgängcrs in 6 en lebten 3abren ficbtlich erlahmte CDrcbefter bal 6 tpie 6 er auf 6 er fjcbc. 
Zltn 26. Januar 1824 ftan 6 Kallitpoba als Dirigent jum erftenmal por 6 er Kampe 
6 er jücftt. bjofbühne. Eberubiitis „IDafferträger" nuir 6 e gegeben mit 6 er PcrFör* 
perung 6 er Konftanje 6 urdi Kallitpobas junge ^’rau Ebcrefc geb. Brunetti, einer por- 
jiiglicben Sängerin, 6 ic einit bei E. 2T(. pon IPcbcr ihren erften Klapier unter ridit 
genoffen batte. Zlls näcbftc Heubeit brachte Kallitco 6 a ZTIojarts „Don 3 u an", 6 em 
1825 „Eitus" folgte. 1826 Fam Koffini mit 6 er „Dicbifdjen Elfter" 511 IPort, im 
näcbften 3abre audi mit feinem ZtlciftcnpcrF, 6 cm „Barbier pon Sepilla". Daneben 
erfdjicnen Ulcbuls „Bei 6 e ^ikbfe" un 6 paers „Sargines". 3 ' 1 fielen StiicFcn ipirFte 
6 as ^ürftenpaar aFtip mit. 

1827 lernten 6 ie Donaucfdünger ihren fjofFapcllmciftcr auch als BübncnFompo» 
niften Fennen in 6 er ZTUifiF 511 „Die Ku 6 icn 3 , ein allegorifcbcs CDriginab^efffpicl für 6 en 
Zccujabrstag pon <5. fjarrvs". 1828 folgte feine grcfjc (Dpcr „Prinjefftn Ebriftiuc 



3 ehann 2t>cn»cl KaUitr^a 

(aus „<£cfd\ fc. 5. fy)ftt}caters') 


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95 — 


non IDoIfenburg". Hur einmal noefy betrat fpäter feine ITCufe bie Bretter, in bem 
launigen ^aftnacbtsftüd „BiUibambuffs £)odjjeitsreife jum ©rfus unb ©lymp", 
bei bem fidj ber mufifalifdje Hutor unter bem Pfeubonym „Sdjnecfenfinger" oerbarg. 

Unter Kalliroobas Ceitung gelangte in ber ^olgejeit fo jiemiidi bie ganje 
bebeutenbere Biibnenprobuftion in Bonauefdnngen jur IDiebergabe. 

Uucb bem Konsertfaal famen feine Birigententugenben, famen feine tatfräflige 
(Energie, feine umfaffenbe mufifalifebe Bilbung jugute. Burcfy Kallhoobas Ver¬ 
mittlung mürben ben UTufiffreunbcn bie UTeiftermerfe ber flafftfdjen Citeratur, 
tuic auch bas Befte ber Probuftion ber ^eit befannt. ©ft erfreute Kallituoba 
bie (^ufyörerfcbaft auch bureb fein uortrefflicbes ©cigenfpicl. 

Bas ©rebefter ftanb auf bemerfensmerter bjöfye. Burdj öftere Kunftreifcn 
ber tücbtigften Hlitglieber, worunter ber ausgejeiebnete (ßeiger IPaffermann, ber 
^lötift Karl Keller, einer ber beften beutfeben Vertreter feines 3 nftrumentes, ber 
ron lüien gefommeite uorjüglidie Violoncellift Seopolb Böfynt, fjatte bie ^ürftücbe 
bjoffapelle fidj aud? auswärts einen tjocbgeadjteten Hamen errungen. 

Ber Huf Bonauefcbingens als Utufifftabt 50 g bie beften ber Iebenben Vir* 
tiiofen an bie Bonauquelle. (Ein befonberes «Ereignis bilbete ber Befucfy ^ranj 
Cifjts, ber int Hoocmber \ 8^3 auf ber ^atjrt ron £)edjingen nadj Karlsruhe 
einige Cage in Bonauefdnngen anfetjrte. £ifjt birigiertc im Ojeater einige eigene 
Stücfe unb perfekte bureb fein Klaoierfpiel feine ^u^drer in «Entjücfen, bas beit 
böcbften ©rab erreichte bei bem Vortrag uon Schuberts „(Erlfönig". „Bas lebte 


(ente S«iic eilte* Hsbcr unrcrcffcntlicbtcn „CäitMcv*“ ron 

184'; in Vcmauefcbimten für Die ffürfttii Hnutlie fompenierr 



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- 9 <> - 


Stücf, bas er fyier portrug", notiert bie ^ürftin 
Kmalie in itjrem Hagebuche, „mar bas Kne 
2 Uaria, roas alles 3 U «Ojränen rührte unb ihn 
fclbft fo ergriff, bag er fich einen Kugcnblicf 
entfernen mufjte." 

Purch bie jaljlrcid^en Keifen, bic Kallitpoba 
mit llnterftüfcung feines fürftl. (Bonners machen 
fonnte, nod? mehr burd> fein Fompofitorifchcs 
Schaffen mar fein Harne tpeit über feinen IPir* 
fungsfreis hinaus befamtt getporben. 21Tit Dielen 
füljrenben 2 TTuftfern rerbanben ihn pcrfönlidje 
Bejieljungen. €r genojj bie ^reunbfdjaft unb 
liochfcbäfeung eines <Z. 211. Don lUcber, ber IPieFs, 
eines Spotjr, HTenbelsfoljn unb Schumann. 
Pie angefcfyenften llluftfinftitutc (Ccipjig, Köln, 
Prag, HTannljeim, Peffau) bemühten ftch, if^n 
511 gewinnen. <£r blieb feinem dürften unb 
bem liebgetponnenen Ponauefdjingcn treu. 

Kalliwobas ungemein leidrte ^cber brad^te 
cs bis Jur ®pu$ 5 aljl 2 +<h Paju Fomrncn etwa 
50 Kompofttionen ohne (Dpusjafyl unb jaljlrcid^e l?anbfchriftlid?e IPerFc, bie 
l?cute mit feinem gatt 5 en Schaffen in ber fürftl. ftofbibliotbcF ruhen. Heben fteben 
Sinfonien — Kobert Schumann fpriebt mit Begeiferung uon ihnen —, 19 (Dupertürcn, 
5 ahlreidjen Kirche nFompofitioneu — barunter fein picllckht bebeutenbftes IPerF, bic 
jur Silberhodrjcit bes dürften Karl Pgen II. 18+3 Fomponierte ZHeffc in 2I-bur 
op. 137 — fiitbcn ftdi barunter ettpa 100 Stüde für eine unb jmei Diolinen, jmei 
Klapicr-Irios, jablreiche jmei* unb pierbänbige KlapiertrcrFe, <£böre unb Cieber. 

Pie Sturmjabre 18+8/49 ftörten bic Hube bet Fleinen Kefibenj; bic £)offapelle 
tpurbc auseinanbergetrieben. Kalliipoba perfuchte jmar 1857 unter Karl »Egon III. 
mit einem neuorganifierten (Prcheftcr mieber 511 arbeiten, 311 befottberen Fünftlcrifdicn 
Paten fam es jebod> nidit mehr. 

1 8 <><>tratcrinbcuKubcftanb,nodnn bcmfelben3abr ereilte ihn inKarlsrubcberCob. 

1902 fchte ihm ^npt Klar Egon im fürftl. ParF ein nnitbiges Pcnfmal. 

IPir finb am Eitbe unferer Betrachtung bes Ponauefchinger HTuftflebeits. Hei* 
gung ju HTuftf unb Pbeatcrfpiel führte 3 tpar noch hie unb ba ju flcineren Fünft* 
lcrifdictt Parbietungen im Krcifc ber feit 1818 beftehenbeti „ 211 ufcumsgefcllfdiaft", im 
Kähmen bes „Singpereins" unb ber 1850 gegrünbeten „Ciebcrtafcl" (ber HTänncrchor 
nnirbe fdion in ber erfteu tjälftc bes labrbuuberts in einem „Ponauefchinger ZHänner* 
gefangnerem" gepflegt); mehr roie loFales 3ntereffe hatten biefe Unternehmungen nidit. 

Pie ZHuftfalien ber ehemaligen ftoffapelle ftnb heute in Peripabrung ber fürftl. 
ftorbihliotbcF. Sic bilbcu mit ben für bic 2T(uftFgefchiditc bes 18. 3ahrhunberts hoch* 



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^nncnanfid?t fee» cf?cm. ^urfflicficn flcftljcatcrs ui HaUiir^a» Seit 
Citbo^rcipbic con Jjans Ccmbfe 















Kanon ron üloiart für 4 Singftimmcn „(flcfrn trfr im pratcr“ 

2lutogr. in ber fftrfH. r>ofbibliott^cf 


triftigen Hotenbefläitben aus oberbabifeben Klöflern unb mit einer tbeoretifdvn Ab¬ 
teilung bie „nfufifabtcilung ber ^iirftl. LjofbibliotheF". 

3 n unfern »Tagen haben fi cb mieber Seftrcbungen geltcnb gemacht, bie 
große i\rgangenbeit auferfteben 311 laffett. reit 19'3 beftebt in Ikmauefdiingen 
eine „(ßefellfdaft ber ZHufiffrcunbe", bie, geförbert bureb bas ^fürflenbaus, neben 
ber Deranftaltung regelmäßiger rinfonie- unb KammcrmuftfFonjertc ficb bie Sonber* 
aufgabe geftellt bat: bas ITcrtroUe ber alten AüiftFfdäßc micber jutn Ceben ju er- 
med’en. Audi für bie Kunft ber beute Sdiaffenben feil bureb bie Einrichtung ber 
„Ponaucfd inger Kammermuftfauffübrungen jur förberung 5eitgcnöffifd'er TonFunft" 
tatFräftig eingetreten werben. 



S-fiuc »um B-dur iijuarictt op. f30 ron ycctbcrcit 

Auto^r. in ber furftl. ftofbibliotbef 


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2lbb. \ 


2lbb. 2 


®tf6m0j:(TyiebatflPm ber beuffcßen (Renatffance in ben * 
jjfürpftcß jjfürffenßergtfcßen ^ammfungen 

Pott Dr. 3wlitis ilabit, ^rantfurt 

ic Kusftellung pon Kiutftmerfcn im Karlsbau 511 Ponauefebingen, 6cm 
ipeitbcrühmtcn Kuifeunt 6cr ^ürftlicb ^ürftenbergifdicu Sammlungen, ift 
itcuerbings burch 3tuet Vitrinen permebrt rooröen, in 6cncn eine größere 
Knjabl erlefeufler Schauftücfe aus 6cm Vcfifce 6cs .fürftlidxu Klänjfabinetts per» 
einigt nutr6en. Es gibt in Peutfcblanb menige öffentlid'e Sammlungen, 6ic ihren 
Vcf lieber u einen folgen Sdxitj uon Bilbnismebdillen aus 6er beiten < 3 eit beutfdjen 
Kunftfdxiffens barbieten. Schon in ihrer Entftefyungsscit nur in menigen Eremplaren 
für 6ie Vefteller bergeftellt, gehören 6iefe Sdxmmünzen heute 311 6cn größten Selten¬ 
heiten 11116 merben mit Kecbt poit Sammlern unb Kunitfeitnern aufs bödifte gefdxifct. 
Pie hier zufammeugeftellten Stücfe eutftammeu 311m Peil bem alten Vefife 6er fiirft- 
liehen Familie, teils mürben fic uon bem Funftfmnigen dürften Karl Egon II. in 
6er Putte 6es porigen Kabrhunberts für feine Sammlung ermorben. Selbft 6er ,fadv 
ntann uirb öutvh ben Keidtum unb bic Sdiönheit biefer Sammlung iiberrafebt. 
< 3 ’.'.'cd' biefer feilen ift es, bie KufmerFfamfeit meiterer Kreife auf biefe einzigartigen 
IPcrfc beutfdx'r Kleinplaftif hinzuleuFen. liier ift in ber engeren babifdx'tt lieimat eine 
PTöglidleit geboten, iidi intimftem Kiinftgenuß hinzugeben butdi bie Petraditung non 
PeuFmäleru, melehe bie Erinnerung an bie ruhmreidie Vergangenheit nuferes Vater*, 
lanbes iraduufeu. 

Pa ber in biefer ^eitfdnift zur Verfügung ftehenbe Kaum ein bcfd'ränfter ift, muß 
es für ben oben angebeuteten <5meef genügen, hier nur einige ber fdiönften unb inter* 
effanteften Stücfe ber Sammlung im Pilbc porzuführen 1 unb Furz 5» erFIcircn. ITer f*d> 
eingebeuber mit biefeit Pingen befdxiftigeu mill, fei auf bie Befübtigung ber Samm¬ 
lung felbft peru iefen, fomie auf bie neuere Citeratur über bie beutfeben Kenaiffance- 

1 Pie 2tbbitbunüieu ftitb nach ptjotograptjien ron Iferrit <Zb. teurer, ^reibiira bcracftcllt. 



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*00 — 


mcbailloits, nor allem auf Me Schriften non ©eorg £)abidj, bem Pireftor bes 
Blündiener 2 Tiünjfabmetts, 6er 3um erften Blal auf ©runb ardjinalifcher Quellen un6 
6er Kenntnis 6es meit jcrftreuten BTatcrials 6as gefamte Problem toiffenfdjaftlich 
bcljanbclt bat. 1 

Uls ältcfter ZTTeifter, 6er in größerem Umfang ftd} 6cm ©ufj non Bilbnis^ 
me6aillen feiner ^citgcnoffen geroibmct hat, begegnet uns 6er in Nürnberg tätige, aus 
Uugsburg gebürtige Jjans 5 cb mar 3. Pon 6et fränfifdien Beid)sfiabt unter 
Ulbrecht Pürcrs fiibrcn6em (Einfluß, non 6em 5d}tnar3 eine prächtige Bilbttismebaillc 
fehuf, nahm 6amals 6ie Kunft 6er beutfcben Benaiffancc ihren Uusgang un6 Uuf* 
fchioung. Der junge „Silbfdinifeer un6 Konterfetter" bat in 6en 3 abren *5*8 bis 
1520 eine grojje Bcilje non Patri3iern. un6 fürftlichen Perfoncn porträtiert, in6em er 
6ic UTobcUe, non 6cnen eine Un3ahl erhalten ftnb, aus ^0)3 fdmi^te, banach Com 
formen beeilte, un6 6iefe mit 6cm IHctall 6er UTebaillen, meift 6unflcr Bronse, 
ausgof. Pon Sdjmarjens fynib bejitjt 6as Ponauefdünger Kabinett nerfebiebene 
Schauftücfc. 3 d? führe hier Mejenige 6es ©rafen „© eorg3u2Pirtembergunb 
Ul y m p e l g a r t" t>or, tnie er in 6er Umfdjrift genannt mirb. (Ubb. *.) Sic gibt 
einen guten Begriff 00m Stil un6 Können utifcres Bleifters. Pas hob« Belief, 6er 
Cechnif 6cs t^oljfdjnitjens entfprechenb, 6ie feine Bcbanblung 6er fjaare un6 6es 
Koftüms, roclcbe aber 6er Ulomimentalität 6iefer Kleinplaftif feinen Ubbrudj tun, 
fm6 djaraftcriftifdj für 6ie Urbciten non bjans Sdjroars. Pie Blebaille ift um * 5*9 
entftanben, alfo eines 6er früljcflen beutfdjen IPerfe 6iefer Kunftgattung. Per *<*98 
geborene ©raf, 6er eine ^eitlang für feinen älteren Stiefbruber Ulrich Statthalter in 
IPürttcmberg mar, ift in jugenblicbem Ulter non etma 2* 3 abren bargeftellt, Energie 
unb Sinn für frohen Cebensgemifj fprecheit aus feinen ©eftchts3ügen. <£r ift fpäter 
als Begent non IHömpelgart burdj feine £)eirat mit Barbara non fjeffen-Parmftabt 
6er Stammnater 6es fjaufes IPürttcmberg getnorben. 

3 n eine anbere Umgebung führt uns bas 3tneite h^r norgefiihrte Scbauftücf, 
6ie prächtige Cuthermebaille non * 52 *, mobl bas fimftlerifcb bödjftftebenbe 
6er gan3en Beihe. (Ubb. 2.) Sic ftellt in feinem, flachem Belief 6en Cuther 6es 
IPormfer Beicbstages bar nach 6cm befannten Kupferftidj non Cucas Ctanach. Hoch 
in feiner Utöncbsgemanbung, 6ie 6en (EinbrucF 6er UsFefe in 6en ernften ©eftd)ts3Ügen 
nerftärft, läft bas äujjcrft lebcnsnolle Bilbnis bie (Energie bcs Kämpfers unb Be* 
fenners burcbblicfcn. Pie lateinifche Umfdirift, bie befagt, bafj Cuther fo menig mie 
©briftus felbft ein Keljcr fein fönnc, brüeft bie Begcifterung 6er Unhänger biefes 
UTannes für feine Cehrc aus. Pie Blebaille ift mobl ficber nicht in Hürnberg ent* 
ftanben. Pie Initialen H G, bie ftd) nertieft auf 6cm Bruftabfdwitte bcs Berliner 
(Ercmplars befinben, bas allcrbings Fein (Original ift, ftnb nodi nidit erflärt. Pas 
Ponaucfdüngcr Stiicf, ein fidicrcs Original non pacFcnber ^rifd>e, entbehrt 6er 


1 IM. <$eorg ßabid» „5tubicit gnr bcntfibcn 2\cnaiffauccmcl»atlle~ in bcu 3abrbii<f;frn ber 
Kgl. prcujjifibcn Kimftfaminluintcu tnosff. unb feilt i'ud’ „Pie bentfrfjcu Illcbaillcn besXVI.Jabr« 
hinderte*. Italic iib. 


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Künftlerinfcbrift. ICahrfdicinlidi ift öie DTeöaille in Sadifen gegoffen moröeit. Die 
3abrcs3abl 152 \ ftebt liier erhöbt irn 5 e töc. 

3>tbes nahm in Öen jiranjiger 3abrcn öes 16. 3 a b r b un berts öie (Entmicflung 
öer öeutfeben Kenaiffance-DTeöaille einen 50113 eigenartigen IPeg. Zolles Kelief, ftarFc 

HealiftiF öer Bilöniffe paaren 

■ ^ ftdi mit gefdimaef Doller 2lus« ^sZSPJ>- ^ 

K, fübruttg her Kcbrfeiten, be= 

^ fonöers öes beralöifcben • / Jr # 

~ __" Bcimerfs. 211=- Bcifpielc 

~~ *■] feien hier juiei SdiauftiicFe 2 * 

*3 ^ non öer pauö öes „fruejit 'rjj 

mirö, öes DTeifters DT atbes 

Mb*. 3 a <5ci ’ cl aU5 6cm J)o,laUs m>b. 3b 

efdiittger Kabinett befebrie- 

ben. Das erfte 5 cigt bas Bilbttis ^riebridis öes Klten, DTarFgrafcit oon 
Bra n Öen burgin ^rauFcn, t>om3 a b re 1528 . (Kbb. 3 .) JDieöieUmfcfyrift befagt, 
ift öcr greife ^ürft im 2l!ter nett 70 3 d bren öargeftellt. Seine ungebeugte 3ugenbfraft, öie 
il)m ebenfalls öie Umfdirift be 3 eugt unö öie er als mutiger Kämpfer für ö.ie Sa.be 
feines Kaufes bis an fein Cebensenbe bemabrt bat, fprid/t audi aus öem DTcbaillen» 
porträt. 3« jugenölidicr ^iUIc fallen ihm nod? öie Paare roni Sdicitel, öer ge- 
fddoffene DTuttb, öas ftarf ausgebilöete Kinn rerraten öie Energie öcs Dncrmüblidien. 
Don örei fjelmen beöecft, non KaitFemrerF umgeben, prangt auf öer Kefjrfeite fein 
IPappenfdiilb mit Öen burggräflidicn nürnberger Sömen, öem Brandenburger Köler 
unö öem fdurarjtneifwn Sebadj non Poheniollern. — 2 lls (ßegenftiief ans öem bitrger» 
lieben patrijiat öer Keidisffabt Dürnberg erfdieint ein jtneites D7eiftermerF (Sebels, öte 
Bilbnismcbaille öes 1} i e r 0 it y m u s b} 0 13 f di u b e r non 1529- (Kbb. ^.) Sein 
ZTame ift berühmt öurdi öas porträt, öas Klbrcdit Dürer gemalt bat unö öas jefet 

eine ^teröe öes Berliner 
DTufeums bilöet. 3 n 
X ™ ihrer Krt ftebt öie DTe> 

£1 «i öaille öiefem (ßemälöe 2^'^* -^7 

^ ^ nidit nadi. Kiub fte ift öas 

. ä j f c j t/ ocrbaltener Kraft, -f; 

vr. ;J gefeftigter (Treue. Dian 

ganzer Dtann mar, öem >VVNVN>Ss,s 2I i'- - 

\ öer Kat öie (ßefdiiefe «bb. 5 


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ber Paterftabt in Krieg uttb ^rieben rubig anrertraucn fonnte. Sein lateinifcher 
XPablfprucb, bor bas behelmte, rebenbe IPappen ber Soljfcbuber umgibt, befagt: 
„Purdt ^reigiebigfeit beftege Peine ^reuttbe, burdj ©ebulb Peine ^einbe!" 

3nt glcid en 3abre 1529 febuf ©ebel bie folgenbe XPebaille auf beit Kbt bes 
Benebiftinerftiftes IPeingarten, 

(Sermidt Blafer. ( 2 lbb. 5.) 

P' cr ift bas ©eifrige im ©efidjte ^ - 

&yA bes gelehrten Kircbettfürftcn bc« .S» \.A/> 

fonbers fein- herausgearbeitet. ^ * - —. ^' 

2 J Blafer, ber aus altem Konftaitjer ~ - / 

^ ~ ~~;_V / -y ©'■’fdtledit flammte, trar einer 

\^ x^ J 'r.*^ Ay ber angefebenften Keidfsprälateti 

feiner ,,^eit uttb tmtrbe burdi be> 

m-b. oa fonberes Pertrauen Karls V. jum nbb bb 

Kaiferlicben Kat ernannt. 3 m 

©egenfatj 511 feinem Heffen, bem Konftaitjer prebiger Kmbroftus Blafer, mar er 
ein entfdjiebcitcr ©egner ber Keformation. €r ift hoebbetagt am 50 . Kuguft f 567 
geftorben. Sein IPappen mit bem befanitten Sahn ber Blafer ift mit bem Stift- 
fdtilbe ron IPeingarten belegt. 

IPic febr bie grafte Kuitft jener <§cit, befonbers bie Stiche Pranadts uub Piirers, 
auch auf bie Ifiebaiüe ciugemirft haben, jeigt folgeitbes prägefliief bes hcfftfd'ett €aub- 
grafen Philipps bes ©rojjmiitigen rom 3 ahre 1555 , ron bem ftdi ein 
berrorragettb fd?önes Premplar, mit rergolbctem Kelief auf ben ftlbernen Reibern, in 
ber Ponauefcbinger Sammlung befinbet. ( 2 lbb. 6.) Unter bem ron rorn gefebenett 
Bruftbilb, in ber rcidieit XUobetracbt jener Page, befinbet ftch bie Signatur + C W 
bes 3 oactfimstalcr Stempelfcbneibers Pottj IPelfe. 3 11 ber beutfdvböhmifdfcn Berg« 
merfsftabt 3 °eid;ämstal, bie bcfauntlich bett „Pbalertt" ihren Barnen gegeben bat, 
beftanb bamals eine Künftlcrfcbulc, bereit Utitglieber im ©egeufat; ju ber ©ufltecbnif 
ber früheren UTeifler, bie Stempel 511 Ulebaillen, meift mit religiöfett Parftelluitgen, 
fchnitten. Piefe murbett bann itt größeren Pfaffen geprägt uttb entfprachen offen« 

ftdftlich einem Bebürfnis 
ber c 3 t'it. Selten wagten 
fte ftd) att bas eigctttlidie 

arbeitet ift, nur ift auf ber T ~j 

Ufebaille bie geflügelte, 

ntb. ?a naefte ^rauenfigur nach at>t>. -b 


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^03 - 


Iiitfs gemanbt. Das eine 6er Attribute ^orlunas, <?>aum un6 Sattel, bas ftcfy 6er 
Hadtbilbner ipobl ttidtf erfläreit Fonnte, ift meggelaffen, fonft alles genau über* 
nommen, fogar Einjclfyeiten 6es XHobells un6 6er £anbfd?aft. 

Die jireite ftälfte 6es 16 . 'Sabdnmberts bis jum breifiigjäbrigen Kriege geigt 
nad) 6er £)od?bliite 6er Kettaiffance 
auch auf unferem (ßebiete ein lang« 
fames Perfladten, eine gemiffe Per* 
äufjerlidnmg, obmobl and? 6amals 
;iod) berporragenbe XHeifter mir f ton. 

Ein gutes Beifpiel 6er unter 6em 
Einflufj 6er l)öfe ftetjenben Kunft ift 
6ie prächtige <5 o 16 m c 6 a i 11 e 6 e r 
f ii n f 21 n h a 11 i n e r $ ii r ft e n pom 
:tbb. 8« Jafyre f 569, in biefem ZHetalle ein m*. 8b 

llnifum, rnohl eines 6er mertoollftcn 

Stücfe 6es XTCünjFabinetts. (Xtbb. 7 .) Sie mürbe pon 6en beiben auf 6er Kebrfeite bärge* 
(teilten Brübern Joadnm Erttft unb Berttfyarb, bcu Sollten bes X)erjogs bans, 511 CE breit 
ihres Paters unb beffen Brübern (ßcorg unb 3 oad*im in Kuftrag gegeben. Die 
Porträts ber brei Briiber auf ber Dorf eite ftnb offenbar nach älteren Borkigen ge« 
arbeitet, mährettb bic Bilbniffe ber bamals regierenben berjöge, ror betten ber 
Xlnhalter Sdtilb erfcheiut, tiadt betrt Cebett mobelliert murbett. Der llnterfcbieb im 
^eitfoftüm unb in ber gattjett Kuffaffuttg tritt beut lieb herpor. Die BTebaUle trägt bie 
Signatur H R, bie auf ben bisher befannt gemorbetten Silbererettiplarcu 51t fehlen 
fvbeint. 3 ^ Fatttt itt ihr ttttr bie 3 ™^^ bes £eipjigcr ©olbfdtmiebes X) ans 
K e i n h a r t s bes 3 ** n g e r en erfennen, ber in ben «Trabitioiten, mettn auch nidit 
im Stile feines berühmten Paters löatts Keittbart bes älteren, bes BTciftcrs ber großen 
Dreifaltigfeitsmebaille, gearbeitet hat. 

< 5 unt Sdtluffc mödtte idt hier nodt einige IHcbaillott befdtrcibett, bic mit ber (S>c* 
(dächte bes fürftlidien Kaufes ^ürftenberg in engerem ^ufammenhang ftehen unb mit 
ihrer funftgefcbidtlidxn Bebeutung auch eine lofalgefdjiditlidjc perbinbett. Per allem 
bie beibett TTCebaiUen auf bett (Strafen XP i l h e 1 tu 5 u 5 * ,n 111 c r n, ebenfalls Unifa 

ber Donauefcftinger Sammlung. 

(Xlbb. 8 unb 9 .) Er mar ber £efete 
bes berühmten (ßefdjledttes berer 
pon Zimmern (bie fidt pou ben 
„Eitnbcrn" herleiteten unb baher 
„Kimbern" f dt rieben). Xliit feinem 
Eobe 150-t gingen feine Beftfeungen 
an bie (Grafen pon ^ürftettberg 
lieiligenberg über. Pon beut ihm 
zibb. <> 0 am \ö. ©ftober (376 pom Kaifer 


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Bubolf II. verliehenen Biünjredite h a t er Feinen ©ebraud)< mehr gemacht. 
Pie beiben Blebaillen ftnb in Ttürnbcrg, tvabrfcheinlid) von IDenjel Blaler, einem 
Bruber bes beFannten BJebaillcurs Dalentin Blaler, gegoffen tvorbett. 3 hre CedjniF 
mcift auf TCad^sboffieruug ber Btobclle hin- Das ältere StücF in vergolbetem Silber 
jeigt bas Bruftbilb bes ©rafen in f)arnifch, fralsFraufe unb Ulantel, auf bem Arm* 
abfdinitt ift bie ^ahresjahl 1569 eingraviert. Die Bücf feite ift eine 3 lluftration bes 
ITablfprudis „ 3 d? hoffe 5U ©ott". Sie jeigt ein Schiff, auf beffen vorberem Blaffe 
ber Faiferlidje Ablcr, von ben Stürmen bes IHeceres umtobt, ivährenb Ulatrofen 
bie Segel raffen. — Befottbers prunFvoü ift bie jiveite Ulcbaille von 158 ^ aus fchiverem 
©olbe (über 6 DuFaten). fjier ift ber ©raf in breiter, gefältelter lialsFraufe mit Über* 
tvurf bargeftcllt. Auf ber Kehrfeite bas große TDappenfdnlb von Zimmern mit bem 
Doppclabler (ber £örve über ber geFrümmten fjellcbarbc ift bas EPappeit von 
UlcßFircfi) ift breifach behelmt, rcd;ts unb linFs über ben fjelmcn ber f>irfdi non 
Zimmern, bas ganje umrahmt von bem frommen JDablfpruch: „Kleine Hoffnung 
ju ©ott". 

5 u Beginn bes 17 . 3 nhrh l, nberts läßt ftdj eine entfdnebeite IDanblung im ©e- 
febmaef ber Ulebaillcure feftftellen. Die ftarF realiftifdie Auffaffung ber Bilbniffe, bei 
hohem Belief, meidjt einem mehr malcrifchen Stil, mit Betonung bes Koftümlidien unb 
flacher Ausführung. Die Bücffeiten füllen meift Allegorien, hierfür ift bie UlebaiUe 
bes©rafen 3 r i c b r i di IV. ju ^ürftenberg ein gutes Beifpiel. (Abb. 10.) 
Dicfc ift jtrar nicht im (Original erhalten, vielmehr ift bas einjig bcFannte ©rem« 
plar in Donauefchingcn ein Blciabguß bes verlorenen UrftücFs, als foldjcs aber hödift 
rvertvoll. ©raf ^riebrivh IV. ift ber Stammvater ber Donaucfchinger Cinie bes 
fbaufes ^ürffenberg, ein Kricgshclb, bem bie ^dgenoffen hohe Cugenbcn nadirübmten. 
Die Ulebaillc trägt am Armabfdinitt bes Bruftbilbes bie 3 a h rcs 5 a hl 1606 . Ulit 
Unrecht glaubte Dollingcr bies SdiauftücF bem TDacbsboffteret; Alcffanbro Abonbio 
jufchreiben 311 fallen. ©s flimmt xreber im Stil nodi in ber Ausführung mit ben 
Arbeiten biefes beutfdvitalienifd\'n Uleifters überein. Bielmehr hoben mir h>^ offen- 
fidtlidi ein IDerF von ber f)anb bes anirttembergifdien ftofmebailleurs $ r a n 3 B r i 0 t 
vor uns, ber, von Ulömpelgart nach Stuttgart berufen, gcrabc um biefc ^cit eine 
hödift friuhtbarc ©ätigFcit entfaltete unb eine große Beihe von Blebaillen gart3 in 
ber Art ber vorliegeubeu gef d* affen hat. Sic ftnb ebenfalls burchgängig von ovaler 
^orm, fladicm Belief unb mit Allegorien gejiert. ©raf ^riebridi ift h^r im ;felb* 
harnifdi bargeftcllt mit breitem, übcrgclcgtcm SpifcenFragen unb mantelartigem über* 
irurf. Die hohe Stirn, bie darafteriflifd’c Kopfbilbuitg unb Hafc ivic bas große 
Auge beuten auf 3"tclligcn5 unb (Tatfraft hin. Die llinfd'rift nennt feine fämtlichcn 
(Titel, ©raf von ^ürftenberg, bkiligeuberg unb IDerbeuberg, Caitbgraf in ber Bar. 
Die Kehrfeite verfiuubilMidt feinen ICahlfprudi „©onftanter". ©in im Bfecre 
fleheuber A'els tvirb von ftiirmifd'en ITeHen umtobt, bie von IBinbcn aufgepeitfht 
iverbeu. ©r aber fleht imheireglivh, von oben aus ITolFcu naht ihm ber Bote 
©oltes mit ber palme bes ^riebens. 


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IDic eingangs bemerFt, fonnte nur eine fleinc Kuswahl aus ben reichen Bcftäuben 
bes ^ürftlidjen Kabinetts l)icr rorgefüljrt werben, bic 31» weiterem Stubium biefer in 
jeber Beziehung bcbcutungseollcn fleincn KunftwerFe anregen feiten. IDettn bic Bcfudjer 
bes Karlsbaus mehr als es bisher gef drehen biefen Dingen il)re Kufmcrff amfeit 
iribmen unb fid> niellcidit r>on bem ftets bereiten, fadjFunbigen Ceiter ber Sammlung 
au di einige ber nidjt ansgeflcllten Sd\it5c norlegen laffen, fo ift ber 5 uic d ber feilen 
erfüllt. Kudi aus bem Bctraditen bes Kleinen, wenn cs nur non editer Bleifterfdjaft 
jeugt, Faun, wie Kltmcifler (ßoetbc fagt, Oßenufj unb ©ewinn gejogen merben. 



JluK. IUa Jlbb. 10b 


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©t t %tö\ttx tn Ux Qßaat 

Ton ^ermann Sailer 

Baar ift nid?t wie 6er tiefere Sdjwarswal6 ein £an6 6er Klofter, 
ifür war fie 511 früh un6 s u ftarf befie6clt. Kudi waren in 6iefen 
>egen6en fdjoit früßseitig enge Besiegungen $u 6en auswärtigen großen 
Klöftern 5 t. fallen un6 H c i d> c n a u gefnüpft wor6cn. 

2lber 6as f)iigcllan6 6er Baar umsiebt bodi aud) 6er Sdnrarswal6, un6 fein: 
Berge un6 Canncnforften erftreden fid) bis in 6as (Rcbict 6er alten Baar. liier in 
6icfcr unwcgfanicn Cannenwil6nis erftan6 auch 6as erfte Klofter 6er Baar, 5 t- (Reorgeit 
auf 6em 5 <hwarswal 6 06er, wie cs in 6cm (Rrün6ungsbcridde beißt, 5 t. ©eorgen „auf 
6 cm Sdvitel non Klcmannicn". 

5 t. (Georgen auf 6 e m 5 di w a r 5 w a 1 6 e 

Bencdictus in monte! bei^t ein altes IPort. Bene6ift grün6etc fein flaupt- 
flotter auf 6cm Berge un6 feine ZTadifolger taten folcbes ebenfalls gerne. Klonte* 
caffuto bei Heapcl liegt auf fteilabfallcn6em Berge, febwer erreidibar, eine (Rottes* 
bürg, 6ie weit hincinfchaut in 6ie £an6c 11116 6od) weit ron ihnen 11116 6eit KTenfdjen 
6a6runten entfernt ift. Pie Bcnc6iftiner feilten 6em liaften 11116 Jagen 6er IPelt 
fern fein. Pas war 6er IPille 6es 5 tifters. IPeit ab ron IHontecafftuo, aber eben¬ 
falls belebt ron 6em (Reifte feines 5 tifters, 6es großen, heiligen Bene6ift, 6er diriftlicbc 
Pcmut uii6 altrömifdx' IPür6e in feiner 6as <lbeu6lan6 umfpaunen6en Schöpfung burh 
Bcifpiel 11116 Saßung s» fettigen gebaebte, erhob ficb im Jabr t ()84 6as Klofter 5 t. 
(Rcorgen. 

Seine (Rriüiöer fliidtoten fidi aus 6er serrütteten, ron (Regenfäßcn un6 Kämpfen 
öurd wühlten IPelt hierher in 6ie £infamFeit. (Rregor 6cs Siebenten Sittenftrenge 
rang 6amals mit 6er ron bei midi IV. gehaltenen Permcltlidntng. Pie Kriege 
beiber Parteien 6ntd find den Peutfdlan6, audi Sdnraben, mit tiefgebenbem £eib 11116 



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- \07 - 

rDcK fjicr auf 6cm Sdtcitel non Hlemannicn mar 6ic BeoölFerung gering, 6er Purd)- 
jitg fpärlidi, 6er Kriegslärm ferne. Pas Firchlidt gefinnte (befcblecht 6er ^äljringcr, 
fiarf un6 einflufrcidt, mehrte 6cm äußeren ^cin6. 

Pie Plöndie Famen non Üirfau. 21 her eine Pcrbittbung mit bjirfau ermies 
fuh infolge 6cs Einfprudics 6es Konflaitjer Bifdtofs, (ßebharb III., ttidit als an¬ 
gängig, meil bei6c Klöfter in rerfd7iebenett Piöjefen lagen. 

Pas ganje Hfittclaltcr liinburdj hören mir non 6em abgelegenen Klofter rnenig. 
2 Pir ncrnehnien aber Kun6e non 6ett BebrücFuttgcn, 6ic ftd> 6ie 5d]irmherren öes 
Kloftcrs, 6ic fjerrett non ^alFenftein, jufd^ulöen fommen liefen un6 6ie 15?9 5» 
6em Pcrbot führten, ^alFenfleincr ins Klofter aufjttuchmen, morin fid) fdton 6amals 
ein energifchet IPille 6er Selbftbcbauptung ausfprach, 6er 6cm Klofter cigentümlid? 
blieb bis 511m Enbe. 2 lbt Eberfatb II. fefetc feft, baf jeher IHönch in Ketten gelegt 
merben follte, 6er nodimals mit 6cn ^alfcnflcittcvti anbänbeltc. Balb 6arauf mur6c 
audi entfdiieben, baf 6ie Küdfidit auf 6ic hohe 06er nieöere I}crFunft Feine Holle mehr 
3U fpielen habe bei 6er Aufnahme 6er Hlöndic. Pas mar gut. Penn bal6 Famen 
bemegte feiten. 

Per BauernFrieg führte 1525 Scharen non aufftänbifdien Bauern nors 
Klofter. Per Fluge 2 lbt aber Fannie feine Seute. Er batte fdion einen gcfdiladjteteu 
(Ddfcn bereit, ebenfo ITein. Pas mirFte nerföhnenb. Pie Bauern liefen ftdt Speife 
uub CranF fdjmecfen, nerjehrten auch noch 6ie 300 Karpfen 6es Kloftcrmeihers unb 
3ogcn ab. Pas Klofter blieb unnerfehrt. 

(Erft 6er grofe Kbfall nom (blaubot 6er Kirdic 3mang 6ie Hlöncbe, ihr Klofter 
31t ncrlaffen. 2 lbcr mit ^ähigFeit hinten fie an ihrem Klofter unb an ihrem inneren 
Sehen feft. Kein Einiger mürbe fahnenflüchtig. Hlle blieben 6em alten (blaubeit 
treu. Blüten im ICinter liefen fte ftch 1536 eher auf 6ie Strafe fefeen, als 6af fte 
abtrünnig gemorben märcit. 

Sic fuchten 5unäd)ft UnterFunft in Hottmeil, bann in P i 11 i 11 g c 11. Hber mit 
ihrem faft unbredibaren Selbftbehauptungsmiücn rergafen fie ihre alte ßeimftättc nie. 
Über bunbert 3 ahrc bemühten fte ftdi, fte micber3uerlangen. IPicberholt gelang es in 
ben ITedifelfällen 6es Preifigjährigen Krieges. Erft 6er IDeftfälifdic Triebe, Ki+S, 
6er St. (beorgen IPürttemberg bauernb sufprach, machte biefen Bemühungen in ber 
fyiuptfache ein Enbe. 

beute fleht auf 6cm üi'tgel, 6er einft bas grofe Klofter trug, non betrt Klofter 
nidits mehr. Sdv>u im Preifigjährigen Kriege ift cs in 6er bjauptfadie rerbrannt 
morben. Hub 3trar ron beit Pillingcrit, bie ben bortigen SddupfminFel ber IPürttem* 
berger ausräudiern mollten. 

Pie Stabt St. (beorgen, bie auf unb um beut piafcc bes alten Kloftcrs liegt, er¬ 
hält nodi ben Bauten bes unter beit Sduitj bes hl. (bcorg gefeilten Kloftcrs uttb unten 
am Berge erzählt ber ttodi rorhanbene Kloftermciher bie Sage, baf, als bie neue 
Sehre in St. (Georgen eingeführt morben fei, bie grofe (blocFc ben Berg herunter* 
gerollt uttb im Beiher rerfuttfeu fei, aus bem matt fte an hohen fetten läuten höre. 


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*08 — 


3 n ihrer Fraftpollcn Urt gelten fief? bie St. d 5 eorg : ancr Hlöndje nun in Pil* 
lingeu. 3 brc fjaupttätigfeit lag i}ier auf bem Gebiete 6er Schule. Sie machten ein 
©ymnafium auf un6 leiteten es trefflief?. Es beftanb bis jum Untergange 6es Klofters 
im 3at)rc *806 un6 barüber hinaus. Kuch in biefer Übernahme ber pflege höljcrer 
Stubien jeigt fid? bie Entfcbloffenhcit ber St. ©corgiancr, bie herburd) ihre Stellung 
in ber Bürgcrfdiaft Pillingens tocfentlidi fefligten unb tief Permur3clten mit ber Be* 
pölFerung ihrer neuen Üeimat. Sie behielten in Pillingcn, mieberum getragen pon betn 
©cift jäher Selbflbchauptung,. ben Hamen St. ©corgcn bei unb nannten ihr Klofter 
„St. © e o r g e n in Pillingcn". HTonumcntal, mit Fräftiger Betonung ihres 
neuen Bafeiits, ftattlid), für 3 ah l 'bunberte beftimmt, bauten fie auch bie neue Kirche, 
Schule unb Klofter, unb auch aus biefen ©ebäubert jpricht heute noch ber alte ©cift 
St. ©eorgianifchcr Selbflbebauptung, ein Sinn, bem fräftiges ^ufaffen eigen ift unb 
ber nicht mcidien irill, auch menn ©cgner unb Beiher ben Boben untenoühlcn, auf 
bem bie <£riftenj aufgebaut ift. 

freute noch srä^t uns pon mcitem ber wohlproportionierte, feftc Curm ber Klo* 
fterfirche, wenn mir uns Pillingcn nähern. (Er ift Symbol St. ©eorgianifdien Sinnes. 
Sdiulen ftnb and? nodi im fjaufe. Hur bie Hlönche fmb fort. 

Ber grofe Sturm 3U Knfang bes *9. 3 abrbunberts bat felbft bie jähe 
Kraft ber Selbftbehauptung ber St. ©eorg ; ancr getroffen. Bas Klofter mürbe 
aufgehoben, pon ICürttcmberg unb Baben entleert, bie HTönche in alle 
tDinbe 3erftreut. Sie Fonnten es Faum faffen, baf? ber Untergang bauernb fein foüte. 
Sie halten Schonung erhofft, meil fie bodj auch IBiffenfchaft unb Schule pflegten. 
2 ludj biefe fjoffnung mar Pergebens. „IDeinenb", fo berichtet einer pon ihnen, „fliehen 
mir aus St. ©eorgens Schöffe poneinanber, mohl porfehenb, ba§ mir im felben nie 
mieber pereint uns treffen mürben." 

Kmtenfjaufcn 

Pon Zimmern gegen ©fingen hinauf sicht fidi ein einförmiges, faft menfdien* 
leeres Cal hinauf. ITalb auf beiben Seiten faft bis 3ur Calfohle. Unten grüne 
Blatter., oben audi am Enbc bes Calos ausgebreitete gelber. 3 n biefem Cal lag ln 
vergangenen 3 ah r hnnbertcn bas BencbiftinerinnenFlofter Kmtenhaufen. Hodi 
fteht ber ehemalige Kloftcrgafthof, aber pon Kirdie unb Klofter felbft ift nidits mehr 311 
feben. Bie fürftenbergifdie Pcriraltung hat fie im lohten 3 ah r hunbert abtragen laffett. 

Bier in biefem füllen Cale lebten bie grauen ganj abgefdüeben. Kein großer PerFebr 
ging bureb bas Cäldicn. Unb audi Siebter waren nicht ba. Biirftig mar bie Sdvllc, 
inager ber (Ertrag. H7an munbert fidi, mie bas Klofter mit feinem fiattlichcn per* 
fonalbeftanb fidi hier behaupten Fonnte. Uber es lag mohl mandies Stiid €anb audi 
noch außerhalb ber engeren HTarF, mandvs bradde audi ber fromme Sinn ber Um* 
wohuer. 

3«fet ift ein fürftlid*er IHeierhof an ber Stelle bes alten Klofters. Bas 
Cal ift nodi ftiller, beim jimor. Ehebem läuteten bie ©loden hinauf unb hinab heiligen 


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— 109 — 


©ruß. Uus bet Kird)e brang bes Eborgebets ruhiger Klang, unb menn cs < 3 eit bet 
<£rnte trat, irebtcn bie Schleier bet Scbroefteru auf ben IDiefcn, bas IDad)stum bes 
3ahres su trocFnen unb 311 bergen. 

Bas Klofter flanb erhöbt übet bem Calgrunb, an ber linFsfeitigen Serglebne unb 
bat ftebenbunbert 3 afyre lang beftanben. Um \ 10? ift cs gegrünbet morben. Unb 
jtrar mürbe Umtenbaufen gegrünbet non St. ©eorgen. Ubt Cbeoget fdjuf b' er / 
mcitab non bem fjauptflofter, unb nidit auf bem Serge, fonbern im tiefen Cale, eine 
Sammelftütte frommer grauen. Ctiras non ber jähen Selbftbebauptung non St. 
©eorgen unb feinem d^riftlidjen StarFmut lebte aud) in biefem Klofter. Es überbauerte 
bie Stürme bes 16 . ^abrljunberts, erblühte rafd) mieber, fanbte fogar grauen 3ur 
XDiebetbelebung Flöfterlid)cn €ebens nad) ausmärts. Umtenbaufen mar mobl in ben 
guten ^iten feines Dafeins eine 3 bvlle flöfterlid>en Gebens im 3icrlicben ©ottesbaufc, 
im füllen Kloftertal. 

Per große Sturm 3U Seginn bes neun3cbnten 3 abrbunberts b at aud) biefe 
3 bvlle 3erftört. 3 m 3 °^ rc 1802 erfolgte bie Uufbebung ber Klofter. Uber 
bie alten grauen burften in ihrem Klofter bod) fterben. Hoch im 3 ah re 1828 lebten 
acht alte grauen bort. Sic fanfen eine itad) ber anbern in Fur3er ^rift ins ©rab. Unb 
bann Farn ber Cob auch für bie ©ebäube. Sie mürben abgetragen, bis auf bas 
Kloftergaftbaus unb bie ©Fonomie. 

3 n mandien Käufern ber umliegenben Dörfer finben ft<h noch Fleine Silber, 
Habelarbeiten unb anbere Fleine KunftmerFc ber Klofterfrauen non Umtenbaufeu, 
aud) ein3elne Silbniffe non Klofterfrauen. 3 m fürftlidjen Urd)in in Donauef«hingen 
ftnb aud? noch Silbniffe ber Übte non St. ©eorgen 5U feben, bie Diktatoren non 
Umtenbaufen roaren unb beren Porträts eben non Umtenbaufen bortbin nerbracht 
mürben. 

IDillft Du einmal bie ftürmenbe unb taufdjenbe U)elt ber ©egenmart nergeffen, 
fo manbre einmal burebs Umtenbaufer Call Dort ift es ftill! Hur bie Erinnerungen 
an eine fd)öne Pergangcnbeit, an etn geiftiges Ceben im nerlaffenen Cale, Flingen leife 
non ben falben ber Serge! 


^riebentoeilcr 

^riebenmeiler Fiinbct fd)on im Hamen IDeltabgefdnebenbeit, Einfamfeit, Per* 
borgenbeit. So liegt es aud). 3 m tiefen UTalbe, nicht an einer DerFebrsftraße, fonbern 
nerftecFt im einfamen Cale, am raufdienben tCilbbacb, umftanben non gemaltigen 
Rohren unb Cannen. So mar es irobl fd)on auch 3ur ^cit ber ©rünbuttg nor 700 

3nbrc»- 

St. ©eorgen grünbete aud) biefes Klofter. ScnebiFtinerinnen fangen in ihm 
3 abtbunbcrte hinburcb bas €ob ©ottes. Der Soben, auf bem cs ftanb, mürbe aus 
bem Scftße bes Klofters Scid;enau burd) Caufch ermorben. Uber bas ScnebiF* 
tincrinncnFlofler b»dt ftd) uid)t fo aufred)t mic bas SdimeftcrFloftcr Umtcnbaufen. Es 
nermclllichtc ftärFer, ahmte iiblc Sitten ber «^eit nad). Unb jiilcüt, um 1555, ging 


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cs ein. Der ^ürftenberger Graf nahm bie Permaltung 6er Gütet an ficf?. Aber 
er bachte nicht an pöllige Hcfeitigung. Kloftergut mar iljm heilig. Unb fo 

befdilofj er, Schritte 5U tun, um ^tiebentreiler neu ju bcfiebeltt. Aber moljer? 
Pa erinnerte er ftch, mie treffliche flöftcrlidic < 3 udit in bem <5ifler5icnferinnenFlofter 
iiditental bei Paben-Paben gebieb, alltpo feine Schmcftcr als Kloftcrfrau iceilte. 
Unb fo febrieb er bortbin unb bat um Gntfcnbung pon Klofterfrauen. Sie famen 
1570. Pie alten Kloftergüter ber Hcncbiftincrinnen mürben il?nen überlaffen, 1P03U 
audi fircblicb bie Genehmigung erteilt mürbe. Unb fo erblühte} im ftillen Pale 
erneut bas (ßcmeinfduiftslebcn frommer grauen, biesmal foldier aus bem ^ifterjicufer* 
orben. 

Pas Klofter mürbe pon mehreren Bränben heimgefudt. Uber' bie Ge» 

bäubc ftnb hoch nidjt ganj perfchmunben. Hodi heute ftehen fie im ftillen Palgruttbc, 

ftattlich im Pierecf gebaut mit ber Kirche auf bet Horbfeite. So roie fie jetjt aus* 

fdiauen, mürben fte nach bem britten Hranbc, ber am 27. Ulärj 1725 bie Gebäube 
einäfdxrtc, errichtet. Pie Kloftergebäube mürben bis auf unfere < 3 eit ctls fürftlicbes 
3agbfdilo§ benubt. 

Pas Klofter fyatte einen großen, mcrtpollcn IDalb, ben Kloftermalb, beute 
noch ein f)ochgenuf? für piele Kurgäfte unb Ausflügler. Sd)on por ber Auf¬ 
hebung rerfaufte bas Klofter biefen prädittgen IPalbbefib am 1. 3 uli 1801 an bie 
Staubesherrfchaft ^iirftenberg um 6000 Gulbett uitb jährlich 7 Hlalter Korn, fo lange 
ber Kontent beftebe. Pem Kaufpcrtrag aber mar eine geheime Klaufel beigefügt, 
bat] er nur in bem ^all Geltung haben follc, meint bas Klofter mirflidi aufgehoben 
merbe Damals mar es noch unbeftimmt, mcldier fjerrfebaft bas Klofter jufallen 
merbe. 3 m 3 a hre 1802 Farn bie Aufhebung unb bie Güter fielen an ^ürftenberg. 

Pie lebte Abtiffin ftarb am 21 . Dezember 1814. 3hr lebter IDunfdi, bab ihre 
irbifd en Uberrefte bei beiten ihrer Porfahrerinneit in ber Klofterfapellc beerbigt mürben, 
mttrbc pon ber Hurcaufratie jener <3cit nicht erfüllt. Sie mürbe auf bem Klofter* 
friebhof beigefebt. 

HAe ein pcrmunfchencs Schloß liegt heute ^riebeumeiler im Sd'ojjc feiner tiefen 
IPälber. 3n ben Hdumeu bcs Klofter« mar audi einmal eine fürftlkhc Hrauerci, 
bie ein föftlidies Hier in piele Sdnratgmalbortc fanbte. Audi biefe ift gefdiloffen. 
Aber eine Grbolungsftätte für unterernährte Stabtfinber ift jebt im Kloftergebäube, ein* 
gerichtet Pott 3- P- ber ^ürftiit 3rttia 31 t ^ürfteuberg, unb geleitet pon Harmherjigcn 
Sdmcftern. frohes Kinbcrlad-en fdxült jebt im liaus unb auf feinem Porplab. 

Hl a r i a h 0 f 

Am ^uf;e bes ftiblidi ber Donau bittjichenbcit liöheujuges ber Ginge fpringt ein 
Fleiner liiigel bis hart att bie Donau por, ber fog. Ivuherg. Piefer ift eine uralte 
Kulturftätte. FTir miffett: fd*on 772 ftaub hier ein fränfifd;er Königshof mit einem 
Uaumgarten. liier bradte ber entthronte Kaifer Karl ber Pi de feine lebten Page 31 t. 
liier itarb er am 13. Januar 888 . Seine Gebeine aber fiub in ber Keidvnau he» 


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ffattct. 3 m 3 abre 950 börcit mir letztmals pon tiefem Köitigsbofc. Dann ift cs 
500 3 ^? re flill. ©s blieb aber für bic Stätte ber Harne „ 2 tufl?of". 

3 m 3 a b rc 127 ^ ftebelten fid? hier fromme grauen an, bie he Hegel bes bl. 
Dominifus anttaljmcn unb fo entftanb bas DominiPanerinnenftift 
H u f l? o f. (Jmifcbert ben Sddöffcrn ^ürftenberg unb ICartenberg gelegen, bic non 
ben f}öben auf bas ©alflofter f?crabfchautcn, mürbe) bas jum Klofter gebörenbe ©ottes* 
baus feit 1537 © r a b ft t ä 11 e bes 5 ü r fl e,1 bergifd?en © r a f cn-, fpätcr 
$ürftenl?aufes, momit bas Klofter noch eine eigenartige Bebeutung erlangte. <§u 
bem Klofter gehörte bie eine halbe Stunbe entfernte, am Hbbang ber €ängc gelegene 
iTallfabrtsfapcllc ©nabental, bei ber 3uoor Brübcr anfäffig mären. 

Diele abcligc ^äulein ber Umgebung fanben in bem Klofter mäl?renb bes 
Hlittelalters Hufnabme unb Derforgung. Heben neun (Gräfinnen 3U ^ürftenberg 
finben mir abelige Damen. aus ben Raufern bercr, non Ulmsbofen, non Baibingen, 
non Beringen, non Blumberg, pon Blumegg, pon ©mmingen (f?od?emmingen), pou 
©fd?ingcn (Donauefd?ingen), pon Delfenberg, pon ^ii^cn, pon ©eiftngen, pou ©öberg, 
pon ©rünburg, pon £}erocn, pon ^immern. ©tn-a ber feebfte ©eil aller Honnen 
mar abelig. Das mad?tc mobl bie enge Derbinbung ber Klofter mit bem gräflichen 
l?aufe ^ürftenberg. 

Die Stürme bes feefoebnten 3 a bK?unberts entleerten um 1560 aber auch biefes 
Klofter. 3 c bodi glcid? ^ricbenmeiler mürbe es mieber neu beficbelt, unb 3mar mit 
^ifterjienferinnen. Das Klofter erlebte eine neue Blüte, bic fid? im ad?t5el?nten 3 a ^ r * 
l?unbert jeigt. Über bem allgemeinen Sterben ber Klofter, mic es bie HufFUirungsjcit 
brad;tc, entging aud? HTariaf?of nid?t. Sclbft ber Umftanb, bafj hier bie ©rabftätte bes 
^ürftenbergifd?cn ffaufes mar, Fonnte bas Klofter nicht retten. ©s mürbe 1802 auf¬ 
gehoben. 

Reute ftef?t Pom Klofter nichts mehr, aujjer bem Beid?tpaterhaus, in bem 
jefet ber Kaplan mol?nt, ber ben ©ottesbienft in ber anftelle ber KloftcrFird?e erbauten 
^ürftlid? ^ürftenbergifd?en ©ruftfird?e l?ält. 3 m 3 a brc 1852 t?at ein Branb Klofter 
unb Klofterfirdie jerftört. ©in mcitcr, ftiller ParF bcl?nt fid? um bie ©ruftfird?e, bie 
nad? italicnifcben Dorbilbcrtt mit l?of?cr Kuppel fid? über ber tief angelegten ©oten* 
Fammcr mölbt. Das ©borgebet ber frommen Honnen erflingt nid?t mehr. Die 
meinen Rabitc ftub pcrfcbmunben. 2 T(arial?of ift mie Hmtenbaufen als Klofter faft 
ganj serftört. 

Der Kusblicf auf bio £anbfd;aft ift eintönig. Don Feiner Seite bietet ftd> 
bas £anbfd?aftsbilb ber meiten ©bene fo menig porteilbaft, als gcrabe pon hier. Die 
Konturen ber meiten £anbfd?aft fdviuen pcrflad?t, träg sieben bie IDaffer ber Donau 
3U tinfereu ^iifkn porbei, in pielgemunbenem £aufe. Der IDartcnberg unb ber dürften* 
borg fd?auen smar aud? beute nod? in ben parf herein. Uber es mobnt Feine Ren- 
fd?aft mehr auf il?uen. Unb pon ^iirftenberg ftebt buchftäblid? Fein Stein mehr auf 
bem anbern, menigflens nidit über ber ©rbe. 

So prebigt beute HTariahof bic Dergänglid;Feit alles 3 f bifd?en. Hur 
ber hart am parF porbeiführenbe ©ifenbabnsug mit feinem mcitbin hörbaren 


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Kauften erinnert an bas Ijaftcnöe Ceben bes Tages, bas boeb alle, fomeit ihr £eib 
in Bctradit Fommt, hinfiU?rt am Enbc ihrer «Erbentage — 3ur füllen Gruft! 

T a tt tt h e i m 

Tannheim ift eine Hieberlaffung im Tattnenmalbe. Unb im Tannenmalb, im 
„Schartamalb", ift 1354 ; bas fleine Klöfterlein gegrünbd morben. Es maren Pauliner* 
mönebe, bie tjier mohnten. 3h rc ' trat immer nur gering. 

U/entt Pu auffteigft non IPoltcrbingen gegen bas heutige Porf Tannheim, fo 
Fommft Pu an ber Stätte bes alten Klofters norbei; gcrabe eben bort, mo bie Strafjc 
gegen bas Porf bin ftdi rnieber 3U fenfen beginnt. Tibet nichts mehr erinnert baran, 
ba£ hier einft ein Gotteshaus ftanb. Stiles ift abgetragen, Kloftcr unb Kirdte. 

Pas Klöfterlein ging, mie bie übrigen Kloftcr, im 3 ahrc 1802 unter. 3 n ber 
Kird* lraren ber Überlieferung nach bie Gebeine eines Seligen, Kuno non Tann* 
heim genannt, begraben, ber ben Beinamen ber „Sduneigcr" führte. IDer er mar, ift 
unbefannt. Es ging eine IDallfahrt hierher, fo lange bie Kirche ftanb. Tlls man bie 
neue Kirche im Porf baute, mürbe bie Klofterfircbe abgetragen. Reliquien bes Seligen, 
bie als folcbc feftgeftellt merben Fonnten, fanb matt nicht mehr an ber als „Grab" 
be3eidmeten Stelle. 3 nfolgcbeffcn ift bie JTallfabrt jeüt eingegangen. 

Schott jefet merben r>iele über bie Stätte manbertt, ohne ju ahnen, bafj h' ct ein¬ 
mal ein Kloftcr ftanb. Tiber gehen barf man ben tCeg hoch ttod). ^rei fdimeift 
ber BlicF non ba hinüber nach bem etma 20 ZHinuten entfernten Porfe, aber auch 
nadj CDften 31t Fötttten mir über bie nächftcn IDälber meg mcit hineinfd^auett in bie 
öftlicbe Baar. Uttb linFs, ba fteht ttod), mie 3U alten feiten, ber Tannen mafftges 
f)eer, meit hinüber gen tjammereifenbad) uttb Bregettbacb. Pas alte Kirdilctn non 
Bregettbacb haben bie pauliner non Tannheim jahrhunbertelang oerfchen. 



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2lbb. Z>crfftrafcc au» Jlafcit 



QJoflteßunbftcße QPanfcerung tn bet Qöaat 

t>on «Sugen $etjrle 

lllit 6 ^cbcrjcidjnungcn rou <£ r ix ft ^etjrlc 

» 

j)er pon Heuftabt im Scfytparjtpalö nadi Donauefdnugen fäljrt ober geht 
iunb babei auf bie (Segenb achtet, t?at ben Einbrucf, bag nach Koten- 
bad? ber eigentliche Sdjtpatjtpalb aufhöre unb man jefet aus ben bunfeln 
IPälbern hinausfomme „ins £anb", tpie ber Schtpar5tpälber Hhnrtacber $u fagen 
pflegte, toenn er oom „IDalb" Ijcr oftioärts inanberte nadj ben freien flächen ber 
Baar. Balb hinter Kötenbad? fteht man picl mehr (ßetreibefclber unb ©bftbäume 
als bisher, 100 nur einige Pflaumen* unb Kirfdjbäumc füge ^rächte fpenben unb 
an befonbers fonniger Stelle aud? eine anbere Baumfrudjt gebeiht, tpährenb ba 
unb bort noch c ' n ijoljapfelbaum an bie oorrömifdje <Jeit ©ermaniens erinnert, 
dagegen ladjen einem fd?on in Söffingen bie fd^önften Kpfelblüten entgegen. Unb 
erft am (Eingang pon Döggingen machen bem „tüälber" bie reichen ©bftgärten 
flar, bag er in einer ganj anberen (5cgcnb ift. 

Kud? in ber Spradjc ift ein groger Unterfdjieb jrotfehen ben beiben faunt eine 
Stunbe auseinanber liegenben (ßrenjorten Kötcnbach unb Cöffingen. Per Kötenbadicr 
geht heim, ber Söffinger houm, ber (ßaifdjt (<£>eift) heigt in Söffingen (Soafdp. 
Khnlid) noic im Bayrifdten ift in ber Baar ei 511 oa getporben. Beibc Saute o 
unb a iperben babei in polier Sdjallftärfe gefprodjett, tpährenb in ber Kichtung 
auf ben Bobenfcc 511 bem o ein fdimuches e nachfdxlägt, ei alfo mehr 511m un- 

£aMfd?e ßeimat. 1—3 H 


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echten Doppellaut unb fchlieglkh 5um offenen o mirb. iPenn auch biefes oa com 
bayrifchen »erfdneben fein mag, fo fyört es ftd? bod? fetjr breit unb maffig an, recht 
be5eidjnenb für ben 23 aarbetr>ofyner, mährenb bas oe bes Seehafen menbiger unb 
flinfer flingt. (Öfters roirb bas oa, ua, ue ber Baar noch rauher unb tonuoller 
geftaltet burdj bas nadjfolgenbe, augerorbentlich rauh gefprodjenc Bachen >ch, bas 
ber „Baaremer" im 3 n ' unb Auslaut tjat (im Anlaut nur htt ©renjgebiet, t>om 
^ürftenberg aus gegen ben fjegau 5u), toie im Doppellaut ua 5. B. in ^ruadjt 
= ^ruefjt. Breit merben in ber Baar aud? bie Pofale gefprodjen, bie oom mittel« 
l^odjbeutfdjen tjer geblieben finb. Der Sdjmarjmälber t?at feine < 5 it (^eit), er hot 
nodj mit fjaim (rneit l^eim); ber Baaremer feine ,gitt unb miit fyoam. 

Buch gan3e Po faireren finb oortjanben unb bejeidjnenb lang: t ri ä j e = fett 
merben, gebeiljen; gruäje = ruljen, Briäje = Brülje. So treten, mie im bjodj« 
alemannifdjen, Konfonanten unter gemiffen Bebingungen als Cängen auf, mit einer 
Silbenpaufe in fidy (fuf=fe = faufen, rib=be = reiten). Das tyört ftd? eigenartig, un¬ 
beholfen unb rauh on. 

Dem uon Heuftabt h ct IDonbcrnben fallen auch bie IDirtshausnamen auf: 
Der Cötuen h^fet Cääje, unb fein Befiger ber £äjes, ftatt (ßafthaus jur ^lofcbc 
fagt ber Baaremer $ur ^läfcbe, roie ältere Ceute heute noch Schublääb fagen 
für Schublabe, roährenb ber jüngere Hachmucbs unter bem «Einfluß ber Schulbilbung 
bas febriftbeutfehe a hot 1 . 

3m ©egenfag 5um „tüalb" fteht auch ber tPedjfel uon r unb 1 unb ber oon 
s unb r: bie Kircbtreih h cl 8t in ber Baar Kilbi, Kirche = Kilche, Kircbborf = 
Kilboarf; bie Dachgaube h ci f?t bas (ßuggehiirli, toährenb bie Perfleinerung r»on 
ftaus allgemein fonft bas tyisli ift. 

Die Hötenbacherin baeft (ßugelupf, bie Baaremer Bäuerin i^äpfeläabli, 
bie Schmarjroälber Kuh hot Bolle an ben Beinen (Schmugfrufte), bie baaremer 
Bägle; bort hoben bie Kinber (mie im f^egau) einen Balebii (mollenes fjalstuch)^ 
in ber Baar einen Cfefiir. 

So liegen ficb uiele merfmale ber Sprache unb Unterfdjiebe uon angrenjenben 
Canbteilen anführen, bie jeigen, bag bie Baar eine BTunbart für ftdj hot, ber mohl 
manches mit bem meftlicheren SchtDarjmalb-Klemanttifch, anberes mit bem Sd>mä* 
bifchen gemeinfam ift, bie aber in oielem eine gan3 eigene (Entancflung genommen hot. 

IDanbert man in bas f)erj ber Baar, in bie ©egenb t>on Donauefdjingen, fo 
fällt audj immer mehr ber anbere Blenfdienfdjlag auf. Por einigen 3 a h ren be- 
fudjten Kötenbacher ihren alten Celjrer in Kafen, Kmt Donauefchingen. Da fonnten 
bie Bauern bes Dorfes geh nicht genug freuen über bie fleinen IPälbermiibli. Die 
Ceute in ber Baar finb nämlich im ©egenfag $um „IDälber" im allgemeinen grog 
gemaebfen, t>on febönem, ftarfem Körperbau. €in „fuufer gtuaebfenes" Baaremer 
Dleibli barf ftdj überall neben ben grogen norbbcutfd?en Blonbinen fehen laffen. 
Doch fehlt ben ^rauengefu-btern rielfad? eine gemiffe 3 ar tboit unb Cieblidifeit, aber 

1 L\jl. (0. ITcifc, liniere Humhartcn, ihr ircrhcn liuh ihr llVteu', h>m), i t r». 


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fte ftnb bodf fetjc anfpredjenö unö ausörucfsooll. Der Knochenbau ift meift ftarf ent» 
wicfelt, fo öajj XTtänncr bisweilen etwas grobfdjlächtig wirfen unö man bei UTäöchen 
mit 5U ftarf entwkfelten Schäöelfnodjen oon „Boorenter Stierfopf" fpricht. 

Der Bauer in öer Baar ift öem ^remöen gegenüber etwas jurücfbaltenö, wie 
bet Ulemanne überhaupt. tDenn öer ^remöe meint, ihn öurch eine HIenge oon 
fragen mehr 3um Heben ju bringen, fo fann er öfters öie Untwort „jo, jo" befom* 
men. 3 m ©runöe genommen ift öas gar feine Untwort, fonöern nur eine beöeutungs« 
lofe Üuferung einem fraget gegenüber, öem man nicht antworten will, oöer ben 
man nicht »erfteht oöer los haben mödjte, befonöers wenn er eine fremö flingenöe 
XTtunbart fpricht. Dabei ift öer Baaremer nicht öuntm oöer gar heimtücfifdi, wie 
^remöe öie alemannifche ^urücfhaltung bisweilen erflären wollen. (Er fann, wenn 
es fein muf, fehr öeutlidj unö offen weröen. Die (Grobheit öer Baaremer ift 
fefjon feit langem immer wieöer betont. Uber fte ftnö öabei ehrlich, unö öas perföhnt. 

Der Bauer fann fehr fdjarf beobachten. XTtan tuuf im XDirtshaus mit ihm 
ft feen, wenn ^remöe porbeigehen, 5. B. Damen aus Öen umliegenöen Baöeftäötdicn, 
„öeren Kleiber oben unb unten 5U fürs ftnö", unö öantt öas Urteil öer Bauern 
hören. Dom Kopf bis jum ^uf? fönnen fte öie auffallend Kleiöung öer ^lemöeu 
befhreiben unö mit treffenöem Spott ihr (Bebaren fenu3eichueit. Der Bauer war 
ja immer ein großer Satirifer, öas weif öie Citeraturgcfdndjte aller feiten, unö 
öie Baaremer ftnö auch h^ er m c<fye Bauern. 

Bei öem manchmal etwas rauhen Uuf eren ift öer Baaremer öurdutus gutlje jig 
unö oor allem treu unö juoerläfftg unö nicht flatterhaft. U)er ihn mit Dertrauen 
entgegentritt, wirö Dertrauen ftnben. Unö öiefe herben, oft fdtwerfälligett Ulenfdjen 
mit ihrem guten h cr jen unö oft finölidjer Zartheit muf man gern haben, we.at 
man öeutfhes IDefen überhaupt perfteht. 

U)ie öie XUenfchen öer Baar jurücfhaltcnb finö, fo offenbart aud> öie €anö* 
fchaft nicht jeöem flüchtigen Blicf ihre Sdjönheit. IDer nur mit öer 'Eifeubahtt 
öurdj öie Baar fährt unö porfjcr öie Schwarjwalbbcrge bewuitöert l^tt, öem fommt 
öie Baar leicht nüchtern por. 3 ft im ^rühjahr öer Sdmee weg unö wagen fid? 
öie grünen £) a lme por Öen falten U)inöen, öie über öie h°<hflndK binfegeu, uodj 
nicht aus öem Boöen heraus, öami mag öas (Brau gtüit, öas mau rou Döggiu ett 
bei hüfmQen oöer pon Somme.au bis Dillingen beobahten fann, eintönig wir eu. 
IDenn aber öie ^rühlingsfoune öie Blumen unö (Bräfer geweeft bat, fo gib; es 
faum etwas Prächtigeres als öie herrlichen bunten tPicienflächen, öie ö r XUai er 
öie weiten ^luren legt. Unö im Sommer wogen golöeue (Betreiöef Iber über Me 
gewellten flächen hin, unö in taufenöen pon Uhren quillt (Bottes Segen Ixnv'r. 
Uuch öann ift öie Kornfammer Baöens, wie man öie Baar mit Hedjt ne., u, 
ein wunöerbares €attö. Die weiten Cinien geben öer £auöfd>aft einen grofjügi.vu 
(Eh^rafter unö wirfen beruhigenö auf öas Uuge. 

Unö in öiefe großflächige Canöfdjaft hinein ftellt öer Bauer öie weitgeöeh neu 
Käufer, wie fic für öie Baaröörfer bejekhncub ftnö. 3 ' n (Begeufafe jum fra . i- 

H* 


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fdjen (Beljöft, in bem IDotjngebäube, IDirtfdjaftsräume, Ställe, Sdjeune, Schuppen 
ooneinanber. getrennt um einen f}of gruppiert finb unb oft ein behagliches Bilb bar- 
(teilen, ift bas Baarljaus ein (Einbau. HUe Häumlidjfeiten finb in ber Hegel unter 
einem Dadj. Das fjaus wirb burdj ben fjausgang, bie f^ufeere in jtuei ©eile 
geteilt. Huf ber einen Seite finb bie tDoljnräume, auf ber anbern ber Stall; an 
biefen fdjlieft ftdj bie Scheune an. IDo erforberlidj, finb mehrere Ställe ba, für 
Hinbuieh, Pferbe, Schafe, Schweine; fie ftnb beiberfeits an bie Scheune angereiht, 
ben Befdjluf bilbet ein Schuppen, Sdjopf genannt, wenn es nötig ift, auch e * n 
Sweiter. Die 'Küche liegt, befonbers bei einftöcfigen fjäufern hinter ber Bufeere, 
bei größeren auch öfters baneben, im IDoljnbau. Die (Einteilung ift bei großen 
wie fleinen Bauernljäufern im wefentlidjen biefelbe (Hbb. 6). Das Beftreben, alles 
unter ein Dach ju bringen, geht fo weit, baf auch bei Käufern, bie sunädjt feine 
Ställe unb IDirtfdjaftsräume enthalten haben, biefe nachträglich wie beim (Einbau, 
redjts ober linfs angebaut werben, fo baf fte tatfädjlidj mit bem älteren IDoljnbau 
ein (Sanses bilben, wenn auch e ' n flüchtiger Blicf fie fofort als Hnbauten fenntlidj 
madjt. So ftehen 5. B. in Hafen einige befonbers h°h e Raufer mit Staffelgiebel, 
bei benen bie Stallungen, Scheune unb Schöpfe nachträglich sugefügt finb. Die 
Käufer finb nicht näher unterfucht. Hus ber (Befdjidjte bcs Dorfes barf man 
woljl fdjliefen, baf fie als oereinjelte (Butsljöfe ober f^errenfitje, beren IDirtfdjafs« 
räume oom IDohnbau getrennt waren, außerhalb bes Dorfes ftanben, bas früher 
anbers lag als heute 2 . 

^tuifdjen ben fjäufern unb ber Strafe liegt mcift ein offener f?of, in bem 
ber Brunnen fteht unb ber miftfjaufen ftdj breit ausbeljnt unb auferbem noch eine 
grofe fläche übrig bleibt (Hbb. j). Der ^wifdjenraum jmifcben ben Käufern redjts 
unb linfs ber Strafe ift beshalb fehr grof, unb eine foldje Dorfftrafe madjt, ber 
weiten Canbfdjaft entfpredjenb, ebenfalls einen breiten, freien (Einbrucf, ber einem 
doII $um Bewuftfein fommt, wenn man ein fränfifdjes Dorf mit ben gefdjloffenen 
I)öfen unb engbegren$ten Strafen aus ber (Begenb non fjeibelberg uergleidjt. 

Seiner ganjen Hrt nadj hängt ber Bauer in ber Baar meift mit grofer 
^äljigfeit an alten Sitten. Um bie (Dfterjeit 5. B. fallen in ben (Bärten, inbcnen fonft 
nodj fpärlidj einseine Frühlingsblumen bas graue «Einerlei beleben, bie h°h cn 
palmen mit ihrem frifdjen (Brün auf (Hbb. 2— 5 ). Die Palmen, bie am Sonntag 
oor ©ftern wie an Dielen fatfjolifdjen ©rten jur IDeitje in bie Kirdje gebradjt 
werben, finb in ber Baar grof unb fdjön unb werben faum in einer beutfdjen 
£anbfdjaft übertroffen. IDäljrenb 3. B. im ©benwalb bie Palmen meift gan5 einfach, 
faft befenartig finb unb man im Ljegau oft nur ein mehr ober weniger gefdjmücftes 
©änndjen als Palmen Ij 0 */ bas nach öer firdjlidjen IDeitje an ber Stalltüre 
fcftgenagelt wirb, ebenfo oiclfadj in ber Bobenfeegegenb unb in ber Schweis, wo 
bas Onndjen allerbings 3iemlidj rcidjlidj mit Bänbern pcrfeljen ift, werben bie 
Palmen in ber Baar fehr forgfältig gebuttben. Der fdjlanfe Stamm ift poh 

2 P 13 I. <Ernft ^chrlc, Pic Flurnamen von Olafen 1 8 f. 


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— \\7 ~ 



nbbilöuna 2 »bbilbun« 3 »bWtbuna \ Mbbilbnna 5 


einer jungen Canne, 6er grüne Sdjmucf pom Sepibaum 8 06er 6er Kecfljol6erftau6e 4 
06er aus Buc^s. 

Der Stamm bes Palmen ift forgfältig gefcfjält 5 unb bis $ur untern Kugel 
ober bem an ber entfpredjenben Stelle angebrachten Bufd? pon einem bunten, meift 
roten Banb umjogen. mancherorts trägt er jtpifdjen bem Keiftg überall Üpfel. 
Die Kreujljö^djen mit ben Querftäbchen bran jtnb aus fjolunber funftooll gereift. 
<£s jtnb 7 ober 9 Querljöljcfyen angebracht. 

* Serebaum, Sabebaum, 3 uniperus Sabina. Dgl. 5 ran 3 Sohns, llnferc pflanjen 6 19:0, 
70; 3. murr, Die pftaniemrelt in ber griedjifdjen mytbologie iboo, 1 f. 

* 2 tlemannifdje Sejeid?nung für IDadioIber. 

5 €ugen ^cbrle, Deutfdie ^efte unb Dolfsbräutfce 3 53, 65 . 


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Piefer „Baalmc" mirb nadj ber IPeifye in ben ©arten geftellt ( 2 tbb. 6) 
unb bleibt bort, um Segen 5U uerbreiten. J m 5 r üfyj a f? r MM er einen fcbönett 
Sdjmucf, im Sommer ftcl^t er e'tnfam in all bent ©rün als bürrer 2 ?eft einer 
fdjönen Sitte. 

©rfreulidjermeife merbctt bicfe Palmen nicfyt nur in ben Pörfern gemacht, 
fonbcrn aud> Ponauefdjingcn bat, am IPeg nad? ber Bräunlinger f^öfje, feljr 
fcfyönc Palmen, bie mit beneit eines jeben Porfes metteifern fönnen ( 2 tbb. 2, 5 , 5). 

So ift bie Paar. £)eimat ift ja fddiejjlid? für jeben Blenfdjen ein eigen 
Schönes. 2 lber bas tjaben mir fdion uielc unb Dielgcmanberte, bie nidjt in ber 
Paar Kinber gemefen finb, gefagt, bafj aud? biefes Canb feine eigene Schönheit 
befttjt; man mujj fte nur mit liebcpollem X^erjeit angcfycn unb gefunben haben. 



Hbf». t. Tcm Hngcr in Hafen 


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«Sbonnantcljcblicfic 


©ae litMffßan&werß tn (Ptfftngen 

Von Stafctpfarrer tPil^cIin Kling in Pillingeit 

ic (ßrünbuitg ber ^ähringer au f öcm Sditra^malbe birgt in ihren Ulaucrit 
gar mandie ZDerfc, trcldje neben bem Sdjönfjeüsftnn befonbers bie Kunft- 
fcrtigFeit ber rergangeitcn (£>efd?led)tcr rerfünben. (Lrohbem aber tft es 
febmer 311 lagen, ob bis tief ins 14 . 3 alirbunbert hinein bas KunftbanbmerF in ihr 
fchon eine beimifdx' Stätte batte; beim gar manche Quelle, aus ber uns Kenntnis 
ber IHeifter fließen Fönnte unb follte, ift rcrfchüttet, gar manche rerfagt, gar manche 
Kunftarbeit ift ron ihrem urfprünglidxn (Drtc f pur los uerfdutuinbeii, gar manche audi 
ron Unrerftanb unb Bosheit bem Untergänge geireibt irorben. 

IPobl rermutet man, baf? ber fog. ^ürftcnbcr«gifd>e Kelch: ein IDerF ron bebeu* * 
tenbem IPertc unb berrorragenber Schönheit, in romanifdiem Stile gehalten, ben (Sraf 
fjeinrid/ ron ^iirftenberg 1282 bem ZTliinfter 511 Dillingen fehenfte, ron einem ein» 
beimifdx'n d 3 olbfcbmiebc gefertigt mürbe; 1 aber bei ber Vermutung bleibt es! — 

<£rft nad? biefer ^cit, alfo gegen <£itbe bes 14 . unb bann im 15 . unb lö. 3 ahr» 
hunbert ift es möglich, auf einigen (Gebieten bas Pi Hinge v KuuftbanbmerF in feiner 
Cätigfeit ctiras 311 rcrfolgen unb 5trar auf jenen ber £ u ch e r unb U) c b c r, ber 
1) a f n e v unb ©locfcttgiefjc r. 

Schon um bas 3 a h r 1510 erfdx'int 311 Pillingen bas UanbmerF ber Cucher unb 
tDeber als einet ber bauptfädilid'iften <£nrerbs3ircigc feiner Bürger. 1556 bestätigte 
biefen ber IHagiftrat ihre Kedite. 2 Urfprünglidi rerfertigten bie Hudvr unb ZDcbcr 
fog. ciitmänniges cTud? — fo genannt, ireil es ein ZUann auf einem engen IDebftublc 
anfertigte — unb fog. IPilfelinge: ftarFe ^euge, balb trollen, balb leinen, bie beffer 

1 Kraus, f. |23. — 2 <Sotl|ciit, S. 553 ff. 



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*20 — 


mtb barum aud* teurer rrareit als erfteres. Spätefc bann, im 3 abre * 470 , itntrbe 
außer biefen beiben Stoffarten eine neue eingefüfyrt: bie fog. „Ijofcen", ein Stoff, 
3u bem olämifdies ©am permenbet mürbe. Schließlich, gegen <£nbe bes *6. 3 alir* 
bunberts, perlcgte man ftcb auch, mie bies aus ben bamaiigen Sdjauorbnungcn fyer* 
porgeht, auf bas IDcbcn t>on feineren, ad*t« unb ftebenbünbigen Cüdjern. Die b)aupt- 
fadje aber blieben immer bie ^uttertücber. IDas bergeftellt mürbe, mar nur gute IDare. 
Dafür forgte einerfeits bas ©efetj, meldjes bie Dermenbung aller £rfat>« unb Strecf- 
mittel ftreng perbot,* anbererfeits bie r>on Kmtsmegen beftellte Schau, melcbe gemiffen« 
baft über bie Beobachtung ber befteljenben Dorf driften roadjte unb febarfe Strafen per« 
bängte.'* 2 tucb b^be bie Stabtuermaltung großes 3 n ^ cre ff c für bas Cucber* unb 
tDebcrfjanbmerf unb unterfiüßte es. s Die IDare felbft mürbe perfübrt, teils unoer* 
arbeitet, teils 3U Kleibungsflücfen perarbeitet. So befamen im * 5 . 3 abrbunbert noch 
bie ITtöndje pon St. Blaften einen Heil ihrer Befleibung pon DiUingen. 

$aft ebenfomeit jurücf mie bas fymbmerf ber Cudjer unb IDeber läßt ftd> jenes 
ber f) a f n e r perfolgen. *364 mirb erftmals bie fog. ^afnergaffe ermähnt. *40* 
unb *509 ff. finben ft<b piele Hafner perjeiebnet unb feit ber ITTitte bes * 5 . 3 abr* 
bunberts mirb bas norböftlidje Diertel ber Stabt nad* biefem ©emerbe benannt. Stets 
mar bas Jjanbmerf ber fyifner in DiUingen I^cimtfd?, menn es auch nid?t 5U allen 
feiten nachweisbar fünftlerifcb bebeutenbe IDerfe fdjuf. Uber es fyrt foldje b et Por* 
gebracht. Sie geboren teils bem * 6 . unb * 7 ., teils aud* erft bem * 9 . 3abrbutibert 
an. Diele biefer IDerfe finb 3meifellos perloren gegangen, manche auch noch nicht be« 
fannt gemorben; aber bie menigen, melcbe porhanben ftnb, bemeifen, auf meldet fjöhc 
bas £)afnerbanbmerf ju beiben «feiten ftanb. 

IDas mir an Schöpfungen aus ber erften Blüteperiobe bes fjafnerhanbroerfes in 
Dillingen beftßen, perbanfen mir faft ausfcbließlicb f)ans Kraut (c. * 532 —* 592 ), 
ben Fachleute heute „3U ben beften beutfehen Kunfttöpfern bes *6, 3 abrhunberts" 
3ählen. Don ihm unb feinen Arbeiten fcfyreibt ber befannte Keramifcr Profeffor 
Kornbaas in Karlsruhe: „IDir bürfen annehmen, baß fjans Kraut aus ftcb felbft 
bas gemorben ift, mas er ift, mit aU feinen Do^ügen unb Schroädien; ein für feine 
^cit unb Umgebung großes Calent, ein feböpferifebet Künftlcr unb ffaitbmerFer, oft 
urmüchftg berb ohne aÜ3U ftrenge Durchführung eines ©ebanfens, in ber piaftif größer 
als in ber ^ühnung." 7 2 tn Keinen Arbeiten non biefem IHcifter ftnb neben anbertt 
nod? porhanben: ©fenfacbeln 8 , ©fenauffäße 9 , ©fenftücfe 10 , ©ebacfmobcUe unb 2 Tto* 
belle 3U ©fenfacbeln 11 , tEonflücfe ber perfcbiebenflen 2 lrt 12 ; an größeren: 3mci Pracht« 
ftflefe, pon benen bas eine in Keliefarbeit bie IDappen bes Kaifers ITTarimilian II., 
bes ©rjhersogs ^erbinanb pon (Dfterreicb unb ber Stabt Dillingen jeigt 13 , bas anbeve 
in berfelbcn Behanblung bie Seefdiladit pon Kbobus (* 523 ) mit brei Sdiladitfcbiffen 


3 ©othein, 5- 55t. — 4 K. p. r. u- 3nli 1 67 2 . — 3 2\. p. r. 56 . Zlorember i h<>y. — 
6 Kaber, 5- 126* — 7 Kober, §ur £ebcnsaefd?icbte, 5.578. — * 21.5-321, t<>2, 224 , 98«», 804 , 
865, 492 , 924, 1417- — 0 21. 5. 291—510- — 10 21.5.945. — 11 21. 5- 884—1248, 1270 U!tb 
1509 . — 1? 21.5. 1557, 1558, 1540, 225, 809 , 5i7- — 13 21. 5-7 flammt ans bem 3 a ^ rc 1">74. 


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S4>(ad|t »ölt (J523) uon ßans Kraut 


t*er Jobatmitcr unö jtpcictt öcr Cürfcn barflcllt 14 . Seine größten uni» bcbeutenöftcn 
IPcrfe aber bilöcn öie beibett ©fett, bic er gebaut bat. Sic ftttb itt Kenaiffance gehalten. 
Per eine, mit ber 3 a l? rcs 5 a t)l 1 , 577 , ftanb bis itt bic 1870 er 3 at)re in einem pruxittyaufc 
in (Engen unb mürbe bann lim 6000 fl an bas Kcnfington ZHufettm in £onboit 
pcrFauft 15 ; ber attberc, ein (BefdtcnF bes 21 btes non St. (Scorgcn für beit Kbt (ßallus 
in St. Peter, befattb ftcb in bent ehemaligen BcncöiFtincrFloftcr, jetzigem Prteftetfemi* 
ttar 311 St. Peter unb ftcfyt jefet im Kunftgeroerbcmufcum in Karlsruhe. 10 

Pie IPerFe ber juteiten Blüteperiobe bes f)afttcrbauötPctFes fobann ftnb lcbiglicb 
Schöpfutigen ber KlemfUnft. Pie IHeifler, tpeldje biefe jicrlicbett Arbeiten febufen, ftnb: 
ber fog. Berglebafner 3 ofef IPalfer (1792 — 18 ( 15 ); 3 ofcf < 0 ötb ( 1805 — 1883 ) unb 
fein Sohn 21 Ibert Cbeobor <£>ötb (gcb. 1833 ); 3 °f c f Pmmenljofer ( 1802 — 1876 ) unb 
bie beiben Brüber Pominifus Ummenbofer ( 1802 — 1876 ) unb 3 Eapcr Ummenbofer 
(geb. 1805 ). 2111 c perlegten ftdt auf BTobellarbcitcit 17 , auf Conftücfe 18 , auf Cott* 

ftguren 19 , auf tPeibnacbtsFrippcn 20 ; 211 bert Pbeobor (Söth perfertigte aufterbem nodt 
llbrenfdjilbe 21 . 


“ 21. 5. 1977, t»as (Eonftiicf rourbe gefdjaffen jur (Erinnerung an beit Pillinger 3ob(P»titer 
tDolfgang ron Ulaßmünfter, ber (523 an ber Sdjladjtju Hbobus teilnabm mtb ( 536 in Dillingen ftarb. 
— 15 2t-S. 33(, 2Ibbilbung biefcs ®fctts in £onbon. — 16 21. 5. (8(8 a n. (8(8 b. 2lbbilbung unb 
Beitreibung biefes ©fens aus bent 3 a b rc (787. — 17 21. 5- (508 non 3°f e f IDalfer, (904 rott 
Cbeobor <Sötb, uttb (130 unb ((3( non bemfelbett, 1098 unb (099 pou Dominif Ummenbofer. — 
18 2t-5. (94s pou 3ofef iüalfer, 21.5. (884 pou 3ofcf <Sötb, 2t. S. (7(8, (856 u-K. b. 3- S. 23 
pou {Dteobor (Sott;, 2t. 5- 989, (646—48 n. K. b. 3- S- 24 u. 2f. p. I>omin. Ummenbofer, 21.5. 
(727—(730 pon 3ofef Ummenbofer, 21-5. (733 p-Xapcr Ummenbofer. — 19 21.5. 922, 450,965, 
(507 pott 3ofef tUalfer, 21. 5- (731, (732 n. K- b. 3- -■ 2 4 »• 3°f e f Ummenbofer, 2t. 5. ( (82 p. 
Xaper Ummenbofer. — 20 2t. 5- 965 p. 3°f c f tUalfer, 21. 5- (976 u. K- b. 3 - 5- 24 p. 3°fef <Sötb, 
2t-5- (7(9 pott (Ebcobor <Sötb, K. b- 3 - -• 2 5 ron Dom. Ummenbofer. — 21 2 t. 5- (087, (( 29, 
127(, (272, (720—(725. 


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\22 — 


(Sogen ©ttfce bes 16. 3alirbunt>crts fartfc auch bk ©lodengiejjcrei in 
Pillingcn eine f?eimftältc uni» behielt 6iefc bis beute. Um bas 3abt 1570 nämlidi 
er richtete Bans Heble (1552—1615) eine fold?c. 3bm folgte fein Sohn ©briftoph 
Heble (1581 — 1649). Piefer betrieb bas Banbmerf feines Paters bis jum 3 a ^? l ' e 
1625, in ipelcbem er bann bas ©efebäft feinem Sebmiegerfobne 3° a ^* m ©tüningcr 
(1604 — 1670) übergab. Seit biefer Seit ift cs bei ber Familie ©rümnger 22 geblieben 
unb bat ben guten Huf, ben ihm bie feitlierigen 3«habcr burdi ausgejeiebnete Arbeiten 
erwarben, in unb außerhalb ber babifdjen Beimat bewahrt unb in jüngften Pagen noch 
rerftärft. Pon ben (Blöden, welche biefe IHcifter 511 ihrer Seit gegoffen h^ben, ftnb 
manche nod> porbanben: piclc untrben umgearbeitet; tpieber anbere finb ein (Dpfcr bes 
unfeligcn Krieges getporben. Pie beiben größten ©eläute aus alter Seit ftammen 
pon 3°fef Penjanün (Brüninger, wob! bem bcbeutcnbftcn unter ben ITTeiftem ber Per* 
gangenbeit. Pas eine mürbe pon ihm für bie Scncbiftincrfirdie feiner Paterftabt 1767 
mit fiebert (Blöden 24 unb bas anbere 1781—1783 für bas Klofter 5t. Plaften im 
Sdtparjmalbe mit 15 (Blöden gegoffen 2 ''. Pie ©loden felbft mürben teils in Pillingeu, 
teils auch an bem 0rte, für ben fie beflimmt waren, bcrgeftellt, mie bies bei bem 
großen ©eläute für bie Klofterfirdic in 5t. Plaften ber ^fall mar. 20 Port mürbe 
uämlid> auf Koften bes ©ottesbaufes eine „fduparje Bütte" mit jrnei ©feit erbaut 
unb jwar unmittelbar por bem ©ingang in bie Kloftcrfircbe, bamit fie nach PoIIcnbuitg 
bes 511 bcgiitneitbcn lüerfes nidit bclaffen unb in ihr fein Konfurrensunterncbmen 
für bie UTeifter aus Pillingeu gefebaffen merben fonnte. 27 3 n ber Beimatftabt bitten 
bie ©lodcngicfjcr ein „©iifjbaus" auf bem Kupferberg'-'*, fpäter bann, pon 1821 an, 
eilt foldies beim ehemaligen Pulperturm auf bem ©raben fü&lieh ber StaM 20 , bis im 
Pejember 1875 bie heutige ©tefkrei neben bem alten Umtsbaufe ber 3°banniter erbaut 
mar. 30 Uber bie 2lrt ber Berftellung ber ©loden unb ©eläute geben bie Kufseicbnungcn 
pon 21 toiiirab ©rüitingcr aus bem 3 a brc 1767 einigen Huffcbluf?. 2lus bcnfelbcit 


22 Die Inhaber ber (Slocfettgiefjerei waren: 3 oac ty m (Srüningcr (n>oi— i6:o), llTattbäns 
(Srüningcr (i<>53—17 io), 3aFob Pclagius (Srüninger (1091— 1720) unb llleinrab 2lnton (Srü* 
niitger (((»92 — 1:00), 3°*? ann pclagius (Srüningcr (1:21 — 1790), 3°H'f Benjamin (Srüninger 
(1:55 — 1:95', BiFlaus llleinrab (Srüningcr (1:03—1818\ Benjamin fcrcrin (Srüningcr (1782— \ 840), 
£uFas ITCeinrab (Srüninger (ihm — 1849), Benjamin BenebiFt (Srüningcr (821 — 18:9) mit feinen 
beiben Söhnen Benjamin (Srüningcr (18:5—1912) unb 2lbalbert (Srüningcr (ih 52—1918), woju 
189: nod> Benjamin (Srüninger bin^utrat, ber ttadi bem (Tobe bes erften unb nad? bem ^lusfdieibcn 
bes 3meiten aus bem (Sefdjdfte ber alleinige 3 n t? a kcr ber ^irma ift IDalter 5. 74^ ff- — 23 So 
eine roit 3 oa d?int (Srüninger aus bem 3 a l? re i<>:4- m (Siitenbacb. Mitteilung ron (Slocfengietfer 
Benjamin (Srüninger. — 24 (Eöne: d (59.5 7>tr ), fis (18,75 gtr.), a (1775 ^tr ), d (5,04 $tr ), fis 
(2,25 > f a (i,53 §tr.) unb d (0,5: £?tr.) f f. (Sloifenrcrjcidmis unter i:o:. — 20 (Töne: a (i5o 
<5tr), c Co <?>tr ), d (+0 <5tr.), e (51,90), f (22 <5tr), £ (!8^tr), a (12 7>tr ) t h (9 ^tr.) f c («»,80 gtr.), 
d (5 3>tr.) f eU,28 ^tr.), f (2,60 Str-), g (2,15 7>tr-), a (1,30 Str.i, c (<>,*: gtr-), f. (Slocfcurerjcicbnis 
unter ithi — 1:83. — 20 llleinrab (Srüninger, „ber (Slocfengiejjcr" f • 20 ff- — 27 llleinrab (Srüninger 
meift in feinem „(Slocfeitgieftcr" uadjbriitflid? auf ralem bin, wo ben llleiftent, bie bort bie (Slocfen 
goffeii, ans ber (Errichtung einer folcben pütte fdnrercr rebaben erftaub, r. 2:. — 26 (S-p- 
i :«»2 — 1 :«.»•» Pont 7. 0Ft 1 :«,2- — 2Ü (Sloifenrcvjeidmis unter i*:5. — 30 (Ebcnba. 


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lägt ftd) entnehmen, bag ein jeber 
Blcifter bic ITtetgobe bes norger^ 
gefycnben übernahm unb ftc burdj 
Stubium tbeoretifdier IDcrfe unb 
burdi ©rfabrungsergebniffc aus 
ber eigenen Arbeit ju nernoll- 
fommnen fudjtc. 2 lm meiften 
bemühte ftcb um ihre Berbeffe- 
rung Benjamin 3ofcf ©rüninger. 

Bon ifyrn befigen mir einen 2tus- 
jug aus bem IPcrfe piudjy’s: 

„Sdnutplafe ber Hatur", ber uns 
in einer Kanbbemerfung jeigt, 
bag ber BTeifter nkbt blog bie 
bort befprodjene „neue ITCetgobc 
bes I)errn Coebu, (Sieger unb 
©rgaitift 511 Cfyälons an ber 
BT ante" für feine 5 me de 

grünblicb ftubierte, foitbcrit audt 
eine eigene ©rfittbuttg gemacht 
gatte. €r fchreibt: „€iit treffe 
lidjer fixet €eim ben ich felbft 
gemacht ift: . 1 tgeil jart gc- 
febmembten £cim; €in;jtbeil alter, >/ 4 tbl foicglmcbl 1 / i oom alten fdjmeljticgl 
jart uerriben." 

Bie übrigen Kunflbattbmerfe Pillittgcns treten nadjmeisbar erft fpäter in bic 'Et= 
febeinung. Bon manchen berfelben ift nur bic eine ober anberc ilrbcit mit ihrem 
IHeiftcr befannt. So miffen mir, bag ber Stud an ber Bede bes üüttelfdnffes unb 
bes (Lborcs im JTCünftcr 511 Billingen 1701 non bem „Stodabor unb ©vpfcrmciflcr" 
Ignatius Btirdner 511 Billingen um 35 fl 36 fr gefertigt mürbe 31 ; fo auch, bag bas 
fdnniebeifcrnc (Sitter im Blünfter, bas ben <£bor cbcbcttt nom Canggaufe trennte, non 
ben Billittger Scblofferit Sobattn Stern unb Kafpar Spetb 1724 gefduniebet mürbe"-. 

Bagegen gelangten im 18. Jabrbunbert einige <5meigc bes Kunftbanbmerfcs jur 
Blüte, ^trar ftnb bei ignett jemeils nur menige iTTeiftcr befannt, aber aus beit 
IDcrfen, mcldte fte gefdtaffen, lägt ftd) mit Sidierbeit fdüiegctt, mie leiftungsfägig bas 
bamalige battbmerf mar. Sic nerbattfett bics bem Umftanbc, bag mattebe moglgabenbe 
K'ircgengemeinbcn unb Kläger ihre ©ottesgäufer ausjufdmüden begannen. 

K u n ft f ch r e i n e r merben in biefer <3cit nier ermähnt: IHattbias Bobeier 
(1710—1784), ber 1750 mit Bilbbauer ilnton liops ben Sodxütar in ber Bidett* 

31 Kraus, S- tt. — :,J Kraus, f• U-- 



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fapelk ju Pillittgen erftellte, 3 otjamt ©liefet (165!—1710), bet 1671 unb 1679 cbenba- 
felbft mit Bilbhauer 3°fyann Sdjupp unb Htaler Hafpar Dober bie beiben Heben' 
altärc fertigte 33 , BTattfjias IPeifjer, ber mit Bilbhauer pbil. Haudj 1765 ben ehe* 
maligen fjocfaltar in Unterfirnach erbaute 34 , unb IHartin Hermann, ein gans be* 
beutenber EHeifter. Diefer mürbe am 7. September 1688 511 PiUingen als Sohn bes 
fians fiermann unb ber Hnna XHatheyferin geboren. 3 n ber erften €I?e mar er per- 
beiratet mit Hnna ZHaria Hieggerin; in 3 meiter «£be mit Hnna EHaria ^rancflin. Hus 
jeber ber beiben Perbinbungcn gingen pier Kinber l^erpor. Hermann ftarb am 18. ©Wo¬ 
her 1782 in feiner Paterftabt 35 . EDo unb bei mem ber IHeifter gelernt, ift niefit be» 
fannt. Seine Arbeiten, bie er ausführte, fmb 3 atjlreicfj, gebiegen unb meiftens Fünft- 
poü. «Er liebte por allem bie fog. 3ntarften. 5“ r feine Paterftabt febuf Hermann bas 
an fief? einfache, aber - io<h mertoolle Carfo-Öjorgeflüljl, bas fidj jefct im XHünfter 
befinbet 30 ; ebenfo 1737-^-38 ben eticmaligen HoFoFo-Fjodjaltar bes ITTünfters, ber 1856 
aus bemfelben entfernt mürbe 37 . 2tudj in Donauefdjingen unb Kiebböt)ringen befinben 
ftd> ncrfcbiebcnc Arbeiten biefes EHeifters 38 . ^ür bie pfarrFirdje in Hiebböhringen 
erfteilte ZTTartin Hermann bie beiben Seitenaltäre; für jene in Donauefdjingen fdjuf er 
1736 bie Ijeutige Kanjel (200 fl), 1737 „Unferer lieben grauen Hltärle mit einem 
Poftament, ZHufcbel famt ben 15 ©efjeimniffen, «Engeln unb pier Silbern, alles nach 
bem böfjmifdjen Hif|", ber fieute nodj im fürftlicben Hrcfjip porljanben ift 30 ; 1739 
einen ^ranjisfus 3£aperius-Hltar, genau nach bem HTufter bes porljergeljenben 40 ; unb 
nach bem 3ah re f7!3 bie jct?t noch portjanbenen pier Beidjtftühle fomie 3 mei meitere, 
bie 1835 entfernt mürben unb je^t in ber PfarrFirdje su ©rüningen ftehen. 3 n ben 
3obren 17^^—1752 arbeitete HTartin Fjermann in §miefalten unb erfteilte mit Bilb- 
bauer 3 °f e f ^firifticm aus Kieblingen bas bortige Cborgeftütjl nebft bem Elbtsftubl, 
bas eine §ierbe bes prächtigen ©ottesljaufes ift 41 . 1753 mar unfer ZHeifter in ©ber* 
mardjtal tätig, fjier hat er auf Kirdjmeih 175^ „bie Böben, £ambris, ^enfierftöcfe, 
Doppeltüren auf fran 3 öftfche 21rt, Seffel, Cifcbe unb bie Hansel in bas HefeFtorium 
fertiggeftellt ". 43 Hadj biefem 3ahi* hat er bann mabrfcbeinlich ben im Barodftil ge¬ 
haltenen unb mit HoFoForerjierungen gefcbmücften Hltar in ber Kapelle bes fog. 
„Käppelesberg" bei tjerbertstjofen erftellt . 43 1757—176'! permeilte ber EHeifter in 


33 Kraus, 5 . ( 28 - — 31 K- p. 1:59-1-69. — 33 3 m Sterbebudj fjei&t es: Senio consump- 
tus, saepius, provisus sepultus in ordinario coemeteno. — 36 Die Krt ber Krbeit berechtigt 
3U biefer Annahme. — 37 Kraus, S- u?- — 88 ITtitteilung non Stabtpfarrer Dr.^eurftein in 
Donauefdjingen. — 39 Diefer Kltar mürbe fpäter in einen 3 otjann Ztepomuf-Kltar umgemanbelt 
(t? 5 :) unb (835 um (t fl. ron bem £etjrer Stern in äberaudjen für bie bortige Kapelle angefauft, 
roo er nodj ftetft- — 40 Diefer Kltar mürbe ebenfalls 1835 entfernt, fein jegiger Stanbort ift 
unbefannt- — 41 Sefdjreibung bes ©beramts ITtünfingen, ©rtsbefdjreibung ^miefalteu, 5 - 885— 886 , 
Stuttgart ( 875 . — 42 <£. o. paulus u- €• cSrabmaun, bie Kunft« u. Kltertumsbenfmalc in tDürttem* 
berg, 1 . 23 anb S- 606 , (Eßlingen 19 — 43 Kuf ber (Eoangelienfeite bes Kitares, etroas unter 

ber Statue bes bl. (Seorg befinbet ftd? ber ZTamettsjug in fcbmatjcr ^arbe: ITT- li. Die Kapelle 
felbft gehörte feit bem 13. 3 cd? r h un ^ert bem Klofter St. (Seorgen 3U DtUingen. ITtitteilung bes 
Kaplans ITT. Schlichte in cEtjingcn a- D- 


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125 - 



©ttobeuren in Baiern, 
mo er neben 5 tt>ei Beidjb 
ftütjlen aus €id>enl?olj 
in 6er ^e6ernfapelle 6er 
Wofterfirdje un6 einem 
Bcidjtftufyle für 6ie 2ltt= 
toniusfapelle in (Otto- 
beuren jufammen mit 
Bil6ljauer3of. <£fyriftian 
aus Bicölingen fein 
grofjartigftes IDcrf, 6as 
tt>un6crbare <£fyorgeftül?I, 
fcbuf. p.jnaurus^CY^ 
aben6 fdjreibt in feinen 
3abrbüdjern / Ban6 IV 
S. 92 , r>on 6enfelben: 

„Die mit f8 bas reliefs 
uerfctjcncn un6 mit eben- 
f o großem ,$leijj als Kunft 
bearbeiteten (£tjorftiil?le 
fin6 ein Pradjtmerf 
6es berühmten Schreiner- 
meifters Blartin £>er= 
mann non PiUingcn." 

£)att6 in b)anö mit 
6en Schreinern arbeiteten 
meiftens 6ie B i 16 a u e r. 

©ft je6od> fam es r>or, 

6af erftere 6ie für iljrc 
IDerfe nötigenBi!6bauer= 
arbeiten felbft ausfüfyrten 
un6 fo 6en letzteren 6en 
Beröicnft megnatjmen. StaSttird»« Zionaucfdiingcn, KatiicI ron U56 

Per BTagiftrat, 6cn 6ie 

BiI6t)auer 6amt um 2Xbf?ilfe angingen, cntfcbic6 immer, „es folle 6er Bil6ljaucr 
bei feiner Arbeit un6 Kunft, hingegen 6ie Scfyreiner auch bei ifjrcr Hantierung 
uerbleiben un6 für6ert?in feiner 6cm an6crn (Eintrag tun". 44 

2Itt Billinger BilMiauern mären tätig: 6ie fdion ermähnten p b i l. H a u A) un6 
3otjann Sdntpp (f65f—1713); ferner 3 0 f e f Sdjupp (f66^— \72^i), 6er 


44 H. p. 1672—1677 v■ |3. lTCäi *3 ^675, cbcitfo rom 1*$. Dc 5 c.nber i67^. 


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120 



Jlbtsftubl in ^uMcfaltcn 


1715 — 1719 anläßlich 6c r 6. Säfularfeter 6cs Heftchens 6cc 5 ta 6 t Diüin^cn 6ic beute 
auf bci6en Setten 6es ZHittclfcbiffcs 6cs IHünfters ficb befitt6cn6en 12 2 tpoftelbil 6 er 
neben 6en jtpeien non Paulus un6 Barnabas aus I70I5 fertigte 45 un6 3 ofef 2 tnton 
fjops (1720 — 1761), pou 6cm noch piclc, irirflicb bc6cutcn6c Arbeiten porban6en 
ftn6. 40 


45 Kraus, 5. 112 . — 4 * Kllc biefc Kngabcu rerbauFe ich meinem ^reunbe ftabtpfarrer 
Dr. jcurfteiti in Ponauefrbiitgeu, ber fte in jahrelanger, mübfamer Krbeit gefammelt bat. 


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3 ofef 2 lnt.l}ops 
mar jrnar in 2 tTie= 
tingen am 2 . 3 uni 
1720 geboren, aber 
er »erbrachte beit 
größten »Teil feines 
Cebens in Gillingen, 
mo er audj am 23. 

Dlai 1761 ftarb, fo 
baß er 511 bett Til- 
littger ZTCeiftern ge= 
rechnet merben fanit. 

Derfelbc mar ein 
Schüler »an 
bann 21 tid>ael^cici?t> 
mayer II unb mit 
ihm mol?l an ber 
KusftattungberKlo- 
fterfirdie 511 JSu->tc- 
falten beteiligt, l?ops 
ift ein fyodibegabter, 
temperamentvoller 
DTeifter. Seine ^i« 
guren unterfdjeiben 
ftcb mcfentlicb uon 
benen 3of. Sdmpps. 

Sie ftnb ftarf bemegt, 
faft überfdüanf mit 

großer (Sefte, fte tjaben einen länglicfy ovalen Kopf, offenen IHunb unb ne^ 
men eine Zlusfallftellung ein. Zwillingen fdjuf l)ops bie Kait 5 el unb beit 

Zlltarunterbau ber Bcncbiftinerfircbc (vor 1750), 1750 bie ^iguren bes l}od?= 
altars in ber liefenfapelle, 1758 einen fyübfdicn Sdtranf für bie Safriftci ber 
3 oljanniterfircbc unb 1761 nodt ein (Epitapfy. Piefc beibett letzten Arbeiten 
befinben ftd? fyeute itt ber ftäbtifdtcn Kltertuntsfammlung in Dillingen. Da¬ 
neben arbeitete ZHeifter fiops midi für Donaucfcbtngcn,,' Kottenburg a. IT. ttnb 
bebingen, ®.»2l. Sigmaringcit. 3 n ber Pfarrfir.bc ju Ponauefdnngett befinben fnb 
von ihm 5 Zlpoftclfigttren: Cbomas, pbilippus unb 3 a f°bus ber 3 üngerc aus bem 
3abrc 1753, fomic jtrei große KoFofofonfolc aus bem 3<ibre 1758 ; in ber Karmeliter“ 
Firche 511 Kottenburg: Statuen jum Sfapulier* unb 3°f c f 5 a Ü ar » -tatuen jur Kattjel 
(1752), Statuen 511 6 Elitären (1754) unb eine Statue ber 3tnmafulata über ber (Hrgel 
(1757); in ber Hlofterfirchc 511 bebingeit ein tPanbepitapb. 


- 127 — 



ZUartht ficrmann, Sbcnjcftiibl (Pltobcurcn 


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— {28 — 


IPofyl bic fcfyönften unb wcrt- 
pollften Arbeiten fyat bas I^illin^cr 
ICunftljanbmerf auf bent ©ebiete 
ber ©olbfchmiebe auf 511 weifen. 
2 lucb hier jtnb cs nur tuende Uleifter, 
pon benen wir IDerfe bcft^cn. {65{ 
renopierte jafob Itppenmayer 
bas fyeute noch porfyanbene Dor* 
tragsfreuj 47 ; {755 perfertigte ber 
©olbfcfymicb jofef Heibinger 
({705 —{7"9) bas prächtige, in 
Paroef gehaltene IDetterfegenfreuj, 
bas einen Krujiftyus in ber fog. 
janfeniftifeben ^orm aufroeift 48 . Die 
meiften unb beften IDerfe aber 
pcrbaitfen wir 5 a< ^? ar4as ©tto 
unb insbefonbere feinen beiben 
Sötjncn ^acfyarias unb < 5 ott= 
lieb ©tto. 

^adnirias ©tto fen. würbe 
am 29 . XtTärj {688 ju Piliingen 
geboren als Sotju bes ^remjisfus 
©tto „ex Absams Tyrolensis 
Constabel“ unb ber Itnna UTaria 
Sdjwaberitt. Seine Arbeiten tragen 
als Bcfchaujcicben ben Ubier unb 
bie Buchftaben <3- ©. Don if?m 
finb noch porfyanben: 5 wei bübfehe 
Heldje 49 unb ein Celler mit jwei 
ITTejjfänndjen 50 . Der IHeifter ftarb 
am { 4 . 3 u ni {745 51 t Dillingcn. 
Seine beiben Söfyne: ^aebarias 
({722—{788) unb (Sottlieb ({726—{ 809 , bem Dater im Berufe folgten, 
leifteten ganj Ivrporragenbes. IDo fie gelernt, lä(jt ftd> nicht ftcher feftftellen; 
aber {ebenfalls in Ilugsburg ober wenigftens bei einem IHeifter ber Hugsburgcr 

47 Kraus, 5* [22. — 48 Kraus, 5. [[8- — 49 Per eine Kelch mit 5er ^tjresjafjl [730 unb 
5er Kngabe: IPigt 5[ 1. befitjt au 5er duppa uit5 am ^uge putten mit Kanfenmerf uii5 (Trauben, 
am Knauf: Sd^meißtucb mit Kntlitj, 5äu5e un5 ^üße mit 5em ^cr 5 en, Porttenfrone mit HSgeln, 
5er aubere ift am ^ußc uu5 5er duppa mit je 3 rötlichen (Emailles gefebtniieft. Pie ^abresjaljl 
[745 3 eigt 5ie Kenoration 5cs Kelches an. — 50 Per Seiler trägt 5ie 3 ähres 3 ahl [727 un5 5ie 
Kngabe: migt 54 £. 



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129 — 


Schule. Pahin weifen all 
ihre Arbeiten. X)io porge= 
fdjriebenen 5 IPanöcrjahrc 
würben ihnen auf Bitten 
ihrer BTutter, bie IDitwe 
war, crlaffen 51 . «Trofcbem 
aber galten fte als gute 
BTeifter. Pies geht aus bem 
Katsprotofoll pom 7. BTai 
\ 767 berpor. Jtt einer 
Streitfacbe würbe nämlich 
ber bamalige ^unftmeifter 
3ofef Heibingcr gefragt, ob 
er bie beiben ©olbarbeiter 
©tto als tiidjtige unb pro* 
feffionsmäjjigc BTciftcr an= 
erfenne, worauf biefer ant= 
wortete, „bafj er beibe (ßolb= 
arbeitet ©tto feine Bus= 
ftcllung ju machen müfjte, 
fonbern biefe als profefftons« 
fähige unb tüchtige (5olb- 
arbeiter l)alte, fo baß bie 
pou ihnen aufgenommenen 
Cehrjungen unb beförberten 
(ßefellen in all weg unb an 
allen ©rten pafftert werben 
müßten". ^Mehrmals würbe 
beiben bas heiraten pon bem 
Biagiftrate abgefchlagen; 
aber fdjlicfj lieh &od> geftattet 
unter ber Bebingung, bie 
bem ©ottlieb geftellt würbe, 
baf? er „bie perwittibte 
BTutter wie bisher gefdjeljen 
fo fort unterhalte unb bie 
BTutter ber ©brigfeit nit 
jur Blag fommcit follc". 52 



rillimjcu, 

5, H.p-l743—1750. — 

< 7 ^ 3 — < 750 , < 750 —< 755 - 

8ni>ifd?e fteimnt. <—3 9 


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geller mit 2 21tcf?fäuneben 


<5ad;arias heiratete 175+ ZHaria Zinna Sanble un 6 ttadi 6 cm Eo 6 e 6 erf eiben 
1763 ZITaria Zinna (ßricningcr. Zlus 6 er erften Ehe gingen v»ier Kin 6 er, aus 6 er 
3 ir>eiten fünf bercor. (Bottlieb permäbltc fid? 1 748 mit ZHaria Zinna Sieffing, 6 ie 
ihm 9 Kin 6 cr fcbenFte. Die bci 6 en ZHcifter batten jmeifellos pielc Zlufträgc; aber 
trot> 6 cm batten ftc febr mit 6 er Hot 6 cs Cebens 511 Fämpfen, namcntlid? ^adxuias. 
Pa un 6 6 ort batte er Schul 6 en, 6 ic ihn ctUerbings wenig beunruhigten. Zficbr als 
einmal wur 6 e er geriditlidi betrieben . 43 Pie Ztteiftcr reparierten 44 , perFauften 55 un 6 
bau 6 eltcn 48 ; ftc cerfertigten Sdmud'-- un 6 Kunflgegenftän 6 c fireblidjer utt 6 profaner 
Zlrt 47 . (B 0 I 6 un 6 Silber 311 6 cn ein 3 clnen Zlrbeüen mur 6 c ihnen non 6 en Zluftrag* 
gefcern meiftens geliefert . 48 Pie ITerFe felbft, 6 ie fic gefdaffen, tragen als Sefdiau- 
jeid/en 6 ett ZlMer un 6 6 as ZHonogramm 0<E(D. Zln folcbcn ftn 6 nodi porbanben: 

\. Ein Heidi mit HofoFoornamenten aus 6em 3abre 1782. Perfelbe befinbet 
fid> im Seftfee 6es dürften pon ^iirftenberg. 

2 . Eine pergol 6 etc ZHonftrans in ardiitcFtonifdien formen, ein praditftiicf pon 
Sarocfarbeit aus 6 em Jab re 1760. Sic ift (Eigentum 6 cs ZUünfters 3 U 
PiUingcn. 

5. Eine 6 rcitciligc Ehormantclfdilicfje mit gegoffenen ©rnamenten, 2 ZTappcn 
c>on 1779. 

Pie ITappen ftn6 6ie 6er Stifter: rechts 6as 6es StUinger Sürgcrmeifters 
Sacharins 3Caper Kegel, littFs 6as feiner ,frau, einer geb. Egg, Codier 6e> 
Sürgcrmeifters Philipp laFob Egg pon ^reiburg 4 *. 

43 K. p. 175«) —69, 1760, 17<> 1, 17b5, 1773. — 41 2v p. 1787 — 85, f- t- — 44 2v p. 
1 75 1 ) — t 7t,9, r- H. (766 — m 2v p. 1776—1787, f . *3- — 47 2v p. 176b, 1787—83, S■ 17, 

H p. P. 72- Jlpril ( 771- — 48 2\. p- 1787 — 83, 5. 17, 2\ p r. 77- 2lpril 1771, <S. P- 1787— 8b 
roin 11 . Jan- 1783 . — '' 9 initteilung rom 2trd;iurat profeffor Dr. 2llbert tu ^retburg. 


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4 . <£in teilucrgolbetes JHcfigcrät in Xofofo. Pasfelbc ift ^Eigentum pon 0, SpcP 
in 3 fcntjcim. 9# 

5. <3mei filberucrgolbctc 2Ttefjfänncben mit 60311 gehörigem Ccllcr, ein präd)- 
tiges Stücf. I)iefclbcn mürben 1777 non ber (ßemeinbeuermaltung für bas 
Pfarrmünfter in Dülingen attgefdjafft unb befinben ficb jefet in ber Altertums* 
fammlung 3 U Pillingen . 01 

6. Sedis prächtige Siibcrfanbclaber in ber Pfarrfircbe 311 Donauefdjingen. Sie 

mürben berfclben h 776 non bem 311 ^ürftenberg gefdjenft . 92 

A'ür bas ©ottcsfyaus in St. Blaficn haben bic beiben IHeifter laut Katsprotofoll 
fern 22 . ilpril l?7t unb 00 m U. (Dftobcr 1771 feebs Ceudjter unb anbere <ßegen* 
fläitbe angefertigt; mo fte ftd) befinben, ift unbefannt. 

^aebarias (Dtto mürbe am 29 . 3uni 1788 tot in feiner IDobnung aufgefunben. 

©ottlieb (Dtto ftarb als Xmtsfcbultbcifj an <£ntPräftimg ben 9 . 3 un > 1809 . 

Quellen: 

I- 3npentar ber ftäbtifdjen Altertumsfammlung 311 Bilfingen- (II. S.) — Kats*, (Sericbts 5 
unb IDirtfcbaftsprotoFoüc. (K. p. — <S p. — W . p.) — Staubesbüd?er ber pfarrei Bilfingen. 

II. Kraus, Durm unb IBagner, Die KnnftbenFmaler bes (Sroffte^ogtunts £aben, II. I3aitb, 
Kreis Dillingen. ^ re ^ ur 4 1 * 9 ° (Kraus) — (Sotticin, IDirtfcfyaftsgefdjidjte bes Sd?tpar 3 tpalbes, 
I. £anb, Strafjburg (892 ((Sotbein). — £aber, UrFuuben unb Kegeften 3 iir <Scfd?id?te ber 5ia^>t 
Dillingen in 5* 3Klone, für bie (Sefdjidjte bes 0berrbeiites. VIII. Kaub, Karlsruhe 

(857 (Baber) — Dr. <£tjriftian Kober, §ur £ebensgefd?idjte unb IDürbigung bes fjafners haits 
Kraut pon Dillingen uitb feiner itädjften Kad>Fommen. 3 U ^ cr §citfd?rift für bie <Sefcfyid?te bes 
0berrl?eines. Kette ;$olge. 23anb XXII, heft 3 . Ijeibelbcrg ( 907 , 5. 369—(8?. (Kober) — 
Derfelbe, Illisjclleti. gnr £ebensgefcbidjte unb IDürbigung bes hafners hans Kraut pon Dillingen 
(Hadjtrag) (Hbenba. Kaub XXIII, lieft (. ^eibelberg ( 908 . (Kober). — Katalog über bie 
Pom 22 . Äug. bis 26. Sept-(858 311 Dillingen abgetjaltene 3 u ^ u fI r * e ^ us P c ^ nn -3 babtfdjen 
Sd?ipar 3 n?albes. I?erausgegebeu pon ber AitsftellungsFommiffion. Dillingen (858. iK 3 ) — 
IDalter Karl, (SlocfenFunbe. Kegensburg unb Kotn ( 913 . (IDalter). — <Slocfenper 3 eicbnis ber 
^irma (Srüninger pon (7 50—(816 (<Slocfenper 3 eid?nis) — dompenbium ober Kurier jebodj beutlicfyer 
2Ius3ug aus bem fdjauplatj ber Hatnr begreiffet bas glocfengicgen pon 3°f Benjamin (Srieniitgcr 
gefdirieben anno (755. (Aus 3 ug). — Der IDotyluntertpiffeue uitb burd? Erfahrung feftgegrünbete. 
Kuitft« Stucf* unb (Slocfengiiffer pon KTeiitrab (Srüninger (767 (vSlocFeitgiefccr); biefe brei ftitb im 
Beft^e ber ^' rma (Srüninger. — <£. p. paulns unb €• (Srabntann, Die Kunft* unb Altertums* 
benFmale im Königreich Württemberg I- Baitb, S. 606 . (Efelingen (9($. — Kofenberg Klare, 
Der (Solbfdjmiebe Kterf 3 eid?en, 2 . A , ,$ranFfiirt 1911 . (Kofenberg) 

00 Kofenberg, IHe^eicben, 5- 6*4. — 01 ID. p. 1775- 87 porn 7. Augnft (777 unb Pont 
23. 0Ft. (777. Kei ber Ablieferung batten bie 3 tpei KleßFänndycit mit ber platte ein (Semicbt 
pon 95 % i- Als Arbeitslohn erhielten bie lITciftcr 56 rr per £otb Silber unb (Solb 3 ttr Au* 
fertigung mürbe ihnen geliefert. — 1,2 Klittciluitg pon Stabtpfarrer Dr. ^eurftein- 


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Ittiitnctcppuij vom Untätig fccs T5. 3abrbun^rt& 

©te ffäbftfcße Äftertümerfammfung tn QJtfftnjjen 

Pen 211 a r IPingcnroth 

ie Pillinger 2lltertümcrfammlung ift 5ic bebcutcubftc aller mittleren Stabte 
23ai>en&, ja fic übertrifft mandje 5 er größeren Stabte, nidit nur rnas öie 
^ülle 5er (ßegenftäubc betrifft, foit5ern aud) burd) eine Keilte gaitj ljeroor= 
ragenber Stüde, um 5ic ftc felbft reiche Sammlungen benei 5 cn Fönnen. Pie Haar mag 
fid? glüdlidi greifen, mit 5em fürftlidien 2 Scfit> in Donauefdringen un5 5icfcm PiUinger 
3 trei IHufecn 311 beherbergen, 5ic nkht allein für 5ic 23emobiler bes Canbcs, vielmehr 
für alle curopäifchen Kunflfreunbe von größtem 3ntereffe ftn5. 

Hufgeftellt ift 5ic Sammlung in 5 en ftimmungsvollen Käumcn bcs alten Kat* 
baufes, ein malerifcher, 5reiftödiger Hau f^fig. 2 ), 5er feine (Biebclfront 5cm plafce 
jufeljrt, nicht, mic 5ie übrigen Hürgerhäufer Pillingcns 5ie Cl rauf rinne. Unten jmei 
grofje Spitjbogentore, 5arüber auf gemeinfamer (ßurte 5rei breifach geFuppelte ^enftor 
mit gotifdier Profilierung, l^oblfclilc nfm., im jireiten O'bcrgefdiof) 5rei Doppelfenftcr 
unb im Giebel 5 mei einfache. So offenbar es jc5em lfunbigen ift, fei 5odj 5arauf 
hingemiefen, mie burdi 5iefcn einfachen Kbytbmus in 5er ^cnftereinteilung, burdi 5ie 
gefdiidte ^ufammenfaffung 5er ^enfter im fjauptgefchojj eine vorzügliche IPirfung 
erreicht ift, mobei allcrbings nidit vergeffen tver5cn 5arf, baff 5ie ganje ^faffabc bis 
311 5cm Creppengiebel hinauf urfprünglich bemalt mar. 2iach 5cm 2\atsgä§chen 311 
liegt 5as Creppenbaustürmcben in 5rci Seiten 5es Kdteds vorfpringen5 un5 in einem 
typifdien ^rührenaiffanceportal mit gerabem CBebälf auf geriefelten un5 mit Sdiuppcm 
blättern versierten Säulen fidi öffncu5 (^ig. 5). £in aditcr Hau 5er <5eit um 1540 , 
in feinem ganzen <5cbanFen, mie ja 5ie beutfehen Hauten bis meit ins 17. 3ahrhun5ert 
hin, burdiaus gotifch, einige menige „antififdic" Jfiotive fpielerifch vermcn5cn5. 

I>ie gleiche ZHifchung finben mir auch im Innern. 3m Ireppentürmchen un5 
Porplat? mürben vor beiläufig 12 fahren beforative Ittalercien entbedt, HollmerF, 


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*33 — 


PTasferons* unb 2lfan* 
tbusblättcr. Sefjr rctjpoll 
ift ber Zugang pon bem 
Porplatj über ein paar 
^Treppen burdj eine Sptte* 
bogentür in ein fleines 
Porjtmmer; 6 ic Crittc 
finb ron Steinfdjranfen 
mit Siljen flanficrt, bie 
eine bcfoitbers anmutige 
PTifdtung pon Pointen 
fottfolen, ^ifdjblafen* 
magtoerf unb €ilienbe> 
frönung bieten. Pon bem 
Porjimmer betreten tpir 
ben einfadj, aber gut ge= 
täfelten Hatsfaal, beffen 
glänjcnbfter Sdmutcf bie 
gefdjnitjte unb eingelegte 
(Eingangstür bilbet, mit 
ber 3 al?rcs 5 at)l *537, 
rooljl bie beftc Sdjnite= 
arbeit aus ber golbenen 
^it ber beutfdjen Kenaiffanee in ganj Sübtpeftbeutfdjlanb. T)ie ^lad^bögen ber 
,£enfternifdjen tperben burdj fp>ätgotifd>e, gerautete Säulen getragen. 3m Saale 
ftefyt, 5 ur (Erinnerung an ben großen f^afner Piliingens, an I}ans Kraut, eine 
Hacfybilbung feines 0fens aus St. Peter (je^t in Karlsruhe), in ifyren formen 
gut 3 U ber Or paffenb. Durd) eine ebenfalls nod? gut gefertigte meitere Cür 
gelangen mir in einen anftogenbett Sdnnalraum, in bem bie Sammlungen iljren 
Knfang neunten . 1 

Seine eine £ängsmanb mirb eingenommen burch bas Triftige <O) 0 rgeftüt)l aus bem 3°tt an " 
niterflofter, bas in jenem rouefttigen übergangsftil ron ber Spätrenaiffance 3 um Barod erfteüt ift, 
ron bem (ßefchmact unb Solibität bes bamaligen DiUinger Scf^reinertjanbmerfes ein treffliches §eug= 
nis (^ig. u). Das tDertoollfte bes ganjen Baumes aber roie ber Sammlung überhaupt finb biege* 
mirften Bilbteppiche, bie aus bem Befit} bes UrfulincrinnenTloftcrs ftammen . 2 gunächft ein 50 cm 


1 3ch Tann bes Baumes halber hier bie Sammlungen nur flüchtig freieren, bafür aber 
rermeifen auf bas bemnächft ron mir erfcheinenbe Heimatblatt „Die ftäbtifche Ultcrtumsfamm* 
lung in üillingen." Heimatblätter in Auftrag ber Bab. Heimat. Herausgcg. tHaj tDingenroth, 
Karlsruhe. £. ITtüUerfche HofintchbrucTerei unb Derlag. 

2 Dor 15 3 a bren mollte Berliner Unrerfdjämtheit bie Stiicfe, bie als feihgabe ber llrfu« 
linerinnen in ber Sammlung hingen, burd) einen Ifänbler anTaufen. DanT bem €ntgegenTom* 
men bes Klofters unb bem Üerftänbnis bes Biirgermeifters roie (Semeinberats gelang es, fic für 
bie Stabt anjufaufen unb fo 3 U fidlem. 



2. Da» alte Jlatbau» 


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(34 - 



5. Cingang »um alten Hatbaus 4. (Iure im alten Hatljau&iaalc 


hohes unb 285 cm langes Kücflafen, in fünf rechtecfigen gelbem je eine fitjenbe, be 3 tr>. ftehenbe 
3ungfrau, mit körnen, be 3 tp. ßirfch unb einmal Kinbern (^ig. i). Das Stücf gehört in bie 
(Gruppe ber IHinneteppiche, wie fie in ber mittelalterlichen IDelt beliebt traren unb für bie 
uns gerabe ber 0berrhein beroorragenbe unb jablreiche Beispiele liefert, es wirb etrna um 
bas 3 n?eite Drittel bes (5. 3 al ? r ^ unJ)crts entjtanben fein, wo, bafür fehlen alle Knhaltspuntte, 
benn ber Befitj eines Klofters beireift nichts Sicheres, ba folche Stücfe manberten, 3 tpeifellos 
aber am 0berrhein. Der (Teppich 3 cichnet fid] burch bie gan 3 e 2Inmut biefes ^rühftiles bes 
1 5. 3 a ^ r ^^ n ^ erts aus , jomobl in ben (Geftalten, u>ie bem Kanfenhintergrunb. Seine ^Uinlid^feit 
mit bem Basler (Teppich oon 1440 , je$t im Klofter (Gries in Bo 3 en,* läfet bie lUöglichfeit eine* 
(Gntftehung in ber gleichen IDerfjtatt biefer einen Zentrale ber (Teppichmirferei am 0berrhein 
minbeftens 3U. Don glän 3 enbfter ^arbmirfung ift bann ber etwa ein Hlenfchenalter fpätere 
(Teppich mit ber Krönung ITlariä (^ig. 5), 3 tr>ifchen ber hl* €lifabeth unb bem hl* Bemharb, bas 
oieüeidjt auf eine Stichoorlage 3 urücfgeht. prachtroü hebt fich bas (Golbbrofat unb anbere 
färben ber (Gemänber oon bem febtpa^en (Grunbe ab, ber mit Blumen unb Kanfen bebeeft ift. 
Das Stücf ift ein Kntepenbium, b. h* es biente als Kltaroorfa^, iporaus fid> fein ^ormat erflärt. 
Den gleichen gtpeef t^atte auch bas britte (^ig. 6 ), in berfelben böbe gehaltene, eine Derflärung 
cTbrifti 3 tpifchen ber hl* Ittargareta unb ber hl* Derena barftellenb. Die S 3 ene ber ITTitte oor 
einem reichen fjintergrunb oon pflanzen, Bäumen uftp., bie heiligen oor einem (Granatapfel* 
mufter, barüber ftilifierte IDolfen. Der (Teppich fcheint nicht gan 3 ohne Be 3 iehungen 3 U Stütfen 
bes Freiburger Itlünfters, tpie auch bem aus pfaffempeiTer bei F rt 'iburg ftammenben (Teppich auf 
Schloß I^eiligenberg. 

3mei Buntfticfereien 00 m Anfang bes [6. 3<*h r hunberts in IPolle reihen fid> biefen Stiicfen 
an: roie bie Sticfereien ber geit gemöbnlid}, etwas berber in ben F ornlcn unb auch bunter in 
ben $axbcn, bie eine eine Anbetung ber Könige barftellenb (Fi<J* 7), bie anbere eine 2ln* 


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5. Krönung Zttaria, UHrrtcpplcfj Dem &nbt bc* \y 3at»rt?wnöcrta 

betung bes Kinbes (^ig. 8 ), le^tere mit noch ftärFerem DurchFlingen bcr Henaiffanceformen 
als bei erfteren, troft biefer leifen Derbheit böchft gewichtige beugen ihrer Kunft. Kus bem 
J 6 . 3ah*hunbert bann noch eine Serie oon recht jtattlichen ieinenfticfereien, Firchlichen unb pro* 
fanen CharaFters, bie im 3 weiten 0bergef<hofj aufgehängt finb. 

Dort auch (Slasgemälbe bes \6. 3ahrhunberts, in ber (Sattung ber fogcnannten Schwerer- 
fcheiben gehörig, b. h- alfo jener KabinettFunft, bie an Stelle bes alten, monumentalen IHofaiFs 
mit in ber dritte gefärbten (ßläjern nur mit ber tttalerei 3 U Fonfurrieren fud}t, burch oiel ftär- 
Fere Derwenbung bes Chromfilbers, bes Schwar 3 lothes, bes überfangglafes. Die Diüinger 
(Exemplare finb fehr feine Stiicfe biefer Krt. 

3m gleichen Baum bann £?afnerarbeiten bes bebeutenbften, uns mit Hamen beFanntcn 
Baarer Künftlers aus früheren feiten, bes DiUinger fjafners unb Bilbbauers I^ans Kraut, bef- 
fen heroorragenbe Öfen leiber nach Karlsruhe unb Sonbon gewanbert finb . 3 (Er mag in feiner 
Kunft (Elemente ber nürnberger wie ber IDinterthurer fjafenerei aufgenommen haben unb nimmt 
eine gan 3 eigentümliche Stellung ein in ber Derbinbung oon Belief unb Ittalerei. (Einige Ka* 
cheln 3 cugen oon feinen plaftifchen ^ähigFeiten, wie auch bas <Slan 3 ftücF mit bem IDappen 
Öfterreidjs in reicher Umrahmung. 

Die fjafnerei ber fpäteren 3 a hrhunberte fcheint in Pillingen ähnliche ITteijterwerFe nicht 
mehr heroorgebracht 3 U haben, eine Befonberheit finb fpäter noch bie rei 3 oollen Krippenfiguren 
Ummenbofers unb anberer. Dagegen bat bie I}ol 3 plaftiF bes \7. unb 18 . 3 a h^hunbcrts eine 
aufeerorbentliche Blüte erreicht. IDaren jene Fleinen fjo^figürchen auch fchon in bcr (SotiF unb 
Benaiffancc beliebt, fo wirb hoch nun ber Bcbarf nach Kru 3 ifijen, fjeiligenfigürchen, ^eiligen- 


3 IDir werben im nächften Ejcft biefer §eitfchrift einen eigenen Kuffat} über fyms Kraut 
bringen, aus ber ^eber bes profeffor Dr. lllayer, Karlsruhe, idj gehe beshalb hier nicht weiter 
barauf ein. 


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*36 — 



6. Pcrflärumj IVirftcppirf? rem €n5c 5cs J5. 3<*hrh u ^crt* 


gruppen unb ©iiften im gcfamten Bürgcrftanb immer größer, was mit 5er ganjen Knbachts* 
richtung 5er geit 3 ufammenbängt un5 5ie DiUinger Bilbfchnitjer traben auf 5iefem <5ebiet Dor* 
3 Üglidjes, offenbar an5ere Stä5te mcit Überragenbes geleistet. Die Sammlung bemahrt baoon 
eine ftattliche K^ahl ron föftlid^en Beifpielcn, aber auch ein profanes Stücf aus piel früherer 
<5eit, ein über un5 über gefchnifttes ^o^Fäftd^en mit I 11 innef 3 enen, mufi 3 ieren 5 en un5 luftman» 
5eln5en Sicbeslcuten, öer 3 u &i^ unb &es Holofernes auf 5em Decfel, rom Anfänge 5 es 15 . 
3a^rbun5erts f alfo aus 5er gleichen §eit mie jener erftermähnte tHinneteppich: eine Seltenheit 
erften Banges (^ig. 9 ). 

Dodj mir fehren mieber ins \7. unb [ 8 . 3öM u nbert 3 urücf. Die bürgerliche Kultur Dil* 
lingens, bie in jener Klcinplaftif bereits ihren H 0 C W tanö befunbet hat, offenbart ihn audj in 
eingelegten unb gefdjnitjten lllöbeln, mie in fehr guten Schmiebearbeiten unb eine oerftänbnis* 
oolle Sammlertätigfeit hat es rerftanben, mie feiten anbersmo, baoon reidjliche geugniffe 311 
oereinigen unb uns aud} in (Erachten unb portraits, Altertümern ber fünfte, Bilbcrn unb 
planen ber Stabt ein Iebenbiges Bilb ihres früheren Sehens 3 U geben. Dem fteht eigenartig, 
menn auch unter fteter, aber langfamer 2Tad)mirfung ber Stabt bas länbliche Sehen ber untlie* 
genben (Ecile ber Baar unb bcs benachbarten Sd?mar 3 malbcs entgegen. €s ift gar nidjt genug 
ansuerfemten, bafe früher als aubere Stabte, ja früher als manche groftc Ittufeen, bie Stabt 
Dillingen bie Aufgabe erfannt hat aud? bie geugniffe biefer länblidien Kultur 3 U fammcln unb 
fo ift es ihr benn auch gelungen, eine fehr anmutenbe Darstellung berfelben 3 U fd^affen. 

Damit höben mir uns ber (Eegenmart genähert. vEhe mir aber biefen leiber nur fliid>tigen 
Streif 3 ug burd? bie Sammlung beenben, fei nodj auf einige Stiicfc mcit früherer feiten hin* 
gemiefen: 3 unächft bie abgenommenen IDanbmalereien aus ber abgebrod^enen, alten Kirche in 
peter 3 eU, bie unter hödjft bramatifchen Umftänben für bas IHufeum gerettet mürben unb ron 


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7. Zlnbctumj öcr Könige, in Wolle geftietter deppiett, Zlniamj fces 16. ^abrlniuSci ts 


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8. Zlnbctumj bc* Kinbes, in Wolle geittefter dcpridi, erfte* Drittel b<$ 16. 3<*brt?unbcrtft 


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9. KücfjeiU eine» gcfcb.iititcn Käftd?cn» rem Knratnj bcs 15. >abrbunecrt* 



10. Sbriitti«- in i»cr Ferbellc, abtjcnemmcncs U'anNjcmal^c au» ber Kirche in peierjeU 

Snbe bcs 15. 3abrbuit$crt$ 


Sämtliche Kufuabmeit biefes Kuffatjes aus bem Penfmälerarchiu 
bes tfofpbotoarapben 2l\ Kratt, Karlsruhe 


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U- aus feem 3of?annitcrfloftcr in PiUiu^en, J7. 3aljrtninfecrt 


benen wir ein Beifpiel, (Tbriftus in feer Porhölle, bie Poreltern befreienb, cor bem t^öd^ft gräu¬ 
lichen £)öllenrachen unb ber in ihrem fomifchen (Erftaunen überaus luftigen <£igur eines (Teufels 
tpiebergebenb (^ig. \o). “Dann aber, nicht 3 U cergeffen, bie febr wichtigen ^unbe unb Ausgra¬ 
bungen, bie uns con bem oorgefchichtlichen, römifchen unb frühgermanifchen £eben ber Baar 
ein Zeugnis geben, insbefonbere bie bron 3 e 3 eitlichen ^unbe aus bem IHagbalenenberg bei Dil* 
lingen. 

Uad'j 6 iefem flüchtigen überblicf trollen trir 6 er ^rage nadj 6 er heimatlichen 23e- 
6 eutung, nad) 6 er ^ufunft un 6 6 er Aufgabe 6 iefer Dillinger Sammlungen einige IDorte 
wi 6 men. Sie !ei 6 en jimäcbft, rrie aud? ihre größeren Sdjwefteranftalten, an Kaum¬ 
mangel un 6 ihre Kufftellung rermag 6 en <Se 6 anfen 6 er Sammlung 6 eshalb nid^t ganj 
Flar Ijeraussuarbeiten . 4 Tor 6 em Kriege mar an eine (Erweiterung 6 er Kciume ge 6 ad?t, 
r>or allem folltc 6 as Er 6 gefd?o§ 60511 genommen (je£t Sprifcenbaus) uit 6 rielleicht 
im Pachgefdjoj? noch Kciume gewonnen wer 6 en. 3 <h weif nidit, wie fchnell fidj 
6 iefe IDiinfche jeist renrirflidum laffen. Einftweilen wir 6 es gut fein, bei 6 er fyoffentlidj 

4 3 ^ h<ibe cor 15 3 a ^ ren &ie Sammlung im Aufträge bes (Semeinberats teilweife neu- 
georbnet, allerbings nur prociforifch unb mit Bücfficht auf bie fpätere (Erweiterung ber Bäume 
ohne burchgreifenbe Anhörungen, bie igenbwie Koften cerurfacht hätten. So fonnte ich bie 
Schwierigfeiten bes Saales im II. 0bergefchofr, beffen unerfreuliche gufammenftellung mir 
wohl bewuftt war, nicht befeitigen u. a. m. Wir hofften auf eine balbige, beffere gufunft. 


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— Ho 


nicht crlabmettben Sammeltätigfeit bie Aufgaben fcharf ins Kuge ju faffen: bie fdiöne 
Begeiferung 6 er Biüinger für 6 ie ©efd;icbte ihrer Sta 6 t un 6 ihre ©ebefreubigfeit 
roirb ftcher ju 6 cren (Erfüllung fjelfen. 

Sroci ©attungen uon BTitfeen möchten nur immer flar untcrfcheiben: einmal 
b'.e eigontlid.cn fjeimatmufecn 06 er hiftorifchcn Ulufcen un 6 6 ann bie Kunftmufecn. 
Pie meiflen (Drte utt 6 Stä 6 tc roerben gut tun, fid) auf 6 as erftcre einjuftellen, 6 as 
ßeimatmufeum ift 6 as unhe 6 iugte ©rforbernis. <£s foll geroiffermaßen ein großes ©e- 
fduchtsbud? fein, in 6 cm 6 ie ©efchichte einer Sta 6 t, ihrer ©egen 6 , ron 6 cn Uranfängen 
an in roohlgeorbneten Kapiteln 6 er Begeiferung oorgeführt roirb. Piefe Kun 6 e t>om 
Ceben feiner Borfahren verlangt ein 3e6cr, roelcher ©eiftesrid>tung er auch angchöre. 
Hirgcnbs aber ift ein 6 erartiges UTufeum berechtigter, ja notroenbiger, als in einer 
5ta6t r>on 6 er uralten ©efdiid^tc Billingens, in einer Sta 6 t, roo 6 er ©emeinftnn 6 er 
Bürger un 6 6 as 3ntereffe für 6 ie Befangenheit fo ftarf ausgeprägt ift roie gcra 6 e 
hier. Un 6 nirgen 6 s fm 6 auch 6 ie UTaterialien für ein fold)es f}eimatmufeum fo aus* 
reichenb porhanben, cs hanbelt ftch nur noch um 6 en Kaum un 6 um eine 6 ann erft 
mögliche, fachgemäße, nad) Kapiteln roohlgcorbnetc Uufftellung; es h a, ibelt ßch roeiter 
noch um einige leichte ©rgänjungen, cor allem ftärferes Bil 6 ermaterial 3 ur Bau* 
gefdiichtc 6 er Sta 6 t, um Karten 6 er ©erritorialrerhältniffe un 6 roeniges mehr. £ine 
5rage roirb nur fein, roie roeit ftch 6 er Bejirf 6 iefes f)eimatmufeums aus 3 u 6 ehnen hat. 
Pie übertaufen 6 jährige ©efchichte 6 er alten 5ta6t bietet fchon Stoff gemtg. Sie Kt aber 
6 er Borort l)\er oben t>or 6 em IPalb, geroefen, roie 6 a brunten ^reiburg hinter 6 em 
IBal 6 , bas erforbert Berücffichtigung. Kngeftdits 6 es Bejirfsmufeums in Ponau* 
efehingen unb 6 es f)eimatmufeums in Criberg aber mag es richtig erfdteinen, roenn 
Billingen ftch auf feinen Bejirf unb 6 ic angrenjenben ©eile 6 es Sdnnarjtralbcs be* 
fchränft. <£s gibt 6 a genug 3 U tun. 

Penn 6 er ©eil biefcs fjeimatmufeums, 6 er 6 er lofalen Kunft geroibmet ift, greift 
über 6 ie lofalc Befdjränfung fchon hinaus. Billingen ift hier in einer roeit glän* 
3 enbercn £age als 6 ie meiften attbem Stäbtc, 6 ic große Kunft gar nidit mehr fammeln 
fönnen unb fallen. Sdton mit £)ans Kraut geht bas lofalc 3 n tereffe in ein euro* 
päifches über, erft recht bann mit ben ©cppidien. IDenn es nun noch gelänge, für 
bie nicht in firchlichem ©ebraikhc befinblichen ©egenftänbe bes Ulünftcrfchafccs in 6 er 
Kltertümerfammlung einen fidieren, guten Kaum 3 U fdjaffen, fo ftänbe in engfter Be* 
jichung ju bem £}eimatmufeum ein Kunftmufeum 6 a, mclleuht flein an 6 er £abl, 
aber heroorragenb an ICert 6 er (Dbjefte. 3<h möchte 6 er Stabt, bie idt fo lieb ge* 
tronnen, biefe fdtöne, mufealc ^ufunft ron fjerjen roünfchen: bie ibealen unb praftifdieit 
Borteile roerben beibc große fein unb bie Bürger roerben mit bcrcd>tigtem Stolj 
auf biefe Schöpfung fehen. 

8 über bie Aufgaben ber Beimatmufccn habe idj in „tlnfrc Reimcit unb n>ir" Beimatflua» 
blatt ber 3. I). Karlsruhe £. llüiller, in „Polf unb Bcimat" unb in ber „pyramibe" ein» 
gehenb mich erflärt. 


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PcrfÜHMgund un£> (laufe d^rifti 

IHrbaillons pon i>er Dorbcrfcite bcs 5d?eibcnfrcii3cs in DiUtngrn 


Pott 21t a j IPingcnroth 

UTünfterfdtaij ju Billingcn befinben ftd? unter anderen tjcrporragen= 
KunftroerFen jrnci Stüde, 6ic als Arbeiten 6er ©olbfdtmicbePunft 6es 
](f3|£»l|>6rctjefyntcn 3abrljun6erts auf 6en erften Blid uitfer 3'üercffc feffeln, bei 
näherer Betrachtung gar an Bebcutung immer mehr geroinnen: ein fogenanntes 
SdtcibenFreuj un6 6er ^ürftenberger Kcld). 

Pas SdtcibenFreuj (^ig. 2), ein Bortrags« uu6 Kcliquieitfrcuj in ^orm einer 
Bunbfdjeibe non 4 Zentimeter Stärfe, 6er auf beibett Seiten bte piet Kreujesbalfen 
porgclcgt ftitb, bie mit ihren picrpafjförmigen (Enbigungcn über bic Sdteibc h craus * 
ragen, auf einem Pont, ift ^8 Zentimeter hoch, unb befiehl aus einem fjoljFern, auf 
ben bie Umhüllung tr>ie bas Kreuj in geftanjtem ober getriebenem Silber, teilmeife 
pergolbet, aufgenagelt ift. Pie Kreujesarme ftttb gleidj lang, bas UTittclftüd quabratifd?, 
auf ber Borberfcite ftttb fte mit ©olbfiligratt bebedt, mit ßalbcbelfteineit, ©lafjflüfjcn 
unb antifen Kameen regiert, ebettfo bas Ulittclftüd. Z u Seiten bes ftlbergctricbenett 
unb rergolbeten ©cFreujigten, bie mie biefer pollplaftifdjen Figuren pon ITiaria uttb 
3 ohannes, auf ben picr Sdjeibeitflädten fjalbebelftcine, fotpie bie Hunbfcheibett pott 
Sotttte unb UTonb. Per Battb ber Scheibe ift mit CaubtperP unb fjalbebelfteinen 
gejiert, bie Bierpafjenbett geigen UTebaillons mit figürlichen Sjetten, besglcidten auf 
ber Hüdfcite, ebettfo bas bortige Ulittclflüd, rpäbrettb ber Kreujesftamm hier ein 
UanFenoruamcnt auftreift. 3*i ben picr Segmenten ber Bunbfdieibc roieberum figürliche 
ITCebaillons. 1 


1 Das Kieu 3 , bas mit bem Keld} jetjt an fieserem ®rt aufbeiuahrt nnrb, mürbe erftmats 
oeröffentltctjt gelegentlich ber Kunft« unb ©ctpcrbeausftellung in Karlsruhe, f. Katalog ber« 


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\<k2 — 



2. 5cfi<ibcrtfrcu» im 2Uün?tcr, Perbcricitc 


Uber 6ic fntftetiung unb bie ©efdncbtc bes Kremes fitib mir, mie feiten bei 
mittelalterlichen (ßolbfcbmiebearbeiten, burd> ausfübrüdv Urfunben genau unterridjtct, 


felben 188 1 . II 21r. 49 unb abgebilbet bei Kofenberg, alte Kunftgeu). Arbeiten ber K. u. Kgu>. 
Karlsruhe J 88 I, bann ron 3E. Kraus, Kunftbenfmäler bes <5rofcb. 3aben 23b. II, Kreis 

Pillingen 6 . \22 (Tafel XVII. Port auch bie Urfunben (I—III im lateinischen (Tert) rcröffent* 


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H3 — 



3. HreiuiduitdSijruFpc vom Sdicibcnfrcu? 

von bcncn bk bxcx erfiett latcinifd? abgefafjt ftn6 unb in öeutfdier Uberfcfeun^ folgcitber- 
majjcn lauten: 


I. (Bebenfe bes priefters Ulrich, Beftor 5er Kirche 3 U Scfymabenbaufen (bei DiUingen), 
un5 5es Konraö Stc^ellin, Bürgers 3 U DiUingen, 5 ie biefes IPerf im 2luftrag ber Bürger von 
Pillingen gefauft tjaben von betn UTeifter 3 °tl aT ™es, (Solbfdjmieb in ^reiburg, im 3 a ^ rc & cs 
Tjerrn |268 am (Lage bes tjl. Dalentin in (Segenmart bes vorgenannten priefters unb bes 
vorgenannten donrab unb bes Ulrich Binfopb, Bitters in ^reiburg, forpie bes 2llbert £eutpriefter 
in ^elbfird?, bes Spoerlin unb bes Bugenruiti. dingefd^loffen mären mehrere Beliquien, tviebie 
ben (Teilen beigefügten Schriften beugen, bie man in verfdjiebenen (Teilen bes IDerfes finbet. 

liefet; I unb II nad? bent ^iirftenberg. Urfunbenbucb Bb. V 5. 180, III nad) Sdjreibcr, Urfun- 
benbudj ber Stabt ^reiburg I. 67 unb 68, IV nad} ber Urfunbe im BiU. <5emeinbeard}iv. Siebe 
auci} 3- ^3aber, (Sefd}id]te ber Stabt ^rciburg I. 384, beffen Einnahme, bafc bas ttreu 3 ver= 
fct>t gemefen fei für eine ben Diüingern bargelicbene Summe, jeber (Srunblage entbehrt. 


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II. *3™ 3 a hre *>es f^errn *36* am OTontag ( 19 . 3uli) nach bem £eft ber hl. 3 ungfrau 
IHargarete traben mir gefugt nach ben Reliquien ber ^eiligen, bie enthalten mären in bem fil* 
bemcn Kreu 3 , bas mir in Pillingen traben, in <5egenmart bes Qerrn Ulbert unb Conrab aon 
Stüffelingen (Pfarrer in Piüingen \ 338— [ 360, ^ es H errn 3°hann oon (Lannheim, Presbyters 
in Pillingen unb ihren (Senoffen, Conrab ron (Mannheim, Biirgermeifters, 3aFob Petterlin, H- 
oon (Lüningen unb einigen anbern glaubmürbigen geugen unb haben gefunben: in ber Spifce bes 
Kremes bie Reliquien bes hi. Bifchofs Blafius, in ber Witte bes Kremes unter bem Kopf bes 
< 8 efreu 3 igten bie Reliquien bes hi. 2 IpofteI Knbreas unb 3 un 9 f rau petronella, meiter am <$ufee 
bes Kremes bie Reliquien ber hi. Kpoftel tftatheus, Zttcolaus, Kuguftin, öenebift, LDunibalb, 
ein Stücf oon ber Ciche oon ITTanbre, meiter in ber rechten Seite bes Kremes ber hi- <Jibes, 
3ungfrau unb IHartyrerin, enblich auf ber Unfen Seite bes hi. 3°hannes bes (Läufers. Das 
haben mir gefunben in ber Porberfeite bes Kremes; auf ber Hücffeite: oben bie Reliquien bes 
hl. IHartin, in ber lUitte bie bes hi. Caurentius unb Mauritius, Itnfs unter ben Heliquien 
bes 3®hannes b. (L. bie Reliquien ber feligen Kpofiel petrus unb paulus, rechts unter ber Ke- 
liquie ber hi. <$ibes bie ber hi* 3 un 9f rau Verena unb (Lh^oborius ITtärtyrer. Unb alle biefe 
Heiligtümer haben mir an ihre früheren Stellen 3 urücfgelegt. Unb haben auch einen gettel 
gefunben mit bem 3 nhalt" . . . 

III. „KUen 3 ur Kenntnis, bie es angeht, ba& im 3ah^e 148) renoriert morben ift jenes 
filberne Kleinob, bas an ber 0berfläche rergolbet ift unb erneuert mürben bie §ettel, melche 
Kusfunft geben über bie in bem Kreu 3 erhaltenen Reliquien unb 3 mar in (ßegenmart bes 
chrenmerten Ulannes IHichael be Kifchach, pfarrreftors 3 ur 3 eit in Pillingen ( 1489 — y 526), bes 
3ohannes, H ermfl nn, Bürgermeifter, bes 3°hannes Sator unb 3<>hannes von ^ranffurt, Pfle¬ 
ger ber Kirche, foroie bes IHagifters Caurentius, Kaplan in Pillingen." 

Bei be &tUl, nämlid? bet oon \ö6\ un6 6er von ^89 tuur6en bet 6er 6rittert 
Henopattoit un6 am \0. September 6tefe$ 3atjres 6em 2lbt ©eorg (ßaifer porgeseigt, 
6er 6aooii 2lbfd?rift uatjm. Der'1651 eingelegte Reitel lautet: 

IV. „Knno 165|, ben 2. Xtooember ift biefes filberne (Llenobt miberumt renoriert morben 
ron 3acob Kppenmeyer, (Soltfchmibt in Pillingen. 3f* bereit ber mohlehrmürbige gaiftlich H err 
lUagifter 3 eor 9 <5ruober, bomalen pfahrer alhie unb ber Seit Pfleger, H err £homa (Engefer, 
33urgcrmeifter unb H err Simon Ummenhofer, Schulthaifc, f? err ^ranciscus Cipp, Katfdjriber, 
Carle (bomalen pflcger)in Unfer lieben ^auen Kirchen; mie bie in gelegten gebet ausmeiffet." 

21ms 6icfcti llrfuitten gebt junädrft fyerpor, 6a§ 6ie Billinger 6as Kreuj 1268 polt 
einem (Bol6fd)mie6 ^oljanues in 5 rc ^ ur 9 ö^fauft haben un6 6as ift midjtig genug, 
ift es 6od> fomit 6ie eitrige, fidtere 5 rc ^ ur 9 cr 21rbcit 6es 2TlittelaIters, ja bis ins 
\ 6 . Jabrhunbert hinein, ferner 6a§ es 6reintal renoriert uniröc un6 5 trar im 3afyre 1361, 
im 3ahrc 1489 un6 cn61id) \ 65 \. VOo 6iefe Kenorierung gefebab, fagen nun 6ie 
XlvFunbcn lei6er nid*t, aber treidle Ceile ihnen angeboren, lägt ftd) bei näherer 
Betrad'tintg genau feftftellen. 

Kus ber llrfprungs 3 eit rührt ber Kreu 3 esftamm ber Porberfeitc, ber mit (Solbfiligran 
befetjt ift, bas heißt (^olbbraht, auf bem geförnte (ßolbfiigelchen auffihen in fchönem Kanfen- unb 
Spiralenmerf, an beffen Cnbigungcn Kofetten mit Kügelchen fitzen, traubenähnliche (ßebilbe. 
3n biejem. bem romaniieben (Ornament noch nahe ftehenbe filigran Halbebelfteine in fchlichter 
ge^aefter Kaftenfaffung unb einige Cameen. Die gleid>e 2lrbeit umgibt bie lliebaiüons bes rede¬ 
ten unb linfen mie bes unteren Pierpaßes ber Kreu^enbe. Diefc lltebaillons (^ig. l) 3 cigen in 
getriebener 21 rbeit bie Perfiinbigung, bie (ßeburt unb bie Caufe Chrifti unb meifen in ber mei- 


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5. Hütficttc &C5 Scbcibcufrcii»c& im Uliinftciicliati \\\ PiUingctt 


djen runden (Sliebcrbebanblung, Kopftvpcn unb (Semanbung ebenfalls auf bie geit oon 1268 . 
Diefcr gehört audj bas Silberbledj ber Sd^eibe an (bie Hagel ber fpäteren §ufügungen geben 
auf ber Hücffeitc burd} basjelbe burdj) foroie bie fyilbebelfteine in berfelben mit bem gebrcfytn 
(Solbranb am ber Kajtenfaffung. Die frönen getriebenen ^igüreben bes <$eFreu 3 igten (bef- 
fen Kopf leiber im Sauf ber geit etrnas oerbriieft morben ift), mie ber Hlaria unb bes 3°* 
bannes bagegen jinb tvpifd^e IDerfe ber hoben <5otif (^ig. 3) unb gan 3 t>or 3 Üglid}e Seiftungen 

8aMfd?c Primat. \ .3 10 


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berfelben, mic auch ber föftliche Streifen oon cEpheu unb cEichenblättern, ber bie 23unbfcheibc 
umgibt, ^iir bie (Sefchichte ber gerabe im H- 3 a b*hunbert f° bochentmicfelten (Solbfchmiebefunft 
bes 0 berrheins märe es fehr michtig, 3 U miffen, mo biefe h't^ugefügten (teile gearbeitet morben 
finb. lUir fdjeinen bie Figuren hoch mit ber plaftif bes ^reiburg.er tUnnfters fo nahe 3 U« 




4 . IM. lllricb, 

graoirrtes mcbaiüon i>on J*cr üorberfeite 


6. ntctaiUcn» 

mit fccr Geburt dbrifti auf ber Hüctjcitc 



8. <Bcflan«tcs Cilicn- 
ernament bc* Kante*, 
H 3brbt. 



9. Kranich in Kftircrf 
vcwx Kante ber Picrpäfie 


fammen 3 U geben, baß ich auch biefe 3 meitc 2Xrbeit einem ^reiburger (Solbfdimieb 3 umeifen 
möchte. IDie im 3 a hrc 1268 bie bynajtifchen 23e3iebungcn bie BefteUung ber einen gährtnger 
Stabt in ber anberen bemirft haben mögen, mie überhaupt bie bauernben X 7 anbelsbe 3 iebungen 
beiber 0rte, fo biirften fie auch 136 t noch nadigemirft haben. Diel fpätcr, aus ber britten 
21rbeitsperiobe am Ureu 3 bas lllebaillon bes oberen Kreu^enbes unb feine Umrahmung: es ftellt 
grariert ben hl- Ulrich, 23ifchof oon Augsburg bar (Fig. 4 ) mit bem ^ifd^aerippc unb ift 
3 meifelIos im 3 a hre 14^9 nad] einer Stidmorlagc gearbeitet morben. Der gleichen §eit, oiel- 
leicht auch er ft bem 3 a bi' c bürften bie Scheiben rott Sonne unb UTonb jiijumcifeit fein. 3l? r 


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w — 


gehört and? bas ro^iiglid? 
geflaute Kanfentnerf bes 
Kreu5esftammes ber Kiicf* 
feite an i^ig. 5 \ eine typifd? 
fpätgotifebe 2Irbeit r mic aud? 
bie UTebaillous ber Kreises» 
enbett bort nnb berlllitte, bar* 
ftellcub bie Perfüubigung, bie 
Beimfucfyuug, bie Anbetung 
bes Kinbes, ben 3 *fusFuabcn 
mit ber IDeltFugel, uub bie 
Krönung Mariä, etmas flau 
getriebene f tiicPc (^ig. 6) ron 
benen eines aber rielleid>t 
einen Binmeis gibt auf beu 
(Drt biefer britten Arbeiten 
au uuferem Stiicf: berfelbc 
3efusfuabe mit ber IDeltfugel 
uub bem felftgen ^intergruub 
febrt auf einem perimutter* 
mcbaiUou eines Keliquiars 
ron Kbelsbaufeubei^reiburg, 
roie and) auf einem trol^l 
rbeinifcbeu Sind in Berlin, 
nad? Doge auf ftid^eu bes 
Meifters 5 . uub Sd?oit> 
gauers roieber. 2 Daju mag es 
beim nicht ohne Bebeutung 
fein, bafi ber bamalige Pfarr* 
reftor ITTicbael ron Hifcbad? 
ron ber Steiftlitiger £iuie in 
^reiburg ftubiert bat. Piel 
früher uub beffer als biefe 
bie rier Mebaillons ber feg* 
mente ber Hunbfcbeibe, mit 
ben fttjenben (Seftalten ber rier (Erangeliften im profil (^ig. 7). 31 ? re l]X langen, guten galten 
flicßeuben (Scrräuber, bie uod) alles Kapr^iöfeti entbehren, ihre fifte, mic ber Flaffifcbe Helief* 
ftiel meifeu fie ber heften ( t>eit ber fyofjen (SotiP 311, alfo irobl ber Henoration ron obtrobl 

bas Datum beinahe fünfjig 3 a t? rc 3 U fpät erfebeiuen möchte. 

Der 4 cm ftarfe Kaub ber Sdjeibe ift mit Sübcrblcch befleibet, in bas ein £ilienornament 
(^ig. 8) geftan3t ift, irobl ron I36t, rräbrenb ber Kanb bes MebaiUons Kraniche ober Keiner 
in 2lfttnerf (^ig. 9) gibt, aus ber gleichen §eit. 


1 £eiber fann ich hier alle bie Pünftlerifcben Be3iehungen bes ftiiefes nicht flar legen; 
trenn unferc banfenstrerten Mitarbeiter ihren Kaum überfchreiten, fo barf bas ber Herausgeber 
nicht trobl tun. 3 °^ trerbe an anberm CDrtc ausführlicher auf bas intereffante IDerf eingchen. 

2 Katalog ber Bilbmerfe ber cbriftl. Epochen bes Berliner Mufeum, Banb IV 5 . (Eafel 
XXX Kr. 9u. 

10* 



to. ^ürftenfrerger liclch im Ulünftcrichatf ju t>iUin$cn 


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H8 - 


So l?at uns bie Be* 
tradjtung biefes mert* 
polten Stücfcs fcbon 
manches perraten unb 
audj bie ^eiligen, beren 
Bcliquien in ihm cinge« 
fdjloffen maren,finb nidtt 
ofyne Bebeutung. Klein 
^reun6 Sauer f?at mid> 
darauf fyingemiefen, bag 
ftc auf flöfterliche ©e= 
banfenfreife Ijinmeifen, 
unb jrnar ber oberrfyeini* 
fchen uub Schmeijer Klö- 
fter, vielleicht barf man 
fogar beftimmter fagen, 
Benebiftinerflöfter, fei es 
nun, bag Me Benebiftiner pon St. ©eorgen ifyren Bat ben Cillingern erteilt gaben ober 
bie St. Blaftancr, bie ja igrcn i)of in ^reiburg gatten. IDeiter aber gibt uns Me Keliquie 
bcs bl. Cgeoborius (non Sitten), auch Dgeobul genannt, ber als Ceufclsbanner galt, 

ben ^ingcrjeig, bag bas Kreuj als IDettcrfreuj biente unb bicfe feine Beftimmung 

mürbe aueg im 3agre ^89 noch einmal betont burdi bas IHebaillon bes bl. Ulrich, 
beffen Ulricgsfrcujen unter anberem bie gleiche Bebeutuug jufam. 

<3ugleid? aber mirft unfer Kreuj ein £id?t auf bie (£ntftebung bes anberen, Foft= 
baren alten firdgiegen ©erätes, bas ber Pilltuger 2 Ttünfterfd?afe bemabrt, bes dürften« 
berger Kelches (,)fig. IO) 3 , ber bem ZMünftcr ivm ©rafen Ueinridi non ^iirftenberg 
unb feiner ©emablin Ugttes geh. ©räfin pon <Truten= 
hingen unb igren ftebeit Kinbern im lebten Drittel bes 
f 5 . 3agrgunberts gefegenft mürbe, nadt ber am Banb 
bes ^uges in KTajusfeln eingraoierten 3 n fd?rift: „idt 
Feld? bin geiben burdi grape h. pon fierftenberg unb 
burd) ir Kinbcr ftebenin". Kraus permutet als Ber« 
anlaffung bie im jafyrc 1282 5 U Biüingen gehaltene 
Kbelsperfamlung, bei ber ben Söhnen bes ©rafen 
ber Bitterfchlag erteilt unirbe. 

PiefcrKcId; (tftg. (0) ift u cm bodj, aus (Solb gearbeitet 
unb jcigt iu jetner gebruugeuett (£rfd>eitutng noch bnrdjans bas 

9 Kuuftbenfm. b. (Sr. üabcu a. a. ©. 5 . t: 3 . Katalog 
ber Kunft« unb Kimftgetpcrbeansftellnng, Karlsruhe (88(. 

H Itr. 49 abgeb. Hofen berg, 2llte fuuftgemerbl. 2trbeiten. — 

Jfiirftenb. Itrfunbenbudi I 5 ;o. 


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12. 2lntife (Bemme am Knauf bc* 
5ürftcubcr$cr Kelches 


Original fro-m 

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M- Detail bc* 5uf»cs t>cm ,5üiftcnbci\jci* Kcld? 









^ormempfinbett romanifdjett Stiles. 2 lus bem Freisnmbcu, (ucitauslabcubcu. flachen ^ufj ergebt 
ficb ohne redjt organifebe Perbinbuug bev furje Sdiaft auf glatter, in leidjter Klirre anfteigenbem 
ITlittclftiicf mit meitauslabenbcm, runbent ITobus, Furjen hals unb bariiber bie Kuppe ron 9,8 cm 
Purdjmcjfer. 2 lnt Kaub bes ^ufjes biegnfdjrift. Per ^uff ift reidj mit (Solbftiigran regiert, (Solbbraht, 
ber mit geFörnten Kügelchen befetjt ift, tu Bauten* uub Spiralettliuicu, teilroeife in getriebenen Bofetten, 
bie mit ihren Bucteln mic (Trauben mirfen, unb in Blätter anslauf enb ( v ^ig. ((). biefem^iligramucrF 
perlen unb hfalbebelfteine in Kaftenfaffung, baruntcr auch mic ein Berg beroorragenb ein offen* 
bar als mertoollc Kuriofität angefebener, großer gelbgrüner Stein (Beryll?), mit befonberen 
gähnen gefaxt. Bm Kranj als Burfel fedjs grofje Steine, barunter eine antiFe (Semtne 
(vjig. 12). Pie Kaftenfaffung ber Steine ift tcilrocife mit getriebenen Bofetten belegt, bie audt 
bie groifchenräume beleben, roahrenb fich oon oben (Epheublätter bineinlegcn. • ©ber* unb 
unterhalb bes Knaufes ein Banb mit Pradtengeftalten (£inbu>ürmern) in einem Biellofonb. 
(Biello — eine fd}n>ar3c ^arbmaffe aus einer IHifdjung oon Silber, Kupfer, Blei, Sdjrocfel 
unb Boraj.) 

Pie gaitjc Peforation atmet ttodi ben ctmas barbarifeben ©efebmaef mand'er (ßolb* 
fd miebearbeiten ber romanifdjen Seit, bei benen bie praebt, Koftbarfeit unb ^arbiy- 
feit ber ITCaterialieit miditiger ift, mic ein organifd)er Aufbau, ift aber baritt ron 
grofjem Kcij. Pott Pebeutung ift nun, baf? bie Filigranarbeit bes Kelches bicfelben 
Formen unb biefelbc Ccdntif aufmeift, mic ber Kreujesftamni bes Sdteibettfreujcs. 
Pa bie Arbeit itt ber gleidicn < 5 eit mit biefettt entftanben ift, bie Pc5iebuitgctt bes ffaufes 
Fitrftenberg ju ber Kcfibettj ihrer Porfabren, ber berjöge ron ^äbringett, ju ^reiburg 
enge geblieben ftttb, brängt fid> ber Scbluf auf, baf? audt ber Kcld? in ^reiburg ge* 
arbeitet trorbeit ift, riclleidit itt ber gleidfen IDerfftatt. IPir haben fomit in beibett 
Stiicfcn bie fidicrett Pelegc für ein rermutlieb blübettbes (ßolbfdymicbcgcmcrbe in ber 
Preisgauftabt, bie im breijebnten 3 abrbunbert ihre erfte Kunftblüte 511 rerjeidntett bat 
ttttb bei ber als einem 2 Tlittclpunft ber oberrbeinifeben Kunft, allerbittgs nad) Pafcl 
unb Strafburg, ihren lianptftäbten, ein fold*cs ©emerbc 311 rermuten mar. Saft 
fidi uttferc ireitere Kttnabme, baf? audi bie beibett Kcnorationen bes SdvibetiFreujes, 
l".(> 1 unb H89, in Freiburg erfolgten, burdi eine ireitere llnterfucbung, auf bie ich 
hier rerjicbten tttuf, erhärten, fo mären bie Knbaltspunfte gegeben für eine <£e* 
fdiidtc bes (f 5 olbfd)tttiebegemerbes in ^reiburg unb bamit mürbe auf eitt nodt jicmlid-» 
buttfies Kapitel ber Kunftgefcbicbte bes (Dberrbeins, beffen Pebeutung ja itt bett lebten 
3 abrjebnten immer ftärfer erfannt trorbett ift, ron Pillingen aus ein neues Cicbt fallen. 



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\. Bräunlingen (twei? einem Aquarell non 21. Homan) 


QBräunftngen 

(Eine t>au<jcfdjKl>tlid?e 8ctrad>tun»j ron J. (Braf, Karlsruhe 

s ift für Öen Futtöigcn lüanöerer immer eine ,£reuöc befonöerer 2lrt, 
iDcmt er abfeits 6er breiten tieerftrafe in ein Stäötdjen tritt, öas aus 
Öen Calcit glücflid?er Dergangenbeit feine (Eigenart bewahrt l?at. (Dhue 
feinen Keifcfiibrcr $ur liaitö neunten ju müffen, weif er balö Befdjeiö, in weldjer 
jeit öas Stäötcben ftdi feiner 23 Iütejeit erfreut, wes Krt uttö (Seiftes feine Bewohner 
pott ehemals mären unö beute nod> fin6. Denn «Ebarafter unö Sinn einer Beoölferung 
bleibt unrermifdibar ausgeprägt in 6er Pbyftognomie 6er Strafen, piäfc unö 
(Sebäuöc. Die 2 lrt if?rer Bcfdjäftigung, ihr Ijaitöwerflidjes Können, iljrc 2ln- 
paffungsfätjigfeit an öie Erforöerniffe öes Klimas, all öas fpriebt beffer wie alte 
llrfunöen aus Öen erhaltenen fteinernen beugen öer Derzeit. 

IPir ftnö ja im Canöc Baben nicht mehr im glücflidjcn Befifee oon pielett 
fold? rerfdnriegener Stäötdjen; was Öen XDedjfcIfäUen öes 30 jährigen Krieges, 
was 6er ,?)erftörungswut öer ^ranjofen in Öen Kaubfricgcn am Enbe öes \ 7 . 3 al?r< 
bunöerts entgangen, öas fiel redjt häufig perljecrenöen Bränöen unö leiöer öem 
alles nipcllicrenben (Seifte öes 19- jabrbunberts jum 0pfer. 

Kudj öas Baarftäötdn'n Bräunlingen, öas wir hier im Bilö jeigen, weif 
bierpon 511 erzählen. IDeldj berrlidien Kttblicf muf öas Stäötd>en uod> uor bunöert 
Jahren öetn IPanöerer geboten haben, öer pon öer Dögginger liehe fommenö aus 
öem XPalöe trat: Eingebettet in öas fatte (Srüit öes Bregtales jwifdjen öem 



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(ßalgenberg unb 6cm £üt5el* 
ober ©ttilienberg, umf äumt pon 
ben Ausläufern bes Scfytoarj- 
malbcs, trutjig bemctjrt non 
Stauer unb (Sraben, bie t>ier 
Stabtausgänge befc^ü^t oon 
ftattlidjen Cortürmen, bic 
Läuferreihen mit ihren Staffel¬ 
giebeln, bem UTauergürtel unb 
ben Derfehrsftrajjen fief? an« 
fchmiegenb, im Utittelpunfte 
bie hoch ra ««nbe Kirche, bas 
<5an$e betreut ron ber (Sottes* 
acferfirdje im Porbergrunb unb 
ber ©ttilienfapelle auf bem 
£üt§elberge. 

JPenn auch feiger bic Core 
bis auf eines perfchmunben 
finb, bie Stabtmauer nur noch 
in einseinen UTauerreften bes 
äußeren Läuferrings su finben 
ift, fo hnt Bräunlingen hoch im 
großen unb gansen feine frühere 
Einlage bemahrt. €in Blicf auf 
ben Stabtplan jeigt uns ben 
Cyp einer natürlich ^emaebfe* 
neu Stabt, bereu Strafjensüge 
beftimmt finb einerfeits pon ben natürlichen Pcrfehrslinien bes Bregtales, anberer* 
feits pon ber Anpaffung an bie umgebenbe Stabtmauer. Sie Heineren Derbinbungs- 
tpege teilen bie einseinen Stabtquartiere nod? genau in berfelben Aufteilung, mic 
mir bies fdjon auf bem alten Stabtbilb im Hathaus (aus bem 1 , 7 . 3 ah r h un bert) 
fehen. Unb biefc Anlage geht ftcherlidj auf bic ^eit ber Stabtgrünbung im be* 
ginnenben 14 . 3 ahrhunbert surücf. IDohl finb bie Anfänge bes Stäbtcbens mefentlidj 
älter. Ser Curm ber (Sottesacferfirche, bie offenbar fchon lange por ber Stabt* 
grünbung ber religiöfe HTittelpunft für bie Anftcbler ber Umgebung mar unb bis 
1694 als Stabtfirchc biente, gehört mit feinen Schiefjfcbarten unb gekuppelten 
romanifdjen ^enfterit fidycrlidj $u einem aus bem \ 2 . 3 £ >h r h un ^ert ftammenben 
Bau. Ser <Scfcbid?tfd?reibcr Bräunlingens Dr. Balder ersäblt uns, bafj bic Lerrcn 
pon „Brülingen", pennutlich dürften berget £ehcnsleute, in ber norbmeftlidjcn (Ecfe 
ber heutigen Stabt, auf bem fog. Butf ober ( 3 mingel, eine Burg bcfajjen, bie mohl 
beträdjtlidj älter mar als bie Stabtanlagc felber. Senn bie Stabtmauer ntufjte, um 



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bie Burg in bas iDeiebbilb 
mitaufjunebmen, an bie- 
fcr Stelle eine Husbiegung 
machen. Hoch bis ins £nbe 
bcs (8. 3afyrl?unberts u?a- 
ren erfennbarc Hefte biefer 
Surgporfyanben,berenUber» 
bleibfel in uerfebiebenen ar> 
djiteftonifd) bemerfensmer- 
ten Cür- uitb 3 cn ft orum ' 
rafjmuugen im Ringel 5 U 
fudjen ftnb, beren formen 
ins fyolje DTittelalter reichen. 

Die pier 2lusgänge ber 
Stabt tuaren burd) Hor^ 
türme gefcfyloffen: Das Hie> 
be x- ober Dtüfyltor auf bem 
2 Dege ttad> b)üfingen, bas 
Ifircbtor nadi Döggingen, 

3. Per StaMpIan von Bräunlingen ^ ©UpfentOr nad ? bem 

oberen Bregtal unb bas 

IPalb* ober ©bertor nad? bem IDalbe. Pott ifyrer ardjiteftonifdjcn ilusbilbung 
geben uns bie beiben Sfijjert non €ujian Heidi genügenben Huffddufj. Seiber 
finb fte bis auf bas DTiibltor im Saufe bes 19 . 3 abrljunberts perfcbuninben, unb 



4. Hltc* StaMMlft ren Bräunlingen 


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155 — 


aud) lefeteres mufjte, 6a cs bau» 
fällig mar, um 6ie 2Pen6e 6es 
20. 3flf?rbunöerts einem Heubau 
meicben, 6en ZTCeifter KTerfel jmar 
ftattlicber ausführte, 6er aber an 
intimen Keij feinem Vorgänger 
erheblich nadjfteljt. 

Die heutige Pfarrfird^e aus 
6em jaljre f88f ift ein romani» 
fieren6er Bau t>ou IPeinbrenner, 

6er 6amals fürftenbergifdjer f)of» 
baumeiftcr mar. H)äbrcn6 6as 
Kufjcrc fall un6 nüditern anmutet, 
überrafdit 6as jnnere 6urdj gute 
Dcrbältniffe un6 ftimmungsuolle 
Bemalung. Die Borgängerin 6er 
heutigen Kirche mur6e 1694 er= 
rid>tct anftelle 6er Ciebfrauen- 
Kapelle, 6ie bis 6a neben 6er 
perfdjmun6enen Hifolausfapclle 
6ic einzige Kultftätte innerhalb 
6er Sta6tmauern mar. Benn oor- 
her 6iente 6ie geräumige (55ottes- 
acferfirdie, 6em hl. Kemigius ge= 
meiht, ausfdüiejjlid) als Pfarr* 

Fircbe. 

Bas Katfyaus in 6er Kird^ 
gaffe ftammt 5 mar nodi aus 6em 
3afyre 1590, mo es als prioat» 
haus gebaut mur6e, ift aber im 
19- 3ahrf?un6crt nid?t gcra6e glücf- 
lieb reftauriert mor6en. jn ihm amtete ron jeher ein geftrenger Kat; 6ie nod) 
jahlreid) erhaltenen ilrfunben 6es Krcbms miffen pon manch hifeigem Streit ju 
berichten, 6en 6ic Bräunlinger Katsherren insbefon6erc mit 6en (Grafen pon 
^ürftenberg ausjufedüen l?atten. Denn Bräunlingen fam fdjon 1305 an (Dfterreid) 
uu6 fetetc trofe aller Schmierigfeiten un6 trofc mandx'r Biffereujen mit 6er neuen 
Ivrrfcbaft allen Perfucbcn 6er tjürftenberger, 6ie Oberhoheit mie6er ju erlangen, 
bartnäefigen U)ie6erftan6 entgegen un6 blieb fo eine öfterrcidiifdre Snflapc in 
fürftenbergifdjen €an6en. 

Sd?räg gegenüber ftefjt 6as fog. Sdmltbeijjcnhnus, 6as im 19. 3^h r ^? un ^ crt 
auch porübergebenb als Kathaus 6icnte. <Es jeigt im 3nnern recht bemerfensmerte. 



5. Jluraamj *ur ebem. 


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— l ->4 



Sd?cllenbergcr Sd?löfjle Kiltes Pfarrhaus KircHor öurcjfäfe 6er Stäljtlin 

6. Jim Kirdjtor. Don C. Hoid; l ’ on Slocfbutg 


Ieifecr 5um (Teil befdjähigte Decfenftuffaturen aus her 23 arocfjeü. Pon hen jabl- 
reicbcn früheren Burgfäjjcn Bräunliuger 2thelsgefdjlcchtcr finh nur noch Kefte auf 
uns gefommen. 2luf hem 23 ilh Hr. 6 ftebt man nod? hie Kücffeite hes fog. 
Sdjlö^djens her Freiherren uon Sdjellenberg unh has öurgfäjj her Stäbelin pon 
Stocfburg. Cefetercs fiel einem Branhe um hie jahrbunhertmenhe 511m ©pfer. 21 it 
feiner Stelle erbebt fidi t?cuto has neue Sdnilbaus. Das alte Sdmlbaus gegenüber 
murhe auf hem piatje hes früheren pfarrbofes erridjtet. Das Sdjellenbergifdw 
Schlößchen fanf erft im ZDeltfricge in Schutt unh 2 lfdje unh begrub mit ftch 
eine Heilte guter ardnteftonifd>er (EiUjelbeiten, tme fjoljhecfen, cEiiren unh hergl. 
aus her heften Kenaiffancejeit, nne ja aud> hie meiften alten häufet 23 räunlingens 
Bliitejeit, hem t6. jabrbunhert, angeboren. Hoch por (0 Jahren fanh man in 
Bräunlingen recht riele häufer mit hen charafteriftifdjen mittelalterlidien <S ruppen 
fenftern. Ceiher fitth fte beute redit feiten getporhett. (Einmal haben hie in lebten 
Jahren unheimlidi oft auftretenhen öränhe manches jerftört; pieles fiel aber auch 
unperftauhener DTohernifierungsfudit 511m ©pfer, hie aufteile her alten Steinpfoften 
gefdjmacflofc ganjfdjeibige ^enfter einfefete. Selbft her alte 2 \eidienauer Kelnbof, 
beute has (Saftbaus 511m Köfjle, einfteus her 2 lmtsfife her Keichettauer Klofterrogte, 


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Original ftom 

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Das inüblcter ttad> bcm Umbau (i?on auflcn) 














\56 — 




9. tfaurt?trai»c 


Knt ha us 


IO. Hird?gaffc 






hat fein mittelalterlich Kleib ab¬ 
gelegt. IDeld? reijpollc BTotioe 
namentlich für bas jnnereburcfy 
biefe mittelalterlichen ©ruppen» 
fenfter entftanben, 5eigen bie 
Kbbilbungen fö unb Die 
für bie Baar fo d)arafterifti= 
fdien Creppcngiebel finben ftd> 
bodt nod? redjt häufig. I)a bas 
Pecfmaterial für bie Päcber in 
berl)auptfad)eSd)inbeIn maren, 
fo mar man auf bie 5 orm &es 
K c i h e n h u u f e s attgemiefen, 
bas bie (Traufe nach ber Strafe 
feierte unb uom Hachbarljaus 
burdi eine in (Treppen abge= 
ftuftc Branbmauer gefdnifet 
mar. Hbbilbuitg 5 jeigt bas 
beutlid?. Pie £)äufer ftnb in 
ber Kegel jmeb unb brciftöcfig. 
3m Untcrgefchof befanben ftcb 
bie 2 lrbeits* unb IPirtfdjafts* 
räume unb bie Stallungen. 
<£rnfte ©infadüteit unb berbe 
Bieberfeit ftnb bie dtaraftcrifti- 
feben BTerfntale ber Bräun- 
linger Bürgerhäufer aus alter 
< 3 eit. Pas rauhe Klima nerbot 
beit Bürgern, l^intcr bünnem 
f^oljfacbmerf ju mohtten. ©ute 
Brudjfteinbrüdjc im Stabtmalb 
lieferten bas BTaterial 511 ben 
burebmeg maffmen Bauten, unb 
ber ebenfalls auf eigenem Bo- 
beit gemonnene hurte Kalffanb- 
ftein lief? nur eine einfache Be¬ 
arbeitung 51t, meshalb reichere 
Profilierungen an ^enftern unb 
Türen, regierte Kbläufe unb 
bergl., mie fte fonft üblich ftnb, 
faft burduueg fehlen. 


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U. Das neue Schulbau* (erbaut vom Perfaffer) 

tDofyl feiten ftttb irgeitbtpo bie Bebingungen fo gegeben txne gerabe in Bräun« 
lingen, bie überfommenc Bauart aud? für bie Heuanlagen ju übernehmen. Denn 
fte ift im beften Sinne rnobern, tpeil fte allen Bebürfniffen bes heutigen €ebcn» 
ohne weiteres angepafjt werben fann. Bebauerlidjer IDeifc ift fte aber bei sielen 
Heubauten ber letzten 3aljren nidjt gewahrt tporben. Der £}ol$rcid>tum ber Stabt 



t^iTHüF W 


12. Per Hcicficnaucr tfclnbc? 


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15. 2lu& einem Baufc auf ^em öuef 


gemein6c, befanntlidj 6as Kiief^rat 6er ftäbtifchen ^inanjen, Icjlc es nabe, 6as 
I^oljfadjiuerf mehr un6 mehr auch für iPotjnbautcn cinjufüfyrcn. 2Xber 6ic (5rün6e, 
welche 6en Dorfabreu 6en PTaffmbau empfahlen, hefteten noch heute. X)ie bau* 



14. 2lui einem yauje in fccr l^auptitranc 


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15. llbcrrcftc ein 


\o. Das Slcftriiitatstrcrf (erb. pou lTlrcfel) 


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UNIVERS 
























f60 



17. 2litfirf)t pcn S. IV. (öill- Pciifir) 


luftige Bürgerschaft iuir6 6ahcr int eigenen jntereffe hobeln, trenn ftc 6ie Cel^ren 
aus 6er Baugefdtidjte ihres Stäbtdjens nidtt unbeadttet beifeite fdjiebt. jn an 
erfennensuterter IPeife hat 6ie Sta6ti>eru>altung bei (ErfteUung ihrer <8ebäu6e, ju 
6em 6er H)al6 6ie Büttel lieferte, auf möglichste Anpaffung an 6en (Eharafter 6es 
5ta6tbil6es größten IPert gelegt un6 hat es au dt nidtt an jnteefmä^igen Anregungen 
6er Bürgcrfdtaft gegenüber fehlen laffen. Btöge ihren Bemühungen in einer glücf= 
liehen ^ufunft rtoller (Erfolg befd?ic6en fein. 



(DttilienfapcHc ehern, 

18. 2lttfiviU ren 5. tt>, (a>efll ßälfte) 


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Original frorn 

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Böf fingen 

Pc« 21t«y tPingenroth 

(geidjnungen von (Suibo Sdjreiber, Pittingen) 

n öer äufjcrften IDcftgrenje öer Baar liegt öie Staöt £öffingen, mit Öen 
benachbarten Dörfern Hötenbadj, Göfcbtpcilcr unö Badihcim öic urältefte 
Anfieöelung öa oben bis roeit in öen Sd?niar 5 tpalö unö öie Baar hinein. 
Sdiott im 3 a h rc 8 19 tr>irö ^ic Staöt genannt, öie jur Bertholösbaar gehörte. 
2ils altes Erbe öer ^äbringcr blieb ftc bann bis 1806 in ^ürftenbergifebem Be= 
ftfe. IDentt tpir öie (Tunnels bis Kötcnbadi öurebfahren unö nach öiefent lebten 
Anftieg öic l^odifläcfic öer Baar erreidjt h a ^ on / f° Kegt nach wenigen DTinuten 
öer ©rt por uns öa, öer uralte ATarft unö BTittelpunft öer Gcgcnö, in öem bei 
Öen IDallfabrten junt IPittcrfcbnccfrcuj öie Ceute öcr Baar unö öes Sditparjtpalöcs, 
aber audi piel tpeiterher, jufammenftrömen. 

Die Staöt ift im Bauernfrieg 1525 angeblich bis auf öie Hirdic abgebrannt; 
öas pcrmutlidic l^oljfadnpcrf öer Raufer bot uiohl bei Öen öamaligen geringen 
£öfcboorriditungcn öem ^euer öie Gelegenheit $ur rafdjeften Ausbreitung. Aber 
ipenn ficb audi aus öem ATittelalter mit Ausnahme öer freujgcniölbteit Safriftci 
öer Airdie nidits mehr erhalten bat, fo ift öafür öcr ©rt im grojjcn unö gattjen 
pon moöerner Barbarei perfdiont geblieben unö bietet er ein feiten unberührtes 
•Bilb eines alten Baarer Stäötleins. Der grojje Strom öer ^remöen sieht bisher 
achtlos an ihm porüber; um fo mehr aber freut ft di öer, öem foldyc (Eigenart eines 
©rtes lieb unö tpert unö tpirö immer tpicöcr gerne öahin jurüeffehren, ipo er 
ein fleißiges Pölflein bei öes (Tages Arbeit unö öes (Tages £aft unö feinen ein¬ 
fachen, alten Reffen 511 fittöeit ft di freut. 

Critt ein folcber com 23abntjof heraus, fo ficht er ror fid> in bie fflulbe gefdjtniegt bas 
Stäbtlein unb fein funbiges 2luge erfennt fofort bie alten gjiige ber Stabtntauer, an bie unb auf 

8abifd?e Feimat. 1—3 H 



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^62 — 


bie bic Raufer mit ihren 
vom Klter fdjief gemor* 
betten, befto malerifd^ett 
Dächer gebaut ftttb (^ig. {)• 
Durd? bas „ITfailättber" 
(Lor mit ber 3 a h res 3äbl 
(580 betritt er bic Stabt, 
bie bnrdj einen langen 
platj in eine fchtnälere 
meftlicbe nrtb eine grö* 
feere öftlicfye fjälfte ge* 
teilt ift. IPirFfattt ftefyt in 
ber IlTitte biefes planes, 
nad? allen oicr Seiten 
frei, bas Hathaus, in 
ber (Sefcfyloffentjeit feiner 
Öauerfcheinung erfreulidi 
unb ben plafe gut in 
3mei Hälften teilenb (^ig. 
(0). IDir feben uns liier 
junäcbft nicht mciter um, 
foubertt manbern gerabe* 
aus jur Kirdic: Stabt* 

mauer, Kathaus unb Kirche fittb ja bie HubaltspuuFte, ron betten aus mau bic gau3c (Sefdjicbte 
eines 0 rtes begreifen Fatttt (^ig. 8). Pa ftogett mir nun auf einen einfachen £$au aus bettt 
Hnfattge bcs (9. 3 a h r fy un & er * s ' ber <ßo*t fei PanF nod? nid>t burd? eine ttcugotifdje ober 
neuromanifebe Schöpfung erfefet ift; mie gut ber fdjlaufe Kirchturm bem 0 rte fleht, 3eigt 
unfer Scblufebilb (^ig. 28 ). 3 n ber Kirche neben einer Kn3abl anbertt Kltertiimeru einer jener 
fdjönen 23 arocfaltäre mit bettt immer 
mechfelnben, immer geiftreidien Kufbau 
von Säulen, gefd?muitgeneu (Siebeltt, flat« 
tertibeu (Engeln, ron bem mir leiber nur 
ben unteren (Teil miebergebett Föttnen 
(^tg. 9). 0ffeubar ftaub alfo f^ier eitt» 
mal eine 23 arocfPird?e: mir erfahren, bafe 
biefelbe abgebrannt fei unb Föttnen alfo 
ohne ^üdier 3U ftubieren, ben Sdilufj 
3iehen, bafe ums 3 a ^ r l 800 herum ein 
mciterer Hrattb aufeer bem oben er* 
mäl]ntett bas Stäbtlein beimgefud?t l^at, 
betttt auch bas Kathaus entflammt ber 
gleichen &e\i. 

Pom Kirdiplafe, ber hübfd? mit 
Raunten nmftanbeu ift, unb an bem uns 
nur ber Praf^autt an feiner Hiicffeite 
ftört, merfen mir einen ^licf nach rechts 
in eitt langes, gebogenes (Säfeleiu, mo 
uns einige ber älteftcn Käufer mit goti* 
fchett (Semänbett anffallett uttb einer ber 




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\65 — 



erfreulichen Steinbrunnen, roic fic 
bas Silb uitferer 0rtfd?aften be* 
leben nnb wir bemuttbern bie 
frühere §eit, bie folgen Brunnen 
fo h^W in bie Straße feßte 

<$ig. u). 

IPir biirfen inbes bie Heu* 
3eit nicht fchmähert, h at fl* boeb 
hier in £öf jtngcn manch* (Sutes ge* 
leiftet. IDir Fchren 311m Wittel* 
täbtebens, 311m Kat* 


putift bes 

nitb be(fen plaßröiinöe 
in ihrer unregelmäßigen Füh run 9 

ein fehr gutes Hilb abgeben. Pies Hilb erhält einen oo^iiglichen Kbfchluß burch bie rorfpringen» 
ben Käufer im Horben unb ben KlicF in bie Straße, bie nach Fu^er Rührung burch ^mei (Sicbel* 
fronten gefcbloffett ift (Afig. J2). Don bett bie Straße flattFierenben ßäufern ift bas IinFc bie neue 
(Sewerbefcbule, bie alles in allem mit ihrer Freitreppe unb portal bem anfteigenben plaß einen 
guten 2lF3ent gibt unb ftch in 6öhe unb Pächerti trefflich einfügt. Pas 5 aus rechts hat leiber 
burch einen unglücklichen £abeneinbau gelitten, wie ein folcher auch bas mit einer bübfehen 

Freitreppe, Kunbbogentür unb 

.'1 M ., m I ' 


1 Pas Kllia^roappett bes 
(Srafett F r0 ^ cn F cr ^ nan ^ 11011 
Fürftettberg (£inie HleßFirch) unb 
feiner F rau Waria ühcrefia 
ron SUI3. 


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% neo3otifiereubcu $tn ftern, (Eiir fotrie 
ber unerfreulichen 33 etnalung 3trifcbeu 
beu oberen ^enftern. ^nbes ließe 
ftd? bureb einen entfpreebenben Pn* 
ftricb manebes milberti. Seffer ift 
bie anbere Seite bes plaßes meg* 
geFommen (^ig. 13 ), mag auch äugen* 
blirflich ber gtrifebenbau 3trifcben beu 
(Safthäufern 311m Sötren unb 3u?n 
0chfen etwas ftöreu: bie §eit trnrb 
burch Dermifcbung bes neuen Pu* 
ftricbes bas ^brige tun. Pocb ftnb 
all bie gerügten nur leife 5 c ^ cr ' 
gegen bas, tras auberstro gefünbiejt 
morbett. Per plaß trirFt gefcbloffen 


unb anheimclnb mit beut 
Katbaus unb bem (Saft* 
haus 3nr Sonne au feinem 
unteren (Ettbe. Unb ebenfo 
ber anbere (Teil besplaßes 
fiiblich bes Hathaufcs mit 
bem S. Pemeterbrunneu 
von 1912 , ber aufs glücF* 
Iichfte in bas (Drtsbilb 
hineiuFomponiert ift, unb 
ber neuen Baitfergruppc 
berPpotbeFe (^ig. l< 0 , bie 
gewiß allen Puforberun* 
gen ihres ^efißers ent* 
fpricht unb hoch in Feiner 
IPeife ftört, rielmebr ge¬ 
fällig mirFt. 3 cb weiß 
ja, baß ber eine ober 
anbere PrcbiteFt hier viel¬ 
leicht manches anbers ge* 
ftaltet batte, hielte es 
aber für rollFommeu rer* 
fehlt, wenn man bie 
gute Pbftcbt unb Seifhing 
nicht frenbig anerFeitnen 
wollte. Plan würbe bem 
Xieimatfchuß bamit alle 
^reunbe unb PlöglicbFeit 
rauben. Puch ber hüb* 
febe ftatt bes an* 

bersmo üblichen fchlecbteu 
Prabt* unb £ifengitters 



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\65 — 




8. ölicf auf Mc Kirche 


foll ermähnt u^erben (Ebenfo aber er* 
füllt uns bie anberc Seite bes planes 
neben bem UTailänber Clor mit (Senug* 
tuung (,$ig. J5); mie l^ier bie £äbert 
eingebaut finb, fann als gutes (Segen* 
beifpiel gegen bie rorbin ermähnten 
gelten unb bas läßt fid? auch fageit 
ron bent Haben bes (Ernft Straub 
(,£ig. l?)r vov bem ftel^eub mir uns 
3ugleid? an ber frcunblicfyeu, breiten 
(Siebeifront bes Kaufes ZTr. 39 er* 
freuen. Zlnd? bie Jfirmenfd>ilber, bie 
fo oft bas 3nnere gan3er (Ortfcbaften 
rerunftalten, finb bjier befd^eiben unb 
anftänbig geblieben unb 3erftören nicht 
bie XDirfmtg ber alten Strafen in 
ihrer guten, gefrümmten Rührung mit 
bem glücflicben Zlbfcbluß bureb ben 
bereinragettben (Siebei eines (Ecfbaufes 
19 )* 

Zlnd? außerhalb ber Waucrn bes 
alten Stäbtleins ift nicht fo gemiitet 

morbett, mie anbermärts. Pas IHafdjinenlager bes (Ebriftian Malier an ber Kahn (^ig. 20), 3eugt 
ron beit gleiten guten Zlbficbten, mie bie Zlpotbefe, mährettb bas baneben ftehenbe l?aus, ein 
Kacffteinbau, mit bem barten Sd>mei3erbad? allerbings in unfere (Segenb gar nicht paffen mill. 
£eiber mar es ja eine ^eitlang auf bem Scbma^malb üblich, rollig frembe ^auformeu in ber 
merfmürbigften IHifd?ung 311 rermeubett. Pas £?aus ZTr. 7^ an ber Kahn ift bereits beffer 

gemeint (^ig. 2O» unb bod? finb bie 3mei (Siebei mit 
bem abgemalmten Pacb, bie ftarre Rührung bes Padres 
ohne ZJuffd)iebling, mie bie Stid?bogentür mit ber ge* 
3acPten Quaberung ^ier^nlanbc niemals üblich. ITlaterial 
unb Paßform finb meift beftimntenber für bie Kaumeife 
noch als bie (Scftaltung ber ^enfter unb diiren unb fo 
ift es recht fdjabe, baß am Zlusgang gegen Seppen« 
l]ofen — Kounborf 311 — bas ^aus bes 3°fef Leiber fielet 
mit bem etmas 3U flachen unb ohne Schmcifuug mit ber 
Keisfdpienc geführten Pad?, ane bas Kranfenhaus mit 
falfcheit Perbältniffen unb unangenehmem Zlnftridj 
(^ig. 22), mäbrenb bas befebeibette Vfaus ba^mifd^en ber 
£ebrmeifter ber beiben anbern hätte fein fönnen. (Es 
fehlt auch nicht bie unrertneiblidje ^abrif, ein Sägemerf 
($'uy 23 ), bod? liegt fie gliitflidjer IPeife über ber Kahn 
brühen unb ift burd) ben Kergabhang ben KlicPen bes 
roti Siiben Kommenben lange ent3ogen. Unb mir mol* 
len hoffen, baß bei ZXeu* unb Umbauten berfelbett ror 
allem in ber (Seftaltung ber Pacher, ben Ulaterialicn bes 
Zlufbaues bem neuen (Seift, ber uns ohne größere IHit« 
tel 311 beanfpruchett in ^abrifanlagcn fchoit fo manches 
9 . Scilatt ficht fce* fiochaltar* (Sute befebert hat, fiiuftig Zvd?nung getragen mirb. 


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10. Rathaus unb ©aftbau* »um Cbtren 


II. Ullcf rcn bcr Kirche in bie Seitengaffe 


12. Oberer plat» mit ©ctrcrbcichulc 


|5. Oberer plat?. Oftjeitc 
©aitbäuier »um Cöircn unb Oct»ien 


15. Unterer plat». Uiailanbcr Zer unb 
Caben 21. Zgle 


14. Unterer plat». 2lpetbc?c un& Sdjub 
banblung ZV Schilling 


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l£aPf£r-4& h»-c. 
pr* jwjj .yy 

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\67 



J 6 . (Dbcrcr platj. I>au 5 Ur. 2 »on J759 
unb pcitamt 


J7. 3aus <Ernft Straub mit Cabcn 


19 . lUicf »cm Dcmctiusbrunncn auf 
bas (Daftbau* «um Camm 


\K (Dbcrcr plati 

flauster mit U>appcn reit liaus Ur 
»cn U39 


Dorf? mir molleit unferc leidet* Fur^c Betrachtung mit (Erfreulicherem fchließcn, beffen es 
gerabc in £öfftngen nod? genug gibt. Da^u gehören 3. B. bic fdjönen, fchmiebceifernen IDirts» 
hausfrf?ilbe, ron benen mir 3mei, bas 3ur Sonne (^ig. 26) unb bas 311m Ubier (^ig. 27) abbilben, 
ba3u gehören in erfter £inic bic beibeti |rf?önen Barocfhdufer, bie jeber Stabt eine Sterbe mären, 
mit bett hoppelt abgemalmten Dächern am Bahnübergang nach (Söfchmciler (^ig. 24 unb 25). 
Unb am anbern (Enbc, in ber Hichtung auf Dittisbaufen unb bcu IDalb, ber fid? gegen ben 
Bahnhof Beifelftngen bit^ieht, gebt bas Stäbtlein bann in leicht gelocfertcr Baumeife recht an* 
mutig in bas (Selänbc über. 


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20 . niafd^incttlagcr «Ibviftian Malier 
am l?aljnt?cf 


2 J. 2ln öcr l?abtt. |4au5 Jtr. 7^ 


2 lm 2lu*gan£ itadj S-cppeubofcn-yennfcerf 


23. 7>a§ Sagetrerf 


4. l’arcdbatt? am Hu^an^ nad? 
<Böfd?rc , cilcr 


!5. tRcgcnübcrlicgci^c* l*ar?dbau& am 2lu*£ang 
nad? ©Sfdjircilcr 


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<69 — 



26. UMrt&frausfdjilö uir Scnttc 


27. 2Ptrtfttiau»frt?U& ?um 2lMcr 


IPir nehmen ben leisten ZDeg, überfcfyreiten bie 23aljn uitb flauen oon ber 
i)öfyc bet Keifelfingcn nochmals juriief. Pa liegt bas Stabilem fonnenbeglänjt, 
r>on fanften fjügelrücfcn umrahmt, r>or uns, mit feinen freunblicben Käufern, iljren 
altersbraunen Pädterit, bem fchlicbten 'Kirchturm ein edttes Kinb ber 3aar, bas 
ftd) feine ftillen Keije nodt lange unoerborben erhalten möge. 



28. Ccfftngcn von Scppcittfcfcn aus 


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Q^tBftograpßte ber (j§aat 


Pen $. K. Bartl* 

enn mir hier eine Bibliographie ber Baar geben, fo gefchiefjt bies, meil bis auf ben 
heutigen (tag für Baben noch fein ähnliches IPerF gefchaffen ift, mie es unfere mnrttem» 
bergifchen Bachham in ihren 0 beramtsbefchreibungen befi^en. Dort ift alles IPiffens» 
merte 3ufammengetragen unb oerarbeitet, mährenb mir uns mfihfam bas bis heute in 
<Ein3elpublifationen (Erfdjienene 3ufammenfuchen muffen, loobei mir noch Flaffenbe £ücfen 
entbeefen. Unfere gufatnmcnftellung fall bie £iteraturangaben oon Kienitj unb IPagner (£iteratur 
ber £artbes* unb Polfsfunbe bcs <Sro§ber3ogtums Baben, Karlsruhe *90 0 oeroollftänbigen. Was 
uns erreichbar mar, haben mir 3ufammengetragen, bürfen jebodj bei ber Knappheit bes oerfügbaren 
Baumes auf PollftänbigFeit Feinen Anfprucb machen. 

IPas Kienitj unb IPagner auf S. (88, (98, 350 , unter ben einzelnen 0 rten ufm. aufführt, 
fetjen mir als befannt ooraus unb mieberholen hier nur bie hauptfädjlichften IPerFe. £s ftnb bies: 

^ürftenb. Urfunbenbuch. tjrsg. 0. fürftl. fjauptarchio in Donauefchingen. 7 Bänbe, (Tübingen 
( 877 —(89(. — IHitteilungen aus bem 5. Archio. 2 Bänbe, (Tübingen ^89^ u. (902. — 
münch, £., (Sefchichte bes Kaufes unb £anbes ^ürftenberg, fortgefetjt von ^icFler. 4 Bänbe, 
t829—18^7. — Bie3ler, 5 ., (Sefchichte bes fürftl. Paufes ^ürftenberg unb feiner Ahnen bis 
(509. (Tübingen ( 883 . 

I. Allgemeinem 

a) Allgemeine Rührer 

Parbtmayer, 3., Die Bab. Schma^malbbahn. Zürich 0. 3 * — IPais, 3 u U Schmarj» 
malbführer. Ifrsg. o. IPürttemb. Schma^malboerein. Stuttgart ( 9 ( 7 . 


b) Leitungen unb geitfdjrifteu 

Schriften bes Peretns für (Sefchichte unb Haturgefchichte ber Baar unb ber angren3enben 
£anbesteile. I (( 87 p —XIV O920). 1 — hfochfürftlich dürftenbergifcher £anbFalenber. ( 778 —( 802 , 
Donauefchingen, Ifiieth. — ^ochfürftlich ^ürftenbergifcher £anbFalenber. ( 803 —(809. Donau» 
efd>ingen, IPiUibalb. — £anbFalenber für bas ^ürftentum ^ürftenberg. ( 8 (( —(839. Donauefchingen, 
IPiUibalb. — 5 “ r f tcn ^ er 9 *f^? er Stabt» unb £anbbote. (840— ( 856 , Donauefdjingen, IPiUibalb. 
— (BefchäftsFalenber, h r $ 9 - r>. Perfehrsoerein Donauefchingen. ( 9 ( 0 . — Der Baaremer £anbbot’, 
(SefchäftsFalenber, hrsg. 0. Perfehrsoerein Donauefchingen. 2.— 5 - 3 abrg. ( 9 ((—( 9 ( 4 . — Donau» 
efdjinger IPochenblatt ober Bachrichten oon aüerhanb Sachen ufm., (779—( 807 . — ^ürftlich dürften* 
bergifches Be3irPsblatt. (808 bis UIär3 ( 8 ( 4 . Pom (.IHär3 ( 8(4 anbeffenStelle: An3eigeblatt für 
ben See» unb DonauFreis. — Donauefd?inger tPochenblatt. (. 3 U ^ ( 832 — (880 in 4 °, ( 88 ( —(906 
in 2 °. — Donauefd?iuger (Tageblatt 00m (. 3 <*n. (907 an. — Der f^ausfreunb. (850 ff. Beilage 
3um Donauefcbinger IPochen» refp. (Tageblatt. — Donaubote. Unparteiliche geitung, ( 896 —(897, 
Polfs3eitung, vom (. 3 u ü («97 an » — ^riebensglocfen. Beilage 3um Donauboten, 00m 
(. Auguft 7920 an. — ^rembenblatt für bas (Sebiet ber Schma^malbbahn. (. u. 2. 3 a h r 9 » 
St. (Seorgeit. ( 9 ( 3 —(4. 

II. Por- unb $rüfo$efci*id*te . 2 


Baljer, Dr. <Eug., Überrefte eines pfahlbaus unb (Sräberfunbe bei Bräunlingen. 
„Schriften“ XI, (904 S. 274. — Biffiuger, K., Die älteften Bacbrichten über Altertümer in 
ber (Segenb oon püfmgen. „Schriften“ XII, (909 S. ( 77 . — Hed*, ,Jerb. ( Hömifche Kaifer an 
ber DonauqueUe. 2Uemannia, Bb. 42, ( 9(4 5. ((4ff. — Heoellio, p., Brigobanne püfingen 
unb bie erften Ausgrabungen ( 605 . „Babener £anb", Beilage 3ur Freiburger Leitung, (908 

4. O^Ft. — Herei lio, p., <£in römifches Bauernhaus im Deggenreufdjcntoalb bei Püfingen. 
„Schriften" XIV, (920 S. 92. — Herellio, p., <£in ifallftattgrab bei (Srüningen. „Schriften" XIV, 
1920 S. m. — Herellio, p., grnei (? Alamannengräber im Bräunlinger (Semeinbemalb. 
„Schriften" XIV, 1920 S. U2. — Herellio, p., Beobachtungen über ben Perlauf ber Hörner- 
ftrafic Piifingen Hottmeil „Schriften" XIV, (920 S. 142. — Hi eg er, (S., Die römifchen Alter¬ 
tümer ber babifeben Baar. „Schriften" X, (wo S. 103. — dumbült, (S., (Sräberfuitb bei 
Klengen. — Derfelbe, cSräbcrfimb bei Heifelfingen, „Schriften" XII, 1909 S. ( 85 . — Derfclbe, 
Alamanniübe Hcibeugräber in Biefingen. „Schriften" XI Jl, (9(3 S. (<> 4 . — Derfelbe, Der 
Afimb von Pintfchingcn in feiner unifenfchaftlichen Bebeutnng. „Schriften* XIV, 1.920 S. ( 0 (. 
— IPagner, v£., Brou^eitlichcr Afunb in HlÖbringen. Höm.-gcrman. Korrefpcnbenjblatt, 6 ((9(3) 

5. «i4* — 97. — IPagner, <£., Pintfchingen a. Donau A. <Engett;. Alamanuifches (Sräberfclb. 
Höm.-gcrman. Korrefponbcnjblatt, 9 . 3 J brg. I 9 (<> S. 1 ff. 


1 3 ?n ^olgcnben bcjeidmet „Sbriftcn". 

■ Siebe auch IPagner, ^uubftätten unb Afnubc aus rorgefd>id>tIid?er, römi|\her unb 
alamauuiub’fräuFifchcr geit im (Srofiher^ogtum Baben. 1 . Das bab. (Pberlanb, (Tübingen 1908. 


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— •{7\ - 


III. (Befdjidjte, €anb nnb Ceute" 

A. Allgemeines 

koffert, (S., Die Heformation in (Tuttlingen nnb Umgebung. Blätter für ZDürtteinb. 
Kird?engefd?i<h tc » ZT. F* XV. ßafjrg., 1911 S. (9 ff. — Derfelbe, Die ^eiligen bes 0beramts« 
bejirfs (Tuttlingen. (Ein Beitrag 3ur ZjeimatFunbe. (Srän3bote, (Tuttlinger (Eagblatt. *920 
ZTr. 223 — 226 , 228 — 23 1. — Dollinger, Por 3toeif}unbert 3 a f? ren » Donauefdjinger ZPoc^en* 
blatt 1904 ZTr. 77. — €nberle, 3., Stubien über ben Beft^ bes Klafters St. Blaffen. 
Freibura i. Br. 7909. — £auer, fjermamt, (Befcbid?te ber fat^olifd?en Kirche in ber Baar, 
Donauefdffngen 1921. — Derfelbe, Die (Slaubensemeuerung in ber Baar. Freiburger DiÖ3efan* 
ardffo, ZT. F* 19 » 1919 £* 81 —119. — Derfelbe, Die (Einführung bes (O^riftentums in ber Baar. 
Donaubote (910 ZTr. *66, 172 , i? 8 , *84, 189 u. 206. — Derfelbe, Die Pfarreien ber Baar nad? 
bem ScfymebenFriege. Donaubote 1912 ZTr. 157 ff. — Derfelbe, Die Pfarreien bes Kapitels (Beipngen 
im 3 at?r* 1738. Donaubote 1913 ZTr. 14 , 17 u. 18 . — Derfelbe, Die Baar unb bas Klojter St. ©allen. 
Donaubote 1914 ZTr. 57 ff. — Derfelbe, St. <Sallifd?e Klofferfrauen in ber Baar. Daf. 1914. — 
Derfelbe, Altertümer in ber Baar. Daf. 1914 ZTr 77 . — Derfelbe, Stabte« unb Dörferbiiber aus 
ber Baar. F r * e & cns 9 loc * en (Beilage 3. Donauboten) 1921 ZTr. 9 ff. — UTaier, fjertn., Die Amts* 
be3irfe Dortauefdffngen, Piüingeu, ZTeuftabt unb Bonnborf im Spiegel ber (Befdffd?te. Pillingen 
1856. — ITTaffinger, Das obere Donautal oon Donauefdffngen bis Sigmaringen. IHonatsblätter 
bes bab. Sdjmar3toalboereius. XVII. 3 a h r 9 - 1914 TTr. 7 . ~ UTattes, A., Der Amtsbe3irf 
Donauefdffngen. Bonnborf 1902. — UTayerljofer, 3 °*N Die bab- Baar unb ihr ^auptort. 
Dottauefdffnger IPodjenblatt 1383 ZTr. 103 ff. — HTüller, Anton, Sdjitffalsfdjläge ber Baar. 
Donaubote 1911 ZTr. 184ff. — Sdjma^, Hubert, (Sefchicbtlidjes unb ZTaturgefchidjtliches aus 
bem Bregtal unb ben Seitentälern. Pöhrenbadj 1917. — Ser na tinger, £7., Die Baar. Babner 
£anb (0rgan b. bab. £anbesoerbanbes 3ur Hebung bes Frembenoerfehrs) 24, 1912 S. 166 / 167 . — 
XP(arnfönig), A., Die Baar, (Eine fjiftorifcfye Stubie. Donauefdffnaett, (Sebr. Simon, 1902.— 
IPelte A., Der Ausbau ber TjöUentalbahu. Bab. Fortbilbungsfdjule IV, 1901 S. 67 ff. 

B. (Seologiftfyes unb Botanifdjes 

DeeFe, ZU., ZTatur, 0 berffacbengeftaltung unb ZPirtfd?aftsformen ber Baar Karlsruhe 
1921. — <SSpringer, Dr. Aug., Die geologifd^e (Sefdffdde ber Umgebung oon Donauefcfyingen. 
„Schriften" XIII, 1913 S. 67 ff. -- Buri, (Th*» Das Steinfa^Iager oon Donauefdffngeu*Aafen, 
feine Ziehungen 311m geologifdjen IPerbegang ber Baar unb feine (Erbofyruttg. „Schriften" XIV 
1920, S. 57 ff. — Sdjmal3, Z}., Die ZTutjpflai^en ber Baar unb ihre praFtifdje Perioertung. 
„Schriften“ XIV, 1920. — Stelle, 3 -» Per3eid?nis neuaufgefunbener pflan3enftanborte in ber 
Flora oon Donauefdjingen. 0 . 3 * 

C. K u Iturgefdjidjtlidjes. a) £anbesFultur 

(Sutmann, K. F*» Über bie Betolrtfcbaftungs« unb (Ertragsoerbältuiffe eines mittleren 
Bauerngutes in ber Baar. Sanbroirtfdjaftlidjes (Torrefponben3blatt für bas (Broffhe^ogtum Baben. 
1860. — ZTeoellio, p., Die bjüffnger Allmenbe unb bie £aubmirtfd?aft ber Baar am (Eitbe bes 
18. 3 a ^ r ^wnberts. Heferat über einen Portrag. Donaubote 0. 4. 3 attuar 19 - 1 * 

b) UTaff unb (Semidjt 

Siebe: (Tabellen 3ur Pertoanblung ber alten ITTaafe unb (Setoid?te bes (Sroffb^ogthunts Baben 
in bie neuen allgemeinen babifcfyen. I. Bb.: Die (Betreibe« unb ^liiffi^fettsmaafc unb (Betpichte. 
Karlsruhe 18 12. II. Bb.: Die übrigen HTaafe, nämlich bie oerfebiebenen £ättgen* bieFl&ben« KubiF* 
Po^Foblen« <£ry Siegel* unb BacFfteinmaafe,nebft anberen bie neuen ITTaafe allein angebcnbenCabellen. 
Karlsruhe 18 ( 2 . III. Bb.: ZTachtrag, enthaltenb bie Pertoanblung alter UTaafe in ben Füglich oon 
ZPürtemberg an Baben abgetretenen, bem SeeFreife einoerleibten 0 rtfd?aften Karlsruhe 181 3 . 

c) PoIfsFunft 

Feljrle, Sd^ntiebeiferne (SrabFrei^e aus Aafcn, Alemannia, 3 . F* IV 1912 . 

:l Siebte and?: Baier, Zjerm., Der Liber quartarum bes Konftan^er Bifd?ofs Heinrich 
oon Klingenberg, f. (Befdffdite b. 0beriTieius, ZT. F* 25 , 1910. — F ran 3* Perm., Alter 

unb Beftattb ber Kirchenbücher, insbefonbere im (Broffhrriogtnm Baben, geitfehrift f. (Sefdffchte 
b. 0 berrhv (£rg.«^eft I, b?eibelberg 1912. — Kallen, (Serfyarb, Die oberfchmäbifcbcn pfrütiben 
bes Bistums Konftan3 uttb ihre Befe^ung (i 275 — 1508 ), Kinteurecbtl. Ab^attbl., t>erausgeg. oon 
Ulricf? Stut^, fjeft 45 u. 46, Stuttgart 1907. — Hieger, K., Das Registrurn subsidii caritativi 
ber Diö3efe Kouftaii3 aus bem 3 a *? rc 1 3 05 , Freiburger DiÖ3efanard)io, ZT. F* VIII, 1907 . — (Tum* 
bült, (S.r Die (Einkünfte ber jet^t nach Baben gehörigen Pfarreien unb Pfrünben bes ehemaligen 
Bistums Konftam um bas 3 a h r 1 275 , ^eitfehrift f. (Sefduchte b. 0 berrh, ZT. F- 29, 1914. — 
Die Siegel ber babifchen Stabte, hevausgeg. o. b. Bab. Kommiffion, II. Pcft. Die Siegel ber 
Stabte in ben Kreifen Freiburg, Pülingen nnb £örrad\ Peibelberg 1909. — Schufter, Die Burgen 
unb Sd^Iöffer Babens, Karlsruhe 1900, u. a. 


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[72 — 


d) PolFslieb, Sitten unb (gebrauche 

Hertfche, Karl, Kinberfpiele aus IHöfyrimjen (Hmt (Engen). §eitfd?rift ber (Sefellfdjaft 
f. (gefehlte, Altertums* uttb HolfsFunbe oon ,$reiburg. 22. Hb., *906 (Zllemannia, ZT. $. 7). — 
Dollinger, Das (gregorifeft unb ber Hutengang. Donauefchinger IHochenblatt, *901 ZTr. 76 . 

— (Ernft, gtoei PolFslieber aus Hafen. „ITTein l?eimatlanb“, *. 3 (*h r 9 - * 914 * — 
(Solbfdjmibt, Zllfreb, fjoch3eit in ber Haar. Karlsruher Leitung *9** TTr. 30 *. 

e) IHunbart, Hamen ufto. 

Hertfche, Karl, Die oolFstümlichen perfonennamen einer oberbabifcfpen Stabt (Ittöhringen). 
(Ein Beitrag 3ur (gefehlte ber alemannifcbett ZTamengebung. ^reiburg 1905. — Derfelbe, Die 
Hamen ber Haustiere in DTöhringen (Hmt (Engen), geitfcbrift ber (gefellfchaft f. (Sefd?id?ts* r 
Altertums* unb PolFsFunbe oon ^freiburg. 22. Hb., 1906 (Zllemannia, H. 5 * ?)• — Höhnen* 
berger, Dr. Karl, Die <Sren3e 00m anlautcnben F gegen anlautenbes <h (mit Karte). Zllemannia, 

H. J. Hb. * ( 28 ) S- * 24 —* 37 . ^reiburg i. Hr. 1900. — Derfelbe, Die IlTunbart oon Schwenningen 
unb Umgebung. Dafclbft S. * 38 —*48. — (gefprädj 3weier Hauemfnabeit über ben ^afching 3U 
Donauefchingen. Dialog. Donauefchinger CEageblatt *921 ZTr. 27 . — Heich, £u3ian, Heiträge 3U 
einem Z 3 aarifchen 3 bioticon. ITTanufFript b.b.ZIFten bes Hereins für (Sefdjidjte unb Zlaturgefd^id^te 
ber Haar ufw. ($. Zlrdjio, Donauefchingen). 

IV. ZlbeUgefdtidjte 4 

0. Scheffel, 3 °f*Pictor, Zllmishooen. 3 un *P crus - Stuttgart *867 S. 58 ff. — Hal3er, €., 
Die Herren oon ScheUenberg in ber Haar. „Schriften“ XI, 190*. — Hüchel, 3 * 33 ., <Scfd?id?te 
ber Herren 0. ScheUenberg. 3 a ^? r ^ uc ^? ^ es £?iftor. Hereins f. b. ^ürftentum £iechtenfteiu. 7.-9. Hb. 
*907/09.— Diej'er, Hegejten 3ur (gefetzte ber Herren o. ScheUenberg. Daf. *.— 6 . Hb. *90*/06. 

— Heid), £., Die lebten ^reiherrtt oon ScheUenberg. Karlsruher Leitung *882 ZTr. *54 Heil. u. ff. 
Heoellio, p., f?ans ber (gelehrte oon ScheUenberg. „Schriften" XIII, *9*3. 

V. perfouett- unb ^amiliengcfdndne 

^ranf, B. ZIbolf, (galerieinfpePtor, HeFrolog. Donauefchinger IHochenblatt *890 ZTr. * 35 . 

— ffeinemanit, 3 °D Kunftmaler. Donauefchinger CEageblatt *9** Hr. 225. — Strun3, Dr. 
Karl, 3 * IH. Kalliwoba, Horträge unb Zlbhanblungen, h rs 9- ron & cr £eo*<gefcllfchaft. 32 . l7eft. 
IHien *9*0 S. 6. — HurFarb, bf., Kotirabin Kreuzers Zlusgang. „Schriften“ XIV, *920. — 
IHelte, Zlb., Zlus £. Heichs literarifd>em ZTachla§. Schauinslanb, 37 . 3 <*h r 9 -' 1910 5 . 63 ff. — 
He ich, £ujian f Hlätter aus meinem feben, ITTanufFript b. b. ZIFten bes Hereins für (geferchte unb 
Haturgefchid>te ber Haar ufw. (^ürft. Zlrchio Donauefchingen). — Heich, Sujian, HeFrolog. „Schrift 
ten“ X, *900. — Heid), $rait3 £aoer, Hiograph- SPiz3e. Hab. ^ortbilbungsf<hule, XIV, *900/0* 
S. 97. — Schelble, 3 °h- ZTepomuF, fiebe £ii3tan Heich, IHauberblüten. Karlsruhe * 855 , 5 . 2 <> 5 . 
Seele, 3 °h- Z 3 apt., fiche Snzian Heich, IHauberblüten. Karlsruhe * 855 , S. 239. — Schallcr, 
l^aus 0tto, 3 c»h^nn Haptift Seele, *774—*8*4, Kuuft unb Künftler. XII. *9*4 3 . 598. 

VI. Die Haar in ÜJebidjten unb (Befdjidhten. 

3 enfen, Illaina, 3 n ^ er Hefibeu3 3U Kleiithaufcu. Horelle. £eip3ig *907. — Heich, £., 
Bieronvmiis. iebcnsbilber aus ber Haar unb bem Sdm>ar3n>albc. (Entworfen oon £ii3iau Heich, 
mit ber ^cber auf Stein gezeichnet oon 3 - ZTepomuF Zjeiuemann. Karlsruhe unb f)üftngen * 853 . 

— Derfelbe, IHanberblüten aus bem (Sebenfbuch eines Illalers. IlTit einem (Eitelblatt oon Hubolf 
(gleichauf unb Z>ilbern 001t £. Heich, mit ber ^eber auf Stein gezeichnet oon 3 °h* ZTepomuF 
Beinemann. Karlsruhe * 855 . — Hot hm unb, (Eon i, Das ftumme Klaoier. £eipzig (*9*9). — 
Scheffel, 3 °l c f HiFtor 0., 3 nn *P en,s » (gefchichte eines Kreuzfahrers. 3 ^ ll f tr i ert ron ^i”lon 
0. IHerner. Stuttgart * 867 . — Schelble, $. 3 -r Her IHattberer aus ber Haar in feiner Beimat. 

I. (Ecil, Berbftftimmung. tHeinheim 0. 3 * II. 2eil, Spaß unb (Ernft. IHeinhcim *903. — 
Schelble, $. 3., cEities ^erienbummlers ZTunbgang in ber Haar nach ber IDeib bes ^errn 3 °f e f 
Xraitf. Eine humori)Ti|\he Pidnuttg. Tüfingen I809. — Sernatinger (Berimann aus ber gelle''. 
Z^lumegg ciannegg, Eine Sage aus bem IHutadOal. Donauefdnugeu 0. 3 * — IHacFer, Karh 
ITTeiue Jjuhteu. HolF unb I^eitnat, Heilage ber Hab. preffc 1920 Hr. 3 . 

VII. ®cfd7id?te bes Banfes unb taubes ^ätfFenberg 6 
Polling er, t ^r., Pie v ^iirftenb. Iliiinzen unb UTebaiUen. Donauefchingen 1903. — <Emp* 
finbungen eines jiirftenbergifchen Jünglings bey (gelegenheit ber £anbmili3=0rganifierung. ZTotmeil, 
*800. — Ererzier unb Pienftroiührift für bie £anbmiliz unb bie baraus geftaltet Scharffchiitzen* 
unb 3 ^aerforps- II. Auflage. Donauefchingen ihoo. — I)r. X c u r ft ein, ^ürftcubergica. Heiträge 
Zur cgeühiihte bes Banfes v \*ürftcuberg. „Sdniften“ XI\', *0:0 S. * 5 * ff. — Pie Bausgefege bes 
fiirftliihen unb laubgräflicheit Bauies ^iirfteuberg. (Eiibingen * 870 . — Ko ft, Karl, Pie Fird>en* 
rednliihen Herhältuiffe ber früher rcid^sniimittelbareii Jfiirftl. ^iirfteub. £aubc im *0. 3 a ^ r h lin ^ er ^* 

4 Siebe amh: KinMer 0. Knobloch, 0 berbabifches (gefdilechterbuch. Beibclberg *898 ff. 

1 Siehe amh: Sd^reiber, Zllb., Pie Autonomie ber beutfd>en Staubesherruhaftcu Z^abeus. 
ülilteuberg *912, u. a. 


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- *73 - 

Hagen * 908 . — (Eine ^ürftenb. £anborbnung aus ber geit bes breigigjährigen Krieges. Donau* 
bote *898 ZTr. ( 29 . — ZUartin, järftenbergifd^er patronats*Schematismus. * 905 . — DTeifter, 
3ofeph* Kirchenpolitif ber (Srafen oon ^iirftenberg im ( 6 .3 a h r fy* ^reiburger Di^efanardgp, ZT. 

X., (909 S. \— 6 ^. — Jfürftl. Stanbesherrfcbaft ^ürftenberg. (Eine Denffchrift] perfaßt tm Zluf* 
trage bes dürften ZUaj (Egon 3 U ^iirftenberg oon ,$ürftl. ^ürftenb. Kammer in Donauefd?ingen. ( 9 ( 9 . 
— (E umbült, (S., Das ^iirftentum ^ürftenberg oon feinen Anfängen bis 3 ur lltebiatifierung im 
3afjre (806. ^reiburg ( 908 . — (Sebrucfte Derorbnuttgen ber ^iirftenberg. Hegierung: 
Decretum bas fafter ber Un 3 ud?t betreffenb pom (8.0ftober (7*6. Decretum betreffenb bie Sdjuelen 
unb bas Stubiren berett Unterthans*Söhnen; *. ZTop. (7*6. Decretum bie Sonn* unb ^eyrtäg 
betreffenb; 25. ZTop. ^ 746 . ^ürftlid? ;Jürftenbergifche 5 eur ‘® r bmmg; 6- 2TTär3 [75$. Decretum 
betreffenb bas $luct{tn unb Schmöhren, Sacramentiren unb (Sottsläftcren; 22 . 3uli (75*. ^ürftlich 
^iirftenbergifd^e Kirchweyh*0rbnung; 8. Zluguft (755. ©rbttung, wie cs mit bem Kornmeß, 
ZDeinmaaß, (Sewicbt, ZDaagen unb (Ellen, aud? berfelben pfädjten unb Difitiren in ben ^ürftlich 
^iirftenbergifchen £attben gehalten werben folle; 8 . Zlug. 1 755. 0rbnung, wie cs mit ber fo genannten 
Sefo* ober Portheils*(Serechtigfeit in Zlttfehung bereu jüngeren ober älteren Söhnen unb (Eöcbteren 
in benen $irftlich ,Jürften&ergifchcn £anben 3 U galten feye; 2 . 3uni (757. ^ürftlid? dürften* 
bergifcfye Z3ecfen», Z3rob*, Z3fchau* unb Kornmeffer*0rbnung; ( 6 . 3 u ni 1757 . ©rbnung, wie es 
mit bem Zfaugrett bereu in bem £anb fabricirenben ober oon benen perburgerten H<wbels»£euthen 
füfyrenben ZDaaren falber, weniger nicht mit benen fo genannten Z3ucfel* ober fyden* (Erämer, 
Sdjolterer, Hiemettftedier unb bergleidjen, bann mit benen auslänbifcfyen Kauff» unb ZJ^bmerfs* 
leuthen 3 U beiten feye; (8. 3«li ( 757 . 0 rbnung betr. ben (Selbfurs; 27. ^ebr. 1762 unb 8. 0 F- 
tober (763. 0rbttung betr. Hauptmängel bei bem Diehhanbel; 5. Xtlär 3 (766. H^’^ürglüh 
^ürftenbergifebe Z3ettel*0rbnung; 20 .0Ft. (770. 0rbnung betr. ben <£hauffcegelbbe 3 ug; 2 . De 3 . (773. 
Straßenorbnung; 2 *. Sept. ( 77 *. ^ürftlicb ^ürftenbergifebe Han&H^te'^&nung unb gemeine 
§unft*Zlrticul; 7 . ^ebr. (776. papierftempelorbnung; 6. 3ult (777. Kartenftempelorbnung; 
6 . 3 u ü 1777. 0 rbnung betr. T3ranbfd?ablosbaltungsgefdlfcbaft; 9 . Sept. (777 (gehe aud?: H a hn, < 8 ., 
(Sefchidjte ber Z3ab. (Scbäubeoerftcherungsanftalt, Hannooer ( 9 ( 2 ). 0rbuung betr. bie unebelicbe 
Scbmangerfcbaft; 22 . Zlpril (778. ZDalborbnung; 26. Zluguft (782. (SeuerahDerorbnung, bie 
(Einftell* unb Hinbanfcbaffung bes allgemein befchmerlicbett Settels betr.; 3. ZTop. (783. Zolltarif 
für bie £anbgraffcbaft Saar pom 3 a *? re l 78 ^ (Dottauefchingen, TTlietb). (Erneuerter CEarif ber 
§oll»0rbnung für bie ZTeu*Z3aarifche göller unb Solloerwalter pom 3 a b re (78*. 3 n g ru f t '°« für 
bie goller ber Z3aar; 8 . 3uli (786. ZDanberfcbaftsoerorbnung; 5. Sept. (786. ilmgelbs», ZDein- 
fchä^er= unb IDirtbens*0rbnung; (. UTai ( 789 . Derorbnung über bie Stabt* unb £anbfcbulen; 

27. Zlpril ( 790 . (Sebrucft von 3 * ITtatthäus ITCieth, Donauefchingen. £anbespoli 3 ei*Derorbnung; 

28 . ZTop. (796. (Sebrucft bafelbft. ZTachtrag 3 m lanbesfürftlicben Derorbnung pom 2. 3uni ( 757 , 
Die öefiö^crccHtigFcit auf H^ u f crn un ^ (Semerbe betr.; ( 2 . IHai (79s. (Erneuerte (Seneral* 
^cuerorbnung; 2. Zlug. (798. Spe 3 ial*^euerorbnung für Donauefcbingen; ( 6 . 3 <m. (799. 0rbnung 
betr. pferbebicbftabl; 29. UTär 3 (80(. — Bauorbnung, por 3 ÜgIich bas H err fcbaftlid?e Bautoefen 
betr.; 6 . Zlpril (80(. (Sehr, bei 3°ü. ITTattb. ZTlieth, H°f^ uc ü^r. fei. IDittib. — Derorbnung gegen 
3auner, frembe Z3ettler, £aitbftreicher unb anberes (Sefinbel; 30. ©ft. 180 (. (Sehr, bei 3°^ 
UTattb. Ulietb* — ©rbuuug betr. 0 bft*Kultur; 27 . UTär 3 ( 802 . — Strafen*Heparationsocrorbnung 
in ber Z3aar; 22. Zlpril ( 802 . — £aubespoli 3 eiperorbnung gegen bas übermäßige H un ^ c ^? a ^ en 
burdp (Einführung einer H l,n ^ s ^ a J c 3 um heften bes H e ^ mmcn f 01 ^ 5 ; ( 0 . 3wni ( 802 . (Sehr, bei 
Zlloys IDillibalb Donaucfibiitgen. — IDaifcnoerorbnung für fämtlicbe H 0C Hfürftlicb ^ürftenbergifche 
£anbe; 2^. 3 l ^i (802. (Sebrucft bafelbft. — Derorbnung, bie BefcbrätiFung bes IDeiberguts unb 
ber ^orberuttgen ber Kirdjenfabrifeu uttb aitberer milben Stiftungen bei (Santen unb bie Z3e* 
günftiguug ber allgemeinen (Sütergemeinfd?aft unter (Eheleuten betr.; ( 2 . Zluguft ( 803 . (Sebrucft 
bafelbft. — £anbespoli 3 eiperorbnuug, bie Dorfu-htsmaßregelu 3 U Zlbhaltung bes fog. gelben ^iebers 
betr.; 2. De 3 . (80^. (Sebrucft bafelbft. — Diäten* uitb Sd?reibgebühr*0rbnung betr.; 2 . IUär 3 
( 805 . (Sebrucft bafelbft. — papier* unb Kartenftentpelorbnung betr.; 4 . ^Suni ( 805 . (Sebrucft 
bafelbft. — Zlllgenteine gugrechtsorbnung; 6. 3 lin i ( 805 . (Sebrucft bafelbft. — Dienftorbnung, 
entbaltenb bie nähere T3eftitnmung berjenigen H a ^lungett ber l 7 errfchaftlid>en Beamten unb Diener, 
welche ftch auf ihre Zimts* ober Dicnftrerriditungeu bejieheu uttb ahnbungs* ober ftraftoürbig werben 
Pömten; 3 un ' l 80r> » (Sebrucft bafelbft. — ID(arnfönig), ZI., Beiträge 3 nr ^ürftenb.£anbesge« 
fdjichte. Donaubote (898 u. (899.— Stammtafel bes Imufes ^ürftenberg. Syftematifch georbttet 
oon K.^ürft 3 uHohenlohe*lDalbenburg, (86(, wieber bnrehgefehen unb fortgefet^t pott Dr. (Seorg 
(Eumbült, ^.Af.Zlrchiorat, (9 ( 5 . — £a u e r, H., ^rattcubilber aus bem Saufe ^ürftenberg. Donaubote ( 9(2 
ZTr. 269. — Koth v . Sch re efett ft ei tt, IDolfgattg (Sraf 3 U ^ürftettberg, £anbhoftneifter bes H er ‘ 
3 ogtums ZDirtetnberg als ©berfter ^elbhauptttiann bes Schwäbifdten Z^nttbes im SchwetjerPriege 
bes 3 a üt*es ( 499 . tbien (866 ( 59)/ 1 — Z3aumgarten, ^ri^, Der wilbc (Sraf (IPilh. p. dürften* 

6 Die eingeflantmerten fahlen bcjeicbtten bie ©rbnungsjabl ber obenerwähnten Stammtafel 
bes V)au\cs ^iirftettberg. 


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berg) unb bie Information im Kitt3igtal. Zjalle a. S. J895, Sd>riften für bas beutfdje Dolf, 
fjrsg. p. Herein für Heformationsgefcbichte (62). — <S me litt, Der Kriegs3ttg bes (Srafeit 5 rai ^3 
(Egon pon ^iirftenberg gegen ZHürttemberg im 3 a fy^ 1631, ber fog. KirfdjenFrieg. Württemberg. 
Hierteljahrstjefte für £anbesgef<hicbte, ZT. ß . 7, *898 S. 104ff.(tH) — Cumbült, <S., Die Faiferlidjc 
Senbmtg bes (Srafen ^acob £ubn>ig 3U ^urftenberg an bcn Kurfürften ßxitbri d? V. pott ber pfal3 im 
3. ^^9. §eitfd?rift für <Sefd?id?te bes (bberrtjeins ZT. ß . XIX, t9<H 5. 8—*8 (u^). — Derfelbe, 
KarlZIloys, ^ürft 311 ^ürfteuberg, f. f. ^elbmarfcbaU'£ieutenant, ^760—^99* Tübingen *899 (226). 
— Dor, 5 ran 3^ prinjeffin (Elife 3U ^ürftenberg. (Eble grauen unferer Ijeimat. Karlsruhe 
^9^7 (263). — (£auer I}.), §ur filbenten fiod^eit 3^ rcr Durchlauchten bes dürften UTar (Egon 
unb ^ürfHtt 3rma 3U ^ürftenberg. Donaubote 19H ZTr. 139. — Derfelbe, Silberne ßod^eit bes 
^ürftenpaares. Donaubote Hl't ZTr- HO u. Hl (279). — (Willi balb), 'Jur Silberhodtfeit im 
•$ürftentjaufe. Donauefdjinger (Tageblatt 19H ZTr. Hl- — (Eumbült (5., prht3 ^rtcbrid^ 
(Ebuarb 3U ^ürftenberg, Ceutnant im Babifchen ^ufjartiüerieregiment ZTr. h* <£itt (Sebenfmort. 
£eip3ig 19H (292). — (Sernatinger, I7.), Ejelbettgebäcbtnisfeier am 29. ZIpril J9l?f bem <Se» 
burtstage bes prin3en ;$riebrich <£buarb 3U ^iirftenberg, gefallen auf bent 5 e ^e ber (Ehre am 
3i.De3ember (916. Heran ftaltet ron ber Stabtgemeinbe Dottauefdringen (292). — ^eftaft anläfj* 
lidj ber ZjodtfeitsfeierlicbFeiten bes Durchlauchtigsten (Erbprutfeitraares Karl (Egon unb ^ ra n3isfa 
31t ^ürftenberg. Heranftaltet non ber (Eintpofynerfdjaft ber Stabt Donauefcbingen. 7. ITTai 1921 (288). 

VIII. ©iijelitc (Drte 

ZIafeit. ^ehrle, <£ug., Hie Flurnamen pon Zlafen. Karlsruhe 1913 . — W(arnFönig), ZI. 
ZIafen, (Ein Beitrag 3m: fürftenb. £anbesgefchichte. Donaubote {902 ZTr. ioo.— ZImtenhaufen. 
Klofterfrau Wagbalena Duttle. Donaubotc (9H ZTr. 39. — Zlufen. 5 eur ft c * n » Her rätfeltjafte 
0 rt Suntbeim. „Schriften" XIII, J9H S. H«* — Blumberg. W(amFönig), ZI., Blumberg. 
(Ein Beitrag jnr fürftenb. Eanbesgefd?. Donaubote 1905 ZTr. 5 . — Bräunlingen.’ Ba^er, £., 
Bräuttlinger bejrenptttfeffe. Zllemannia, 3 . ß. II, 1910 S. 1 — ^2. — Bal3er, Überblick über 
bie (Sefcbid^te ber Stabt Bräunlingen. Donauefdjiitgen 1903 . — <EgIe, ^r., ^eftfdjrift 3. (Erinnerung 
an bie feierliche (ßrunbfteinlegung bes neuen Schulhaufes, 19. XTTai 19 12. Bonnborf 19^2. — 
lITecfel, ITTaj unb <£. ZI., Das IlTühleittor in Bräunlingen. DcnFmalspflege 9. 3 ah r $* 1907 ZTr. i. — 
Hed?, ß., Die Stabtorbnung pon Bräunlingen Pont 3 a h re H 93 . §citfdjrift f. Bet. ber (Sefdjidjts« 
Zlltertums« unb HolFsFunbe pon ^eiburg ufm., 22. Bb. 1906 (Zllemannia ZT. ß. 7). — Hed?, ß„ 
Bräunlingen \a Kriegs3eiten. „Schriften* XII, *909 S. 8(. — ZTech, ß., Beiträge 3ur (Sefchichte 
ber Stabt Bräunlingen. „Sd>riften" XIII, J 9»3 S. 93ff. — Sernatinger, f}., Zlmto H89- (Ein 
^eftfpiel aus Bräunlittgens bergangenbeit. ITTit fyift. (Einleitung pon Dr. <Eug Bal3er. Stutt« 
gart 1905. — Dottauefcbingen. Solbab unb f^öhenluftfurort 700 m ü. b. ITT. I?rsg. Pom 
berfehrspereitt Donauefcbiitgen. (HTit Zlbb. u. ( Karte.) Douauefchingen 0. 3 - — Solbab u. b)öh en ’ 
luftfurort 705 m ü. b. ITT. Brsg. Pont DerFehrsperein Donauefchiugen, Donauefcbingen 19 H- — 
Zlbre^bud? ber Kur* unb (Sarnifousftabt Dottauefchtngeu unb ber (Semeinbe ZlUmenbshofen. 
Donauefcbiitgen 19 ( 3 . — Derfcbiebeite Zluffä^e über Donauefcbingen. Sietie: Donaubote 1 9 1 Or 
ZTr. *09. Sonbernummer 3ur Kat^aus* (Srunbfteinlegung. — Bauer, Karl, ilnfer epangelifcher 
ITTänuerpereiu. Douauefdüngcn 1906. — Baum, I 3 ans, ZTeu«Donauefd>ingen. Babiter £aub, 25 . 3 ^h r 9 * 
(9(3 ZTr. 34. — Boll, ( 53 efd>icbtc bes St. Dinceutius^ZVreius Donauefchiugeu. Donauefcbingen 1906. 
—. Beruht, 0 ., Die (Sarteitaulagen ron Donauefcbingen, IDartenberg unb ZTeibittgett, ihre (Eutftebuug 
unb (EutmicFlung. „Sduifteu* Xll r (909.— DoUittger, IDolfgaug Zlmabeus!TTo3art in Douaucfduttgen. 
Donanefduuger IDod^enblatt ZTr. J2^. — ^feftbuch 311m IV. Babifcbett Scbmar3malbgau- 

Sängerfeft, rerlumben mit bent <>o. Stiftungsfeft unb ber ^abnentreibe ber £iebertafel Dionauefcbingen, 
( 2 . 3 ioit 1910 Donauefcbingen (910. — ^curfteitt, Dr.17 , DtcDonauquelle, ^lugbl-b-DcrFehrsrereins 
Douauefdüngcii. 1917. — Jeurfteiit, I)r. 13 ., Z^eiträge3ur (ßefcbicbte von Donaueicbiugen. „Sd)rifteu‘ , 
XIV, m:o f. ihm. — ^eurfteiu, I)r. 13 , DiellTaboutta ron (522 in ber pfarrFircbe 31t Donauefcbiitgen. 
Zvepertorium für Kuuftiriffeu|\b , 3 a btg- 1921 . — ^ifcber, Ir, ZTiicFblirf auf bas abgelanfcne (Ja^r* 
hunbert. ITedu'ufdiaftsbericbt über beit (Scmeiubebaushalt für bas 3 a b r 1900. Doitauefd^ittgen 
ioo:. Die (filocfctt ber pfarrFirdje 311 Donauefcbingen Iiausfrennb, Beilage 311m Donau« 
efdnuger UXrbcnblatt (H(»o ZTr. 4 H —49. — c^öt^inanu, IDilb., 5 ur (Sefibidite ber Zlnftalt «Sym» 
nafinm... Z^cilage 311111 Programm bes (Sroßb. progymnafiums Donanefdungen für bas Sd^ulj. 
i902 —03 unb 1903 —or cV>raf, 3 of. ( Doitatiefdüitgeit nach bcm Z^ranbc 1908. €in Beifpiel 
tuobenteu Kleiuftabtbaues. IlTciu licimatlanb, I. 3 a brg. 19 ( 4 , S. 33 — 48 . — ^cft ber < 5 runbftein= 
leguug ber neuen erangeiii\ben Ku\be in Donaucfdungeit, 2<). Scpt. (912 (Erattgel. ( 55 enicinbebote 
für Donauefdüngcu uitb Diafpora, 8 . 3 a brg. (91 3 ZTr. 5 . - (^utmaitn, (£. ß ., Ergebttiffe ber 
^iirftlicb ^ürfteitbergifcbcn 13 offii\berei Donauefdüngcn. £attbmirtnbaftl. Korrefponben^blatt f. 

1013b. Zrtben, 1. IScft. — Iicinrid\ 0 tto, Jjiirft ^iirfteubcrg unb feine Z\eiibeit3 Donau« 

efdüugen. Deutfdüaub 4. 3 ^h r ö« 19(3 ZTr. 12 — ^ 3 . — Das ^iirftlid) Ajiirfteub. I^oftbcatcr 311 

7 Siebe ainb fdnrar^ircber, Die £aitbftänbe Borbcröfterrcid^s im i r». 3 obrb. 3 n,ls ^ l ‘ l,c ^ 1908. 


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Donauefcbingen ( 775 —( 850 . Bearbeitet von ber F* Zlrcbitmermaltnug. Donauefcbingen ( 9 ( 4 . — 
Der fog. „(Sroge 3 a ^ rta 9 < '* Donauefdjiuger ZDocbeublatt (89( ZIr. (20. — Fifö er r Dr. <Ertcb, 
<£in i}ort beutfeber Kunft uttb IDiffeufdjaft. (Türmer ( 9(5 5 - 339 . — 3 of?ne, €., Donauefcbinger 
ffod^eitstage, ZIoo. ( 9 ( 2 . Donauefcbingen ( 9 ( 2 .— I?uber, (Sottl-, (Seiftliche aus Donauefcbingen 
in ben lebten 30 o 3 af?ren. F r * e & cns 9 l°tf cn (Seil.3 Donauboteu) (9 -ZTod. 1920. — Kupferfcbmib, Zlmta, 
Zlus einem (Oojähr-Kalenber. Donaubote (9(4 ZIr. 109ff. — Kupferfcbmib, Zinna, ffinterlaffeufchaften 
3roeier Pfarrer in Donauefcbingen aus bem ( 7 . 3 a *? r fy- Freiburger DiÖ3efanarchit>, ZI F* ( 5 
5 . 290/308. — £ucffcbeiter,K., Der IDieberaufbau DonDonauefdjingeu. „ZZeubeutfcheBau3tg". — Der¬ 
felbe, Das neue Donauefcbingen. Heclams Unioerfutn, XXVI. 3 <*brg. (909/10, I^cft 50. — (Hiegel), 
Donauefcbingen, Z 3 ab. Fortbilbungsfcbule, XIV. (900/0(. —„Sayn-lPittgenftein-Berleburg, (T^Iobmig 
(Sraf 3U, Deutfche Ejerrenfitje. II. Schloß Donauefcbingen. Über fanb unb Illeer, 48.3^9. (905/06 
S. (37 ff- - v. Scheffel, 3 °f* Victor, (Epifteht aus Donauefcbingen (IDerFe fjerausgeg. oon 3 0 h* 
Franfe, £eip3ig (9(7, VIII. Bb. 5 - (5 ( — ( 56 .) -- (Sdjelble), §ur 0rts-, BeoöiFeruugs* unb 
ZlamettsFunbe oon Donauefcbingen. „Schriften" XI, (904 5 . ( 74 — 273 . — Schorn, ffans, Donau* 
efebingen unb feine IHufiFgefcfyidjte. ZTeue^eitfcbr- f• Illufif, 3 <*t}rg. 82 , (9(5 5-37 ff. — Sernatinger, I)., 
Donauefcbinger Spa3iergänge unb Zinsflüge. Donauefcbingen 0. 3 * “ dumbült, (S., Die Fürftlicb 
Fürftenbergifcbe Brauerei 3U Donauefcbingen ( 705 —(905. Stuttgart ( 905 . — Derfelbe, Die F* F* 
Heftbett3ftabt Donauefcbingen. Donauefcbingen (9(4, III. Zlufl. — Derfelbe, Donauefcbingen im 
(8. 3 a *?rbunbert. Baaremer lanbbot* ( 9 ( 3 , 5 . 27 ff. — Derfelbe, Das Fürftlicb Fürftenbergifcbe 
Zlrcbiu 311 Donauefcbingen. *Zlrchioalifd)e geitfebrift“ I. Bb., 3. F°^ 9 C S. (89/2(0. — Denenhnis 
berjenigen Söhne ber Stabt, meld^e an bem F e ^3 u 9 9*9*** F ran ^ re *^? teilgenommen b^ben. Donau- 
efebingen (896. — (UZalbecf, Florian), Die Be3iehungen bes Fürftl. Fürftenb. Boftheaters in Donau* 
efebingen 3um Furfürftlicben Zlationaltheater in IHannbeim. ITTannbeimer (Sefchicbtsblätter, 
XX. 3 abr<J* ( 9(9 5-43. — Fürftl. E?°f bibliotbeF: 8 3 °b nc f Die Fürftlicb Fürftenbergifcbe Ejof* 
bibliotbeF in Donauefcbingen. „PolF unb Beimat", Beilage 3ur Bab. preffe (920 ZIr. 5 (. — 
Dalentin, (Taroline, IUo3artbriefe ber Donauefcbinger BibliotbeF- Hlonatshefte für HlufiFgefcbicbte, 
berausgegeben oon ber (Sefellfcbaft für HlufiFgefcbicbte. XXXI. 3 a fyrgang (899. — Fürftl. 
Sammlungen: 9 (Tumbült, (S., Katalog ber Fürftl. (Semälbefammlung. Stuttgart (909. — 
Feurftein, Dr. E?., Fürftl. Fürftenb. Sammlungen in Donauefcbingen. Bezeichnte b. (Semälbe, 
3 . Zluffage (92(. — Baumeifter, €., Zeichnungen alter Hleifter im Fürftlicb Fürftenbergifdjen 
KupferfticbFabinett 3U Donauefcbingen. ITlüncben (1920). — Feurftein, Dr. E}., (Ein oerlorener Zlltar* 
flügel (ßriinetpalbs. Zeitfcbrift für bilbenbe Kunft, 55 . 1920, S. 2(8. — F r * mme ^ Sbeobor, 

Die 3 n fd?rift auf bem (Eremitenbilb von (4 43 in ber (Salerie 3U Donauefcbingen. Blätter für 
(SemälbeFunbe IV, 53 — 56 . — f?abicb, (S., Über einige ältere HlebaiUen ber Fürftlicb Fürftenb. 
Sammlung in Donauefcbingen. FranFfurt a.HI. (904, F rau FfurterIlIün33eitung. — 22 Banb3eicbnungen 
aus bem fürftlicb Fürftenberg. KupferfticbFabinett 3U Donauefcbingen in poftFartenreprobuFtionen. 
(Donauefcbingen, KupferfticbFabinett.) — 20 poftFartenreprobuFtionen nach (Semälbeit ber Fürftl. 
Fürftenb. (Semälbegalerie 3U Donauefcbingen. (Donauefcbingen, F* Sammlungen.) — Springer, ZI., 
^ans loolbeins bes älteren Paffionsbilber in ber (ßalerie bes Fürften Karl (Egon oon Fürftenberg, 
mit erläuternbem CEert. Zlacb ben (Driginalgemälben bureb iicbtbrucF ausgefiibrt oon Schober u. 
BaecFmann in Karlsruhe. Zlürnberg, o- 3 *» S. Solbau. — IDoltmann, Fürftlicb Fürftenbergifcbe 
Sammlungen 311 Donauefcbingen. Der^cicbuis ber (Semälbe. Karlsruhe (870. — Derfelbe, Fürftlicb 
Fürftenbergifcbe Sammlungen 3U Donauefcbingen. De^eicbnis ber (Sipsabgü§e. Karlsruhe (870. 
— Dürrbeim. Steiger, 3 °f* Klfons, Dürrheim unb feine Saline. F re *^urg i. Br. ( 9 ( 0 . — 
Friebenmeiler. Beitrag 3m: (Sefcbicbte bes (£ifter3ienfer*Kouoentes Friebenmeiler. £ifter3ienfer* 
ChroniF XXIII, 2(8, 220. Brege^. — £öffler, 3., Zlus ber Dergangenheit bes (ßotteshaufes 
Friebenmeiler. (Engen (9(4. — Fürftenberg- Zl(icbele), Fürftenberg. Donaubote (897 ( 3 uli) 
Zlr. 3—6. (Siebe aueb: Zleibiitgcn, (Ein lialbtagsausflug.) Barth, Fürftenberg- Friebens* 
glocfett (Beilage 311m Donauboten) (921 ZIr. (( unb (2. — (Seifingen. Die Heferoela3arette 
in ^üftngen unb (Seiftugen. ZTachricb*eu bes deutralFomitees bes Babifchen Franenuereius. (87 (, 
ZIr. 30 u. 59. — IDacfer, Karl, Klein Stäbtcben. Z>olF unb Heimat (Beil, ber Bab. preffe) 
(920 ZIr. ((. — Barbcgg (Huine bei ITIunbelftugen). Douaubote (9(4 ZIr. ( 36 . — Bonbingen. 
Kur3e (Sefcbicbte ber uralten ZPahlfahrt 311 ßonbingett. ( 82 (. — £)üfingen. Beiträge 3ur 
(Sefd^icbte bes mittelalterlid>en Büftngett. Das Babetter £attb (Beilage 3ur Freiburger Zeitung) 
( 9(0 ZIr. 23 ff. — Ecclesiastica. Derfd). Pfarrer unb £oretto*Kapelle. Douaubote (9(4 ZIr. (32 
unb (4( (unter Büftugeti). — Kircblicbc Derbältniffe in Büjtngeu ror ( 6 o 3 ohren. Donaubote (9(0 
ZIr. (78. — Hielte, ZI., Büftitgen, Bab- F^rtbilbuugsfduilc XlX, 1900 o( S. (03. (Siehe aud) 
(Seifiitgen. 1 — 3 m meubingen. Scbmitt, Hubolf, 3 üu|trierter Führer für 3 nimenbingen unb Um¬ 
gebung, II. Zlufl. 3 mmen ^ütgen 0. 3 * — Klengen. ID(arnFönig), ZI., Klengen. (Ein Beitrag 

8 Die jablreicbert <Ein3elabhanblungcn über bie Jfanbfcbriftcu ber Fürftl. X^ofbibliotbeF, bie 
nur fadüid?es 3 ntereffe beanfprueben, ftitb hier nici^t aufgeführt. 

Die ZlbbauMuugeu über ben Illeiftcr ron Üle^Fircb fiub hier uid 7 ermähnt. 


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\76 - 


3ur fürftenb. £anbesgefchichte. Donaubote 1903 ZTr. 2. — £öffingen. Högele, Dr. ^einrid? von 
Brentano, Stabtpfarrer in £öfftngen. ^ re ^ ur 9 er DiÖ5efanarcbiD, ZT. F* 15 (( 9 (*) S. 2*9—282. 

— Derfelbe, 2 lus bem polttifrf^en £eben ber Stabt £öfftngen in ben Jahren (820—30. HTem 

ffeimatlanb V, (9(8 S. 50 — 58 . — Sd?mar3, Seiteb., Dom £öfftnger Sd?arfricbter. Sabener 
£anb (Beilage 3ur Freiburger Leitung) (9(( ZTr. 35 . — IDelte, 21 ., £öfftngen. Sab. Fortbilbungs- 
fdjule XIII, (899,1900. — XD(arnFönig) 21 ., £öfftngen, (Ein Seitrag 3ur fürftenb. £anbes- 
gefcbicbte. Donaubote (902 ZTr. (**. — DTöbringen. Saumann, ITlöbringen. Slätter bes 
Schmäh. Zllbuereins, 25. 3 abrg. *913 S. ( 3 * — Seeger, K., Der Eaufftein in ber pfarrfirdje 
3U ITTöbringen. ^rciburgcr X>iÖ3cfanard?it>, ZT. F* 15 , *9** 5 . 308 — 3 ( 0 . — HTunbelfingen (flehe 
and?: ifarbegg). Strohtneyer, IDiüibalb, (Sefcbicbte bes Dorfes und ber pfarrei ITTunbcIftngen. 
Freiburger DiÖ3efanard?iü, ZT. F- IX/X, (908/09. — ZTeubingen. Ein Balbtagsausflug uon 
Donauefd?ingen über ZTeubingen auf ben Fürftenberg. F rem ^ en ^ a ^ für & as <Sebiet ber Sd?mar3» 
malbbabn, f, ( 9(3 ZTr.*. Die erfte Slinbenanflalt Sabens in ZTeubingen. Fr^ en sgIocfen (Seilage 
3. Donauboten) (920, ZTr. 7. — £auer, I)., Die Fürftl. Fürflenbergifcbe <SruftFird?e UTariabof. Der 
Saaremer £anbbot* (9((. — (ITTaier), Das Klofter ITTariabof 3U ZTeubingen. Seitrag 3ur Fürftenb. 
£anbesgefcbicbte. Donaubote (900 Sr. 26 — 36 . — Eumbült, <S., Das Zllter ber pfalj ZTeibingen. 
„Schriften" XII, (909 S- ( 83 . — ZD(arnFönig), 21 ., Der (Sraf uon ZTeubingen. Donaubote (902 
ZTr. (( 7 . (Siebe aud?: Donauefd?ingen, Sernbt.) — pfobren. Ein (Srafenbaus 3U pfobren. 
Donaubote 19(3 Sr. 35 . — Hiebböhringen. Heueüio, p., £3eiligFreu3 bei Hiebböhringeu. 
„Schriften" XIII, ( 9(3 S. ( 57 . — Hieböfd?ingen. ZT(arnFönig), 21 ., Ein Seitrag 3m Fürftenb. 
£aubesgefd?id?te. Donaubote (903 Sr. (32 u. ( 35 . — Eannbeiin. (pfetjer), Das fanFt (ßaüus* 
unb Derena*Kird?lein auf bem Friebhofe 311 Ehannhcim. 3 n HTuflF gefegt uon einem alten Srumin* 
bären. (( 887 .) Zwillingen. Sat$er E., Die Dotiutafel 3m Erinnerung an bie Selagerung 
Diüingens i. b. ZDaüfabrtsFird?e 311 Eriberg. Die (Drtenau, 5, (9(* S. ((0/(((. — Seyerle, F» 
Unterjochungen 3m <Sefd?id?te bes älteren Stabtredjts uon Freiburg i. Sr. unb Diüingen i. Sd?m. 
E^eibelberg (9(0. — Fifd?er, Zins Dillingens Dergangenbeit Diüingen (9(*. — (ßinsburger, 
ITT., gur <Sefcbid?te ber 3 uben in Dillingen. geitfebrift f. (Sefd?. b. (Dberrb., S. F* 18 ((903) 
S. 57 (. — (Srofl, Karl, Vita sanctae Clarae. Die alemannifcbe Sprache 3U Dillingen in Haben 
am Enbe bes ( 5 . 3 a h r h-» bearb. nad? einer 6anbfd?rift ber (örofeb. ßof* unb £anbesbibliotheF 
(3U Karlsruhe). £üttid? (90*. — Eine (ßlocFengießer'Dynaftic in Dillingen. Donaubote (9(( 
ZTr. ( 86 . — ßcilmamt, 3 -* Dillingen im Schma^tualb. Ein Führer burd? Dillingen unb feine 
Hingebung, 2. Zlufl. F re ^ ur 9 *• Z 3 r. 1915 . — Kling, IDilh., Hlünfter unf. 1. Fr. 3U Dillingen im 
Sd?roar3malb. 3 ^ ll f tr * Führer. Dillingen (9(0. — £inbe, 0 ., Die ZDanbmalereien im alten 
DiUinger Hatbaus. Denfmalspflege XVI, (9(* S. 85 , 86 . — HTaier, Hubolf, Das Strafrecht 
ber Stabt Dillingen in ber §eit uon ber (Srünbung ber Stabt bis 3ur ITlitte bes (6. 3abrbunberts. 
Freiburg i. Sr. ( 9 (*. — ZTeuFircb, 3 -» Der DiUinger Stabtmalb. DiUiugcn (908. — Hoher, Ebr., 
0berrb. Stabtred?te, II. Diüingen. Heidelberg (905.— Derfelbe, Der Zlnteil ber Stabt Diüingen 
unb bes oberen Sd?mar3toalbes an ben Ereigniffen in IDürttembcrg 3. gt. ber Dertreibung De^ogs 
Ulrich (5(9—( 522 . geitfehrift f. (ßefeb. b. 0 berrh-, ZT. F- 2 (, (906. — Derfelbe, Die Fratt3isFaner 
3U Diüingen. F rc ^ ur 9 cr Diö3efanard?ip, ZT. F- 19 ^^ S. 232 — 3 ( 2 . — Derfelbe, Das Sene* 

biFtinerFlofter St. (Seorgett auf bem Sd?mar3malb, b au Plf^d?Iicb in feiner Se3iebung 3ur Stabt 
Diüingen. $veib\m}tv DiÖ3efan*21rcbip, ZT. F» VI, (905 S- (— 76 . — Derfelbe, Ein toürttem" 
bergifd?er Sericbt über bie Zlufbebung bes Klofters St. (Georgen 311 Diüingen. F rc ^ ur 9 cr DiÖ3efan» 
arebiu, S. F- VIII, (907. — Derfelbe, Sur £ebcnsgefcbicbte unb IDürbigung bes I^afners l^ans 
Kraut uon Diüingen unb feiner näd?ften ZTacbFomtnen. ^>citfcbr. f. (Sefcb. b. 0 berrb , ZT. F- 22 (1907). 

— Derfelbe, Sum Übergang ber Stabt Dillingen vom ftaufe Fürftenberg au (Öfterreid?. „Scbriften" XII, 
(909 S. 65 ff. — Derfelbe, Eine bisher Fautn beachtete mittelalterliche aftronomifd?e llbr im Hlünfter 
311 Dillingen. £iit3gau*EbroniF ( 9 (( ZTr. (*. — Derfelbe, DiUiugcn unb ber obere Scbmar3malb im 
SauernFrieg. geitfebrift für (Sefcb. b. 0berrb., ZT. F- 5 (, (9(6. — Derfelbe, Das Sdmlmefen im 
alten Diüingen. Scitfirift für (Sefd?. b. 0 bcrrb., ZT. F- 3 (, (916. — Derfelbe, Ebern, paffious* 
fpicle 311 Dillingen. F rc ^ ur 3 cr Diö^efanarcbio, ZT. F- (9(6 S. ( 63 —(92. — Saur, Karl, 
Die IDebrrerfaffung in febmäbifeben Stabten bes lllittelalters (Strasburg, Safel, Zlugsburg, Ulm, 
Hottmeil, Überlingen, Dillingen). Siibl (9((. — Scbettcf, Ernft, Fi 1ia i l 5’ Steuermefen ber 
Stabt Diüingen, Sd?mar3malb, in feiner Entmicflung unb feinem Seftaube gegen Zlusgang bes 
17 . 3 abrb. £eip3ig (9(2. — Döbreubacb. Zlnbenfen au bie IDallfabrt 311 bem Siebeufraueu' 
Kirchlein bei Döbrenbad? auf bem bab. Sdmuir^ualb. Z\abolf3ell, ID. Uiorieli. — 2D arnfötiig), 21 ., 
Döbreubacb. Ein Z^eitrag jiir fiirfteubergifcbcn £anbesgenbicbte. Donaubote 1903 Ztr (i. — 
IDartenberg. ID arnföttig), 21 ., Der IDartenberg. Ein Seitrag 3111* fiirftenbergifcbeu £anbes* 
gefd?iibte. Donaubote (904. Hr. (( 5 . Siebe auch: Douaucfdiingen, Z^ernbt. 


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tJSretcsfcntcrpicf? 3can l^rainf au? bcr KcmoMcnfclgc. Hcaurai* 

(fr Kott, Pif Gobelins bcs Xlrucbftilci feMoffrs) 


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JBabiecbe Ibeimat 


geitycfyrift für Polfsfunfte, 
lärtMtcfye IPofylfafrrtspfkge, 
£)eimat» mb Penfmaifcfrufe 


3m Aufträge 

bes Pereins „Baöifcfye fjeimat" 
fyerausgegeben non 
211 aj IPtngenrotfy 
^retburg t. 23. 


—5, -peft. 9, 3 a fo9 aw 9 1922 


Karlsruhe t. ö. 

(ß. Braunfdje fjofbud^örueferei un6 Bering 
1922 


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3rtfyciltst>er3eicf?nis 

Sfitf 

1. Der Hraicfygau pon ^riebridf Ulet;, Karlsruhe . 5—»5 

2. Die ©berflädjengeftaltung bes Kraicfygaus PO n 2llbert <Srimm, Srudjfal (6^23 

3. Das Stein 3 eitborf auf bem HTidjelsberg von <£mil IPatjle, ffeibelberg . 24-29 

Die Hörner in Brufjrain unb Kraidjgau DO n €mil £?irfd?, fjeibelberg 30-36 

5. <3ur Baugefdpdjte ber Stabt Brudjfal pon Hornau $riebrid? fjeiligen- 

tfyal, Serlin*fjalenfee. 32—47 

6. Karbinal Sdjönborn auf Heifen con £>irfrf?, Karlsruhe .... 48-62 

7. Das Brudjfaler Sdjlofjmufeum con 2lntou IPetterer, Snubfal . . 63-64 

8. Die Gobelins bes Brudffafer Scfytoffes PO n f^ans Hott, Karlsruhe . 65—84 

9- Prad^tfdjränfe im Brudjfaler Sdjlofj con Huguft Hid?arb ntaier, 

Karlsruhe. 85-93 

10. Die fymbfdjriften Brudjfal I unb Brudjfal II in ber Babifdjen 

Canbesbibliottjef pon ©tto f^omburger, Karlsruhe .94—(oo 

11. Die ftäbtifdjen Sammlungen in Brudjfal con midjael Sdjmitt, Brurbfai hm —u>5 

12. Das heutige Brudjfal pon 3°f e f HTiind?, Bnufyfal. 106 —{(5 

13. Samuel ^riebricfy Sautet pon tjermann €ris Suffe, ^reiburg i. Sr. • • u<>—U« 

1 ‘f. Bretten, eine baugefdiidjtlidje Betrachtung pon Scrnbarb lt> e i ß, Karlsruhe . 4 19 — 130 

15. Das ^ac^merf^aus in «Eppingen pon £ubn>ig Sd?mieher, f 7 eibelberg • 13 1 — 137 

16 . Sinsheim con ^rtebridj ITC et;, Karlsruhe. .( 38—(45 

17. Kraicbgau-Bibliogtapfyie pon ^riebrid? £autenfd?Iager, ifeibelberg . • . 1 46—154 


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{• „ttlclnrencMa“, Partie an Saalbactj in &rud?fal 

(pbot. <0}r. Mund?, Karlsruhe*) 

©er 'Rratcßgau 

Pon $rle&rich !ttetj, Karlsruhe 

ert unberübmtcn, ja jenfeits 6er babifdjen ©renjpfäblc beinahe unbefannten 
Hamen bes Kraidjgaus trätet bas £anb flauer f}ügel unb breiter lüiefen- 
täler, welliger, oon nichtigen Bergen überragter i^od^flädien, bas bie 
Senfe jwifdjcn ben böigeren Berglanbfdiaften bes (Dbenmalbs unb Sdjmarsmalbs 
ausfüllt. 

21Teffcrfdxrrf lägt fidi, burd) einen Hbbrudj uorgeseidinet, beffen ©renje gegen 
bie Bbcinebene im lüeften .sieben, wo ein breiter Streifen funwfiger Hieberung ben- 
f)ügelfaimt begleitet, ben bie Kltuorbcrn treffenb ben Brulirain genannt haben. So 
beifjt er nod> bei. ben Bewohnern bes fonnigen £anbftrid)s unb bie Bewohner Brudv 
fals, nameittlidi bie in „Klcinrenebig" wohnen, miffen feljr mobb warum ihre Stabt 
nadi bem „Brudi" genannt ift. 

£in breiter Strom, cinft bie gefammelten IBaffcr ber Bädic unb i'lüffe bes nörb* 
lidieit Sdimarjmalbs unb bes Kraidigaus aufnehmeub, 30g liier in grauer Dorjeit gen 
Horben, bis fidi ihm ber Sdiuttfegcl bes Hcefars in ben H)eg ftellte unb ihn rbein- 
wärts ablenfte. 

Hur bei fjodjwaffereinbrüdien lebt bas Bilb, bas bereits ber geologifdicn Ber* 
gangenbeit angebört, noch einmal auf unb es ragt bann wie eine Berginfel ber Htidjcls- 
berg über einer mogenben See in bie Stifte. 

3 m CHftcn ift bie »Trennungslinie minber fdiarf unb es reichte ber Bitterfanton 
bes Kraidigaus in beute miirttcmbcrgifdics £anb hinüber unb manche ber Kbclsgc* 
fdilediter bes Kraidigaus fmb beute in jwei Säubern beheimatet. Kber es beben fidi 



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6 


bod) als mcitbinfichtbarc (ßrcnjmarfcn bie malbigcit (}öhcn bes Stromberg uni» f?eu* 
djclbergs aus einem €anbe ttiebriger (}ügelmellen heraus. Unb mo bic ZZaturgrcnsen 
perfließen, flehen bic ftaatlidicn fjoheitsscichen unb treifett hüben unb brüben bie Be« 
pölfcrung an anbrc geiftige, politifdie, manchmal au di anbre mirtfchaftlidjc ZKittcl* 
punfte. 

3 n Horb unb Süb oerliert bcr Kraidigau feinen ZI amen, n?o bet Buntfanbftein bic 
jüngeren Schichten ablöft, tr»o bcr ZCalb bic unbeftrittene bjcrrfchaft über bic ^clbflur 
baoonträgt, mo bic ZDirtfdiaft auf anbere (ßruttblagen gcftellt unb bic Kultur junger 
ift, fopicl altertümlicher fie audi bem flüditigen Beobad'ter junädift erfdieinen mag. 

Den Kraidigauer felber aber barf man ttidd fragen unb ben 0 benmälber nodi 
piel weniger, roettn man ftch über ben < 0 rcn 3 Pcrlauf unterrichten will. 3 n IDieslodi 
mirb man meinen, in Baiertal finge bcr (Pbetttralb an, aber in Baiertal mürbe 
man entrüftet noch einige Stnnbcit mciter norbmärts gemiefen. 3 c bettfalls muß es 
ber Kraichgaucr weit pon ftd? ipeifen, ein fjtntcrmälbler genannt 311 tperben. Seit 
3 ahrtaufeubcu führen bie Pölfermcgc burch beit (Bau, bas große Cor in ber (ßebirgs* 
mauer im (Dften ber oberrhcinifdicit €bcnc. 

IDic heute bcr (Dricnterprcß feinen IDcg burch ben Kraidigau nimmt, fo führte 
eiitfl bic erftc große Kberlanbpoft, bic uicbcrlänbifdj-öftcrreidiifdie Sdincllpoft, hier 
burch- Ztod> 3icrt baher ber öfterrcichifdic 2 lbler bas Sdülb mattdies ehemaligen 
Poftioirtshaufes. Die Canbfdiaft felber ift. tpegfam faft nach allen Kiditungcn ber 
IDinbrofc unb heute pon einem biditen ZTcfcc normal* unb fchmalfpurigcr Bahnen 
burdi3ogen. 2(11 bas muß bie ZTienfdieu hier3ulanbc garürfelter madjen, als es 
anbenpärts gefdiieht. 

Der Kraidigau ift nadi einem Badi benannt unb bas 511 Hecht. Cs ift ein 
£anb ruhig fließenber Bäche unb es felien bem Kraidibadital bie anbern Cäler oft 
3um ZVrmedifeltt ähnlich- 

Cöriditc Sdiulbiidier nennen unfer Cattb bas Hccfar*f?ügc!!anb, aber bcr Zcccfar, 
ber cs allerbings fo bequem gehabt hätte, bas nicbcrc fjiigcllanb 3U burdiquercn, 
hat es Porge3ogcn, feine Kraft an ben ^clsquabcrn bes (ßebirges 3U erproben unb 
burdibricht cs in pielgeipunbcnem, malerifdvtn Cal. 2 ludi bic Clfens fanb noch bic 
Kraft, fdieinbar ben Haturgefcfcen 3111 ri £>ohn, in ein höheres Cattb hinein 311 fließen. Die 
anberen Kraidigaubädic aber finbcn in furjem £auf ben JPeg hinaus in bic nvitc 
Cbene. Keine ^clsriegel fperren ben ZTcg unb raufchenbc UXiffcrfällc fudit man 
hier3ulanbe Pergebens; es tönt pom Cal herauf nur bic ZHelobie bes ZTTühlmchrs unb 
in beit Crlctt unb ZDciben unb Pappeln am Baduifer fpielt ber ICinb. 

Cine bunte ^olgc pon (ßefteinen baut bie €aubfd>aft auf unb immer jüngere 
Sdiiditeu pcijcidntet bie geologifdv Karte, je mciter mir uns Port ben (ßebirgett in 
Horb unb Süb entfernen. 2 lber feiten tritt in ber ZTatur bas ^elsgeriift 3utage. Steile 
Böfdiuugeu, unb felftge ITänbe fehlen nidit gait3, heftimmen aber bas £anbfd\iftsbilb 
nicht. ZTtan manbert im engen Zluifdelfalfta! bes 3 uf*-’ubadis smifdien Steiusfurt unb 
(ßrontbadi uitb pon fteiler liohc fchattt bas Sd'loß ZTeuhaus in beit fdmialeit ZDicfen* 
grunb. 2 (uf einer hodiaufrageubeit Kalffdolle liegt bas malerifdifte ber Kraidigau* 


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7 


ftäbtchcn, ©odisheim. (Eine Bermerfung hat 6ic fteilcrc Calmattb auf 6cm öftlidvu 
<Elfen3ufer pott Hobrbach bis Hieben gefdtaffen. Don felftger Zlnböhe fdiaut bas 
Bclpcbere über Brud)fal ins £anb tjinaus. 

Zlber mie feiten ftnb hoch, pott bem Xlbbrudt gegen bie (Ebene abgefehen, foldte 
Bilber. IDer cs unternehmen mellte, etma pon ber £)öbe bes Steinsbergs, an ber 
,-farbe bes ©cfteiits, bie ©rensen bet geologifchcn Sd)iditen fcftjuftellen, felbft 31t einer 
^eit, mo bie £attbfdtaft bas bunte Pflansertfleib aIxgelegt hat, mürbe balb euttäufdjt 
biefen Bcrfud? aufgeben. So mcit bas Zluge rcidgt, berrfdjen gelbe unb braune färben 
in allen Schattierungen unb geben bem Bilb einen marmen Colt. IDit futb im £öfjlanb. 
©emaltige Stürme haben ben gelben Staub in bas hügelige £anb aus ber (Ebene 
hincingetragcit. Z(un liegt er in ftarfen Polftern por unb h'uter bett Zinsen unb 
übergictgt audj biefe rtod? mit einem biefen XHantcl. 3ebe ZTanberung, bie pon ber 
(Ebene in ben Kraidtgau bineinfiibrt, mag bapon über3eugen, mic bie £öf?maffen an 
ZTläditigFcit bort madjfen, mo bie Cragfraft ber bemegten £uft im XDinbfcbatten ber 
J?ügel erlahmte, mie ber £ö§ fdjmcrer, fanbiger ift por bem Steilanfticg, ber ftd) bem 
IPittbc cntgegcnftellte. „Sdtnecfenhäuslcsboben" nennt ber Bauer bie (Erbe, in ber Ber» 
fteincrungen nicht 311 finbeit ftnb, mohl aber bie merfmürbigett <f 5 cbil 6 c ber ,,£öfj« 
männlc", bie ba unb bort für eine ctmas abfonberlich mirfenbe ©artenfutift Bermcn* 
bung fanbcit. Ber £öf| hat ftch mie eine Schticcbcde bem ©elättbe attgefdtmiegt unb 
erfüllt fo manche Unebenheit bes Untcrgrunbs, aber insgefamt hat er, ba audi er ber 
Bermitterung anheim gefallen ift, bas £anbfchaftsbitb ttodi unruhiger geflaltet, als 
cs porbem fdjott mar. 

(Es ift ein eigcntünilid? ftilifiertcs £anb, bas €öfjlanb bort, mo bie Kultur ihre 
Sügc ins Zlntlitj ber (Erbe eingegraben hat. ^elb* unb XBeinbergterraffcn in mirrer 
Zlnorbnung, fjohlmege mit fteilcit IBänben treffen mir allermärts im Bruhraitt an. 
Zlidit ©ief? büche haben bie Sdiluchten gefdtaffett, fonbern fte hädtftcns pertieft. 3 *' 
ihrer Zlitlagc gehen fte pielmehr auf einen alten Berfchr 3urücf unb beffer als urfunb» 
liehe 21uf3eid?nungen mag uns bas ber Ziamc ber „pofthohl" bei f)eibclsheim bemeifen. 

Zluf bem bellen, heilen Boben — ber „IPeific Berg", „bie ZDciße bohl", „ 3 m 
Staubbühl", „ 3 m ZTTehl", ftnb häufige Flurnamen — blühen Kinbcr fiiblidier unb 
fiiböftlid^er Steppenlänber uttb ftnb Seugcn bafür, baß audt hier einmal bas Züetter 
gans attberer. Zlrt mar, als es heute ber $all ift- 

Bamals mar ber Kraidtgau malbarnt unb bas hat bie XTlcnfchen, bie nur mit 
einfachen XDcrbeugett uttb geringem Kulturbefife ausgeftattet marett, itt bas £attb ge* 
locft. IBar bodt 3ubem fein Bobett leidtt 511 bearbeiten unb lohnte bie auf ihn gemanbte 
Blühe tcidtlidt. 

Kaum ein attberer babifdxr ©au meift eine foldx ^üllc pon Pcnfmälern ber 
Borseit auf unb faum eine S°depodte hat nicht hier cittbrucfspolle Spuren hiuterlaffen. 
Zln feinem Ziorbranbe mürbe — in bett £öfj* unb Satibgrubett pom „©rafenrain" 
bei ZITaucr — bas ältefte Denfntal bes ZTfenfdxngcfdiledits, ber honro heidelbergcnsis, 
gefunbett; sahllos ftttb bie Uberreftc ber oorrömifdten ^cit; röntifdte ffodiftraßen sogen 
über bie mafferfdteibenbett ZKidett hin, £anbhciufer entftanben an fonnigett ftöhen; bei 


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8 


Steinsfurt mürbe im Elfcnjbctt bie fleinernc ^«rt gefunben, bic bem Porf ben Hamen 
gegeben bat. «Eine Unjaljl non Flurnamen erinnert an bic Z c 't römifcfier fierrfcbaft. 
©ermanifdien Klang hoben bic Hamen ricler Kraidigaubörfcr, Keibengräber frän= 
Fifdjcr mtb alcmanifcber Krieger mürben ba unb bort aufgebedt. (Oftmals finben ftd> 
an einer Erbftelle bic Zeugniffc ber älteften Zeit unb bie jüngerer Zeitläufte in ununter» 
brodiencr Keihenfolgc. 

IPas bic XUenfdicn früher unb fpätcr in ben Kraidgau locfte, bas maren nidit 
bic Bobcnfdiäfce. Kn Er^cn -— ben geringfügigen Silber» unb Bleibergbau bei 
XDicslodj ausgenommen — ift bas Sanb arm. IDcrtroIlcr ift bas Salj non Kappcitau, 
bodi bas ift erft fpät erbobrt morben unb es gehören bic Flcincn Bäbcr unb Salinen 
non Bntdifal unb Cangenbriicfcn ebenfalls ber Heujeit au. Pas Bab gar non Zaifcn» 
häufen, bas in Bieberfeit ber ^lehiuger Sdiulmeifler Samuel ^riebvidi Sauter anno 
1832 befungen hat, mar eine Hliniaturausgabe unb nur in einer Zeit, ber fjotel* 
betrieb unb lärmenbe 5 efte nuferer eleganten Bäber rollig unbefanut maren, lobens* 
unb ermähnensmert gemefen. ©ans neu unb ungemohnt ift bas Bilb ber Erböl* 
bohrtürme, bic fidi bei Brudifal erheben. 

IPir trollen auch ber fdiöncn Baufteinc aus ben Sdiilffaubftcinbriidicn ron (Oben* 
heim unb Hhihlbadi nidit rergeffen unb ber Kalfftcine, bic Zement unb Hlauerfalf 
unb Schotter liefern. Kber all bas mar auf ben ©ang ber Bcfiebluttg nicht beftim» 
nictib gemefen. 

Per Kcferbobcn, in einer Steppenjeit gebilbet, mürbe bic ©runblagc bes irirt* 
fdiaftlidien Sehens unb macht auch heute ttodi bett Kraidigau 51t einer ber xrichtigften 
Kornfammern bes Sanbes. Zugegeben foll ba hei merben, baf) bie fruchtbarflen Böbett 
für bie mobernc, hod)entmicfclte Sanbmirtfdiaft im Kraidigau nidit bie Cöfjböbcn ftnb, 
fonbern bic bunfeltt Keuperhöben, ron beiten ber Sdnrarjcrbhof bei Bretten feinen 

Hamen hat. Hadi 
ihm hatte fidi bann 
ja auch bas ©cfcblecht 
genannt, aus bem 
ber berühmteftc Sohn 
Breitens herrorge= 
gangen ift. Piefe Bö* 
ben maren bem frühe* 
reu CanbmirtfdiaftS' 
betrieb 511 fchtrer, unb 
lange blieb bie IPelt 
ber Keuperberge, bie 
mauergleidi ein fla= 
d?es Borlanb über¬ 
ragen , ber Kultur 
rerfdiloffen. Unb fie 
fleht heute nodi in 



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- 9 - 


niedlichem (Stegenfaß ju 6cm £eben braujjen im altbefiebelten £ößlanb. 3 n 
Cerraffen buntfarbiger (Seftcine baut ftd? bas Keuperberglanb auf. BTan möchte 
faft glauben, 6ic Bauleute hätten in 6cm grellfarbigen Pacb 6er Kapelle auf 6em 
£cfecnberg 6as Profil, bas in fo mancher Blergclgrubc 6runten im 2 Jngelbad)tal 
aufgefdjloffen ift, uaebabmen wollen. 

Spät erft ift 6ic Kobeart in 6cn Keupcmxilbcrn, im Cidjelbcrg unb Krcujberg 
weftlicb £)ilsbadj, im Strom» un6 fjeudtelbcrg crfluttgcn uu6 aud? beute umfängt 6cn 
IPanbcrcr nod? auf Stun6en 6er Fühle tPalbesfdjatten, 6cu er im beißen £öß!anb im 
Sommer nur 511 fcl?r permißt. Stattliche Buchen fdimüdcu 6ie flöhen; baß bas aber 
nidit immer fo gcircfen ift, fagen uns 6ie Bergnamen, 6ie von 6er £id?e genommen 
ftn6. i'remb 6agcgen ift bas Bil6 6es Canncnwalbcs, 5 >d>ten finben ftch nur in Schlägen 
jüngeren Patums, unb nur gelegentlich grüßt non einer fteilcn fialbe eine ^orlc, ober 
ift eine Cannc ober iditc wie ein ^laggenmaft an ben Porfcingang poftiert. 

3 m IPalbc bergen ftd) alte Kingwälle, ^lichhurgcn bes oft bebrängten PolFes im 
„offenen" £anb. Port fnd>t bie Pbantafic bes Bolfes ben Bobcn ber Sicgfriebsfagc 
unb glaubt an ber Sicgfriebsqucllc bei (Pbenlieim ben Sdxtuplafc ber fdxiurigen Cat 
bes fjagen Cronjc gefuttben ju haben. Pie IPälbcr ber Keuperberge ftnb Kloftcrgut 
geworben, hier bem Kitterflift (Pbcnbcim, bort bem mäd)tigen Klofter BTattlbronu 
gcböreitb. Pie HXtlbbörfcr finb ftets anbers geartet gewefen, mie bvaußen bie Pörfer 
int alten Bauernlanb unb oftmals febeibet ftc non biefett nodt ber Glaube. 3 m,nor 
aber ftnb ftc gering an Bolfsjahl, befdjeiben an Permögen unb anfprud)slos in ihrer 
£ebenshaltuug geblieben. 

3 n ben alten großen Bauernborfern, bie bem Sieblungsbilb bes Kraidigaus ben 
Stempel aufbrüefen, lebt ein anbercr 2 T?enfdicnfdßag, rcrläuft bas £cbett geräufdv 
polier, ja faft 511 laut, mo bas pfäljifd?e Blut bie (Pbcrbanb getrinnt. 

3n ben waffer* 
reifen Cälcrn reiht 
ftd? Porf an Porf. 

Per £öß h dt hdne 
maffcrhaltenbc Kraft, 

Quellen gibt es bort 
auf ber f)öl?e nid?t unb 
bie Brunnen ftnb trü- 
gerifd?. Knbcrs in ben 
Cälcrn; i)\cv fanbett 
^ranFen unb Klcmam 
nen, tpas ftc fuchten: 

IPaffer unblPcibc,uitb 
es ragten in bie Cäler 
hinein £öjj$ungen, auf 
betten bas Brot ge= 

baut werben Fonttte. s. Köni*jsbact; (ptjot. ctit. niüncb, Karisrubt) 


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\0 — 


„IBannen" traben treffenb bie Dcut-fd)ctt bie runbett badforbähnlid)cn Büdel genannt, 
bie in unaufhörlicher ^olgc einanber im Kraichgau ablöfcn. 

£)icr liegen bic jahllofen „heim"- unb „ingett"-Dörfer, non betten mir wiffen, baß 
fte ein cl)rmürbiges Filter aufmeifen. 

IDic ganj anbers ift ba bic UTelt in ben angrenjenben Ölern bes Sdiwarjmalbs 
unb (Dbcmralbs. Dort liegen bic eigentlichen Bauernorte auf ben f)odifläd)ctt unb bie 
Oilcr finb oftmals menfdienlcer unb mas an Siebelungcn bcftcJ^t, trägt im Hamen 
fdion ben jungen Urfprung auf bie Stirn gcfdjricben. 

Krumme, winfeligc ©affen jeidjnen bie alten Dörfer aus, eine tjeimeliige IDclt, 
freilich nid)t immer bequem für ben ^ufyrmerfsncrfehr unb ein lebhaftes ©ctriebc. 
Unregelmäßig rnie ber Bauplan ber alten Dörfer ift bie ^clöflur jertcilt. 3 n Ou* 
fenbe, ja ^chntaufenbe non Parjellen fmb bie Dorfgcmarfungcn jerfplittert, unb bas 
tanbfdjaftsbilb gliche einem buntgewirften Eeppidi, befdiränfte nicht ber 5l ur 3roattg 
bei bem HTaitgel an ^Ibrcegen bie 2T?engc ber färben. 

Kud) in ben ^elbfrüdjten ift noch ein Stüd rergangencr feiten hier erhalten. 
Hod) ift hier bie altalcmattnifd)c Brotfrudit, ber IDinterfpel^, ber Dinfel, bic fibcrwicgcitb 
augebaute ©etreibeart, obwohl bas £anb längft frätiPifd) geworben ift unb bic Böben 
tiielfqd) fel?r wohl ben IDeijenbau geftatteten. — hätten nicht bie Kricgsftürmc bas 
£anb fo oft burchtobt, hätten nidit Bränbc gar fo oft bie Baueritbörfer 3crftört, cs 
nxire ttodi picles altertümlicher, als es ohnehin anmutet. KUe Kegelmäßigfeit in Dorf 
unb ^elbflur, bic mir ba unb bort antreffen, läßt rermuten, baß hier jüngere ©rütt* 
bungen per liegen, baß fpätcrc, mehr ober minber planmäßige, Bcränbcrungen por ftd) 
gegangen ftnb. 

Deutlid) aber laffcit ftd) immer nod) bic alten ©ewanm unb ßaufenbörfer non 
ben jüngeren Kobungen unb gar ben gans jungen IDalbcufcr-Kolonien utrterfcheiben. 
Unb mit 2 Teib fcl)en bic 5 >halbörfcr unb Kobungsbörfcr auf bic IHutterbörfcr unb 
beren ITalbbeftfe. JPcld) ftoljc Katfjäufcr meifen mandie alten (Orte auf, es fei nur 
an bas non Bauerbad) erinnert. 

jüngeren Datums ftnb aud) bie großen ©utsböfe, bic in ftattlicbcr ^ahl, nament- 
lid) in ben Kmtern Eppingcn, Sinsheim unb Bretten ju finbett ftnb. Kuf ganj fd)meren 
Böben, auf maffcrlofer Kalfliodifläche, in IDalbgebicten, ba ftnb bic natiirlidictt Staub- 
orte biefer, mcift gruttbberrlidien, f)öfc. IDcuigc gehören bem Staat als bem Kedjts- 
ttadifolgcr ber Klöfter. 

Bon ben meiften biefer 1 ) 5 fo, bie oft mäditige ©cKiubc, pott IDetterbäumett um- 
ftanben, aufmeifen, Faun gefagt werben, baß fte muftergiiltig umgetrieben merben. 
21 löge cs gelingen, hier beutfdeu laglöhuern Kr beit ju .fdvtffen unb polnifcbes Bolf 
bauernb fertt ju halten. Es ift ein nidit groß genug ausjubenfenber ©egenfaß in 
Denfmeifc uttb Krbeit uitb £ebensart biefer eiufamen l) 5 fe ciuerfeits unb ber polfs- 
reidien, oft überfüllten Baueritbörfer anbererfeits. 2 utr bie gemeittfamc Bauern¬ 
arbeit eint fte alle mieber, mögen fte arm ober reid), Ivfpäditcr ober Kleinbauern, 
Knedite ober freie 'Eigentümer fein tutb es bleibt bem Kraidigau fretrtb bie ©uts* 
tagelöl'uerbepölferuug bes (Dflcns. Es mohttett and) liier unter bem Bauermvlf 


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a6elige (Scfdjledjter; 
fagt bodj Scbaftian 
DTünfter f 537 , 6er 
„Kraidjgau ift faft 
6er e6elleut". bjict ift 
6as 5tammlan6 6es 
Hnterlän6er 2l6els, 

Faum ein Dorf ift hier, 

6as nidjt eine a6elige 
Familie beherbergt 
un6 ihre (Scfdjicfe mit 
6em 6cs Dorfes ncr- 
Pochten tjat. 

JTTanche 6er(Sc= 
fdjledjtcr 6cs reidjs- 
freien 2t6els flauen 
auf eine taufen6jäfj= 

rige (Scfdjicfjte jurücf. tüir nennen 6ic (Srafen non bjelmftatt, 6ie (Semmingen un6 6ie 
(Söler r». Haoensburg. Da 6ie £atifun6icn 6cs ©ftens Iper nidjt ju fin6cn ftn6 un6 nidjt 
entfteben Fonnten, mar ihre mirtfdjaftlidje ZTtadjt nie eine (Befahr für 6en Saucrnftan6. 
Die grojje DTcbrjahl bat 6cm babifdjen Staat Seamten» un6 ©ffijicrs6ienfte geleiftet 
un6 mit IDehniut gebcnFt 6er Verfaffer 6es furdjtlofen Komman6curs aus 6em (Sc» 
fdjledjtc 6er (Semmingcn-CButtcnbcrg, 6er in feiner luilje in fdjincrcm Kampfe vor 
Vcr6un fiel. £r hat fidj fo an ©pfermut non feinen £an6s!eutcn aus 6cm Kmte 
Appingen nidjt übertreffen laffen, 6as 6cn (Teil feiner toeljrfähigeu ZHänncr auf 
6eu Sdjladjtfel6ern gelaffen Ijat. 

IDohl hat 6ann 6ie Kcnolution 6a un6 6ort in 6as freun6nadjbarlidjc Verhältnis 
jmifdjen 2l6el un6 Sauernfcfjaft ^iv>ictrad>t 51t fäcn nerfudjt, jerftören hat es 6as 
San6 gemcinfamer 3 utereffcn un6 überjeugung nidjt Fönncn. 

Die Friegerifdje TOeijr, 6ic cirtft 6ie 2 X 6 elsfdilöffcr umgab, haben 6ie meiften ab* 
gelegt uu6 6as Sdjmcrt, 6as einft 5 ra »3 wn SicFingen geführt, ift nerroftet. 3 n 
befdjaultdjer Huljc ftehen fte, umfdjattct non Ijoljen Säumen, als £an6fifcc 6a, 6eren 
fdjönftcr mohl 6as untere Sdjlofj non Klcnjingcn fein 6iirfte. Ku6ere fin6 Pächter» 
mohnungen gemor6en 11116 Sdjulhäufer, einige gar ^abriFcn — cs gab iljrcr ja genug. 
— Das marFgräflidjc Sdjlöfjdjen ett6lidj in Saufdjlott nimmt 6ic Kin6cr 6er benadj» 
barten 3"6uflriefta6t 311t <£rljolung auf. 

^elfeitnefter gab es im Kraidjgau nur ausuahmstneife; am Strombergran6 faßen 
6ic bjerren non Sterncnfels. Plätze tnic fic 6ie Hanensburg bei Sul3fel6 fan6, gibt 
cs nidjt nielc 11116 mädjtig ragt 6er „IDcilcrturm" auf 6em nulFanifdjcn Steinsberg 
empor un6 fiti6et ein (ScgenftücF im ganseit Sercidj 6es (Saucs nidjt. 


4. 8aufd}lott, (Barten bcs marf^rafl. 5d]löf?djcns 

(pi)ot. <£br. IHünd?, Karlsruhe) 


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Die Kitterfdjaft faf unb fift in IDaffcrfchlöffern, n>ie braunen in 6er großen 
Stromebene. Ccidjt roarettim £öf IDallgräben ausjufoben un6 unfd7wcr bas JDaffer 
eines nahen Baches bortbincin 3U leiten. 

IDas pott ben Burgen unb Sdjlöffcrn gilt, trifft auch für bie Stabte 3U, foircit ibr 
(EfoiraFtcr als feftc in Betragt Fommt. f}ochragenbe Stabte, wie fic bas württem» 
bergifdie ^ratifcnlanb in fo großer ^afo aufircift, gibt cs Im nuv ausnahmsweifc. 
Unpcrglcidjlid} ift bie £agc bcs Stäbtlcins C^od>sbeim auf fteilcm KalFfcls. Die Kegel 
ift aber piclmehr, baf bie Stäbtc unb Stäbtd7en bequem erreichbar in ben Tälern 
liegen als natürlidTe IHittelpunPtc für einen räumlich begreifen BcrFehr. Das Urteil, 
bas ber pfäljifcfo fjiftoriograph IPibber am Eube bcs 1.8. 3abrbunberts über ben 
Kraidjgau gefällt foit, baf er „ein £anb ftattlidicr Dörfer unb mittlerer ober gai 
geringer Stäbtc" fei, gilt auch beute nod7 in pollem Umfang. 

ITafoju jwei Dufcnb Stäbtc gibt cs unb gab cs in bem (Sau, ber foule an 
200 000, im Ulittelaltcr aber roofo noch nid?t 50 000 Einwohner beherbergt fort. Es 
ift weniger pcrwunbcrlicfo baf grofe Urbciterbörfcr im (Scbiet ber CabaFmanufaFtur, 
im BannPrcis ber Pforjfoimcr unb Karlsrufo’Durladjer 3 itbuftrie manche Plcine, per» 
geffene Stäbtlcin an DolPs3ahl übertreffen, aber aud7 reine Bauernbörfer weifen fo 
piel unb oft mehr (Einwohner auf, als bie Stäbtc. Unb bodi haben aud7 bie Plcinftcn 
Stäbtc < 3 üge, bie ftc bc3eid7ttenb pon ben Dörfern unterfcheibcn; Bauplan unb Bau» 
weife, Bcfdjäftigung unb fatales (Scfüge. (Einige aber finb wicber Dörfer geworben, 
was ftc früher waren. Daf ftc allefamt Plein geblieben ftnb, liegt in ihrer übergrofen 
5 afo begrünbet. Der Keichtum bcs Cattbes an lanbwirtfdjaftlidien Erjcugniffcn, bie 
BerPcbrsbcbeutung unb grofe ^afol ber Strafen pcrlocPtc jur Stäbtcgrünbung unb 
ju KonPurrenjunterncbmungcn. (Oftmals ftnb Dörfer mit Stabtred}t begabt worben, 
ihren Hamen ficht man ben börflid7cn Urfprmtg pon weitem an. Unbcre feilten 
nur Spcrrfcflcn fein, wie Kotenberg unb (Obergrombad}. Uber aud) folsbadi, in 
bem ber Übel feilte feften Säufer hotte, ift mehr als ^efte, benn als ZHarFt gebad7t. 

Uttbcrs ift bie Entftefotng ber gröferett £anbftäbte: bem Sifc ber Krauhgaugrafcn 
perbanFte Bretten, einem Köttigsbof Drttdifal, bem Klofter mehr als ber (Srafcnburg 
Sinsfoim unb anfdicincttb bifdiöflkhcm Beftf HccFarbifdiofsfoim ihren Urfprttng als 
Stabt. 3 brc £agc war glüctlid^cr gewählt unb ftc forben bie 3 abrbuubcrtc überbauert. 
3 m 3 afoc 905 wirb IPieslodi als UtarPt erwähnt unb fo waren aud7 in ben auberett 
Stabten bie HXxfonmärPte ein Quell ftäbtifdren Gebens. Klag mandics fpiefbitrgerlich 
in ihnen fein, im ganzen wohnt bodi in ihnen ein tiuhtigcs Bürgertum unb ftc bleiben 
bodi and> UÜttclpunftc geiftiger Kultur unb nidit nur bequeme HiärFtc für bie jeüt 
fo gern gefehene £anbPunbfdiaft. 

Es hat bodi fehr ben Unfdvin, als lebte in ben Kraidigaufläbtcn mehr wieber 
bas (Seftihl, etwas 311 bebeuten unb tcMginebmcu an bem wirtfdiaftlidicn unb geiftigen 
£ebeu ber Station, ein (Sefiihl, bas por bem Kriege faft pöllig perlorett gegangen war. 
Pas gilt auch pott ben Stabten, wo bie Dauerufdiaft itod? einen erhehlidyn Peil ber 
Stabtheivlferung ausmadit. Stäbtifd er (Seift unb Bauernftnu perträgt fkh nidit, ben 
rtabthauern fagt man ttadi, baf fte fd'led'te Dauern, aber atkh Feine Bürger mit 


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ftäbtifchem Bürgcrftnn mären. Hur Eppingen macht ba eine rtihmlidie Husnahmc 
mit feinem rortref fliehen Bauernftanb. 

TDenn mandjc 6er Stäbte arm geblieben ftnb, fo mag man bebenfett, bafj bic 
Stabte jflttger ftnb als bie Dörfer.. Sehr ju unredtt merben bic Brucbfalct in ben 
TTacbbarbörfctn „holjlumpen" genannt. Brucbfal Ijat feinen tüalb 511m „Perfaufen" 
gehabt unb führt bic ftlbcrne Kugel im tCappcn itidit als „Sdiattbflccf", fonbern 
Jur Unterfd?eibung txm bent äbnlidxm IDappen ber Stabt Speyer. 

<£s ift betrübenb für ben fjeimatfreuitb, trenn er fcftftellen muß, baß ber Kraidv 
gau mehr bes „hamfterns" tregett als bes Haturgenuffcs h a d w aufgefudit trirb. 
Unb bod) ift tiodi feiner ohne ©emimt ron bem Steinsberg, ben ein dfyronift bes 
Baucrnfriegs „ben Kompaß uff ben Kraid;gau" genannt bat, b^tal’gefticgen. Es legt 
ftdj bod) bem Deutfcben nichts mehr ans fjcrj, als bas Bilb trogenberi Kbrert, 
bas ©olb bes Hapsfelbes, bes Dörflcitts, bas fjinter (Dbftbäumcn unb ©arten rerfteeft 
ift, ber grüne IDiefengrunb unb bas tjerbftlaub bes tDalbes. KU bas ift in reicher 
,-fülle über bas £anb gebreitet unb es ftören faum häßlidte ^abrifbautett bas einheit« 
lidjc Bilb. Unb cs lebt hiet ein tüchtiges ©cfdilcd)t, jäh. fcflhaltenb an bem über* 
lieferten ©laubett unb Sitte. UTag auch äußerlich baron nicht riel fcftjuftellcn fein — 
eine Cradjt gibt es nicht unb gab cs faum —, fo bleibt hoch bas Polf fonferratir 
mie ber Bobctt, auf bem cs triidift. Unb auch bic Krbcitcrfchaft, bie hier in großer 
5 ul?i unter bem Bauetttpolf mohnt, rerfpürt ctmas ron bem Srbgcrudj ber Scholle. 
U)ohI fehlt es auch hier nicht an Heibung unb < 3 mift, aber bie Huseinattberfeßungen 
ftttb bodj nicht auf einen gar fo fcinbfeligen Con geftimmt. ©ar tro bas leichte Pfäljer 
Blut in ben Kbcrn roUt, geht ber politifebe Streit unter in bem lärmenben IDefen, bas 
in aUju lauten unb allju häufigen heften fid? funb tut. 

UTag ber ober jener ft<h bort ftoßen an bem manchmal nicht fchr ernften Con ber 
Unterhaltung auf ber Strafte unb im ICirtshaus, ben Bruhrain trirb er bodj lieb' 
gemimten. 3 hn hüben bic ^ürftbifdjöfc ron Speyer ju ihrer Keftbcnj auserforen unb 
hier unrergättglidjc Schöpfungen fjinterlaffen. 3 tt ein Bliitcnmecr gctaudjt ftnb h' cr 
bic £)ängc im Frühjahr unb im fjcrbft leuchtet bas Hot bes Kirfdjlaubs ron ben fjügcln. 
Pott ber HTilbe bes Klimas rebet ber Harne bes Dorfes Hufloch = Hußmalb; ja 
tneitcr lanbeinmärts ift noch eine (Drtfchaft — Hußbaum — nach &cm anfpruchsrollen 
Baum genannt. Der Heben ftnb es menige getrorben, aber mit ©enugtuung fonnte 
im bjerbft 1921 ber Hebbauer fcftftellen, baß in Kotenberg unb Hlingolsheim, in 
Ubftabt unb Bruchfal, aber auch in Suljfclb, ber IPeiit ron befonberer ©fite mar. 

Die fdiönften Punfte im Bruhrain aber bleiben ftets bie höhen, bie bic ^römmig- 
feit bes fatholifchen Canbrolfcs mit Kapellen unb Bilbftöcfcn gefchmücft hnt. Uber 
auch her 3 l| benfriebhof auf bem Eidjelbcrg gehört ju ben ftimmungsrollen planen 
bes Canbes. 

Pom Ccßcnberg über ber Cangenbrücfener Senfe, rom UTidjelsbcrg über Unter* 
grombach fchmeift bas Huge über üppige ^luren, aber auch über bie unabfehbarett 
U)älber ber tEußharb unb bes Kammerforftes in ber (Ebene. Unb ber Blicf bleibt 
haften an bem Streifen naffer IDiefen unb fumpfiger Hieberungen, überfät im 5 f üh‘ 


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nmmm. 




ling t>on bcnt Diolctt bcs IDiefen* 
fdtaumfrauts unb im f>crbft belebt 
oott bem Boftbraun 6er Biebgräfer. 
£s wirb noch lange 6er „Brudj" bas 
Parabies 6er Entettjäger bleiben unb 
ein üummelplatj 6er 3 u 9 cn b, bort 
Boljrfolben fudtt unb in ftreitgen 
XDiutern über bic Eisflädjcn bafyineilt. 
^reüidj bem Canbtagsabgcorbneten 
unb bem Staatsbeamten, bem cs 5m 
Pflidjt gemadjt ift, bie (Dblänbereien 
aus ber IDelt 5U fdjaffen, bleibt ber 
Brudj ein Dorn im Buge. Bbcr fdton 
rniegen fidj bei Brudtfal bie iitjrcn im 
IPiitbc unb wenn bas IDetter für bie 
IDirtfdtaft im Brudj günftig ift, ift hier 
ein fdjönes Stücf <J 5 elb 3U txrbicnett. 
Bber nidjt immer ftnb — glüeflidjer« 
tucife müffen mir im j'üereffe ber Canb* 
wirtfdjaft im bfügellattb fagen — bie 
Sommer fo troefen wie \ 9 ^l unb es 
ift eine gar eigene Sacfye in einem €anb* 
ftrid) arbeiten 511 müffen, u>o bie Bädte fo wenig ©cfällc tjaben, bajj fte manchmal über- 
etnanber mcggcfüljrt werben müffen. 3m inneren Kraidigau wirb ber ECanberer 
nidit immer fo belohnt wie im Bruljrain, aber gerabe ba, wo bas €anb fdvinbar 
langweilig wirb, ba finbet es ber Bauer uittibcrtrefflfcb fdtöit. l}ier Faun er nadj 
l7cr3cnsluft beit Pflug führen unb braucht ftdt ukht an furjen, (teilen Biicfcln 
fdtinbett unb plagen. 

lüas aber audi ber lanbfdjaftlid? manchmal einförmigen (Begcnb einen befon* 
bereu Keij verleiht, bas ift ber brauch gcfducbtlidicr Erinnerungen, ber über bem <J 3 au 
liegt. So bunt wie hier fah faum an anberer Stelle bie €anbFarte in Baben aus 
beu l)egau rielleid t ausgenommen unb 51t ber politifdien ^crftücfdun^ unb Ber« 
wirrung Farn, junt Ceil in bereu (befolge, bie Firdilidje. Kein Fatholifche unb rein 
craugelifdv Dörfer medfelu mit gemachten unb 3 Kitvhen in einem Fleiiten Dorf an* 
jutreffen, gehört 311 beit gireifelhaften Borjügctt bcs taubes. Daju Fonunt eine jahl- 
rcidte 3 ubcnfdaft. IDie viele 3 u bcn in beu (ßrofftäbten weifen in ihren Hamen 
auf beit Kraidgau hin, bie Hüinjcsheimcr, (ßodtsheimer unb Sinshcimcr, bie ^lehin- 
ger unb Brudifaler, um nur einige 311 nennen. 2111 bas c^eugtc mattdtc Beibungen, 
bie aber audt bem Cebeit wieber neue Btt triebe gaben. 

Ein gutes Stücf ber (ßefdüdüe bcs Kraidtgaucs ift Kriegsgcfcbkbte. 3 n1 
arg 3crftiicfelten Bruhraiit 3Ünbetc 311 leidtt bas fetter bcs Bauernfricgs unb in t (rifc 


3uhcttfricMKf auf heut <Eicbclbct\j b. Brucbfal 

(ptjot. £ljr Mund?, Karlsruhe) 


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>ft pott Untergrombad) batte Me Bauernfd^aft einen leibeufdxiftlidien XPortfiibrer 
gefunben. Über aud> im CEIfcnjtal flehen Me Braitbfacfeln in bie Übelsburgen. 

©efcibrlidjer traren Me Kriege, bie pon aufjen in bas £anb getragen morben ftnb. 
ÜTebr mit ^dbigfeit, beritt mit rober ©cmalt fudrte lüürttemberg pon jeber feine 
©renjen bfe* gegen ben Hbcin porjufdjieben. Pie eitiigenbe politifd^e IHadjt ber 
<Ebette unb ihrer Kanblanbfd?aftcn blieb flärfer. Pie Creffcn bei Klingolsbcim un6 
Sinsbeim, 6ie Sdrladjt bei IDimpfen, 6ie , 3 crftörung pon Brucbfal un6 Breiten, pon 
©ppingen un6 IDieslod? un6 Sinsbeim, bejeugen nur aüju beutlid), bafj biefes offene 
€anb ftd? nur allju febr als Kriegstbcater empfahl. Bor ber Kraichgaupforte follte 
am Hbcin bie Keidrsfefle Pbilippsburg bas Canb becFett. 3 b*fricgcrifdje Hitftung 
ift 3erbrocbcn; beftänbe fte noch, fo mürbe ein erbarmungslofer 5 e btb fte befetjt halten 
unb erneut ben frieblicben ©au bebroben. 

tPann rnirb ber Cag Fontmen, rno mir ben f rieben bcs €anbcs genießen Fönnen, 
mic es ^riebrieb Kabel in glücFlicher 3 ugcnbjeit in ©idjtersbcim Fonnte, mann ber £ag, 
mo ber BlicB .Pom Brubrain • m'ebcr ungetrübt itadi ben blauen Bergen im IDeften 
febmeifeu Fann? Biogen unfere XPaffen, bie geiftigen 3iimal, nicht ftumpf merben unb 
laffen mir uns bas Bilb beutfeber fjeimat nid)t aus ber Seele reifen. 

So menig üufbebens bie Kraicbgaucr pon ihrem £anbe machen, bas ©cfübl per- 
Kifjt ben nie, ber bas £anb ermanbert, bajj bie £anb!eute hier miffen, baf? ihre Kraft in 
ber fkimaterbe trudelt unb ba§ fte mert ift, bas befte unb böebfie für fte 3U magen. 


3m (Eittjelitcn tjat ber Derfaffer Eaub unb Eeute uttb bie ^ufammenfjänge jroifdjen bein 
Soben unb ber Kultur in ber 2. Kufl- feines Sudjes „Per Kraidjgau", <5. Sraun, Karlsruhe (922, 
gcfdjilbert. 


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IPcftranb ^e» üraicfi^au» »triidjcn Brud^al uni» Untcr^rcmbad? (pbot. $rtmni) 


©te Ößerfßäcßmgeffafhmg Uß 'Kratcßgaue 


l'ou Zllbcrt <Brimm, JJruchial 


mm 


as fübweftlkhe Deutfdjlanb jcigt auf befd^ränftem Kaum einen ungemein 
reichen IDedjfel reijvoller tanbfdjaftsformen, von benen jebe it?r inbivi 
öucllos (ßepräge Ijat. Den Zveij biefer „natürlidjen €anöfdjaftcn" fann 
jebod) nur in vollen < 5 ügcn genießen, wer ftdj mit iljrcr Entftchungsgcfchid>tc ver¬ 
traut madjt uni) i>ic Ijeutc vorhanbenen (Dbcrflädjenformen als Kcfultat ber im taufe 
langer Seiträume baran tätig gewefenen uitb immer nod) weiter drbeitenben Ziatur- 
Fräfte verfielen lernt. Daun erft gewinnt ber tote Erbbobcn tebeu, bic formen ber 
tanbfdjaft geraten in ^lufj, unb bie äftljctifdje Betradjtung bes (ßelänbcs wirb ver¬ 
tieft burd) bas Berftäubnis von Urfadjc unb ZDirfung. teiber gehören bic (ßrutib- 
tatfadjen ber Erbgcfdßdite itod) nicht 511m ZDiffcnsftoff ber breiten Sdjidjtcn; beim cs 
ift noch nicht lauge Ijer, feitbem bie »£rbgcfdjid)te begonnen Ijat ihren naturgemäßen 
plat> im Schulunterricht cinjuuchmcn. 3 mmerhin aber ift ein etfreulidjer Anfang ge- 
macht, ber insbefonberc auch erfennen läßt, meid) großes 3 ntereffc 3 utig unb ZUt 
ber 'Erörterung geologifdier fragen im Aufdjluß an bic Bcrhältniffc ber näheren unb 
weiteren Umgebung bes UZobnorts entgegenbringen. 

Die Umgebung von Brudjfal gehört jivei ftdj fd?arf voneinanber abhebenbeu 
tanbfdjaftsformen an: bem Krafcbgau unb ber Khcinebcnc. Durd) ben Einbruch 
bes Kijeintalgrabens in ber Eertiärjeit ift biefc (ßlicberung gefdjaffen ivorben. 

3 n bem ber Eertiärjeit vorangegangenen geologifdjen Zeitalter, im Zliefojoifum, 
würben gewaltige ZUaffcn von Sebimenten als mächtige Dccfc auf bem (Rrunbge« 
birge abgelagert, einer fladuveüigeit Zlbtragungs* ober Abrafionsfläcbe, bic bamals 
faft gaiij ZUittcleuropa einnahm, bereu Entifehnng hier aber nicht näher bcfprodien 
werben foll. Buntfanbffein, Zltufdielfalf, Keuper unb 3 l|ra M?* ,: h* cn Famen nach unb 
nach jur Ablagerung. Die Bcfcbaffenbeit biefer Sebimentc unb bic in ihnen ftd> 
finbenben Derfteinerungen jeigen, baß ber Boben Sübweflbeutfcblanös in ber Ent- 


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2. Stcirtbrücfrc im *?auptmufcf?clfalf (Grodjttcnfalf) am,IPciljcrbcra b. Brud^al 

(pijot. (Srimm) 


ftct)ungs3eit biefer Ablagerungen Hlceresbobctt gemefen fein ntufj. Sd)on bei ber in 
6er ^djfteinjeit beginnenben Scnfung fdjob ftd) ein Ausläufer bes mittelbeutfdjen 
Binnenmeeres gegen Sübett bis in bie ©egettb rott tjeibelbcrg uttb fiberbad) oor. 
3mmer rnciter braitg bann in ber barauffolgenben Criasjeit bas Hlccr non Horbmeft 
gegen Siiboft £)irt t>or; an feinen oben unb oegetationslofcn Ufern lagerten Stürme nnb 
^lüffe mäditige Sanbmaffen ab, bie bei ber immer meiter fortfdjreitenben Scnfung 
bes Bobens immer iniebcr nom Hlccre bebedt mürben. So cntffanb unfer Bunt* 
fanbftein, bas tjerrfdjenbc ©eftein bes nörblidjften Sdimarjmalbs unb füblid)cn (Dbett* 
malbs. 

~Sn ber folgettbcn UTufdjclfalfjeit t)at rool)l junädjft nur ein fladjes Kanbmeer 
uttfere ©egettb bebedt; in bcmfelbett fatnen bie iPellenfalfc jur Ablagerung, beren 
^auna litorales ©epräge 3eigt. Als ftd) aber ber fjauptmufdjelfalf bilbete, ber in ber 
BrucBfaler ©egenb eine Uläd)tigfcit bis 3U 100 m l)at unb in 3al)lrcid)cn Steinbriid)en 
aufgefdjloffen ift, mufj ein Hlecr non faft 03canifd)cm fil)arafter uttfere ©egenb über* 
flutet Baben, fiine bunte Heibe non Ablagerungen ber nerfebiebenften Art, bie man 
unter bem Hamen Keuper 3ufantmenfafjt, folgte auf ben Hlufdielfalf. Per Keuper 
bilbet bas Bcrrfdicnbc ©eftein bes inneren Kraid)gaus. Seine unterften Sd)id)teti, bie 
£ettenfof)lenfd)id)ten, 3eigen, bajj unfer ©ebict bamals mieber ^cftlart6 gemefen fein 
mufj, bebccft mit großen tPalbfümpfen; bie bunten Hiergel bes mittleren Keupers 
unb bie bastnifcBen gelagerten Sanbfteinbänfe ftnb tool)l Sebimcttte, bie ftd) auf bent 
Bobett flcincrer unb größerer Sübtnaffcrfeen unb Bradtnaffer abgefefct Baben. Pie 
mäditigften unb tcdniifd) midjtigften Sanbfteinbilbungen biefer < 3 eit ftnb bie Sd>ilf- 
fattbfteine, meldte iBrett Hamen ben in großer ^al)l in il)ncn rorbanbenen Abbrüden 

8aMfd?e Heimat. [—3 - 


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18 — 


uni* Heften eines großen Schachtelhalms nerbanfen unb als Baufteine neben betn 
Buntfanbftein in ganj Horbbaben größte Bebeutung erlangt hoben. 

Hacfj ber ^eftlanbsperiobc ber Keuperjeit hol abermals eine pofttine Stranb« 
Iiniennerfchiebung ftattgefunben. Bon Süboften h cr flehten biesmal bie Kfeeres* 
fluten cingebrungen unb nadj Horbmefteit bis ju ben Krbennen norgebrungen ju fein. 
Bielgeftaltig unb artenreich uiug bie Ciermelt biefes 3 urameetes gemefen fein. Darauf 
lägt bie KTengc ber Bcrfteinerungen in ben £ias« unb Doggerfdgchten fdjliegen, bie 
mir in ber fogenannten Cangcnbrücfcner Senfe beobachten fönnen. Die Schichten bes 
oberen Dogger unb ZHalm fehlen im Kraicbgau. Unfer ©ebiet fdjeint noch nxihvenb 
ber Doggerjeit infelartig aus bem juriicfmeichenben UTeer hcrausgetreten ju fein. Da» 
mit begann bie heute noch onbauernbe ^eftlanbsperiobe. 

3 « höher bie abgelagerten Schidttcn über ben UTecrcsfpiegel emporgehoben tour* 
ben, befto mehr maren fie ben nagenben unb jerftörenben Kräften ber Ktmofphärilien, 
b. h- ben ©inflüffen ber £uft, bes IDaffers, ber Sonnenftrahlung unb bes Cempcratur- 
mechfcls ausgefefct. IDinb unb jlüffe führten bas burch medhanifdje, chemifchc unb 
organifdje Bermitterung entftanbene IHaterial triebet bem UTeere 3U unb erzeugten 
baburch auf ber einförmigen aus bem BTeere emporgeftiegenen ©efteinstafel mancherlei 
Unebenheiten unb Calformen. 

3n ber nun folgenbcn lertiärjeit erfolgte bann aus ©riinben, bie hier nicht näher 
erörtert merben fallen, eine Kufmölbttng ber £anbfd?aft in ber Hidjtung bes heutigen 
Hhcintals mH fanfter Kbbadtung nad) IDeften gegen bas Ularnc* unb Seinegebiet unb 
nach (Dftcn gegen bas heutige Donautal. Daburdi mürben bie ehemals horizontal 
gelagerten Crias- unb 3 ura fcbicbten in ber ©emölbeadife gehoben. 3 n f°Ig c innerer 
Spannungen plagte bann bas ©emölbe auf unb brach allmählich non Sübcn nadi 
Horben fortfehreitenb ein. ©injclne Sügmafferfecn bilbeten ftch 3unädift in bem fo 
entftanbenen, anfangs noch flachen ©raben. 3 n biefen lagerten fidj eo3änc fanbige 
Sügmafferfalfe unb tonige graue unb bunte ZUergel, mie mir fte in ben gelbem nörb* 
lieh non Ubftabt beobachten fönnen, ab. Kls bann im Uuttololigojän ber Hhcintab 
graben fidj oertiefte, mürbe er KTeeresarm, an beffen Kiifte fldj sunädjft Sanbc unb 
Konglomerate ablagertcn (ju fehen an ber Bohne bei tDicslod}), unb fpätcr als bas 
iUeer tiefer mürbe, aud> (Tone (Septarienton) unb Hlergcl (Cyrenenmergel), bie mir an 
ber Canbftrage non Bruchfal nach Ubftabt unb bei IDieslod? nörblich ber Bohne 
fehen. 

Km <£nbe ber ©ligojänzeit trat bas UTecr micbcr jurücf; in bet ZHiojänscit ent* 
ftanben burch Kusfügung ber 3urücfgeblicbenert Saljmaffcrtiimpel roieber Sügmaffer* 
feen, in melden ftch meige unb gelbe, 511m Ceil fanbige Kalfc (Corbiculafalf) abfegten. 
Km ffeubühl uttb f}ochgeridit jmifdien Brud>fal unb Ubftabt ftnb fte 3U beobachten. 3 n 
ben gebilbeten ©raben brattg bann in ber Dilunialjcit ber Hhein ein unb lagerte feine 
Sanbc unb Kicfc auf bett tertiären Scbimenten ab. <£inc Cicfbogrung, bie not 3 a h rcn 
nvftlidj 00m Bahnhof Bruchfal an ber jetzigen Calftrage gemacht mürbe, hot gezeigt, 
bag bort unter einer 55 rrt mädHigcn Decfc non Kheinfanb unb Kies noch eine gegen 
HO m ntädHige Schi dH buntfarbiger THergel norhanben ift, bie ben petroleumfüh* 


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renben Pcdjelbronner Sdjidjten an3Ugcl)ören fd?ciitt. Ciefboljrungen cm anbcrn Stel* 
Icn bet Hljcinebene liefen erFennen, bag ber Hfyeintalgraben bis \000 m (liefe mit 
tertiären Sebimenten angefüllt ift. 

(Ein lEeil ber Uanbgebiete bcs Hfycintalgrabcns, unfer gütiger Sd)mar3malb unb 
©benmalb, IDasgenmalb unb Pfä^er IDalb, mürben bei bem (Einbruch maljrfdjein* 
lid) emporgepregt — im Sübcn tnefjr als im Horben —, ein anberer Ceil, nämlid) 
bie ^aberner Budjt unb ber Kraicbgau fanFen bagegen ein. Diefem Umftanb ift es 
mof)l aud) 3U3ufd)reiben, bag mir bie Sd)id)ten bes Decfgebirges, meldje auf bem nörb* 
licken Sdjmarsmalb unb ©benmalb fd)on längft mieber bis auf ben Buntfanbftein 
Ijcrab abgetragen finb, im Kraidxgau nod) erhalten fcfyen. 

Da bie SenFung in ber Hütte bei (Dftringen am ftärfften mar, erhielten tjier bic 
Criasfd)id)ten üjre tieffte Lage. Die obere <0ren3e bes Htufd)clFalFs liegt bort 
330 m unter bem heutigen IHecresfpiegd. Himmt man für ben Buntfanbftein eine 
©efamtmäddigFeit non 200 m in unferer (Segcnb an, fo mug bie obere <S>ren3e bcs* 
felbcn bei (Dftringen 550 m unter bem HTecresfpiegel gefuebt merben. Da fie bei 
Durlad) 250 m unb auf bem Königftul)l bei £)eibelberg 560 m ü. ITT. liegt, beträgt 
bas ©efäll feiner Sdgd)ten längs ber runb 22 km langen Luftlinie fjcibelberg— 
(Dftringen nur etma 5 % unb längs ber 28 km langen Linie Durlad)—(Dftringen runb 
2,6 %, menn man ein3elne Heinere biefe Luftlinien fdjncibenbc Permerfungen bei ber 
Beredinung unberüeffiddigt lägt. 

3 n ber ^eit ber <£ntftel)ung bcs Hf)ciutalgrabens, in meldjcr fo umfaffenbe 
Bobcnbcmegungen erfolgten, mürben aud) bie uulfanifcbcu Kräfte ber Cicfc entfcffelt. 
3 n ber Freiburger Budd entftanb bas PulFangebiet bes Kaiferftul)ls, in ber Per* 
längerung bes Hljcintalgrabcns nad) Horben bas Pogelsgebirge als gemaltigftes, eine 
Fläd?e non 2000 qkm bebeefenbes Pulfangcbiet Deutfcfjlanbs. Uud) am anbern 
Stellen brad) ftd) bas glüfyenbflüfftgc Hlagma nad) oben burd) bic feftc (ErbFruftc Bal)n 
unb bilbete beim (Erffarren bic BafaltFcgel bes KakenbucFels bei (Eberbad) unb im 
Kraid)gau als mcitl)in fiddbare LanbmarFc ben 535 m bofyctt Steinsberg bei Sinsljeim, 
ber r>on alters ber als „Kompag bes Kraid)gaus" beFannt ift. 

Had) bem ©efagten ift alfo bas Kraidigaugebiet eine 3mifd)en bem nörblid)cn 
Sd)mar3malb unb fiiblidieu ©benmalb gelegene toftonifebe Htulbc, bie nad) IDeften 
gegen bie Kljeinebene burd) bic £}auptrbcintalfpaltc fdjarf begrenzt mirb, nach ©ften 
bis 3um Strom* unb fjeudjelberg unb ber ffeilbronner ITCulbe reid)t. 

Pon Durlad) bis Bmbfal fteigt ber ©ebirgsranb HO —160 m fteil über bie 
(Ebene empor unb erreid)t im Hlidjaelsbcrg bei Untcrgrombad) 274 m 2 TFeerest)öl)C. 
Pon Brud)fal abmärts ift ber Hbbrud) am ©ebirgsranb Fein cinl)citlid)er mcl)r. (Er 
erfolgte in einer l—2 km breiten ^onc ftaffeiförmig. (£in3elne meniger tief ab- 
gcfunFenc Sdiollen bilben eine Porbergsjoite t>or bem baljintcr ftebenben l)öl)eren < 55 c* 
birge. fieubiibl unb f)od)gcrid)t fmb fokbe aus tertiären ©efteinen beftebenbe Por* 
berge smifeben Brud)fal unb Ubftabt. 

Die non Durlad) bis Ubftabt faft gcrablinig nad) NNO 3iebenbe Kbeintalfpalte 
biegt smifebett Ubftabt unb Stettfelb plöfelid) in bic Horbriduing um unb 3icl)t in 


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3. Der Ccttcnbcr^ aU iterM. 2lbfct?luf« ber Cangcnbrücfcncr ^urajcitrc. tfon Süd™ gefeben 

(pbot. <£rinmi) 


Diefer bann ir>citer bis fjeibelbcrg. 3 ” 6er erfteren Sichtung aber sieht eine ganse 
Seihe pon Dertperfungen weiter in ben Kraidjgau hinein. 3” 6er jtpifdien 6iefen 
un6 6et nadt Zcorbeit laufcn6cn Dcrtperfung gelegenen 6rcicefigcn Scholle ift 6as 
(Gebiet am tiefften abgefuufcn. hier fnt6 beshalb audi 6ie im übrigen Kraidjgau 
längft abgetragenen 3 ltra fd?'d>ten erhalten geblieben. Blatt bcjeidinet 6icfes jirifdien 
Stettfelb, < 3 euthern, ©eftringen un6 BTalfch gelegene ©ebiet, bas fid? an feinem IPeft« 
raub Faurn nod? über 6ie (Ebene ergebt, als CangenbrücFener 3 lira f cn f°- ‘Sitten 
guten Ifberblicf über biefelbc unb beit nörblidten Kraicbgau hat man non bem 
FapeUengcfdjmücFtcn 2 \? m tjoljcn £cfeenbetg, ber ftc nörblid} non ITTalfdj abferlieft. 
2 l(it feinen ipcftlkhcn, aus Kcupcrfdachten beftchenben ©cbängett reicht er bis an 
bie Kheintalfraltc. 

Sowohl bie mit ber Sheintalf palte parallel laufeitbcn Spalten (bie IPöffingen— 
©odtsheitn—liilsbad)—Stcinsfurter unb IPöfchbad?—heibelsheimet Dertperfung), als 
auch "bie ttorbfüblicb unb pon Süboftcn nadj Horbtpeften einzelne 'Teile bcs Kraichgaus 
burdifefeenben Dertperfungcn treten im ©eläubc wenig hernor unb haben nur für bie 
Einlage einseiner Täler Bcbeutung erlangt. 

vlusfdtlaggcbenb für bie 2TTobellierung ber heutigen ©elänbeformen bes Kraidv 
gaus ift ber €ö§. 2 lls eine an fielen Stellen mehr als 10 m mächtige PecFe legt 
er fidt über bas gaitje £)ügellanb mit Ausnahme ber 3 ura fenFe. Sr perbecFt bie 
bitrcb ©roftott in ber Tertiär» unb älteren Pilunialjeit gefdtaffenen fchroffen ©elänbe* 
formen unb gibt baburdt bem ganzen ©ebiet feine fanftgerunbeten, flachtpelligen formen. 
Stma brei Piertel bes ffügellanbs seigett biefe £öf?bebecfung; nur an ben fteilcn UV|t* 
hängen fehlt er. 21 m mäd>tigften ift bie Cöftbede im mittleren Teil bes ©ebietes; 
gegen ben höheren Schtparjtpalb uttb ®bcitn\tlb hin Feilt ftc aus. Don IPeftcn nach 
®ften 3u tpirb bas abgelagerte 2 T?aterial allmählich feiner. Pie f>ügcl ftttbi natj 
CDften ober Horboftcn hin in lange jungenförmige CöfmlcFen ausgesogen, jipifdjen 


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benen flache, mit fpätcren Hb- 
fd?wemmungen erfüllte Hinnen 
ftd? befinden. Deutüd) laffeit 
fid) an Dielen Stellen mehrere 
übereinanber liegenbe, burd? 
£efymfdiid)ten noncinanber ge* 
trennte £öjjfchkhten unterfd?ei= 
ben. Bei ben Sdjilffanbftein» 
brächen nörblid? nom Stifter 
oier £efymfd>idjten cin= 


l}of ftnb 

gefd?altet, fo bafj man beutlid? 
fünf £öf?fdnd?tett unterfd)eiben 
fattn. Trofe feiner leidsten ^er> 
reiblidjfeit ift er ein feljr tüiber* 
ftanbsfähiges ©eftein. Pa er 
bas IPaffcr begierig auffaugt 
unb in bie (Tiefe weiterleitet ift 
er weniger bem (Einflufj ber 
Verwitterung an feiner ©ber= 
flädie ausgefefet. Pas IPaffer 
fügt fid? im £öjj fcnfred?t in bie 
(Tiefe. (Enge, fd?luchtenartigc 
f)ot?lwege, bie doii faft fenfred?- 
ten, bis 511 fO m l?ol?en ZPänbcn 
begrenzt werben, ftnb bcsljalb 
in großer »orljanben unb 
entfielen immer wieber neu. 

Hllc biefe Erfcheinungen laffeit erfennen, bafj ber £öf; ciolifchen lltfprungs ift. 
©ewaltigc Staubftürme haben ihn in ben Trocfenpcriobeit gegen Ettbc ber Piltwial- 
jeit aus ber Hl?einebene nad? ©ften oberHovboften getragen unb im l)ügellaitb abgelagert. 

Per Kraidigau ift rcid? bewäffert. Pie tonigen unb mergeligen Sdiiditen bes 
ITTufdjelfalfcs bilbctt gute Quellbori^ortte. Pie ftarfen Quellen im Steinbruch an ber 
fjodiftrafsc itt Brud?fal, welche jur Hnlage bes ZDaffertrerfs bort geführt hoben, ge¬ 
hören hierher. 3 m Keupergebiet hoben wir gute Quellhorijonte im Cettenfohlen* 
fanbftein unb ©rcnjbolomit (Quellen im Saalbachtal unterhalb ffeibelsbcim unb im 
Hohrbad'tal bei Bruchfal), ferner im ©ipsFcuper (Quellen bei llntcröwisheim, ZTUittjcs- 
heim, ©beraefer ufw.) unb Sdjilffanbftein (Siegfriebsbrunnen bei ©benbeim, Quellen 
bei ©benbeim, Tiefcitbach, £anbsbaufett unb Heuenbürg. Pas IPaffcr biefer Quellen 
ift bas frifd?efte unb wcichftc ber gattjett ©egettb). 

Pie fjaupttälcr öffnen ftd? mit Husitabme bes Elfcnjtales alle nach IPeflen sur 
Hbcincbcne. Cagcrungsftörungcn ber ©cfteinsfd?idjten fdieittett junt Teil wenigftens 


4. Cofmblatjcrumj auf oberem 211ujd?clfalf 
im Steinbruck am 2lubcr^irc^ in l*rucbfal 

(Pbot (Frimm) 


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22 



5. Cdfcfjobltrcg (Pcgclttottlc am Scftcclfop?) bei 8ru<f?fal (pfjot. ©rimni) 


iljre <£ntftefjung peranlaßt unb ißre weitere Kusbilbung beeinflußt 51t fjaben. 2lls 
bie Sößablageruugen in 6er Dilupialjeit cinfeßten, waren fte febon ausgebilbet. Die 
Blöde po 11 rßätifdiem Sanöftcin, weld?e wir jebodj in großer < 3 al)l auf 6cn fjötjcn 
jwifdjcn 6em Kafeettbadi* uit6 Kraidibadjtal uu6 Kafecnbadj* 11116 Scimbadjtal, aber 
uirgcnbs in 6en ‘Tälern antreffen, jeigen, baß 6iefc Täler erft nadj 6er Verbreitung 
6icfcr ©efteinsmaffen ausgetieft worben fein Föntten. Hörblidj pott Heuenbürg auf 
6er bjölie „Beim großen Stein" ragt ein foldjer Blöd f ,5 m aus 6em Bobcn. Da 
biefe ©efdßcbemaffen aud? auf Sias uitb Dogger, alfo auf jüngeren ©efteinen liegen, 
fönnen cs Feine an ®rt unb Stelle entftanbenen Pcrwitterungsrefte fein; fte müffen 
uiclmeßr pon einer höher gelegenen ©egeub, jebenfaüs pom Tidvlberggcbiet aus burd) 
irgenb eine Kraft an ißre jefeigen Cagcrftätten transportiert worben fein, ^ließenbes 
tDaffer Fann bies wohl nidit gewefen fein; für bie Einnahme einer jeitweifen Bereifung 
fehlen im Kraidigau alle HnbaltspunFtc, weshalb audi an einen Transport burdi Tis* 
ftröme nidit gebadit werben Fann. Htudle 1 permutet, baß biefe Blöde in beit Sdnitt 
ber leid>t jerfallenben Keupermergel perpadt bauptfädüid) pom Tidielberggebiet aus 
na di allen Seiten bangabwärts infolge ber Kriedjbcwegungcn ber THergcl höben per j 
fraditet worben feien. Die transportierten ©efteine feien bureb ihre Sdiwcre auf ben 
Boben bes Kriedifdjuttes geraten unb äbnlkb tpie in ber ©runbmoräne eines ©let» 
fdicrs mitbewegt worben. Danad) wären alfo biefe „Ijodiliegenbcn ©efdncbeanbäu* 
fungett pon rljätifcbem Sanbftein" als pfeuboglajialc Bilbungcn 511 betraditen. 

1 mucflc, IHorptjoIoijic t>es Kraidjgaus. 5 . 5ö—53. 


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23 


3 m Keuper- unb 3 llw C' e biet jeigeii bie miefenbebcdten Talböben eine crfyeblidje 
Breite, ein ^eidjen, baf? bie crobierenbe Kraft bes IPaffers jum Stiüftanb gefomntcn 
ift unb feine Krbeit in bie Breite [Aon längft begonnen bat. Hur im UTufcfyclfalf* 
gebiet ber Umgebung non Brudtfal finben mir enge (Täler mit fteilen IPänben. 
(Einzelne Heine typifebe Eroftonstäler ftnb in ben meftlidien ©ebirgsranb fiiblid) rott 
Brudifal eingefebnitten, fo 5. B. bie Ungebeuerflamm jmifdien Untergrombadi unb 
TDeiitgarten. 



tu Partie aus fccm Saalbachlai unterhalb £>cibclsl?cint, „Schtrancnbrunitcn“ 

(pl?ot. ©rintnt) 


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HbMIMing \ 


©ae auf tom QUicßefeßerg 

Ton (Emil IPable, Qetbelberg 

cnn 5er IDanberer 5ie Bergftrajje entlang nad) Horben pilgert, öann 
begleiten iljn jur Hechten non (Ettlingen bis Brucfyfal ^ügclrücfcn, mekfye 
bis 160 m Ijod) über 5ie ©berrfyeinifdje (Tiefebene ftd> ergeben. Heben 
5 em Curmberge bei Durlad) ift es bcfonbers einer, roeldjer in 5 er Heilje 5iefer mcnig 
Kbmedjfelung bieten5en fjölycn feine Kufmerffamfeit erregt: 5er ZHidjelsberg über Un* 
tergrombad). Sdjon oon meitem grüfjt iljn 5er fpitje Curm 5es ©ottesljaufes auf 5er 
Ijölje, meldjes 5ie IDallfaljret fyerbeijiefjt (pgl. 5ie Knfidjt über bem (Eitel; fte bietet 
5en Blid oom (Bemann Dornig \ km meftlid) tDeingarten, rcdjts am Hanbe 5er Bafyn* 
fjof 5iefes Dorfes). Unb Ejat er 5 en Hücfen erftiegen, 5ann lofynt ifjn eine roeite 2lus* 
ftdit über 5 ie (Ebene Ijin mit 5en ftattlidjen Dörfern un5 5en großen, buttflen IPälbern, 
mit Deutfd)lan5s Strom im tDefien, 5er ftd) als ein fübertjell in 5 er Sonne fdjcinenbcs 
Ban5 3 U erfennen gibt. IDenbet er aber 5en Blid nadj (Dften, bann empfängt il?n 
eine anbere XDclt : nirr befdjränft ift 5ic 2 lusjtd)t, meld)e ein oon Dielen Cälern ge* 
glicbertes fjügellanb bietet, ein ftänbiges auf unb ab 5er £)ängc, roeldje 3 umeift malb- 
beftanben ftnb unb bie in ben (Tälern liegenben Siebelungen oerbeden. Das ift ber 
Kraidigau. Der Hlidjelsberg, meldjer eine fo ftattlidje (Erljebung oon IDeften aus ge* 
fcfyen barftellt, ift einer ber roeftlidjen Ausläufer biefes fjügellanbes, meldjc alle längs 
ber oben genannten Strede ber Bergftrajje fteil 3 ur Ciefebene l)in abfallen. 

Die fdjöne Uusftdjt entfdjäbigt ben tDanbcrer für bie Hlüfje bes Uufftieges; benn 
bie Kapelle felbft bietet nidjt Diel, ©b fte, bie 13^6 erftmalig genannt toirb, an ber 
Stätte eines römifcben ober gar nod> älteren Kultes ftel?t, mic angenommen roorben 
ift, bleibt Dorläufig jmeifelbaft. Die BTöglidtfcit beffen foll nidjt beftritten merben; 
bod) erft beftimmte ^unbflüde — ettra römifebe ^nfdiriftfteine — Fönnen uns barüber 
(Bemifjfyeit bringen. 

Dagegen ift ber Berg nach Kustreis 3 aljlreid>er 5unbe in einem frühen Ubfebnitt 
ber Hoheit bie Stätte einer blühcnbcn Sicbelung gemefen. Damals, b. I). im brüten 
3al)rtaufenb d. (£l)r., in ber jüngeren Steinzeit, mar ein großer Ceil bes Kraidjgaues 
nidü mit bichtem Urrnalb beftanben — mic nad) einer immer nodj mcitDerbrciteten 
ZTTeinung unfer ganjes Baterlanb in ber Boigeit ausgefeben haben foll —, fonbern 


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eine fogen. ParFlanbfdjaft. Baumbeftänbe, ©cbüfcb unb grasbeffanbene ^lä'hen iDcdj* 
feiten bunt miteinanber ab. Das Klima mar bamals etwas anbers als bas tjeutige; 
wärmere unb trodenere Sommer batten bie Einwanberung einer Heifye non füb- unb 
fübofteuropäifdjen Pflanzen ucranlaßt, welche teilweife beute noch an trodenen Rängen 
unb Uderrainen ficb finben. ©erabe ber Hlicbelsberg ift bem Botanifer als ein guter 
Stanbort berfelben befannt, 31t benen u. a. Küdienfdjellc unb KartbäufernelFc geboren. 
€benfo wie große Ceile bes Kraicbgaues müffen wir uns bie troefenen, fanbigen ^lädjen 
in ber (Ebene, welche beute bie großen Kiefernwälbcr tragen, als ParFlanbfdjaft t»or* 
ftcllen, wäbrcnb bie jetjt uon IDicfcn eingenommenen, 3um (Teil fumpfigen Stridic ber» 
felben mit Urwalb bebedt gewefen ftnb. 

3 n biefer Canbfdiaft lebt ber IHenfcb auf ber Kulturftufe ber jüngeren Stcingcit. 
Hiebt unftet unb ohne Vorforge für bie §uFunft friftet er fein Dafctn. Der ^clbbau 
mehrerer ©ctreibe, nämlich ©erfte, fjirfe unb lücisen, fowie bie <3u*ht bereits unfercr 
fämtli<bcn Haustiere bieten ibm ben Unterhalt. So feben wir ihn feßhaft unb barum 
ftattlidje Jütten erbauen, in beiten wäbrcnb ber unwirtlichen 3abresjeit r»on ben Hör» 
täten gelebt wirb. 

JDettn wir bie ^eugniffe bet Unwefcnheit biefes HTenfdjen in ©eftalt non ©rä- 
bern unb ©ruben, welch’ legiere bie in ben Hoben eingetieften, mit Kulturreften ge¬ 
füllten unteren Ceile ber Bchaufungcn barftellen, im Kraidigau bes öfteren beobachten, 
wäbrcnb fic auf ben Sanbflädjcn ber Hheinebene faft gan3 fehlen, bann ift bas in bem 
Unterfcbicb bes Bobens begrünbet. Denn bie f)iigel bes Kraichgaues fmb 3um größten 
Ceil mit bem warmen unb fruchtbaren, fowie auch mit einfachen ©eräten leidet 5U 
bearbeitenben £öß bebedt, einer gleichmäßig feinen, hellbraunen HTaffe ohne Stein¬ 
beimengung, bie wäbrcnb einiger Stcppenpcriobcn innerhalb bes Dihwiums oom tDinbe 
angewebt worben ift. Unnerglcichlid) ftnb bie Borstige biefes Bobens gegenüber bem 
unfruchtbaren Sanbc in ber (Ebene, welcher be3eichnenberweife audt b eu l e nicht als 
Uderbobcn genußt wirb, fonbern einförmige Kiefernwälbcr trägt. Dicfen großen 
Unterfcbicb in ber BobenbefdTaffenheit hat ber 2 Tlenfch ber jüngeren Steinjeit als ein 
feiner Beobadjter ber Hatur fofort feftgcftcllt; unb wenn er auch nach Uuswcis mancher 
<Ein3clfunbc ron gefchliffenen Steingeräten gelegentlich biefe Sanbflächett burchftreifte, 
fo ift er im allgemeinen bodi nidit auf ihnen feßbaft geworben. U)enn wir aber ins- 
gefamt ben UTenfdvn nur im Bereidie ber ehemaligen ParFlanbfcbaft beobad^ten unb 
nicht aud> in ben Urmalb3oncn, bann ift bas eine Erfd?cinung, wcldie überall auf ber 
•Erbe unb für faft jebc Stufe menfd>lid?cr Entwidclung nadigewiefen werben Fann. Der 
Urwalb ftellt im allgemeinen einen ^einb bes HTenfchen auf nieberct Kulturftufe bar. 
2 uir geswungen bringt biefer in bas Feine Übcrfidit bietenbe unb an pflanjluher wie 
tierifdvr Hahrung arme Didid t ein, beffen Hobung eine fdimere Uufgabc ift. 3 n 
erfter Cinic fehen wir beshalb bie liditcr beftodten Canbfdiaftcn beftebclt, in meldvm 
Erbteil wir uns audi befinben mögen. 

So rerftehen wir bie Verbreitung ber BenölFerung ber jüngeren Steinzeit als eine 
ifolgc bes bamaligctt PflansenFleibes, ober anbers gefagt: ber natürlidyn Dafeins* 
bebingungen. 


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IDcnn mir aber 6ie ftattlidiftc Sieöelung biefer Ulenfcfyen, treibe uns bis heute 
aus 6cm Kraiebgau befannt ift, gerabe auf 6er fjobjc 6cs IHichelsberges fin6en, 6ann 
ift nid>t nur 6cffcn 6amals lid^tc Keftoefung 6ie Urfacbe 6at>on. Xlad) 6rci Setten Ijin 
fallt 6iefcr Kerg — eben als einer 6er Ausläufer 6es Kraid?gauljügcllan6cs — fteil ab, 
mäfjrenb er auf 6er inerten burch eine €infattelung mit 6iefem nerbunben bleibt, Kuf 
ihm bot 6ie Hatur gan5 an6ers Scbu§ als anbermärts, un6 foldicn bat man nölig 
gehabt, 6ettn fonft märe nicht 6ic mübcpollc Arbeit 6er Ummctjrung jener Sieöelung 
untentommen morben. 

Umfangreiche (Grabungen entrollen uns bis in 6ie iSiniclhcitcn hinein ein Kilb 
non 6icfent befeftigten Kaucmborf. 

©ftlicb ron 6er Kapelle nimmt auf 6er Kuppe 6cs Berges 6ie Siebelung einen 
Kaum r>on ctira 400 : 200 m d5rö§c ein (r>gl. 6ie Kbb.; auf 6er oben gebotenen 
Knftchtiffi;ge 6es Berges erfireeft ftdj 6er ^un6bereid> auf 6em v>on 6er Kapelle ge* 
frönten i}öbenrücfen nadi redjts bis ju 6em einfamen Kaum mit 03ebüfdi baneben). 
3m Sii6en unb CPftett ift fte bureb einen (Praben lvgren.it- uvldvr 5—6 m breit ge* 


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mefen ift. £ättgs bes Süboftabfchnittes Fonitte biefer ©rabctt auf etma 570 m £äuge 
itachgemiefcn mcrben; ba, mo er auf etma 20 m pollftänbig ausfeßt, fjat offenbar ber 
(Eingang fid? befunben. ©egen IDeften Ijin Derfdjminbet er unter einer fpäter ent* 
ftanbcnen HcFcrterraffe, um jcbod? füblid) ber Kapelle im 2lnfd)uitt mtebcr bcutlid) 
3utage 5U treten. Den Hushub aus biefem ©raben müffen mir uns fyinter ißm als 
IDall aufgefdjüttet benfen, auf welchem ein Palifabenjaun ben Perteibigern Sd}ub 
bot; ber Eingang wirb fdjnell 3U oerfperren gewefen fein. £ängs ber anberen ^tonten 
ftnb nod) Feine Hefte ber Umwehrung nacbgemiefen. Pielleidjt werben fte bort nodj 
gefunben, fo ba§ als ©runbrif? berfelben etma ein ©txtl ftcf) ergibt; es ift aber ebenfo 
gut möglich, baß bort Fein foldjer Schuß norfjanben mar, bicfer ftd) pielmebr im 
mcfentlidjen auf ben Kbfdjnitt befdjränFte, längs bcffen bie Bergruppe mit bemKraidj* 
gauljügellanb in Perbinbung fielet. Denn biefer leitete Ubfchnitt mar ber gegebene 
PunFt für ben feinblichen Angriff, unb mir finben oftmals norjeitlidje Befeftigungeu 
auf ben fdjmadjen Ceil einer natürlichen Perteibigungsftellung befdjränFt. 

3 nnerfjalb bes fo umriffenen Haumcs ftnb etma 90 ©ruben t»on teils flacher, 
teils mulben* unb teils Feffelförmiger ©eftalt ausgegraben morben, bie balb bidjt 3 U- 
fammenlagen ober auch balb mehr 3erftreut liegenb gefunben mürben. Diefe ©ruben 
ftellen ben unteren Ceil non Behaufungen bar, beren ©berbau, aus f)öljetn, Heiftg* 
geflecbt, Schilf unb £ehnt erridjtet, ber §eit natürlich jum ©pfer gefallen ift, aber in 
^orm r>on HbbrücFen in ben mehr ober meniger großen Klumpen gebrannten Cottes 
beutlidj noch ftd) 3U erFennen gibt. Diefer fogenannte bjüttenberourf bilbet 3ufammctt 
mit CierFnochen, 3crbrod)enen unb oerloren gegangenen ©eräten aus Stein, ©emeih 
unb Knochen, jahlreicbcn Copffdjerben, fjo^Fohlenreften unb eingefebmemmter Erbe 
bie 5 üUung ber ©ruben. Entfpredjenb bem mitunter etnxts t>erfd)iebenett 3 >ih a ^ 
merbett fte in IDohn-, i^erb*, Porrats* unb Hbfallgruben gefchieben. ferner fattben 
ftd) 3roifchen biefen ©ruben etma ein Dußenb ©räber; bie 5 ra 3 e « ob für biefe bie 
©ruben eigens ausgehoben mürben, ober ob man bie Coten unter ber Sohle ihrer 
einftigen Belaufung beftattete, cntjicbt ftd) im norliegcnben ^all mangels entfprecbeitber 
Beobachtung unferer Beantmortung. Hlit ber 2 Tlöglid)Feit bes letzteren Brauches muß 
bei feinem häufigen Huftreten fomobl in ber Porjeit mie bei ben gütigen Primitmeu 
gerechnet merben, mie aud) bie £age ber ©räber jmifdjen ben IDohnhüttcn für biefe 
Hiettfchen nichts außergewöhnliches ift. 

Die manttigfad;en ^uubfiüde au ©efäßett unb ©eräten (r>gl. bie Hbb.), beute 
ein wertroller Bcfiß bes £aitbcsmufcums in Karlsruhe, fomie bie pflanjlidictt unb 
ticrifd)ctt Hefte entrollen uns ein rortrcfflidies Bilb ber materiellen Kultur ber jüngeren 
Stcin 3 cit. 

Uber bari'tber hinaus crmöglidvn uns bie ^efiftelluttaen auf bem IHühelsberg 
ttod) eine weitere Sd)lußfolgeruug. Die Siebeluitg mar befeftigt, unb jablreidv Hrbeits* 
Fräfte baten an ber Bcfefligung gearbeitet. Es ftttb ihrer nid)t mettige gemefett, meldy 
mit einfadyn ©eräten beit ©rabett ausbobett uttb bie fföljer für bett palifabenjaun 
fddttgeu unb felgten. Ein einziger IVille ift es gemefett, bem fte alle gefolgt ftnb, bem 


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— 28 — 

fte ftdt untergeorbnet Ijaben, — einerlei, ob fein Cräger auf bas Pertrauen ber <Sc« 
famtbeit ficb ftü^te, ober auf feine Kladit. So gibt uns biefes grofje IPcrf einen 
mertrollctt fiinblicf in bic gefellfcbaftlidx’tt Perfyältniffe jener , 5 eit unb mir fönnen bas 
Porlianbcnfeitt gefefyloffener, fefter Dorfgemeiitfdiaften fcftftellen, menn aud} leibcr bic 
^ragc offen bleibt, ob bas bemofratifebe ober bas ariftofratifcfye Prinjip in ihnen Gel¬ 
tung liattc. — 



2lbbilMtftg 3 (2Ius bem Prnfmälerard?it> bcs Bob. Can&esmiifcunis) 


^uubc t>ott ber Krt ber auf bem ITUcbclsberg gehobenen, insbefonberc bicfclbe 
Kcramif, ftnb im Kljcim unb Hcdargcbict nicht feiten. < 5 um Unterfdjicb non anberen 
Stilgattungen audj ber jüngeren Steinzeit, mcldx in beit gleidiett ©cbicteit angetrof* 
fett werben, trirb erftere als 2Tlid)elsbergcr {Typus bejcidntct. Senn ber 2T?id)clsberg 
mar ber erfte ^unbort biefer (Battung, mclcbc ron ber pfaljlbautenFultur bcs Pobett* 
fees unb ber Sdnrcij abgeleitet mirb unb einen Porftof; ber «Träger biefer Kultur bcu 
Kbcitt abmärts bis in bic (Scgcttb non Köln ju erfennen gibt, Jmmcr jahlreidjer mer- 
ben bic Siebclungen biefer Peuölferung, mclcbc im ©cgeitfalj 511 betten ber «Träger 
attbercr Stilgattungen junieift befeftigt ftnb; in Kbcittbcffen unb ber luibc rott Koblettj 
mürben erft jüngft mieber foldic fcftgeftcllt. «Es barf aber nicht perfd)micgen merbett, 


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- 29 — 


bajj bicfes uns fycute befannte Siebeluttgsnefc noch recht erhebliche Süden jcigt. IDenn 
bie Söfjgebiete Hl)cinheffetts unb ber IDettcrau nicht wenige berfelben aufweifen, wenn 
mit am tDeftranb bes Kraidjgaues auf 6cm ZHidjelsbcrg 6iefes oben befcfjriebene 
Dorf un6 bet Brucfyfal 6ie Hnjeichen eines jroeiten tjaben, wenn am Hecfar bei fjeil* 
bronn mehrere biefer Hrt gefunben ftttb, warum ift bann aus bem ganjett übrigen 
Kraidjgau noch feine einjige befannt, obwohl bodj bafelbft bie natürlichen Dafeins* 
bebingungen gan5 bie gleichen ftnb wie in ben anberen eben genannten Gebieten? 
Die ZHöglidjfeit einer tatfäd?lidjen Süde in ber Beftebelung ift norläufig natürlich nicht 
ab3uweifen, aber es mujj ebenfo mit ber XHöglidjfeit einer £üde in unferer Kenntnis 
gerechnet werben. Unb bies teuere liegt umfo näher, als faft alle anberen fteinjeit* 
lidjen ^unbe aus bem Kraid^gau Hügelgräbern entnommen ftnb — fie gehören fämt* 
lidj ber fdjnurferamifdjen ©ruppe an — unb auch bie Hleljrjahl ber funbe aus ben 
fpäteren Kulturperioben ©rabbügeln entftammt. Diefe aber Ijat, weil oljne weiteres 
auffinbbar, eine frühere ^orfdjung bequem unterfuchen fönnen, rcährenb non ben 
©räbern unb Siebelungsreften, welche, unter ebener <£rbe liegenb, bem Kuge ent* 
3ogen ftnb, nur wenig bisher befannt geworben ift. Planmäßig auch nadj biefen 
Heften 3U fudjen, ift nun unfere Hufgabe, bamit bie Cüdc, welche ber Kraichgau offen* 
bar bietet, gefdjloffen werbe. 


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X • fcpuna aus StcttfclO 

(2lus 6cm I'enfmaler<ird:ii?” bcs £*ti6. Canbcsniufcums) 


©u (Römer tn Qßrußrain unb Uratcßgau 

Pan »Emil £jirid>. ffeibelberg 

Sumpf f?at ber Bruhrain feinen Hamen, 6er ticflicgenbe Canbfaum 
^j^Jxffi ron ZPeingarten bis IDiesIocb jtr>ifd)en bent Hinein unb’ben porberften 
SitP^&KraidigaufyügcIn , fogut, tpie Brudjfal 6ie sali, 6en b^ercenfjof im Sumpf« 
gclänbe bebcutet, non 6en ^raufen in 6cm 6cn Alamannen abgenommenen £an6c auf 
6ic glcidic 2lrt bejeidjhet tpie cfyebem nabe 6em Stammlanb Brüffel in Brabant. Kuch 
6ic £uf?bar6t mitfamt 6er Knfieblung an ihrem ehemaligen Beginn (Klt)€uf?beim Ijat 
als elften BefkmMeil ein altes beutfehes tüort für HToraft, 6ic Hloljau bei fmttenbeim 
mcift nicht minber auf glitfchigen, Fiebrigen Beben hin, mic tr>eun Schnee jcrgdjt, unb 
cnblich beiden 0rtc trie ßambrüden (im fjag), Bahnbriicfen (bau IPeg) unb taugen« 
brücFen (an 6er l. B.) nad> ben prügeln unb Knüppeln, bic bas Uberfdireiten fumpfiger 
Stellen crmöglidien feilten. Darnadi Fönntc man meinen, baft bcs Kerners »Tacitus 
IDerte, ©ermanien erfülle jebeit mit Sdvuibcr burdi feine ItVilber unb ftojje ab burd> 
feine rrüften Sümpfe, gerabe für unferc ©egenb jutreffc unb chebcm hier nur für trenig 
menfdeiche Knfieblungen Kaum getpefen fei. Unb bod} ginge eine feldie Kuffaffung 
fdjon für bie jüngere Steinzeit (5000—2000 p. <£l}r.) fehl. 

Die IDiffenfdjaft bes Spatens, eine ber großen »Errungcnfdjaftcn bes letjten 3 a hrbunberts, 
t>at t>ic fargen Angaben ber Schriftfteller unb bie im Pergleidj 3 ur einfUgen Unmenge gar 
ipärlicfy erhaltenen fd^riftlidien Urfunben iiberrafdjcnb gewaltig erhellt unb ergäbt. Unfer 
Jsanbsmamt, Dircftor Dr. Sdjumadjer pom Jtömifd^-<Sermanifdjen (Eentralmufcum in lllainj 
hat fdiott ror 20 3 a f? rcn ( 1902 : ^ejtfdjrift bes 2t. <ß. £. 3 U ITC. 5 ut Befieblungsgefdjichte bes 
rctbtsrheinifdicn Ittieintals 3 trifd}es Bafel unb lHains) gerabe an Stellen, bie heute oft rom 


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— 5 \ 


IPaffer bebedt ober burd^ogen werben, frühgefchichtliche IDohnungen unb (Sräber feftgeftellt 
unb auch für unfere < 5 egenb im gan3en biefelbe drodenhßit unb Bnbaufähigfeit wie heute rer- 
fochten. 3 n feinem neuen Buche (1921 Sieblungs- unb Kulturgefdjichte ber Bheinlanbe ron 
ber Urtext bis in bas Ittittelalter I. Bb. Porrömifche §eit) weift er 3. B. in ber Bäbe oon 
Huttenheim nabe bem uralten Bheinübergang bei (Sermersheim nach, wie ben pfablbauleuten 
ber Stein3eit bort bie tttenfehen bes Bron3e3eitaIters (2000—1000) folgten, Beferbauer, bie ihre 
doten in Umenfelbent beftatteten, unb wie ebenba (Brabhügel aus ber erften €ifen5cit (—500), 
römifebe Überrefte unb frübfränfifche (Sräber für bie ununterbrochene Befieblung ber Stätte 
^eugen, bie erft im Ittittelalter reröbete. 

Die Stämme ber <£ifen3eit finb bie erften, bie fich gefcbicbtlicb genau benennen laffen; es 
waren (Saüier ober Belten. Sie wohnten linfs unb rechts bes Bheins bis nach tUittelbeutfch* 
lanb hinein. 3 hre 3ahlreichen Bnfieblungen rom <£in3elgehöft bis 3ur großen ^efiung, bie 
einen ganjen Stamm mit ben gerben aufnehmen fonnte, waren burch riele IDege rerbunben. 
Bis funftfertige l^anbwerFer, Schmiebe für eiferne IDaffen unb U)erf3eugc unb als döpfer, 
fonnten fie ihren germanifchen Bachbarn in rielem £ehrer fein. Doch als biefe im 3 . 3 a hr* 
hunbert, burch Canbnot getrieben, fich füb- unft weftwärts in Bewegung festen, mußten bie 
(Ballier, fo tapfer fie fich wehrten, 3urüdgehen, unb bie bamaligen Bewohner unfercs £anbes, 
bie l?eh>etier, wichen ror ben Bnbrängenben fogar bis in bie Schwe^ 3uriid. ^bvc Gegner 
finb ihnen nicht gefolgt; aufeer am Bedar hat man feinerlei fidlere Spuren oon ihnen. Um ben 
Beginn unferer Zeitrechnung war bas £anb rechts 00m Bt>ein wenig bewohnt; in ber f?el« 
retierwüfte, wie bie alten Schriftfteller es be3eichnen, mochte ber IPalb fich tmmer mehr aus» 
behnen: ba würbe es anbers im lebten Drittel bes erften 3 al Khunberts; es erfd|iencn bie 
Börner. Sie lodte nicht bie 3weifellofe ^ruchtbarfeit bes (Sebietes, nicht bas Klima ober wie 
in Babenweiler unb Baben hOfee (Queüen, auch nid}t Bobenfcbätje, wenn fie aud> halb bas 
(Salmeibergwerf in IDiesloch ausgebeutet haben, fie hatten bas £atib nötig, um burd} es ihre 
Heerftrafeen 3U führen. 

Kls <ß. 3 ulius (Täfar Öen Suebcttföitig Ztriouift im ©bcrelfaf? befielt Ijatte (58), 
nebelte er öeutfdjc Stämme aus beffett Heerbann am ©berr^ein an, im <£lfaf? um 
Brumatf) bie Cribofer, um IDorms bie Dangionen, um Spevcr bie ZTcmetcr. ßüv bas 
gemährte £an 5 Ratten bie ©ermanen ben Sd)ufe ber ©rcn5e 3U übernehmen: fie feilten 
ifjre Stammesgenoffen am Obcrfdjrciten bes ^luffes Ijinbern. Der £rbe von däfars 
2 Tamen, ZHacbt unb Plänen, ber fpätere Kaifer Zluguftus, lic§ burd) feine Sticffö^nc 
Drufus unb Ciberius bas £anb non ben Zttpcu bis 3um ©berlauf ber Donau erobern 
unb an ZHitteU unb 2ueberrl)ein einen ©ermanenftamm nad) bem anbern Korns ©e* 
malt unterwerfen. ZIber allen (Träumen von ber ©eminnung ber (Slblinic als 2 \cid^s- 
grenje mad}te bes Zlrminius Sieg im ^Teutoburger IDalbe ein £nbe. 

Kaifer tTiberius rief feines Brubers Sotm ©ermanifus aus Deutfd^lanb juriid: 
ber ZPaffenefyre ber Körner fei ©einige gefd)el)on; man fönne bie ©ermatten ihrer 
eigenen ^u>ietradrt iiberlaffen. Das mar juft nor 1900 3 a h ren! 

Bhcin unb Donau hilbcten nun bie Beicfesgre^e; hinter bem Bhcin ftanben in (IPinbifch 
am Zufammenflufe oon 2 lar unb Beufe unb fpätcr in) Strafeburg unb lllain}, in Köln unb 
Btanten Borns waffenftarrenbe iegionen. Balb ftcllten fich fd]were Unsuträglicbfcitcn heraus, 
druppen aus bem Bios (Bäticn), ron 2 tugsburg her, mufetc mau erft nadj Bafel= 2 lugft fdmffen 
unb um bas Bheinfnie herum rbeinabwärts, ir^cnn fie nach HTain3 ober Köln fällten, ütup* 
penaufftänbe, bie nid^t rafch gebämpft werben fonnten, brad^ten alles ins IPanfen, 3umal bie 
(Sermanenangriffe fich häuften — fo fuchte man ben rechten IDinfel ron Obcrrbein unb oberer 
Donau burch eine (Querlinie ron 21 tain3 bis Ulm 3U rerbinben. Das ging nidu mit einem lliale. 


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3 m 3 af?r 73/74 begann ber (general pinarius Clemens (gangemeifter IDeftb. Seitfdjr. III. 
1884) ben Bau einer Strafe oon Strafeburg über ©ffenburg unb burch bas Kin3igtal unb bem 
Schma^malb über Bottmeil 3um Donauufer bei (Luttlingen. Damals berrfdjte Kaifer 
Pespaftan. Sein 3meiter Sohn, Kaifer Domitian, erfdpen 83 felbft in ITTatn3 unb 50g oon 
bort aus 3um Kampf gegen bie Chatten. 3 m Knfcfelufe an biefen Krieg mürben mehrere 
Strafeen gebaut. So noch in ben adliger 3 ahren bie Bheintalftrafee oon Strafeburg über Kehl, 
Hjügelshcim, Baftatt, ITtühlburg, (graben nach Zteuenheim bei Jjeibelberg; bas fdjliefet man aus 
einigen bei Jjodenheim gefunbenen Riegeln ber 14. £egion, bie nur bis 90 in (germanien 
ihren Stanbort hatte. Bei ZIeuenheim lag ein KafteU 3ur Dedung bes <$lufeübergangs unb ber 
Strafeen, bie bort 3ufammenftiefeen. Die aüermichtigfte entftanb ebenfalls in ber angegebenen 
^eit. Sie lief oon lHain3-Koftheim über (grofegerau, (gernsheim, £orfch nach £abenburg unb 
ZZeuenheim; oon hter 30g fie fchnurgerabe nach IKingolsheim, oerliefe bei Stettfelb bie 
Cbene unb führte fübmeftlich 3U>ifchen ben beiben ©misheim über ^lebingen unb Paihingen 
nach Cannftabt unb plochingen am Ztedar, burch bas ^Jilstal nach (geislingcn unb über Ur- 
fpring nach ^aimingen an ber Donau, öftlich t>on Ulm. Die bei Stettfelb ins (gebirge ein- 
tretenbe Strafee erhielt am ^ufe ber Berge eine ^ortfe^ung nach Süben unter Kaifer Craian. 
Cin IHetlenftein, ber fich in Bühl als <gren3ftein erhalten hatte, gibt nicht nur bie entfemung 
oon ber prooin3hauptftabt Ulain3 (feit 90 ift ©bergermanien oon Biebergermanien unb ber 
Belgifa getrennt) mit 120 röm. ITCeilen, fonbem auch als 3 a h* her erctchtung bas britte 
Konfulatsjahr bes (Lraian, bas ift bas 3 ah* ioo. IHarfus Ulpius Craianus mar bie 3 ah** 
oorber Kommanbant bes Bhcinheeres gemefen unb hatte am Btjein ben (Lob feines 
Zlboptiooaters Zteroa erfahren, ber ihn 3um Kaifer machte; er orbnete erft bie Perhältniffe in 
©bergermanien, ehe er nach Born 3urücffehrte. Bach feinem Barnen h^efe nun ber Porort ber 
(gaugemeinbe ber Becfarfdjmaben, fabenburg, Cioitas Ulpia. (Die Bergftrafee 3ieht, oft über 
uralten ZDegen, an Bruchfal oorbei nach Durlach, Cttlingen, ©os, Bühl, Offenburg, £ahr, Biegel 
unb Bafelaugft in bie S<hmei3.) ZDahrfcheinlich ift bamals auch ber £imes, bie <gren3e, unb 
bamit bie <gren3mehr in ben ©bentoalb, oon ber ttlümling bis 3um Bedar oorgefchoben morben 
(bie <Junbe paffen in bie £>eit ber 3ah^hunbertioenbe). Dann gehört auch bie eierte Stettfeiber 

Strafee in biefe 3 a h rc » Sie führt über Cppingen nach bem KafteU Bödingen am Bedar, £jeil- 

bronn gegenüber. Zluf ber Übcrfichtsfarte oon ^abricius (Befi^nahme Babens burch bie Bö¬ 
rner, Babifchö Beujahrblätter 8, 1905) mufe man fie fich meftlich über Stettfelb nach bem 

Bhein 3U oerlängem; fie geht bann über ZDeiher unb ^ambrüefen gerabemegs nach (germers- 
heim. Cnblich fehlte auch nicht bie Perbinbung mit Speyer: bie fechfte Strafee oon Stettfelb 
aus 30g am linfen Kraichbachufer entlang unb münbete in bie ©uerftrafec nach Speyer, bie 
oort IDaUborf—XDiesIoch herfam, öftlich aber über IDieslocb 3ur Clfen3 bei I^offenheim unb 
weiterhin über Sinsheim, Babftabt, Bappenau nach bem KafteU LDimpfcn lief. 

§n?ifchen Kraichbach unb ber Strafee Stettfelb—Speyer mürbe in ben ^unbamenten ber 
alten Kirche oon St. £eon ein Stein gefunben, ben ein ftauptmann ber 24. ^reimiüigen- 

foborte, ber Ccnturio £ucius Zlntonius lUaternus, ber ITlineroa unb bem ßerfules gemeiht 
hat. Dies BataiUon ber Ljilfstruppen lag anfangs in ZIeuenbeim unb mürbe mit ber Por- 
fchiebung ber <gren3e um ioo 3uerft nach Benningen bei IHarbach unb in ber ^olge nach IHucr- 
harbt oerlegt. Pielleidit hatte bie Abteilung (ein Stempel auch in IDaUborf) mit bem Strafeen- 
bau etmas 3U tun unb befanb fich einige gett bort; in St. £eon finb nubt rnenig Bömerrefte. 
IDeitaus bie meiften aber finb begreiflich in Stettfelb als bem tjauptoerfebrsplatj ber (gegenb 
3utage getreten. 1 Bein römifebe (gottbeiten mie eben beim Stein aus bem [. 3 a h r hunbert 
finb feltener, in Stettfelb 3. B. nur ein Belief aus Sanbfrein mit BpoIIo, lllineroa unb Hierfür, 
^aft alles anbere meijt auf gallifcbe (götter. Zlm Kreu3mcg ift es nach bem (glauben ber Per- 

1 Blle röm. 3 nfd]riftcn acfammclt im 13. Bb. b. Corpus inscriptionum latinarum oon §ange* 
meifter, o. Domas^cmsFi. ^infe. Die Huinsen in Baben bei Bifftnger, Karlsruhe 1689 u. 1906, 
alle t funbc bebanbclt (babureb treten Hlonc, Ilrgefd>. b. bab. £anbes 1843 , £. ^cigenbutj, Der 


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gangenbeit nie recht geheuer. Den bort maltenben tttächten opferten auch bie Körner, aber ftatt 
ber lares compitales hat man in ©bergermanien bie 5 IHütter am Kreu3tneg ( 3 h™, Bonner 
3 h*b. 83) oerebrt, halb Solbaten, bie an folgen StraftenFnotenpunFten bie Aufficht Ratten, 
bie fogenannten Beneficiarier (p. Domas3emsFi, EDeftb. geitfdjr. 2 {), halb gipiliften, rote tjier 
in Stettfelb ein Urfinus, bes Cocceius (ober nach IHommfen bes daffius) Sohn, mit ber (ßattin 
Urfinia, ber dodjter bes (ßaianius, ben deabus Quadrubis einen Stein mohl nach glücflicher 
Keife burdjs mübe £anb (ex voto) gefegt hat. Der Stein, bei ben Ausgrabungen bes Mann¬ 
heimer Altertumspereins 1866 an ber Strafte nach Bruchfal gefunben, gehört nach feinem (Ein¬ 
gang (in honorem domus divinae 3ur (Ehre bes göttlichen Kaiferhaufes) früfjeftens nach 160. 
An bie Straften unb ben Perfehr auf ihnen läftt auch bas unfern geilen rorgefe^te Bilb ber 
(Epuna benFen, ber Befchüfcerin ber Maultiere, (Efel unb pferbe. 

(Eine ältere £xa\\ reitet, rechts fit$enb, bie ^iifte auf einem Brett ober Schemel, auf einem 
rechtshin im paftgang fchreitenben pferbe; ihre €infe faftt bie gügel, bie Kechte hält eine 
Schale ober ein Körbchen. Anberstuo fiftt ober fteht bie (ßöttin 3mifchen pferben, bie fie 
pflegt ober ftreichelt, ober fie füttert, mie in Stettfelb reitenb, pferbe unb füllen, bie pon 
rechts unb linfs 3U ihr Fommen (Brege^; Ejaug, Bonner 3 a hrb. 99). fjaartracht, Kleibung, 
^uftbrett — alles gallifch. Dementfprechenb finben fich biefe Denfmäler meift im gallifchen 
eßebiet, menn auch Solbaten bie pferbegöttin meit bariiber hinaus perehrt höben. Pon ben 
runb ioo tuieber entbeeftert finb 5 allein in unferm Fleinen Be3irf gefunben, aufter in Stettfelb in 
tDiesloch, Ubftabt, Biichig (A. Bretten) unb Königsbach (A. Durlach; hier, mo ber Stein noch in 
ber Auftenmauer ber Kirche ftecFt, mürbe bie Keiterin bis ins 19. 3 ahrhunbert pon ben (Ein- 
heimifchen als hl. Dorothee be3eichnet). Auf ben römifchen Straften, bie menig Kiidficht auf 
bas (ßelänbe nahmen, mären piel Steigungen 3U iiberminben (manche perbienten gemift ben 
Kamen (Efelfchinber ober Kniebis); fo permenbete man piel mehr Saumtiere als Magen. Be¬ 
greiflich, öaft bie dreiber unb Fuhrleute in ben Kifchen ber Ställe ober über ben Krippen 3ur 
(ßöttin um bie (Erhaltung ihrer (Eiere flehten, ihr Bilb befragten unb ihr Meihraud} unb (ße- 
treibeFörner opferten. Auch bie anberen Kefte pon 3 n f c ^ r ^f te ^t unb Bilbmerfen (um bie Be» 
mahrung pon nicht menigen hat fich Pfarrer Stratthaus in Stettfelb perbient gemacht) meifen 
auf gallifche (ßottesperehrung, bie Diana Abnoba (A. ift ber Feltifche Karne bes Schmar3malbs), 
ber MerFurius (Eiffonius, bie Matronen in Keibenftein. Unb bie gefchuppte Säule in Stett¬ 
felb gehört fo gut mie ber Piergötterftein in ber Kirche 3U Stein bei Bretten 3U einer 3 ^piter- 
unb (ßigantenfäule, mie fie bereits über 250 mal 3mifchen Kecfar unb Klaas feftgefteüt finb. 
Kimmt man nun hin3U, baft eine Un3ahl pon *$unben auf regen PerFehr über ben Khein hin- 
meift (bie beffere donmare ftammt faft gan3 pon bort; eine ITlenge pon (Eöpfernamen auf ben 
Bilberfchüffeln, Apitus, derialis, 3 uoenis, Magio, Sebatus, (Easgillus finb tn ben döpfereien 
pon Khein3abern bei Speyer 3uhaufe; ber noch unerflärte Stempel LPL in Stettfelb, EDeiher, 
Ubftabt unb Karlsborf gehört ebenborthin), fo mirb man mit uns glauben, baft (ßa liier 
ben fjauptteil ber Beoölferung ausmachten, abgefehen pon ben Solbaten, bie aus bem 
gan3en Kömerreich gefommen fein mochten. 3 ^ ncn gefeilten fich ja 3uerft MarFetenber, EDirte 
3ugleich unb fjänbler (pon caupo Schenfmirt unfer XDort faufen); bann Famen ^anbmerFer 
unb (ßroftFaufleute; 3uleftt übermog bie gahl ber bauernb Anfäffigen, ber Siebter, ^aft in 
jebem alten ©rt unferes (ßebiets finb römifche ^unbftücfe erhoben morben, Klüsen, donmaren 
unb (ßefäfte aller Art, geringe Scherben unb jene Stücfe aus rotglafiertem, mie Siegellacf glän* 
3enbem don, bie nach ben bUblichen Darftellungen terra sigillata giften unb in ihrem färben* 

Kraichgau; Stocfer, Bruchfal, 3urüd) pon ED. Schnarrenberger in 3mei Bruchfaler (ßymnafial- 
Programmen 4898 unb 1902, pon (Ernft EDagner im 2. Bb. ber ^unbftättcn unb ^unbe in 
Baben I9U, in ben KunftbenFmälern pon Baben (VIII, [, Sinsheim, (Eppingen, IDiesloch, 
pon A. p. ©echelhäufer, IX, \ unb 2, Bretten unb Bruchfal, pon ^ans Kott). Unentbcbrlid? bas 
Babiuüe topograpipjcge lüörterPuch non Krieger, vtuw uno 3 etjt Oer kuiibjcbait im -r. Bert 
ber Abhanblungen 3ur babifchen fanbesFunbe: Der Kraichgau, pon *£r. Karlsruhe hi 4. 

Heimat. I—3 3 


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— 3 * — 



2 . Keller i*c» <ßut»bcf* im Kuf»«jrabcn bei ilbüatt 

(21 us i>em7 Penfmälerardjir brs Knb Canbesrmifeums) 


glan} bis beute nodj nicht mieber eqeugt merben fonnten, Hlübljteine, Riegel, bie oerfchiebenjten 
(Segcnftänbe aus Bronje unb c£ifen. IHauermerf ift mieberholt an mehreren Stätten eines 0rtes 
feftgeftellt morben, nahe ben alten Strafen ober Bachläufen, an fonnigen Rängen, nidjt meit oon 
einer (Quelle. 21lle genauen Beobadtfcr fprechen oon auffallenb gleichen 2ibftänben ber Kefte 
Iänblidn'r Uieberlaffungen, KeoeUio im Baarheft ber Babifchen Heimat gar oon einer oerbliiffen* 
ben Kegclmäfeigfeit ber (Entfernungen; er beifet bie 22ieberlaffungen Kriegerheimftättcn. Das 
pon ben l^ecrftrafcen burd^ogene £anb an ber 23eicbsgren3e mit feinen IDälbcrn, IDeiben unb 
liefern gehörte bem Kaifer, mar Domäne (saltus Caesaris), fchort um ber Verpflegung ber 
Gruppen millen; es ift fpäter, als ber £imes porgefchoben mürbe, permeffen unb in Kleinpacht 
gegeben ober ben Veteranen nach ber (Entlaffung 3ugemiefcn morben. 0b unfere (Segenb in 
ber ^olge bann einen befonöeren (Sau bilbete mit einer größeren 0rtfchaft als Vorort mic 
t'abenburg im 21orben, 23aben»23abcn, beffen Be3irf bis über pfo^eim reid^te, im Siiben, 
unb pielleicbt IDimpfen im 0ften, ift noch nicht 3U fagen, aud] nid}t, ob es nod) fo ein Dorf 
(vicus) mie Stettfelb, etroa bei IDieslod}, gegeben hat. . 

Dagegen barf man neben fetjr Dielen fleinen lanbmirtfchaftlichen Betrieben eine nicht 
unbeträchtliche 2ln3abl ron (Sutshöfen ober farmen annehmen. 21m friibeften ift mobl eine 
fold^c villa rustica bei Sinsheim ausgegraben morben, 1831 unter Defan K. IDilbcImi. Schumacher 
(IPeftbeutfche §eitf<hr. 15, Beuc E^eibelberger 3 a ri&- 8 ) 3äblte bereits ror 20 3 a hren mehr 
als ein Viertelbunbert auf; genauer unterfucht mürben bie Villen bei Königsbad) burch 
Bonnet ^9, bei IVöffingen (2) 93 unb Ubftabt 1908 burch IPagner, bei 0bergrombad) 19U burd> 
2?ott (fyms Kott, Die römifdjen Kuinen bei 0bergrontbach in Baben, Karlsruhe x912). 

IPas bie Stürme ber DölFernxmberung perfdjont batten, ift über bem Erbbobcn 
in anbertbalb Jahrtaufenbcn beftenfalls 311 Steinhaufen jufammengcfuuFen; oft haben 
Flurnamen bie Erinnerung an uraltes ITCauermcrf bemalet unb bie jorfcfyer aufmerf* 


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35 


fam gemacht (fjeunenäcfet Karlsbotf, Sdjelmenäcfcr Kronau, bjühnerbrünnle Sangen* 
brüten, fjeibenfern Hlingolsheim, Steinhaufen unb Hömerich ©bergrombach). Die 
Sanbmirtfchaft mar bei beit Körnern hodjentmicfelt; fte formten für ben Kblauf 6er 
Sädje un6 felbft für gute ,£elbmege; inmitten ihrer ©arten, ©etrcibcfelber unb IPeibcn 
mögen ftch bie ©utshöfe mit ihren Riegel* unb Schieferbachern gar ftattlich ausgenom* 
men haben, ©ine Klauet umfcHofj eine recht ausgebehntc Hnlagc. Durch eine Por- 
halle fam man ju ben mannigfachen Sauten bcs Ljcrretthaufes, bas non ben sahireichen 
IDirtfdjaftsgebäuben, Scheunen unb Ställen getrennt lag; auch bie Küche unb bas Sab 
mit feiner t}eifjlufthei3ung maren gefonbert aufgeführt. Hach äugen fdjön nerpufet 
hatten bie XDänbe bes IDohngebäubes im Innern ein gar farbenfrohes Kusfcben, nicht 
blog Streifen ober Sänber in rot, grün, gelb ober Hänfen, auch ;£rcsfen, mie 3. S. 
in IDöffingen: ein gebratenes fjuh»t in einer Schüffel, anbere Sögel, ^rüdjtc, ein Scbin- 
fcn. Km heften erhalten ift ber immer fehr forgfältig maffm gebaute Keller; meift 
gelangte man über eine lErcppc burdj ein fieinernes Cürgeftell in einen Porraum unb 
barnach in ben (3. S. in ©bergrombach 2 m) hohen, geräumigen, mit Ciditfcbädjten 
rerfehenen Keller; er mar genug ror allem Porratsraum (in IDöffingen fanben ftd) im 
Keller ber burdj Sranb 3crftörten Pilla 50 oollftänbige ©cfägc unb bie Hefte non mehr 
als 40 3erbrodjencn), aber bie Sorgfalt, mit ber er jcbesmal gebaut crfchcint, bie 
Hifdjen unb enblicb ber <Eifd> in ber ITlitte laffeu ncrniuten, bag ftdj in ihm bie 2 Ticn« 


fdjen öfters länger auf- 
gehalten hoben. IDic« 
berholt, fo bag man es 
als Hegel annehmen 
barf, mürben inmitten 
bes Kellers Hefte eines 
tEifdjes (Säule unb 
Cifdjplatte) angetrof* 
fen (am heften erhalten 
in KTörfdj (2l.€ttlm* 
gen). Der Cifdj ift faft 
immerauffallenb hodj; 
ob man in ben Kellern 
nicht nur moljnte unb 
arbeitete, fonbern auch 
©pf er barbradjte?Die 
2TIün$en unb bie (£r= 
Seugniffe ber Cöpfer 
laffen bie feiten erfen* 
nen, in benen bie ©e= 
bäube bemohnt ma= 



bei nWrfdf 


gehen fie gemöhnlidj 
nicht hinaus: bamals 
finbbieHlamannen 
ins Sanb eingefallen 
unb Sieger geblieben. 
Pieles,fehr meiesging 
in flammen auf, aber 
nicht alles, ©bmoljl 
fjeiben, maren bieHla« 
mannen nicht fo mie 
bie^ransofen bes aller« 
djriftlidjften Königs 
ober bie Polen non 
heute. Pon ben 5mei in 
IDöffingen unterfuefj« 
ten Pillen seigt bie eine 
feine Spur oon Sranb. 
— ©emig fonntc bas 
alantannifdje Polf bie 
römifdjenSteinbauten 
gar nicht gebrauchen; 


ren; über 260 ober 2 70 <jius bem DcnfmäitrardMD bcs sab. cembesmufeums) fie mohnten nodj in 


3* 


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— 56 — 

ijoljfyütten mit Strolj* ober Kotjröädjcrn; metjr Diehjüchter als 2 lderbauet fugten ftc 
bie Balje beslDaffers auf,um iljr Dich 511 tränfen,unb bert ©idjen walb, ber ifyre Schweine 
mäften follte. 2tber ftc tjaben bodj nidjt bloß römifdjc HTünjen als 2lnljänger benutzt 
(eine bur<djlodjte 2 TTünjc bes HTagnentius — um 350 — 00m fjalsfdjmucf einer 2 Ua» 
mannin in ©idjtersljeim, besgleicben ein Hiittelerj in einem Hlamanncngrab auf ber 
Heferoe in Brudjfal): in ben ©räbern bei ©idjtersfjcittt fanben ftdj ©cfäße, bie wie 
Hadjaljmungen non römifdjen erfdjeinen (IDagner, ^unbftätten, II S .339 i. 

EDot)l Ijaben otel Hörner uni» CSaUier iljr £eben im Kampf Iaffen müfjen, nidjt wenige, 
jumal bie rooljlbabenben, finb geflogen. EDas aber batte bie niebere Beoölferung ju perlieren, 
bie überall pon einem £ferm abijing? ©b in ber «Ebene (im «ßebirge barf man es tjic unb 
ba bereits faft für fidjet annetjmen) gefd(loffene Sieblungen con IDelfdjen geblieben finb 
(tDeiljer — 803 als IDilare im iorfdjer Kober genannt — fäme am ebejten in Betracht unb 
etipa nodj (IDal(l)borf), ift fraglidj. Dod] erbeutete grauen unb Kinber unb ben nieberen Sdjidi» 
ten Ungehörige haben fid} auch fonft ben neuen £jerren mannigfach nüt}Uch machen fönnen 
unb römifch-gaüifdje Kunftfertigfeit weiter geübt. 

Don neuem warb piel Körniges lebendig, als <£ljlo6trigs ^raufen (um 500 ) ftdj 
bie 2llamannen unterwarfen, war ihnen hoch feit ^afyrljunbertcn röntifdje Ccbcttsführung 
ipoljl befatmt. ©erabe im Hlilitärifchen piclfadj gelehrige Schüler ber Körner haben 
fte bie römifchen Strafen 5. C. inftanb gefegt unb erhalten (f)cer*t}erMDeg jwtfchcn 
2 llteburg=Karlsborf unb ^orft, bei XDeiljer; Klone, Urgefdjichte bes Bab. Canbcs ( 8 ^ 5 , 
I. S. 176). 2 luf römifdjen Strafen ftnb bie Hlönchc pott IDcißenburg $um Königs* 
bof Bruchfal gewanbert, ber ftdj in beren ZTälje pom Saalbachtal bie Ringe Ijinaufsog, 
wo jeßt bie Petersfirche fteljt, jweifcllos über römifchen Sieblungen (Hefte t>on min* 
beftens 2 Dillen, Karl Pfaff 1903 ), auf Hömerftraßen audj bie torfdjer 3U bem 
Dußettb Kraidjgaubörfer, wo fte ihrem Klofter reichen ©runbbefilj ernxtrben unb 
non wo aus fte bem ©hriftentum jum Siege per halfen. 3 n ihren Zluitterflöftern war 
bie Kberlieferung nie abgeriffen; nun haben ftc im beutfdjen €attb beit (3ufammenhaug 
mit ber Dcrgangenheit im TDirtfdjaftlidjen überall bewußt erneuert. 21 ber <£fel unb 
pferb, IHauh unb Saumtier brauchten nicht erft mit ihnen in ben Kraichgau 5U fom* 
men, fo gut wie Hußbaum, ZHispel unb Buchs por ihnen ba waren famt Kohl unb 
Kerbel, tinfen unb ZDicfcn. Die 5 un ^ t*>n Cjanbwerfsjeug unb ©eräten aller 2 lrt 
auf ber Saalburg im «Taunus unb anberswo haben nur beseitigt, was bie Spradje 
fchon lange porher ahnen ließ, baß bie Hamen pon Difch unb Schrein, Becher unb 
^lafdje, Sdjiiffel unb Pfanne, Kcffel unb IDanne, Korb unb Kifte früh niit ben Sadjen 
überttommen worben ftnb. ZTohl ift manches nodj unftdier unb buttfel. 2 lber jeber 
neue ^un6 fann eine €üde füllen unb uns weiter gehen unb fehett Iaffen. IDcr mit 
bem Boben ju tun hat, permag ba piel ju helfen, ber Canbmamt jimörberft, bann bie ©rün* 
röcfc im ^orft, bie IHanncti pom IDaffer* unb Straßenbau, fdjließlidj jeber IDanberer. 
3 nt 3 ammer unferer (Tage wädjft bei bett Hacbbeitflidjcu mehr unb mehr bie 2 tnteil* 
nähme an ber beutfehen Dcrgangenheit. TCer fidj ernftlidj mit ihr befchaftigt, fteht 
battf bet befferen ©rfenntnis bes ©eworbenen bie permorrene ©egenwart piel flarer 
»or fidy unb wirb mit neuem 2.1 tut bereit fein jum Dien ft für bie Babifdte f)eimat. 


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HbbilMunj \ 


£ur QtSaugefcßicßfe btt ßtctit Qßrucßfaf 

Ton Hornau ^fi^rich If ciligenthal, Öcrlitt-Balcnfcc 

y»glß®ie Hot ber (ßcgenmart tjat ben Sieblungsgebattfen crmccft. Die unbc= 
8j||Sgäßftimmte Seljnfudjt bes Volfcs nad? einer neuen, glücklichere feiten per- 
J#RR@ttjet^en6en H)irtfcbaftsform perbiebtete ftd? für Öen €injelnen 511 öem 
.IDunfcbe, in ein neues Verhältnis ju treten jum paterlänbifdjcn Hoben als Stätte feiner 
Arbeit uttb feines Gebens. Kllcnthalbcn regt es ftd> in beutfdjcn Sanben; bas bofye 
< 5 icl liegt flar por 2 lugen, aber bie IVcge ftnb bunfel unb bas ridttunggebenbe Vorbilb 
fehlt. ITir trollen cs nicht in fremben Säubern unb bei fremben Völkern fudjen, 
mir mollcn uns Hates l)olen in ber unerfdiöpflidi reichen Vergangenheit unfercr 
fjeimat. Dort finben mir (Scmeinmcfen, glcid} meit entfernt pou ber ©cbunbcnljcit 
rein länblidjer Verljältniffc mie pon ber Sosgelöftbcit unfercr <£>rofftäbte, bort treffen 
mir georbnete lüirtfdxiftsformen frei pon beit Kusmiicbfcn einer internationalen emig 
um bie 21 bfa^märftc friegenben Priratmirtfdjaft. Unfercr Huffaffung pon ben 
Pflichten bes fiinjelnen gegen bie Allgemeinheit cntfpredien jene alten aus gcrmaitifdicn 
Quellen gcfloffcncn Kccbtsformen unb unfer Sehnen ttadi einer großen, alle ^meige bes 
Sdiaffens untfaffenben Kulturform fcljen mir bort erfüllt burd> bie Eingabe jebes 
Sinjeluen an feine Arbeit. Die genoffenfdiaftlid) organifierten fünfte bähen Kauft 
merke gefdjaffen, rncldie ber gröfjcnmabu finnige lubiribnalismus bes 19. Jabrbunbcrts 
nicht einmal nad^uabmen revmodde. 


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58 


I. IB i r t f d} a f t unb S i c b c l u u g. 

Als ber (Drt Bruchfal in bie ©efdiicbte eintrat, lebten feine Bcmohner in bet fo* 
genannten gefdiloffencn bjausmirtfebaft, bas beißt, ber gefamte Bebarf einer ^amilic 
an Hahrungsmittelu, Kleibung unb ©eräteu mürbe im ifaufc felbft gemonnen; ein 
©üteraustaufdi fehlte beinah ganj. <£incn pöllig in fidi abgefdiloffenen IDirtfdiafts* 
bejirf bilbete audi ber Königshof ber ©Hotten, ben mir im fpäteren ZTiittelaltcr. unter 
ber Bejeidjnung Kammerhof mieberfinben. f?ier mar naturgemäß bie Arbeitsteilung 
meiter fortgefdiritten als im Ifaufc bes ©enteinfreien; bem Kämmerer unterftanben 
leibeigene t}anbmerfer, unb fronpfliditige fjübner übten neben ber Caubmirtfdiaft bc* 
flimmtc gernerbliebe Cätigfciten für ben tferrenbof aus. 

3 m ©egenfafe 3U beit großen Klofterfronböfen, mic etma Sauft ©allen, fdieint 
bei biefem Königshofe — mic aud} bei bem im 3 abre 980 ju Bruchfal ermähnten 
^ronljofe ber Abtei IBeigcnburg — ber Sebroerpunft ber gemerblidjen Bätigfcit nicht 
in bem tferrenljofe felbft, fonbern bei ben fronpfliebtigen bjübnern gelegen 3U haben. 
HHt finben nämlieh im Brudjfalcr ffanbmerf bes XHittelalters feiiterlei ©rganifations* 
formen, melehe auf eine IDeiterbilbung bes fjofhanbmerfes binbeuten. 

ZPäfjrenb fid? in Speyer feit ber ^reiung ber ffanbmerfer im 3ahre UU bie 
IDanblung 3ur Stabtmirtfehaft mit außerorbentlicher Hafebbeit polljog, löften fidj in 
Bruchfal bie I}ofreditsperbänbc nur laugfam. Bie ©ntmicflung mar h*cr getragen oon 
ben lanbmirtfdjaftlidj unb gemerblich tätigen ßübitcrn, mcldje außerhalb 

ihres grunbherrlidien Bienftperhältniffcs über ihre Arbeitsfraft perfügen fonnten. 3 h' ,en 
gelang es nach unb nach, ih r * hofrechtlichen Berpfliditungen burdi ©clb abjulöfcn. 

Ber ^ufammenfdjlug ber f7anbmcrfer erfolgte moljl junäd)ft in freien Bereinigun¬ 
gen auf religiöfer ©runblage; benn mir finben bie Brucbfaler ©eroerbe im fpäteren 
ZTCittelalter ohne Ausnahme in ber ^orm oon Bruberfdyiften organifiert. 5 ü r bie all* 
mählidic <£ntmidlung bes freien Ifanbmerfs, bes IHarftpcrfebrs unb bes ftäbtif.chen 
tebeus ift be3eid;>uenb, baß mir feincrlei ZTacbricbteu haben, mann unb mie biefc bfattb* 
mcrferbruberfdiaften fünfte gemorben fmb. Hodi im fpäteren Alittelaltcr treffen 
mir halbfreie unb freie f)anbmcrfer in Bruchfal uebeneinanber; Ateifter Sorenj bei* 
fpielsmeife, ber im 3ahre ben €icbfraueuchor erbaute, mar ein fjinterfaffe bes 
Bifdiofs. 3 m ©egenfat? 311 anbern Stabten mar ber 5 ujug ausmärtiger poriger, 
roelcbe ftdj ber Berpfliditungen gegen ihre ©runbherren entjiebeu mailten, gering; 
bie ftetige unb enge Abbängigfcit ber Stabt pom Canbesberrn unb ihre geringe Alacht* 
fülle perljinbcrte, baß Sigeuleute gegen ben IDillen ihrer Ivrrfcbaft als Bürger ange* 
nommen mürben. Ber 0 beigang 511 r Stabtmirtfdiaft polljog ftd> laugfam, getragen 
pon ben balbfreieu bjanbmerferu ber beimifdieu fiofreditsperbänbc, meldie ihre polle 
Freiheit burdi ihrer fjänbe Arbeit nadi unb nadi errangen. Biefes Bepölfcrungs* 
element mar nadi feiner Iferfunft gemahnt, fomobl lanbmirtfdviftlidi als gemerblicb 
tätig 311 fein. Bie erfteu Brucbfaler Bürger trieben nidit nur ©artenbau unb Bieb- 
3udjt neben ihrem ©emerbe, fie batten nidit nur Anteil au IBalb unb ITeibe mie 
überall im Auttelalter, fonbern fie mibmeten fidi audi im befdiräuften Umfange bem 
Zider* unb ZTeinbau. Biete glüdlidv Aiifdnmg in ber ixintierung ihrer Bemobuer 


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hat 6er Stabt bas ©epräge gegeben, roeldtc um bie IDenbe bes \ 2 . ^aijrljunbcrts 
Swifdten Ungelbach unb Saalbad) entftanb, getrennt r>on 6er rein länblicben Sieblung 
auf 6er Sü6feite 6es #uffes. 

IPir haben feinerlet Urfuit6cn über 6ic ©rünbung 6er Sta6t Brucbfal; bas eitrige 
Deitfmal, 6as uns Kücffd)lüffe auf 6ie erfte Anlage 6es ©rtes geftattet, ift ihre ©runb» 
flücfscinteilung. IDäbrenb im weltlichen Dicrtel 6er Ultftabt, wo grofje fjöfe über¬ 
zogen, wenige djaraftcriftifcbe Spuren ju finbett ftn6 un6 wäbrenb 6ie Stabtmitte burd) 
6en Hcubau 6er CiebfrauenFirdje un6 burd) Blarftplatterweiterungen wefentlicb per 
än6ert erfcbeint, seigt 6ie Einteilung 6er öftlidjcn Ultftabt fyeute nod) 6as frühmittel¬ 
alterliche ©epräge. Die ©runbftüde an 6er alten Blarftftrafie ftn6 Ijier burd)wcg 
H —15 Dieter breit, wo mir Fleinere ©runbftüde finben, ergibt itjrc Breite mit 6er 
6es Hadibargrunbftüdcs jufamjnen ebenfalls ^—\5 Bieter. Diefe rocnigen fdimaleu 
©runbftüde fm6 alfo burd) nacbträglidte Unterteilung 6er alten Patellen cntftanbcn. 
Die urfprünglidje Breite 6er ©runbftüde bat unjzeifelbaft 50 Steyrer Schub betragen, 
6ie Ciefe run6 100 Speyrer Scbub- Ulle ©runbftüde gingen pon 6cr Blarftgaffe nach 
tyntergaffen burd); wäbrenb 6ie nörblidje bjintergaffe am Dorbof 6er Bifdjofsburg 
entlang lief, mar 6ie fübliche, 6ie Ijeutige „Ulte Strafe" mit ©ebäuben befetet, 6eren 
liefe an 6ie Krottbad) fließen. Die urfprünglid)e Sie6elung, fpäter erfter (Teil 6er Stabt 
genannt, reichte nur bis 3ur Krottbad); bas im Dolfsmuttbe „Babnfdritten" genannte 
baus ftebt offenbar auf einet Ubfcblufjmauer gegen 6ie Krottbad). 

Diefe alte Stabtanlage mar ebenfo einfach wie praftifd). Bciberfeits 6er erbrei* 
lertcn £anbftrafje pon Bretten nach Speyer, welche 6em BTarftperfebr biente, ftanben 
6ie für (bewerbe unb IDobnung beftimmteu bäufer, wäbrenb 6ie 3ugebörigcn Stallungen 
unb Sd'eunen an 6cn £)intergaffen lagen. Das Blaf pon 50 311 100 Sd)uh für ftäbtifd)e 
©runbftüde würbe übrigens fd)on bei 6er ©rünbung pon 5 re ihu c S im 3 a b rc 1120 
unb pon Diebenbofen im 3 abre U 72 perwanbt; es fd?eint ein in Sü6weftbeutfd)lan6 
gebräud)licbes Blafj gewefen 5U fein. 

,^iir eine Stabt balblänblid)en Ebarafters wie Brucbfal war bie gewählte Par- 
Sellengröftc febr 3wedmäf?ig. Sie würbe übrigens burebaus nicht fchematifd) ange- 
wanbt; beim bie 3 u ben, welche feine £anbwirtfd)aft betreiben fonnten unb auch in 
ber Diebbai lang befebränft waren, weil fte feinen Unteil am ©cmeinbelanb batten, er¬ 
hielten bebeutenb fleinere Parjcllen 3ugewiefen. Die alte 3 u ^ en 9 a ffe (Hathausftrafjc) 
3eigt baber beute noch bjausgrunbftücfe, weld)c nur ben notwenbigften bjofrattm auf¬ 
weifen. 

Die Bebauung bes sweiten Ccils ber Stabt f üblid) ber Krottbad) fällt in eine ^eit 
ber cnttridelten Stabtwirtfd)aft; bie Urbcitstcilung war weiter fortgefebritten, mand)e 
Einwohner lebten nun ausfchliefjlid) Pom ©emerbc. Die Par3ellen Oicfes Stabtteils 
würben ben peränberten wirtfd)aftlid)cn Derbältniffen entfpredicnb um etwa ein Diertel 
fleiner gehalten als im erften Ceil ber Stabt; Cjiittcrgaffcn anirbcti hier überhaupt 
ttid)t angelegt, w : r finben hier burd)weg bie entmicfelte ftäbtifdje Blocfform, jebes 
©runbftiid ift nur pon einer Strafte 3ugänglid>. 


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— *0 - 


Bei ber Kleinheit ber Käufer mar i>ic Bebauung aber trofcbcm felir weiträumig, 
öfter werben ©arten am Krottbach erwähnt, im iüeftcn fdüojj bie Stabtmauer bie 
feljr ausgebcbutcit ©arten ber fyier gelegenen Ubelsliöfe ein. IDer innerhalb ber Ulauer 
feinen plafc fanb, fdjuf ftch not bem Core eine Parzelle in ©artcnlanb um. Uuf 
allen allerbings fpäteren feiten angehörenben planen ift bie Stabt Brudtfal pott einem 
Kranze fdton angelegter ©arten umgeben. 

ZDir (eben in ben Bruchfaler Ziieberlaffungen bes Ulittelaltcrs 3öcctle verwirf* 
lidit, welche uns im neunzehnten 3atjrt?unbcrt abhanben gefommen ftnb unb mcldx' 
im jUHinjigflen 3 a h r b un öcrt bie ©artenftabtbewegung wieber aufgegriffen tjat. Hein 
länblidje, balblänblidje unb rein gewerbliche Cätigfeit mit ©arteubau unb (Tierhaltung 
für ben Cigeubebarf waren hier in glücflicbcr ZDeife pereinigt. Die Xfiöglidifeit einer 
berartigen natiirlidien unb h<*nnonifdien Lebensform war gegeben burch bie (Drbnung 
ber gemerblid?ctt Probuftion auf geuoffenfcbaftlicber ©ruitblage. 211 s bie fünfte bie 
Biirgfd^aft für bie Qualität ber ^anbwerfserjeugniffe übernahmen, machten fte ein 
gegenfeitiges Unterbieten ber ^unftgenoffen unmöglich; fte fidvrtcn fo bem (Einzelnen 
ben freien Lebensraum unb gaben zugleich bem firmerbstricb ben ebclften 3 n h a 'b 
nämlich bas Streben nach qualifizierter Lciftung. 

Das ftcbjehnte unb ad?tzebnte 3 a h r h un öert hnt in IPirtfduift unb Sicbelung nur 
wenige IDanblungen für Brudtfal gebradit. Die ^ufammenfaffuttg ber Stabtwirt* 
fdxifteit zur Staatsmirtfdxift, weldx bie Lanbesberrcn erftrebten, fotnitc in ben flcinen 
(Territorien nicht gelingen. Die £Sausmachtpolitif ber dürften batte bie alten um bie 
A'lüffc als natürliche (Transportwege gruppierten Stammesberzogtümer zerriffen, fo baf; 
bie weiften (Territorien ber nati'irlidxn Dcrfebrsmittel entbehrten. So blieb benn 
ber Uustaufch ber einzelnen Stabt mit bem nächftgclcgenen Lanbgebiet wie im Ulittel- 
alter bie ©runblagc aller Cätigfeit; bie ragenben Denfmalc bes UTcrfantilismus in 
Brudtfal, bie Saline unb bie Cabaffabrif, ftnb Symbole einer IDirtfdxiftspolitif, bie 
•um Scheitern pcrurteilt war, weil ihr alle Dorausfctjungen fehlten. Sieblungstcchnifdi 
hat bas achtzehnte 3 a h r h un öert bas <£rbc bes Ulittelaltcrs übernommen unb ge¬ 
pflegt. Uls Beifpiel einer länblühen Sicbelung fei bas pöllig erhaltene Dorf Hutten¬ 
heim erwähnt, als Beifpiel ftäbtifcher Sieblungswcifc bie Huttcnftrafic in Brudtfal, 
eine Uttlagc behäbiger zmeigefchoffigcr Ueibenlxiufer mit fdxMtcn terraffenförmig am 
Steinsberg aufgebauten ©ärten. 

II. Die B a u f u it ft bes UI i 11 e l a 11 e r s 

Die mittelalterlidien IDobubautcu bes Brubrains würben wie überall in Holz auf* 
geführt, xpäbrenb bie IDebrbauten unb bie Ulonumentalbautcn in Kalfbrudtfleitten tnit 
Urdiitefturgliebern aus Keuperfanbfleineu bergeftellt würben. Da in einem Sonber- 
abfdntitt biefes Heftes bie ^fadurerflxiufer in Sppiitgen befprodvtt werben, erübrigt 
es ffcb, auf ben Holzbau, ber in Brudifal nur wenige Denfmalc zählt, einzugehen. 

Unter bett Brud-falcr ZDebrbauten beanfpritdü bie alte Burg ber Bifdvfe unb 
ber UTauergiirtcl ber Stabt unfer 3 n lereffc. Burg unb Umwallung ber Bifdyfsftabt 
haben bas gleidv Sdncffal geteilt, Entftauöen um bie IVenbe bes zwölften 3 obrbun 
berts unb fte in ber elften iSälftc bes pierzehnten 3dbrbunberts zerttört unb nadi t> 


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mieber aufgebaut moröen; 6er Uus» 
bau 50g ftd) bis jur Ulitte 6es fünf» 
jeijnten 3af?rl?un6erts bin. 

Um f f 80 begann Bifdjof Ulrid) 
mit 6er Unlage einer IPafferburg am 
Ungelbad) gegenüber 6em Steinsberg. 

Der Bau mar mit großen Koftcn per» 
fitüpft, 6ie mof)I auf umfangreidje 
©rünbungsarbeiten in 6cm fumpfigen 
(Selänbe jurüefjuführen ftn6. lüegen 
6er Schmierigfeiten 6er ^unbierung 
unterließ man anfd)cinenb aud) 6ie 
Erridjtung eines Berd)fricts un6 be* 
gaügte ftd> mit 6em Bau eines matjr» 
fd^einlid) breigefdjoffigen feften Kau¬ 
fes mit ummehrtem ijofe. Un 6iefc 
IPafferburg fd)lojj ftd) 6ie ältefte 
Stabtummallung an, 6ie mahrfcbeiit»» 
lid? nur 6as (ßelänbe bis jur Krott» 
bad) cinfd)lofj un6 feinen 6urd)lau= 
fen6en ^mittger befafj. Ubgefchen 
pon 6en Befeftigungcn 6er bei6en 
Pore mareit mol)l feine < 3 mifd)cnmerfe oorhanbett. — Der Heubau 6er Burg in 
6er jtpeiten I)älfte 6es pier jehnten 3 abrbuit 6 erts begann mit 6ent Bau eines Bcrd)» 
friets un6 einer Sd)ilbmauer an 6er Uujjenfcite, eine Kingmauer mit Porturm 
mur6e au 6er Sta6tfeitc angefügt. Ulit 6er <£rrid)tung eines Palas, 6er bequemere 
ilnterfunft bot als 6as alte f)aus, tpur6c im 15 . 3 a h r h uu & cl 't begonnen, 6er Uus* 
bau fällt aber erft in 6ie jrneite £jälfte 6es fed^etjnten 3ahU)unberts. 

Per Berd)friet un6 6ie anfd;lief?enbe Sd?ilbmauer 6ecften 6as Sd)lofj gegen 6cn am 
Ilorbufcr 6es Ungclbadis jät) anfteigenben f)ang 6cs Steinsberges. Pie (f)cläu6ege* 
ftaltung bebingte eine fo grofje f)öfje 6er Sdnlbmauer, 6a§ bas pon ihrem IDebrgang 
aus jugänglicbe <Sefd)ofj 6es Purmes in fd Bieter f)öbc über 6ic heutige Palfol)lc 311 
liegen fam. Um nicht 511 picl Kaum unter 6em <£ingangsgefd)oj? ju perliereu, mid) 
man poit 6er üblichen Unlagc 6es Berliefes in ganzer fjöhe ab uitb legte ein ^ipifcbcu* 
gcfd)ofj jirifd^eu Perliefj uitb Eingangshalle, bas natürlich nur pon oben jugänglid) 
mar. Uber 6em Eingangsgefcbojj befanb ftd) nod) ein meitcrer Kaum, 6er burd) 6ie 
irebrplatte abgefdiloffen mürbe. 

Per Berdifriet unb 6er palas 6es feebjehnten 3 a h r h un ^ cr ^ 5 beftebeu in ihren 
mef entliehen Peilen beute noch, ebenfo ift 6er Burgjminger mit 6cn Prcnnungsmaueru 
gegen bett Stabtjminger erhalten, 6er einft 6ic IPaffcrjuführung pont Ungelbad) 511m 
Sdilojjgrabett fieberte. (Ubb. 2.) 



nt>t>. 2 


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42 


Diefe IDerfe bildeten Öen Kern öcr 5weiten Brudifaler Stabtbcfeftigung. 

Als man zu Enbe öes vierzehnten 3 J h r hunberts mit öem Bcubau öer Stabt- 
maucr begann, hatte fid? öas ältere Befeftigungsfyftem, öas wir noch in öer Um* 
wallung öes Stäbtcbens ffcibelsbeim unö in öer Hiugmauer öes Klofters (Döettbeim 
fiitöen, überlebt. Dicfes ältere Svftcm war baburdi diarafteriftert, baß öie Blauet un¬ 
mittelbar hinter öem (Staben errichtet wuröe unö baß in großen Swifdienräumen nach 
Art öer Bercbfriete gebaute Dlauertürmc als felbftänöigc Rettungen ohne Perbinöung 
mit öem tDefyrgang in öie Hingmauer eingefügt waren. Der Diebsturm unö öer Kabeu- 
turm in fyiöelsljcim, ftarfe, nur burd? hochgelegene Eingangsgefchoffe 3Ugänglidv 
Kunötürme zeigen öiefen Cyp. Der tDebrgang öer Blauer war am Kabenturm unter¬ 
brochen, am Diebsturm aber auf Konfolen umführt. 3 n öiefer Umführung liegt öcr 
Anfang öer organifdjen Perbinöung non DIauer unö Curm, welche ftd? zu Enbe öes 
vierzehnten 3 a h r hunöerts hetausbilbete. Das neue Befeftigungsfyftem fügte 3wifcben 
DIauer unö (Stäben einen Zwinger ein, um öie Annäherung an öie DIauer zu er* 
fchweren unö ftellte öie Cürme fo öidit, baß fte öie einzelnen DIauerabfchnitte flau* 
fierten. 3 ” großen Stäöten wie Dürnberg ftanöen fte etwa 50 Dieter auseinanöer, 
fo baß öie Swifcbenräume D on Öen Armbruftfcbüßen beiöer Cürme betrieben werben 
fonnten, in anöem (Semeinöen begnügte man ftcb mit einfeitiger ^lanfierung unö 
orönete öie Cürme in Abftänöen von 80 —90 Dieter an. Der einzelne lurm bilöete 
nun feine felbftänöige ^eftung mehr, öer XDehrgang öer Staötmauer wuröe öurchgeführt. 

©ffenbar war beabftebtigt, öcr Staöt Brucbfal ein öerartiges Befeftigungsfyftem 
Zu geben. Der Curm am Einfluffe öer Krottbach in öie Staöt wuröe entfpredienb an¬ 
gelegt unö beiöerfeits mit öem IDehrgange verbunben, öcr hier auf Pcrftärfungs- 
pfeilern öcr Hingmauer ruhte. (Ein neun Dieter breiter Sämiger mit fteingeböfchtem 
(Srabeit wuröe vor öie DIauer gelegt. 

Beim IDeitcrbau mußte man aber von öiefem Syftem erheblich abweidien, weil 
öie Koften für öie Staöt unerfdjwinglid) würben. Der Swinger fam zwar überall 
Zur Durchführung, öie DIauer wuröe aber an öer IDeftfcite erheblich nieöriger gebaut, 
erhielt feine Perftärfungspfeilcr, fonöern nur eine ziemlich primitive f^olzfonftruftion 
Zur Aufnahme öes tDebrgangs. Die Cürme mußten fo weit auseinanöergelcgt wer¬ 
ben, öaß weite Streben öer Befcfligung feine ^lanfenöecfung erhalten fonnten. Ein- 
fdiließlidi öes Berchfricts unö öcr beiben Staöttore famen z«h" (Oirme im S l, ge ber 
elfbunöert Dieter langen DIauer zur Ausführung, öie öurchfdinittlidie Entfernung 
betrug alfo cinhunöertzehn Dieter, was für öie Heicbmcite öer Armbruft unö öcr erften 
Feuerwaffen zu weit war. An Stellen, wo öie DIauer nur geringe fjöbe hatte, mußte 
mau überöies auf öie Perbinöung von DDebrgaug unö (Turm verzichten, fo öaß fdiließ- 
lidi ein Befeftigungsfyftem zuftanöc fam, öas nur öie Pachteile, nidit öie Porteile öer 
neuen DIanier zeigte. 

Der zulebt errichtete DIaucrturm, öer einzige, öer beute noch beftebt, ift öer 1 ^44 
erbaute Pulverturm. Er war nad> öer Staötfcite offen, befaß aber Feine Perbinöung 
mit öem JDchrgang. Er fonnte baber weöer als felbftänöiges Bollwerf noch als 
FlanFierungsiverf öer DIauer bienen. Darb öer Auorönung feiner Sdueßfdxirten, 


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43 


melcbe bereits Öen (Einfluß bet ,£euermaffen seigen, mar er nur für öie Bcftreicbung 
öes Dorlanbes beftimmt. 0ffenbar batte man öie bjoffnung aufgegeben, einen 
öer Öen (Sraben genommen batte, am ^u§e öer Blauer uodi aufbalten ju fönnen. 

Blan fann ftd) ferner Dorfteilen, melcbe Blüben unö Sorgen öer Blauerbau öem 
Bäte öer Staöt bereitete. Da öer Eingang öer für öie tüerfc beflimmten Steuern unö 
Strafgelöer felir unregelmäßig mar, fonnten nur menige Brbeitsfräfte bauernö bc* 
febäftigt meröen. Blaurer maren in Öen Keinen Stäötcn überöies nicht sablreidi; öer 
l^oljbau übcrrrog öerart, baß 5 —6 ^immerrnciftec neben einem Blaurermeifter ibr 
Busfommeit fanöen. Bei öem großen Blangel an (ßelö mie an tedinifdien Brbeits* 
fräften fann es nicht munöernebmen, öaß öer Bau öer IPerfc beinahe 100 3 at? re in 
Bnfprudi nahm unö öaß öie Bnlagen ueralteten, ehe fic uollcnöet maren. 

Bis öie Staöt Brucbfal ihren Blauergürtcl fertiggcftellt batte, begann man mit 
öem Zleubau öer Siebfrauenfirdie. Cs erging aber bei öiefem Unternehmen äbnlidj 
mie beim Bau öer Befeftigung; man fing öas U)crf großartiger an, als man es fort* 
feben fonntc. 

Die typifd?e gotifebe Kirche öes Bruhrains beftanb aus einem polygonal abgefdßof* 
fenen Chor im Busmaße dou etma 7 3 U 9 Bieter, öer mit Kreuj* oöer Zleßgcmölben 
geöedt mar. Die einfach profilierten (ßemölberippett ruhten auf Konfolen mit ZDappen 
oöer Köpfen als bilbnerifdiem Scbmucf. Bas Sangbaus irar ftets einfehiffig, flad) ge¬ 
best unö hatte annähemö öas öoppclte Breitenmaß als Sänge. Ber quabratifdie 
Curm fchließlidj trug meift eine aditecfige ©locfenftube mit hohem fpißem fjelm. 

Bie größte ältere Kird>e öes Bruhrains St. Peter 5U Brudifal midi nur in öer 
(Brößc, nicht in öer ^ortn Don öiefem Cyp ab; öer Chor erreichte hier öas ftattlidie 
Blaß non 8,5 311 14 Bieter. Zlirgenbs im Brubrain finöen mir aus älterer «Seit 
mehrfebiffige Kirdien, nirgenös ein gemölbtes Sanghaus. Cs bcöeutete öaher ein 
großes XDagnis, öaß man beim Zleubau öer Siebfrauenfircbe in Brucbfal über öie 
Blaße öer St. Petersfirdje hinausging unö einen Chor Don 10,6 3U { 7,6 Bieter plante, 
es bcöeutete ein nodj riel größeres ZDagnis, öaß man beabftebtigte, öiefem Chor ein 
cntfpredienbes Sanghaus mit örei gemölbten Schiffen ait3ufügen. Bcöcnft man, öaß 
manche Borne mie St. Stephan in IDien Peine größere Breite im Chor unö bjauptfdiiff 
aufmeifen, fo erfennt man, rocld;c Seiffung ftcb öas flcine Sanbftäbtdien jutraute. 

Catfädjlid} fonnte nur öer Chor um öie ZTlitte öes f 5 . 3abrhunöcrts in Öen ge* 
planten Bbmcffungen errichtet meröen. Bis man gegen 1480 mit öem Bau öes Sang* 
baufcs begann, mußte ein mefentlidi ucreinfachtes Projcft 3ugrunöe gelegt meröen. Bas 
Zllittelfdiiff erhielt nicht öie Breite öes Chores, fonöern muröc auf 7 Bieter eilige* 
fdiränft, öie Seitenfdiiffe auf 3,5 ZTleter. 0 bne öie einbejogenen Ztifcben ^mifdvn Öen 
Strebepfeilern hätte öas Sanghaus mit örei gemölbten Sdiiffen faum öie (ßrunöfläd’c 
öer einfdiiffigen fladi geöecften St. Petersfirdie erreidit. Bm öen Bnfdiluß an Öen 
hohen Chor 3U crmöglidien, mußte öas ZHittelfcbiff überöies 3 Bieter höher geführt 
meröen als öie Seitenfdiiffe, moruntcr öie Cinbeitlidifeit öes IDerfes litt. 

Blle öiefe Utmollfommenheiten uergißt man aber über öer malerifdvn Kaum- 
iDirfung. Cine rbytbinifcbc ©lieöeruitg in ^nebelt uuö ZIifdien, in große uuö Fleine 


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^enfter belebt bie Seiten^ 
wänbe immer neue UTotine 
erfd)cincn in bem fünftlich 
gefdflungenen Het* ber ©e- 
wölbe. Um bie.lHaßwerfga= 
lerien fpielt bie Sonne, licht* 
umflutet ragen bie niafßgen 
Pfeiler, wäljrenb bie©ewöl> 
bc bes bofjen UTittelfchiffs 
fleh in gefjeimniSDoIIerDäm« 
merung perlieren. Durch 
wechfelnbe Durdjblirfc wirb 
ber Befucfyer über bie geringe 
©röße bes Langflaufes I)in* 
weggetäufdü, fo baß er ben 
großen Kaumeinbrurf bes 
(£ljores als organifd^e^ort- 
fetnmg tflnnimmt. IDefent*- 
lieb trägt tjierju allerbings 
ber feinfühlig eingeglieberte 
Kofofoaltar bei, ber bie 
ftrenge^cierlichfeit bes (Th or ‘ 
raumes milbert unb bie 
gefühlsmäßige Perbinbuttg 
mit bem malerifdien Lang¬ 
haus erleichtert. 2lud) bas 
Üußere ber Liebfrauenfirdie 
ift burd) bie Perbinbung non Spätgotif unb Barorf charafteriflert. Die bem <Tb° r 
gegenüber unbebeutenbe ©rfdieinung bes Langhaufes ift gef dürft perberft burd) bie 
gemaltig gefteigerte JDirfung bes (Turmes, ben eine reid) geglieberte i}aube frönt 
(Kbb. 3 ). Befottbers unid)tig erfd>eint bas (Turntbilb Poit ber Kögelgaffe aus, wo 
oorgclagerte niebrige Bauten bie ©röße bes IPerfes ttod> 511 fteigern feheinen. 

III. Henaiffance unb Bar0rf 

Das Blittelaltcr fannte bas IDort Kunft in unferm Sinne nicht. KUe frjeug* 
itiffc ber ffanbfcrtigfeit würben lebiglid) barnach beurteilt, ob fic „banbwcrfsgeredfl" 
waren ober nid>t; bie ©runblage ber Beurteilung ruhte alfo ausfdflicßlid) in ber burd) 
bie < 3 unft perförperten franbmerfstrabition, ein ©egenfate pon Kunft unb Tcdjnif 
war baher unmöglich. Die IPcrfe bes Uiittelaltcrs flnb im höchften ©rabe material* 
unb formecht. Uns ben pcrfügbaren Ulaterialien unb TDerfjeugcn würbe licrausgc* 
holt, was heraus^uholeu war; fein frember ©ebanfe unb feine porgefaßte UTcinung 


•- 



Jlbb. 3 


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— 45 - 


würbe in bie IDcrfe hineingetragen, it?r IHafjfiab trat ein abfoluter. <£rft um bic 2Tcitte 
bes 16 . 3al7rt)un6erts bereitete ftd) eine Hnberung per unb 3war sunäd)ft in ben Ge¬ 
werben, welche mit ber Husftattung ber Sauten betraut waren unb welche in biefer 
< 3 eit pielfad) nach italienifdjen ©rnamentftiehen arbeiteten. Die im 3 ahrc 1576 er* 
laffene ©rbnung ber Schreiner 3U Brud)fal ift ein intereffantes Dofumcttt biefer Uber» 
gaitgs3eit. 2 Dät)renb bie mittelalterlichen ^uitftorbnungen feinerlei Angaben ober Dor* 
fchriften über bie ted)infd)*fünftlerifche Seite bes ffanbwerfs enthielten, fpridjt biefe Ur* 
funbe oon ber „rechten proporj bes bfobel unb theilung", worunter unjweifelfjaft bie 
Hnwenbuttg bes Derhältnismajjftabes ber Henaiffattce ju perftehen ift. Es folltc aller» 
bings noch ein 3ahrhunbert bauern, bis biefer IHagftab ftch in ber Huffcnarchitcftur 
burchfehte. 

Die ftüiftifchen unb ftäbtebaulichen IDanblungen pom 15 . bis 311m 18 . 3 a h r h un ' 
bert laffen ftd) an einigen Bruchfaler Baubettfmalen fetjr gut perfolgen. 

Das gotifche Stabthaus bes Bruhrains war ein Giebelhaus, gleichgültig, ob es 
ftd? um ben fdjlichten fad)werfsbau eines £)anbWerfers ober um ein mafftpes bjerren» 
haus f)att6clte. Derartige fdjmale ^act)n?crf$iebcl ftehen noch in ber Hathausgaffe, 
währenb ein Steinhaus mit gotifchen fenftern unter leiber permauertem «Ereppengicbel 
im fogenannten „Cempcl" erhalten ift. 

Gin größeres IDerf bes 16 . 3 ahrhunberts, ber „b)oheneggerhof" jeigt uns, wie 
wenige IDanblungen bie Henaiffance sunächft noch im ©rganismus ber Gebäube per* 
urfachte, auch biefes umfangreiche Bauwerf war ein Giebelhaus mit angebautem 
Creppcnturm. Die heute ausgebrochenen Pfoftenfenfter, bie gefd) weiften Giebel unb 
bie Rauben auf Ercppenturm unb Grferootbau fieberten bem ftaufe eine flattliche IDir* 
futtg. ( 2 Ibb. 4.) Das portal pon 1552 3eigt reiche Henaiffanceformcn, bie im Gegen) a£ 
5U einem noch gan5 willfürlid) beforierten IDappen aus ben breijjiger 3 ahrcn, bas wohl 
aus bem alten Schlöffe ftammt, ftarf hori3ontal geglicbert ftnb Der Palas ber Bi* 
fchofsburg, beffen ©bergcfchofj ebenfalls biefer < 3 eit angchört, ift in feiner Dadiform 
fo peränbert, bafj feine ftdjeren Hüdfchlüffe auf bie ursprüngliche Grfcheinung möglid) 
ftnb. Das f)ot)eneggerhaus unb biefer Palas fdjeinen nad) alten plätten in ihrer 
innern (Einteilung jiemlich ähnlich gewefen su fein. Das Erbgefchofi beiber Gebäube 
enthielt Küche, Keller unb Dorratsräume, währettb im ©bergefdjofj bie IDobnräume 
an einem breiten, bie gan3e Hiicffeite einnehmenben Korribore lagen. 

Das Giebelhaus gab ben Brudifalcr Strafen unb Plänen im 16 . 3 ahrhunbcrt 
cbenfo bas Gepräge wie im ZTIittelalter; bie Hcnaiffanccformen trugen nur ba3u bei, 
bas Stabtbilb ttod) malerifcher 31t geftaltcn. Die ßäufer ftanben ftrafjenweifc Giebel 
neben Giebel, burd} 3 Sdjutj breite Craufgaffcn getrennt, bie Ecfgcbäube entwicfelten 
ftch in gleichen formen auf einfach red)tecfigem Gruttbriffe unb fehrten einer Strafe 
ben Giebel, ber Ztebcngaffe meift bie Craufc 3U. Core, ZTlaucrtürme fowic firchliche 
unb profane ZRonumentalbauten fehl offen bie burd) Brunnen belebten Straffen wir* 
fungspoll ab. 

Hach ber erften großen ^erftörung Bruchfals im 3 uh*'e 1676 erlief Bifchof 
ßugo pon ©rsbeef eine Bauorbnung, in welcher bas Uber bauen unb bie Zlitlage pon 


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— *6 - 


SrF ent perboten murbe.Piefe 
0rbnung ift bas crftc DenF* 
mal bes neuen <3eitgc= 
febmaefs, fte ift auch ber erfte 
Pcrf ud? einerlvegelung äfthe- 
tifdier fragen bureb bchörb* 
licbcPorfchrift. PabasUber* 
bauen für ben organifeben 
Perbanb bes^acbmerfs not= 
menbig mar, Fonnte bie Per* 
orbnung nur ben Srfolg 
haben, bajj bie f^oljhäufer 
nad? unb nach oerfdjmanben. 

2tn Stelle bcs febrna* 
len (Riebelbaufcs beporjugte 
man im f7. 3abrbunbert 
bas breitgelagerte Raus mit 
allfeits abgemalmten Padj, 
für meldjes mir ein Beifpiel 
in ber ehemaligen 2lmts= 
fellerci (St. Peterspfarrbof) 
beftfeen. Pie Sinjelformen 
ber alten 2lmtsfcllcrei mur= 
jelu noch oöllig in ber ror- 
hergebenben Spodje, bie <S>efamtcrfd?eiming bcs (ßelänbes ift aber burdntus horizontal 
gerichtet im ©egenfatj jur ocrtiFalen JPirfung ber alten (Riebclbäufcr. Piefe breiten, 
mit hohen IPalmbächern abgefcbloffenen Raufer fehrten ber Strafe mie ben Hadjbarn 
Crauflinien 51t, bie Sraufgaffen jmifdten ben einzelnen ©ebäuben blieben halber 
befiehlt, bie altgermanifdje Sitte, jebcs f)aus für ftdr ohne Pnlebnung an bas 
Hadtbarbaus 511 erriditen, erhielt ftdt bas ganje f7. jahrbunbert biuburd?. 

Srft ber Beginn bcs 18. 3 a brhunberts bradüc ben Sieg ber von ^raufreid> 
eingefiibrten Baumeifc (Ricbel an (Giebel mit burcblaufenben Cßcftmfen unb Pachern. 
'Sine mobl ron Scbönborn erlaffenc Bauorbnung befahl, alle Raufer mit ber Srauffeitc 
gegen bie (Raffe 511 ftellen unb bie „fchanMicbe 2trt, bie (Ricbcl berausmärts 511 bauen" 
fcblcditerbings abjuftellcn. Hille Raufer feilten mit ben Pädwrn bcrgeftalt aneiuanber* 
flofcn, baf? es febeine, als märe es ein Raus. 

Pie Bcbcutung, meldte bas organifcb gcglieberte Sittjelbaus für bie BauFunft 
bes Pfittelalters unb ber Kenaiffance gehabt batte, fchmanb nun mehr unb mehr. Pas 
Slcmcnt ber Stabtgcftaltung mürbe bie einheitlich bebanbelte Blocffront, ber fub ber 
einzelne Bauherr burebaus unterjuorbnen batte. Pie Kcftbenjrorftabt, por allem bie 
fjuttcnftrafsc, bietet ein ausgezeichnetes Beifpiel biefer in allen Sinzclbeiten regiemen* 



Ilbb. r 


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tierten Baumeife. Hur bie < 3 ahl ber 
^enfteradjfen ber Raufer roechfelte, toas 
bei einheitlichem Rnftrich aber lebiglich 
in öer Herteilung 6er Cüren unö Core 
jumRusbrud Farn. ©efimfe unbDädjer, 

Södel, Cur* un6 ^enftergemänöe ftimm* 
ten oolIFommen überein, 6em Bauherrn 
n?ar nur 6ie IDahl bes HTufters für 
6ie gefpunbeten Doppeltüren gelaffen. 

Schmerjlich muf es Öen Berfaffer 6er 
Bauorönung berührt haben, bafj er 
an fteigenöen Strafen 6ie getoünfehte 
Cinheitlichfeit nicht völlig 5U mähren 
permochte; Sodel unö ©urten Fonnten 
nicht öurchgeführt merben, man mufte 
fich öamit begnügen, öie Fjauptgejimfc 
ju fchleifen, um menigftens öie Dächer 
anfchliefen ju Fönnen. 

Hach ber genannten Bauorönung 
follten auch bie. beftehenöen ©affen 
erweitert unö regulär bebaut roerben; öas fcheiterte aber an Öen Koften. Cs gelang, 
jtnar am RTarFte, öie Craufgaffcn ju fchlicf en unö öie hohen ©iebelhäufer abjutpalmen 
unö jumasFieren,bie oerfdjiebenen ©efefjof h°h cn un b bi e perfcbiebcne©efchof5ahl Fonn* 
ten aber nicht befeitigt werben. Crotj biefer Irregularitäten unb UnfüglichFeiten" 
bot ber ZTCarFtplat? mit bem wuchtigen ©icbcl bes Rathaufes, öem an Stelle bes Speycrer 
Corturntcs erbauten anmutigen RoFoFoportal unb ber im fjintergrunbe erfcheincnbcn 
St. Pctersfirdje ein wirFungspolles Stäbtebilb. Cs hätte auch bei pollFommener Regu 
lierung im Sinne bes \ 8. 3 abid?unberts Faumfcbönerausfallen fönnen. (Rbb. {.) 

freier als beim Bau feines f}aufes Fonnte fich ber Brucbfalcr Bürger bei ber 
Rusftattung feines ©artens betätigen. Die Sommerhäufcr, welche rings um bie Stabt 
entftanöen, ftnb ein Beweis, baf bic Phantafie ber Rrd)iteFten trotj aller Reglementie¬ 
rung noch blühte. Ruf bem Quabrat, bem Sechsed, Rcbted, Kreis ober ©pal ent* 
nudelten ftch biefe Bau werFe meift in jtoei ©efehoffen mit gerabem ober gefchmciftem 
^cltbach, Kuppel ober fjaube. Das untere ©efehof biente als ©eräteraum, barüber 
lag, pon einer Freitreppe jugänglid), bas ©artenjimmer. 3 n öiefen Keinen IDerfen, 
beren Rufbau burch bic ^wedbeftimmung trenig gebunben tpar, laffen ftch alle tDanb* 
lungett im ©efchmad biefer pielbewegtcn .RrcbiteFturperiobe perfolgen. Die Cinflitffc 
©ftaftens, ber RuinenFultus unb bie feinen Übergänge jum Klaffijismus unb 5m Roman* 
tiF fpiegeln fich nirgenbs Flarer als in öiefen DenFmalcn öer ©artenarchiteFtur. (Rbb. ö.\ 

Die KItfdjees oerbanfen mir bem Perlag <£. tPiuter, £7cibelberg. 



m>b. 5 


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3ubilaum&mc5aiUc von liciitrirf? gbcbalt, Karlsruhe 


Uarbtnaf ^cßönßorn auf (Retfen 

£>oit ^ r t ty i r f cty, Karlsruhe 

eitn man bie JlliltcIaUcc bes Brucfyfaler Sdjlofjgartcns binuntergeljt, bie 
;fkb als Strafe in geraber Cinte bis ©raben fortfetjt. fiebt man ItnFer 
l)anb Karlsborf liegen, bas erft im J a b rc 1813 ju ©tjren bes ©rofj- 
berjogs Karl biefen 27amen erhalten bat, itachbem ber (Drt Dettenbcim, beffen ©e* 
marfung immertnäbrenb bnrdi Rberfcbmcmmungcn bes Rheins gelitten batte, hierher 
nerlegt morben mar. IXuber bat ber (Drt 211 1 c n b ii r g geheimen (bie alte Burg 
bi Brudifcl im 3abrc 1337 erftmals ermähnt). Don ber ehemaligen tDafferburg 
mar nur ein 2T7cierbof übrig geblieben, ben Damian Dugo r>on Scbönborn alsbalb 
uadj feinem Regierungsantritt als Schloß ausbaute, beffen übrig gebliebener Corbau 
beute als Ratbaus benüfet mirb. ©in tjicr angebradües, non Deiuricb ©behalt ge¬ 
fertigtes Reliefbilbnis bes ©rofjberjogs Karl, bas im 3 a brc 1913 > n 2lnmefenbeit 
bes ©rofjbcrjogs ^riebriefy II. enthüllt morben ift, mirb fontmenben ©efebledjtcrn bie 
©rinnerung an bie Hamensentftebung bes (Drtes mach halten. 

Seit >li 1720 mirb in ben Kammcrprotofollen ermähnt, bajj ber Bauabjutant 
2TTaycr in 2lltenbürg bie 2luf ficht über bas Baumcfen führt. 3m Dezember 1720 
bat er bie beenbigte 2lrbeit bes 217aurers Kr et* ausgemeffen. <3ur 2lrronbierung bes 
Befibes ift 2lUntenbgut ber benachbarten ©emeiitbc Beitbart fyinjugejogen morben 
gegen 2lbgabe anbercr Stüde. „Damit aber in Sachen gerecht gebe, fo ift nötbig, ba§ 
unfer bofRatb bem BauRIcifter Bohrer gleid> befehle, einen Rin non bem 5 U madien, 
mas mir am 2 lltcnbürger f)of non ber gemeinfdiaftlidien 23ctb nach unb nadj fort¬ 
genommen haben. 2llsbann mollc er audi einen accuraten Riß non bem madien, mas 
fte begehren." (©. €. 21. KammerprotoFoll 2Tr. 7333 nom 13. 3 an - 1725). 2lm 
25. 21Tai 1732 Fonnte Scbönborn über bas ©ebeiben feines 2Iltenbürgcr ©eftütes 
freubig mitteilen, baß er febon über tOO 5 <?blcn bort habe, „ohne bie biesjäbrige, fo 
auf 25—30 mit ben 277aul*©fcln Fommcn mirb. 3d> jiche fdiönc 2l7aultbier non 
meinem ©fei, fo norm 3-^ lr mit non IPelfcblanb gebracht habe". (Wo nichts anberes 
bemcrFt, finb bie Mitteilungen Schönborns Briefen entnommen, bie im 03räfl. Sdvn* 
Ivritfchcn ^amilienardiin in IPiefentbeib aufbemabrt finb.) 


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— V — 


Diefcn ©rt, öer pon Bruchfal aus mit Öen heutigen DerFehrsmitteln in roenigen 
Klinuten erreichbar ift, £?at Damian fytgo sur CuftFur gebraucht! „ 3 ch habe ein 
Cag 7 bis 8 frifdje €uft 3U Kltenbürg gefchöpfct,, fchreibt er am 27. 3 uni [739. 
3 " einem Brief pom [3. 3 uni (739 i?eift es: „ 3 h bin geftern abenös fpath t»on 
Kltenbürg, roohefelbften mich etliche Hag aufgehalten unö morgen abenös roieöer öaljin 
geljen roeröe, umb fo beffer unö ruhiger meine Arbeit fertigen 3U Fönnen, aütjier 
angeFommen." Es roar foeben roieöer alles in guten Stanö perfekt tporöen. Km 
15. 3 uli [73<[ hnllen öer Hofrat pon Karg unö öer Kammerrat Duraß berichtet, 
baß „öurch öie franjöfifchen KTaroöeurs alle jjenfter außer tuenige im Corps de Logis 
pöllig jertrümmert unö ausgefdjlagen feien, roie öenn in allen (Bebauen Fein einiges 
Chürfchlo0 mehr befinölich". 

<£s gab aber, fo Flein auch öas Cänöchen roar, auch noch etroas entferntere Orte, 
nach beiten gelegentlich öie Hofhaltung perlegt roeröen Fonnte. Km 19. Sept. 1722 
fchreibt Damian H u g° : « 3 ^ hin einige Cage hero hier auf meinem Kmböt K i s l a u. 
Dormittag thue mein Krbeiöt, nachmittag gehe hinaus unö f (hieße IDachteln unö 
^clöhühner. Die 3 agbt ift noch mein einzige ^reyöt unöt öas Bauen. 3^7 hin nun 
in meinem Kichtroeeg machen, rooheöurcf) öas ganje lanöt roic ein ©arthen roiröt." 
Km 28. 3 nli 1739 Sehl er nach Kislau in öer Hoffnung, „in öafiger Höhe ein gutes 
Hirfch'3asen ju hohen." 

Knöerer Krt roaren öie Beroeggrünöe, öie ju Öen häufigen Keifen nach ID a g* 
h ä u f c l Dcranlaffung gaben. Km 12. 3 anuar [723 fchreibt öer IDeihbifchof pon 
Speier an öie Öurchlau<htigft0 ^rau KlarFgräfin Kugufta Sibylle nach Kaftatt: 
„IDolIen Ero. H°ä?fl- Dl. in festo purificationis 3U IDaghäufel öeren Knöacht per* 
richten, fo roolltcn feine hochfürftl. Eminencc öas allöaftge IDirtshaus, fo gut fte 
immer Fönnen, 3urichten laffen. (Es roollten feine h°<hfürftl. Eminence Öen erften 
Februar 3eitlich 3u IDaghäufel fein unö bey öenen Eapueinern logiren." (Haus* unö 
Staatsarchip Perfonalien BaberoBabett [[ A <£orrefponöen3 (722 — (733.) Die un* 
3ulängli<hc Unterbringung öes hohe* 1 Sefuches mag öie f«hon im 3 ahre [72[ gehegte 
Kbficht sur Keife gebraut haben, ein befonöeres Schlößchen, öie herrliche «Eremitage, 
3U erbauen, in roelchem für öie pon Damian H U S° hod>perehrte ^rau KlarFgräfin ein 
befonöercr ^lügol eingerichtet rouröe. Km [ [. ©Ftober (732 fchreibt Schönborn pon 
öort aus: „ 3 h hin hier 5U IDaghäufel auf Kleiner Eremitage fchonöt einige (Tag unöt 
erroarthe heiöt öie ©eneralin [feines fei. Bruöers hiuterlaffene IDitroe, geborene (Sräfin 
pon Klontfort] mitt ihren Kinöern unöt roill ich f<e bis KTontag hier mein erften 
herbft machen lafen, Öen Dienstag follen Sic h' cr Kleine roeiher fifdien unöt öen 
Klittrooch roollen roit nach Bruchfal fahren unöt alsöan roollen roir fehen, roie roir 
uns noch bis Klartini auf öem lanöt öipertiren." Km [9. 3 u *i 1738 fdircibt 
Damian H U S° üon IDaghäufel aus an feinen Bruöer 5 ra1l 5 ©eorg nad> (Trier: 
„3 d) bin feit Dienstag abenös hier unö profitiere öer guten <3°’h roolje es öann fehr 
angenehm ift, roanit nur öie ftcdicnöe Kluftfantcn pon öer fdntocFen* unö müden« 
<3unft nicht fo gar fehr muficicrten unö juglcich baaöer feytt roollten. 3-h habe es 

23abifd?c CSrimnt. 1—3 * 


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50 


hcy <i3äfy n ausbrccbcn perbotten, allein 6 er ungeborfamb KecFe un 6 5 rcc hb<ut ift fo 
grof, ba§ fte Fein ©ebot achten, ja ft<h wohl gar einfallen laffen, auf 6 ie Hafen ju 
ftfcen. Piefes ift ein Hätfel, wer Fatm es erraten? Sollte es aber nicht 31 t erratben 
feyn, fo 6 arf man ftd? nur bey 6 er Eljarlotte t»on 6 er €eyen [Sdjönbotns Bafel hier 
melben, 6 ie wirb 6 ie befte un 6 mehrere Hachricht bapon geben." Km 3. 3 l, h [739 
berichtet 6 er ©raf non Seinsheim per expressum pon Schwingen, „bafj 6 es Berrn 
Cfyurfürften oon Pfal 3 €ieb 6 en [ 6 er 6 amals 78jäfjrige Karl Philipp], non 6 ero fehr 
gefährlichen febrilifdjen Kranfbeit (Bott feye Danf wteber beffer un 6 6 ie balbige poll* 
fommene (Benefung angeljofft werbe, fo fortb fyeut 6 ie 3 Princeffinnen [Karl Philipps 
EnFelmen] mit 3b rcr ©briftljofmeifterin, etlichen Dames un 6 Eapalliers eet. ect. nach 
JDagfjeufel 3 U bafigem ©naben Bilb fommen wolten, umb ror fotljane ©encfung 
©ott bem allmächtigen 3 U banFen, alsban auch jugleich il?n gern [eben mosten. Klfo 
bin geftern anbet Fommen, fie aübier 3 U empfangen, aisbann meyne Fjcyl- 2Tle§ 3 U 
lefen unb fie fo gut immer möglich mit einer faften Supp in meiner «Eremitage 
bebienen 3 U laffen." 

Piefe unb anbere Befudje hoben Deranlaffung 3 U ©egenbefuchen gegeben, bie bann 
natürlich aufiet Canbes geführt hohen, am bäufigften an ben Baben-Babenfchen f)of, 
nach Scheibenfjarb, (Ettlingen, Haftatt unb ^aoorite, 3 uweilen 3 ur Derricbtung pon 
Kmtsbanblungen, fo 5 . B. im 3abre [723 3 ur Einweihung ber ScblojjFircbe 5 um 
heiligen Kreu 3 in Kaftatt, bei welchem Knla§ er „nach gehaltenem £)o<h Kmbt in 
Solenencn Pontificalibus in eigener f)ocber Perfobn bie fjeilige Eommunion auftbeilte" 
unb auch on brei aufeinanberfolgeuben Eagen bas heilige SaFrament ber ^irmung 
pornabm, unb im 3abre [733 3 ur Einweihung ber Schlo^Fapclle jum Ijeil. HcpomuF 
in Ettlingen, wo er in <[ Cagctt jeben Cag pon 9 his [2 Uhr 2000 Perfonen 
gefirmt bat. 3m 2T?ai [759 fmb in Ettlingen 5358 Perfonen pon ihm „confirmirct 
benebeft 27 ©locFen geweybet unb bie PfartFircb mit benen bacinn fich befinbenben 
5 Kitären confcrcricrt worben". ZHciftens aber hotten bie Keifen pripaten EbaraFtcr. 
3m ITCai [75[ bot Schönborn „ 3 ur Ebur bas Earlsbabet IDaffcr in gebeimb gefagt 
3 U Ettlingen gctrunFcn." 

Einen fröhlichen Befuch an bes Kurfiirften Karl Philipps Bof in S ch w e fc i w 
gen befchreibt Pamian fjugo im Dollgefühl ber ihm bort geworbenen Ehrung am 
2 \. (Pftobcr [727 feinem (DnFcl, bem Eburfürften 5ratt3 Cothar pon Hlainj. Per 
Brief gibt ein fo anfchauliches Bilb bes bamaligen Boflcbens unb eine fo treffliche 
EharaFteriüiF bes Brieffchrcibcrs, bajj jebe Knberung ober Kürzung einen Perluft 
bebeuten würbe. 

m 5duregingen liegt nur 3 Stund con tPaagbäujel unb bin idi es in 7 4 Stund gefahren. 
IPir haben mit einander abgeredet, daft feine daeremonien fein fallen. 3d] bin umb u uh r 
dafyin gefommen und ftunden im erfien f>of die (Grenadier madd obngefäfyr 50 Kopf mit 
einem l?auptmann, Lieutenant und fändrid). Dian falutirte mich mit der CLrumm, die 
2 officiers mit ihren Liquen und der fändrid} mit der fliigenden fabnen, bogc 3U letjt die 
fpitj gegen der drd, iv\c es fonften aud> bräuddid?. Dm 2 ten iSof unten abn der tbiir 
jtunden des IS. dburfiirften ron pfaltj Ibden der prince ron fult^bach [der Sdnpicgerfotjn 


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Karl Philipps, 3°I C T Karl (Emauuel oon Suljbacb, ber präfumtire (Thronerbe] unb 5er 
ßof. 3m ^erausfteigen embraffierte mid? 5er Churfürft gleid? mit otjnerfjörten obligeanten 
C jpreffioneu, uit5 nad? abgelegten Curialten begleitete er niid? mit (Sebnng 5er ^an5 irt 
mein gimrner mit 5ent prinjeii oon Sul^bacb, bliebe über : V 4 5tun5 bey mir un5 retirirte 
fid? aisbann in fein gimmer, wollte nid)t leiben, baß bis in mein Knticamer mit gelten 
foüte, melbenb, (Er wollte atjnricbten Iaffen un5t mich Idolen. 34 raccomobirte midj ein 
wenig un5 gienge aisbann gleich 3 U 5r. Siebben, welche mir bann gleich bis mitten 
3hrcr Knticamera, wie fie mich fallen, entgegen famen un5 mit mir in 5as §immer gungen, 
wo bann auch gleich bie pfalggräfin [5ie lebhafte unb anmutige (Eochter Karl Philipps, 
(Elifabeth] mit benen Damen hiueinFamen, febr bid fchwanger. (Eine Kurfte §eith barnach 
gienge mann 3 ur (Eaffel, ber d°ff gienge oorahn, aisbann ber Churfürft, unb ich führete bie 
prin^eß fo gingen wir burch ben (Sorten in bie 0rangerie [bas oon Karl Philipp erbaute, 
nicht mehr oorhanbene 0rangeriehaus, bas an ber Stelle bes großen Baffins lag unb fpäter 
burch öie girFelorangerie erfetjt würbe]. Da wäre eine (Eaffel oon J 6 bis \8 perfohnen 
faft 4 Cdet, außer bie (Eden waren ein wenig abgefchnitten. Tltyx ber oberen Seithen wäre 
nur oor bie 4 fürftlichen perfobnen gebedet, in ber mitten lagen 2 Deller, gleich ich mögte 
wollen ober nicht, fo faße bie prinßeß auf bie linFe feith, auf ber rechten faß ich, nebft 
mir ber Churfürft unb nebft ber prin^eß ber prince oon Sul^bach, ahn bem einen (£d bie 
©ber fjofflfteifterin nebft bem Churfürft, auf ber anberen feith bie (Seneral E}a 3 feibin nebft 
bem prince oon Sultjbach, aisbann auf ben beyben feiten nebft ber 0 ber fjoffmeifterin mein 
©ber-lHarchall, auf ber anbern gegen ihm über bie fräwlein oon (Erap, nebft meinem 0ber 
IHarchall bie fräuwlein oon (Eajis unb gegen biefer herüber mein geheimbber rath unb (Eapitain 
oon ber (Sarbe oon Benferath, fo eine Sd^nellenberg hat. Unten ahn ber 4 . feith faße nebft 
ber fräwlein oon (Eajis ber ©berhoff IHeifter (Sraf oon ITCanberfcheib, gegen 3 hm über 
bie fräwlein oon XDolfenftein, aisbann ber (Eomte be la IHarF, gegen ihm über ein (EöH- 
nifcher Cammerherr oon Kmbotten genannt, aisbann ber Cammerherr, fo oorlegte, unb ber 
(Seneral (Eajris [ber Bruber ber (Sräfin Diolante (Eherefia oon (Ehurn unb (Eajis, bie, wie 
Karl Philipp nach ihrem (Eobe erFlären ließ, feine britte (Semablin gewefen war]. 3ch 
fahe, baß ber Churfürft {ich gleich ein Dedelglas geben liefe. 34 forberte auch eines, Cr 
warthet, bis ich auch bas meinige batte, unb als ich bem prince oon Sul^bach bes d- 

Churfürften gefunbheit brachte, brachte Cr 3 uglei<h ber pfal 3 gräfin bie meinige unb tranfe 

mit mir gan§ 3 U gleich, unb wäre es ein alter Ungarifcher ©ein. 34 ließ mir Kurtj 
barauf ein Dedelglas geben unb wollte ber prin^es unb bes pfalßgraffen gefunbheit brinfen, 
fo liefe Cr gleich ein glas mit einem Dedel fich geben unb trunft mit überaus oielen 

Conteftationen Cwer Churfürftl. Ibben gefunbheit, ich fe^ete bie gleich oon Chur (Erier auch 
barauf unb Fame aisbann noch ein bedelglas, fo er bem oon Kmbotten brachte, Chur Cölln, 
unb biefes waren bie Staatsgefunbbeiten [auf bie fran 3 ofenfreunbliche Koalition!], biefen 

folgeten noch einige Dedelgläfer als eine ohn3erbrechU4^ €wige freunb* unb Bachbarfd^afft, 
bie nimmer 3 ertrennet werben foüte, was einanber oon EJerßen liebte unb ehrete einmahl all 
geith bis in (Eobt alles, was oon d er t 3 en wohl mit einanber meinet unb £}änsgen im KeUer 
oon ber pfaltsgräfin, bie 3—4 lefttere giengen im ungarifdjen IDein, aber Fein (Sias größer 
als ein orbinari Caroffüt, was mich abnbelanget, wie mir bann ber Churfürft alle libertät 
laffe. derentwegen hatte Cr meinen ©berlHardjaü im (Sefid^t, ber würbe fo 3 U gebedet, baß 

man ihn biefen morgen, nad^beme er ausgefchlaffert, in einer doffchaife nadjbrachte nach 

EDaagbäufel, unb weylen ber oon Benferath aud> in etwas fein tbeil batte, fo fettete ber 
Churfürft ben (Eeutfchen d crrn t)on Kecorbin 3 U mir, baß wenigstens jemanb nüchtern bev 

mir fein mögte. 2ladi bem Cifch retirirte fi d\ ber Churfürft faft auf einen augenblid, 

bie pfaldgräfin aber fettete fid> 3 U mir unbt gäbe mir Caffe in', ber ©rangerie, fo balb b(A* 
Churfürft Fame, fetjete er fich 311 mir unb rebete lang mit mir oon aüerhanb fad>cn mit obn 
Cnblichen Conteftationen, worüber mich in einem p. 5to. erpliciren will. Ulan gienge alfo 

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52 


gefambter hanb im (Sarten (parieren unb ficnge bie pfaltjgräfin ahn, ob bie ^rau IHarg* 
gräfin wittib [ 2 Iugufta SibyUc] nicht hoch halb einmahl nach IDaaghäufel fäme, fie ©erlangte 
fo her 3 lich, fte 311 fehen, ich fagte # ich müßte es nicht gewiß,, fte antwortete, baß fte fo eine 
große freunbin ©on ihrer ^rau IHutter feel. gewefen, bahero ©erlangte fte ©on ^er^en, fte 
©or ihrer nieberfunft [bie am 30 . 3 anuar 1728 erfolgte unb ber 35jährigen prtnjeffin ben 
(Lob brachte!] noch 3U fehen, allein fie wäre fo beflimmert, bis Ittittwot giengen fte auf 
IHannheim unbt weylen fte fo hoch fchwanger, fo fönnte fie aisbann nicht wieber ©or bem 
KinbBett herauf, wann ich bot machen fönnte, baff bie <$rau IHarggräfin bis IHontag 3U mir 
auff IDaaghäufel fommete, ich würbe fie überaus ©erbinben, fte wollte ohne bem auch gern 
einmahl 3U mir bahin. 3ch fagte, ich machete mir eine <$reyb baraus, ich wollte ber frau 
IHarggräfin baoon Nachricht geben, 3 h^o Ibben aber müffen ©orüeb 5U IDaaghäufel nehmen, 
benn fie wiffeten, baß bas fjaus weber mit Decfeu ^usböben ober fenftcr ©erfehen feye, fie 
antwortete, Sie frage einmahl nichts bamach, ein IDaffer, ein gimmer ^ wo ^ logierte, 
bas wäre ihr guth genug, ich antwortete, es feyen in bes 3 ä$ers £?aus 2 Stuben, bas feye 
aües, Sie: alles biefes* feye ihr recht, fie ©erlange nichts anberft. 3 ^ : ^ e Y c aut ber 
IHontag ein ^aftbag unb Digilia Simonis et 3 u bae. 3 Ha: & s tuäre nitts; baran gelegen, 
fte effe ^ift unb IHehlfpeifen. €go: IDann 3 ^ r ° Ibben befehleten, fo woüte ahn bie frau 
IHarggräfin fttoiben unb gleit wiffen laffen, ob fie fommen wollte. 3 j*a: 3 ^ tnögte es 
tuen, allenfalls, wann fie aut nitt fommete, fo wollte fie bot bann 3 U mir bahin fommen. 
<£go: Dlir feye es eine überaus große freyb, 3 h^o Ibben müßten aber in einer not nitt 
fertigen (Eremitage ©orüeb nehmen, hierauf fagte fie 3 ^ ro gben papa: Darf it 3U bem 
£7. (Larbinal bis IHontag nat IDaaghäufel gehen? Der Churfiirft antwortete: 3 ^ aut- 
(Ego: (Es wäre mir eine ohn (Enbüt* confolation, 3 hro Ibben wiffeten aber unb hätten 
gefehen, baß mein haus aüba not in einem gar ohnausgebamten weefen feye, 3nmablen würbe 
es in einer (Eremitage auf einen Safttag fehr ftlet* h^9t e n. Der £7. Churfürft fagte: 
3t effe alles, was man mir ©orfteüet. 3t hin herauf bis halb 6 abenbs not bey ihnen in 
garten blieben, unbt ift ber Churfürft unb pfaltsgraf aut immer mit mir herumgangen unb 
haben wollen, it follte ba bleiben, wie aber es nitt tuen wollte, fo bat mit her I). Churfürft 
unb bie prinjeß, aut her prince ©on Sult$bat ahn IDagen begleitet, not 1000 ftöne corx- 
teftationen, unb bin alfo fortgefabren, ohne baß it fie habe bewegen fönnen, baß fie haben 
fort gehen wollen. IDie it hin bin, hat ber £7. Churfürft mir einen Cammer £?errn 

entgegen geftiefet bis auf feine (Sräntjen, unbt ein reitbfnett bat benen poftillionen bie 

weeg weifen müffen. 3 <$ bin barauf umb halb 8 3U IDaaghäufel wieber gewefen, unb 

habe gleit ben ahnftaüt gematt, baß wenigftens ben Speiß Saal unb 5 §immer bis auf 
ben IHontag mit fuesböben unb fenftern fo beleget befomme, baß it fie taliter quaüter 

beherbergen fann, it habe faft alle meine ftreiner ©om ganzen Ianb auf biefer feith be» 
ftrieben unb jebem llleifter, fein §immer mit feinen Ieyben gegeben. Da it aut not 
©iele fues CEafflen hier [in Brutfall] habe bey bem baumeefen, fo habe it gleit alles bahin 
geftiefet unbt bie fenftcr hier in meiner Kirt unb haus ausbeben lafjen, fo bie nembüte 
grös haben, alfo baß ber faal unbt bie gimmer fo ju fagen wohnbar nun unbt bas ganr^e 
haus in fenftern bringen fann, it werbe mit bemühen, fo guth 3U bewürben, als it fann, 
aut bes £7. Churfürften Ibben alle nur menftenmöglite €br unb confiberation 3U be3eigen, 
bas fie obnfeblbar mit allem werben 5ufrieben fein, wie it bann 3U (Sott hoffe, baß ©ielen 
böfen buben bas maul werbe geftopfet werben unbt baburt aut anbere boje ftreit pariert 
fein. 3t füffe p. p." 

Der Keife Ijat alfo ein politifdvr <5e6anfc 5 uarun 6 e aderen, 6 en atifjubellen fjier 
nidjt 6 er (Drt ift. öcfonöers beacWcnsirert erfdvint 6 as jur Kmivn 6 ima aefommene 
(Typifieren 6 er Bauteile, 6 effen beute erfannte ^ux^nüniafeit mir fdvitborn hier 
ror 200 Jabven ivraemad>t bat. 


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3u liefen Flehten Ausflügen, burch bie bas «Einerlei feer täglichen Kmtspflichten 
aufgelid>tct mürbe, Famen ab unb ju aber auch recht große Keifen. 

Kus bem KammerprotoFoU pom 26. Kuguft \728 (G. L. A. Br. 7383) cjet?t her* 
oor, baß Schönborn einmal in Paris mar. Er fyat bort ben EDein mit Seine* 
EDaffer gemifcht, troßbem er allen Kblauf in biefen ^lu§ bat laufen feljen. „EDas mare 
bas Enb aom lieb? Kaum mären mir ein paar monatfy 3 U paris, fo tjatten mir 
ein tjifeiges fieber am fals." 

<3u feiner Erjieljung ift Damian £)ugo in feiner 3ugenb nach JDürjburg 
unb K f d) a f f e n b u r g 3 U ben 3«f u *ten gebracht morben. 3 m Kollegium (Derma* 
nicum in Kom tjat er feine Stubien im 3 a h re 1693 begonnen unb 1695 oollenbet. 
3m 3<rf?re 1702 erhielt er bie Deutfchorbens Ballei 3 U ZTTarburg. 3m 3 a h te 
f706 mürbe er Dom £)ochmeifter bes Deutfcborbens nach ED i e n gefanbt. 3*n 3 a h re 
17 1 ^ treffen mir ihn in B r a u n f d) m e i g, I7f7 jur Kur in K a r l s b a b, f720 in 
Scfjlangenbab. 3™ 3<>h rc 1709 mürbe er 3 um Canbesfomtur bet Deutfcborbens* 
Ballei Kltenbiefen bei KTaaftricht gemählt. 3 m f?crbft f7f9 bort oom Riebet 
befallen, begab er ftch am 27. (DFt. I7f9 nach ETlaa ft rieht, mo er als Deutfeh* 
orbens*Komtur einen Palaft befaß, „umb gefunbere £uft ju genießen". 3 m 3uh 
f75f hat er ito<h einmal unb 3 mar mit großem (Befolge eine Keife nach ben Bieber* 
lanben unternommen. Km 6 . Hop. f 73 f fchreibt er an ben ©ouperneur ber Keichs* 
feftung Philippsburg ©raf pon Secfenborf Erjellenj „geftalten ich in ber pifitation 
meiner Balleyen begriffen unb pon einer Eommenbe 3 ur anberen gejogen bin". 
(©. £. K. KammerprotofoU Br. 74:20.) Kls fein (Dnfel pon ETCain 3 ihn im ^rüh* 
fahr f729 in Brudifal befugen mollte, mürbe es — mas uns non heute eigenartig 
anmutet — für notmenbig erachtet, ben EDcg genau an 3 ugeben. „3h r uegfter EDee<h 
ift, meillett Sie Elfannheimb fehen mollen, \) non IHayn 3 auf ©ppenheim mohe bie 
poft ift, 2 ) pon ©ppenheim bis EDormbs mohe abermals ein poft, 3) non EDormbs 
bis KTannheim mohe mieber bie poft, 4 ) pon bähe gingen fte in ein pahr ftunbt bis 
St. £eon, fo fchon KTein ift, bähe merben fte im Pfarrhaus 3 U effen unb bie Kelais 
finben, aisbann gehen fte in puhren alleen bis hierhero in bas f)aus, fo über 5 ftunbt 
meech finbt. EDann man 3 U BTannheim nicht miffen follte, mohe St. £eon ift, fo 
fagen Em. Eminen 3 , es läge 3 mifchen Koth unb £)ocFenhcim." 

Eine Keife hat Damian £)ugo unfreimillig unternommett, bie ^luct»t por ben 
5 ran 3 ofett. Schon am 8 . EHät^ 1727 ahnt er bie Fommenben Dinge. „3h weiß nicht, 
ob ich werbe bey lanb unb leuth bleiben fönnen, mithin barauf bebacht feyn muß, baß 
ich ein ftüd gelb in hanben behalte, um allenfalls anberroerts baoon leben 3 U Fönnen." 
Km 24 >. Kuguft 1728 bittet er in bewegten EDorten feine Familie, ihm für epentueüe 
^ällc bas Schloß ©aibach bei EDicfentheib als Kfyl 5 U überlaffen, barnit er menigftens 
einen ©rt hübe, mo er bas, mas er „in prioato" hübe, mit Sicherheit telegen unb 
ftch allenfalls im Klter, menn es nötig, retirieren unb ruhig fterben Fönne. Km 
29 . Kuguft 1733 fchreibt er noch, er molk in Bruchfal bleiben, fo lange es möglich 
fei. Km 2\. ©ft. 1733 fchreibt er, baß man fchon febießen höre, man miffe aber 


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nocfy nidyt mo cs fei. 3 n einem Brief pom 1 , 0 . Hopctnber 1755 beijjt cs: „traun 
ber Kufbrudj 6 er Krmee herunter gebet, fo idj nicht fyoffe, fo merbe midi nicht lange 
mefyr albier aufbalten Fömten". Km 23. ZTlärj fdyreibt er feinem Bruber nady Crier: 
„(Euer Ibbctt rerbalte idi nidjt, in brüberlidyem geljeimb un 6 pertrauen, bafj ich bis 
fambstag gattfe tn ber ftille unb fidierlieibt unb pfälfeifdier BertrüslidyFeibt falber 
oon tjier nad> beufenftamb auf 5 U brechen gebenfe, gcftalten meine Sicherheit 
f;ier nid’t länger fetje", ungeaddet ber König pon ^ranFreidy pom Papft Clemens XII. 
gebeten mar, barauf Kücffid)t ju nehmen, bafj ber Karbinal pon Sdionborn nicht ge* 
brängt irerbe, feine geliebte fjctbe 3 U perlaffen. (Kernling.) Km 15. Kpril 1754; 
fdireibt er pon Jjeufenftamm aus: „< 5 u Klainj ift nun alles in allarme unb paefet 
alles ein. 3<d? laffe beut alles nach IDürjburg 3 U IDaffer geben." Bon IBagbäufel aus 
tuirb ihm am 10 . Kpril berichtet, „bafj Faiferlicbc (Truppen angcFommen unb bev 
baljieftgem Ijerrfcbaftlidien XDirtsljaus abgeftiegen feien, unb bafj morgen etliche 
50 Compagnien Kayferl. Capallerie 5 mifcben IDagbäufel unb Pbilippsburg campieren 
tperben. IDeilen bas TDirtsbaus basier piel 3 U eng, trollten Sc. Durcbl. ber prinj 
pon Berem in ber (Eremitage ftcb einlogieren. Ben übrigen bev ftdy babenbeu 
f). I}. officiers fei it?r logement in benen 4 neuen Parillonen angetuiefen." 

3m Kirchenbuch ber Brudyfaler Stabtpfarrei pom 3ab rc l<34 finbet ftd> ber 
(Eintrag: „a Decimo Maij mars potissimum furebat et nunc Galli, nunc 
Germani prope urbem et in urbeBruchsaliensi castra metati subsistebant“. <£l?e= 
fcfyliefjungen ftnb in jener ^eit nidit eingetragen rnorben. Km 11. 2Ttai 1734 gebt er 
pon fjeufenftamm nady ^ranFfurt. Cr trollte bort nur fo lange bleiben, bis feine 
„paccage" über Kfcbaffenburg fort ift. Km 18. Klai fdireibt er pon ^raufftirt aus: 
„idy ftfce als noch Ijier, bis felie, mobitt mit ftdyerbeibt midi mcitben fönne. IDir 
arme Scböitboru feinbt balbt obnglücflidic levbt refpectu ber treibt; ror (Sott boffeitbt* 
lidi aber anberfter angefeben, benn ltnfcr fehler ift, bafj mir mit fordibt (Sottes, mit 
Bernunft, mit treu unb aplication regieren, bafj mir bas gutbe unb redete beförbern unb 
bas böfc nicht bullen trollen." Km 13. 3 l| ü fdireibt er mieber pon ^ranffurt aus: 
„3n meinem abrmen lanbt gebet cs galyr tjarbt her uubt unter uns gefaget häufen 
bie Kayferlidien bartb. 3d? mögte fo gebrn hier fortb, bafj mibr bas berj meebe tbut, 
idy Faun aber nidit, bis mcifj, ob icb auch in franFen ftd’er bin." Km 51. 3 l *ii 1734 
übergibt ber Kammerrat unb CjofFcller Burafj ad regimen eine fcbriftlidye Knjeige 
folgettbett 3 |, fialts: „(Es batten bcs Sern ßerhogeu pon Bepertt Cfrftl. Bdil. 3l ir 
quartier mit ber hoben Generalität Küttmodis ben 2Hen curr. bahier in ber 5t. Ba* 
miansburg genommen, trorauf befagten berrit herbogen Stall leutbe ft di fogleidi beren 
berrfdiaftlidien Borben in bem fjof hinter ber SofFirdxnt geroaltfamer meis 21 teiftcr ge* 
niadit unb barott in bodo'ürftl. luftgartben längs ber matter Sdyoppen unb Ställe auf* 
geriditet, mie attdi mit folcbeu borben ben hoben, morauf bie pferbt ftünben, beleget. 
Ber bafelbft befinblidv bainbudvne ftaag fei 58 Sdnitt lang gänjlidj ruiniret unb bie 
BTaroniemBänmc befdiäbiget." ((S. €. K. Prot. 7440 .) Bie KnFintft Sdvnborns 
„citm tota aula sua" in (Saibadi erfolgte laut einem ausfübrlidvn Beruht im 


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Artigen pfarrbud? am [5. Sept. 1734. Ruf 6 cm Rharblatt 6 cr bortigcn Kirche ift 
Damian fjugo als „Conservator familiae" umgeben non feinen Brübem in gan 3 cr 
©eftalt nerewigt. Km 8 . Hod. 1735 fdjreibt er non ©aibadj aus nad? Srudjfal: „<Es 
ift ofywerantwortlid}, ba§ 3fa jugebet, bajj in 6 em pamllon nebft 6 en XDadjt' 
ftuben am £)aubt Ojor unferer reftbenj, wo eljebeffen unfer nerftorbener baubtmann 
IDunberlidj gewönnet b?at, ein XHarquetenter mit einet jungen Dirn einlogiret wor* 
6 en." Km f5. Hon. 1735 menbet er ftd? non ©aibadj aus an 6 en nun in Brudjfal 
ftationierten f}erjog 3 U IDürttemberg: „ 3 h fann «Euer Ibb. mit fdjwetjrem ©emütfy 
nidjt bergen, baf mir fefyr befümmerlidj falle, ba§ bistjero meine Keftöenj in brudjfal 
gleidjfamb tnie ein öffentliches IDürtstjaus einem jeben, fo fih nur barein logiren 
tniü, 3 U bienften ftetjen foüe. 2Ttir ift eine rechte freube gemefen, baf foldje (Euer 
Ibben unb bes h ctrn Prinzen (Eugenij Ibb. hat 3 U bienften fein fönnen, allein, baf 
ein jeber folget ftdj bebienen inill, bas tljut mir feljr rnelje, 3 umaljlen ba man ja 
fogar gräfl. Refibensien unb (Eaoalliersfyäufer überall 3 U fdjonen fud)e, auh webet 3 U 
Sdjwe^ingen nodj 5 U (Earlsruf? ober Kaftatt bie lanbesljerrfthaftlidjen Ijäufer beleget 
worben finb. (Euer Ibben tljun barburd? ein löbl. tDerf nor bie dürften bes Beides, 
bie ja fonften benen gemeinen Bürgern unb Bauren gleidj gehalten würben." (©. €. 2t. 
Prot. 7463.) Km 25. ^ebr. 1736 fdjreibt er t>on ©aibad) aus an ben (Eomitial* 
gefanbten Baron r>. Karg: „3h hätte freylidj t»iel 3 U IDien an 3 ubringen, allein ba be 
h § ^ransofen noch mein ganzes lanb jenfeits rfyeins in confiscation galten unb tag« 
täglich nod) bis auf ben leiden Blutstropfen ausfaugen, fo getraue mih nid}t wegen 
noch härterem tractament, micht gegen fte 3 U rühren." Km 4 . Sept. fdjreibt er 
feinem Bruber nah Crier, in IDien beurteile man bie Derfältniffe nicht richtig. „ZTCir 
mu§ es genug feyn, bafj wenigftens 3h ctls ein getreücr Reihsftanb aus Ceutfh 
patriotifdem h et 3 cn unb ©cmütfy bas ZHeinige jeber ^it gefaget unb erinnert habe, 
was nötbig 3 U feyn geglaubet." Km 30. ©ft. 1736 lägt er an biefelbe Kbreffe 
feinem politifhen h^rjen freien £auf: „Die ZHuttcr bes reidis fhlafet in fanfter Rulje. 
&u benen potentioribus laffet fih fein rccours nehmen, bann fie befteljen metjreften* 
tbeils in proteftanten. Die <£atholifdien potentiores aber feynb entweber 5 U fhn>ah 
3 ur bülff ober in fo [dient <£rifi, ba§ fte fth faft felbft niht mehr 5 U b e 4 cn wiffen, 
alfo baf? unfer bermabliges teutfhes reichs Syftema febr miftlicb unbt fddcdit ausftebet." 
Diefe tief traurigen ^uftänbe im Römifdicn Reih beutfher Hation mögen bie Konflifte 
erflären unb entfhulbigcn, bie in bem beutfd) patriotifhen h er J cn Sdiönborns unb 
anberer beutfeber dürften entftanben ftnb. 

2TUt freubigem 3ubcl begrüfjt fonnte Damian hugo am 11. BTärj 1757 wieber 
feinen (£in 3 ug in Brudifal halten. Beim Durhjug non 1077 Htann fraujöftfdicr 
Rcfruten ber 12. Dinifton im 3 a b rc l?43 burftc ber alte franfe 5ürft in feiner 
Reftbens bleiben. (Es war ifm 3 tr>ar auh bamals fcfyr betrüblidj, baf; auf feine 
Reftbenj-Stabt „gar feine Reflerion gemacht werben wolle, ba bed> Rcidis-(£onftitutions* 
mäfjig foldic billig in reguarb bes £aitbcs h crrn in bebadit gezogen werben feite", 
aber es ift bamals wenigftens „gute orbre unb Rianns*S l| dit" gehalten worben unb 


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56 


beim „tEobtfdjlag unb Sdjicfjung jaijmen geflügels uitb einiger fjaafen" net blieben. 
Km 28. 2Ttai 17^3, alfo fur 3 oor feinem Cobe, fyat Damian fjugo feinem Bruber 
nach Crier als Be»eis bafür, baf ber gegen itjn erhobene Dorrourf, et fei ein Feinb 
Franfreidjs, nidjt 3 utreffe, einen an iljn abreffierten Brief bes Königs non 5 ran f* 
reid? gefanbt, ber im Sdjönbornfdjeni Krdjin in IDiefentljeib in Kbfdjrift ftdj er* 
galten fjat: 

„A Mon Cousin le Cardinal Schoenborn, Prince du Saint Empire. 

Mon Cousin! Les noveaux temoignages, que j’ai recus par votre lettre du 2 decembre de vos 
sentiments pour ma personne, me sont tr&s agreables et vous ne devez pas douter, que je ne sois 
bien aye de vous donner aussi a toutes occasions des marques del’ estime, que j’ai pour vous. Sur 
ce je prie Dieu, qu’il vous ait, Mon Cousin a Sa S te et digne gar de. 

Ecrit a Versailles le 18 fevrier 1743. 

Louis 1 '. 

Der 3ntenbant bei ber Kgl. franjöfifdjen Krmee, Dir. <£baut>lin tjalte ben ^ürft* 
bifdjof „gleidjfam nor ein ^einb bes Königs bedarirt". Damian’^ugo fjat in biefer 
Sadje an ben ^reiljerrn non Karg am 5. 2Kai 17^3 gefdjrieben: „3dj Ijabe alles roas 
nur mögliches an midj verlanget »orben, getljan, audj nict?t anberfter tfjucn fön* 
nen, »eilen ja unnernünftig non einem alten langroirigen unb in ber JDelt geroefenen 
Kegenten getljan »äre, »ann er fidj einem fo madjtigen grofen König »iberfetjen 
folte. yt/ bm ein Carbinal, Bifdjoff unb Priefter et non Erubesco ©oangelium, 
mithin ift mir nidjt fdj»eljr in Kleiner Perfoljn nad? bem <£rempel <£tjrifti 3 U leyben, 
mithin audj midj ©ott in meinem unfdjulbigen leyben nidjt nerlaffen »irb." 3 n 
einer „Relatio ad Imperatorem", b. b. Bingelsljeim, ben 1.7. KTartii 1727, Ijat 
es geljeifjen: „<£r [Sdjönborn] »äre fidj jeber 3 c >t feiner Reidjs Stänbifdjen Sdjulbig* 
feit eingebenf. <£r »erbe bis in fein ©rab KUerljödjft biefelbe unb bero burdjl. 
<£rfe*f}auf| mit nollfommcncr ©reue unb Denotion 3 U getban nerbleiben." 

3m 3aljrc 1713 ift Sdjönborn Carbinal ge»orben. Don ben ^ papft»atjlen, 
bie er als foldjer erlebte, haben nur 3 »ei in fein £eben eingegriffen. Bei berjenigen 
non \72% fjat er aus mir unbefannten ©rünben nidjt teilgenommen. Bei bem am 
7. ^cbr. 17^0 ftattgcljabten „Cobtsfall Sr. päbftl. fjeiligfeit Clcmentis XII." Ijat 
er trofc einer iljm gc»orbcncn fetjr fdjmcidjelljaften Kufforberuitg non Seiten bes 
Kaifcrs fein Fernbleiben mit Kltcr, mangelhafter ©efunbljeit unb tDintersjeit" ent* 
fdjulbigt. ^»eimal aber, nämlidj beim Cobe Clemens XI. im 3edjte 1721 unb 
beim Cobe Beuebicti XIII. im 3ah re 1730 ift er $ur Kusiibung ber Karbinalsȟrbc 
nadj R 0 m gezogen. Die Dorbereitungen baju Ijaben einer UTobilmadjung geglidjen. 
Km 8. Kpril \72\ Ijat er an feine Regierung eine befonbere 3 n ftruftion geridjtet, in 
ber cs u. a. fjeij'd: „unb »eilen »ir befantlidj r>on fdj»adjer gcfunbljeit audj non nieler 
arbeit unb großen fdjroeren reifen unb fatiquen fehr ausgcmergelt unb fdjon entfräftet 
feint, mithin leidjt fein föunte, bafj ber allmädjtige ©ott uns auf biefer langroürigcn 
fdjnvreit rei§ 511 fidj forbereu börfte." Km 16. Kpril 172\ „umb Uhr" (»oljl 
morgens) hat er bie erftc Kcnflare Reife augetreten. Km 7. Kpril hatte er feinem 
Brubcr in TCicfeutheib Klitteilungen über bie Koftfpieligfcit einer foldvu Reife gemacht. 


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57 — 


„ZHU Pier Caufenb Ducatert gclje in ©ottes Halmen fortlj. Hun foftet midj bie 
Seife hinein bis 3000, nur tr>ie idj je£t mit Reinem Ijofftatt gelje, 2000 roirb monatlich 
pon meiner Cammer jugefdjidt." Hm 2f. Hpril f?2f fdjreibt er non Hugsburg 
aus an feinen ©nFel nadj Hlainj: „ 3 dj roil geljm nidjt ber HTagnifiquefte fein, aber 
bodj muf idj fdjauen unter Öen mittleren roenigftens paffiren ju Fömten; roollte midj 
gern nadj 6er Deden ftreden, allein ju Hom meljt 5U einem ©elädjter als <£ljr 3U 
fteljen, fallet miljr gar fdjroer midj 3U überroinben." Hus einem Brief an feinen Bru* 
ber in IDiefentljeib geljt Ijerpor, baf er in Hom feljr aeftimiert mürbe, „roie idj bann 
perfidjern Faim, baf Rein unb grojj midj Ijier 3U beljalten fel?nHd? perlanget. 3 ^ aber 
mill roieber 3U meinen Schafen geljen, bie mir ©ott anpertrauet unbt balje mein 
fjimmel perbienen." Hm 2^. HTai \ 72 \ Fonnte er pon Hom aus bas (Ergebnis 

feiner Heife mitteilen: „.unb Ijabe bas ©lücf gehabt, bafj fo balbt in Conclaui 

eingetretten bin, man ben anbern tag gleidj 3ur einftimmigen roaljl getretten, roobey ban 
rooljl pon ©lüd fagen Fann, inbeme nur ein nadjbt im conclapi tjabe bleiben müffen. 
<£s ift nidjt 3U befdjreiben, roas biefes por ein miferabele gefängnus ift, roofje man 
rooljl ju roünfdjen fjatt, baf man nidjt lange bleiben müffe. Bey ber Crönung Ijabe 
nidjt erfdjeinen Fönnen, mciüen Hlidj mein oljnglüdlidjcs fieber miebet Hebcrfallen 
Ijatt." 3 n einem post scriptum bittet er nodj um einen guten Hat, mie er, „mit befter 
Commobität roieber Ijerausgeljen Fönne ben geraljbeften roeedj mit Peturinen, ban idj 
Fan nidjt fagen, roie bas poft fahren midj im beybel unb Kräften mitgenommen Ijat. 
3 dj bin über Cljiufa unbt Htantua auff HJobena unbt Bolognia, aisbann auf Coreto 
gangen, idj Ijalte aber alles biefes fetjr um. HTeine grofe lanbauer Cljaifen habe 
ju Bolognien müffen ftefjen laffen unbt fjabe 8 febien Kauffet alfo, baf bie petturini 
nutjr pferbt unbt Feine gefätjrt nötig fjaben." Hm ©ft. \ 72 \ bridjt er pon 
Hom roieber auf, am f8. ift er in St. Cafftano, am 1,9- paffierte er 5 l° r « n 5 - 
Dienstag, ben 2 \. ©Ft. ju Hlittag, ift er in Bologna angelangt unb Fjat pon bort am 
22. gefdjrieben: „fjier logire bey bem Hlatdjefe Hlonti, ber einen überaus fdjönen 
Palaft Ijat." Hadj ein paar Cagen ging es roeitcr über Crient, Bojen, Briren nadj 
Hugsburg, roo er am f 3 . Hop., unb nadj Brudjfal, roo er am 1 .6. Dej. gefunb unb 
rooljl roieber eintraf. 

Bei feiner jroeiten KonFlape«Heife Fonnte ber unterbeffen ju JPoljlftanb gelangte 
Kirdjenfürft fein Bebürfnis nadj repräfentatipem Huftreten fdjon beffer befriebigen. 
<£r ift biefesmal mit großem ©efolge auf bie Heife gegangen, roie ber folgenbctt Huf« 
fteüung entnommen roerben Fann. 

„Spccificatiou 

tüas mit Sr. fjodjfürftl. (gminenj itadj J\om abgeben roirbt. 


£etbn>aagen 

1. Se. <Eminen 3 

2. fj. ©berfämmerer ^reyberr r. JSoineburg 

3. Jj. fjof ITiarfdjall v. öenöeratb 

* ftefjen auff, filber Diener unb läufter 
5J 


£etb rotber waagen 

6 . ß. p. fifjreufels Catnmerjimfer 

7. ß. Pott <£ortenbadj * 8 . Dacat 

0 . aefyeimbber Secrctarius ß. pon 2Teittipid> 

10 . ftebet auff, £ 7 . 0 ber&ämmerer u. ß. ßojf- 
IHarfcbaüs bicncr. 


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58 — 


20. Cammerbicner Werfel 
2 [. £etb Barbierer 

22 . £ 7 . von ZTentancbs u. Doctors biener 

23. gefjaimbber Cantjlift Sd?äffer 

24. Cammer £aquay ^ribertch 

5ipei Köcbc 

26.) 

27. S^eitf 

28. Cammer fourier 

J 5 meY Trompeter 
3 1 . Courier/ 

Dr. Kcllermann („(ßeorgius Uöalricus Kellermann SS, Ojeol. Dr. Conftliarius 
aulicus, protonot. apoftol." wie er ftdj als S*uge unter bem am 28. 2 luguft 1757 auf- 
geteilten Ceftament Schönborns unter 3 eid>net), ber in biefer Spejififation nicfyt auf ge¬ 
sagt wirb, teilt uns 6. b. Kom in Conclari Öen 29 . Kpril 1730 weitere anfdxiulicbe 
Cinselfynten mit. 

„Zllfo fevnb Cminentiffimus mit einer fehr großen unb prächtigen fuit pon 20 unb mehr 
Kutfchen bey 3 ulauff eines fehr großen Dolfes aus bero quartier nacher 5. peter gefahren, 
aüroo fie fanctiffimam facram aboriert, fepulchrum Sanctorum Zlpoftolorum petri et paull 
rerehrt unb bes le^gelebten pabfis begräbnis orth befuchet haben, barauff feynb fie mit ihren 
3 Conclaoiften in bas conclaoe eingegangen .... himach begaben fie fich in ihr £ogirung, melche 
fehr eng ift unb hat nur ein fenfter, bas gan 3 e §immer hat in ber breite 20 fchuh in ber länge 
32 fchuh; hierin ift Cminentiffimi logierung 3 um fchlaff unb aubien 3 ab 13 fchuh breib unb ab 
16 fchuh lang, bann ein flciner orth bey bem fenfter, morin Cminentiffimus fpeifen, fchreiben 
unb betten, gnnfehen biefem orth unb fchlaff gimmer Cminentiffimi ift ein Durchgang für 
anbere, bas übrige ift für bie 3 Conclaoiften. Wich munbert, bafj bie £ 7 . £ 7 . Carbinäl fich fo 
lang aufhalten mögen mit machung eines pabft, fich baburch aus ber finftern unb auch ftinfen» 
ben gefangenfehafft 3 U erlebigen, ich halte mich für einen armen gefangenen, ber in einem orth ein» 
gefperrt ift, fein Ziortn in gan 3 teutfchlanb ift fo hart eingefperrt, ba biefe für bie natur noth» 
menbigfeiten ein heimlich orth hat, uns aber bergletchen abgehet, unb einer bem anbern 3 U» 
(eben muß effen, trinfen, fcbloffen ect. muß in ein orth gefächen, <5ott molie uns gefunb er* 
halten/ 

3n einer beigefügten <Srutibri§=Sfi 55 e ift Öer mittlere Ceil öcs Zimmers burd] 
punftierte Citticn als „Cminentiffimi auöien 5 u. Sdjlafsclle" mit in einer Ccfc ein» 
gcjcicbnctcm Sott marfiert. 3 n einem längs öer ^enfteriranö rcrlaufenöen ebenfalls 
burd) eine punftierte £inic abgegrenjtcn fdimalen Streifen fteljt „fyier fpeifen febreiben 
unö betten Cminentiffimus, öes rtaebts aber fdilaf id) öarin auf öem boöen auf einer 
maöraj, ireldic id) l)in unö l?cr tragen mu]? —3 U einem lubenraum ftebt: „öie 
garöerobe unö fdüafcn öarinn 2 Cammerbicner". 

2luf öer ßinreife ift am 9 . Kpril öie Knfuuft in MIantua erfolgt. Zhn 6 . ZlTai 
erfahren wir aus l\om, öafj es Sdjönborn öie porige HXxbe miferabel mit feinen 
2lugen gegangen ift. 2lm 1. 3 U ^ fdn*eibt er: „id? habe mid> l?eibt aus öem Conflape 
muffen tragen lauen, nid>t fo viel wegen einer gefebrlidvn als wegen einer fcfyr 
ineomrnoöen Kranflvibt, öas ift ein rolliger Kusfdüag". 2lm 27. September reifte 


£eib blauer toaagen 
U. Reicht Patter 

12. leib IHebicus £7. Dünneroalbt 

13. Cabinet Secretarius £7. Keiü 

14. £7. CapeUan (Süntber. 

15. Caoaliers Gebienter. 

Glarner reys toaagen 

16. £7. oon IDicf \ 

1?. £7. ooit £überit$ J 

18. gafjlmelfter jlaifchmattn 

19 . Kucbenmaifter Scbaaff 


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Sdiönbortt Dort Hont mieber ab, am ©Ftober Ijat er in Bologna „bie ©pera" 
befudjt. 

Damian ßugo, bet feit \?22 Eoabjutor bes Bistums Honflanj mar unb als 
foldjer ein 3ntereffe haben mufte, ben Si$ feines 3 ufünftigen IDirFens 311 befefjen, 
hat auf bet Höcfreife Dom KonFlane bent Bifdjof 3ot?ann gratis Sdienf pon Stauffen* 
berg einen Befudj abgefkittet. 21m 16. ©ftobet fdjreibt Dr. Hellermann Don ZU e e r s* 
bürg aus: „geftern Zlbenb feynb Eelfifftmus am Ijieftgen f?of anFommen, roo gute 
rafüäg merben gehalten merben, ut rectificantur vires corporis, meldje auf ber 
rey§ 3 iemlid) gefdjiDädjet morben." 21m 7. Hop. erfahren mir Don bemfelben <ße- 
mäljrsmann uon Brudjfal aus: „ben 25ten ©dober nachmittag feyttb Eminentifftmus 
pon Ztlörsburg mo mir ein gut quartier hatten ab über ben fee gegen ftabten [Staab] 
unb bis nach <£ngen gegangen, allmo mir erft um Mitternacht ahngetroffen. Den 
anberen Cag haben mir regen unb feljr böfe meeg gehabt, feynb meiner nicht Fommen 
als bis Dillingen. Den 27ten ging bie revs burdj ben fdjmar 3 malt über hatnberg unb 
hauffadj bis ©engenbadj, allmo Eminentifftmus erft nachts um ff Uhr mit bem 
mohr unb ein h«ybucf allein angelangt, ber Eapallier* unb £ammerbiener*magcn feynb 
3 U hauffadj <1 ftunb 3 utücf geblieben unb ben anberen Cag einer morgens um 8 , ber 
Smevte mittags um 11 Uhr 311 gebacht (Sengenbach anFommen. Die reyfj non Dillin* 
•gen bis (Sengenbach mare megen bergidj unb fteinigte meeg, auch n?cgen ber burdj 
piele regen angeloffene Kinsig unb anbere gemäffet bie allerfdjlimmftc, h cr bcftc unb 
gefährlichfte. Da Eminentifftmus nachts burdj ein maffer fehl, 3 erbradj im maffer an 
bero magen ein rattj, bodj meillen ber hiuben barauff fit>cnbe IjeybucF es 3 eitlich gemäht 
morben unb bem fuhrman mit großem fdjreyen 5 ugefprodjen, feynb «Eminentifftmus 
gliicflich burdi Fommen. ©hnmeit bapon feynb bes £}. praelaten [dop (Sengenbach] 
pferbt mit einer Kutfdi entgegen Fommen, meldje «Eminentifftmus eingenohmen. 21n 
ber Eaixtllier Kutfch ift gleich aufjer ßornberg ein fynbere Urt abgebrochen unb mar 
3 um ungliic! Fein magner in ortb. Da mir 3 U haufad) an bas mirtshaus Famen, 3 er* 
bradj bie anbere hiubere art. g>u obberührtem gengenbad? haben bes ß. ZHarggrafen 
3 U Baaben hodjfürftl. Durchlaucht [€ubmig (Seorg], meldje megen oerbruf? mit bero 
^rau (Semahlin ftdj in bero ©berlanb aufhielten, «Eminentiffimum ermartet unb nadj 
angehörtcr heil- mefj unb genohmenen frühftüd burdj bero €anb bis Zlcbaradj [alte Be* 
3 eidjnung für Ziehern] ben 29 ten paffati pon ba bis Ettlingen begleitet unb grofje 
Ehre be 3 eichet. 3« allen Babifchen ©rtljcn ftunb bie Canbmilit? in gernchr unb mürbe 
<xus pöllern gefdioffen, meldjes auch bk ßerren ©ffenburger gethan. 3 11 Ettlingen 
fcvnb Eminentifftmus perblicben. Den 2 tcn Ziop. ift bie Babifdjc Prin 3 effm aus ^ranf- 
reich pon iljrer Ehttr 51 t Ettlingen glüdlidj angclanget 3 ur großen freub bes fürftl. 
haufcs, in mekbem Eminentifftmus auch bie einigfeit smifdjen ß. ZUarggrafen unbt 
feiner gemahlirt h<uftcllen treiben." 

Uber bie hier ermähnte Störung im Eljeglüd bes 3äd ei 'louis — fo nannte ber 
DolFsmunb ben Sohn bes Eiirfenlottis —, mit feiner erften (Semahlin ZTtaria 21ntta 
von Schmalenberg, bie ihm fürs sttuor im Jahre 1.728 nai? ftehenjährigem heifien 


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60 


Seinen 6cit Srbprinjen Karl £u6rptg gefdjcnft Ijatte, fcbreibt Damian J)ugo am 
18. Hop. 1730 pon Brudrfal aus: „^revlidj ift ber ©jeteuf fei in befantcn ortljen 
eripadjfen, fo mir piele arbeith madjct, insmifcbcn Ijoffe, man bie ©tern fecurtbiren, 
biesmafjl bie fad) nodj ju lieben, bann fic ftdj nodj mit rcputation beben laffet; 
bie mutter Ijat bisfyero bie fadjen nicht perbefferet, tjoffe aber bajj ber Patter tieffer 
einfdjauen merbe." Des ZtTarfgrafen IHuttcr, bie permitrpete Ku$ufta Sibvlle, mag 
in biefen mie in fo pielen anberen forgenpollen Stunben banferfüllt bie hilfreidje £}anb 
ihres fürftbifdiöflidjen ^reunbes ergriffen Ijaben. 

3m 3<rf?re U^O 3 um Bifchof pon Konftan 3 erhoben Ijat Schönbom am 2 . Hop. 
btefes 3^J?^5 bie Keife nadj feinem neuen Bistum angetreten. Km \2. Hop. J740, 
abenbs 5 Uhr, ift er in Hteersburg mit 120 Pf erben unb ZHaultieren eingetroffen. 
„Den 26ten HTär 3 \7<k\ haben bes (£arbinalen unb Bifdjoffen pon (£onftan 3 ©minenj 
ftdj mit bero ganzen bjofftatt pon fitlidj 60 perfoljnen auf Bflrnau begeben [b. i. Klt- 
birnau!], bey bem ©naben Bilb eelebrirt unb über 3 ftunben im Pf leeghaus auf- 
gehalten." 

Die offijielle Kntrittspifitc in Salem felbft hat erft am 50. 0ftober \7%\ ftatt- 
gefunben. 

„Die £j. p. p. Secretarius, (ßrofefeller unb fj. Cahier nebft *?. 0 berambtmann finb 
in einer Kutfchen bem Carbinalen unb Bifdjoffen pon Coftan3 bis tttihlhofen enbtgegen ge¬ 
fahren, biffelbe complimentiert unb umb %2 Uhr finb feine <Emtnen3 hier eingetroffen unb 
bey ber Kürchhoff Chür ob. Chor aufegeftügen, alltpo p. prior eine fleine reb» unb 
Benepentierung machte, bey basfelbe ftuenbe bs gefambt Conoent in cuculen in 2 rayen bis 
an bie Kürch, burch welches feine <Eminen3 giengen unb fich auf bem mit (Einem roten Cepich 
gleich an ber erft ob. unbften Staffl gegen bem Hochaltar 3ubereuteten Stuol hinber welchem 
ber roth Samete Säfel ftunb niber fnietten, worauf pon bem Conoent bas Chebeum abge- 
fungen würbe, hinauf begaben fich feine <Eminen3 neher hin3U gegen bem Hochaltar, welcher 
mit allem Silber aufgemacht war unb befestigten basfelbe, hinauf perfiiegten fee fich 3U benen 
4 fjeyl. teiberen unb benen 3 neuen Ultären, befahen unb belobten alles; 3ule^t haben felbe 
fich auf ben anbern bey ber lUuetter (Eottes an ber Säulen 3U bereiitteten Stuol niber ge* 
lajfen unb gebettet; nach biefem ift mann burch ben Crey3gang bey benen ttoriciat Stiegen 
hinauf burch bas Uubitorium in bas ^urften3immer, aüwo por bem §immer auf bem < 5 ang 
IHein gnäbiger fjerr [ 2 lbt Confeantin] int bem mantel unb pectoral angethan in bem Crag 
Säfel fitjenb, weill fee nit ftehen funtten unb etwas fchme^en leybeten, feiner Cminen3 eine 
fur^e anreb teutfeh malten, worauf feine <Eminen3 fich in bas gimmer begaben unb aud) 
mein gnäbiger Fjerr hineingetragen fobann Uber eine oirtl ftunb in bem gimmer aufgeberft 
würbe, wonach; auf feiner Cminen3 Perlangen mein gnäbiger £jerr £j. p. p. prior unb 
Secretarij umb %3 Uhr mit fpeiffeten. 3 ^ ber redjnungsrath bat bie (Snab 3U trand>iren, bie 
0 . BurfambtfSreiber unb Can3life Cbrifta 3U creben3iren. Camnterbiener, Cammer Caquai 
Uutfcfeer unb Porreütter wartbeten in ber neu unb batfehier iiore auf. Unber bem fpeifen 
würbe im gimmer eine auf feine Cminen3 gemachte Compofetion abgefurtgen unb mufic ge- 
madit, weiche birtach bey ber Caraliers Caffl repetirt worben. Ubenbs umb M >7 Uhr befueebten 
feine Cmineri3 meinen gnäbigen Berren in ber Ubbtey auf eine halb jrunb, unb als fee fich 
wiber in bero gimmer perfiiegten, beriieffen fye bic beebe geiftl. 2lätbe ben £j. Doctor IDein- 
bach unb Seminarij Uegens pto bes Seminarij unb hielten mit felben eine Conferen3 bife 
1 j 10 Uhr, worauf fee ein fleines Uacbtmabl in bero gimmer gan3 allein einnammen unO 
umb \ 1 Ubr 3ur ruebc gingen, «guoor aber liefeen feine Cminen3 burch bero Cammerbiener 


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meinen gnädigen f*errn ein Compliment- unb Knmunfch guetter Buehe machen, morauf ber 
Bf. Cahier eine Danffagung unb gegencompliment 3U machen Befelch erhalten. Seine 
€minen3 haben bero eigenen Wem, nemblich rheinmein mit t^alb Sel3er Saurbronnen ge* 
trunfen. Den 3jten ©ctobris als ginstag ftuenb feine Cminen3 umb 7 Uhr aufe bet rueh* 
auf, obneradjt felbe umb %6 Uhr auf3uftehen unb umb 6 Uhr ab3ureifeen abenbts enbtfchloffen 
maren; umb 8 Uhr hörtten fie in bet £?of (Capellen auf bet Zlbbtey bie, E^eyl. EHefe, melche 
oon bem Ejofcaplan gelefen mürbe, nach beten Poüenbung liefeen fich mein gnäbiger Ejerr 
aufe bero gimmer auf ben (Bang bey bet Uhr tragen unb ermartheten feine Cminen3 aufe bet 
Capellen, mobann feine <£minen3 3U benenfelben ftcb oerfuegten, einen Danf für empfangene 
Cbren abfiatteten, beffere (Sefunbheiten anmünfchten unb biefelbe embraffierten, fobann ficb 
in bi Kürcb oerfüegten, bey bet Xlluetter (Bottes an ber SauUen ein Kut3es (Bebett oerrich* 
tetcn unb über ben Kürchhof hinaufe 3ur Kutfchen giengen, oor berfelben ficb umbmenbeten 
unb allen benen 3hnen nacbgegangenen ben Seegen gaben, in bie Kutfchen ftiegcn unb ab* 
fabrten. Ejöchft biefelben mürben mit hteffigen pferbten benanbtlicb \ 8 für 7 Kutfcben unb 
6 reütter alfo 24 pferbten bife Stocfach abgefüebrt unb bebient, aürno benen hteffigen leutben 
19 fl Crinfgelb geraicbt mürbe. Den soten bey bem Ejerfommen, fobalb feine Cminen3 über 
ber aacb bey ber Cafernen [in lUimmenhaufen!] erfcbeinten, mürbe mit bem bey bem fohlen 
Stall an ber Uach [b. blutige Stepbansfelber Ejof] hinunter gepflan3ten gefchüg ber anfang bes 
fchiefeens gemacht unb bamit bis nach bem 2Xbfteigen continuirt. Der gug gienge nicht burcb 
bas Ejarb fonbern über bie miffen herauf. Bey bem Chor ftunben aüe Solbaten im gemehr. 
Bey bem dürften Summer Caffl gimmer maren hoppelt, bey bem portal' aber eine einfache, 
auch bey ben Kutfchen dag unb Badjt eine EDadjt; Bey bem abgeben ift bas gefchü3 auf ber 
Perenen halben gepfla^t gemefen unb mürbe auch lang gefchoffen. EDeber bey bem Ejer* 
fommen noch abraife mürbe nicht geläutbet unb in ber Kürch fein meibmaffer gereicht. Seiner 
<£minen3 \2 Ejuffaren feinb nicht mit hierher gefommen fonbern erft bey bem E?ermarch feinb 
biffe 3U EHüblboffen nach Stocfach 3U geben unb allba 3U marthen befelcbt morben. Seiner 
<Eminen3 Suite beftunb in bem Bf. 0brift Stallmeifter Baron 0. [ber Barne fehlt], ©brift 
Kämmerer Baron £öhrbach, E}of Caoaüier Baron 0. Spiegl, 3mey Cbelfnaben als Baron 
0. Crasciet unb Baron oon [ber Barne fehlt] 2 Bf. £7. p. p. Benebictiner als E^ofcaplaen, 
Bf. Bereutber, 2 Cammerbiener, 2 IHunbfchenf, 2 iäuffer, 2 Ejeubucfen, E?err £?of Cammerratb 
Durafe unb noch mehr anbere Bebiente alfo bafe bie Bruchfalifche unb lUörspurgifche Suite 
in etma 50 perfonen beftuenbe. Bach feiner Cminen3 abreife namb ber rücfgebliebene 
EHörspurgifche Ejof ein ^rübftücf unb reifte umb u Uhr auch ab." 

Der Salmansroeilifcfa Hecbnungsrat 3obamt ZHartin Doglcr, Neffen f)anbfd?rift* 
liefen Jlufjeidjnungen bie Sd)ilberung biefes 2lufentljalts Damian £}ugos in 5alem 
entnommen ift, lägt an einer unferem rafdüebigen (ßefd}led?t piclleicbt langa>eilig er* 
fd^einenben Jlusfüfyrlidjfeit nichts ju tpünfdjen übrig. Kber gerabe babureb ift es 
ifyrn gelungen, ein nid^t nur magres, fonbern jugleid) lebenbiges Bilb ber rom £}of* 
ScrmonieU befjerrfebten Seit ber gepuberten Periicfeu oor unferem geiftigen 2lugc 
ju entrollen. 

Dergleidjt man bas Programm ber Salemcr Keife mit bemjenigen, bas beim 
Befudj am Pfäljer 6ofe abgemicfelt mürbe, bann wirb man erfennen, ba§ Damian 
f)ugo pon Sdiönborn bie föftlidje (Rabe befeffen bat, ftcb bem jeweils gegebenen ZHilieu 
trefflich einjufiigen. Es wirb von ihm gefagt, bag fein Cebcnstranbcl „beiligmagig" 
gemefen fei. Jrt ber anberen IPelt ber Entfaltung beiterften Cebensgenuftes mar er 
fein Spielivrbcrbcr! 


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62 


Efls am f 8 . Etuguft 17^5 aben 6 s bie Ul}r, 6 ic unnxit con feinem Beit tjing, bie 
ad)te Siunbe feblug unb nad? furjet Seit, otjne bafj jemanb biefelbe berührte, bie adjt 
Schläge repetierte, fagte Damian £)ugo mit beroifebem ©eift: „34? erfennc febon, roas 
biefes roiebertjolte achte fdilagen bebeutet. 3<b banfe bit 3 coar liebe getreue Utjr, bafj 
bu mir mit beinern roahrfagenben repetirten achte fd/lagen tjaft anbeuten rooüen, bafj 
idj morgen um biefe §eit nit metjr acht Utjr fcblagen tyte. Elber biefc EDarnung 
ift um fo weniger oonnötben, um mebrer ich bereit bin, alle Stunb unb Etugenblicf 
meinem fommenben ©ott entgegen 3 U geben. IDelcbes auch, wie er porgefagt, ift er* 
folget, ba <£r ben anberten Ca'g eben noch oor acht Ub r abenb ganfe fanfft unb feeligt 
entfcblaffen ben Heunjebnten EIugufbEHonats bes perfloffenen 17^3 3 a ^ r 67ten 
feines Ellters." (Elus ber Crauerrebe, bie p. Cbabbaeus Kofler S. 3- 3 a ^? re 
in EDiefentbeib gebalten b<d) hat er auch feine le£te Keife mit einer 
freunbticben EHiene angetreten, unb wenn bie ©efebiebte mit hartem ©riffel bie mar- 
fanten Sü 9 e bes ausgejeiebneten Hircbenfürften, wie er uns in Etusfibung feines 
Efmtes entgegentritt, im Schatten eines tiefemften „Memento mori" binterlaffen b a b 
mögen bie Brudjfaler, bie ibn ben 3 n>eiten ©rünber ber Stabt nennen, ibt „Dergif- 
meimtiebt" auf bas b^tere Bilb reinen EHenfcbentums legen, bas uns porfübren foll 

ben Efarbinal Scbönborn auf Keifen! 


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©aa Q§>rucßfa£er ^cßfoßmufeum 

Pott 2lnton tPctterer, öruchfal 

inc Aufgabe pon 5er Qualität un 6 6 em Umfang 5er Scblojjrenopation 
in Brucbfal bringt, wenn fte ridjtig angcfafit un5 5urcbgefül?rt mer5en 
foü, eine UTenge fragen miffenfchaftlicbcr un5 tedtnifdter Urt in Unregung 
un5 ihre Bearbeitung för5crt mancherlei sutagc, nxts für 5 ic IDiffenfdiaft bleibcn5en 
lücrt hat. Pies trifft tjier in erhöhtem Uiafje zu, 5anf 5er grün51idicti Uiethoöe feiner 
Henopatoren, bcfon5crs 5es fjerrtt Dr. ffirfcb. Er überzeugte ftd) fofort ron 5er 
UotmenbigFeit, 5as nicht geringe, aber noch menig geftdjtetc UFtett* un5 Planmaterial 
5urcbjuarbeiten. Paju befajj er 5ie nidit 511 überbietcn5e (Energie un5 Ufribic. 

Um Schluffe 5er Henopation mar eine ftattlidie Sammlung ron alten un5 neuen 
^cidinungen porl?an5en, pcrfcbiebette UTobelle un5 Derfucbe, mancherlei, 5as fid> in 
5en zahlreichen ©ebäu5en fan5 ufm. Pa erhob ftcb 5ie 5*age: follen 5iefe Pinge nicht 
ein 5auern5es f)eim in einem 5er Schlofjräume erhalten, um fomohl por Berfcbleu5e= 
rung befebütjt zu bleiben, un5 an5erfeits 5cnen, 5ie in 5er näheren un5 ferneren §u* 
Funft ftcb für 5ic (ßcfdiidite utt5 5ie Hunft 5es Bau5enFnials intcreffteren, an COrt un5 
Stelle 5ienen zu Fönncn. So ergab ftcb 5ie 3^ cc eines Scblofmtufeums . 1 ffirfcb bot 
fte entmorfen un5 mit ^uftimnumg 5 es Zltinifteriums in 5ie (Tat umgefefct. 

Pie IPahl eines paffen5en Uauntes bot Feine SdnpierigFeit. Pas Zimmer Hufs 
Pom fiaupteingattg an 5er fjoffront mit picr puffern mur5e 5azu beftimmt. Ur 
fprünglicb mären es 5rei gemölbte Zimmer, 5as ztucifenftrige näd>ft 5ent Eingang 
5ientc 5em ffofmarfchallamte, 5as an5ere 5 em fjausbofmeifter un5 im 5rittcn mobnte 
ein Kanzlift. 3m 3obre 1782 machte BiFolaus Schmarl? aus 5iefcn 5rci Zimmern 
einen Kaum mit einer glatten PccFe, 5 ic Studornamcnte erhielt, un5 beftimmtc ihn 
Zum „Kapalierfpcifczimmer". Ein zierlicher IDanbnifchenbrimnen bereitete 5ett ehe' 

1 „Sdjtofe Brudjfat" erfdteint als befonbercs Ejeimatblatt. 



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UNIVERSITY OF CALIFORNIA 


— H — 

maligen fjofjunfern t>eim IHafye frifche Kühle. 3n Öen f850er 3ahreu öiente öer 
Saum als „inilitärfpital". Damals hat man öen Brunnen mit Brettern nerfdjalt 
unö Bilöer unö Spiegel entfernt. Bei öer Henopation lief ijirfdj öie IDanöfpiegel aus 
öer fymsfapelle jurüefbrirtgen, ebenfo öie Bilöer öer pier lebten ^brftbifdjöfc, u?obei 
Sollingen öurdj einen neuen IDilöeridj pon IDalöeröorf erfeft muröe. 

Sn älteren planen ftnö porljanöen: öie Seftöcnj um 1726, öas Damianstor, 
öas IDadjtljaus, öas Corps de logis, Deränöerungen pon Thomann (XTlainj), öas 
Treppenhaus, piellcicht pon Heumann, öie Tljortpanö öer Kirche, öie Portalbauten 
pon Ceonharö Stahl 1753, Plane pon öer Seferpe, öer Tabaffabrif, öem Stirumfpital 
unö öeffen Kapelle, öem alten Sdjlof, öer St. Paulusfircbc u. a. Dasu fommen alte 
Cichtörucfe perfdjieöener Snficbten pon Bruchfal. 

Aus Anlafj öer Henopation muröe eine Hlenge neuer Dehnungen gefchaffen, 
namentlich jene, aus öeneit öie Schnitte auf Öen herrlichen platten in £}irfch’s Schlof- 
u>erF gewonnen mürben, unö öie 3 um ,3wecf öer äuferen Bemalung. Sic halte * 1 
öas Bilö feft, trenn es am Sdilof nach 3ahren perblaft fein toirö. Diele Photo« 
g r a p h i e n, öarunter folche, welche öas Bilö einjdncr Scblofteile por unö trährenö 
öer Senopation feftgclegt hoben. 

IDertpoU ift öie Sammlung fämtlicher £ i t e r a t u r über öas Sdilof, öie mir 
haben. Sie beöingt öie Pflicht für eine gemiffenhafte Fortführung. 

3m £)inblicf auf Öen genannten Beftanö erfüllt öas IHufcum jugleich öie 5 n?e ^ c 
öes 21 r d} i p s unö öer Bibliothek. 

©s enthält aber auch eine überrafchenöe Stenge pon ©egenftänben, öeren 
Sammlung fofort als ein hohes Deröienft um öas fulturelle 3**tereffe öes Seftöen 3 « 
baucs 3 utage tritt. IDir fehen hier einige Autograpbc pon Scbönborn, fein golöenes 
mit ©mail gefcbmücftes ©röensfreuj, öas er in Öen Sarg mitgenommen hat, ebenfo 
einen golöcncn Sing; pon Jüt